m
**3
" 'V
■ -V
SITZUNGSBERICHTE
»ER KAISERLICHEN
AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.
FUNFUNDVIERZIGSTER BAND.
-=*oo§§<xx^
WIEN.
AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI.
IN COMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN, BUCHHÄNDLER »ER KAIS. AKADEMIE
DER WISSENSCHAFTEN.
1862.
SITZUNGSBERICHTE
dei:
MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHEN
CLASSE
DER KAISERLICHEN
AKADEMIE HER WISSENSCHAFTEN.
XLV. BAND. I. ABTHEIIM.
Jahrgang 1862. — Heft I bis V.
(Hit 30 Cafein.)
WIEN.
AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI.
INCOMMISSION BEI KARL GEROLD'S SOHN, BÜCHHÄNDLER DER KAIS. AKADEMIE
DER WISSENSCHAFTEN.
^1862.
INHALT.
Seite
I. Sitzung vom 3. Jänner 1862: Übersicht 3
Scheiber, Vergleichende Anatomie und Physiologie derÖstriden-
Larven. Zweiter Theil. (Mit 3 Tafeln.) 7
II. Sitzung vom 9. Jänner 1862 : Übersicht 69
Stoliczka , Oligocäne Bryozoen von Latdorf in Bernburg.
(Mit 3 Tafeln.) 71
III. Sitzung vom 16. Jänner 1862: Übersicht 95
Jessen, Über Ausgaben und Handschriften der medicinisch-
naturhistorischen Werke der heiligen Hildegard ... 97
IV. Sitzung vom 30. Jänner 1862: Übersicht 117
Rolle, Über eine neue Cephalopoden- Gattung Cyclidia aus
den Tertiärschichten von Siebenbürgen. (Mit 1 Tafel.) 119
V. Sitzung vom 6. Februar 1862: Übersicht . 131
Langer, Zur AnatomieundPhysiologiederHaut.il. (Mit 1 Tafel.) 133
VI. Sitzung vom 13. Februar 1862: Übersicht 189
Diesing, Revision der Turbellarien, Abtheilung: Khabdoeoelen 191
VII. Sitzung vom 27. Februar 1862: Übersicht 319
VIII. Sitzung vom 13. März 1862: Übersicht 321
Gümbel, Die Dachsteiubivalve (Megalodon triqueter) und
ihre alpinen Verwandten. (Mit 7 Tufeln.) 32o
IX. Sitzung vom 20. März 1862: Übersicht 379
v. Zepharovieh, Berichtigung und Ergänzung meiner Abhand-
lung über dieKrystallformcn des Epidot. (Mit 1 Tafel.) 381
Heller, Beiträge zur näheren Kenntniss der Macrouren.
(Mit 2 Tafeln.) 389
X. Sitzung vom 3. April 1862: Übersieht 427
Zirkel, Versuch einer Monographie des Bournonit. (Mit 7 Tafeln.) 431
XI. Sitzung vom 10. April 1862: Übersicht 467
Langer, Zur Anatomie der männlichen Schwellorgane . . . 470
VI
Seite
XII. Sitzung vom 24. April 1862: Übersicht 475
XIII. Sitzung vom 8. Mai 1862: Übersicht 479
Üiesing , Beschreibung von zwei neuen Arten der Gattung
Aulastomum aus warmen Quellen Ungarns 481
Kner , Kleinere Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische
Österreichs. (Mit 2 Tafeln.) 485
v. Zepharovich, Die Krystallformen des unterschwefligsauren
Kalkes. (Mit 3 Tafeln.) 499
XIV. Sitzung vom 15. Mai 1862: Übersicht 312
XV. Sitzung vom 22. Mai 1862: Übersicht 816
SITZUNGSBERICHTE
DER
KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.
XIV. BAND.
ERSTE ABTHEILUNG.
Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik,
Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie.
I. SITZUNG VOM 3. JANNER 1862.
Eingesendet wurden folgende Abhandlungen:
„Über Saponin und Cai'ncetin und deren Spaltungsproducte",
von dem w. M. , Herrn Prof. Dr. Fr. Rochleder in Prag.
„Über einige Xanthinsäure-Verbindungen", von dem c. M., Herrn
Prof. Dr. H. Hlasiwetz zu Innsbruck.
„Über eine neue Säure aus dem Milchzucker", von Herrn Prof.
Dr. H. Hlasiwetz und Herrn L. Barth.
„Untersuchungen über die Leistungsfähigkeit der Bourdon-
schen Metallbarometer", von Herrn Prof. Jos. Wa stier in Gratz.
„Über den Wärmezustand der Gase", von Herrn Prof. K. Puschl
in Melk.
Das k. k. Marine-Ober-Commando übersendet den I. Band des
medicinischen Theiles des Werkes: „Reise der österreichischen
Fregatte Novara um die Erde in den Jahren 1857, 1858, 1859
unter den Befehlen des Commodore B. von Wül lerstorf-Urbair"
von Dr. Eduard Schwarz.
Die königl. Norwegische Universität Christiania übermittelt
eine silberne Medaille, welche bei Gelegenheit der 50jährigen Jubel-
feier dieser Hochschule geprägt wurde, nebst einer zweiten Medaille
von Bronze zur Erinnerung an die Krönung S. M. König Karl XV.
am 5. August 1860.
Der Secretär theilt mit, dass für die chemische Preistrage, be-
züglich einer genauen Untersuchung der phosphorsauren Salze, bis
zum festgesetzten Termin, dem 31. December 1861, keine Concur-
renzschrift eingelangt ist.
Herr Director K. v. Littrow überreicht eine Abhandlung:
„Über die Bahn von(59)EIpis" vom Assistenten an der Wiener Stern-
warte, Herrn Dr. Edm. Weiss.
Herr Dr. Julius Wiesner übergibt eine „vorläufige Mitthei-
lung über die Lage der Blattbasen".
Herr Dr. Vict. v. Lang legt eine Notiz über „die Krystallformen
des unterschwefelsauren Baryts und des traubensauren Kali" vor
i*
Ali Druckschriften wurden vorgelegt:
Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin, Monats-
bericht. Juni — October 1861. Berlin, 1861; So-
Annales des mines, 5e Serie, Tome XIX, 3C Livraison de 1861.
Paris, 1861; 8°-
d* Arrest, H. L., Instrumentum tnagnum aequatorewn in Specufa
U/iiversitatis Haunicnsis nuper crectum. 4°"
Astronomische Nachrichten, Nr. 1340 — 1342. AItona,1861; 4»-
Austria, XIII. Jahrgang, L. — LH. Heft. Wien, 1861; S<>
Barrande, Joachim, Defense des colonies. I. Prague & Paris,
1861; 8°-
Bauzeitung, Allgemeine, XXVI. Jahrgang, X., XI. & XII. Heft
nebst Atlas. Wien, 1861 ; 4°- & Fol.
Bericht über den Handel, die Industrie und die Verkehrsverhält-
nisse in Nieder-Österreich während der Jahre 1857 — 1860.
Erstattet von der Handels- und Gewerbekammer in Wien.
Wien, 1861; So-
Christian ia, Universität, Akademische Gelegenheitsschriflen. Chri-
stiania, 1854 — 1861; 8'- & 4<>-
Comptes rendus de l'Academie des sciences, Tome LIII, Nr. 22
bis 24. Paris, 1861 ; 4<>-
Cosmos, Xe Annee, 19° Volume, 24" — 26e Livraison. Paris,
1861; So-
Gazette medieale d Orient, Vc Annee, Nr. 9. Constantinopole,
1861; 4°-
Ge werbe- Verein, niederösterreichischer, Verhandlungen und
Mittheilnngen. Jahrgang 1861, 9. & 10. Heft. Wien, 1861; 8°-
Göth, Georg, Das Joanneum in Gratz, geschichtlich dargestellt
zur Erinnerung an seine Gründung vor 50 Jahren. Gratz,
1861; 8o-
G uggenbühl, J., Bericht über das 20jährige Bestehen der Kreti-
nen-Anstalt auf dem Abendberge. 4°
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung, XI. Jahrg., 1861, Nr. 36;
XII. Jahrgang, 1862, Nr. I. Wien, 1861 & 1862; 4°-
Mittheilungen des k. k. Genie-Comite, Jahrgang 1861. VI. Band,
5. & 6. (Doppel-) Heft. Wien, 1861 ; 8»-
— ans J. Perthes' geographischer Anstalt, Jahrgang 1861, XI.
Hell. Gotha, 1861 ; 4o-
Regel, E. , Übersicht der Arten der Gattung Thalictrum, welche
im russischen Reiche und den angrenzenden Ländern wachsen.
Mit 3 Tafeln. Moskau, 1861; 4<>-
Schwarz, Eduard, Reise der österr. Fregatte Novara um die Erde
in den Jahren 1857, 1858, 1859. Medicinischer Theil. I. Rand.
Mit 10 Holzschnitten, 1 lithogr. und 1 Kupfertafel und 3 Rei-
lagen. Wien, 1861; 4°-
Übersicht der akademischen Rehörden an der k. k. Universität zu
Wien für das Studien-Jahr 1861/62. Wien, 1861; 4«-
Verein zur Verbreitung naturwissenschaftlicher Kenntnisse in
Wien. Schriften. I. Rand, Jahrgang 1860/61. Mit 2 Tafeln
und 6 Holzschnitten. Wien, 1862; 12°-
— Vorarlberger Museums-, in Rregenz. Vierter Rechenschafts-
bericht. Rregenz, 1861; 4°-
— Offenbacher, für Naturkunde, Zweiter Rericht über seine
Thätigkeit. OfTenbach am Main, 1861; 4°-
Viertel Jahresschrift für wissenschaftliche Veterinärkunde. XVII.
Rand, 1. Heft. (I. Jahrgang 1862.) Wien, 1862; So-
Wiener medicinische Wochenschrift, XI. Jahrgang, Nr. 49 — 52.
Wien, 1861; 4°-
Wochen- Rlatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft.
XI. Jahrgang, Nr. 4 & 5. Gratz, 1861 ; 4°
Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- Vereines, XIII. Jahr-
gang, X.Heft. Wien, 1861; 4<>-
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven.
Von Dr. S. H. S c h e i b e r.
(Vorgelegt in der Sitzung vom 7. November 1861.)
Zweiter Theil.
VIERTES CAPITEL.
(Mit 3 Tafeln.)
Respirationssystem.
Wenn schon die Bremsen-Larven in Hinsicht des Nervensystems
einen von allen bis jetzt bekannten Insecten höchst abweichenden
Bau zeigen, so ist dies nicht minder wiewohl im geringeren Grade
von Bespirationssystem der Fall. Die hier in Betracht kommenden
Eigenthümlichkeiten beziehen sich jedoch hauptsächlich auf die äus-
sern, mit der Aussenwelt communicirenden Theile der Bespirations-
organe, sowie auf die Art und Weise, wie der Gasaustansch in den
Bespirationswegen vor sich geht, während die im Innern des Lar-
venkörpers sich verästelnden Luftröhren geringere oder gar keine
Abweichungen von dem gewöhnlichen Typus der Tracheenverästelun-
gen darbieten.
Wir haben von allen drei bis jetzt abgehandelten Organsyste-
men, nämlich vom Muskelnerven- und Circulationssystem gesehen,
dass die Bremsen-Larven nach einem und demselben Typus gebaut
sind. Dieses ist in Betreff des Bespirations- und Digestionssystems
weniger der Fall, indem diese Organsysteme bei den einzelnen Lar-
vengattungen auffallende, der Verschiedenheit ihrer Lebensweise
angemessene Modih'cationen erleiden.
O Scheiber.
Man stösst bei den Bremsen-Larven auf zwei verschiedene Typen
von Respirationsorganen1), die nach ihrem Baue und ihrer physiologi-
schen Würdigung von einander in auffallender Weise abweichen. Der
eine Typus ist bei einer einzigen Gattung, nämlich bei den Gastrus-
Larven vertreten und hat den Zweck, dem Thiere den Aufenthalt sowohl
im Wasser als auch in der Luft zu ermöglichen, während der andere
Typus sich bei allen übrigen drei Gattungen (Hypoderma-, Cephe-
tiomyia- und Cephalomyia -Larven) vorfindet, und dem Baue nach
blos für Luftathmung bestimmt ist. Es ist bekannt, dass die Gastrus-
Larven im Magen und Darmcanal von Einhufern und namentlich von
Pferden leben, wo sie durch viele Stunden des Tages mit Nahrungs-
mitteln und flüssigen Stoffen in Berührung kommen, während sie die
übrige Zeit in einem Medium von verschiedenen, im Darmtracte an-
gesammelten Gasen zubringen, und demnach einer Einrichtung
bedürfen , die den Mechanismus der Wasser- und Luftathmung in
sich vereint.
Die Cephenomyien und Cephalomyien leben in der Nasen-, Stirn-,
Kiefer- und Rachenhöhle der betreffenden Wohnthiere (meist Zwei-
hufer), wo sie sich mit ihren Mundhaken an die Schleimhaut fest-
klammern und mit ihren Stigmenplatten stets von der in diesen
Höhlen befindlichen atmosphärischen Luft umgeben sind. Die unter
der Haut (von meist Zweihufern) lebenden Hypoderma-Lar\en liegen
zeitlebens in abgesackten Hautfollikeln der betreffenden Wohnthiere
und zwar so, dass sie mit ihrem vordem (Mund-) Ende nach innen,
mit ihrem hintern (Stigmen-) Ende nach aussen gewendet sind. Das
letzterwähnte Ende des Larvenkörpers liegt nicht in einem Niveau
mit der äussern Öffnung des ampullenförmig erweiterten Hautfollikels,
sondern, da dieser mittelst eines kurzen und engen Canales nach
aussen mündet, am innern Ende dieses Canales, durch welchen die
atmosphärische Luft bis zu den Stigmenplatten dringt. Die Larven
sämmtlicher drei letztgenannten Östriilen-Gattungen sind demnach
rein auf Luftathmung angewiesen, und besitzen daher eine diesem
Bedarfe angemessene und genau einander übereinstimmende, äussere
respiratorische Einrichtung.
•) Wir verstehen hier mir Typen, die durch Verschiedenheiten Ui den äusseren
Theilen des Respirationsapparates gebildet werden.
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. 9
A. Äussere Respirationsorgane der Gastrus-Larven.
Schjröder van der Kolk J) rechnet zu den äusseren Respira-
tionsorganen die Kiemenbläschen und die Stigmenöffnung; zu den
inneren das von ihm sogenannte Chambre aerifere, die Lungenbläs-
chen und die Tracheen. Wir werden der bessern Übersicht halber die
Luftkammer noch bei den äusseren Respirationsorganen besprechen,
und diese im Allgemeinen «, in die Stigmenplatte und ß, in die Luft-
kammer eintheilen.
u) Stigmenplatte.
Die Stigmenplatte liegt am hintern Ende des Larveukörpers,
und wird von zwei wulstigen Lippen (Fig. 36 ad), die zwischen
sich einen queren Spalt einschliessen, überragt. Diese Lippen, deren
man eine obere und untere unterscheidet, werden dadurch gebildet,
dass das freie Ende des hintersten Leibesringes (7>ö) gegen die
Leibeshöhle hin taschenförmig eingestülpt ist. Am Grunde dieser
Tasche liegt nun die Stigmenplatte (cc) , jedoch nicht senkrecht zur
horizontalen Ebene, sie bildet vielmehr mit dieser einen kleinen Win-
kel, so dass der obere Rand der Stigmenplatte (c) von der obern
Lippe (a) weiter (nach innen) absteht, als der untere (c) von der
untern Lippe («'). Die Lippen werden durch in ihrer Substanz ge-
legene Muskeln (sphincter et dilatatores) geöffnet und geschlossen.
Indem sich die Lippen schliessen, schieben sie sich so gegen einan-
der, dass sie genau auf der äussern Fläche der Stigmenplatte hin-
gleiten, und auf diese Weise den etwa an derselben haften gebliebe-
nen Schleim etc. abstreifen, wodurch die Stigmenplatte stets rein
erhalten wird. Ihre Function besteht ausserdem auch noch darin, dass
sie die so zart gebaute Stigmenplatte vor mechanischen Beleidigungen
z. B. vor in den Magen gelangenden Pflanzenstacheln etc. schützen
sollen, keineswegs aber in einem Abhalten der Stigmenplatten vor
Berührung mit Flüssigkeiten, da ja die Stigmenplatte eben so für
Wasser- als Luftathmung eingerichtet ist.
Die Stigmenplatte selbst hat mehr weniger die Gestalt
eines liegenden Ovals und besteht aus zwei seitlich gelegenen halb-
•) Memoire sur ('Anatomie et. Pliysiol. du G.istrus equi 1845, pag'. 82 — 125.
10 Scheiber.
mondförmigen Chitinplatten (Fig. 34 ad), welche durch eine zarter
gebaute, mit einer centralen Öffnung (c), sowie mit von dieser
Öffnung aus radiär verlaufenden Falten versehenen Chitinlamelle
(bb) verbunden sind. Wir werden der Kürze halber die seitlichen
(halbmondförmigen) Theile der Stigmenplatte (ad), weil sie die
Kiemenbläschen enthalten, Kiemenplatten, und die mittlere weiche
Chitinlamelle, weil sie die Stigmenöffnung enthält, Stigmenlamelle
nennen. Unter der Bezeichnung Stigmenplatte endlich verstehen
wir alle 3 Theile in toto. Sowohl an den zwei seitlichen, als an der
mittlem Lamelle kann man drei Schichten unterscheiden. Wenn man
die zwei seitlichen Theile der Stigmenplatte (cia) näher betrachtet,
so bemerkt man an diesen drei halbmondförmige, concentrisch ver-
laufende, zu beiden Seiten zierlich ausgezackte Linien (dd, ee),
die nichts anderes als der Ausdruck von Canälen sind, welche mit
einer doppelten Reihe von ziemlich regelmässig einander gegenüber
gelegenen Ausbuchtungen versehen sind. Diese Canäle nannte Schrö-
der van der Kolk Bögen (Arcades), während er die Ausbuchtun-
gen derselben mit dem Namen Kiemenbläschen bezeichnete.
Wir werden die ersteren Kiemencanäle nennen, für letztere behalten
wir noch einstweilen den Namen Kiemenbläschen; obwohl sie, wie
wir weiter unten sehen werden, keine eigentlichen Bläschen sind.
Sowohl die bogenförmigen Canäle, als auch ihre seitlichen Ausbuch-
tungen oder Bläschen liegen in der mittlem Schichte der halbmond-
förmigen Kiemenplatten (aa) und würden nach aussen offene Halb-
canäle darstellen, wenn sie nicht durch die äusserste Schichte der
Stigmenplatte geschlossen wären. Diese äusserste Schichte wird
durch eine sehr zarte Chitinmembran (Fig. 36 d) gebildet, welche
als Fortsetzung des äussern Integumentes von den Lippen aus auf
die äussere Fläche der Stigmenplatte übergeht, und diese als eine
homogene Membran gleichmässig überzieht. Sie ist künstlich von der
zweiten Schichte nicht zu isoliren, wohl aber kann sie im getrock-
neten Zustande der Stigmenplatten wahrgenommen werden, wo sie
sich als ein feines, mit der Unterlage noch theilweise zusammenhän-
gendes Häutchen allenthalben von dieser loshebt, und kann dann mit
der Nadel im Ganzen, oder in Form grösserer oder kleinerer Lappen
abgezogen werden. Sie ist entsprechend der centralen Stigmen-
ölfnung (Fig. 36 e) durchbohrt.
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. 1 1
Während nun die Stigmenlamelle und Kiemenplatte in ihrer
äussersten Schichte gleichen Bau haben, sind sie in den zwei folgen-
den Schichten von sehr verschiedener Structur. Die zweite
Schichte der Stigmenlamelle besteht aus der schon weiter
oben beschriebenen , ziemlich festen Chitinmembran (Fig. 34 b b und
Fig. 36 f), welche mit der äussern Schichte fest verwachsen ist, die
mittlere Schichte der zwei Kiemenplatten mit einander verbindet, und
die Stigmenöffnung enthält (Fig. 34 c und Fig. 30 e). Die dritte
Schichte der Stigmenlamelle wird von einer Chitinmembran
(Fig. 30 g und Fig. 35 cc) gebildet, die mit der mittlem Schichte
der Stigmenlamelle nicht zusammenhängt, vielmehr bleibt zwischen
beiden ein freier Raum (Stigmenraum), der im Centrum von einer
dünnen zarthäutigen Röhre (Stigmen röhre) (Fig. 35 und 30 e)
durchzogen wird, welche die dritte Schichte der Stigmenlamelle mit
der zu Eins verwachsenen äussern und mittlem Schichte derselben
verbindet. Die die dritte Schichte bildende (freie) Membran hängt
mittelst ihrer Seitenränder (Fig. 35 cc) mit der dritten oder porösen
Schichte der Kiemenplatten (Fig. 35 d d) zusammen, so dass also
der Stigmenraum mit den Lücken des porösen Gewebes in unmittel-
barer Communication steht.
Ein Theil und die Ränder c'c' der innern Stigmenmembran
(dritte Schichte der Stigmenlamelle) sind verdeckt von den Fortsätzen
(bb) des Ringes (Fig. 35 au), welcher der Innenfläche der Stigmen-
platte aufliegt; dieser Ring hat die Grösse und Begrenzungsform der
Stigmenplatte (in toto), an dessen äusserer Umrandung er augeheftet
ist. Nur entsprechend der zapfenförmigen Fortsätze (bb) besteht
keine Verbindung zwischen dem äussern Rande des Ringes und dem
der Stigmenplatte, so dass man da zwischen beiden eine feine Sonde
oder Borste durchschieben kann, und so unterhalb der innern Stigmen-
membran (Fig. 35 cc') in den Stigmenraum gelangen kann.
Die äussere Umrandung des Ringes (cia) ist breit, die innere
(aV) zugeschärft , so dass die Durchschnittsfläche des Ringes ein
Dreieck bildet mit äusserer Basis und innerer Spitze. Der Ring liegt
blos mit seiner äussern Umrandung der Stigmenplatte auf, wäh-
rend er mit seinem innern Rande von dieser absteht. Er besteht aus
einem äusserst fein schwammigen Chitingewebe, mit sehr dünnen
Balken und feinen Lücken. Nur die äussere Umrandung des Ringes
besteht aus compacter fester Chitinsubstanz, welche einen starken
12 S c h e i b e r.
Rahmen für das poröse Gewebe des Ringes abgibt, und zum Ur-
sprünge dient für jene Membran (Fig. 36 i) , welche die Luft-
kammer (Fig. 36 k) gegen die Leibeshöhle begrenzt.
Im Centrum besitzt die innere Stigmenmembran ein kegelför-
miges Wärzchen (Fig. 36 6'), an dessen Spitze sich die innere
Ausraiindung der Stigmenröhre befindet ; an der äusseren Stigmen-
membran (die zu Eins verwachsene äussere und mittlere Schichte
der Stigmenlamelle) ist die äussere Ausmündung der Stigmen-
röhre (Fig. 36 e und 34 c); letztere ist in Natur länger als in der
schematischen Zeichnung angedeutet ist; sie liegt im gewöhn-
lichen Zustande, wenn nämlich die innere Stigmenmembran an die
äussere anliegt, zwischen beiden gefaltet, und ist daher deren
Lumen aufgehoben.
Es ist ungemein schwierig, die äussere Stigmenöffnung wegen
ihrer äussersten Kleinheit zur directen Anschauung zu bringen. Man
sieht an der Stelle der Stigmenöffnung blos einen dunklen Fleck,
als Ausdruck der gefalteten Stigmenröhre zwischen der äussern
und inneru Membran der Stigmenlamelle. Tragt man die innere
Membran sammt der Röhre ab , so kann diese wegen ihrer Kleinheit
durchaus nicht so knapp an der Membran abgeschnitten werden,
dass nicht die zurückgebliebenen Reste der ohnehin sehr zart-
und schlaffwandigen Röhre die feine Öffnung verlegen sollten. Zur
directen Anschauung kann daher nur die Stigmenöffnung durch
einen Handgriff gebracht werden , durch welchen das Lumen der
Stigmenröhre hergestellt wird; dies geschieht dadurch, dass die
innere Membran von der äussern emporgehoben, mit anderen Worten
die Stigmenröhre gestreckt und gespannt wird.
Man ist dann im Stande in einer auf die Stigmenlamelle senk-
rechten Richtung durch die Stigmenröhre durchzuschauen.
Eine andere Weise, um sich vom Vorhandensein der Stigmen-
öffnung zu überzeugen, ist der indirecte Versuch. Er besteht im All-
gemeinen in einem Experimente, wodurch der Druck der Luft im
Innern des unter Wasser gelegten Larvenkörpers erhöht und die-
selbe von dort ausgetrieben wird. Man sieht bei dieser Gelegenheit
stets einen starken Luftstrom in Form einer Reihe perlartiger Gas-
blasen vom Centralpunkte der Stigmenplatte hervorschiessen. Schrö-
der van der Kolk bediente sich zu diesem ßehufe der Luftpumpe,
unter deren Recipienten er die Gastrns-\ji\r\en in eine mit Kalkwasser
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. \ 3
gefüllte Schale legte. Bei jedesmaligem Emporheben des Stempels
bemerkte er entsprechend der Stigmenöffnung einen Strom von Gas-
perlen hervorschiessen , die das Kalkwasser in ihrer Bahn milchig
trübten (wegen des Kohlensänregehaltes der aus dem Innern hervor-
strömenden Luft). Die Untersuchung des Larvenkörpers nach dem
Pumpenspiel ergab, dass die Kiemenplatte unversehrt war, ein Zeichen,
dass keine Kiemenbläschen gerissen wurden und etwa die Luft von
denselben ausströmte; feiner fand er die Luftkammer, Kiemenbläs-
chen und Tracheen mit milchig getrübtem Kalkwasser (kohlensaurem
Kalk) gefüllt.
Ich überzeugte mich vom Vorhandensein der Stigmenöffnung
auf indirecte Weise durch ein viel einfacheres Experiment. Ich warf
nämlich Gastrus-Lar\en in beisses Wasser, worauf stets vom hintersten
Körperende ein eontinuirlicher Strom von unverhältnissmässig gros-
sen Gasblasen (sowie die Funken aus einer Rakete) hervorschoss.
Die Strömung dauerte eine ziemlich geraume Zeit (1 — 2 Minuten),
so dass man sehr leicht und genau beobachten konnte, dass Gas-
blasen an keiner andern Stelle des Larvenkörpers oder der Stigmen-
platte, als nur an der centralen Stigmenöffnung der letzteren aus dem
Innern des Körpers hervorströmten.
Wir wollen nun den Bau der Kiemen platten und deren
Schichten näher betrachten. Die äusserste Schichte (Fig. 39 d)
ist, wie wir schon oben gesehen haben, eine sehr feine und zarte
homogene Chitinmembran, die als Fortsetzung des äussern Integu-
mentes die ganze Stigmenplatte gleichmässig überzieht; die
innerste Schichte (Fig. 3ö und 39 dd) ist die dickste und wird
von einem fein porösen , schwammigen Chitingewebe gebildet. Die
Balken dieses Gewebes nehmen ihren Ursprung von dickeren Balken
(Fig. 39 bb) , die von der mittlem Schichte der Kiemenplatten
(Fig. 39 e'e') zu beiden Seiten je eines Kiemencanales (Fig. 39 h,i)
hervorgehen, und durch Abgeben seitlicher Fortsätze sich vielfach
verzweigen.
So homogen die äusserste und innerste Schichte der Kiemen-
platten gebaut ist, so sehr complicii te Verhältnisse bietet die mittlere
Schichte derselben dar. In dieser finden sich jene Gebilde vor, die
der äusseren Fläche der Kiemenplatte ein so zierliches Aussehen ver-
leihen und die eigentlichen Kiemeucauäle (Fig. 34 dd, ee) consti-
tuiren. Diese Schichte wird zunächst vor einer dicken und festen
J4 Scheiber.
Chitinplatte gebildet, die in den Interstitiell der Kiemenbögen
(Fig. 39 e'e') einfach ist, entsprechend den Kiemenbögen selbst aber
in 2 Blätter zerfällt. Bei e'e Fig. 39 und c, d Fig. 38 ist die mittlere
Schichte noch einfach dargestellt. Bei e e und ff Fig. 38 zerfällt sie
in die 2 Blätter (Fig. 38 g g g g und i i, Fig. 39 e und /').
Das äussere Blatt ist keine continuirliche Membran, sondern
besteht blos aus einem System paralleler, quergelegener Leisten
(Querleisten Fig. 38 g g, Fig. 39 e) . die zwischen sich grosse
regelmässige Fenster (Fig. 38 ««, b b) einschliessen, an ihrem
Ursprünge bogenförmig in einander übergehen (Fig. 38 e e, ff), und
in der Mitte (in der Medianlinie des Kiemencanales) mittelst dünner
Chitinstäbchen (Fig. 38 h Ji) unter einander in Verbindung
stehen. Diese Querleisten sind hart spröde, und dunkel gefärbt, nur
in der Mitte, wo sie eine rautenförmige Gestalt annehmen, sind sie
heller (gelblich) gefärbt.
Das innere Blatt bildet in einem jeden Kiemencanal 2 der Länge
der letzteren gleichkommende, von beiden Seiten her fast bis zur
Medianlinie des Canales vorspringende, harte und heller gefärbte
Chitinleisten (Längsleisten) Fig. 38 ii und Fig. 39 ff, die
sich je näher der Medianlinie um so mehr vom Niveau des äusseren
Blattes (Querleisten) nach innen (gegen das schwammige Gewebe)
entfernen; die Längsleisten hören nahe der Medianebene mit einem
äusserst feingezähuten Bande (Fig. 38 k k) auf, und lassen zwischen
sich einen sehr feinen Spalt, durch den der zwischen dem eben
beschriebenen äusseren und inneren Blatte der mittleren Chitin-
schichte frei bleibende Baum (Fig. 39 Ii) mit dein unterhalb der
Längsleisten gelegenen Baume (Fig. 39 /) in Communication steht.
Die Längsleisten nehmen ihrer Breite nach vom angewachsenen bis
gegen den freien Band hin an Dicke und dunkler Färbung ab, so
dass sie am freien, gezähnten Bande am dünnsten und hellsten sind.
Das Balkengewebe der dritten Schichte der Kiemenplatten ist zu
beiden Seiten der Kiemencanäle (Fig. 39 d d) dichter als entspre-
chend der Medianlinie derselben (c); letztere Partie besteht aus
einem festeren Balkenwerke , von welchem sich in senkrechter
Richtung gegen die Längsleisten (/'/') die hufeisenförmige Platte
(£19) emporhebt, deren Hörner an die Längsleisten stossen und
mit diesen verbunden sind. Diese Platte ist an der Unibiegungsstelle
schmal, an den Hörnern breit, und besteht aus fester, spröder und
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. \ty
dunkel gefärbter Chitiiisubstanz. Denkt man sich nun eine ganze
Reihe von quergestellten, in gewissen Intervallen von einander ab-
stehenden solchen hufeisenförmigen Platten längs eines Kiemen-
canales (Fig. 34 d d, e e), so ruhen die zwei Längsleisten eines
Canales auf den entsprechenden Hörnern aller jener Platten. Denkt
man sich ferner in jeder Kiemenplatte zwischen der zweiten
(Chitin-) und der dritten (schwammigen) Schichte derselben meh-
rere (drei) bogenförmig und parallel verlaufende Hohlgänge (Fig. 34
dd, ee), die durch die genannten der Quere nach gelagerten
Platten in viele unter einander communicirende Loculamenta getheilt
sind, so haben wir eine richtige Vorstellung von dem, was eigent-
lich Kiemencanal (Fig. 39 i, A) zu nennen ist.
Die Kiemencanäle in unserem Sinne stellen demnach Halbcanäle
vor, die nach aussen durch die äusserste Membran (Fig. 39 a)
geschlossen sind und nach innen mittelst des schwammigen Gewebes
(d, c, d) mit der Luftkammer (Fig. 36 k) communiciren.
Unter Kiemenbläschen endlich in dem Sinne, wie ich sie mir
vorstelle, ist der zwischen dem äusseren und inneren Blatte der
mittleren Schichte der Kiemenplatte frei bleibende dreieckig pris-
matische Raum (Fig. 39 A) zu verstehen, der die Länge des ent-
sprechenden Kiemencanales hat. Dieser Raum ist aber keineswegs
in Loculamenta oder Zellen (Bläschen) getheilt, wie Sehröder
van der Kolk glaubte, und man überhaupt bei oberflächlicher Be-
sichtigung und Untersuchung der äusseren Fläche der Stigmenplatte
annehmen möchte. Man sieht vielmehr an Querschnitten der Kiemen-
canäle nie sepimentartige Fortsätze von den Querleisten zu den unter
ihnen gelegenen Längsleisten ziehen, was doch der Fall sein müsste,
wenn zwischen beiden Leistenarten häutige Zellen oder Bläschen wären,
ich glaube vielmehr, dass die Querleisten sammt ihren Bögen (Fig. 38
e e, ff) und Längsstäbchen (h li) dazu bestimmt sind, um ein festes
Gerippe für jene zarte Chitinmembran (äusserste Schichte der
Kiemenplatte) abzugeben, welche den Raum der Kiemencanäle
nach aussen hin abschliesst , und durch welche die Diffusion
zwischen den Gasen des Tracheensystems und denen der Athmungs-
flüssigkeit vor sich geht.
,3) Luft kam nur.
Über den eigentlichen Mechanismus der Respiration der Gastrus-
Larven können wir eist dann sprechen, wenn wir die hinter der
IQ S c h e i h e r.
Stigmenplatte gelegene Luftkammer (Fig. 36 k), in welche von
aussen her die Stigmenröhre von innen her alle Körpertracheen
einmünden, näher kennen werden.
Wir erwähnten weiter oben einer Membran, welche am äusseren
Rande des Ringes (Fig. 35 a a) sich ansetzt, und die Luftkammer
(Fig. 36 Ar) nach innen begrenzt. Luftkammer ist daher jener
Raum, der zwischen jener Membran (Fig. 36 i und Fig. 37 aa)
und der Stigmenplatte (Fig. 36 cc') liegt. An der benannten Mem-
bran münden sämmtliche Tracheen des Körpers in die Luftkammer,
von wo aus die aus den Tracheen einströmende Luft nöthigenfalls
durch die Stigmenröhre nach aussen treten kann, andererseits aber
durch die poröse Schichte der Kiemenplatte in die Kiemencanäle
dringt. Die in Rede stehende Membran nun ist flach gewölbt, so
dass die concave Seite gegen die Stigmenplatte, die convexe Seite
gegen die Leibeshöhle hin gewendet ist, und bestellt aus einem groben
Geflechte von dicken, braunen Chitinfasern, die in die Spiralfasern
(Chitinschichte) der ausmündenden Tracheen übergehen. Entspre-
chend den Zapfen (Fig. 35 b b) gehen vom Rande des Ringes
Chitinfasern aus, die nicht unter einander verflochten sind, sondern
neben einander in parallelen Zügen bogenförmig zu dem entspre-
chenden Rande der andern Seite ziehen, und so ein Band bilden
(Fig. 37 bb), welches in der Medianlinie der Membran gelegen,
diese in zwei gleich grosse seitliche Hälften (Fig. 37 b, a, 6) tbeilt.
Die Chitinfasern dieser Membran lassen grössere und kleinere Lücken
zwischen sich, die nichts anderes als die Einmündungssteilen der
Tracheen in die Luftkammer darstellen. Es sind in jeder Membran-
hälfte vier grössere und zwei kleinere Löcher, von denen die vier
grösseren (Fig. 37 cccc, dddd) und ein kleineres (ee) in Form
eines Halbkreises um ein Centrum gelagert sind, welches durch das
zweite kleinere Loch (J'f) gebildet wird.
Aus der Beschreibung dieses so complicirten Respirations-
Apparates der Gastrus-harven können wir den sinnreichen Mechanismus
ersehen, durch welchen bei diesen Thieren sowohl im Wasser als
in der Luft der Gasaustausch vor sich geht. Befindet sich das Thier
in der Luft, so wird die Stigmenröhre wegsam gemacht, die schlechte
Luft aus dem Innern des Körpers herausgetrieben und gegen frische
Gase ausgetauscht. Befindet sich das Thier im Wasser oder in einer
andern lufthaltigen Flüssigkeit, so bleibt die Stigmenröhre natürlich so
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. | 7
lange unwegsam, als sich das Thier in derselben befindet, und der
Gasaustausch beschränkt sich blos auf jene Bestandteile der inner-
halb des Körpers befindlichen atmosphärischen Luft, welche durch
den Verbrennungsprocess im Innern des Körpers Schwankungen
erleiden. Dieser Gasaustausch wird durch die Kiemencanäle ver-
mittelt, welche, wie wir wissen, nach aussen entsprechend den
Lücken zwischen den Querleisten durch eine sehr feine Membran
abgeschlossen sind, und nach innen mittelst des schwammigen Ge-
webes mit der Luftkammer und den Tracheen des Körpers in offener
Communication stehen.
Bei allen bis jetzt bekannten wasserathmenden Insecten-Larven
sind die sogenannten Kiemen meist durch haar- und blätterförmige
Fortsätze am hintern Leibesende repräsentirt, an deren irinern
Oberfläche sich ein sehr feines Tracheennetz verbreitet, welches den
Gasaustausch zwischen der innerhalb des Körpers befindlichen Luft
und jenen Gasen vermittelt, welche die das Thier umgebende
Flüssigkeit aufgelöst enthält. Während nun alle diese Larven einzig
und allein für Wasserathmung eingerichtet sind, sind unsere Larven
einer doppelten Respiration fällig. Bis jetzt ist noch kein Insect
weder im Larven- noch im ausgebildeten Zustand bekannt, welches
sowohl mit den Gasen des Wassers, a 1 s mit denen der atmosphäri-
sclienLuft durch längere Zeit einen respiratorischen Gasaustausch
unterhalten könnte. Unsere Gastrus-Larxen sind daher im wahren
Sinne des Wortes Amphibien.
Nachdem Schröder van der Kolk1) durch Experimente
die Communication der Kiemencanäle mit dem schwammigen Gewebe
und der Luftkammer constatirt hatte3), glaubte er den eigentlichen
1) L. c. p. 91.
2) Er injieirte zuerst Quecksilber durch eineTrachee in die Luftkammer, es kam nichts
davon in die Kiemenbläschen; dann injieirte er von der äusseren Fläche der Kiemen-
platte aus durch ein zerrissenes Kiemenbläschen, von wo sich das Quecksilber so-
gleich in die Kiemencanäle und in die Luftkammer ergoss. Es erklärte sich die
erstere Erscheinung in der Weise, dass durch die Injection von den Tracheen au>
die Luft in die Räume des schwammigen Gewebes und von da in die Kiemencanäle
getrieben wurde, und daher das Quecksilber in letztere nicht eindringen konnte,
ausgenommen, er hätte einen so starken Druck auf das Quecksilber ausgeübt, dass
die die Kiemenbläschen nach aussen verschliessende Membran geborsten wäre.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLV. Rd. 1. Abth. 2
| & S c h e i b • r
Zweck des schwammigen Gewebes darin suchen zu müssen, dass
dieses die sogenannten Kiemenbläschen, die in Folge des beim Aus-
treiben der Luft durch die Stigmenöffnung hervorgebrachten Luft-
druckes möglicherweise bersten könnten, vor Rupturen schützen stillte.
Es steht aber dem Entweichen der Luft ans dem Innern des Larven-
körpers gar kein Hinderniss entgegen, indem schon, wie wir sogleich
sehen werden, hei dem leichtesten inneren Luftdruck die Stigmen-
öffnung wegsam wird, und wenn das Thier im Wasser athmet, ent-
steht ohnehin keine Erhöhung des inneren Luftdruckes, weil ein
Hinaustreiben der Luft zu der Zeit , als sich das Thier im Wasser
befindet, sogleich eine Erstickung desselben zur Folge hätte. Es
fragt sich nur, durch welche Vorrichtung wird die Stigmenröhre oder
die äussere und innere Stigmenöffnung wegsam gemacht, und wie
geschieht es, dass eine Wegsamkeit derselben schon durch den
leichtesten inneren Luftdruck eintritt?
Schröder van der Kolk hat an der äusseren Stigmen-
öffnung einen Sphincter und Dilatator beschrieben, Muskeln, die ich
vergebens gesucht hübe. Er meinte ferner, dass der oben beschrie-
bene Stigmen räum für sich abgeschlossen sei, und blos durch
dieCanäle, die sich in beiden Zapfen (Fig. 36 hh^ befinden, mit den
Tracheen der zwei Stigmenlippen communiciren, so dass, wenn diese
sich zusammenziehen, sie die in ihren Tracheen enthaltene Luft in
den Stigmenraum hineintreiben. Er will dies durch Experimente con-
statirt haben. Hiedurch würde nun allerdings der Stigmenraum
grösser und die Stigmenröhre wegen Entfernung der inneren von der
äusseren Stigmenmembran gestreckt; aber abgesehen davon, dass
es mir nicht gelingen konnte, ein derartiges blos für die Stigmen-
lippen bestimmtes Tracheensystem nachzuweisen, wissen wir aus
obiger Beschreibung, dass der Stigmenraum von der Luftkammer
(von Schröder van der Kolk „Chambre aerifere" genannt) nicht
abgeschlossen ist, sondern vielmehr mit ihr durch das poröse Gewebe
der Kiemenplatten communicirt. Aus obiger Beschreibung wissen
wir ferner, dass die Zapfen des Ringes der inneren Stigmenmembran
aufliegen, und diese gegen die äussere Stigmenmembran andrücken.
So lange dies der Fall ist, ist der Stigmenraum aufgehoben.
Contrahirt sich nun das Thier, um die Luft aus dem Innern des
Körpers auszutreiben, so wird diese vor Allem mit einer gewissen
Kraft aus den Tracheenstämmen in die Luftkammer getrieben, von
Vergleichende Anatomie und Physiologie der (istriden-Larven. j <}
wo aus sie mit entsprechender Gewalt in alle mit dieser communi-
cirende Räume (das poröse Gewebe des Ringes und der Kiemen-
platte) also auch in den Stigmenraum dringen wird. Der Druck nun.
unter welchem die Luft in den Stigmenraum dringt, wird zunächst
lazu verwendet, um die innere Stigmenmembran und mit dieser auch
ie beiden starken aber ziemlich elastischen Zapfen des Ringes von
Jer äusseren Stigmenmembran soweit emporzuheben, dass die Stig-
menröhre gespannt wird. Hiedurch wird das Lumen der Stigmenröhre,
wie dies schon weiter oben auseinandergesetzt wurde, hergestellt und
die Luft kann durch diese unbehindert aus der Luftkammer nach
aussen entweichen.
Hat die Körpercontraction, nachdem die Luft aus dem Innern
des Körpers zum grossen Theil ausgetrieben wurde, nachgelassen,
so hört jener innere Luftdruck auf, der den Stigmenraum mit Luft
erfüllt und die innere Begrenzungsmembran desselben von der
äusseren emporgehoben hat; es entsteht im Innern des Körpers ein
leerer Raum, und die atmosphärische Luft dringt mit Gewalt in die
Tracheen des Körpers, sich von der äusseren Stigmenöffnung aus durch
die Stigmenröhre Bahn brechend, so lange ein, bis im Innern des
Körpers das Gleichgewicht wieder hergestellt ist. Ist dieses gesche-
hen, so wird die innere Stigmenmembran durch die Elasticität der
Zapfen, und in Folge der Zerrung, die sie von Seite ihrer Anheftungs-
punkte an den inneren Rand der porösen Schichte der Stigmenplatte
erlitten hat, an die äussere Begrenzungsmembran des Stigmenraumes
wieder angedrückt, und die Stigmenröhre wird und bleibt so lange
unwegsam, bis die Luft im Innern des Körpers von Neuem einein
erhöhten Druck ausgesetzt wird.
Ganz derselbe Vorgang findet ohne Zweifel auch bei jenen indi-
recten Versuchen Statt, durch welche die Existenz der Stigmenöffnung
überhaupt auf die obgeschilderte Weise dargethan wurde. Die Ent-
leerung der Luft aus dem Innern des Larvenkörpers in Form von Luft-
blasen, sei es dadurch, dass in Kalkwasser gelegte Larven dem Spiele
der Luftpumpe ausgesetzt, oder aber, dass die Larven in heisses
Wasser geworfen werden . beruht doch immer auf demselben
Princip, dass nämlich der Druck und die Spannung der Luft im
Innern des Körpers erhöht, und diidurch die Stigmenöffnung
wegsam gemacht wird.
20 S c li e i I) e r.
Es fragt sich ferner, was ist der eigentliche Zweck des porösen
Gewebes an der der Luftkammer zugewendeten Seite der Stigmen-
platte ?
Wir wissen aus der Physik, dass poröse und schwammige Kör-
per in ihren Poren grosse Quantitäten von Gasen zu verdichten im
Stande sind, und dass gerade so kleine Räume, wie i. B. die Poren
der Holzkohle, des Platinschwammes, und wie es die mit freiem Auge
nur kaum noch wahrnehmbaren Areolen des in Rede stehenden
schwammigen Chitingewebes sind, die Hanptlaboratorien chemischer
und dynamischer Wechselwirkungen der Molecüle abgeben. Die
Kiemencanäle sind die wasserathmenden Organe der Gastrus Larven,
indem die Luft aus dem Innern der Tracheen in die Luftkammer,
Ton da in das schwammige Gewehe, und dann erst in die Kiemen-
canäle gelangt. Das schwammige Gewehe bildet mit seinen zahl-
reichen feinen Lücken gleichsam eine enorm grosse Vorratskammer
in einem kleinen Räume, wo eine grosse Menge von Kohlensäure
stets bereit gehalten wird, um gegen Austausch von Sauerstoff aus
der das Thier umgebenden Flüssigkeit einen stets regen DifFusions-
strom durch die die Kiemencanäle' nach aussen begrenzende, zarte
Chitiumembran zu unterhalten. W i r h ab e n demnachim porösen
C h i t i n g e w e b e ein den Respirationsprocess erhöhenden
M e cli a n is mus.
Ausser jener Stigmenöffnung, die wir an der Stigmenplatte
beschrieben haben, und als hintere bezeichnen wollen, haben die
Gastrus - Larven noch zwei (vordere) Stigmenöffniingen , mittelst
welcher die Thiere ebenfalls Luft athmen können. Wenn man den
konisch geformten ersten Leibesring der Larve an der Rückseite
genau betrachtet, so sieht man schon mit freiem Auge von der abge-
stumpften Spitze dieses Ringes beiderseits eine Furche gegen die
Einschnürung zwischen \. und 2. Leihesringherablaufen, und daselbst
in einer trichterförmigen Grube endigen. Wenn man im Innern des
Körpers diese Gegend untersucht, so findet man. dass sich entsprechend
dieser Gruben das äussere Integument zu einer starren ganz klar und
hell gefärbten Röhre einstülpt; in dieser Röhre liegt jener eigenthüm-
licbe braune Körper, in welchen das vordere Ende einer jeden der
zwei seitlichen Haupttracheenstämme endigt.
Diese Körper (Fig. 40) sind keulenförmig, bestehen aus
einem Stiele («) einer knopfformigen Anschwellung (6) und sind im
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Ösfriden-Larveu. 2 1
Inneren hohl; ihr Lumen setzt sich in das des Tracheenstammes (e) fort.
Der Knopf liegt in der trichterförmigen Röhre (c, (/) frei, welche
letztere sich erst am Stiele des braunen Körpers anheftet. Der Knopf
ist so wie die Röhre, in der er steckt, von beiden Seiten her platt
gedrückt, und hat viele Einkerbungen, durch welche sein Lumen mit
der äusseren Luft (des Trichters) unmittelbar communicirt.
Schröder v. d. Kolk fasste diese 2 Körper als drüsige Organe
auf, in welche die zwei seitlichen Körpertracheenstämme endigen. Er
glaubte, dass sie einfach, mittelst einer Randmasse an die innere
Fläche des äusseren Integumentes befestiget seien, während Joly1)
nicht nur die vorderen 2 Stigmenöflnungen ganz genau beschreibt,
sondern sogar die braunen Körper als aus einem fein schwammigen
Chitingewebe bestehend erkannte. Die Structur der Wand dieser
Körper verräth sich schon beim Präpariren derselben mit den Nadeln
als eine durchaus fein poröse, indem beim mindesten Druck auf
dieselben eine grosse Menge von Gasbläschen frei werden, die
sich an die Nadelspitzen festsetzen , und sonst in der umgebenden
Flüssigkeit sich ausbreiten. Die Lücken des Ralkengewebes sind aber
hier bedeutend feiner als an den schon beschriebenen schwammigen
Geweben der Stigmenplatte, wo erstere noch mit freiem Auge wahr-
nehmbar sind; sie konnten bei den braunen Körpern nur durch mühsam
gewonnene, äusserst feine Durchschnitte als unzweifelhaft dargestellt
werden. Die äusserste Schichte der Wand wird durch eine gleich-
massige dünne Chitinlamelle gebildet, von welcher eben das feine
Ralkengewebe ausgeht. Diese Lamelle enthält stellenweise grosse
Löcher, um den Zutritt der Luft in's schwammige Gewebe von aussen
her zu ermöglichen.
Der Zweck dieser Körper ist, wenn man deren Charakter im
Auge hält, leicht einzusehen. Es wird in den Poren derselben eine
grössere Menge von Gasen sowohl von aussen als von innen (der
Tracheen) her verdichtet, um den Gasaustausch zu erhöhen. Wir
haben also hier, an den vorderen Stigmenöffnungen denselben die
Respiration erhöhenden Mechanismus, als hinten an der Innenfläche
') Recherche« zoologiques, anatomiques , physiologiqttes et niedicaies sur lex Oesirides,
cn general, et parliculierement sur les Oesirides, qui attaquent l'homme, le cheval, le
heuf et le mouton. ( \nnales des sciences phys. et nat. d'Agriculture et d'Industrie
lö46, p. 1Ö7— ÜOJ.)
22 Scheiter.
der Stigmenplatte bei der wasserathnienden Vorrichtung der Kiemen-
canäle. Indesss dürften die Larven gewiss sehr selten in der Lage
sein, durch die vorderen Stigmenöffnungen zu athmen, da die trich-
terförmige Röhre starr ist, und in Ermanglung jeder verschliessenden
Vorrichtung die Stigmenöffnungen klaffen, und somit stets mit Schleim
verstopft sind.
Aus allem bisher Gesagten geht hervor, dass die obige Be-
hauptung, dass unsere Larven im wahren Sinne des Wortes Amphi-
bien wären, vollkommen gerechtfertigt erscheint. Wenn wir je-
doch bedenken, dass die vorderen feinen Stigmenöffnungen kaum
jemals zur Athmung dienen können, und dass die mikroskopisch kleine
hintere Stiginenöffnung zu unausreichend sein dürfte, um den ganzen
Larvenkörper, wenn auch nur zeitweilig, mit frischer Luft zu ver-
sehen; wenn man ferner bedenkt, dass der wasserathmende Apparat
weit mehr entwickelt ist als der luftathmende, und fast das ganze
Areal der Stigmenplatte in Anspruch nimmt: so müssen wir gestehen,
dass unsere Larven, zumal wenn man den Ort und die Umstände in
Betracht zieht, unter welchen sie ihr Leben zu fristen hingewiesen
sind, vorwiegend wasserathmenile Thiere seien.
Der Diffusionsprocess der Gase geht hier ohne Zweifel genau so
vor sich, wie bei den übrigen wasserathnienden Insecten-Larven.
Bei allen mit Tracheenkiemen athmenden Insecten-Larven muss der
Process der Gasdiffusion von jenem unterschieden werden, wie er
bei anderen wasserathnienden Thieren, z. B. bei Fischen, Krebsen
u. s. w. vor sich geht. Während bei mit wirklichen Kiemen ath-
menden Thieren zwei mit Gasen geschwängerte Flu ss igk ei ten
(Wasser und Blut) durch eine thierische Membran getrennt
sind, trennt bei mit Tracheenkiemen athmenden Insecten die thie-
rische Membran ein reines Gasgemenge (der Tracheen) von
einer Gase enthaltenden Flüssigkeit (umgebendes Medium). Da nun
erst eres mit Kohlensäure überschwängert, letztere aber einer-
seits Sauerstoff gelöst enthält, andererseits aber für Kohlensäure
einen sehr hohen Absorptionscoefficienten hat, geht letztere gröss-
tenteils in das Wasser über, während Sauerstoff entsprechend
dem Volum der übergetretenen Kohlensäure in's Gasge-
menge der Tracheen diffuudirt.
Sowohl bei allen mit Kiemen athmenden Wasserthieren, als
auch bei allen (mit Lungen oder Tracheen athmenden) Luftthieren
Vergleichende Anatomie nmi Physiologie der Östriden-Lavven. *Zo
diffundiren die Athmungsgase nur einmal durch thierische Häute,
indem da wie dort das Athmungsmedium in anmittelbare Berührung
mit jener thierischen Membran gelangt, welche eben die zu oxydirende
Blutflüssigkeit gegen die Aussenwelt abschliesst. Nicht so bei den
mit Tracheenkiemen athmenden Insecten-Larven. Hier muss der
Sauerstoff, um in's Blut zu gelangen, zweimal durch thierische
Häute diffundiren, u. z. 1. aus dem umgebenden Flüssigkeits-
medium gegen das Gasgemenge innerhalb des Tracheensystems, und
2. von da aus geg^n die Blutflüssigkeit. Wir müssen daher im
Athmungsapparate dieser Thiere in Bezug des Durchdringens der
Gase zwei Di ff usi o usgr enzen unterscheiden, die eine (äussere)
dort, wo die Tracheenluft gegen das äussere Flüssigkeitsmedium
abgeschlossen ist, die andere (innere Diffusionsgrenze) dort, wo
die Tracheenluft gegen die Blutflüssigkeit abgegrenzt ist (feinste
Tracheenverästelungen, Tracheencapillaren).
B. Innere Respirationsorgane der Gastrus-Larven.
Auch in Bezug der inneren Respirationsorgane weicht der Bau
der Gastrus- Larven bedeutend von dem der übrigen Östriden-
Larven ab. Wie schon Eingangs dieses Capitels erwähnt wurde,
lassen sich die Tracheen, die sämmtlich an der inneren Wand der
Luftkammer ihren Ursprung nehmen (Fig. 37 a a, b b) in zwei
Kategorien bringen: in sogenannte Lungentracheen und
Körpertracheen.
Die Lungentracheen sind acht an Zahl (Fig. 37 cccc,
tUldd) und viel weiter als die Körpertracheen. Sie sind verhält-
nissmässig sehr kurz und geben schon frühzeitig eine grosse Anzahl
von dicht an einander gedrängten Ästen ab (Fig. 41 bb). Diese
Äste geben wieder eine Anzahl einfacher, kurzer und sehr dünner
Zweigchen ab, die endlich in, zellenartige Bläschen (Fig. 41 cc)
endigen, welche Schröder van der Kolk „Lungenbläschen"
nannte. Die Äste gehen so dicht neben einander von den Tracheen-
stämmen ab, dass diese sich sehr rasch verjüngen und von
innen gesehen, eigentlich blos kleine Hohlkegel darstellen, deren
Wand von einer grossen Anzahl Löcher siebförmig durchbohrt ist
(Fig. 41 a). Die Structur dieser Tracheen ist der der übrigen gleich.
Wenn man den Körper einer frischen Gastrus-Lur\e öffnet, so
fällt sogleich eine verschiedene Färbung des Fettkörpers der vordem
24 S c h e i b e r.
und hintern Körperhälfte auf. Derselbe ist nämlich in der vordem
Partie weiss und grobkörnig, während er in der hintern röthlich
gefärbt und feinkörnig erscheint. Diese letztgeschilderte Fettkörper-
partie ist eben nichts Anderes, als ein Conglomerat jener Organe,
die Schröder van der Kolk Lungenbläschen nannte. Sie sind
m et am orphosirte Fettkörperzellen, die nur etwas kleiner
als die des übrigen Fettkörpers, übrigens auch multipolar wie
diese, meist mit 3 — 4 Fortsätzen versehen sind (Fig. 41 dj. Die
Lungenbläschen sind in fast parallelen und perlschnurartigen Längs-
zügen neben einander gelagert, und hängen durch Fortsätze mit den
zunächst hinter, vor und neben ihnen liegenden zusammen. In eine
jede Lungenzelle geht ein feines Tracheenzweigchen des Lungen-
tracheensystems hinein, um sich an der innern Oberfläche der Zellen-
membran sehr reichlich zu verzweigen, und daselbst ein sehr
dichtes und feines Tracheennetz zu bilden, welches wahrscheinlich
seines Luftgehaltes halber die röthliche Färbung der Lungenzellen
bedingt. Den übrigen Inhalt der Lungenzellen bilden grosse Fett-
tropfen und ein grosser Kern sammt I — 2 Kernkörperchen, sowie bei
den übrigen Fettkörperzellen.
Ans diesem Baue der Lungenzellen, sowie aus dem Umstände,
dass dort, wo der Fettkörper aufhört und die Lungenbläschen beginnen,
diese mit jenen (mittelst ihrer Fortsätze) unmittelbar zusammen-
hängen, folgt: Dass die Lungenzellen blos modificirte Feltkörper-
zellen sind. Es fragt sich nun, welcher Zweck soll ihnen eigentlich
zugeschrieben werden?
Schröder van der Kolk stellte sich vor, dass jene von
beiden Seiten des Rückengefässes ausgehenden, und sich in den Fett-
körper auflösenden Stränge, die wir im Capitel über die Circulation l)
als Hauptstämme des quergestreiften Nervensystems beschrieben
hatten, Arterien seien, durch die das Blut in den Fettkörper und von
da in die Lungenzellen strömen sollte, damit es hier gereinigt und
zur Ernährung vorbereitet werde; von hier aus sollte die Saftmasse
in das Rückengefäss und in die Körpercapillaren strömen.
Schröder van der K olk zieht die Lungenbläschen mit den
wirklichen Lungen der höhern Thiere in Parallele, und gibt blos den
Unterschied an, dass sich bei letzteren die Luft innerhalb der
1) S. 1. Tbl. p. W-i.
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. 25
Lungenbläschen vorfindet, während das Blut an der Oberfläche der
Bläschen (um die Luft herum) cireulirt, während bei Gastrus-Larven
die Säfte innerhalb der Bläschen eingeschlossen sind, und die Luft
um die Säftemasse herum kreist. Wollte man schon einen Vergleich mit
wirklichen Lungen anstellen, so müsste man, glaube ich, die eigent-
lichen Lungenbläschen (Fettzellen) blos vorläufig als Skelet auf-
fassen, anderen Wandungsich ein dichtes Netz capillärer Tracheenver-
zweigungen ausspannt; als das eigentlich zu oxydirende Men-
struum aber wäre jene Blutflüssigkeit anzusehen, welche inwandungs-
losen Interstitiell zwischen den Lungenbläschen fliessend , diese von
aussen her umspült. Diese Meinung erscheint um so gerechtfertigter, da,
wie wir aus dem 1. Theile(Cap. Circulation) wissen, die Diastole des
Herzens stets nur am hintersten Theile des Bückengefässes statthat,
und daher zunächst jene Blutflüssigkeit in dasselbe geschafft wird,
welche sich in der hintersten Körperpartie (um den Lungenbläschen)
befindet, demnach eben erst oxydirt wurde.
Keineswegs kann man sich jedoch zu der Meinung bekennen, dass
die Lungenbläschen die Bolle von Vorrathskammern spielen sollten, in
denen die Luft behufs der Oxydation des Blutes auf längere Zeit auf-
bewahrt werde, im Falle die Thiere nämlich an Luftmangel leiden
sollten, denn 1. eignen sich zu Beservoirs für die Luft nur grössere
Bäume oder Säcke, aber keineswegs ein Netzwerk von Capillarröhren,
indem die Luft hier sehr rasch Veränderungen erleidet; 2. sind diese
Larven mit einem vorzüglich eingerichteten Wasserathmungsapparat
versehen, und Flüssigkeiten im Magen des Pferdes fast nie fehlen. Da
aber weder die Luft noch die Flüssigkeiten, die sich im Magen vor-
finden, besonders rein und sauerstoflreich sind, da also überhaupt
unsere Larven stets unter sehr schlechten respiratorischen Verhält-
nissen leben müssen, unter welchen es vielleicht andere Thiere mit
gewöhnlichen Bespirationsorganen auf längere Zeit nicht aushalten
könnten, so geht meine Meinung über die Bestimmung des Lungen-
bläscheusystems dahin, dass es bei diesen Larven nothwendig wurde,
die Berührungsoberfläche des Blutes mit dem respiratorischen Medium
(Luft) über das gewöhnliche Mass hinaus zu vergrössern, und dass ausser
dem in den Organen wurzelnden Tracheencapillarsystem noch ein
zweites in Bezug auf Flächenausdehnung viel mächtigeres vorhanden
sei, welches nirgends zweckmässiger, als gerade in der nächsten
Umgebung des Ventriculartheiles des Bückengefässes localisirt sein
26 Scheiber.
konnte, wo ja der Sammelort für jedes circulirende ßluttheilchen
ist, bevor es das allgemeine Schicksal trifft, wieder in's Herz
eintreten zu müssen. Es mnss demnach jedes ßluttheilchen,
w ä h r e n d d e r V o 1 1 e n d u n g e i n e r K r e i s b a h n z w e i Tr a c h e e n-
eapillar bezirke, gleichsam zwei ve r dünnte Sau erstof f-
sc hieb ten passiren, um den für die Lebensenergie
dieser Thiere passenden Grad des Stoffwechsels unter-
halten zu können.
b) Die Körpertracheen sind vier an Zahl (Fig. 37 ff e e)
und viel enger als die Lungentracheen. Von diesen vieren sind die
an der Bauchseite gelegenen zwei Tracheen {e e) nur verhältniss-
mässig kleine Stämme und ausschliesslich für den Danncanal be-
stimmt. Die zwei anderen in der Mitte der Platte entspringenden
Tracheen (ff) ohschon an der Wurzel eben so eng als die vorigen,
werden alsbald merklich weiter, ohne jedoch das Lumen der Lungen-
tracheen nur halbwegs zu erreichen. Diese beiden letzteren Tra-
cheen sind für alle übrigen Körpertheile bestimmt und demnach die
eigentlichen Körpertracheen. Sie ziehen, nachdem sie bald
nach ihrem Ursprünge das Maximum ihrer Weite erreicht haben, zu
beiden Seiten des Körpers nach vorn, und werden in dem Masse
als sie Aste abgeben, immer dünner, bis sie endlich in die oben
beschriebenen braunen Körper übergehen , die an den vorderen
Stigmenlöchern ausmünden.
Diese zwei seitlichen Haupttracheenstämme setzen sich von
beiden Seiten her durch 8 — 9 Anastomosen mit einander in Verbin-
dung. Die Art der Verzweigung der Tracheenäste ist eine bauin-
förmigezum Unterschiede von anderen Verzweigungsarten, wie
sie bei den übrigen Larven-Gattungen vorkommen.
End igungs weisen der feinsten Tracheen konnte ich blos
in der nicht chitinisirten /.eiligen Schichte der Haut sehen, wo sie
in den Interstitiell der einzelnen Zellen mit einander anastomosirten
(Feine Anastomosen kann man auch in der Wand des Rückengefässes
und Darmcanales sehen.)
Von der Innervation der Tracheen war schon im Capitel
„über das Nervensystem" die Rede *). Es wurden daselbst die
von mir entdeckten Tra chea I ga ngl i en als jene Nervencentra
') Siehe I. Thoil, Seile 44!»— 4!i3.
Vergleichende Anatomie und Physiologie dir Östriden-Larven. £7
beschrieben, welche hauptsächlich für die Tracheen aller Östriden-
Larven bestimmt sind; es erhalten jedoch, wie schon daselbst
bemerkt wurde, die Tracheen mitunter auch Nervenäste vom Central-
nervensystem. An den beiden Darmtracheen der Gastrns-Lia\'\m konnte
ich keine Trachealganglien linden.
C. Äussere Respirationsorgane von Hypoderma-, Cepüeuouiyia- und
Ceplialoinyia-Larven.
Die äusseren Respirationsorgane der Hypoderma-, Cephenomyia-
ii n d Cephalomyia-Lnvyen sind nach demselben Typus gebaut, und
werden daher unter Einem Gesichtspunkte abgehandelt. Alle diese
drei Larvengattungen sind rein luftathmende Thiere, und haben
demnach einen höchst einfachen Athmungsapparat. Hier fehlt offen-
bar jedes Stigmenloch, und die zwei Haupttracheenstämme sind nach
aussen durch eben so viele fein poröse Stigmenplatten abgeschlossen *).
Diese Stigmenplatten befinden sich am hintersten Leibesringe mit
derModification, dass sie he\ Lfypo<terma-Lur\ei\ den nach hinten vor-
springendsten Theil des hintersten Leihesringes bilden, während bei
Cephenomyia- und Ccphalomyia-Lurven die zwei Stigmenplatten
in einem Querspalt an der fUiekenseite des letzten Leihesringes
gelagert sind. Der vordere Begrenzungsrand dieser sogenannten
Stigmen furche ragt wallartig weit über diese nach hinten hervor,
so dass er eine Lippe bildet, welche gegen den hinter der Furche
gelegenen Theil des letzten Leibesringes angezogen und somit der
Querspalt geschlossen werden kann, um die Stigmenplatten vor Un-
reinigkeiten : Staub, Schleim etc. zu schützen.
Diese Lagerungsweise der Stigmenplatten an der Dorsalseite
des Körpers war einenothwendige Einrichtung für diese Thiere; denn
1. leben sie in der Stirn-, Nasen- und Rachenhöhle der betreifenden
Wohnthiere, wo die Schleimhäute stets in einem katarrhalisch ge-
scliwellten Zustande sich befinden, und demnach immer mit einer
abnorm dicken Schichte Sehleimes bedeckt sind ; 2. ist der Körper
dieser zwei Larvengattungen zum Unterschied von dem der Gastrus-
und IJypoderma-hM'ven von oben nach unten flachgedrückt, und das
hintere Ende desselhen schmäler als das vordere, so dass, wenn die
') Siehe Fig. 43 und I. Theil dieser Abhandlung: Fig. 4.
28 S c h e i b e r.
Stigmeuplatten am hintersten Theile des letzten Ringes angebracht
wären, wenigstens ein Theil derselben, wenn nicht der hintere
Körpertheil emporgehalten würde, stets in Schleim getaucht sein
möchte.
Bei Hy poderma-Lüv\en ist die Sache anders. Wie wir wissen,
leben diese Thiere in abgekapselten Hautfollikeln ihrer Wohnthiere.
Die Kapseln haben die Gestalt einer Flasche und das hinterste Körper-
ende kommt an den Halstheil derselben zu liegen. Der letztere soll
der Zu- und Abzugscanal für die zu athmende Luft sein. Es ist klar,
dass unter solchen Umständen die Stignienplatten den am meisten
vorspringenden Theil des hinteren Körperendes bilden müssen.
Diese Larven entbehren daher auch jeder Andeutung einer Stigmen-
lippe.
Die hinteren Stigmenplatten der in Rede stehenden drei Larven-
gattungen sind übrigens von gleichem Baue, und stellen dunkel
gefärbte, sehr harte und spröde Chitinplatten dar, die an der äusse-
ren Fläche schon bei Luppenvergrösserung ein feinwarziges Aus-
sehen zeigen, als Ausdruck von feinen, sehr gedrängt beisammen-
liegenden, trichterförmig in die Tiefe laufenden Poren oder Löchel-
chen; die Stigmenplatten sind je nach den Gattungen und Species
von verschiedener Form, bald fast kreis-, bald halbkreisförmig
(Hypoderma-L'AVYen und die von Cephalomyia maculata) bald
sichelförmig (Cephenomyia-Liwyen), bald wieder fünfeckig mit abge-
rundeten Winkeln (Cephalomyia ovis).
Welche Form die Stigmenplatten auch haben mögen, so findet
sich immer an denselben, und zwar entsprechend dem Centrum der
betreffenden Form (Fig. 43 und 42 «) eine mehr weniger runde
Stelle vor, die heller gefärbt, durchscheinend, kurz eine gewöhnliche
Chitinhaut ist, wie sie als äussere Hautbedeckung des Körpers
erscheint. Diese Stelle war es bis jetzt, die man gewöhnlich als eigent-
liche Stigmenöffnung ansah, indem man glaubte, dass die Stigmen-
platte an dieser Stelle durchbohrt sei; während man den dunkel
gefärbten porösen Theil der Stigmenplatte als etwas Accessoriscb.es
und als ein, dem Zwecke nach nicht näher bekanntes Gebilde
bezeichnete.
Man kann sich stets bei beliebigen Vergrösserungen überzeugen,
dass an der centralen Chitinmembrau nirgends eine Öffnung aufzu-
finden ist, sondern man sieht stets nur eine imperforirte Chitinmem-
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. 29
bran, die meist in einem eigenen, etwas härteren Chitinrahmen aus-
gespannt ist. Die inneren Ränder der beiden Stigmenplatten sind
entweder parallel zu einander gerichtet (Fig. 43), oder divergiren
mehr weniger von einander nach unten (Cephenomyia- und Cepha-
7omyia-Lavveii) *). Sie sind entweder so nahe zu einander gestellt,
dass sie mit freiem Auge an einander zu stossen scheinen, oder sie
stehen in beträchtlicher, schon für das unbewaffnete Auge deutlicher
Entfernung von einander ab (Cephenomyia- und Cephalomyia-
Larven).
In Betreff der Bedeutung der oben beschriebenen Membran im
Centralpunkte der Stigmenplatten ist in Anbetracht des Umstandes,
dass sie sich noch innerhalb des Ansatzpunktes der Haupttracheen-
stämme befinden, als wahrscheinlich anzunehmen, dass sie ein Über-
bleibsel von Bildungen früherer Perioden des Larvenlebens sein
dürften, wo überhaupt noch die Stigmenplatten fehlen, und ein
anderer Mechanismus für die Respiration eingerichtet zu sein scheint.
Joli*2) hat schon die Bemerkung gemacht, dass die Gastrus-Lavven
in der ersten Zeit ihres Lebens (nachdem sie unmittelbar aus den
Eiern kriechen) keine Stigmenplatten haben, sondern am hintern
Leibesende zwei lange fadenförmige Anhänge besitzen, durch welche
wahrscheinlich das Thier in der ersten Lebensperiode athmet. Eine
ähnliche Erfahrung machte ich an Cephenomyia rufibarbis. Durch
die Güte meines Freundes Brauer war ich nämlich in der Lacre,
lebende aus den Eierstöcken einer trächtigen Bremsenfliege
(Cephenomyia rufibarbis) 3) eben herausgedrückte kleine Larven
zu untersuchen.
Die Untersuchung dieser höchst zarten und durchscheinenden
Thierehen unter dem Mikroskope ergab nun, dass am hintern Leibes-
ende eine Stigmenöffnung oder Stigmenplatte fehlt, und anstatt der-
selben sich zu beiden Seiten der Aftermündung zwei kleine, mehr
weniger vorstreckbare und einziehbare stumpfkegelige Fortsätze
*) Siehe die Ahhildnngeii der Sligmeuplatteu in Braue r's „Östriden des Hochwildes"
und „Neue Beiträge zur Kenntnis* der europäischen Östriden" (Verhandlungen der
k. k. zoolog. botan. Gesellseh. in Wien, Jahrg. 1858, Taf. XI 3a, 4a, üb, db, ?).
8) M. N. Joli, liecherches zoologiques anatomiqnes, physiol. et medie. sur les Oestrides
en generale, et partioulierement snr les Oestrides, qui attaquent l'homme, leclieval,
le hoeul et le mouton (annal.d. sei. physjqu. et nat. d'Agricult. de Lyon 1. IX. 1846,
S. 157 — 303). Im Auszug in den Compt. rend.der Pariser Akad. XXIII. 1846, S. 510.
3) Diese Fliegen der Gattung Cephenomyia sind bekanntlich vivipara.
30 S c heil, e r.
befanden, von denen man im Inneni die zwei seitlichen Haupt-
tracheenstämme ausgehen sah. Es ist aus diesem Befunde so wie
ans den Angaben des Joli wahrscheinlich, dass alle Osiriden-Larven
im embryonalen Zustande durch zwei mehr weniger lange Fortsätze,
die man als Traeheenkiemen *) autfassen könnte, athmen, und dass
die Thierchen, nachdem sie zur Welt gekommen sind, und sich um die
Fortsätze herum die Anlage der porösen Schichte der Stigmenplatte
zu bil Jen angefangen hat, jene Fortsätze verlieren, und als Über-
reste derselben der häutige Theil der Stigmenplatten durch's ganze
Leben zurückbleibt.
Was nun die feinere Structur des porösen Theiies der Stig-
menplatten betrifft, so besteht dieser aus zwei Schichten: einer
äussern und einer i n n e r n. Bei ffypoderma-Laryen wir ddie äussere
Schichte, wie schon oben angedeutet wurde, durch eine sehr harte,
spröde, dunkelgefärbte und flache Chitinplatte gebildet, die von
aussen gesehen eine feinwarzige Oberfläche zeigt (Fig. 43 b). Man
muss, um die Platte mit den Nadeln zerkleinern zu können, die-
selbe vorerst einige Tage in concentrirter Schwefelsäure oder in
einer andern concentrirten Säure aufbewahren, wodurch bekanntlich
die Chitinsubstanz weicher wird. Wenn man nun ein kleines Stück
von der äussern Schichte der Stigmenplatte bei starker Vergrösserung
betrachtet, so bemerkt man eine grosse Anzahl rundlicher Löcher
von der Grösse von 0012 — 0016 Millim. im Durchmesser, die
wegen ihrer Trichterform von einem zngeschärften gegen das Centrum
hin stets heller werdenden Bande begrenzt werden (Fig. 44 c). Diese
Löcher erseheinen nicht ganz durchbohrt, sondern lassen im Hinter-
gründe ein feinporöses Gewebe durchscheinen (6). welches eben
die zweite Schichte der Stigmenplatte bildet, und eigentlich aus der
äussern, harten grosslöcherigeu Chitinschichte hervorgeht, indem
sich von der innern Oberfläche derselben sehr feine Balken erheben,
die sich verästeln, und unter einander in mannigfachen Bichtungen zu
einem fein porösen Gewebe verwachsen, welches die innere Fläche
der äussern Schichte gleichmässi^ überzieht.
Die Stigmenplatten aller Hypoderma-Laryen haben das charak-
teristische, dass sich das felnp> rose Gewebe von der innern Fläche
1 ) Bekanntlich sind j;i <li<' Embryone aller Thiere, so lange siel: dieselben im Mutterleibe
beiluden, i itaserall inlr : liiere
Vergleichende Anatomie i: n <1 Physiologie iler Östriden-Larven. 31
der Stigmenplatte in Form von bei den einzelnen Species verschieden
gestalteten, aber stets regelmässig angeordneten Fortsätzen empor-
hebt. So sind diese Fortsätze hei Larven von Hypoderma bovis F.
blätterig, kammförmig. Diese Blättchen sind radienförmig um den häu-
tigen Theil der Stigmenplatte gelagert. Jedes derselhen besteht aus
einem feinporösen Chitingewehe. Bei Larven von Hypoderma Actaeon
Br. werden die Fortsätze von konischen Stäbchen gebildet, deren
Oberfläche dicht mit feinen senkrecht abgehenden Nadeln besetzt
ist. Eigenthümlich sind die Fortsätze an der innern Fläche der Stig-
menplatte der Larven von Hypoderma Diana B r. gebaut. Hier ist
der tubulöse Typus vertreten, um die Concentrirung einer möglichst
grossen Quantität von Luft in einem kleinen Räume zu vermitteln. Es
geht nämlich ein jedes Löchelchen der äussern harten Schichte der
Stigmenplatte in eine feine Hauptröhre über, die nach innen trich-
terförmig endigt und von deren Wandungen eine grosse Anzahl von
kleinen zartwandigen Röhrchen als eben so viele Ästchen abgehen,
die an ihrem freien Ende ebenfalls trichterförmig endigen. Noch ist
zu bemerken," dass die Larven von Hypoderma Diana und die aus
der Haut der Bezoarziege unter den von mir untersuchten Hypoderma-
Larven die kleinsten Stigmenplatten haben, und nicht Halbkreis törinig
wie bei den übrigen Larvengattungen (Fig. 43) , sondern ganz
kreisförmig sind.
Bei den Larven der Cephenomyien und Cephalomyien ist die
äussere Schichte der Stigmenplatten viel dünner und weicher als bei
Hypoderma-Lavxen, lässt sich ohne Maeeration in Säuren leicht zer-
kleinern, und zeigt ausser! ich kein feinwarziges Aussehen, und die
Poren haben eine ovale Gestalt, oder stellen elliptische Spalten dar»
durcb welche das feinporöse Gewebe an der innern Seite der Stigmen-
platten durchscheint (Fig. 42 bb). Die Poren haben das Charak-
teristische, dass sie in einer mehr weniger regelmässigen, meist
radiär verlaufenden Richtung um den membranösen Theil angeordnet
sind (Fi;?. 42). Das poröse Gewebe an der Innenfläche der Stig-
menplatten (innere Schichte), ist in Form eines einfachen gleich-
massigen, feinschwammigen Chitingewebes ohne besondere Fort-
sätze vertreten. Während die äussere Schichte auch hier dunkel-
braun gefärbt ist, ist die innere (poröse) Schichte schön gelb irefärbt.
Die Haupttracheenstämme gehen sowohl bei i\ei\ Cephenomyia-
32 Scheiber.
und Cephalomyia- als auch bei den Hypoderma-Larven. unmittelbar
aus der innern (schwammigen) Schicht«' der Stigmenplatte hervor.
Analog den vorderen Stigmenlöchern bei Gastrus- Larven findet
man auch Andeutungen derselben bei den anderen drei Larvengattun-
gen, die übrigens schon Brauer *) als charakteristische Merkmale
anführt. Bei Hypoderma-Larven findet man an jenen Stellen der Rücken-
seite, wo sich die hufeisenförmige von Brauer sogenannte Deckel-
furche mit der ersten Leibeseinschniirung kreuzt (beiderseits),
eine feine, nur bei starker Luppenvergrösserung aufzufindende,
trichterförmige und blind endigende Vertiefung. Entsprechend diesen
zwei Grübchen findet man an der innern Fläche der äussern Haut die
vordere Endigung der stark verjüngten zwei seitliehen Haupttra-
cheenstämme. Bei deren nähern Betrachtung sieht man in der Nähe
ihrer Insertion (an die innere Fläche der Haut) ein kleines astloses
Trachealganglion2). Von diesem aus behält die Trachee noch eine
kleine Strecke ihre normale Structur (Fig. 45 c), bis sich dieselbe
in einen eigentümlich gebauten faserigen Strang (Fig. 45 a, b),
umwandelt, der sich (bei d) in die Haut spurlos verliert.
Dieser Strang besteht aus einer äussern, hyalinen, viele Fetltröpf-
chen im Innern enthaltende, bindgewebigen Röhret, die augenschein-
lich die Fortsetzung der äussern bindegewebigen Schichte der Tra-
chee (c) selbst ist, und aus einem dünnen, etwas schlängelig verlau-
fenden Axenstrang a, der aus der Chitinschichte der Trachee her-
vorzugehen scheint. Diese zwei sogenannten Trachea I stränge
haben viel Ähnlichkeit mit den im ersten Theile der Abhandlung
beschriebenen kolossalen Nerven 3), jedoch fehlt hier der eigentliche
Anhaltspunkt zu einem Nerven, nämlich eine eigentümliche Endi-
gungsweise an der Peripherie, und die Insertion an die zarthäutige,
nicht chitinisirte Schichte der Haut.
Auch bei Cephenomyia- und Cephalomyia-Lavxen finden sich
Andeutungen von vorderen Stigmen vor, die kleine Stigmenplatten
vorstellen, an deren Innenfläche sich die vorderen dünnen Enden der
Körpertracheen inseriren. Diese vordem Stigmenplatten haben genau
dieselbe Structur wie die hinteren, entsprechen ihrer Lage nach den
») L. c.
z) Siehe I. Theil dieser Abhaiull. (Fig. 499).
') S. i. Tbl. p. 437 (Fig. 12).
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. 33
vordem Stigmen bei Gastrus- und Ilypoderma-Larwen, und sind bei
Cephenomyien etwas grösser und mehr über die Haut vorspringend,
als bei Cephalomyien.
Es mag mir nun gestattet sein das Gesetz zu untersuchen, nach
welchem bei diesen Thierchen die Respiration, respective der Gas-
wechsel vor sich geht.
Während bei Gastrus- und allen rein vvasserathmenden Insecten-
Larven an beiden Diffusionsgrenzen der Mechanismus des Gas-
wechsels nach den Gesetzen der Diffusion der Gase durch
feuchte thieri sehe Membrane vor sich geht, beruht der Mecha-
nismus des Gasaustausches hei Hypoderma- .Cephenomyia- undCepha-
lomyia-LarYen nur ander innern Diffusionsgrenze auf den erwähnten
Gesetzen, während bei dem an der äussern Diffusionsgrenze hier ein
ganz anderes Gesetz in Betracht kommt, nämlich das Graham'sche
Gesetz der Diffusion der Gase durch trockene poröse
Platten.
Wir haben aus dem Baue der Stigmenplatten dieser drei luftath-
menden Larvengattungen der Östridünfamilie ersehen , dass das
Tracheensystem gegen die atmosphärische Luft durch eine fein-
poröse Chitinplatte abgeschlossen ist. Die Gase der äusseren Atmo-
sphäre können daher mit denen der Tracheen blos durch die porösen
Stigmenplatten einen Diffusionsprocess unterhalten, welcher nach dem
oberwähnten Gra ham 'sehen Gesetze vorsieh geht. Die Bestimmung
des schwammigen Chitingewebes an der innern Fläche der Stigmen-
platte ist auch bei diesen Larven offenbar die einer Verdichtung der
Gase vom Tracheensystem her, damit der Gasaustausch an der äussern
Diffusionsgrenze um so energischer vor sich gehe.
*\ Innere Respiration- organe der Hypoderma-, Cephenoinyia- und
Cephalouiyia - Larven.
Wenige Eigentümlichkeiten ausgenommen ist der Bau der
innerenUespirationsorgane bei allen diesen 3 Larvengattungen derselbe,
und reiht sich überhaupt dem allgemeinen Typus des Tracheen-
systems der Dipterenlarven vollkommen an. Es fehlt hier das soge-
nannte Lungentracheensystem, wie es bei Gastrus-Larven vorkommt,
und das Körpertracheensystem wird blos durch 2 einfache dicke, zu
beiden Seiten des Körpers vom hinteren gegen das vordere Ende
desselben verlaufende Tracheenstämme repräsentirt, aus denen die
primären Äste füv alle Organe des Körpers entspringen. Beide
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLV. Bd. I. Ahth. 3
34 S e h e i b e r.
Seitenstämme stehen durch viele kleine und zwei Hauptanastomosen
mit einander in Verbindung. Die eine viel stärkere Queranastomose
liegt hinten knapp am Ursprünge der Haupttracheenstämme, ist,
weil sich diese daselbst fast berühren, sehr kurz und liegt an der
Oorsalseite derselben. Das Lumen dieses Querastes beträgt fast die
Hälfte desjenigen der Tracheenstämme selbst; unterhalb dieser
Queranastomose zieht der Mastdarm zwischen den beiden Tracheen-
stämmen zur Aftermündung hin.
Die andere viel schwächere Queranastomose liegt vorne zwischen
1. und 2. Körperring, und verbindet die schon sehr dünn gewordenen
2 Haupltracheenstämme fast unter rechtem Winkel mit einander. Die-
ser Querast ist dünn, und verläuft an der Dorsalseile quer über den
Schlund. Vom vorderen der durch den Abgang dieses Querastes gebil-
deten Winkel ziehen mehrere feine Tracheenzweige nach vorne und
innen zur Schlundmusculatur, vom hinteren gehen nebst mehreren
feineren für den Ösophagus und die umgebenden Weichtheile die
bekannten Tracheen für das Ringganglion ») nach hinten und innen
ab, um in die Längsschenkel des Ganglions einzutreten, und im
Querschenkel desselben eine Queranastomose zu bilden.
Zu den Eigentümlichkeiten des Tracheensystems
gehören : 1 . Die nur bei Hypoderma-Lav\en vorfiudbaren Tracheen-
blasen (Fig. 46), die ich jedoch constant blos bei den Larven von
Hypoderma bovis und Actaeon gesehen habe. Es sind deren stets
nur zwei vorhanden, und liegen beiderseits in der Mitte des Körpers,
gewöhnlich etwas oberhalb der kugeligen Ganglien 3). Es treten aus
denselben eine grössere Anzahl von Tracheen aus, die von beiden
Seiten her zum Darmcanal treten.
2. Die sogenannten Trachealganglien, die wir schon aus
dem I. Theile (pag. 435) kennen. Endlich 3. Eigentümliche bis
jetzt nur bei Hypodt'rma-LarYen vorgefundene Körperchen, die ich
ebenfalls in diesem Capitel abhandeln will, weil sie zum Tracheen-
system in irgend einem Verhältniss zu stehen scheinen, obwohl
ich über ihre eigentliche Bedeutung durchaus nicht im Klaren bin. Sie
stellen meist rundliche, bald kleinere (nur mit Loupenvergrösserungen
wahrnehmbare), bald grössere (schon mit freiem Auge sichtbare),
gelbliche, bei durchfallendem Lichte dunkel gefärbte, bald isolirt, bald
i) Siehe I. Theil der Abhandlung pitg. &20 •!<■
') L. c. |>ag\ 437 ii. 441 .
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. 35
in Gruppen zu 4 — 8 beisammenliegende Körperchen dar (Fig. 47
c c), in deren jedes ein Tracheenzweigchen (b li) eintritt, welches
sich in denselben vielfach verästelt. An den aus dieser Verzweigung
hervorgehenden Ästchen sitzt eine grosse Menge zelliger Gebilde,
entweder unmittelbar oder mittelst feiner Stielchen auf. Dieses feine
Tracheengerüste liegt gleich denNierenglomernli der höheren Thiere
knäuelformig zusammengeballt in einer stark lichtbrechenden, bei
durchfallendem Lichte dunkelbraunen, ziemlich fest zusammenhän-
genden, wie fettigmoleculär aussehenden Masse eingebettet. Die
Zellen (Fig. 48 b b') sind 0 004 — 0-006 Millim. gross mit 1 — 2
stark glänzenden, kleinen Kernen, und einem stellenweise feingranu-
lären Inhalt versehen.
Über die Bestimmung dieser Körperchen, die sich im ganzen
Körper aller Hypoderma-Larven zerstreut vorfinden, und äusserlich
von ähnlich aussehenden Gebilden (wie Trachealganglien , ein
Klümpchen von Fettzellen etc.) nur schwer zu unterscheiden sind,
liegen nicht die mindesten Anhaltspunkte vor, und man könnte nur
die Muthmassung aussprechen, dass sie vielleicht den Lungenbläschen
der Gastriden ähnliche Einrichtungen wären. Es wäre indess ebenso
möglich, dass sie dem Circulationssystem angehören, und vielleicht
den Lymphdrüsen der Wirbelthiere ähnliche Vorrichtungen repräsen-
tiren. Merkwürdig ist es, dass man dieselben zelligen Gebilde, wie
sie in den beschriebenen Körperchen vorkommen, auch in häutigen
Organen (Rückengefäss, Darmcanal) der Hypoderma-Larven überall
dort vorfindet, wo Tracheenverzweigungen zu sehen sind.
Die Verästelungsweise der Tracheen ist bei den ver-
schiedenen Larvengattungen eine verschiedene. Bei den Gastrus-
und Cephenomyia-Lürven ist sie einfach baumförmig, indem ein
Tracheenstamm nach kürzerem oder längerem Verlaufe zahlreiche
Seitenäste abgibt, und endlich in zwei oder mehrere sich fort und fort
theilende Zweige zerfällt. Bei Hypoderma-L'aryen ist die Art der
Verzweigung eine andere. Die von den Haupttracheenstämmen
abgehenden primären Zweige geben keine Seitenäste ab, sondern
zerfallen nach kurzem Verlaufe einfach in 6 — 12 secundäre Zweige,
die für sich wieder einfach sind und nach kurzem Verlaufe plötzlich
in ein Büschel von sehr zahlreichen feinen Tracheen zerfallen. Bei
Cephalomyia-Larven verhält sich die Sache ähnlich, nur sind die
secundären Äste unmittelbar vor ihrem Zerfallen in das Büschel
3«
36 Scheib e r.
feiner Tracheen (3. Ordnung) entweder einfach verengert, oder
es folgt nach der Verengerung noch eine plattgedrückte blasen-
förmige Erweiterung mit verschiedenen Ausbuchtungen, aus welcher
erst der feine Tracheenbüschel hervorgeht. Die Tracheen dieses
Büschels sind aber weder so zahlreich noch so fein, wie bei denen
der Hypoüermen-Larven.
Über die Endigungs w eise und Innervation der Tracheen
gilt das schon bei Gastrus-LuvYen angegebene.
E. Feinerer Bau der Tracheen.
Die Tracheen sind mit Ausnahme der Cephalomyien, wo sie
von oben nach unten flach gedrückt sind, bei allen Östriden-Larven
cylindrische Röhren, deren Wand aus mehreren Schichten besteht.
Über die Zahl und den Bau dieser Schichten sind die Entotomen nicht
gleicher Ansicht. Die meisten Angaben der älteren Forscher, wie
S c h wammerdam1), Ly o n e t *), Strauss-Durkheim3), so wie
die der meisten neueren, wie Siebold4). Frey und Leukart5),
stimmen darin überein, dass die Tracheen aus 3 Häuten bestehen,
aus einer äusseren, glashellen, structurlosen (Peritoneal-), einer
inneren (Epithelial-) und einer mittleren, die Spiraltouren tragenden
(Chitin-) Haut. Schon Sprengel6) leugnete indess die sogenannte
Epithelialhaut, und sah sie als Verbindungshaut der Spiralfasern an.
Leydig 7) , spricht blos von 2 Häuten der Tracheenwand, von einer
äusseren, bindegewebigen und einer inneren, Chitinmembran.
Der Ansicht Leidig's, dass es keine sogenannte Schleimhaut
mit Pflasterepithel gälte, so wie der Vorstellung dieses Autors von der
den Spiralfaden führenden Chitinmembran , muss ich vollkommen
beitreten; es belehrten mich jedoch meine Untersuchungen an den
Östriden-Larven, dass die Tracheenwand nicht aus zwei, sondern,
aus drei deutlich von einander isolirbaren, und auch in Querschnitten
darstellbaren Häuten besteht, nämlich aus einer äusseren (peri-
') Bibel riet Natur.
*) De la Chenille, PI. V.
3) Des animaux »rtieulaires, Pi. 6.
4) Vergleichende Anatomie Her wirbellosen Thiere. 1847.
•"■) Lehrbuch der Anatomie der wirbellosen Thiere. 1847.
6) De pari. quib. Insect. spirit. ducunl.
7) Vergleichende Histologie I8.'J7.
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. 37
tonealen), einer inneren (Chitin-) und einer mittleren, bei den
verschiedenen Larvengattungen verschieden beschaffenen (der chiti-
nogenen Schichte der äussern Haut analogen) Membran.
Die Peri I onea I sc hiebt e besteht bei allen Larvengattungen
(Fig. 49, 50 und 51 «) aus einer glashellen strukturlosen, mit ein-
gestreuten Körnen (Fig. 50 c, Fig. 49 «') versehenen Membran, die
bei Gastrus-Larxen nur lose, bei den andern aber eng an die mittlere
Schichte anliegt.
Die innerste, das Lumen der Trachee unmittelbar begrenzende
Schichte, ist die Chitinschichte (Fig. 49 c), welche schon manchmal
an und für sich, d. h. zwischen den ihr aufgelagerten Spiralfäden
ziemlich dick ist, wie dies an Querschnitten (Fig. 51 c) ersichtlich
ist. Sie hat nicht immer blos nach innen, sondern auch nach aussen
Hervorragungen, u. z. entweder in Form von wirklichen Spiraltouren
oder Querreifen (Fig. 49 e) , oder aber in Form von unregelmässig
welligen Erhabenheiten (Linie zwischen c und b, in Fig. 51). Je
ein nach innen vorspringender Spiralfaden ist bald schmal, bald breit,
bald glatt, bald gerieft (Fig. 51 e). Die diese inneren Vorsprünge
begrenzende scharf contourirte Linie (Fig. 51 f) erweckte anfangs
die Idee von einer 4. (Schleimhaut-) Schichte; da ich aber dieselbe
nie darstellen konnte und auch jeder andere positive Anhaltspunkt
zu dieser Annahme fehlt, so zweifle ich an die Existenz einer solchen
Schichte, und halte diesen schwarzen und scharfen Contour als eine
optische Täuschung, als den Ausdruck eines eigen thümlichen Licht-
reflexes an der scharfen Berandung der im Querschnitt sehr dünnen
Chitinlamelle, Die Spiralfäden selbst verästeln sich manchmal, und nicht
selten sieht man zwischen 2 Spiralfäden einen neuen beginnen. In
manchen breiten, bandförmigen Spiralfäden sieht man längliche, ovale
Lücken und Fensterchen (Cephenomyia-Lwrxen). Indem sich die zwei
äusseren Meinbraue an die äusseren Erhabenheiten der Chitinschichte
eng anlegen, erscheinen sie gefaltet (Fig 50 e e).
Die mittlere Schichte besteht bei llypoderma- und Cephenomyia-
Larven (Fig. 50 und 51 bb ) aus einer structurlosen Bindegewebs-
membran, in welcher grosse, runde, ovale oder polygonale Zellen (d)
mit einem Kerne und einem krümmlichen Inhalt eingestreut sind,
und der inneren chitinogenen Membran der äusseren Haut vollkommen
ähnlich gebaut ist. Während der Präparation sind hie und da die
Zellen herausgefallen (Fig. 50 d' ). Bei Cephalomyia-Lnrven konnte
38 S c h e i b e r.
ich diese Schichten nicht als eigentliche Membran präpariren, in-
dem sie hier von einer continuirlichen Schichte dicht an einander
gedrängter, kleiner, poligonaler, eigenthümlich fettig glänzender,
kernhaltiger Zellen gebildet wird , welche die Chitinschichte mit
ihren Spiraltouren nicht klar und rein durchscheinen lassen, darum
die Tracheen bei Cephalomyia maculata ein trübes, wie bestaubtes
Aussehen haben. Bei Gastrus- Larven zeigt sich diese Schichte,
(Fig. 49 b) als eine hyaline, opake, bald ziemlich breite, bald bis
zur Unwahrnehmharkeit schmale Haut, welche die Chitinschichte wie
eine trübe Wolke umgibt, und sich an deren Erhabenheit anschmiegt;
ich konnte weder zellige Gebilde noch Kerne in ihr wahrnehmen,
und konnte sie überhaupt nur dadurch deutlich als gesonderte Schichte
erkennen, dass sie durch ihren matten Glanz und grünliche Färbung
von der äusseren hyalinen bläulich glänzenden Peritonealschichte ab-
sticht, und von dieser stellenweise losgelöst, durch eine grössere oder
geringere Menge wasserklarer Flüssigkeit gesondert erscheint. Wenn
derartige Stellen mit solchen in kurzen Intervallen abwechseln, wo
die äussere und mittlere Membran sich berühren, bekommt die Tra-
cheenach ihren äusseren Contouren das Aussehen einesRosenkranzes,
welches Aussehen übrigens auch bei Nervenfasern nicht selten ange-
troffen wird.
Wegen der eben geschilderten Natur der zweiten Schichte der
Tracheen bei GVr^rws-Larven übersah ich anfangs dieselbe und war, da
ich meine ersten Untersuchungen über diesen Gegenstand an diesen
Larven anstellte, zuerst auch der Meinung, dass die Tracheenwand
aus 2 Schichten, aus einer äusseren, peritonealen, und einer inneren
Chitinschichte bestehe. Erst nachdem ich die Structur der Tracheen
auch an den übrigen Gattungen studirte, und ich nicht blos von der
den Spiralfäden tragenden Schichte solche Membranstücke abziehen
konnte, wie Fig. SO zeigt, in welchem deutlich 2 Membrane zu
unterscheiden sind, sondern mir sogar an den Tracheenwurzeln von
Hypoderma-Lnryen gelungen ist, auch alle zwei äusseren Häute
gesondert von der dritten Schichte abzuziehen, wurde ich auch auf
die mittlere Schichte hei Gastvus- Larven aufmerksam, wo sie so
deutlich, wie sie Fig. 49 zeigt, auch nur selten anzutreffen ist.
Gelungene Querschnitte (Fig. 51) bestätigten alles dieses.
In Hinsicht der Bedeutung und Abstammung der 3 Schichten
der Tracheenwand, glaube ich bemerken zu müssen, dass die innerste
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östrideu-Larven. 30
den Spiralfaden tragende Schichte als eine Fortsetzung der an den
Stigmenlöchern, respective Stigmenplatten sich fortsetzenden (einge-
stülpten) äusseren, chitinisirten Schichte des äusseren Integumentes,
sowie auch als Analogen der innersten Cuticular schichte des Darm-
canales aufzufassen ist. Die mittlere (chitinogene) Schichte ist als
Fortsetzung der inneren nicht chitinisirten Haut des äusseren Integu-
mentes, und als Analogon der aus der Membrana proprio, und Epi-
thelium bestehenden 2 Schichten des Darmcanales (siehe weiter
unten im Capitel vom Digestionssystem), die äusserste Schichte end-
lich als Analogon der Peritonealschichte des Darmcanales und des
Rückengefässes anzusehen.
Die Tracheen behalten die eben geschilderten Structurverhält-
nisse bis in ihre Verästelungen 3. und 4. Ordnung hei; mit dem
Dünnerwerden derselben sind die zwei äusseren Schichten immer
schwerer von einander zu unterscheiden, und bei jener Dünne, wo
der Spiralfaden der Tracheen geschwunden ist, sind die zwei äusseren
Schichten vollkommen mit einander verschmolzen, so dass die
capilläre Trachee blos aus 2 Schichten, einer äusseren binde-
gewebigen, und einer inneren (Chitin-) Membran besteht.
Die Structur der bei IJypoderma- Larven vorfindigen zwei
T r a cheenblasen(Fig. 51 d) unterscheidet sich wesentlich innichts
anderem von der der übrigen Tracheen, als dass die Auflagerungen an
der innersten (Chitin-) Membran nicht die Form von Spiralfäden beibe-
halten, sondern erscheinen in Form länglicher Plaques, die nach allen
Richtungen sich verästigende Strahlen aussenden, welche mit denen
anderer Plaques communiciren, so dass das Ganze einem Netzwerk
ähnelt, welches von Knochenkörpercheu ausgeht.
F ü N P T ES C A P I T E L.
Das chylo- und uropoetische System.
Hier werden wir nicht minder, wie in den übrigen Systemen des
Körpers bedeutende Unterschiede im Baue der einzelnen Bestand-
teile der verschiedenen Larvengattungen vorfinden. Es kommen bei
der einen Gattung z. B. Organe vor, die bei der anderen ganz
40 Scheiter.
fehlen, und dasselbe Organ tritt oft bei der einen Gattung in einer
ganz andern Anordnung auf, als bei der anderen.
Wir werden die in dieses Capitel gehörigen Organe in folgen-
der Ordnung abhandeln: 1. Äussere Mundtheile und Schlund;
2. Darmcanal; 3. Speicheldrüsen; 4 M alpighi'sche Gefässe ;
5. Fettkörper.
1. Die äusseren xWundtheile und der Schlund.
Der eiste Körperring unserer „kopflosen" Larven trägt, wie wir
schon aus dem ersten Theile (S. 453) wissen, zuvörderst die beiden
Fühler, die nur bei Hyj)oderi7ia-Lnvven fehlen, wo sie blos durch
zwei schwarze Punkte angedeutet sind. Gleich unterhalb der Fühler
befindet sich die MundÖffnung, die zu beiden Seiten Mundhaken
besitzt, die das Thier in die betreffende Schleimhaut des Wohnthieres
einhakt, und sich so an dieselbe anklammert. Dw die }]y poderma-Lar\en
ihr ganzes Larvenleben in einem unter der Haut des Wohnthieres
liegenden Hohlsack fristen, bedurften sie keiner Haken, ihr Mund ist
demnach unbewaffnet *)• Es ist bis jetzt noch nicht bekannt, ob diese
Larven gleich ohne Haken zur Welt kommen, oder ob sie solche in
der ersten Jungendzeit factisch besitzen, und selbe erst dann ver-
lieren, nachdem sie sich in die Haut des Wohnthieres eingebohrt
haben. Letzteres ist wohl das Wahrscheinlichere, da es sonst nicht
begreiflich wäre, wie sich die kleinen Thierchen in die Haut eines
Rindes selbst nur in einen Follikel derselben einbohren könnten;
andererseits ist es noch nicht gelungen, die Haken in einer derartigen
Beule einer Rindshaut nachzuweisen2).
') Die ebenfalls unter der Haut verschiedener Thiere lebenden, exotischen Larvengattun-
geu Cuterebra Clk. und Dermatubia Br. haben hingegen Mundhaken. S. Fr. Brauer
„über den sogenannten Oestrtis hominis", und „über die Larven der Gattung Cutere-
bra Cl k. (Verhandlungen der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft zu Wien.
Jahrg. 1860, S. 57—72 und 777—786).
2) Nach der Untersuchung des Herrn Professor Wedl ist über die Structurverhäitnisse
der Kapsel, in welcher die Rindbremsenlarve lebt, folgendes zu bemerken: Die
Rinderhaut zeigt entsprechend einer sogenannten Dasselheule an ihrer Aussenflache
eine nabelformige Vertiefung, die durch einen für einen feinen Tubus durchgängigen
Canal in die Kapsel führt, deren Wandung 2 — 3 Millim. dick ist, und so enge den
Larvenkörper umgibt, dass an ihrer innern Oberlliiche der Abdruck des letzteren
wahrzunehmen ist. An der Kapselwand sind mehrere Schichten zu unterscheiden. Die
innerste besteht aus einem schmutzig gelblichen Belege, welcher runde, ovale mit
Fettmolekülen besetzte Kerne enthalt, welche in Lagen von Bindegewebsbündeln ein-
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. 41
Die Haken der 3 übrigen Larvengattungen sind durchgehends
gleich gebaut. Sie sind mit dem innerhalli des 1. Ringes liegenden
Schlundgerüste beweglich verbunden. Fig. 52 A zeigt das ganze
Schlundgerüste, dessen einzelne Bestandteile aus harten, dunkel-
gefärbten Chitinplatten bestehen: a, d, a ist das von Schröder van
der Kolk (bei Gustrus-hwvyen) sogenannte oshyoideum, welches der
Grundpfeiler des ganzen Gerüstes ist, indem sich an seinen vor-
deren Rand d die Haken (b b' b) , an seinem hinteren Rande die
Schlundflügel (c c) befestigen.
a) Das os hyoideum ist eine U-förmig gebogene, schwarze, harte
und spröde Chitinplatte (Fig. 52 B, a), deren gebogener Theil gegen
die Bauch- die beiden Ränder aa (in Fig. 52 Ä) gegen die Rücken-
seite gewendet sind; die dem Leser zugewendete Fläche des os hyoid.
ist nach innen gekehrt; das os hyoideum ist also gegen die Bauchseite
hin geschlossen, gegen die Bückenseite offen, und wird theils durch
gegenseitige Berührung zweier innerhalb desselben gelegenen Muskeln
(Fig. 52 B, c) theils durch die Einschürzung des äusseren Integu-
mentes über das os hyoideum (Fig. 52 B, b) zu einer vollständigen
Bohre (d) geschlossen. Der vordere Rand des os hyoideum (Fig. 52
A, d) zeigt zu beiden Seiten zwei seichte Facetten, zwischen denen
ein halbmondförmiger x\usschnitt liegt.
b) Die H a k e n (Fig. 52 A, b' 6 ) sind von beiden Seiten her flach
gedrückt, und im Zustande der Passivität mit ihrem horizontalen Theile
(6') parallel und mit ihren Spitzen gegen die Bauchseite des Thieres
gerichtet; ihre gewöhnliche Lage entspricht daher einer auf die Zeich-
nung senkrechten Richtung. Der Stiel der Haken (66) ist breit, stark
gebaut, und imThiere so gestellt, dass der glatte (äussere) Band gegen
die Bücken-, der mit 2 Fortsätzen (i,k) versehene (innere) Band gegen
die Bauchseite gerichtet ist; der hintere Band hat 2 Facetten , mittelst
gebettet sind; ferner kann man auch in 2 — 3 Sj>it/.en ausgezogene mit einander zu-
sammenhängende Kerne (Kernfasern) wahrnehmen. Die übrigen Schichten --ind Lagen
von faserigen Biudegewebsliündeln, welche nach aussen schwieligen Charakter an-
nehmen, und mittelst lockeren Bindegewebes mit der Riudshaut zusammenhängen. Sie
sind sehr blutreich, mit BliUpunkten und häufigen Stipulationen durchsetzt. Besonders
ist die mittlere Schichte der Sitz blutiger SufFusionen, das Gewebe ist hier mehr
geröthet, im Gefiige lockerer, und man findet als Zeichen geschehener Blutexlravasate
nicht nur viel angehäuftes Pigment, sondern auch Hämatoidiukrystalle. Zu innerst
liegt, wie schon oben beschrieben wurde, in retrograde (fettige) Metamorphose
bpgrffeues embryonales Bindegewebe.
42 Scheiber.
denen die Haken mit dem os hyoideum durch elastische Chitinbänder
beweglich verbunden sind. Da das os hyoideum U-förmig gebogen,
der hintere Rand des Stieles der Haken aber geradlinig verläuft, so
wird die gegen den Fortsatz (/) gelegene Hälfte dieses Randes , also
auch der Fortsatz i selbst, frei über den vordem Rand des os hyoi-
deum hervorragen, so dass der Haken mittelst des hintern Randes sei-
nes Stieles auf dem vordem Rand des os hyoideum gleich einem zwei
armigen Hebel balanciren wird; das Hypomochlion des Hebels liegt
dort, wo der hintere Rand des Hakenstieles den vordem Rand des
os hyoideum verlässt. Der mit dem vordem Rand des os hyoideum
bänderig verbundene Theil des hintern Randes des Stieltheiles bildet
den längern Hebelarm, der freie Theil desselben den Kürzern.
Der Fortsatz i ragt aus der Ebene des (breiten) Stieles unter
einem stumpfen Winkel nach aussen hervor. Wenn man sich nun
beide Haken zu einander parallel gestellt denkt (mit den Spitzen der
Schnabeltheile hinter die Zeichnung), so werden durch die Wirkung
jener Muskeln, welche von der äussern Fläche der Schlund-
flügel entspringen und sich an den Fortsatz i anheften (äussere
Schlundmuskeln), die Haken so nach aussen gedreht, dass sich nicht
nur die Spitzen (Drehung um die Längsaxe der Stieltheile), sondern auch
die Stiele derselben von einander entfernen.
Eine dieser entgegengesetzten (convergirenden) Bewegung der
Haken wird durch die Wirkung der sogenannten inneren geraden
Schi und muskeln (<? e) erzielt. Dieise Muskeln entspringen an der
innern Fläche der Schlundplatten, ziehen durch den innern Raum
des os hyoideum zu den Haken, an deren innere Fläche sie sich
anheften. Mit Hilfe dieser Bewegung werden die Spitzen der Haken-
theile so einander genähert, dass sie sich zu einer einzigen Spitze
zusammensetzen. In diesem Zustande werden nun die Haken in die
Schleimhaut des beireffenden Wohnthieres gestossen; innerhalb der
gemachten Wunde tritt sodann eine divergirende Bewegung der Haken
ein, und das Thier haftet nun so fest an die Schleimhaut, dass
bei einem Versuche dasselbe von letzterer Ioszureissen, häufig
die Haken brechen, oder die Schleimhaut durchreisst *).
l) Über den Heilungsprocess der von Gastrus equi im Pferdemagen zurückgebliebenen
Wunden ist nach der Untersuchung des Herrn Prof. Wedl folgendes zu bemerken:
Die Lücke ist 1 — 2 Millim. breit und '1 Millim. lief. Der Eingang in die Höhle ist
gewulstet, in diese lagert sich allmählich Epithel ab, das bei der allinaiicheu Ver-
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. 43
c) Die Schlundflügel (Fig. 52 A, c & c) erscheinen in
der Figur, so wie das os hyoideum gleich einem aufgeschlagenen
Buch auseinander gelegt, während sie im natürlichen Zustande so
gestellt sind, wie die ihren Querschnitt darstellende schematische
Zeichnung (Fig. 53 c c' c) zeigt. Der U-fÖrmig gebogene Theil der
Schluudplatten (Fig. 53 c' und in Fig. 52 A, der zwischen den
Linien c" c" gelegene Theil c) liegt im Körper nach unten (gegen
die Bauchseite) , die (sich berührenden Seiten-) Ränder (Fig. 52
A, c c) nach oben (gegen die Rückseite , Fig. 53 rf). Die dem Leser
zugewendete Fläche der Schlundplatten (in Fig. 52 A) ist nach
innen gekehrt. Die zwei Demarcationslinien (Fig. 52 A c"c"^) sollen
jene der innern Fläche der Schlundflügel entlang verlaufende In-
sertionslinien bezeichnen, an welchen die von einer Linie zur andern
bogenförmig verlaufende, continuirliche Reihe von Muskelfasern
(Fig. 52 A und 53 /) ihren Ursprung nehmen.
Die Schlundplatten sind an ihrem vordem Rande am dicksten;
dieser Rand ist mittelst Chitinbändern mit dem hinteren Rande des
os hyoideum in fester Verbindung. Die zwei seitlichen (Fig. 52 A,
c c) und die hinteren Ränder sind zugeschärft. Jene (in natürlicher
Lage obern) Ränder sind geradlinig; diese abgerundet, und ver-
leihenden Schlundplatten im auseinander gelegten Zustande eine ent-
fernte Ähnlichkeit mit den entfalteten Flügeln eines Schmetterliuges.
Der mittlere Theil der Schluudplatten c' wird nach hinten immer
dünner, bis er unmittelbar in die feine, innerste (Chitin-) Membran
des Ösophagus (Fig. 52 A, h) übergeht.
Die Muskelschichte (Fig. 52 A und 53 f) bildet eine continu-
irliche, sich vom vordem Rande der Schlundflügeln bis zum hintern
Rande derselben (respective bis zum Beginn des Ösophagus) dicht
hintereinander wiederholende Reihe von halbkreisförmigen Mus«-
kelbündeln, die zusammen einen Halbeanal bilden, der sich mit jenem
Halbcanal, welchen der mittlere Theil der Schlundflügel c bildet,
zu einer geschlossenen Röhre zusammensetzt, die die Mundöffnung
mit dem Ösophagus verbindet, und somit den eigentlichen Schlund
Schliessung der Höhle durcli neu gebildetes Bindegewebe emporgehoben wird,
und in Form einer Favus- Borke in mehrfachen Schichten aufsitzt. Die Färbung
der Narbe ist eine schmutzig-gelbe, bedingt durch Nekrose des Epithels und
zahlreiche zwischen dieses gelagerte stäbchenartige Öacillarien. Zuletzt bleibt nur
mehr noch eine schüsselförmiffe Vertiefung zurück.
44 S c h e i b e r.
oder den Schlundcanal der Larve darstellt (Fig. 53 h). Der mus-
culäre Halbcanal wird an der dem Lumen der Röhre zugewendeten
Seite vom Perimisium der Muskelfasern ausgekleidet, während der
andere Halbcanal gar keine zarthäutige Auskleidung besitzt, sondern
die Chitinplatte seihst frei zu Tage liegt.
Die halbkreisförmigen Muskelfasern werden, indem sie zwischen
den Schlundplatteu hervorkommen (am Beginne des Ösophagus) ganz
kreisförmig, und setzen sich in dieser Form als Muscularis des Öso-
phagus fort. Die halbcanalförmige Chitinwand wird gegen den hintern
Rand der Schlundflügel immer dünner, und ist an diesem Rande
selbst schon so zarthäutig, dass sie, indem sie sich (am Beginn des
Ösophagus) in eine vollständige Chitinröhre umwandelt, sich als
innerste Chitinmembran des Ösophagus in diesen fortsetzt. Diese
zarte Chitinröhre wird sogleich am hintern Rande der Schlundplatte
durch die kreisförmig gewordenen Muskelfasern des musculären
Halbcanales umschlossen, und zwischen beiden Schichten schieben
sich gleichzeitig mit der Entstehung dieser, 2 neue Schichten ein,
welche im Ösophagus als Epithelschichte und Membrana propria
erscheinen. Um die Entstehung dieser 2 Schichten zu verstehen, müssen
wir zunächst in Betracht ziehen, dass das ganze Schlundgerüste
durch Einstülpung des äusseren Integuinentes (sowohl der äussern,
chitinisirten, als der innern nicht chitinisirten Schichte desselben)
entstanden ist. Die chitinisirte Schichte hat im Schlundgerüste in
Hinsicht der Consistenz und Formbildung wesentliche uns schon be-
kannte Veränderungen erlitten. Die nicht chitinisirte Schichte
(chilinogene Membran) überzieht einfach die äussere Fläche des
Schlimdgerüstes und der Schlund platten. Diese Membran besteht be-
kanntlich aus einer structurlosen Grundmembran mit einer ein- oder
aufgelagerten Zellschichte (chitinogene Zellschichte) ; letztere liegt
natürlich auf der der chitinisirten Schichte zugewendeten Seite der
Grundmembran. Da nun der mittlere Theil der Schlundplatten c' sich
zur innersten Chitinmembran des Ösophagus umwandelt, so muss
der die Schlniidplatten nach aussen übeziehende chitinogenen Mem-
bran ein ähnliches Schicksal zu Theil weiden, und es wandelt sich
daher die Chitinzellenschichte derselben zum Epithel, die sfructur-
lose biudegewige Grundmembran derselben zur Membrana propria
des Ösophagus um. Nun folgt erst nach aussen die Muscularis als
4. Schichte des Ösophagus, und als 5. Schichte desselben die (nach
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. 45
Leydig) aus der Verdichtung des umgebenden Bindegewebes (Fett-
körperzellen) entstandene P e r i t o n ea 1 s ch i c b t e.
Die innere Fläche der Seitenplatten d<jr Schlundfiügel ist ihrer
ganzen Länge nach mit jenen querverlaufenden Muskelbündeln
(Fig. 52 A und 53 gg) bedeckt, die ich zum Unterschiede von den
halbkreisförmigen (f) und den geraden innern (Fig. 52^L e)
als quere Schlundmuskeln bezeichnen will. Die auf jeder Seite
liegenden Muskelbündeln haben zusammen ein gemeinschaftliches
äusseres (an die Seitenplatten anliegendes) und ein gemeinschaft-
liches inneres (in natürlicher Lage der Schlundflügel), von beiden
Seiten her einander zugekehrtes und sich berührendes Perimi-
sium, welches mit den beiden Endsehnen aller Muskelbündel je
einer Seite verwachsen ist. Wir haben demnach an der inneren
Fläche jeder Seitenplatte eine Muskelausbreitung, die aus einer
stellenweise unterbrochenen Querreihe von Muskelbündeln besteht,
welche zwischen 2 Perimisien eingeschlossen sind. Diese 2 Mus-
kelausbreitungen haben genau die Form der Seitentheile der Schlund-
platten, und daher ebenso einen vorderen (geraden), einen hinteren
(abgerundeten), einen oberen (den Rändern Fig. %2 A, cc) und
einen unteren den Demarcationslinien (c" c") entsprechenden Rand.
Der untere Rand ist nicht unmittelbar an die Schlundplatte,
sondern an das an der convexen Seite der halbkreisförmigen Schlund-
musculafur gelegene Perimisium angeheftet. Die übrigen Ränder
einer jeden Muskelausbreitung inseriren sich an die entsprechenden
Ränder der Seitenplatten der Schlundflügel, so wie auch an die
entsprechenden Ränder der Muskelausbreitung der anderen Seite.
Nach dem Gesagten ist also klar, dass der Raum zwischen beiden
Schlnndplatten von allen Seiten her abgeschlossen ist, und nur der
unterhalb der halbkreisförmigen Musculatur (f) gelegene Raum
(Fig. 53 h) stellt die Communication zwischen Mundöffnung und
Ösophagus her (Schlundröhre). Die in das Bereich des os hyoideum
fallende Fortsetzung der Schlundröhre (Fig. 52 B, (t) wird gegen
die offene Seite theils durch die gegenseitige Berührung der geraden
innern Schlundmuskeln, theils dadurch gegen die innere Körperhöhle
abgeschlossen, dass sich das äussere Integument, in ihrem unver-
änderten weichen) Zustande noch über das os hyoideum in Form
einer dieses umfassenden Röhre einstülpt. Da in Folge von längerer
Aufbewahrung von Larvenpräparaten in Flüssigkeiten die Anheftungs-
46 S c h e i b c r.
punkte der Muskeln an die Chitinsubstanz sehr gelockert wird, so
lässt sich bei solchen Larven die ganze innere Scblundmusculatur
(gerade, quere und halbkreisförmige Muskeln) in einem zusammen-
hängenden Stücke aus dem Innern des Schlundgerüstes herausziehen,
welches dann die in Fig. 54 a gezeichnete Form hat.
Bei oberflächlicher Betrachtung dieses hervorgezogenen, von
beiden Seiten her flach gedrückten Muskelkörpers, glaubt man einen
Hohlsack vor sich zu haben, der an der Mundöffnung beginnt und
in den Ösophagus mündet. Dieser Muskelkörper hat wirklich eine
Höhlung im Innern, nämlich zwischen den inneren Perimisien der zwei
seitlichen Muskelblätter (Fig. 53 e) jedoch hat diese Höhle mit dem
Ösophagus und der Mundöffnung nichts gemein, und ist von allen Seiten
her blind abgeschlossen. Man findet ferner, dass dieser breite Schlund-
körper (Fig. 3 c, Fig. 54 a) gleich einem Messer an dem convexen
Bande zugeschärft, an dem geraden (gegen die Bauchseite gekehrten)
Bande aber breit, und zugleich rinnenförmig ausgehöhlt ist (halb-
kreisförmige Musculatur Fig. 53 f) und dass der Ösophagus in der
verlängerten Richtung des letzteren Randes vomMuskelkörper abgeht.
Die geschilderten Verhältnisse des Schlundes finden sich mit
mehr minder kleinen Modificationen bei allen vier Larvengattungen
vor. Bei Hypoderma-Laryen fehlt z. B. in Ermanglung der Haken
auch das os hyoideum, und die Schlundflügel gehen als Einstülpung
der äussern Haut unmittelbar von den die Mundöffnung begrenzen-
den Lefzen aus. Bei Cephalomyia gebt nicht die Substanz der Schlund-
flügel (dessen mittleren Theiles) selbst, sondern eine feine, hier
ausnahmsweise die Innenfläche der Schlundplatten auskleidende
Chitinmembran in die Chitinröhre des Ösophagus über, ferner kommt
bei diesen Larven noch die Modification vor, dass die Seitenplatten
der Schlundflügel beiderseits doppelt sind, und so an einander liegen,
wie je zwei Flügel eines Schmetterlings. Die zwei Flügelplatten
jeder Seite sind vorne mit einander verwachsen, so dass ihr vorderer
mit dem hintern Bande des os hyoideum ligamentös verbundener
Band für je zwei Seitenplatten gemeinschaftlich ist.
Die Mundöffnung bildet bei Cephalomyia- und Cephenomyla-
Larven einen längsovalen Spalt mit etwas gewulsteten Lefzen. Bei
Jfypoderma -Luvven ist die Mundöffnung rund, und die Haut zeigt
sich um dieselbe strahlig eingezogen. Bei Gastrus-Lnvven ist sie
von aussen gar nicht sichtbar, indem sie durch die zwei seitlichen
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. 4?T
Kiefer (mandibule oh machoire nach Schrödervan d e r K o 1 k) ver-
deektwird *)• Beide zusammen bilden einen von beiden Seiten her flach
gedrückten Hohlkegel mit freier Spitze und festsitzender Basis; ihre
zwei Seitentheile bewegen sich in horizontaler Ebene gegen und von
einander, und liegen nach dem Tode der Larven mit ihren gezähnten
Rändern stets an einander, so dass die Mundöffnung nicht zu sehen
ist.
Bei allen Larvengattungen mündet der gemeinschaftliche Aus-
führungsgang der zwei Mundspeicheldrüsen hoch oben, nahe der
Mundöffnung in den Schlund ein (Fig. 54 s).
Das Sauggeschäft wird zunächst durch jene starken Mus-
keln ausgefühlt, die vom 3. und 4. Ringe entspringend, sich an die
äussere Fläche des Schlundgerüstes (os hyoideum) befestigen 8). Sie
stülpen offenbar, indem sie den ganzen Schlund gegen die Leibes-
böble hineinziehen, die Mundöffnung und die diese umgebende Haut
napfförmig ein, wodurch zwischen dem Munde und dem Gewebe des
Wohnthieres ein leerer Raum entsteht. Die Hypoderma-Laryen,
denen Schlundhaken behufs des festern Anklammerns an das auszu-
saugende Gewebe mangeln, sind ohnedies so fest von der Kapsel-
wand umschlossen, dass schon ein kräftiges Einziehen der Mund-
gegend au und für sich genügt, um das Saugen zu bewerkstelligen.
Durch die erwähnte einfache Vorrichtung werden jedoch blos
die Säfte aus den Geweben des Wohnthieres bis zur Mundöffnung
geschafft, und es muss daher noch eine andere Vorrichtung zugegen
sein, die das Schlürfen der Flüssigkeit, oder das Hineinschaffen bis
in den Ösophagus bewerkstelligt. Diese Vorrichtung muss sich in
jenen Theilen vorfinden, die die Mundöffnung mit dem Ösophagus
in Communication setzt, und dasist der Schlundcanal (Fig. 53Ä). Wie
wir wissen, haben die queren Schlundmuskeln ihren beweglicheren
Anheftungspunkt an der convexen Seite der halbkreisförmigen Mus-
keln. Sie werden daher diese Muskeln gegen ihren fixen Jnsertions-
punkt (Fig. 53 il) hinziehen, und so den Raum h vergrüssern
1) S. dessen Werk Taf. XIII, Fig. C.
a) Diesen sogenannten Musculi retrahentes pharingis (I. p. 41.'>) wirken andere
Muskeln entgegen, die von den Schlnndplatteji und dein os hyoideum entspringend,
nach vorne und aussen ziehen, um sieh an die Haut im Bereiche des ersten Leihes-
ringes anzuheften (Musculi attrahentes pharingis). Diese Muskeln wirken auch
ohne Zweifel heim Einstechen der Haken in die Schleimhaut des Wohnfliier>s mit.
J^Q S e h e i h e r.
relativ leer machen, und die vor der Mundöffnung gelegene Flüssig-
keit in diesen Raum hineinschaffen. Geht dieses Zusammenziehen der
queren Schlundmuskeln vom Mund gegen das ösophageale Ende der
Schlundröhre fortschreitend und rhythmisch vor sich, so ist kein
Zweifel, dass auf diese Weise die Säfte in den Ösophagus und so-
fort in den Magen geschafft werden.
2. Der Darincanul.
«) Allgemeine Beschreibung desselben.
Sowohl die absolute Länge des Intestiualschlauches, als auch
die relative Länge der einzelnen Abschnitte derselben differiren bei
den verschiedenen Larvengattungen sehr. Die absoluten Längen der
Darmschläuche vom Schi und bis zum After bei Cephalomyia-, Gastrug-,
Cephenomyia- und Hypoderma-Laryeu verhalten sich der Reihe nach
beiläufig wie 5:6:7:8, wobei die Zahlen Centimeter gelten; es
haben also die Cephal omyien den kürzesten , die Hypodermen
den längsten Intestinallract.
Der ganze Intestinaltract besteht aus folgenden 6 Abschnitten ;
a) Ösophagus, b) Vormagen, c) eigentlicher Magen (ventriculus),
d) Dünndarm, e) Dickdarm, f) Mastdarm.
a) Der Ösophagus (Fig. 54 b) ') ist ein cylindrischer
Schlauch, der den Schlundcanal mit dem Vormagen verbindet. Er ist
bei den Gastiiden am längsten, aber am dünnsten und zartesten ge-
baut, daher im Präparat zusammengefallen; bei den übrigen Larven-
gattungen ist er kürzer, dickwandiger, und in aufbewahrten Präpara-
ten walzenförmig; bei allen aber tritt er, wie wir aus dem Capitel
vom Nervensysteme wissen2), in jenes Verhältniss zumCentralnerven-
system, dass er entweder das Hauptganglion direct durchbohrt {Ce-
phenomyia umlGastrusJ, oder an der Rückenseitedesselben zwischen
den beiden supraösopiiagealen (appendiculären) Ganglien durchzieht
(Cephalomyia und Hyjioderma) .
b) Der Vormagen (Fig. 54 c) 8) ist nur bei den Gastriden
Cepheno- und Cephalomyien durch eine besondere Anschwellung
i) S. I. Theil, Fig. 3, p.
*) S. I Theil, p 419—435.
3) S. ! Theil. Fig. 3 und Fig. 10
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. 49
ausgezeichnet, und durch eine nächstfolgende Einschnürung vom
eigentlichen Chylusmagen getrennt. Bei den Hypodermen *) ist der
Vormagen äusserlich durch nichts angedeutet, trotzdem er innerlich
alle jene Eigenheiten zeigt, wie der Vormagen der übrigen Larven-
Gattungen. Das, was äusserlich die exquisite Anschwellung des Vor-
magens bedingt, ist eine Klappe (Cardialklappe), welche der Ösopha-
gus in Form einer Duplicatur mit einem T heile seiner Wandungen
bildet. Diese Klappe ist starr, bei den Hypodermen cylindrisch, beiden
übrigen ampullenförmig; der Hals der Ampulle läuft in den Ösopha-
gus fort, der ziemlich stark ausgebauchte Theil ragt frei in den Vor-
magen fast bis zur Einschnürung hinein. Die eigentliche Wand des
Vormagens liegt fast ganz an die Klappe an, ist durchgehends anders
und zarter gebaut, als die Wand des Cbylusmagens.
Bei Gastriden münden mit dem Ösophagus zugleich zwei perl-
schnur form ige, zarte, drüsige Organe in den Vormagen ein, welche
allen übrigen Larvengattungen abgehen, und in einer eigenthiimlichen,
weiter unten zu erwähnenden Weise mit dem Fettkörper in Verbin-
dung stehen.
c) Der eigentliche oder Chylusmagen hat bei den verschie-
denen Larvengattungen eine verschiedene Länge. Bei Hypodermen
ist er der längste Abschnitt des Darmcanals3); er stellt ein cylindri-
sches in viele Schlingen und Windungen gelegtes Bohr dar, welches
bei Gastriden sehr zart, dünn und durchscheinend ist, bei Hypodermen
am dickwandigsten, bei Gastrus und Cephalomyia äusserlich glatt, bei
Cephenomyia mit in Kreisen angeordneten kleinen Ausbuchtungen ver-
sehen, was dem Magen ein unebenes mit kleinen Höckerchen besetztes
Aussehen verleiht. Am vorzüglichsten sind jedoch diese Ausbuchtungen
bei den Hypodermen ausgesprochen, wo sie durch tiefe ringförmige
Einschnürungen und diese verbindende zahlreiche Längsfurchen be-
dingt werden, so dass der ganze Magen mit hohlen Wülsten besetzt
erscheint. Diese Wülste werden jedoch mit dem Dünnerwerden des
Rohres kleiner, und hören endlich ganz auf, noch bevor er in den
nächstfolgenden Abschnitt übergeht. Bei den Gastrus-, Cephenomyia-
und Cephalomyia-Lzrven ist der Chylusmagen (Fig. 54 rf, e, /') durch
eine oft nur sehr schwach angedeutete Einschnürung (e) in eine
*) S. I. Theil, Fig. 4 l.
~) S. I. Theil, Fig. 4 /, m m n.
Sitzh. d. mathem.-naturw. Cl. XLV. Bd. I. Abth.
50 Scheibe r.
obere und untere Hälfte getheilt. Diese Einschnürung ist inwendig
durch keine klappeuartige Vorrichtung ausgezeichnet, und es sind
auch beide Magenhälften im Baue nicht wesentlich von einander
unterschieden; erstere ist nur darum beinerkenswerth, weil bei
Cephenomyia-Lavyen die M a 1 p i g h i'schen Gefässe an ihr in den Magen
einmünden, während bei allen übrigen Larvengattungen diese Ein-
mündung (wie in Fig. 54) erst bei der Übergangsstelle des Magens
in den Dünndarm (Dünndarmverengerung) geschieht. Der zweite
Abschnitt des Chylusmagens geht, allmählich dünner werdend, in den
Dünndarm über. Bei den Hypodermen fehlt die eigentliche Cliylus-
magenverengerung (e). (Ich nenne sie so zum Unterschiede von der
Yormagenverengerung , welche den Chylusinagen vom Vormagen
trennt.) Die Falten und Schlingen, in die der Chylusinagen gelegt ist,
sind sehr mannigfaltig. Bei Cephalomyia- und Gastrus-Lavven findet
man bei behutsamer Untersuchung constant zwei vom Magenabschnitt
ausgehende, quergestreifte Nervenfäden, die durch den Fettkörper
ziehen, an diesen einzelneZweigchen abgebend, sich zu zweiHautmuskeln
begeben, welche auf je einer Seite der Rückenhälfte der Larven zwischen
1 — 2 Leibesringen liegen (Fig. 54 m m)1)- Auf den Magen folgt
d) der Dünndarm (Fig. 54«/, h), in dessen Anfangsstück, mit
Ausnahme der Cephenomyien, bei allen anderen Carvengattungen die
M alp ig h i'schen Gefässe münden (Fig. 54 </)2). Dieses Darmstück ist
ausser dem Mastdarm bei allen Larvengattungen der kürzeste und
engste Abschnitt des Darmcanals, ist dünnwandig, glatt und ungleich
weit. Es ist vom nächstfolgenden (Dick-) Darmstück durch eine Klappe
begrenzt (Fig. 55 c), die jedoch äusserlich nur selten scharf ange-
deutet ist. Diese Klappe it-t eine Duplicatur derinnern Häute des Dünn-
darms, und ragt in Form eines steifen, kurzen, gleichweiten, cylindri-
schen Rohres, oder eines abgestumpften Kegels in den Dickdarm hinein,
ohne besondere Leisten und Vorsprünge zu besitzen. Von den bei
allen Ostriden-Larven vorkommenden vier Mal p i ghi'scheu Gefässen
binden sich die zwei hintern Gefässe stets, die zwei vordem meist zu
einein kurzen, gemeinschaftlichen in den Darmcanal mündenden Aus-
fuhrungsgange. Bei Gastrtts-L»r\en kommen nicht nur an der Grenze
zwischen Magen und Dünndarm, sondern auch am Dickdarme Ein-
») S. 1. Theil, p. 47fr und 474.
2) S. I. Theil, Fig. 4 n, o. und Schröder van der Kolk, Tnf. IM, Fig. 1 //.
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-llarven. Jj 1
mündungen Mal pighi'seher Gcfässe vor, wie wir dies übrigens
noch weiter unten sehen werden.
e) Der Dickdarm (Fig. 54 h, i, k) *) ist ein cylindrisches
Darmstück, welches bei Cephenomyien verhältnissmässig am läng-
sten, bei Cephalomyien am kürzesten ist. Die Wand dieses Darm-
stückes ist ziemlich dick und derb, bei Hypodermen wieder am
dicksten, bei Gastriden am zartesten. Fast constant macht es gleich
beim Anfang eine Schlinge, wo dann es in eine pars ascendens,
transversa und descendens zerfällt, welcher letztere Abschnitt noch
vielfache Windungen macht, bis er in den kurzen Mastdarm über-
geht. Bei Cephalomyien wird der Dickdarm meist gegen das Mast-
darmende weiter (Fig. 54 k), und verengert sich plötzlich zum
kurzen, gleichweiten, walzenförmigen Mastdarm (Fig. 54 /)3). Bei
den übrigen Larvengattungen ist dieses Darmstück gleich weit, und
geht allmählich in den Mastdarm über. Bei den Hypodermen ist die
Wand dieses Darmstückes in unregelmässige Falten und Runzeln
gelegt; bei den übrigen Larvengattungen ist sie glatt und ungefaltet.
Der letzte und kürzeste Abschnitt des Nahrungscanais ist
Q der Mastdarm; er ist bei den Gastriden eben so weit,
zartwandig und glatt wie der Dickdarm; bei den übrigen Larven-
gattungen ist er bedeutend enger, und stellt ein kurzes, gleichweites,
cylindrisches, von dicken Wandungen gebildeles Darmstück dar 3).
Er zieht zwischen beiden Körpertracheen nach hinten, um an der
unterhalb der Stigmenplatte befindlichen AnalöfFnung nach aussen
zu münden *). Bei Gastras ist die Analöffnung an der innern zarten
Wand der untern Stigmenlippe (Fig. 36 l'). Bei allen Larven-
gattungen findet sich ein sogenanntes Rectalganglion 5) vor; ich
fand es seit der Bearbeitung des 1. Theiles dieser Abhandlung auch
bei den Gastriden. Am Analende des Rectums inseriren sich die
sogenannten levatores oder retractores ani 6).
1) I. Th., Fig. 4 op und Schröder v. d. Kolk, Taf. III, Fig. 1 i, k, l, m, ir.
2) I. Th., Fig. 13 b.
3) I. Th., Fig. 13 b.
4) I. Th., Fig. ip, u.
5) I. Th., p. 438.
6) I Th., p. 415, Fig. 13 d.
4*
52 Scheibe r.
fi) Feiner e r IJ a u des Da r m e a n a 1 s.
Die fünf Schichten, die sieh vom Ösophagus angefangen durch
den ganzen Nahrungscanal mehr minder eonstant wieder finden, sind
von aussen gezählt folgende: 1. Peritonealschichte (Membrana
serosa), 2. Muscularis, 3. Membrana proprio, , 4. Epithelschichfe
und 5. Chitinschichte (Cuticula, Intima). Die Entstehungsweise
dieser Schichten ist schon oben erörtert worden.
Da sich die Peritonealschichte und die Membrana propria
in allen Abschnitten des Darmcanals gleich verhalten, so mögen sie,
bevor wir zu den einzelnen Abschnitten desselben übergehen, hier
im Allgemeinen beschrieben werden.
Die Peritonealschichte stellt eine sehr dünne, nur im
Mastdarm der Hypodertna-, Cephenomyia- und Cephalomyia-Lnvven
sich durch ihre bedeutende Dicke auszeichnende, structurlose Binde-
gewebsmernbran mit eingestreuten, runden oder ovalen Kernen dar,
welche mit der auf sie folgenden Muscularis innig verwachsen, und
der alleinige Träger der Tracheen der Darmwand ist. Die Mem-
brana propria ist eine meist sehr dünne, zwischen Muscularis
und Zellschichte gelegene, vollkommen hyaline und structurlose
Membran, auf der die Zellen der Zellschichte aufruhen.
a) Ösophagus. Die Muscularis bildet hier eine continuir-
liche Schichte, in der die Muskelfasern in elliptischen Touren nach
verschiedenen Richtungen angeordnet sind, so dass sich dieselben
unter spitzen Winkeln kreuzen. Eine Sonderung in eine Längs- und
Querschichte der Muskelfasern ist hier noch nicht vorhanden. Die
Fasern sind so wie im ganzen Darmtract einfach quergestreift. Die
Epithelialschichte des Ösophagus liegt nach innen von der auf die
Muskelhaut folgenden Membrana propria, auf welcher polygo-
nale Felder zurückbleiben, wenn die Epithelzellen abgefallen sind.
Die Zellen selbst sind polygonale, kernhaltige, bei Gastrus-Luvven
sehr kleine, bei den übrigen grössere (0*004 Millim.) Zellen mit fein
granulirtem Inhalte (Fig. 56 a a), die zwischen sich die Membrana
propria in schmalen Linien durchscheinen lassen (b b).
Die auf die Zellschichte folgende Chi ti n membr an ist eine
sein zarte, helle, structurlose Membran, die das Lumen des Öso-
phagus unmittelbar begrenzt, und in Längsfalten gelegt ist.
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. £)3
bj Vormagen. Nur die äusseren zwei Schichten des Öso-
phagus (Peritoneal- und Muskelschichte) gehen direct in die eigent-
liche Wand des Vormagens über; die drei inneren hingegen {Mem-
brana propria, Epithel- und Chitinschichte) bilden eine weit in die
Höhle des Vormagens hineinragende Duplicatur (Magenklappe). Die
an der Klappenbildung theilnehmenden Schichten erleiden, ausser
der Membrana propria, die blos etwas dicker wird, eine wesentliche
Structur Veränderung.
Die zarte Chitinmembran des Ösophagus wird, indem sie
in die des innern Blattes der Klappe übergeht, dick, hart und mit-
unter spröde; sie wird gelblich gefärbt, und bekommt daher wieder
fast ganz die Consistenz der Schlundflügel, aus deren Verlängerung
sie hervorging. Die Form dieser Chitinröhre ist ampullenförmig,
cylindrisch oder konisch mit der Basis gegen den Ösophagus, mit
der abgehakten Spitze am freien Ende der Klappe. Die innere
Fläche der Röhre ist oft ungleichmässig mit Zacken und Buchten
versehen. Die äussere Fläche ist glatt und eben, an sie grenzt nach
aussen die Zellschichte des inneren Blattes der Klappe. Am freien
Ende der Klappe hört die Chitinschichte plötzlich auf jene feste
Consistenz zu besitzen, sie wandelt sich wieder in eine zarte,
dünne, färb- und structurlose Chitinmembran um, wie sie sich im
Ösophagus und im ferneren Tract des Darmcanals vorfindet; als
solche kehrt sie im äusseren Blatte der Klappe (als äusserste
Schichte der Klappenwand) zum Anfange des Vormagens zurück,
um daselbst entweder einstweilen zu verschwinden, oder an der
Innenfläche der Vormagenwand sieh fortzusetzen, und in die Chitin-
membran des Chylusmagens überzugehen.
Die platten, polygonalen Epithelzellen des Ösophagus
erleiden in dem inneren Blatte der Klappe die merkwürdigste Ver-
änderung. Sie werden zu sehr langen und schmalen Cylindern
(Fig. 57 a), die an ihrer Basis («') halb so schmal sind als am
freien Ende (wo sie an die Chitinröhre stossen). Am letzteren Ende
sind sie 0*01 — 0*02 Millim. breit, ihre Länge beträgt gewöhnlich
0*16 Millim. Der Kern ist scharf begrenzt, liegt in der Regel am
breiteren Ende der Zelle, ist gewöhnlich oval (0*012 — 0016 Millim.
lang, 0-008— 0-012 Millim. breit) und hat 1—2 Kernkörperchen.
Die Zellenwand ist sehr zart, hyalin, in Längsfalten gelegt, wie
zusammengefallen (ich habe sie stets nur in aufbewahrten Präparaten
54 S c h e i b e r.
untersucht), der Inhalt ist wasserklar und farblos. Die Gastrus-
Larven machen in dieser Form von Drüsenzellen eine Ausnahme,
indem sie hier sehr klein und stäbchenartig mit gelblichem , fein
granulirtem Inhalte und einem kleinen Kerne versehen sind. Diese
merkwürdige Zellschichte ist nur im innern Blatte der Klappe vor-
handen, im äusseren tritt schon überall diejenige Drüsenzellen-
schichte auf, die für die eigentliche Wand des Vormagens charak-
teristisch ist. Die Zellen dieser Schichte sind platt, gross, selten
rund, meist polyedrisch, oft sehr unregelrnässig (Fig. 58 a «),
mit gelblich gefärbtem, fein moleculärem, seltener fein körnigem
Inhalte, und einem (0-02 Millim.) grossen, runden Kerne versehen.
Diese Zellen sind bei Cephalomyia-Lür\en am grössten (bis 0-1 Millim.
im längsten Durchmesser), sonst sind sie 0-05 — 0-08 Millim. breit. Der
Kern hat ein glänzendes, rundes, central oder excentrisch gelegenes
Kernkörperchen von 0004 Millim. Grösse, sonst einen grobkörnigen
Inhalt. Diese Zellen liegen nicht gedrängt neben einander, sondern
lassen zwischen sich in Form eines Maschennetzes die Membrana
propria durchscheinen.
Die eigentliche Wand des Vormagens besteht wieder aus den
gewöhnlichen fünf Schichten. Die Peritonealschichte ist hier der
Träger einer besonders grossen Anzahl von Tracheen und Nerven,
indem die von dem Haupt- und Herzganglion kommenden Nerven
an der Wand des Vormagens in das Darmrolir treten *). Die Mus-
cularis tritt hier schon, in eine Längs- und Querfaserschichle
getrennt auf, und beide Schichten sind in Bänder getheilt; die Bänder
derQuerfaserschichte sind 0-01 — 0-03 Millim. breit und etwa 001 bis
0-04 Millim. von einander entfernt. Die der Längsfaserschichte sind
gewöhnlich breiter, dagegen auch viel weiter von einander entfernt.
Oft theilen sich die einzelnen Bündel und anastomosiren unter ein-
ander. Die Primitivfasern sind sehr zart, dünn und einfach quer-
gestreift. Die Epithelschichte besteht aus Zellen, die denen des
äusseren Blattes der Vormagenklappe gleichkommen. Von der Chitin-
1) I. Theil (Capitel: Nervensystem). Die im I. Theil, S. 448, erwähnte und in Fig\ 21
abgebildete Nervenend-Anschwellung habe ich seitdem zweimal wieder gesehen, und
zwar wieder nur bei Gastruts - Larven. Einmal am Nervenplexus des Magens, das
zweite Mal in jenem des Mastdarmes. Die Endanschwellung des letzteren Falles ist
in Fig. 59 abgebildet, wo a den Nerven, b die Anschwellung, e jenes kernartige
Gebilde andeutet, in welchen der Axenstransr d Hpii*U«»1» ;;i,„ m
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. JJJJ
schichte ist zu bemerken, d;iss ich sie hier mit Sicherheit nur bei
Cephalomyia- und Cephenomyia-Lavven nachgewiesen habe, bei
welchen Larvengattungen sie sich sofort in den Chylusmagen fort-
setzt; dagegen konnte ich sie bei Gastriden und Hypodermen weder
in der Wand des Vor- noch in der des Chylusmagens nachweisen.
c) Chylusmagen. Von der Peritoneal- und Muskelschichte,
und der Membrana propria gilt das schon beim Vormagen Gesagte;
nur ist zu bemerken, dass die Muscularis bei Cephenomyia-havven
sowohl hier als auch im Dünn- und Dickdarm eine auffallend dickere
Schichte bildet als bei den anderen Larvengattungen.
Die Zellschichte ist das eigentlich Charakteristische für den
Chylusmagen, und gerade diese Schichte ist es, welche bei den ein-
zelnen Larvengattungen sehr grosse Verschiedenheiten darbietet.
Die Zellen des Chylusmagens der Gastriden zeigen einen nur wenig
von denen des Vormagens veränderten Habitus. Sie sind nämlich auch
platte, ovale oder polygonale Zellen von der Grösse von 0*03 bis
0-05 Millim. miteinem gelb-bräunlich gefärbten, fein körnigen Inhalte,
einem 0-008 — 0*01 Millim. grossen, hellen Kerne, und einem Kern-
körperchen. Eine Chitinschichte konnte ich bei diesen Larven im
Chylusmagen nicht nachweisen. Die Chyluszellen werden gegen den
Dünndarm hin immer kleiner, bis sie in die Zellschichte dieses Darm-
abschnittes übergehen, wo sie sich nur durch ihren kleineren Durch-
messer von denen des Chylusmagens unterscheiden.
Die Chyluszellen der anderen drei Larvengattungen stellen bald
sehr lange, bald kürzere, cylindrische, keulenförmige, konische oder
ambosförmige Zellen mit einem grossen, meist stark ausgeprägten,
runden oder ovalen Kerne und einem oder mehreren Kernkörperchen
dar. Die Inhaltsmasse der Zellen ist gelblichbraun, fein granulirt,
und mit Fetttröpfchen versehen.
Bei Hyjjoderma-Lm'xen haben die Zellen (Fig. 60 d) einen
schmalen, feinstreitigen Saum (e) von der Breite von 0*002 bis
0 003 Millim. Bei manchen Species, wie bei H. Diana und der Larve
von Capra Aegagrus wiegt die Keulenform vor. Die dieser Form
angehörigen Zellen sind bei diesen zwei Larvenarten kleiner als die
der anderen Formen, und haben einen sehr langen und dünnen Stiel,
so dass sie mit ihrem grössten (Zellen-) Theil über die zwischen
sich gelegenen, anders geformten Zellen (von 004 — 0*07 Millim. Länge
und 0-016 — 0036 Millim. Breite) ganz frei hervorragen. Sie sind oft
5(3 Scheiber.
so dicht gedrängt, dass sie sich mit ihrem kolbigen Theil (über den
anderen Zellen) berühren.
Bei Cephenomyia-har\en haben die Zellen des Chylusmagens
keinen feinstreifigen Saum. Man findet hier an Querschnitten des
Chylusmagens ä — 6 Zellen, die sich durch ihre Grösse von den
übrigen /wischen ihnen gelegenen auszeichnen. Während die grös-
seren hei 0-08 Millim. lang und bis 0-06 Millim. breit sind, sind die klei-
neren nur etwa 0*016MilIim.Iang und 0"012Millim. breit. Bei Cephalo-
m^a-Larven sind die Zellen wieder mit einem feinstreifigen Saum
versehen (Fig. 61 b), mehr weniger regelmässig, cylindrisch geformt,
mit etwas angeschwollenem freien Ende, 0*05 — 0*06 Millim. lang
und 0-01— 003 Millim. breit. Der Saum ist hier 0-004— 0 006 Millim.
breit, also viel breiter wie bei Hypoderma-Lnryen. Er reicht hei
Cephalomyien oft bis über die halbe Länge der Cylinderzelle herab,
und wird nicht selten in Form einer Kappe von der Zelle losgehoben
und neben dieser liegen gefunden. Solche Zellen ermangeln dann, so
weit der Saum abgehoben ist, einer scharfen Begrenzung, die wegen
Entleerung des fein moleculären Zellinhalts verwischt erscheint.
In Bezug der Bestimmung des feinstreifigen Saumes als resor-
birenden Apparates, dürfte nach den eben geschilderten Thatsachen
dieFrageKöll iker' s *): warum derselbe bei sovielenlnsecten fehle,
um so offener stehen, als er hier innerhalb einer Insectenfamilie, von
den vier anscheinend von nicht sehr differenten Nährstoffen sich
nährenden Larvengattungen zwei (Hypoderma- und CephalomyiaJ
einen Saum besitzen, und zwei (Gastrus und Cephenomyia) nicht.
Eine fünfte oder Chitinschichte, in Form einer zarten, hyalinen
Chitinmembran, habe ich nur bei Cephenomyia- und Cephalomyia-
Larven im Chylusmagen gefunden , während sie bei Gastrus- und
Hyjjoderma-Luvyen fehlt.
Die Cylinderzellen des Chylusmagens werden gegen den Dünn-
darm immer niederer, verlieren endlich, wo sie einen Saum besitzen,
auch diesen, und gehen so allmählich in die flachen (0-006 — 0-02
Millim. grossen), meist polygonalen Zellen
d) des Dünndarmes über. Diese Zellen haben einen kleinen
runden Kern, und einen braungelben, fein moleculären Inhalt mit
J) Zur Anatomie der Insecten (Verhandlungen der physik.-medio. Gesellschaft in Würz-
burg, 18S7).
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden -Larven. 57
wenigen Fetttröpfchen untermischt. Von der Muskelschichte ist zu
bemerken, dass die Kreisfasern hier schon überall eine contirmirliche
Schichte bilden. Die Chitinmembran ist hier schon hei allen Larven-
gattungen deutlich nachzuweisen. Vron der Peritonealsehichte, der
Membrana proprio, und der zwischen Chylusmagen und Dünndarm
vorhandenen Einmündungsstelle der Malpighi'schen Gefässe ist
nichts Besonderes zu erwähnen.
ej Im Dickdarm wiederholen sich die fünf Schichten in be-
kannter Weise. Die Muskelschichte verhält sich ganz so, wie im
Dünndarm, nur dass sie dicker ist; die Zellschichte besteht aus
länglichen, ovalen oder polygonalen Zellen von 0-03 — 0-04 Millim.
Grösse, mit gelbbraunem, fein granulärem Inhalte und einem run-
den 001 grossen Kerne. Die Chitinmembran ist zart, dünn, farblos,
in Längsfalten gelegt. An die Bildung der Dünndarmklappe (zwischen
Dünn- und Dickdarm), die bei Hypoderma-Lav\en etwa die Länge
von 3/4 — 1, bei Cephalomyien nur etwa 0*16 — 02 Millim. hat, neh-
men wieder nur die drei innersten Schichten, nämlich die Membrana
proprio, Zellschichte und Chitinmembran Antheil, indem diese ein-
fach eine Duplicatur bilden, ohne dass irgend eine theilnehmende
Schichte eine besondere Veränderung erleiden möchte.
f) Der Mastdarm ist hei Gastrus- Larven genau so gebaut, wie
der Dickdarm. Bei den übrigen folgendermassen: die Peritoneal-
sehichte ist 0-004 — 0006 Millim. dick, mit grossen, gegen die Muscu-
laris vorspringenden Kernen besetzt. Die Muscularis erreicht hier
eine Dicke von 0-07 — 0-11 Millim., ihre Fasern sind doppelt quer-
gestreift, so wie die Hautmuskeln. Die Membrana, proprio ist hier
auch etwas dicker, als im Dickdarm. Die Zellschichte ist durch
kleine, cylindrische oder konische(001 — 0-016 Millim. grosse) Zellen
ausgezeichnet, die stellenweise durch längere (0-04 — 0-06 Millim.
grosse) Zellen unterbrochen werden (Fig. 62 d). Sie haben einen
braunen, fein granulirten Inhalt und einen kleinen runden Kern. Die
Chitinmembran ist überall vorhanden.
In der Inhaltsmasse des Darmcanals wurden oft sehr viele
Trippelphosphate in den verschiedensten Formen, dann kleine, brief-
couvert-ähnliche Krystalle von oxalsaurem Kalke gefunden. Bei einer
Larve von Hypoderma Diana, und der unter der Haut von Copra
Aegagrus war der Magen voll mit kleinen, den Eiter- oder Schleiin-
körperchen ähnlichen zelligen Gebilden.
ö8 Scheiber.
3. Speicheldrüsen.
Sie sind je nach den Stellen des Darmcanals, an denen sie ein-
münden , in Schlund- und Ma gen spei cheldrü sen zu unter-
scheiden. Die in den Schlund einmündenden sind bei allen vier
Larvengattungen vorhanden, während die in den Magen einmünden-
den blos bei Gastrus- und Cephe7iomyia-Laryen vertreten sind.
Die Schlundspeicheldrüsen sind paarig, auf jeder Seite eine;
sie haben einen Ausführungsgang, der sich mit dem der anderen
Seite zu einem gemeinschaftlichen, in den Schlund mündenden
dickeren Gange verbindet. Sie liegen an der Bauchseite des Thieres
zu beiden Seiten des Magens, und sind von Fettkörper -Lagen ein-
gehüllt. Sie bilden bei Hypoderm a-Lmyen mehr weniger halbmond-
förmig gekrümmte Hohlsäcke (I. Theil, Fig. 4 gg, Fig. 5 ii) mit
gefalteter und runzeliger Oberfläche; ihr vorderes Ende geht in
den Ausführungsgang über, ihr hinteres Ende nimmt einen quer-
gestreiften Nervenfaden auf (I. Theil, Fig. 5 kW), mittelst dessen es
mit dem Rückengefässe in Verbindung steht.
Bei den übrigen Larvengattungen bilden die Schlundspeichel-
drüsen zart- und glattwandige, cylindrische Hohlsäcke, deren vorderes
Ende in den Ausführungsgang übergeht, deren hinteres abgerundet
ist und blind endigt (Fig. 54 r r). Die Cephenomyia-hwyex\, deren
Speicheldrüsen überhaupt von allen die Längsten sind, machen in so
ferne eine Ausnahme, als dieselben an ihren hinteren Enden commu-
niciren, und die Speicheldrüse der einen Seite in die der andern Seite
unter einem hinter dem Darmconvolut gelegenen Bogen übergeht ').
Die Structur der Schlundspeicheldrüsen ist gleich denen der
Insecten überhaupt sehr einfach; äusserlich ist eine structurlose
Bindegewebsmembran, die mit Kernen besetzt und von einer grossen
Menge feiner Tracheenramificationen durchzogen ist; sie hat an ihrer
inneren Oberfläche eine durch feine Linien unterbrochene Lage von
platten Drüsenzellen aufsitzen, die bei Ilypoderma-Liwyen 0-08 bis
0-16 Millim. lang, 0-04 — 0-06 Millim. breit, polygonal, mit einem fein-
granulären Inhalte, und einem scharf markirten, helleren 003 Millim.
grossen, kreisrunden, mehrere Kernkörperchen und einen grob-
1 ) Die Schlundspeicheldrüsen von Gastrus cqui s. Seh rüder v. d. Kolk I. c. Taf. II,
Fig. 1 P, q q, r r.
Vergleichende Anatomie and Physiologie der Östrlden-Larven. J)0
körnigen Inhalt zeigenden Kerne versehen sind. Bei den übrigen
Larvengattungen sind die Zellen stark in die Länge gezogen, 0-08 bis
0-1 Millim. lang und 0-02 — 0*03 Millim. breit, polygonal, oval, mit-
unter fast spindelförmig, mit gelblichem feinkörnigen Inhalte, und
einem weniger scharf hervorstechenden Kerne versehen. Nach innen
von der Epithellage folgt eine zarte Cuticula.
Die Ausführungsgänge dieser Drüsen bestehen aus einer äus-
seren hyalinen Membran, einer inneren zarten, in Längsfalten gele-
genen Chitinmembran, und zwischen beiden eine Epithelialschichte,
deren polygonale Zellen bei Gastrus equi 0-002, bei Hypodermaeen
0-008 Millim. gross sind.
Die Magenspeicheldrüsen der Gastriden bestehen, wie wir
schon oben erwähnten (Schröder v. d. Kolk, Taf. III, Fig. i ss,
Taf. IV d d), aus zwei eigenthümlichen , dünnen, rosenkranzähn-
lichen Schnüren, die mit dem Ösophagus in den Vormagen ein-
münden; je einer Anschwellung entspricht eine grosse, längsovale
Drüsenzelle mit graulichgelblichem, fein granulären Inhalte, und
einem kleinen runden Kerne; gegen die Peripherie theilen sich diese
Schnüre zweimal dichotomisch, und stehen mittelst ihrer (8) Endäste
mit (eben so vielen multipolaren) Zellen des Fettkörpers in Ver-
bindung. Dieses Verhältniss spricht klar dafür, dass diese Drüsen-
Schläuche ursprünglich aus Fettkörperzellen hervorgegangen sind.
Nebst diesen zwei Schnüren findet man noch mehrere (3 — 6) ein-
zellige Drüsen von der Grösse von 0-04—0-08 Millim. in den Vor-
magen einmünden. Diese Zellen sind rund oder oval, haben einen
dunkelbraunen fein granulären Inhalt und einen runden Kern.
Die Magenspeicheldrüsen von Cephenomyia -Larven, bestehen
ebenfalls aus einzelligen, 004 — 0-08 Millim. grossen Drüsen, die der
äusseren Fläche des Vormagens in Form kleiner Schüppchen an-
hängen. Der freie (zellige) Theil ist rund, mit fein granulärem
Inhalte und einem grossen Kerne. Der Ausführungsgang ist breit
und sehr kurz, und steht mit der Vormagenwand in Verbindung.
4. Ilalpighrsche Gefässe.
Die Malpighfschen Gefässe sind bei den verschiedenen Lar-
vengattungen verschieden gestaltet. Am einfachsten sind sie bei
Ilypoderma-Lürven , wo sie vier lange, dünne, gleichweite, 02 bis
60 S c h e i b e r.
022 Millim. breite, zart- wellig gekreiselte, gelblich gefärbte
Schläuche (I. Theil , Fig. 4 i i', h h') darstellen, die knäuelförmig
zusammengerollt im Körper so vertheilt sind, dass zwei rechts und
zwei links vom Darmcanale liegen; von je zwei der einen Seite liegt
wieder eines nach vorne und eines nach hinten. Je zwei derselben
Seite verbinden sich zu einem gemeinschaftlichen, kurzen, aber
etwas breiteren Schlauche, der an der Grenze zwischen Chylus-
magen und Dünndarm in den Darmcanal einmündet.
Das freie Ende jedes der vier Gefässe ist blind, und mit dem-
selben verbindet sich je ein von den Rückengefässsträngen kom-
mender quergestreifter Nervenfaden, der in der Wandung des
Gefässes spurlos verschwindet.
Complicirter ist der Bau und Verlauf der Malpighi'schen
Canäle bei Gastrus-LnvYeu *)• Es treten hier der äusseren Farbe
und dem Inhalte nach (scheinbar) zwei verschiedene Arten von Ge-
fässen auf, von denen die einen (im frischen Zustande) bei auffallen-
dem Lichte constant milchweiss, bei durchfallendem Lichte dunkel-
gefärbt, die anderen stets gelb erscheinen. Im Grunde genommen
sind auch hier blos vier Malpighi'sche Gefässe, von denen sich,
wie bei den Hypodermen, je zwei auf jeder Seite (ein vorderes und
ein hinteres) zu einem kurzen gemeinschaftlichen, in das Anfangs-
stück des Dünndarmes einmündenden Ausführungsgang verbinden.
Aber die anderen Enden der vier Gefässe sind nicht blind, wie bei
den Hypoderma -Larven, sondern münden alle gesondert in den
Dickdarm ein, und zwar folgendermassen: Die hinteren zwei durch-
aus gelb gefärbten Malpighi'schen Gefässe münden direct in den
untersten Abschnitt des Dickdarmes ein, ohne in %rem Verlaufe
irgend eine anderweitige Veränderung zu erleiden. Nahe zur Dick-
darm-Einmündung verjüngen sich diese Gefässe sehr rasch zu äus-
serst feinen, kurzen Canälchen, die die Wand des Dickdarms schief
perforiren.
Die zwei vorderen Gefässe ziehen nach vorne, verlieren sich
dann zwischen die Zellen des Fettkörpers eine Strecke weit, kom-
men aber bald wieder frei zu Tage, um nach hinten zu ziehen und
mit ebenfalls plötzlich stark verjüngten Enden gesondert in den mitt-
leren Abschnitt des Dickdarms einzumünden. Diese Malpighi'schen
») Schröder v. d. Kolk, I. c. 'Inf. III, Fig. I.
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven. () |
Gefässe sind bis dorthin, wo sie sich in den Fettkörper verlieren,
gleichmässig gelb gefärbt, während sie nach dem Hervortreten aus
demselben constant, bei auffallendem Lichte milchweiss, bei durch-
fallendem Lichte dunkel gefärbt sind. Der durch den Fettkörper
ziehende kleine Theilder vorderen M alpigh i'schen Gefässe steht mit
den Ausläufern der sie zunächst umgebenden Fettkörperzellen in Ver-
bindung; ob aber, wie Schröder v. d. Kolk l) meint, diese Zellen
mittelst ihrer Ausläufer in offener Communication stehen mit dem Lumen
der Mal pigh i'schen Gefässe, habeich mich nicht überzeugen können,
und möchte es überhaupt bezweifeln. Ich glaube dieser Verbindung
keine andere Bedeutung, als diejenige beimessen zu müssen, die ich
schon oben bei den Magenspeicheldrüsen der in Rede stellenden
Larvengattung bemerkte. Eine analoge Bedeutung haben wohl auch
die von Leydig3) beschriebene Verbindung der Fettkörperzellen
mit der äusseren Schichte der Tracheenwaud.
Schröder v. d. Kolk hat jener vermeintlich directen Communi-
cation der vorderen Malpighi'schen Gefässe mitden Fettkörperzellen
ein grosses Gewicht beigelegt, in wie ferne er den gelben Theil dieser
Gefässe als absorbirendes Gefäss (vaisseaiuv «bsorbantsj auffasste,
dessen Bestimmung, die absorbirten Säfte aus dem Darm in den Fett-
körper zu führen, sein sollte. Er hat ferner den weissen Theil dieser
Gefässe als harnabsondernde Organe (Nieren) und die hinteren
M a 1 p i g h i'schen Gefässe als gallen bereitende Organe (tubes biliaires)
gedeutet.
Obwohl nicht gezweifelt werden kann, dass auch die Insecten
einen dem Chylus- (und Lymph-) Gefässsysteme analogen Gefäss-
apparat besitzen, so ist dies doch nach dem heutigen Standpunkte
der Wissenschaft noch immer ein Gegenstand des tiefsten Dunkels.
Die verschiedene Färbung dieser zwei Arten M a lpighischer
Gefässe springt nur im frischen Zustande in die Augen, wodann auch
der Inhalt ein verschiedener ist. In den gelben sieht man nämlich
eine klare, intensiv gelb gefärbte Flüssigkeit, in der ungemein kleine
gelbe Körnchen, die am zahlreichsten an den Ausmündungsstellen
gesehen werden, suspendirt sind. In den weissen sieht man eine
farblose Flüssigkeit in der den Milchkügelchen ähnliche, kleine,
stark lichtbrechende Körperchen suspendirt sind. Im aufbewahrten
*) L. c. \>. 39, Taf. VI, Fig. 1.
2) Vergleichende Histologie, 1857, p. 387.
(J2 s c h e i h e r.
Zustande sind beide Arten von Malp ig hi 'sehen Gefässen dunkelbraun
gefärbt, und ihr Inhalt ist scheinbar derselbe, mau sieht nichts, als
jene kleinen, stark lichtbrechenden, blassen, hellen Kügelchen,die im
frischen Zustande blos in den weissen Malpighi'schen Gefässen zu
sehen sind.
BeiCephenomyien und Cephalomyien ist der Bau der Malpighi-
schenGefässe gleich; zwei hintere und zwei vordere Malpighi'sche
Gefässe(Fig. 54 pp und od) treten zu einem gemeinschaftlichen Aus-
führungsgang zusammen, der beiderseits zwischen Chylusmagen und
Dünndarm (bei g) in den Darmcanal mündet. Die zwei hinteren sind
durchaus gelb gefärbt und endigen am freien Ende, welches einen
von den Rückengefässsträngen kommenden quergestreiften Nerven-
faden aufnimmt, blind (p' p'). Ihre Wand ist mit dicht aneinander-
liegenden Ausbuchtungen versehen. Die zwei vorderen Malpighi-
schen Gefässe sind eine Strecke weit genau so gebaut, wie die hin-
tern, gehen aber plötzlich in kurze, weite, glattwandige und blind-
endigende Canäle über, die stets strotzend mit einem bei auffallendem
Lichte gelbbraun, bei durchfallendem Lichte dunkelbraun gefärbten
Inhalte gefüllt sind, und mit dem gelbgefärbten Abschnitte in
unmittelbarer Communication stehen (Fig. 54 n 11). Der Inhalt
der braunen Malpighi 'sehen Gefässe, der sich auch in den
gelben Theil noch fortsetzt , besteht zum grössten Theile aus
einem Aggregat von stark lichtbrechenden blass gelblichen Kügel-
chen von der Grösse von 0001 — 0-006 Millim.; zwischen den-
selben findet man hie und da Büscheln kleiner zugespitzter Säul-
chen, deren chemische Beschaffenheit jedoch ebenso wenig, als die
der Kügelchen eruirt werden konnte. Diese Malpighi'schen Gefässe
haben stellenweise knotige Anschwellungen und erhalten von den
Rückengefässsträngen vier quergestreifte Nervenl'äden (I. Theil,
Fig. 23 d d d d), die an ihrer Wand spurlos verschwinden.
Den feinern Bau anlangend, bestehen die Malpighi'schen
Gefässe bei Hypoderma-Larven aus einer äusseren, structurlosen
Bindegewebsmembran, einer mittleren Zellschichte und einer innern
feinstreifigen, ziemlich breiten Cuticularschichte. Die Zellen der
mittleren Schichten sind zu beiden Seiten des Gefässes alternirend
angereiht, und so gross (breit), dass sie stark gegen das Lumen des
Canales vorspringen, und einen schlängeligen Verlauf seiner Lichtung
verursachen.
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Üstriden-Larven. (>3
Sie sind ofl fast halb so breit, als der Canal selbst, haben
einen dunkelbraunen, feinkörnigen Inhalt, und einen guossen, scharf
hervorspringenden Kern, mit grobkörnigem Inhalte. Im gemeinschaft-
lichen Ausführungsgange finden sich kleine glatte Zellen, von der
Grösse von 0-005— 0-01 Millim.
Bei Cephalomyia- und Cephenomyia-Lav\en konnte ich keine
Cuticular schichte mit Sicherheit erkennen. Die gelben M a 1 p i g h i'schen
Gefässe, die beiCephenomyien stärkere Ausbuchtungen haben, als bei
Cephalomyien, bestehen aus einer äussern structurlosen Bindegewebs-
membran, und aus in den Ausbuchtungen liegenden Zellen. Einer jeden
Ausbuchtung entspricht der Sitz einer 0-04 — 0-06 Millim. grossen
Drüsenzelle, die entweder rund, oval oder (2 — 3)-lappig ist, einen
feinkörnigen, gelbbraun gefärbten Inhalt, und einen 0-01 — 0*02
Millim. grossen, runden oder mehrlappigen Kern mit Kernkör-
perchen besitzt.
Die glatten und breiten Malpighi'schen Gefässe (mit dunkel-
braunem Inhalte) bestehen aus einer structurlosen Bindegewebs-
membraiijinderO'OI — 0*015 Millim. grosse, runde, scharf begrenzte,
mit einem grossen Kernkörperehen und grobkörnigen Inhalt ver-
sehenen Kerne eingelagert sind. Die Epithelschichte besteht hier aus
0 004 — 0005 Millim. grossen, polygonalen Zellen mit einem gelb-
braunen, feinkörnigen Inhalte und einem lichten, glänzenden runden
Kern.
5. Fettkörper.
Der Fettkörper ist am stärksten bei Hypodermen, weniger bei
Gastriden, noch weniger bei Cephalomyien und am allerwenigsten
bei Cephenomyien vertreten. Er besteht überall aus mit grossen Fett-
tropfen erfüllten, und mehrere (3 — 6) Fortsätze treibenden, grossen
Zellen, die mit ihren Fortsätzen in gegenseitiger Verbindung stehen
und im Innern einen 0-01 — 0-015 Millim. grossen mit 1 — 2 Kern-
körperchen und grubkörnigem Inhalte versehenen Kern besitzen. Diese
Zellen sind in dichter Aneinauderlagerung bei Hypodermen in Form
schmaler Bänder an einander gereiht, so dass der ganze Fettkörper aus
einem Convolut von in Falten gelegten Bändern besteht.
Bei Gastrus- und Cephenomyia-hixvyeu. sind die Zellen in Form
einer gefalteten, und zwischen den Organen eingeschobenen Fascia,
bei Cephalomyien endlich in Form eines grobmaschigen Netzwerkes
(J4 Sc heil) er. Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven.
angeordnet. Die Zellenkerne sind bei Gastrus- und Cephenomyia-
Larven kreisrund, bei Hypoderma- und Cephalomyia-hwvew eckig,
und aus jeder Ecke gebt ein Fortsatz ab, der sieb gegen den
entsprechenden Zellenfortsatz verliert. Der Fettkörper ist im Allge-
meinen farblos und durchscheinend; bei Hypoderma-Lürven kamen
jedoch oft Stellen im Fettkörper vor, die im auffallenden Lichte
milchweiss, im durchfallenden Lichte dunkel erscheinen. Solche
Zellen klärten sich auf Zugabe von Kalilauge, die Fetttropfen und der
Zellkern traten wieder rein hervor.
Die Tracheen sieht man manchmal in's Innere der Fettkörper-
zellen treten, woselbst sie sich verlieren. Der Fettkörper erhält viele
quergestreifte Nervenfasern, und zwar entweder unmittelbar von den
Riickengefässsträngen, oder von deren Nebenästen *). Nicht selten
siebt man feine, quergestreifte Primitiv-Nervenfäden in der Wand
einer Fetlkörperzelle spurlos verschwinden.
V I. Thl. p. 409—471 und 473.
Anmerkung. Die in Hör Einleitungdes I. Theiles dieser Abhandlung erwähnte
Aufbewahrungsmethode von Insecten in Weingeist und Glycerin ist dahin
zu modificiren, dass eine Mischung einer Lösung von dopnelt-chromsaurein
Kali dasselbe leistet, ja die Eingeweide innerhalb eines Jahres noch
besser erhält, wie die ersterwähnte Mischung.
Vergleichende Anatomie lind Physiologie der Östriden-Larven. ßj)
Erklärung der Abbildungen.
Fig. 34. Ansicht der äusseren Flache der Stigmenplatte von Gastrus equi F.;
aa die zwei Kiemenplatten; b b die Stigmenlamelle, durch welche die
Zapfen des Ringes durchscheinen; c Stigmenloch; dd und ee die
Kiemencanäle. (80fache Vergrösserung.)
„ 33. Innere Fläche der Stigmcnplatte von Gastrus equi F.; a a der äus-
sere, d a! der innere Rand des Ringes; b b die Zapfen desselben;
c c' c c' die innere Stigmenmembran; d d poröses Gewebe, auf
welchem der Ring liegt.
„ 36. Scheniatischer Durchschnitt der Stigmenlamelle (in der senkrechten
Richtung von b b in Fig. 34 gedacht); a obere, a' untere Stigmen-
lippe; b b letzter Leibesring; c c' durchschnittene Stigmenlamelle ;
d äussere, /"mittlere und g innerste Schichte derselben; d und f
bilden zusammen die äussere und g die innere Stigmenmembran; zwi-
schen beiden liegt der Stigmenraum ; e Stigmenröhre, deren äusseres
Ende die äussere, deren inneres Ende die innere Stigmenöffnung dar-
stellt; hh die beiden Zapfen des Ringes (b b in Fig. 35); i gewölbte
Platte, welche die Luftkammer k nach innen begrenzt, und an welcher
alle Tracheenstämme des Körpers in die Luftkammer münden; / Mast-
darm ; V Anus.
„ 37. Die die Luftkammer nach innen begrenzende Chitinplatte a, b, a, b;
derschematischeQuerschnittvonFig.36 hat diese Plattein derRichtung
b b getroffen; c c c c und d d d d Ausmündungslöcher der acht
Lungentracheenstämme; ee die der Darm- und ff der Körper-
tracheenstämme.
„ 38. Ein Stück eines Kiemencanales (d d und e e Fig. 34) bei starker
Vergrösserung von der (äusseren) Fläche gesehen; a a und b b Fen-
ster zwischen den Querleisten gg g g; c, d die mittlere Schichte
der Kiemenplatte; e e, ff Grenze, wo sich diese in zwei Blätter theilt,
zugleich die Bögen, welche die Fenster des äusseren Blattes nach aussen
begrenzen; h Längsstäbchen, welche die Querleisten in der Median-
linie des Kiemencanales mit einander verbinden; h, g, f, e bilden dem-
nach das äussere, i i das innere Blatt der mittlereu Schichte, welches
in Form zweier, längs eines ganzen Kiemencanales ununterbrochen fort-
laufender (Längs-) Leisten erseheint, die in der Medianlinie zwischen
sich den Spalt l lassen; k feingezähnter Rand der Längsleisten;
m m Linien, von wo an die Längsleisten dick und hart werden, und
sich von den Querleisten entfernen.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLV. Bd. [. Abth. 5
66 S v h e i I) e r.
Fig. 39. Schematischer Querschnitt eines Kiemencanales, um das Innere des-
selben zu sehen, a äusserste Schichte der Kiemenplatte; e e' , f f
mittlere; b, c, d, g tiefliegende Schichte derselben, e' ist die mittlere
Chilinschicht im Ganzen; e das oberflächliche Blatt (Querleisten),
f f das tiefe Blatt (Längsleisten) derselben (der Querschnitt hat
nämlich den Kiemencanal in der Bichtung [Fig. 38 e, f] gerade dort
getroffen, wo kein Fenster sondern eine Querleiste liegt), d, c, d
schwammiges Gewebe der 3. Schichte der Kiemenplatte; b b Balken,
die von der mittleren Schichte (zwischen den Kiemencanälen) aus-
gehen, und aus denen das poröse Gewebe hervorgeht; g g der Steg
(eine hufeisenförmige Platte), welcher sich aus dem mittleren Theile
des Balkengewebes (o) erhebt, und auf welchem die Längsleisten
ruhen; // oberer (äusserer), i unterer (innerer) Bauin des Kiemen-
canales; beide eommuniciren durch den Spalt zwischen beiden Längs-
leisten l.
„ 40. Vordere Endigung der Körpertracheen bei Gastrus-Lnrven; «der Stiel;
b der Knopf des braunen Körpers ; c vorderes Stigmenloch (zwischen
1. und 2. Bing); d harte Chitinröhre, zu welcher sich das äussere Inte-
gument nach innen verlängert, und in welcher der braune Körper steckt;
e Ende des Haupttracheenstammes. (80fache Vergrösserung.)
„ 41. Lungenbläschen von Gaslrus equiF.; a Tracheenstamm ; bb von die-
sem abtretende Zweige, an deren Ästchen die Lungenbläschen c c
hängen; d d Fortsätze der Lungenbläschen-Zellen, mittelst denen
diese unter einander eommuniciren.
„ 42. Ein Segment der hinteren Stigmenplatte von Cephalomyia ovis L. bei
mittlerer Vergrösserung; a centrale, lichte, von einem Bing umgebene
Lamelle; b b feine Löchelehen des porösen, dunklen Theiles der
Stigmenplatte; c c die von der Centrallamelle in den dunklen Theil
ausstrahlenden, compacten, helleren Chitinstreifen (Badien), die sich
noch über den wulstigen äusseren Band der Stigmenplatte d hinaus
erstrecken (jedoch in der Zeichnung nicht ausgeführt).
,, 43. Eine hintere Stigmenplatte von Hypoderma bovis bei lOOfacher Ver-
grösserung; a , b und d, wie in der vorigen Fig. c der innere Band der
einen, e' der der anderen in der Fig. nicht ausgeführten Stigmenplatte;
e der beide Stigmenplatten von einander trennende Theil des äusseren
Integumentes.
„ 44. Ein Stück von b in Fig. 43 bei starker Vergrösserung; a harte und
dunkle Chitinplatte; b Löcher in derselben, an deren Grunde die an
der inneren Fläche der Platte gelegene, fein schwammige Substanz
durchscheint; c zugeschärfter Band des Loches.
„ 45. Vordere Endigung eines Haupttracheenstammes bei Hypoderma Actaeon
Br. ; a Centralstrang; b äussere bindegewebige Umhüllung des End-
.slranges, in welchen das vordere Ende des Haupttracheenstam-
mes r übergeht; d Stelle, wo sich der Strang in die Tiefe des
äusseren Integumentes c verliert. Letzteres ist mit seiner inneren
Fläche dem Leser zugekehrt, an welcher die an der äusseren Fläch«
Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östiiden-Larven. 67
desselben befindlichen Felder (s. Fig. 1) durchscheinen. (Mittlere
Vergrösserung.)
Fig. 46. Eine Tracheenblase von //y/?0<feraavlctoeottBr.(3OfacheVergrösserung.)
„ 47. Tracheenkörper von Hypoderma Tarandi L.; a Tracheenast; bb
Tracheenzweige; ccc die sogenannten Tracheenkörperchen. (30fache
Vergrösserung.)
„ 48. Inhalt eines derartigen Körperchens; a a feine Tracheenzweigchen;
b b an diesen anhängende kernige Gebilde; b' b' solche mit kleinen
Stielchen versehen. (Starke Vergrösserung.)
„ 49. Trachee von Gastrus eqiiiF. (starke Vergrösserung) ; aa äusserste
Schichte der Tracheenwand; a' Kerne derselben; b die mittlere,
c innerste Schichte; d Zwischenraum, der oft zwischen äusserer und
mittlerer Schichte bemerkt wird; e Spiralfäden der innersten Schichte,
die nach aussen vorspringen.
„ SO. Äussere und mittlere Schichte der Tracheenwand von der Wurzel eines
Haupttracheenstammes einer Larve von Cephenomyia picta Mg., von der
Chitinschicht in einem Stücke abgezogen; a a äussere (Bindegewebs-)
Membran; b b mittlere (chitinogene) Membran; c Kerne in ersterer.
d die grossen Zellen in der letzteren; d' ausgefallene Zellen; e e
Faltenbildungen beider Membrane. (Starke Vergrösserung.)
„ 51. Schnittfläche der Tracheenwand von Cephenomyia picta Mg. bei einer
der Längsaxe des Tracheenrohres parallelen Schnittführung; a,b,c
wie in Fig. 49; d wie in Fig. 50: e einem Spiralfaden entsprechende
Hervorragung nach innen; f innerste Begrenzungslinie der Chitin-
schichte. (Starke Vergrösserung.)
„ 51 a. Ein Stück der Tracheenblase (Fig. 46) bei starker Vergrösserung.
„ 52 A. Schlundgerüste sammt Mundhaken von Cephalomyia maeulata W d.
in eine Fläche ausgebreitet (30fach vergrössert); a, d, a oshyoideum;
bb'b Mundhaken; cc Seitentheile, c' und c" e" mittlerer U-förmig
gebogener Theil der Schlundflügel; e e innere gerade, f halbkreis-
förmige und g g innere quere Schlundmuskeln; h Fortsetzung der
Schlundflügel in den Ösophagus.
„ 52 B. Schematischer Querschnitt durch das os hyoideum; a os hyoideum;
b eingestülpte Hautpartie; cc durchschnittene innere gerade Schlund-
muskeln; d der in das Bereich des os hyoideum fallende Theil des
Schlundcanales.
„ 53. Schematischer Querschnitt der Schlundflügel; c c c', f und g g
wie in Fig. 52 A; d Bückenkante der Schlundflügel, wo die 2 Seiten-
theile derselben, und die entsprechenden Enden der inneren queren
Schlundinuskeln unter einander verwachsen sind; e Baum im Inneren
der Schlundflügel, zwischen den beiderseitigen inneren queren Schlund-
muskeln (oberhalb der halbkreisförmigen Schlundmuskeln); h Baum
unterhalb der halbkreisförmigen Schlundnmskeln (der in das Bereich
der Schlundflügel fallende Theil des Schlundcanales).
„ 54. Digestionsapparat der Larve von Cephalomyia maeulata Wd.; a innere
musculäre Theile des Schlundes im Zusammenhange aller inneren
ß$ Scheiber. Vergleichende Anatomie und Physiologie der Östriden-Larven.
Schlundmuskeln; b Ösophagus; c Vormagen; d, e, f Chylusmagen;
g Grenze zwischen Chylusmagen und Dünndarm (Einmündungsstelle
der Mal pighi'schen Gefässe in den Darmcanal); h Grenze zwischen
Dünn- und Dickdarm; i Dickdarm; k Ende desselben; /Mastdarm;
m m von der Wand desChylusmagens ausgehende quergestreifte Fäden;
n n dunkler Theil; oo heller Theil der vorderen Malpigh i 'sehen
Gefässe; pp hintere Malpighi'sche Gefässe; p'p' dem blinden Ende
der hinteren, qq dem vorderen, q'q' dem hinteren (blinden) Ende des
dunklen Theiles der vorderen Mal pighi'schen Gefässe anhängende
quergestreifte Nervenfäden; r r Speicheldrüsen; s deren gemein-
schaftlicher Ausführungsgang.
Fig. öS. Die Dünndarmklappe von Hypoderma Diana Br. bei 20facher Ver-
größerung; «Dünndarm; b Dickdarm; c Klappe.
„ 56. Epithelschicht des Ösophagus einer Larve von Hypoderma bovis F.;
a a Epithelzellen; b b die zwischen ihnen durchscheinende Mem-
brana proprio. (Starke Vergrrösserung.)
„ 57. Lange Cylinderzellen aus der Vormagenklappe von Cephalomyia macul.
Wd.; a Cylinderzelle; a' an die Membrana proprio stossendes Ende
derselben; b Zellenkern. (Mittlere Vergrösserung.)
., 58. Zellen aus der Wand des Vormagens derselben Larve; a a Zellen;
/; Zellenkern; c zwischen den Zellen durchscheinende Membrana
proprio.
„ 59. Endanschwellung eines Nervenzweiges aus dem Mastdarmplexus von
Gastrus equi F.; a Nerv; b Endanschwellung desselben; c scharf
begrenzte, fein granuläre Masse, in welchen der Axenstrang d übergeht.
„ 60. Querschnitt der Wand des Chylusmagens von Hypoderma Actaeon Br. ;
a Peritonealschicht; b Muskularis; c Membrana proprio; d Chylus-
zellen; e feinstreifiger Saum derselben.
„ 61. Eine Cylinderzelle aus dem Chylusmagen von Cephalomyia maculata
Wd.; a Zelle; b feinstreifiger Saum, von der Zelle abgehoben;
c Zellenkern.
„ 62. Querschnitt der Wand des Mastdarmes von Hypoderma bovis F.; a dicke
Peritonealschichte; a' Kern derselben; b sehr breite Muskelschicht
(Kreisfasern); b' durchschnittene Längsfasern; c Membrana proprio ;
d Zellschichte; e Cutieula (zarte Chitinmembran). — (Fig. 58, 59,
60, 61 und 62 stark vergrössert.)
Scheiber. Vergleichende Anatomie und Physiologie der Oestriden Larven.
d fy.J*
Gea y.Di C Heitamram. Alts d k k Hof.u Staatsdiu.ckerei
.SitÄiino'sb.d.k.AkaA.d.W. matli.natunv. Cl.XLV. Bd.T.Abth. 1862.
Scheiber Vergleichende Anatomie und Physiologie der Oestriden Larven.
Taf.IL.
FigAZ.
\ ) \
I »
«?•«■
%. ■?/
/>>/. W.
^1
Gew. DT C .Heitamajui .
Ais i. ^kUof.u. Staats drucIceTei.
SiHungsb.d.k.Akaa .d.W. mall., matunr. C1XLY. Bi-LÄbÄ. L86S
Scheiber. Vergleichende Anatomie und Physiologie der Ocstriden Larven
Taf.III.
Fig. 58.
Fig. ■>/
hfl . Sf a .
Aus d.]c k.Hof.u.. St&atsdiicckeiei
Sitaun£so (l.k .Akak d.W. matli. naturw Cl.XLV. Bd Alnli 1862.
69
II. SITZUNG VOM 9. JÄNNER 1862.
Herr Hofrath W. Haidinger übersendet eine Mittheilung,
betitelt: „Das Meteoreisen von Cranbourne im k. k. Hof-Mineralien-
Cabinete, ein Gescbenk von dem königlich grossbritannischen Gou-
verneur von Victoria in Australien, Sir Henry ßarkly".
Herr Prof. Dr. Fr. Unger überreicht die Fortsetzung seiner Ab-
handlung: „Botanische Streifzüge auf dem Gebiete der Culturge-
schichte. V. Inhalt eines alten ägyptischen Ziegels an organischen
Körpern".
Herr Dr. Fr. Rolle, Custos-Adjunct am k. k. Hof-Mineralien-
Cabinete, legt eine Abhandlung vor: „Über eine neue Cephalopoden-
Gattung Cyclidia aus den Tertiärschichten von Siebenbürgen".
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Akademie, Königl. Preuss., zu Berlin, Monatsbericht. Novem-
ber 1861. Berlin, 1861; 8°-
— Königl. Bayer., zu München, Abhandlungen der mathem.-phy-
sikal. Classe. IX. Band. I. Abtheilung. München, 1861; 4°- —
Harless Emil, Massbestimmung der Polarisation durch das phy-
siologische Rheoskop. — Idem. Moleculäre Vorgänge in der
Nervensubstanz. IV. Abhandlung. Massbestimmung der Reiz-
barkeit im Allgemeinen (Fortsetzung) und bei der Quellung
insbesondere. — Rathke, Heinrich, Untersuchungen über die
Arterien der Verdauungswerkzeuge der Saurier. — Wagner,
A„ Neue Beiträge zur Kenntniss der urweltlichen Fauna des
lithographischen Schiefers. II. Abtheilung. Schildkröten und
70
Saurier. Mit 6 Tafeln. (Aus den Abhandlungen der k. b. Ak.
d. W. II. Cl. IX. Bd. I. Abth.) München, 1860 & 1861; 4«- —
Bi seh off, Theodor Ludw. Willi., Gedächtnissrede auf Friedrich
Tiedemann. München, 1861 ;40, — Lieb ig, Justus Freih. v.,
Rede zur Vorfeier des 102. Stiftungstages der k. Akad. d.
Wiss. am 26. März 1861. München, 1861; 4»- — Idem, Rede
zur Feier des a. h. Geburtsfestes Sr. Maj. des Königs Maximilian
II. München, 1861; 40- — Wagner, Andreas, Denkrede auf
Gotthilf Heinrich v. Schubert. München, 1861; 4°-
American Journal of Science and Arts, New Series. Vol. XXXII,
Nr. 95 & 96. New Haven, 1861; 8°-
Astronomische Nachrichten, Nr. 1343. Altona, 1862; 4°-
Austria, XIV. Jahrgang. I. Heft. Wien, 1862; 8°-
Comptes rendus de I'Academie des sciences, Tome LIII, Nr. 25.
— Tables des Comptes rendus des seances. Premier Semestre,
1861. Tome LH. Paris, 1861; 4»-
Cos mos, XP Annee, 20e Volume, lre Livraison. Paris, 1862; 8»-
Istituto, I. R., Veneto di scienze, lettere ed arti, Atti. Tomo VI0,
Serie 3% Disp. I0a. Venezia, 1860—61; 8°-
Peretti, Paolo, Dell1 azione chimica delP acqua sopra i sali e sopra
gli aeidi. Roma, 1861; 8°-
Semmelweis, J. Ph., Zwei offene Briefe an Dr. J. Spaeth und
an Hofrath Dr. F. W. Scanzoni. Pest, 1861 ; 8°- — Zwei
offene Briefe an Hofrath Dr. Eduard Casp. Jac. v. Siebold
und an Hofrath Dr. F. W. Scanzoni. Pest, 1861; 8°-
Wiener medizinische Wochenschrift, XII. Jahrgang, Nr. 1. Wien,
1862; 4o-
71
Oligocäne Bryozoen von Laidorf in Bernburg.
Von Dr. Ferdinand Stolicika.
(Mit 3 Tafeln.)
(Torgelegt in der Sitzung am 12. December 1861.)
Das Studium der norddeutschen Tertiärablagerungen wird
besonders erschwert durch den Mangel an Aufschlüssen , indem weit
ausgedehnte und mächtige Schotterablagerungen den Einblick in die
Lagerungsveihältnisse meist ganz versagen. Bohrungen , Eisen-
bahnbauten, Schürfungen auf Kohle und andere zufällige Grabungen
in die Tiefe sind fast die einzigen Mittel, welche den Geologen hier
in seinem Unternehmen zu unterstützen vermögen. Daher kommt es
auch, dass man sich gewöhnlich auf die Beschreibung einzelner
solcher Localitäten und Petrefactenfundstätte beschränken muss.
Die genaue geologische Kenntniss einer grösstmöglichen Anzahl
dieser Punkte ist aber zuerst nothwendig, wenn man sich ein Ge-
sammtbild über den Zusammenhang der Ablagerungen entwerfen will,
wie es bereits im Jahre 1855 Prof. Beyrich1) in seiner Schrift:
„Über den Zusammenhang der norddeutschen Tertiärbildungen" mit
Meisterhand versucht hat.
Einen werthvollen Beitrag zur Charakterisirung des unteroligo-
cänen Braunkohlensystems Beyrich 's verdankt man einem Ver-
suchsbaue auf Kohle bei Latdorf (Carls grübe) im Herzogthume
Anhalt-ßernburg. DerPetrefactenreichthum diesesFundortes, nament-
lich an Mollusken, ist schon an anderen Orten2) vom Herrn Giebel
hervorgehoben worden.
') Abhandl. d. Berlin. Aksid. 185ö.
*) Zeitseh. für gesammle Naturwiasenscli. [5d. 12, p. 422 und Bd. IT, p 30.
72 Stoliczka.
Mit einer Sendung von Petrefacten erhielt von dort das k. k.
Hof-Mineraliencabinet durch Herrn Schwarzenauer zugleich eine
Menge geschlemmter Proben, deren Mittheilung ich der Güte des
Herrn Director Dr. Hörn es verdanke. In einem Briefe an Dr. Hörne s
schreibt Herr Schwarzenauer folgendes über das Lager der Ver-
steinerungen, aus dem auch die Proben entnommen sind: „Die
Muscheln liegen 20 — 30' unter Tag in einer Sandschichte von gröberem
und feinerem Korn. In diesem Sande liegen von derselben Masse Linsen
und Kugeln, welche die nämlichen Versteinerungen als Steinkerne
einschliessen. Die Sandschichte bedeckt die Kohle diiect. In der
Kohle findet sich viel Retinit, oft in Stücken von 6" Länge".
Obwohl ich es mir zur Hauptaufgabe gestellt habe, in den
folgenden Blättern eine möglichst vollständige Darstellung der
Bryozoenfauna dieses Fundortes zu geben, will ich doch die anderen
Vorkomnisse, insoferne sie nicht schon aus den werthvollen Mitthei-
lungen des Herrn Giebel bekannt geworden sind, nicht ganz unbe-
rücksichtigt lassen. Die Angaben betreffen namentlich die Foramini-
feren und Anthozoen.
Die Foraminiferen sind im Ganzen nicht besonders selten
an Arten, aber an Individuen. Sie gehören grösstentheils schon be-
kannten Arten an, wie sie sich in den Abhandlungen von Prof. R e u s s ,
Bornemann u. a. verzeichnet finden. Am häufigsten kommt Am-
phistegina nummularia vor. Herr F. Karre r theilte mir folgende
Bestimmungen von 27 Species mit:
Dentalina intermitens Br. , D. Sandbergeri Rss., D. purgcns
R s s. , Cristellaria arcuata Karst., Robnlina cultrata d '0 r b. , R.
incompta Rss., R. negleda Rss.; — Rotalina Partschiana d'Orb.,
R. Dutemplei d'Orb., R. Schreibersii d'Orb., R. umbonata Rss.,
R. trochns Rss.; — Truncatulina lobatula d 0 r b. ; — Ampliistegina
nummularia Rss.; — Guttulina problema d'Orb., G turgida Rss.;
— Globulina gibba d'Orb., G inflata Rss., G. amigdatoides Rss.,
Triloculina gibba d'Orb., Tr. consobrina d'Orb., Tr. turgida
Rss., Tr. orbicularis Rom.; — Quinqueloculina angusta Phil.,
Q. ovata Rom., Q. longirostra d'Orb., Q. impresso, Rss.
Von Anthozoen führt bereits Herr Giebel Cyathina tercs,
Cyath. 2 sp. ind. und eine Scyphia an. Mir sind bisher 14 Arten
bekannt geworden, von denen jedoch nur vier bestimmbar waren. Es
sind folgende:
Oligocäue Bryozoen von Latdorf iii Bernhurg. 73
Cyathina teres et firma Phil., Balanophyllia subcyUndrica
Phil., Bathangia sessilis Schoth., Trochoseris 2 sp., Flabellum
sp., Axopora 2 sp., Rhypidogyra sp., Endopsammia sp., Trocho-
cyathus sp., Oculina sp. und eine etwas zweifelhafte Turbinuria.
An einem anderen Fundorte Söllingen bei Jerxheim in
Braunschweig, über dessen Molluskenfauna Herr 0. Speyer im
12. Bande der Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft
berichtet halte, fand ich Cyath. teres Phil., Cyath. cornucopiae und
Balanophyllia costata Kefst. Mehrere Bryozoen von Söllingen
werde ich im Laufe des Textes zu erwähnen Gelegenheit haben.
Bei Latdorf kommt ausserdem nicht selten eine Siliquaria,
Thecidea sp., Argiope (subradiata S a n d b.) und eine Menge kleiner
Mollusken aus den Sippen Rissoa, Capulus, Chemnitzia, Nucula
u. a. vor, so dass auch in dieser Richtung die Fauna noch manchen
Beitrag erhalten wird.
Von Ostrakoden fand ich merkwürdigerweise nicht eine einzige
sicher bestimmbare Art, während diese Gruppe sonst in den nord-
deutschen Tertiärbildungen selten fehlt. Es ist überhaupt auffallend,
dass trotz der unmittelbaren Nähe der Kohle die Fauna eine rein
marine bleibt.
B r y o z o a.
Um einige Anhaltspunkte über das Vorkommen der Bryozoen
bei Latdorf zu gewinnen, dürfte es nicht überflüssig sein, vorerst
einen Blick auf die allgemeine Vertheilung dieser Thierclasse in den
marinen Tertiärschichten des Wiener Beckens zu werfen. Die Resul-
tate bestätigen vollständig die zuerst vom Herrn Prof. E. Suess1)
ausgesprochene Behauptung von der gleichzeitigen Ablagerung der
verschiedenen Tegel-, Sand- und Leithakalkbildungen in diesem
Becken. Es soll dies zugleich ein Beispiel sein, wie wichtig das von
Herrn Suess angeregte Zonenstudium für unsere Tertiärablagerun-
gen ist, und was für ein reiches Feld zur Untersuchung sich uns
hierdurch bietet; es sind dies Untersuchungen, welche E. Forbes
für die Zonenfauna des brittischen und ägäischen Meeres so glänzend
') Wohnsitze d. Brachiop. 11. Abschn. \>. lö'J, Sitzb. d k. Akad. Bd. XXXIX.
74 S t o l i c z k a.
dargethan hat und die ebensowenig auf Artunterschiede ohne Ein-
fluss bleiben können, als die neuesten Forschungen Darwin's.
Die Hauptfundstätte für Bryozoen im Wiener Becken sind die
Leithakalkbildungen. Unter diesen kann man gewöhnlich zwei Zonen
unterscheiden, welche durch ein vorwiegendes Auftreten *) bestimm-
ter Arten sich recht gut charakterisiren lassen.
Das höher gelegene Niveau, welches in grossen Mengen ,4m-
phistegina Haueri enthält und desswegen als Amphisteginen-
Horizont bezeichnet wird, ist überall charakterisirt durch Idmonea
pertusa, Pustolopora anomala, Cellepora globularis, Cellaria Miche-
lini, Hornera frondiculata u. e. a. Die Fauna ist nicht reich an Arten
dafür sind aber die einzelnen Individuen zahlreicher. Was über der
Amphisteginenschichte liegt, enthält meist sehr wenig Bryozoen oder
nur stark abgeriebene Bruchstücke. — Der tiefere Horizont, in
welchem Terrebratula grandis sehr häufig vorkommt, enthält die
grösste Zahl der aus dem Wiener Becken bekannten Bryozoen.
Vorherrschend sind Clieilostomen, indessen auch die Cyclostomen
ziemlich reich vertreten; von beiden Gruppen sind die incrustiren-
den Arten überwiegend. Der wichtigste Fundort ist Eisenstadt.
Überhaupt scheinen nicht sehr steile Inselküsten mit festem
Grunde der Entwickelung der Bryozoen besonders günstig zu sein,
wie dies heutzutage zum Beispiel von Rhodus bekannt ist, deren
Bryozoen-Fauna mehr als die Hälfte ihrer Arten ident hat mit Eisen-
stadt. Ein reiches Vorkommen von Bryozoen mit Terr. grandis
theilte mir Herr Stur von Podjarkow in Galizien mit; auch Busk
erwähnt dieses Zusammen-Vorkommens an mehreren Stellen seines
Werkes: „Über die Polyzoa des englischen Crag*. In festen Leitha-
kalken, die oft ganz aus Nulliporen bestehen, sind Bryozoen meist
schwer nachzuweisen; indessen gehören diese Leithakalke zum
grossen Theile dem obern Amphisteginen-Horizont an.
Wo dagegen Leithakalke fehlen und blos durch Conglomerate,
wie bei Kalksburg oder durch reinen Sand, wie bei Pötzleinsdorf,
i) Es ist selbstverständlich, dass man auf ganz vereinzelte Vorkommen hier ebenso-
wenig ein entscheidendes Gewicht legen kann, alsbei anderen Thierclassen. Die leichte
Zerbrechlichkeit der zarten Stämmchen, das Aufsitzen derselben auf todten Muschel-
schalen oder an Seetangen setzt die Bryozoen noch leichter der Gefahr ans, durch
Wellenschläge in verschiedene Tiefen und oft auf grosse Strecken weit fort-
gebracht zu werden.
Oligocäne ßiyo/.oea von Laldurf in Beraburg. 75
Grund, Niederkreuzstätten u. s. w. vertreten werden, nimmt die
Zahl der Bryozoen sehr bedeutend ab, obwohl die andere Mollus-
kenfauna oft sehr reich ist. Es lässt sich dies wohl daraus erklären,
dass die häufigen Versandungen das Aufkommen dieser Thierclasse
unmöglich machen oder wenigstens sehr erschweren. — Bei etwas
tieferen Horizonten als Eisenstadt, oder vielmehr wahrscheinlicher,
bei gewissen Localverhältnissen der Küstenbildung an grösseren
Continenten, zu denen ich zum Beispiel Porzteich, Ehrenhausen und
Wildon in Steiermark und andere rechnen möchte, sind die über-
rindenden Formen viel weniger zahlreich und werden ersetzt durch
stammbildende Escharen, Homeren, Idmoneen, Scrupocellarien u. A.
Im Ganzen ist die Fauna ärmer als bei Eisenstadt.
Sehr auffallend ist nun das Abnehmen der Bryozoen mit der
Tiefe der Ablagerung, während zugleich die Foraminiferen-Fauna
immer reicher und mannigfaltiger wird. Es gehören hierher die ver-
schiedenen Tegelbildungen des Wiener Beckens.
In Forchtenau, wo bereits die Foraminiferen-Zahl sich ansehn-
lich vermehrt, kommen kaum mehr über 20 Arten von Bryozoen,
fast durchgehends Escharen und Homeren vor. In dasselbe Niveau
wäre Lapugy (oberer Tegel) und Bujtur in Siebenbürgen zu ziehen.
In Baden, Perchtolsdorf, Ruditz bei Brunn und anderen Tegel-
bildungen, deren Foraminiferen-Fauna erst kürzlich Herr F. Karrer
einer eingehenderen Bearbeitung unterzogen hat, und die sich durch
ein Vorherrschen an Stichostegiern kennzeichnen, ist die Zahl der
Bryozoen kaum auf 12 Arten herabgesunken. Am häufigsten kommt
Cupularia Haidingeri, Cellepora rosula, Cellepora n. sp. (stamm-
bildend mit Zellen von der Form der Lepralia monoceros), Hornera
hippolyta, Eschara monilifeva und einige wenige noch vor.
In Möllersdorf, das etwas weiter vom Ufer entfernt liegt, und
wo Turbinolia und Flabellum sehr häufig sind , fand ich nur mehr
Cellep. rosula und Cupul. Haidingeri, wie auch im Tegel von Szobb
in Ungarn.
Im Tegel bei Ödenburg kommen nur sehr selten Bruchstücke
von Cupul. Haidingeri und einem grossen Lunuliten vor, der übri-
gens schon in Baden auftritt.
Aus dem Tegel bei März schliesslich, wo auch schon die Fora-
miniferen-Fauna durch das Überwiegen an Globigerinen etwas ein-
förmiger wird, ist mir gar kein Bryozoum bekannt.
76 Stoliczka.
Aus diesen Daten lasseu sich nun leicht folgende allgemeine
Schlüsse ziehen *)• Die Mannigfaltigkeit der Bryozoen-Fauna nimmt
mit der Tiefe der Ablagerung ab, jene der Foraminiferen zu 9). Aus
dem Vorhandensein einer reichen Bryozoen-Fauna kann man auf eine
massige Tiefe der marinen Ablagerung schliessen. Tegel und Sand-
gebilde sind arm an Bryozoen.
Nach den Untersuchungen von E. F o r b e s bewohnen die Bryozoen
hauptsächlich die Corallinen -Zone, wozu sie auch den Namen1)
gegeben haben. Die untere Grenze der Laminarien-Zone könnte dann
vielleicht der Amphisteginenschicht entsprechen. Doch sind diese
Untersuchungen über die lebenden Formen bei weitem noch nicht
abgeschlossen und namentlich auch die Art-Kenntniss zu gering, um
sichere Schlüsse auf die fossilen Vorkommnisse machen zu können.
Fernere Detailbeobachtungen über die Schichten des Wiener
Beckens mit ihren charakteristischen Faunen hat uns Prof. Suess2)
versprochen.
Fassen wir nach diesen Bemerkungen die Gesammtfauna von
Latdorf in's Auge, so finden wir schon vom Herrn Giebel 70
Arten verzeichnet, denen wir noch weitere 88 Arten anschliessen,
so dass die Summe die sicher beträchtliche Zahl von 158 erreicht.
Von dieser entfallen auf die Bryozoen 47 Arten, die im Folgenden
näher betrachtet werden sollen. Sie gehören ausschliesslich den
zwei Ordnungen der Cyclostomen und Cheilostomen an, so zwar,
dass 19 Arten der ersteren, die übrigen 28 der zweiten Gruppe
eigen sind. Mit beschränkter Benützungderd'Orbigny'schenNomen-
clatur vertheilen sich die Arten in 18 Sippen. Bei jenen Arten,
welche in sichtlich unhaltbare Sippen des d'Or bigny'schen Systems
gehören , ist die Benennung blos in einer Klammer beigefügt und
manches in systematischer Beziehung im Laufe des Textes erwähnt.
Von den 47 Arten sind bereits 23 aus anderen Gegenden bekannt
geworden, wovon die meisten auf die Leithakalkbildungendes Wiener
Beckens entfallen. 24 Arten sind als neu erkannt und werden hier
zum ersten Male beschrieben und abgebildet; darunter sah ich mich
veranlasst, zwei Arten zugleich als Typen neuer Sippen Orbitulipora
und Stichoporina aufzustellen, beide den Cheilostomen gehörig, aus
der Nähe der Familie Sc/c/inriaäae Bsk.
1) Natural history ofthe europ. seas by E. Forbes. editby R. (iodwin-Austeo. 1859, p. 145.
2J Wohnsitze der Brachtop. II. Absclin. p. 159. Sitzb. d. k. Akad. Bd. XXXIX.
Oligociine ßryo/.oen von Latdorf in ßernburg. 77
Ausser den älteren (1843) Arbeiten über die norddeutschen
Tertiärablageningen von Philippi waren jene vom Herrn Prof.
Reussi), und das neueste Werk über die Polyzoen des englischen
Crag von Busk2) für die folgende Bearbeitung massgebend.
Wollte man nun aus den Bryozoen von Latdorf eine Parallele
mit dem Wiener Becken ziehen, so könnte man sie durch das Vor-
herrschen stammbildender Escharen, Homeren und Idmoneen, die
auch die grösste Individuenzahl darbieten, nur in den Horizont mit
Porzteich, Ehrenhausen, Wildon u. s. w. gleichstellen. Damit stimmt
auch die andere Fauna recht gut überein, wie die vielen aufsitzenden
Anthozoen und die verhältnissmässig geringere Zahl von Foramini-
feren. Auch das Vorkommen zahlreicher Arten ans den Sippen P/euro-
toma. Fusus, Murex , Fasciolaria u. A. deutet schon auf ein nicht
sehr seichtes Meer hin.
Die Ablagerung von Latdorf würde somit in die Reihe unserer
Leithakalkbildungen gehören, allerdings als eine bestimmte Facies
und wohl auch nicht in dem Sinne der Gleichzeitigkeit beider auf-
gefasst, sondern lediglich als Randbildung eines offenen Meeres, oder
sonst als eine Küstenbildung angesehen.
Postnlopora attennata Stol. Taf. I, Fig. 1.
Die Stämmchen sind sehr zart, gerundet mit ' 2 '" — 1"' Durehmesser. In
der ganzen Peripherie sind nur 4 Längsreihen von Zellen, von denen jede an
einer der vier Seiten mit einer grossen Öffnung mündet. Sie stehen abwechselnd
in bedeutenden Entfernungen von einander. Die Scheidewände der Zellen treten
als feine Linien auf und die ganze Oberfläche des Stammes ist von mikroskopisch
kleinen Poren durchlöchert. — Sehr selten.
Postnlopora pulchella Rss. sp. (Cricopora id. Polyp. d.W. Beck,
p. 40. Taf. 6, Fig. 10.)
Bezüglich der generischen Bestimmung steht diese Art eigentlich in der
Mitte zwischen Pustulopora, bei der die Zellen ohne bestimmte Ordnung an der
Oberfläche vertheilt sind, und zwischen Spiropora, wo sie in Querringen stehen.
J) Reuss: Polyparien des Wiener Beckens in H a i d i ng er's natnrw. Abhandlungen
Bd. li, 1348. — Beitrag zur Paläontologie der Tertiärschichten übersehlesieus.
Zeitschrift der deutschen g^olog. Gesellschaft. Bd. III, 1851, p. 147. — Zur Charak-
teristik des nördl. und mittl. Deutschland. Sitzb. d. Wiener k. Akad. d Wissensch.
Bd. XVIII, 1855. p. 197. — Ferner zerstreute Notizen in Bronn's Jahrb. und Jahrb.
der k. k. geolog. Reiciisaustalt u. s. w.
*) Fossil Polyzoa of the Crag. Palaontographkal Society. London 1859.
78 S t o 1 i c z k n.
Die Zellen liegen allerdings manchmal in sehr schief aufsteigenden Reihen,
sind aber auch nicht selten unregelmässig zerstreut und insofern gehört diese
Art mehr zu Pustulopora.
Bei Latdorf ist sie nicht selten, aber meistens stark abgerieben, in welchem
Falle dann die Stücke ganz mit der rechtsstehenden Abbildung von Cricopora
minuta Philippi (Tertiiirverst. Taf. I, Fig. 11) von Freden übereinstimmen.
Ausserdem kommt sie bei Söllingen in Braunschweig und besonders häufig in
der Amphisteginenschieht des Leithakalks im Wiener Becken vor.
Pustulopora (Clausa) retifera S toi. Tuf. I, Fig. 2.
Stamm rund, öfters ein wenig gedreht oder gebogen. Warzenartig vor-
stehende Zellenöffnungen sind unregelmässig um die ganze Peripherie vertheilt,
und stehen ziemlich nahe an einander. Zwischen den Mündungen bemerkt man
an der Oberfläche ein feines Netz von Linien, wie dies d'Orbi gny bei seiner
etwas unsicheren Sippe Clausa angibt. Am Querschnitt sind die Offnungen sehr
dicht an einander gedrängt, zwischen einzelnen grösseren sind kleinere einge-
streut. — Sehr selten.
Borncra hyppolyta Defr. (Busk. Polyz. Grag. p. 101, Taf. 14,
Fig. 8, 9 u. Reu ss, Polyp, d. W. Beck, p. 43, Taf. 6, Fig. 24.)
Eine in den oberen und mittleren Tertiärablagerungen sehr verbreitete
Art. Sie kommt in Frankreich bei Grignon und Hautville (Michelin) vor; aus
dem englischen Coralline Crag beschreibt sie Busk; Prof. Reuss fand sie in
den Schichten des Leithakalkes im Wiener Becken und in den schlesischen
Tertiärablagerungen bei Michowitz. Ausserdem fehlt sie nirgends im ungarischen
und siebenbürgischen Becken. In Galizien, bei Asti, Castell' arquato u. a. 0.
Bei Latdorf ist sie ziemlich selten.
Hornera reteporacea M. Edw. (Busk. Polyz. Crag. p. 98, Taf. 14,
Fig. 2.)
Selten; sonst nur aus dem Coralline-Crag Englands bekannt.
Hornera verrucosa Rss. (Zeitsch. d. deutsch, geol. Gesell. 1851.
Bd. III, p. 173, Taf. 9, Fig. 21.)
Zuerst von Prof. Reuss aus den oberschlesischen Tertiärschichten bei
Miechowitz beschrieben. Bei Latdorf, wo diese Art nicht selten ist, findet man
häufig auch die scheibenförmige Basis, womit die Stämme am andern Körper
aufgewachsen waren.
Besonders häufig kommt eine Varietät dieser Art vor, bei der die Rippen
an der Rückseite kleiner und zahlreicher sind, wobei die Nebenporen namentlich
an der Vorderfläche oft ganz verdeckt sind. Da diese Bruchstücke auch etwas
stärker sind als gewöhnlich, so dürften sie die untersten Theile der Stämme
Oligoeäne Bryoznen von Latdorf in Bernburg. 79
sein, an denen auch in anderen Sippen die Erhabenheiten der Oberfläche all-
mählich verschwinden und die Öffnungen verkalken. Bei Cyclostomen ist dies aller-
dings eine viel seltenere Erscheinung, desto häufiger kommen sie aber bei
Cheilostomen vor, wie ich sie namentlich an grossen Stämmen der Eschara mo-
nilifera, cervicomis u. A. zu beachten Gelegenheit hatte.
Hornera porosa Stnl. Taf. I, Fig. 3.
Die abgerundet vierseitigen Stämmchen verzweigen sich dichotomisch,
wobei die Äste unter spitzen Winkeln abgehen; nur selten ist durch Queräste
die Andeutung zu einer netzartigen Ausbreitung gegeben. Die grossen, runden
Zellöffnungen stehen in 5 — 6 alternirenden Längsreihen und erheben sich mit
ihrem Rande kaum über die sie umfassenden Rippen, ähnlich wie dies bei
Hornera frondiculata vorkommt. Über und unter der Mündung befindet sich je
eine ovale oder dreiseitige Nebenpore, der sich beiderseits noch eine kleine,
runde Pore anschliesst. Alle diese fünf Öffnungen liegen in einer Linie; ausser-
dem befinden sieh aber an der ganzen Vorderseite noch eine Menge unregel-
mässig vertheilter grösserer und kleinerer Öffnungen. Die Rückseite ist breit,
sanft gewölbt und mit sehr zahlreichen, länglichen, nach oben zugespitzten
Poren bedeckt, die sich in Längsreihen anordnen. — Selten.
Hornera gracilis Philippi. (Tertüirverst. p. 35, Taf. 1, Fig. 7.)
Ein reiches Material aus den norddeutschen Ablagerungen veranlasst mich
die drei Philip p'schen Arten auf zwei zu beschränken. Hornera gracilis und H. sub-
annulata = biseriata. Prof. Reuss vereinigt nach d'Orbigny's Vorgang alle
drei in eine einzige (Sitzb. d. k. Akad. Bd. XVIII, p. 26a, Taf. 12, Fig. 110).
Indessen lässt sich Hornera gracilis , wenn auch in der Porenvertheilung
der Hornera subannulata sehr ähnlich, von dieser durch den quer ovalen Durch-
schnitt der Stämmchen und mehr isolirte Mundöffnungen unterscheiden; während
die Stämmchen der Hornera subannulata rund oder von den Seiten zusammen-
gedrückt sind, die Zellen in ringförmigen Reihen stehen und überhaupt der
ganze Bau ein etwas zarterer ist.
Eine nähere Vergleichung anzustellen wäre jedoch wünschenswert}), zwischen
Hornera gracilis und Hornera frondiculata Lamx , welche Arten ident sein
dürften. — Sehr häufig bei Latdorf und Söllingen in Braunschweig.
Hornera subannulata Phil. Taf. I, Fig. 4.
Hornera subannulata et biseriata Philippi (Tertiärverstg. pag. 36, Taf. I, Fig. 8, 9).
Stamm rund oder von den Seiten schwach zusammengedrückt. Die Zellen
treten meist mit ihren verlängerten Mündungen in Schnüren auf, von denen jede aus
6 — 8 Zellen besteht und von der Seite her über die ganze Vorderfläche sich
erstreckt. Die an der Vorderseite liegenden Zellen sind oft in regelmässige
Längsreihen geordnet. Von einer Mündung laufen zu der nächst darunter befind-
80 Stoliczka.
liehen ziemlich starke Rippen, und schliessen zwischen sich eine bis drei feine
Poren, je nachdem der verticale Zwischenraum zwischen den einzelnen Zellen
*j grösser oder kleiner ist. An der gewölhten Rückseite verzweigen sich die Rippen
vielfach mit einander und werden durch länglichte, an beiden Enden meist
spitz zulaufende Poren getrennt.
Die Abbildung von Philippi lässt allerdings auch manche andere Deutun-
gen zu. Originalexemplare von Luith orst und Cassel bestiitigen indessen die
Ansicht, dass H. biseriata nur eine etwas oberflächlich veränderte H. subannu-
lata ist, so wie zugleich die Identität mit der Latdorfer Art.
Nicht häufig. — Ausserdem in dem Septarientho n von Süllingen und im
Leithakalk der östlichen Gegenden ziemlich häufig.
Hörnern (Idmonea 6rb.) seriatopora Reuss. (Polyp. 1848, p. 44,
Taf. 6, Fig. 25.)
d'Orbignv zieht diese Art zu seinem metamorphosirten Genus Idmonea
(Pal. franc. cret. pag. 7S0), während die Sippe, wie sie früher bestand , nach
ihm in Tubigera und Crisina zerfällt, und sogar zwei verschiedenen Familien
angehört. Es ist sicher, dass eine Systematik, welche sich nur auf die Form des
Zellenstockes basirt, stets mangelhaft bleiben wird. Derselbe Vorwurf trifft
aber auch jedes andere Merkmal, sobald es allein benützt wird. Dies gilt nun
auch von den zwei d'Orbigny'schen Sippen Tubigera unäCrisina, die sich beim
Bestimmen ebensowenig festhalten lassen, als von beiden die Sippe Idmonea zu
trennen ist, deren ältere Auffassung gewiss vortheilhafter begrenzt ist.
Diese Art kommt bei Latdorf ziemlich selten vor; ausserdem ist sie durch
Professor Reuss aus den Leithakalkbildungen des Wiener Beckens und den
Tertiärschichten von Miechowitz in Oberschlesien bekannt.
Filisparsa tenella Stol. Taf. I, Fig. 5.
Bildet sehr zarte, kaum eine halbe Linie breite Stämmchen, die flachgedrückt
sind, und sich dichotomisch vorästeln. Die röhrenförmig vorragenden Zellen
sind an der Vorderseite zerstreut und bilden ungefähr vier alternirende Längs-
reihen. Nebenporen fehlen, nur die Begrenzungen der Zellen sind an der
Oberfläche durch vertiefte Linien angegeben; an der Rückseite befinden sich auf
den Längslinien feine Höcker. — Selten.
Zunächst verwandt ist Hörnern fragilis (Eiehwald Leth. ross. pag. 35,
Taf. II, Fig. 24) von Zalisce in Volhynien.
Im d'Orbigny'schen Sinne entspricht diese Art der Sippe Hornera nicht,
sie lässt sich aber auch in eine andere Gruppe mit vollkommener Sicherheit nur
schwer unterbringen. Sie steht gewissermassen zwischen Tubigera und Idmonea.
Idmonea (Crisina) foraininosa Reuss. (Zeitschr. d. deutsch. -geolog.
Gesellsch. 1851. Bd. III, p. 171, Taf. 9, Fig. 19.)
Prof. Reuss hat bereits im Jahre 1851 dieser von ihm zuerst (Polyp,
d. W. Beckens 1848, pag. 46, Taf. 5 und 6) mit der Kreidespecies Id. can-
Oligocäne Bryozoen von Laidorf in Bernburg'. 8J
cellata verwechselten Art obigen Namen gegeben, wo d'Orbigny's Text (Pal.
frane. terr. cret.) noch nicht so weit gediehen ist.
Aus diesem Grunde kann auch dem von d'Orbigny (1. c. pag. 730) vor-
geschlagenen Namen Id. subcancellata nicht die Priorität zugestanden werden.
Soweit die Abbildungen ein Urtheil gestatten, wäre unsere Art ident mit
der im englischen Crag vorkommenden, welche neuerdings Busk (Polizoa of
Crag, pag. 704), wenn auch nicht ohne einige Bedenken, mit Idmonea (Latero-
cavea) punctata d'Orbigny (1. c. pag. 933, Taf. 722, Fig. 11 und 12) iden-
tificirt. Es scheint indessen viel rathsamer auf diese Angaben, wo d'Orbigny
offenbar ganz verschiedenartige Dinge zusammenwarf, gar kein Gewicht zu
legen, zumal sich noch zwischen dem Texte und den Tafeln ein kaum zu entwir-
render Widerspruch vorfindet.
Selten. — Im Leithakalk des Wiener Beckens überall sehr häufig.
Idmonea (Tobigera) Giebeli Stol. Taf. I, Fig. 6.
Die breiten, sehr flach gedrückten Stämmchen tragen an der Vorderseite
abwechselnde gebogene Beihen , von denen jede aus 3 — 5 Zellen besteht.
Gewöhnlich ist die Zahl der Offnungen in den links stehenden Beihen um eins
kleiner als in denen der rechten Hälfte. Die Zellenwände sind durch schwache,
erhabene Linien kennbar und laufen an der Bückseite ziemlich parallel zu
einander. Ausserdem ist die ganze Oberfläche des Stammes mit mikroskopisch
kleinen Poren bedeckt, wie das übrigens bei der ganzen Gruppe der Cyclostomen
so ziemlich als Begel gilt.
Der Hauptcharakter dieser Art liegt in der Compression des Stammes von
vor- nach rückwärts, und in seiner verhältnissmässig grossen Breite. — Selten.
idmonea (Tnbigera) delicatula Busk. (Polyz. Crag, pag. 106,
Taf. 15, Fig. 8.)
Die wenigen Latdorfer Exemplare stimmen vollkommen mit denen aus dem
Coralline-Crag Englands, wie ich mich an Stücken aus dem Crag überzeugte.
Idmonea (Tnbigera) tenoisulca Rss. (Geol.Gesel. 1851, III, pag. 172.)
Die Stämmchen sind hier immer vollkommen rund und schlanker als jene
aus dem Wiener Becken. Die Zellen stehen abwechselnd zu drei in einer Beihe
und treten oft so stark hervor, dass sie gleichsam kleine Seitenäste vorstellen,
wie bei Truncatula. Die im Wiener Becken vorkommende Art scheint mehr zu
Id. intricaria Busk. (Polyz. Crag, pag. 106, Taf. 15, Fig. 7) zu gehören, was
indessen erst eine genaue Vergleichung der Arten entscheiden kann.
Prof. Beuss fand sie in den oberschlesischen Tertiär-Ablagerungen zu
Miechowitz, indem er zugleich die früher mit ihr verwechselte Id. disticha aus
dem Wiener Becken damit vereinigt; bei Latdorf ist Id. tenuisulca ziemlich selten.
SiUh. d. mathem.-naturw. Cl. XLV. Bd. I. Abth. 6
82 Stoliczka.
Idmouca (Tnbigera) Börnes! Stol. Taf. I, Fig. 7.
Stamm gerade mit vierseitig abgerundetem Querschnitte, vorn um weniges
schmäler als rückwärts. Die Zellen stehen zu fünf in beiderseit gebogenen
Reihen. Die letzte Öffnung ist etwas tiefer gerückt von den übrigen, was an
d'Orbigny's Osculipora erinnert. Vorn stossen die Zellreihen zusammen und
entspringen fast in gleicher Höhe. Die Scheidewände der Zellen sind an der Ober-
fläche durch feine Linien angezeigt, zwischen denen an den Zellendecken sehr
kleine Poren bemerkbar sind. An der stark gewölbten Rückseite sieht man
ausser halbmondförmig nach aufwärts gebogenen Streifen, keine weitere Orna-
mentik. Es schliesst sich diese Art durch das letztere Merkmal zunächst an Id.
undata Rss. aus den Tertiärschichten Oberschlesiens bei Miechowitz an.
(Deutsch Geol. Gesell. III, pag. 172, Taf. IX, Fig. 20.) Sehr selten.
Domopora prolifera Reuss sp. (Polyp, p. 37, Taf. 6, Fig. 1.)
Eine in den LeUhakalkbildungen sehr verbreitete Art. Die Stammbildung ist
nur selten zu beobachten, weil die ganze Colonie leicht in die einzelnen Glieder
zerfällt. Dasselbe ist auch bei den Exemplaren von Latdorf der Fall, wo ausser-
dem die Radialrippen grösstentheils stark abgerieben sind. — Nicht häufig.
Pavotubigera anhaltina Stol. Taf. I, Fig. 8.
Die Colonie ist unregelmässig scheibenförmig und etwas verbogen, was
wohl von der Unterlage, der sie aufgewachsen war, herrührt, zumal man noch
an der Unterseite die Zellen abgebrochen findet. Das Wachsthum erfolgt von
einer excentrischen Stelle und es entfalten sich die Zellreihen nach oben fächer-
förmig, während sie am unteren Theil kürzer und weniger zahlreich sind. Die
einzelnen Rippen sind nicht regelmässig aus einer oder zwei Zellenreihen
zusammengesetzt, sondern sie stellen vielmehr kleine Ründel vor. In den
Zwischenräumen der Rippen sind keine grösseren Poren wahrnehmbar. —
Selten.
Heteropora similis Stol. Taf. I, Fig. 9.
Stamm rund, dichotomisch, mit zahlreichen an der ganzen Oberfläche ver-
tbeilten, wenig vorragenden runden Zellmündungen. Zwischen ihnen und zum
Theil auf der etwas erhabenen Umgebung liegen zerstreut schlitzartige Neben-
poren, die gewisserniassen selbständige Umrandungen besitzen (Fig. 9 «).
Ist die äusserste Schichte zerstört, so gleicht die Colonie an ihrer Ober-
fläche einem vielfach verflochtenen Netzwerk mit ungleichen Maschen, unter
denen jedoch die runden Zelloffnungen gut zu unterscheiden sind (Fig. 9 //).
Ihrem ganzen Habitus nach erinnert diese Art auffallend an Heteropora dicko-
tomu Gldf. von Maasstricht. — Selten,
Oligoeäne Bryozoen von Latdorf in Bernburg. §3
(cllaria Michelini Reuss (Polyp, d. Wiss. Beck. p. 61 , Taf. 8,
Fig. 1 und 2).
Vineularia fragilis Mich. I c onog. pag. 175, Taf. 46, Fig. 21, non id. Defr.
Michel in beschrieb diese Art von Grignon als Vineularia fragilis, von
der sie Professor Reuss als eine verschiedene Art trennte, und zugleich zu
Cellaria gestellt hat. Mit Unrecht zieht sie d'Orbigny (Pal.franc. cret. pag. 59)
abermals zu Vineularia, denn die Gliederung ist hier eine so vollständige, als es
nur möglich ist. Ich habe ganze Stämme dieser gar nicht selten im Mittelmeere
noch lebend anzutreffenden Art beobachtet, an denen die Anheftung des einen
keulförmigen Gliedes an das andere durch fibröse, hohle Fasern besteht. Diese
Gliederung des Stammes ist somit eine wesentlich verschiedene von der bei
Salicornaria, wo die einzelnen Theile sich zwar auch nach unten bedeutend
verschmälern, aber mit dem frühern Ast fest verwachsen sind.
Selten. — Im Wiener Becken, sowie in Ungarn, Steiermark, Siebenbürgen
und Galizien ist diese Art fast in allen Horizonten der Ablagerung zu finden,
was eben in der mangelhaften und leicht zerstörbaren Anheftung seinen Grund
haben mag. Im subapenninen Mergel, im Salzthon von Wieliczka, bei Asti,
Castell' arquato, Pisa, in den unteren Niveauschichten bei Dax u. v. a. 0. findet
sich ebenfalls dieselbe Form.
Cellaria Beyrichi Stol. Taf. I, Fig. 10.
Der Stamm besitzt einen runden bis ovalen Querschnitt; Zellen gross,
bauchig, sechsseitig verlängert, wobei die obere und untere Seite viel kleiner
ist als die vier anderen. Meist sind acht alternirende Längsreihen vorhanden.
Jede Zelle wird von einem platten, etwas erhabenen Rand begrenzt und durch
eine Furche von der nächststehenden getrennt. Die Zellendecke ist ganz porös;
die Mündung liegt am vorderen Ende der Zelle und ist ebenfalls von einem
glatten Rande umsäumt; an der Unterlippe befindet sich ein kleiner Schlitz,
indem beiderseits ein kleiner Zahn in die Mündung vorsteht. Beim lebenden
Thier mag hier wohl eine eigene Nebenpore existirt haben, die später durch-
brochen wurde. — Sehr selten.
Es ist diese Art wohl nur auf ein einziges, gut erhaltenes Bruchstück
gegründet, doch ist die generische Bestimmung ziemlich sicher. Das betreffende
Stück nähert sich nicht nur durch die Form der Zellen zunächst an Cellaria
Michelini, sondern zeigt auch nach unten eine bedeutende Verschmälerung des
Stammes, welche auf Gliederung schliesen lässt.
Eine besondere Schwierigkeit hat es oft mit der Unterscheidung mancher
Exhara-Avten von ähnlichen Bruchstücken der Cellarien. Ich habe nicht
selten die Erfahrung gemacht, dass vollkommen runde Stämmchen, an der Basis
mit einer Anheftungsfläche, erst weit oben sich blattartig ausgebreitet haben; es
gilt dies hier besonders von den Formen aus der d'Orbigny 'sehen Gruppe
Escharellina und Porellina. Gelingt es nun nicht bei derlei Bruchstücken eine
Ansatzstelle zu entdecken, so bleibt in solchen Fällen auch die generische
Bestimmung oft zweifelhaft.
6*
84 S t o I i <• z k :i .
Lepralia Grotriani Stol. Taf. II, Fig. 1.
Zellen in Quincunx stehend, länglich vierseitig, mit dicken Wandungen.
Die Zellendecke ist stark gewölbt und fein porös. Der Vordertheil jeder Zelle
ist aufgerichtet und trügt die Mundöffnung. Diese ist quer oval, mit einer kleinen
Oberhöhle und einer Nebenpore oder vielmehr mit einem einragenden Zähnchen
an der Unterlippe versehen. Nicht selten sind jedoch beide durchbrochen und
die Mündung dadurch bedeutend erweitert, was oftmals das Aussehen der
ganzen Colonie, wie der einzelnen Zeilen, sehr verändert. Übrigens fehlen
manchen Zeilen beide Organe schon ursprünglich, und ihre Mündung ist nur
mit einem wulstigen Rand umgeben. Junge Zellen sind etwas mehr gestreckt
und mit einer Porenreihe rings umgeben, was anderen älteren derselben Colonie
fehlt.
Bei Latdorf kommt diese Art sehr selten vor, dagegen fand sie zahlreich
aufsitzend Dr. Rolle auf Austern, welche Herr Kammerrath Grotrian von
Süllingen an das k. Cabinet gesendet hat. Sie sitzt überall an beiden Seiten
der Austernschalen in Gesellschaft der Lepralia asperella Reuss (Sitzungsb.
d. k. Akad. d. Wiss. Bd. XVIII, pag. 259, Taf. 11, Fig. 105).
Lepralia pedicularis Stol. Taf. II, Fig. 2.
liildot einschichtige Überzüge aus sehr gedrängt an einander liegenden
Zellen, meist auf Eseharaproteus und monilifcra. Die Zellen sind länglich walzen-
förmig, durch seichte Furchen von einander gesondert, ohne in bestimmte regel-
mässige Reihen geordnet zu sein. Die Mündung liegt fast ganz am vordem
Ende, ist rund und sehr klein, viel kleiner noch als hei Lep. microstoma Reuss.
Die Zellemlecke ist manchmal ganz glatt, selten fein poröi. Nebenporen fehlen
ganz. — Ziemlich selten.
Lepralia macropora Stol. Taf. II, Fig. 3.
Ein einschichtiger Überzug aus länglich vierseitigen, alternirenden Zellen
bestehend, welche mit ihrer vorderen Hälfte stark aufgerichtet sind, wie es bei
Lep. arrevta R e u s s der Fall ist. Den Mund der Zellen umgibt ein verdickter
Rand, an dem man Reste einiger feiner Poren nach Art der Stegeniporen
bemerkt; doch ist ausser einer grösseren Nebenpore, knapp über der Mündung,
nichts deutliches zu erkennen. Dagegen tritt unterhalb der Mündung sehr
constanf eine schlitzartige Nebenpore, die unten abgerundet ist, nach oben aber
an der Unterlippe zugespitzt mündet (Avicularienzelle). Sie liegt in der Regel
schief von links nach rechts, nur manchesmal von rechts nach links.
Der obere aufgerichtete Theil der Zellen erscheint bei gewöhnlicher
Vergrösserung glatt, der liegende bauchige Theil aber ist mit grossen, umran-
deten Öffnungen versehen, die an der Oberfläche durch feine Furchen von
einander getrennt sind, während in das Lumen selbst einzelne sehr feine Zähnchen
hineinragen. Es bat ganz den Anschein, als wären diese Öffnungen beim lebenden
Thiere mit einer dünnen, porösen Membran verdeckt, die jedoch im fossilen
Zustande zu Grunde gegangen ist. Bei regelmässig gestalteten Zellen sind die
Oligocäne ßrrozoen von LatJorf in Bernburg. Jj Jj
Öffnungen so angeordnet, dass sie ein Kreissegment ausfüllen, dessen Mittelpunkt
in dem unter« Ende der Zelle liegt. Doch ist diese Regelmässigkeit meist durch
seitlichen Druck gestört. — Ziemlich selten.
lembranipora (Flastrellaria d'Orb.) robusta Reuss. (Deutsch, geol.
Gesell, ßd. III, p. I6G, Taf. 8, Fig. 10.)
Professor Reuss beschrieb zuerst diese Art aus den sandigen Tertiär-
schichten von Miechowitz, und gibt als fernere Fundorte den Leithakalk von
Bischofswart (Mähren) und Kaienberg (Steiermark) an. Bei Latdorf kommt sie
selten vor, ausserdem fand ich sie im Leithakalk von Ehrenhausen in Steier-
mark und in den oberen Tegilbildungen von Ober-Lapugy in Siebenbürgen.
Die Mündung ist im guterhaltenen Zustande nicht so gross, als dies aus
der citirten Abbildung hervorgeht; sie liegt etwas mehr nach vorn.
IHembranipora (Semiflustrella) anhaltina Stol. Taf. II, Fig. 4.
Der einschichtige Überzug besteht aus polyedrischen, etwas verlängerten
Zellen, die durch einen gemeinsamen scharfen Rand von einander getrennt sind.
Die Mündung ist halbmondförmig, mehr nach vorn gelegen und durch die
zungenförmig hineinragende Unterlippe etwas verengt. Die Zellendecke zeigt
keine Poren und fällt vom Rand gegen die Mündung allmählich ab. — Sehr
selten.
Alveolaria Boskl Stol. Taf. II, Fig. 5.
Busk stellt in seinem Werke über die Bryozoen des englischen Crag,
pag. 128, die Sippe Alveolaria auf, und bringt sie mit Faseicidaria in eine
eigene Familie Theonidae. Er beschreibt die einzige bisher bekannte Art/1/, semio-
vata. Die Latdorfer Species beruht allerdings nur auf einem Bruchstück, das
aber in der Zellbildung ganz dieser Sippe angehört. Die Form der Colonie ist
nicht genau ersichtlich, jedenfalls war sie nicht gross und scheint nach einem
zweiten Bauchstück stumpfe Äste gebildet zu haben. Die Zellen treten an der
ganzen Oberfläche auf , und werden durch 5 — 6 eckige scharfe, gemeinsame
Bänder gegen einander abgegrenzt, von denen die Zellendecke gegen die Mün-
dung zu abfällt. Diese liegt excentrisch und ist mehr oder weniger gerundet
und weit geöffnet. An der Bruehfläche zeigt sich die schichtenartige
Lagerung der Zellen durch die vielen über einander liegenden queren Ver-
bindungen an.
Biflastra clathrata Phil. sp.
Eschara clathrata P hilip p i. (Tertiärverst. 1843, pag. 4, Taf. I, Fig. 24.)
Die wenigen Exemplare stimmen vollständig mit denen von Cassel, woher
sie das k. Cabinet durch Grafen M ünster erhielt. Die Stämnichen sind stets
dünn und breit, die Zellen verlängert sechsseitig, nicht fünfeckig, wie Philippi
ö t) S t o 1 i c z k a.
bemerkt. Die Einschiebung neuer Reihen beginnt mit einer ovalen längliehen Zelle.
Näher zu vergleichen wäre mit dieser Art Biflustra delieatula Busk (Polyzoa,
Taf. II, Fig. 7) aus dem Crag Englands.
Biflustra glabra Phil. sp.
Eschara glabra Philippi. (Tertiärverst. 1843, pag. 38, Taf. I, Fig. 21.)
Zu der bei Philippi gegebenen Abbildung und Beschreibung ist hinzuzu-
fügen, dass die Unterlippe etwas in die vierseitig abgerundete Mündung hinein
ragt und die Zellen durch feine Furchen von einander getrennt werden. Durch
die gerundeten oder schwach zusammengedrückten Äste und die kürzeren Zellen
ist diese Art leicht von Bifl. clathrata zu unterscheiden.
Philippi beschrieb sie von Freden und Luithorst, bei Latdorf ist sie
nicht selten, ebenso auch bei Söllingen in Braunschweig.
Eschara (Escharifora) mortisaga Stol. Taf. II, Fig. 6.
Der Stamm ist entweder blätterig ausgebreitet oder schmäler und von mas-
siger Dicke. Die Zellen länglich, in regelmässig alternirende Reihen geordnet,
und (kirch seichte aber breite, punktirte Furchen begrenzt. Der obere Theil der
Zellen ist viel grösser, und trägt die grosse halbmondförmige Mündung, die an
der Basis mit einem kleinen Schlitz versehen ist. Jede Mündung wird oben von
einem hufeisenförmigen Rand umgeben, der mit je einer Nebenpore endet. Die
mittlere Zellenwand ist entweder auf eine schmale, gewölbte Leiste reducirt oder
mit den Seitentheilen ganz verschwommen. Im ersteren Falle ist sie oft glatt,
sonst porös.
Die abnormen Zellen (Fig. 6 b) sind gross mit einer querovalen umrandeten
Mündung, in die von der Oberlippe eine sehr dünne Membran versenkt ist, und die
Mündung zum Theil verschliesst. Die zwei Nebenporen stehen an der Unter-
lippe. — Selten.
Eschara (Escharifora) ornatissima Stol. Taf. II, Fig. 7.
Dünne, blätterige Ausbreitungen, welche manchesmal dichotomisch verästelt
sind. Die Begrenzungen der einzelnen Zellen sind selten deutlich wahrnehmbar,
sie sind im Allgemeinen schief vierseitig und in V-förmige Reihen geordnet.
Die Mündung ist gerundet, vertieft und von vier warzenförmigen Bläschen umgeben,
von denen die an den Seiten etwas grösser sind. Das obere Bläschen ist gewöhn-
lich spitzig, das untere meist weiter von der Mündung entfernt und durchbrochen,
während die anderen noch geschlossen sind. Quer über die Mündung reicht ein
Stäbchen, das an den beiden Anheftungsstellen je eine Pore trägt. Eine grössere
Nebenpore befindet sich manchmal auch in den Ecken, wo vier Zellen zusammen-
stossen, ausserdem ist die ganze Oberfläche bei einiger Abreibung (Fig. 7 A) mit
einer Menge kleinerer Poren und Bläschen geziert.
Die abnormen (Ovarial?) Zellen sind viel grösser, mit schmaler, halbmond-
förmiger Mündung, die noch durch eine einragende Unterlippe verengt wird.
Oligocäne Bryqzoeu von Latdorf in Bernburg'. (S 7
Ich war sehr bemüht eine genaue Vergleichung dieser Art mit Esch. tessulata
Reuss (Polyp, pag. 71, Taf. 8, Fig. 35) anzustellen, da im etwas abgeriebenen
Zustande beide sich ziemlich gleich sehen. Doch war ich nie im Stande die
Mündungsporen bei Esch. tessulata zu beobachten; es mag dies vielleicht dem
Umstände zugeschrieben werden, dass sich noch kein vollkommen erhaltenes
Exemplar vorfand, obwohl sie im Leithakalk vonSteinabrunn und dem Sande von
Pötzleinsdorf gar nicht selten ist. — Ziemlich häufig.
Echara crciiatula Stol. Taf. II, Fig. 8.
Der Stamm ist dünn, blätterig ausgebreitet, auf welchem die Zellen in alter-
nirenden Längsreihen stehen. Die Zellen sind vorne kreisförmig, nach rückwärts
sehr verschmälert und durch breite, poröse Furchen gegen einander abgegrenzt.
Die Mündung wird von einem Kranz kleiner, platter Wärzchen umgeben, welche
sich auch nach abwärts an der Zellendecke fortsetzen. An der Unterlippe ragt
in die Mündung jederseits ein kleiner Zahn, und links steht meist eine Neben-
pore. Bei einiger Abreibung der Zellen werden die Wärzchen durchbrochen und
erscheinen dann als Poren, wobei der liuienförmige Mittellheil der Zellendecke
besonders deutlich hervortritt. Die beidenZellenschichten sind durch zwei knapp
anliegende poröse Scheidewände von einander getrennt. — Ziemlich selten.
Nach d'Orbigny würde diese Art vielleicht unter Escharifora oder Escha-
rellina gehören.
Eschara (Flastrina) sabo?ata Stol. Taf. II, Fig. 9.
Bildetschmale,seltenästigeStämmchen,an denen die Zellen in alternirenden
Längsreihen stehen. Die Zellen sind durch tiefe Furchen gegen einander be-
grenzt, abgerundet sechsseitig und an der Oberfläche ganz glatt. Fast die ganze
vordere Hälfte der Zelle wird von der dreiseitig abgerundeten Mündung einge-
nommen, an deren Unterlippe sich eine kleine Nebenpore befindet. Der untere
Theil der Zellen ist blasenartig aufgetrieben. Wird die Communication de1'
Mündung mit der Nebenpore hergestellt, so erscheint erstere an ihrer Basis ge-
schlitzt. Bricht die untere Zellendecke durch, so erhält diese Art das Aussehen
der Esch. coscinophora, von der sie sich übrigens durch viel kleinere und im Ver-
hältniss breitere Zellen leicht unterscheiden lässt. — Ziemlich häufig.
Eschara (Porellia) pulchra Stol. Taf. II, Fig. 10.
Sehr zarte, mehr weniger gerundete Stämmchen mit alternirenden Längs-
reihen. Die Zellen sind jede für sich durch einen wulstigen, glatten Randisolirt,
welche Trennung nur an ihrer Basis nicht immer vollständig ist. Die Form der
Zellen ist etwas wechselnd, an der ohern Hälfte sind sie stets abgerundet, an den
unteren manchesmal zugespitzt Die Mündung liegt am vordem Ende und stellt
einen Kreisabschnitt dar, sie ist ganz umrandet, mit einer kleinen Nebenpore
in die Mitte der geraden Unterlippe. Die übrige Zellendecke ist sehr fein porös
88
S t o 1 i c z k a.
Von Esch. coscinophora, an welche diese Art zunächst erinnert, unterschei-
det sie sich durch die liegenden Zellen, namentlich aber durch die Form der
Mündung, welche bei ersterer entweder rund oder etwas in die Länge gezogen,
während sie bei Esch. pulchra immer halbmondförmig ist; ausserdem ist auch
die Zellendecke viel grösser entwickelt. — Nicht häufig.
Eschara (Escharipora Orb.) monilifera M. E d w.
Esch. monilifera M. Edwards 1836. (Ann. d. sc. nat. II. ser. tora. VI. pag. 7, pl. 9, fig. ij;
id. Michel in, Icong. pag. 327, pl. 78, fig. 10; id. Busk, Polyz. pag. 68, Taf. 11,
fig. 1 — 3; Esch. punctata Philippi, Tertiärverst. pag. 38, Taf. I, Fig. 19; id.
Reuss, Polyp, d. Wiener Beck. pag. 69, Taf. 8, Fig. 23 u. a. a. 0.
Unter den vielen Abbildungen dieser Art geben jene von Busk das klarste
Bild über die verschiedenen Alters- und Erhaltungszustände. Ein sehr reiches
Material von nicht weniger als 30 Fundorten, insbesondere des Wiener Beckens,
ausserdem aber von Deutschland, Frankreich, England, Italien und Rhodus
bestätigt vollkommen diese Angaben.
Nicht blos der Erhaltungszustand verändert das Ansehen der Zellen, son-
dern auch ihr Alter. Die am untern Theile der blattartigen Stämme befindlichen
Zellen incrustiren sich und werden oft ganz unkenntlich verschwommen , wie
dies schon Michel in richtig beobachtet hat. Sehr charakteristisch sind die
grossen ovarial oder abnormen Zellen, die sich immer in derselben Form wie-
derholen. Ausgezeichnet sind manche Latdorfer Stücke noch durch eine Neben-
pore unterhalb der geschlitzten Mündung. Auf Rhodus kommt diese Art sehr
häufig vor, mit etwa 90 Procent noch lebenden Conchilien; vielleicht gelingt es
diese Art auch lebend zu beobachten.
In Frankreich zieht sie d'Orbigny in's Falunien, in England kommt sie im
Coralline-CragvonSudbournevor. Im Wiener Becken ist sie überall in dt-r Leitha-
kalkzone zu finden, ebenso auch in Galizien, Ungarn, Steiermark, Siebenbürgen
u. s. w. Aus Deutschland machte sie zuerst Phil i ppi als Esch. punctata von
Freden und Luithorst bekannt. Bei Latdorf kommt sie nicht häufig vor, wie
sie auch Prof. Reuss nur sehr selten in den oberschlesischen Tertiärablagerun-
gen von Miechowitz fand. (Geol. Gesell. III. pag. 164.) Dieselbe Angabe
macht Philippi. Es scheint also, dass diese Art mit der grösseren geographi-
schen Verbreitung auch an Zahl zugenommen hat (eine Erscheinung, die sich
auch bei vielen anderen Arten wiederholt) und damit auch erloschen ist.
Eschara proteus Reuss. (Wiener Sitzgsb. d. k. Akad. Bd. XVIII,
p. 264, Taf. XI, Fig. 109.)
Prof. Reuss beschrieb diese Art von Crefeld. Bei Latdorf nicht häufig.
Eschara Renssi Stol.
Eschara coslata Ileus s (Poly. d. W. Beck. pag. 72, Taf. VIII, Fig. 37 non id. M. Edw.).
Die Latdorfer Exemplare sind meist etwas schlanker als die Wiener. Zu
der 1. c. gegebenen Abbildung ist nur hinzuzufügen, dass sich unter der Mün-
Oligocäne Bryozoeu von Latdorf in Bernburg. $y
düng, jederseits in dorn Winkel der porösen Zellendecke, eine vertiefte Neben-
pore befindet, die fast nie fehlt. — Ziemlich selten. Im Wiener Becken eharak-
terisirt diese Art die Zone der Leithakalkablagerung'en, ebenso in dem ungarisch-
steiermärkischen Becken und in Siebenbürgen. Nach eingesendeten Stücken
kommt sie auch bei Astrupp vor.
d' Orbigny (Pal. franc. cret. pag. 102) hat wohl nur aus Versehen die
Re ussi che Art mit der von M. Ed iva rds (Ann. sc. 1836) für ident erklärt.
Nach seinem System wäre sie zu Por ellina zu stellen.
Eschara coscinophora Reuss. Taf. II, Fig. 11, Taf. III, Fig. 1 — 2
(Polyp, d. W. Beck. p. 67, Taf. 8, Fig. 20).
Eine sehr veränderliche Art, deren Haupttypus Prof. Reuss beschreibt.
Die Äste sind gewöhnlich schmal und ziemlich dünn. Die Zellensind manchesmal
sehr regelmässig, nicht selten aber verbogen und in der Anordnung gestört.
Bald ist nur der obere Theil stark umrandet und aufgerichtet, oder es findet
dies um die ganze Zelle Statt. Der erstere Fall tritt besonders an den mittleren
Zellen der jungen Stämme auf, so dass sich beiderseits ein kleines Bläschen
entwickelt, das durchbrochen der Zelle ein Aussehen der von Esch. polystomella
Rss. (Polyp. Taf. 8, Fig. 20) verleiht, während die Randzellen ganz regel-
mässig entwickelt sind. Nicht selten ist dann der untere Theil der Zelle von
dem früheren ganz oder zum Theil verdeckt.
Je nach der verschiedenen Ausbildung der Zellen ändert sich auch
ihr Aussehen, sobald sie in dieser Form abgerieben wurden. Es durchbricht
nämlich sehr oft der mittlere Theil, welcher die Nebenpore von der Mündung
oder von der siebartigen Bauchdecke trennt, und es wird auf diese Weise
die Communication bald mit dieser, bald mit jener Öffnung hergestellt.
Es scheint dies Veranlassung gegeben zu haben, zur Aufstellung von Eschara di-
plostoma Reuss (Polyp, pag. 71, Taf. VIII, Fig. 34 und Philippi Tertiär-
verst. 1843, pag. 38, Taf. I, Fig. 38). Wol dürfte auch Phlippi's Esch.
imbricata (1. c. pag 68, Taf. I, Fig. 16) von Luithorst hierher gehören. Die
Nebenpore verändert selbst oft ihre Lage von der Mitte gegen den Rand und
wird etwas in die Länge gezogen. Wenn diese Verschiedenheiten nicht oft au
einem und demselben Stamm vorhanden wären, so würde man sich leicht zur
Aufstellung einer eigenen Art veranlasst fühlen.
Sehr häufig bei Latdorf in allen Varietäten und Erhaltungszuständen; viel
•eltener imLeithakalk von Nussdorf bei Wien, Kostel und Steinabrunn in Mähren.
Eschara (Porina) porolosa S toi. Taf. III, Fig. 3.
Bildet massig breite aber ziemlich dicke Stämmchen, an denen die Zellen
durch vertiefte Linien in etwas unregelmässige Querreihen geordnet sind, so dass
der ganze Stamm oft wie gegliedert aussieht. Sehr selten sind auch der Länge
nach die Zellen durch Furchen begrenzt. Die einzelnen Zellen sind blasenförmig,
mit vorstehender runder Mündung, ihre ganze Oberfläche ist mit feinen Poren
90 S t o 1 i c zk a.
durchsäet. Nebenporen an der Mündung treten sehr selten auf und nie an allen
Zellen eines Stammes. Meistens finden sie sich noch an den äussersten Zellen;
ein Beweis von der Haltbarkeit des d'Orbigny'schen Systems, wornach so ein
einziger Stamm zugleich in zwei Familien unterzubringen wäre. Manchmal tritt
auch noch eine grössere Nebenpore an der Zellendecke oder an der Grenze
zweier zusammenstossender Zellen auf.
Bei einem stärker abgeriebenen Stamme verschwinden die Begrenzun-
gen der Zellen ganz, die Mündung wird von einem starken Bing umgeben
und es tritt regelmässig zwischen je vier Zellen eine Nebenpore auf. — Nicht
selten.
Bidiastopora tubnlifera R e u s s.
Eschara tubnlifera Reuss (Polyp, d. W. Beck. pag. 67, Taf. VIII, Fig. 19).
Das einzige bei Latdorf gefundene Exemplar stimmt nicht blos in der
Form des Stämmchens, sondern auch in der Bildung und Vertheilung der einzel-
nen Zellen ganz mit der citirten Abbildung. Die Zellen sind aber porös, während
jene aus dem Leithakalk von Eisenstadt in Ungarn nur nach Zerstörung der ober-
flächlichen Schichte einige Poren zeigen. Es dürfte daher die Porosität der Zel-
len bei dem Latdorfer Exemplar nur ein höherer Zersetzungszustand sein und
kaum ein hinreichendes Merkmal zur Begründung einer neuen Art.
Cellepora globularis Bronn (Reuss, Polyp, d. W. Beck. p. 76.
Taf. 9, Fig. 11 - 14).
Bei Latdorf fand ich einige 1 — 2 Linien im Durchmesser betragende runde
Kugeln, die aber im Zellenbau vollkommen mit den Exemplaren aus dem Wiener
Becken übereinstimmen. Nebenporen und Oberhöhlen sind keine vorhanden.
Diese Art ist in den marinen Ablagerungen des Wiener und des grossen
östlichen Beckens sehr häufig; ferner in jenen der Steiermark, Castelfarquato,
Astrupp, Osnabrück und in Oberschlesien bei Miechowitz.
Orbitnlipora Stol.
Die Zellencolonie bildet einen scheibenförmigen, beider-
seits flachen oder nur wenig vertieften Körper, an dem die
blasigen Zellen beiderseits münden; an der Oberfläche sind
sie ganz unregelmässig vert heilt und erscheinen am Quer-
schnitte in zwei (oder mehr?) in einander greifende Reihen
gesondert, ohne dass sich eigene Scheidewände ausbilden
möchten. Unter einanderanastomosiren die Zellen durch Spros-
sen canä I e.
Offenbar erinnert diese Sippe durch ihre Form sowohl, als durch die Art
der Zelleninündungen auffallend an Orbitulites und dessen nächste Verwandte,
obwohl es keinem Zweifel unterliegen kann, dass wir es hier mit einem echten
Oligocäne Bryozoen von Latdorf in Bernburg. [) [
Bryacephalen ') zu thun haben. Die Annäherung beider Sippen wird nocli durch
die Erscheinung gesteigert, dass die Mündungen der Zellen bei Orlntulipora mit
zunehmender Grösse der Cnlonie allmählich sich verengen oder ganz verkalken.
Und zwar geht diese Verkalkung vom Centrum aus und erstreckt sich auf die
mittleren Zellen in der Regel, wahrend die in der Nähe des Randes stets frei
bleiben. Es entspricht diese Verkalkung der älteren Zellen ganz den nämlichen
Erscheinungen, wie sie an den unteren Theilen der Stämme bei Eschariden,
Homeren u. a. Sippen gewöhnlich auftreten.
Orbitulipora Haidingeri Stol. Taf. III, Fig. 5.
Kleine scheibenförmige Körper von höchstens zwei Linien Durchmesser mit
allmählich gegen die Peripherie zunehmender Dicke. Die Zellen treten mit ihren
schwachen Umrandungen etwas über die Oberfläche hervor; sie sind glatt und durch
feine Furchen von einander getrennt. In der Mitte sind sie viel kleiner und vielseitig
gegen einander abgeplattet. Ihre Mündung ist, wenn vollständig erhalten, quer
elliptisch. Gegen die Peripherie werden die Zellen grösser und mehr in die Länge
gestreckt; sie tragen gewöhnlich unter der Mündung am Bauche eine blasig
aufgetriebene Nebenzelle, die an der Unterlippe durch eine Öffnung mit der
Mutterzelle communicirt. Indessen sind diese abnormen Zellen nicht selten
durchbrochen und zerstört. Von Zwischenporen oder sonstigen Bildungen habe
ich nichts beobachtet.
Ziemlich häufig bei Latdorf.
Retcpora Robetschi Reuss (Polyp, p. 48, Taf. 6, Fig. 35 — 37).
In den marinen Ablagerungen des Wiener Beckens ziemlich verbreitet und
namentlich zu Lapugy in Siebenbürgen und Pforzteich sehr häufig. Professor
Reuss fand sie auch in den oberschlesischen Tertiärablagerungen zu Miechowitz
u. a. 0. (Geolog. Gesellschaft. III. Bd. pag. 166.) — Bei Latdorf nicht selten.
Bezeichnend für diese Art ist die Stellung der Nebenpore knapp unter der
Mündung, wie bei Retep. Beanianu Busk. (Polyz. of Crag. Taf. 17.)
Retepora fasciata Stol. Taf. III, Fig. 4.
Der Stamm besitzt einen eiförmig zugespitzten Querschnitt. Der vordere
Theil erhebt sich nämlich zu einer Kante, wie dies sonst nur bei Idmoneen vor-
kommt. An den abfallenden Seiten befinden sich je zwei Längsreihen alterniren-
der Zellen, von denen jede eine grosse Mundöffnung und darunter eine Neben-
pore trägt. Tritt die Nebenpore durch einen Bruch mit der Mündung in Commu-
nication, so erscheint letztere an ihrer Basis geschlitzt. Ausserdem ist noch eine
zweite Nebenpore an der Zellendecke vorhanden, die immer mehr dem unteren
Aussenrande näher liegt, insofern man nämlich die Kante als Mittellinie
betrachtet. Einige undeutliche Spuren von Nebenporen oder einer Oberhöhle sind
auch über der Mündung wahrzunehmen, wie bei R. notopachys. (Busk, Polyz.
i ') B r o ii ii , Classen u. Ordnungen d. Tlüer. Pul. i!l.
9'^ Stoliczka.
Crag. pag. 76, Taf. XII, Fig. 4) aus dem Coralline-Crag. Englands, mit welcher
unsere Art die meisten Vergleichungspunkte darhietet. Die Rückseite ist im
Verhältnisse viel stärker entwickelt als die Vorderseite, gleichmässig gerundet
und aus vielen concentrischen Lamellen zusammengesetzt, die oft von Radial-
canälen durchbrochen werden. Von der Mündung jeder Zelle läuft auf der Mitte
einer wulstartigen Erhöhung je eine feine Furche, die sich erst ganz an der
Rückseite verzweigt und mit anderen verbindet.
In welcher Weise die Verästelung und Verbindung der einzelnen Zweige
stattfand , kann vorläufig nach dem einzigen bisher bekannten Rruchstück
nicht angegeben werden.
Stichoporiua Stol.
Die kalkigeZellencolonie ist frei, napf- bisscheibenförmig.
Die Zellen haben die gewöhnliche Form einerRlase, münden nur
an der Oberseite und beginnen ihr Wachsthum von einer im
Cent r um liegenden Mutterzelle gleich massig nach allen Rich-
tungen,oh nejedoch ineinzelneRadial-oder concentrischeReihen
geordnet zu sein. An der Unterseite sind die Begrenzungen der
einzelnen Zellen durch Furchen angezeigt; untereinander com-
municiren sie durch Sprossencanäle; während ausserdem ein
zweites Canalsystem sich in denZwischenräumen de r Zellen ver-
zweigt und an beiden Seiten mittelst feinerPoren mündet.
Die Form der ganzen Colonie ist so ziemlich der von Lunulites, Cupularia
u. a. gleich; der Unterschied liegt erstens in der unregelmässigen Anordnung
der Zellen, die sich auch auf der Unterseite kenntlich macht, und zweitens in dem
Mangel von Zwischenzellen.
Viel auffüllender ist die Ähnlichkeit dieser Sippe mit Stichopora Hagenow
(non d'Orbigny), und ich muss bedauern, dass mir keine typischen Exemplare
der letzteren zu Gebote stehen. Es gilt das namentlich von Stichopora clypeata
Hagw. (Broy z. v. Maasstricht pag. 100, Taf. XII, Fig. 14) aus der Maass-
trichter Kreide. Indessen hebt Hagenow daselbst und in Geinitz Grundriss
(pag. 021) das Vorkommen von Spalt- und Nebenzellen, sowie das Wachsthum
nur nach einer Richtung in bestimmten Reihen als besonders charak-
teristisch hervor, und dies bewog mich für die LatdorferVorkommnisse einen eigenen
Namen zu wühlen. Denn von Spaltzellen habe ich bei den mir zahlreich vorlie-
genden Stücken nichts beobachtet, wenn man nicht etwa die Porencanäle dafür
halten wollte ; und das Wachsthum ist entschieden ein ganz abweichendes. Im
Centrum des Stockes liegt nämlich die Mutterzelle, welche sich schon äusserlich
durch eine viel grössere Mundöffnung von den anderen auszeichnet. Auf einem
Querbruche sieht man, dass sie durch Sprossencanäle mit allen umliegenden Zellen
derart zusammenhängt, dass sie gleichsam in mehrere Fächer getheilt zu sein
scheint, dass also von ihr Zellen in allen Richtungen entspringen. Oh auch die weiter
gegen die Peripherie befindlichen Zellen vomCentrum oder wahrscheinlicher von
einer nächstliegenden Zelle entsprossen sind, konnte ich bis jetzt nicht beobachten-
Im ersleren Falle hallen wir dieselbe Wachsthums-Erscheinung wie bei Cupularia,
Oligociiiie ßrinzoen von Latdorf in ßernluirg. 93
und es wäre dann auch die systematische Stellung zunächst dieser Sippe ge-
rechtfertigt. Welchen Zweck das Canalsysteni erfüllt hat, ist allerdings bei
fossilen Formen immer schwer zu entscheiden. Als ein hydrostatischer Apparat
mag es ganz gut gedient haben, um so mehr als man an dem Stock jede Anhef-
tungsfläche vermisst. Ausserdem konnte das Wasser vielleicht auch durch die
mikroskopischen Poren der Zellenwände in das Innere der Zelle gelangen, da ja
die Zellendecke stets als eine organische nicht vom Thier zu trennende Bedeckung
aufzufassen ist.
Von bereils beschriebenen Arten könnte man ausser der erwähnten Slicho-
pora clypeata mit einiger Sicherheit den Lunulüen petaloides d'Orbigny (Pal.
traue, cret. pag. 353, pl. 705, Fig. 6 — 9)aus dem Senonies Frankreichs hieher
ziehen. Die ungewöhnlich grosse Öffnung der Mutterzelle im Centruni ist an der
d'Orbi gn y'schen Art recht gut zu sehen.
Stichoporina Reussi Stol. Taf. III, Fig. 6.
Die Zellen erheben sich blasenförmig über die Oberfläche und erscheinen
bei gewöhnlicher Vergrösserung ganz glatt, nur eine ansehnliche Vergrösserung
lässt sehr feine Poren an der Zellendecke wahrnehmen. Sie sind meist von un-
gleicher Grösse und unregelmässig polyedrisch gegen einander abgegrenzt; die
Mündungen sind in der Regel vollständig rund ohne alle Ausschnitte; auch be-
merkte ich niemals Oberhöhlen oder sonstige abnorme Zellbildungen. Sehr
beständig finden sich am Gipfel um die grosse Mundöffnung der Mutterzelle herum
mehrere Zellen, die in ihrer Form vollkommen mit den anderen der Colonie über-
einstimmen. Ihre Zahl ist bei kleinen Stöcken gering (4 — d) und wächst mit dem
Alter. Sie hängen mit den unter ihnen liegenden Zellen durch Sprossencanäle
zusammen, und scheinen diesen in einem bestimmten Altersstadium entsprossen
sein. Eigene morphologische Functionen könnte man ihnen schwerlich zuschreiben,
wohl aber dürften sie die physiologischen Verrichtungen der alten Zellen in der
Folge übernehmen. An dem Rande der Colonie sind die Zellen etwas gestreckt
und es tritt abwechselnd je eine etwas vor, wodurch die Peripherie ausgezackt
erscheint. Die Porencanäle münden überall an der Ober- und Unterseite in den
Ecken, wo drei oder mehrere Zellen zusammenstossen.
Bei Latdorf ist diese Art ziemlich häufig vertreten.
Lunuiites sabplana Reuss. (Wien. Sitzgsb. d. k. A. Bd. XVIII,
p. 264, Tat. II, Fig. 109.)
Prof. Reuss beschrieb diese Art zuerst aus dem glaukonitischen Sande
von Westeregeln. Die Latdorfer Exemplare stimmen sonst ganz mit der citirten
Beschreibung überein, sind aber meist breiter und verhältnissmässig weniger
gewölbt. — Ziemlich selten und meist nur in Bruchstücken.
Lunuiites Latdorfensis Stol. Taf. III, Fig. .
Diese Art erlangt einen Durchmesser von 2—4 und eine Höhe von
1- 2 Linien. Die Wölbung der ColonÄ ist eine sanfte, der Wirbel abgestumpft
0^ Stoliczka. Oligocäne Bryozoen von Latdorf in Bernburg.
und merkwürdigerweise bemerkt man an demselben stets eineAnheftungsfläche, in
der Regel irgend ein kleines Schalenfragment, während sonst Spuren einer
Anheftungsstelle gewöhnlich an der Unterseite vorbanden sind. Letztere ist
schwach vertieft oder eben und mit zahlreichen Radialfurchen versehen, die sich
gegen den Rand verästeln und unter einander verbinden (Fig. g). Zwischen den
Furchen treten dann an den gewölbten Rippen eine oder zwei Porenreihen auf, die
in's Innere derColonie hineinführen. Die Zellen sind bei vollständiger Erhaltung
(Fig. b und c) sechsseitig, mit abwechselnd gleichen Seiten, wobei jene die grös-
seren sind, mit welchen die Zelle an die ihr gleichen Zellen anstosst, jene an die
Spaltzellen angrenzenden dagegen kleiner. Die Zellendecke ist glatt,in der Mitte
herum vertieft, um den Mundrand aber ziemlich ansehnlich erhoben. Die Mündung
selbst ist länglich vierseitig, vorn durch zwei eingreifende Zähne verengt. Das-
selbe ist der Fall bei den viel kleineren Spaltzellen.
Wohl darf man sich nicht beirren lassen von dem Aussehen der Oberfläche,
wenn die Zellendecken abgelöst sind, was nicht selten vorkommt (Fig. rfunde).Da
erscheint die Mündung rund und der Rand mit allerlei Höcker versehen, während
die Spaltzellen sehr seicht geworden oder ganz ausgebrochen sind. Die Beschrei-
bung solcher Exemplare passt immer nur auf das betreffende Stück und lässt die
Art in den seltensten Fällen wieder erkennen. Bezüglich der Form der Zellen ist
zu bemerken, dass sie vom Centrum *) mit einem feinen Canal entspringen, der
in einem Bogen nach aufwärts steigt und in der Nähe der Oberfläche sich becher-
artig erweitert. Diese Erweiterung ist als die eigentliche Wohnzelle des Thieres
anzusehen und es kommen die Sprossencanäle nur an ihr vor.
Zerbricht man eine Colonie nach ihrem Durchmesser, so sieht man in den
Zwischenwänden die zuerst von Prof. Reuss beobachteten horizontalen 3)
Streifen und zwar in einer solchen Stärke, dass dagegen die senkrechten ganz
verschwinden (Fig. /"). Es ist schwer zu entscheiden, ob diese starke Radialstrei-
fung, die oft mannigfache Windungen zeigt, nur dem successiven Anwachsen
zuzuschreiben ist. Sie scheint mir vielmehr der Ausdruck eines complicirten
Canalsystems zu sein, welches sich im ganzen unteren Theil des Lunuliten
vielfach verzweigt. Fortgesetzte Untersuchungen, namentlich bei Lebenden
werden uns hoffentlich bald einen näheren Aufschluss ertheilen.
1) Bei eingeschalteten Reihen wird natürlich die betreffende Mutterzelle als Oenlium
angesehen.
2) In Bezug auf den Mittelpunkt der ganzen Colonie radiale Streifung.
Stolie/.ka. Oligocsene Jh-yozioen von Latflorf.
#-' # ggf.
Tat I .
• PktJm
Strofrmayer n. (LlT&t.gea.tr.lTtJL'.
i*>y. / Piwtulepora atiemuxta S'fot .
„ ?. Pn.rtulo/iorri (Clausa ) retifern JYo/.
„ 3 Hörnern poroJnt . Wo?.
1, 4. Hörnern .>ii/>aii//ii7tifn Pfui .
„ :. Fttürparsa tenella Mol.
K:lc (Lkil f.u.Sta ■-
Fi ,,.(.\ rdmoruM. &ieieli Mol.
„ /. tdmonea f/oi ■nr.tr .SYol,
/, 8, Pa nofttttir/PM rinhit/ti/if< .S'tof.
,, .0. Jtster'opora. ■<•/'/// i/i'x Stol,
„ /O. CHarin Bei/r/r//i' Stoli
.Silsinnisb.d.k.Akad.d.W. math.na1unv.Cl .XLV! B(1.L.AI)Hl.I«%2.
SfoTiczka. Oltrfocsene Bryo&oer von Latdorf
TalMI.
dm "S.4
•tv' &*S
u .A
mm *
m*w* ',«■ # ]
[Laven
/'/>/./ Lepraliu (frotrüvni Stol.
'-!. Lepralia prr/iiiif« /r.v ,\'tt'f.
3. Lepralüi truusrvpora Stol.
'/ Membranipora anhaltüia Stol
„ S. Alofelarta Bwrki Stol
h'irl<> l:\i-rluirri '"«'■/ /.<<///>' Stol
„ ; l:\rlitu-ii orinitt.v.iiiiiii Stol.
g. /;'.,■(■//'//" crenatula ■<*»/
., S. 7'7xr/iririi j-uhovcUa Stol-,
„ /0 l'.rrliiira puichra 'Stol.
/■'«///. Eschara coscinophoraReuss:
Sit7ainösb.(Lk.Akad.a..¥.matk.n*turw.Cl.XLV. Bd.IAbtK.1862.
Slolic7,kn. Oligoesene Bryoz.oen v«ji Latdorf.
Taf.lU.
i*4 ü*
% ■■■•■=Srf »ix^Ä
FiaJ-2. Escharo coscinopliora P-r.<: FigJ. Orhitulipora Haitlingerv <fte£.
3. EscJiara pornlosa Xtot. « <>' SMchoporina Nfii.f.n Stob.
'i. Retepora fusciata .Sfol. ■■ >■ Ztmulites Latdarfen*is Stolz.
Siu,ii.«s-l..(ll<AkH<l..l.\Y.H.atli n.-iiii,« -.t'l.XLV. Bd.I.Abfli.1862.
95
III. SITZUNG VOM 16. JÄNNER 1862.
Herr Dr. Daubrawa, Apotheker in Mährisch-Neustadt, über-
sendet eine Mittheilung, betitelt: „Zur Conservirung organischer
Substanzen".
Herr Director Fenzl überreicht eine Abhandlung: „Über Aus-
gaben und Handschriften der medicinisch-naturhistorischen Werke
der heiligen Hildegard", von Herrn Dr. C. Jessen in Eldena bei
Greifswald.
Herr Prof. Z eng er zeigt und erklärt ein nach seiner Angabe
construirtes Universal-Rheometer.
Herr Med. Dr. Gustav Wertheim übergibt eine Abhandlung
„Über eine am zusammengesetzten Mikroskope angebrachte Vor-
richtung zum Zwecke der Messung in der Tieferichtung und eine
hierauf gegründete neue Methode der Krystallbestimmung".
Prof. Schrötter berichtet über die neuesten Fortschritte in der
Photographie, welche durch die Herren Bertsch und Negre in
Paris gemacht wurden, und legt die ihm von Herrn Sectionsrath
R. v. Schwarz zu diesem Behufe übergebenen Apparate und Photo-
graphien vor.
An Druckschriften wurden vorgelegt :
Akademie der Wissenschaften, königl. bayer., zu München,
Sitzungsberichte, 1861. I. Heft V. München, 1861; So-
Ann alen der Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Friedr.
Wohl er, J. Liebig u. Herrn. Kopp. N. R. Band XLIV. Heft
2 & 3; I. Supplementband, 3. Heft. Leipzig & Heidelberg,
1861; 8°-
Annales des mines, 5e Serie, Tome XX, 4e Livraison de 1861 .
Paris, 1861; 8»-
Argelan der, F. W. Aug., Atlas des nördlichen gestirnten Himmels
für den Anfang des Jahres 185S, entworfen auf der königl.
Sternwarte zu Bonn. 5., 6. & 7. Lieferung (12 Tafeln). Bonn,
1861; gr. Fol.
Astronomische Nachrichten, Nr. 1344. Altona, 1862; 4°
96
B ibl iotheque Universelle de Geneve, Arcliives des sciences phy-
siques et nalurelles. Nouvelle Periode, Tome XII", No. 47.
Geneve, 1861; 8°-
Cosmos, XIe Annee, 2üe Volume, 2e Livraison. Paris, 1862; So-
Gesellschaft, naturforsehende, zu Emden, 46. Jahresbericht.
1860. Emden, 1861; 8°- — Kleine Schriften. VIII. Mit 2Tafeln.
Emden, 1861; 4°-
— allgemeine Schweizerische, für die gesammten Naturwissen-
schaften. Neue Denkschriften, XVIII. Band. Mit 62 Tafeln.
Zürich, 1861; 4°-
— der Wissenschaften, Königl. Dänische, zu Kopenhagen. Over-
sigt over Forhandlinger i Aaret 1860. Kjöbenhavn : 8°- ■ —
Quaestiones, quae in anno 1861 proponuntur. 8°
Grunert, Joh., Aug., Archiv der Mathematik und Physik. X*XXVII.
Theil, 2. Heft. Greifswald, 1861 ; 8°-
Institution, The Royal, of Great Britain. Notices of the Procee-
dings at the Meetings of the Members. Part XI. 1860 — 1861.
London, 1861 ; 8°- — A List of the Members, Officers etc. for
the year 1860. London, 1861; So-
Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer, von G. F.
Walz und F. L. Winckler. Band XVI. Heft 5. Heidelberg,
1861; So-
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung, XII. Jahrg. Nr. 2. Wien,
1862; kl. 4o-
Lotus. Zeitschrift für Naturwissenschaften. XI. Jahrgang. November
1861. Prag, 1861; So-
Marburg, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften von No-
vember 1860 bis Juli 1861. Marburg. 4°- & 8°-
Society, The Royal Asiatic, of Great Britain and Ireland, Journal.
Vol. XIX. Part 1. London, 1861; 8«- — Report, Prospectus
and Publications of the Oriental Translation Committee. 1861.
London, 8°"
- The Royal Astronomical, Memoirs. Vol. XXIX. 1859 — 1860.
London! 1861; 4o-
The Zoological, of London, Transactions. Vol. IV. Part 7. Sec-
tinii I. London, 1861 ; 4o-
Wedl, C, Atlas der pathologischen Histologie des Auges. IV. Lie-
ferung. Leipzig, 1861; 4°-
Wiener inediciuische Wochenschrift. XII. Jahrgang, Nr. 2. Wien,
1862; 4o-
Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft,
XI. Jahrgang, Nr. 6. Grats, 1862; 4o-
Zeitschrift für Chemie und Pharmacie, von E. Erlenmeyer und
G. Lewinstein, IV. Jahrgang, 1861. Heft 20 & 21. Erlangen,
1861; 8o-
97
Über Ausgaben und Handschriften der medicinisch-natur-
historischen Werke der heiligen Hildegard.
Von Dr. C. Jessen
in Eldena bei Greifswald.
I. Über Anzahl nnd Titel der Schriften.
Über die heilige Hildegard als Begründerin einer deutschen
Arzneimittellehre ist an vielen Orten geredet und von vielen Seiten
mit und ohne Sachkenntniss abgeurtheilt worden. Aber für eine
kritische Bearbeitung der einschlagenden Schriften, ja auch nur für
eine sichere Ermittlung, was davon erhalten, was verloren ist, sind
meines Wissens bisher weder von Seiten der Mediciner noch der
Sprachforscher erhebliche Schritte geschehen, so wichtig auch für
die deutsche Sprache wie für die Geschichte deutscher Medicin und
Naturkunde diese Werke sind, und Beuss ist fast der einzige, der
sich anhaltend damit beschäftigt hat. Doch auch er ist sowohl in
seiner früheren schätzbaren Schrift: „De libris physicis Hildegardis,
Wirceburgi 1835", als auch in seinen späteren Arbeiten leichter
über diese Fragen hingegangen und hat sich wesentlich an die
Angaben gehalten, welche Fahricius (Bibl. lat. med. aet. Vol. III.)
gemacht hat. Es dürfte daher nicht überflüssig erscheinen, wenn ich
auf diese Vernachlässigung aufmerksam mache und zugleich mit-
theile, was ich, gestützt auf drei bisher unbeachtete Hand-
schriften, zur Aufklärung der Sache beitragen kann.
Gedruckt ist bekanntlich ein medicinisch-naturgeschichtliches
Wrerk der Hildegard schon im 16. Jahrhundert unter dem Titel:
Physica S. Hildegardis, Elementorum, fluminum aliquot Ger-
maniae, metallorum leguminum fructuum et lierbarum: arborum
et arbustorum: piscium denique volatilium et animantium terrae
SiUb. d. mathem.-uaturw. Cl. XLV. Bd. I. Abth. 7
QQ |),-. c. J essen. Über Ausgaben und Handschriften
natura* et Operationen IUI libris mirabili experientia posteritati
tradens. Argentorati, J. Schott 1S33. fol. Derselbe Abdruck er-
schien mit neuem Titel 1544 und wird dann oft als neue Ausgabe
bezeichnet. Indess Wenige scheinen Gelegenheit gehabt zu haben,
ihn mit dem früheren zu vergleichen, während sowohl Choulant
(Handbuch für Bücherkunde der älteren Medizin IL Ausgabe, S. 407)
als E. Meyer in Pritzel (Thes. litter. bot. ad Nr. 4459) sich für
die obige Annahme erklären. Diese Ausgaben werde ich mit Ä.
bezeichnen.
Eine neue Redaction desselben Werkes ist vor Kurzem in
Migne Patrologia T. 137 erschienen, unter dem Titel:
Über beatae Hildegardis subtilitatum diversarum naturarum
creaturarum et sie de aliis quam multis bouis. Paris 1857, gr. 8.
Diese — welche ich als P. anführen werde — gibt den Text
einer Pariser Papierhandschrift aus dem XV. Saec. , deren schon
Haller erwähnt, nach einer genauen Abschrift Daremberg's,
nebst Zusätzen aus A. und einigen Noten von Reuss.
Die Pariser Handschrift galt bisher für die einzige uns erhal-
tene, doch mit Unrecht, denn eine viel vorzüglichere Pergament-
handschrift, angeblich des 14., in Wahrheit jedoch, wie später
nachzuweisen, des 13. Jahrhunderts, fand ich an einem Orte, dessen
Schätze man für längst bekannt halten sollte, in der Wolffenbüttler
Bibliothek, als ich im Herbste 1858 eine leider zu kurze Zeit auf
die flüchtige Durchsicht der medicinischen Handschriften des Mit-
telalters zu verwenden Gelegenheit hatte. Für die Pflanzenwerke
Albert des Grossen, die ich besonders dabei im Auge hatte, war
nichts zu finden, aber ich ward hinlänglich für meine Mühe belohnt,
wie durch anderes, so ganz besonders durch die Auffindung des
Codex: Über subtilitatum de herbis (August. 60, 15. 8°.), wie der
Katalog fälschlich den Titel angibt. Es war nicht schwer, darin
eine Handschrift des eben genannten Werkes der Hildegard zu
erkennen. Ich werde sie W. nennen. Ohne hier weiter auf die
grosse Wichtigkeit dieser Handschrift einzugehen, was ich dem
zweiten Abschnitte vorbehalte, erwähne ich nur, dass dieselbe den
folgenden Titel führt:
Über subtilitatum de diversis creaturis.
Wenn man zunächst den Titel des Werkes festzustellen sucht,
so ergibt sich, dass derjenige der Strassburger Ausgabe offenbar
der mediciniscb-naturhistorischen Werke der heiligen Hildegard. QQ
ein Buchhändlertitel ist und als ganz willkürlich verworfen werden
muss. Zwischen den anderen beiden erscheint die Wahl schwer;
ich würde jedoch mit Rücksicht auf die Einfachheit und Kürze,
welche bei der Hildegardis im Allgemeinen vorwaltet, den letz-
teren vorziehen, wenn nicht Reuss (Migne, 1. c. pag. 1123) für
den Titel von P. eine Parallelstelle aus Hildegard's Liber vitae
meritorum in dem Wiesbadener Codex anführte, in dem jedoch der
Schluss „et sie de aliis quam multis bonis" und gewiss mit Recht
fehlt, denn dieser hat ganz die Form eines späteren Zusatzes.
Dann ist der Nachweis noch zu führen, dass überhaupt das
vorliegende Werk eine Schrift der Hildegard ist. Reuss hat die
inneren Gründe, welche dafür sprechen, hervorgehoben, ist aber
auf die literar-geschichtlichen Nachweise nicht eingegangen. Ich
beschränke mich auf die letzteren, da sie mir ausreichend erscheinen,
wenn man die Sache genau ins Auge fasst. Doch kann ich nicht
unbemerkt lassen, dass der öfter geinachte Einwurf, als sei es unan-
ständig für eine Nonne, über viele hier erwähnte Krankheiten und
deren Behandlung zu sprechen, eben nur ein Einwurf aus unserer
Zeitanschauung ist, in der gerade heraussagen, was man denkt, fast
in allen Dingen für unschicklich gilt. Nicht blos passt aber der
Satz: „Naturalia non sunt turpia" für jene Zeit im vollsten Umfange,
sondern wer Sinn dafür hat, wird leicht finden, dass die Verfasserin
über solche Dinge mit möglichster Kürze hingeht , wenn sie sich
auch gar nicht scheut, alles das zum Verständniss Nöthige gerade
heraus zu benennen. Auch darf man nicht vergessen, dass sie nahe
an 60 Jahre alt war, als sie diese Schrift verfasste, wie sich sogleich
ergeben wird.
Hildegard hat zwischen 1151 und 1159 im 53. — 61. Le-
bensjahre ein „Liber simplicis medicinae" und ein „Liber com-
positae medicinae" geschrieben. Das ergibt sich aus den Actis in-
quisitionis de miraculis, aufgenommen nach den Aussagen von Augen-
zeugen in ihrem Kloster auf dem Ruprechtsberge bei Bingen. Frei-
lich wird an einer Stelle dieser Protokolle (Acta Sanctor. Sept., V.
pag. 699, §. 9) nur das erste Buch genannt, es kann aber kein
Bedenken haben mit denBollandiste n aus der zweiten Aufzählung
(pag. 670, §. 11), wo beide neben einander stehen, zu folgern, dass
das zweite an jener früheren Stelle beim Abschreiben vergessen
sei. Alle späteren Schriftsteller führen beide Werke auf, aber ich
7*
1 OU Dr. C.Jessen. Über Ausgaben und Handschriften
finde nur Einen der etwas Näheres über sie angibt. Matthaeus
Westmonasteriensis, der zu Ende des 13. Jahrhunderts
schrieb, sagt nämlich (Acta Sanct. 1. c, pag. 673, §. 189): Hilde-
gard habe geschrieben .... atque librum simplicis medicinae
secundum creationem, octo libros continentem, librumque compo-
sitae medicinae de aegritudinum causis, signis et curis ... Tri-
themius nennt zwar beide Werke, führt aber die Anfangsworte
nicht an, hat sie also nicht gesehen. Seit dem scheinen sie ver-
schollen bis auf jene ältere Ausgabe, so dass es überflüssig sein
dürfte, die späteren Vermuthungen anzuführen.
Vergleicht man die Angaben des Matthäus mit den vorlie-
genden Drucken, so ergibt sich, dass von dem Inhalte des „Liber
compositae medicinae", d. h. von Pathologie und Semiotik, in dem
gedruckten Werke keine Spur vorbanden. Die Annahme von Reuss
und anderen neueren Schriftstellern, als enthalte dasselbe sowohl
den „Liber simplicis" als den „compositae medicinae", muss man
daher durchaus fallen lassen. Dagegen passt „Liber simplicis medi-
cinae" sowohl dem Titel als der beigefügten Notiz „secundum crea-
tionem" nach genau auf dasselbe. Denn es enthält, was im Mittel-
alter Simplicia hiess, d. h. den Arzneischatz, und es beginnt mit den
Worten: „In creatione hominis de terra", worauf Matthäus
sich füglich bezogen haben kann. Doch lässt sich auch nachweisen,
dass jenes „secundum creationem" auf die Anordnung des Werkes
unter gewissen Umständen gepasst haben kann, worüber gleich das
Nähere. Mit der Eintheilung in 8 Bücher stimmen aber die Ausgaben
nicht. Ich werde daher nachweisen, dass die Handschriften und das
Original wirklich in 8 Bücher abgetheilt gewesen sind.
Zunächst gebe ich die Eintheilung der Ausgaben:
1. A.
Eine Vorrede: In creatione hominis . . . eröffnet das Werk,
dann folgt:
Lib. I. continens elementorum, fluminum aliquot Germaniae metal-
lorumque naturas et effectus. — 22 cap.
„ II. de natura et eifectibus leguminum, fructuum et herbarum.
— 181 cap.
„ III. de natura et effectibus arborum, arbustorum et fruclicum
fructuumque eorundem. — 53 cap.
der medicioisch-naturhistorischen Werke der heiligen Hildegard. 101
Lib. IV. de natura et effectibus piscium, volatilium et animantium
terrae.
Pars 1. Piscium discretio et natura. — 25 cap.
„ 2. Volatilium natura et varietas. — 54 cap.
„ 3. Animalium terrae ad hominum comparatio. —
44 cap.
Es sind somit im Ganzen 6 Abteilungen, welche in 4 Bücher
gebracht sind mit zusammen 379 Capiteln. Die vier letzten Abthei-
lungen haben jede ihre Einleitung, die ersten beiden Bücher jedoch
nicht.
2. P. dagegen hat 9 Abteilungen und zählt diese als lib. 1 — 9.
Die Handschriften aber, sowohl die Pariser, welche P. zu Grunde
liegt, als die Wolffenbüttler, zählen die zweite Abtheilung nicht mit
und kommen also nur auf 8 Bücher. Im Übrigen stimmen die Titel
überein. Ich stelle die Zahlen der Handschriften voran :
Codd. P.
Lib. I. Lib. I. de plantis. — 230 cap. Cod. P. 228 cap.
„ — „IL de elementis. — 14 cap.
IL „ III. de arboribus. — 63 „ Cod. P. 60 cap.
„ III. „ IV. de lapidibus. — 26 „
„ IV. „ V. de piscibus. — 36 „
V. „ VI. de avibus. — 72 cap. Cod. P. 71 cap.
„ VI. „ VII. de animalibus. — 45 cap.
„ VII. „ VIII. de (vermibus).— 18 „
„ VIII. „ IX. de metallis. — 8 cap.
Hier hat jedes Buch, mit Ausnahme des sogenannten zweiten,
seine Einleitung. Was in A. die Vorrede bildet, ist hier Einleitung
zum ersten Buche. Schon das Fehlen einer Einleitung in Hand-
schriften und Ausgaben zeigt, dass das sogenannte zweite Buch in
der That nicht den andern Büchern gleichzustellen ist und dies
wird durch die übereinstimmende Zählung der Handschriften bestä-
tiget.
Buch 7 (8) hat in der Ausgabe keinen Titel, den angeführten
supplire ich aus W. Die Gesammtzahl der Capitel beträgt nach
Cod. P. 506, wozu noch aus A., wie oben bemerkt, in verschiedenen
Büchern 6 aufgenommen sind. W. schliesst sich in Allem genau an
P. an, es hat hie und da ein Capitel mehr, besonders im 1. Buche,
102 Dr. C. Jessen. Über Ausgaben und Handschriften
dagegen fehlen andere. Die Zahl der Capitel ist übrigens weder für
P. noch für W. genau festzustellen, da dasselbe Capitel bisweilen
doppelt vorkommt, einmal unter dem deutschen, ein andermal unter
dem lateinischen Namen.
Das sogenannte zweite Buch wird durch Mangel der Beziffe-
rung wie der Einleitung aus der Beihe der Bücher ausgeschieden.
W. führt es, wie P., zwischen den Pflanzen und den Bäumen auf,
benennt es „Liber de fluminibus" und bezeichnet das Capitel „de
aere" als Einleitung. Dass beides nicht richtig sein kann, ergibt
sich auf den ersten Blick, wenn auch 6 Flüsse neben Luft, Wasser
und 4 Erdarten beschrieben werden. Doch eben so bedenklich
scheint mir der Titel „de elementis", denn es findet sich fast nir-
gends eine Spur, dass Hildegar dis von Elementen etwas
gewusst oder den Ausdruck angewandt hat, so weit nämlich meine
geringe Kenntniss der Schriftstellerin geht.
Ob nun dieses sogenannte zweite Buch wirklich dahin gehört
wo es steht, oder anderswohin, ist nicht leicht zu entscheiden. Es
scheinen überhaupt viele Willkürlichkeiten in der Anordnung wenig-
stens der Capitel zu herrschen, denn nicht blos entspricht weder in
P. noch in W. die Beihenfolge der Capitel dem, jedem Buche vor-
stehenden Begister, sondern es kommt, wie erwähnt, derselbe Text
an verschiedenen, oft weit auseinander stehenden Orten vor. In der
Anordnung der Capitel aber ist mir nicht gelungen, einen bestimmten
Plan zu entdecken, ganz abgesehen von A., wo die Stellung der
Capitel eben so willkürlich, wie Titel und Abtheilungen, behandelt ist.
Betrachtet man die Ordnung der Bücher in P. und W. , so
findet man, dass allerdings die meisten, wie Matthäus sagt, „secun-
dum creationem" auf einander folgen. 1. Kräuter, 2. Bäume,
4. Fische, 5. Vögel, 6. Thiere der Erde werden in derselben Beihen-
folge aufgeführt, wie die Schöpfungsgeschichte sie namhaft macht.
Die Stellung von 3. Steine, 7. Würmer, 8. Metalle, erklärt sich
aber nicht unmittelbar aus der Schöpfungsgeschichte. Nimmt mau
aber die Worte der Hildegard in den Einleitungen dieser Bücher
zu Hilfe, so lässt ihre Stellung sich recht wohl mit jenem Principe
vereinen. Die Steine, d. h. bei Hildegard die Edelsteine, ent-
stehen durch die Hitze der Sonne unter den Tropen aus dem Wasser.
Sie können also nicht vor der Sonne, folglich noch weniger vor den
Pflanzen auf die Erde gekommen sein. Unter Würmer versteht die
der inedicinisch-ualurhist oiischen Werke der heiligen Hildesard. 103
Verfasserin giftiges Gewürm : „vermi venenosi et mortiferi" und das,
sagt sie, ist erst nach dem Sündenfalle auf die Welt gekommen '
müsste also zu allerletzt stehen. Wesshalb nun aber die Metalle noch
hinter den Würmern Platz gefunden haben , lässt sich nur ver-
mutben.
In der Vorrede führt Hildegardis die Entstehung der Metalle
auf den Anfang der Schöpfung und die Mischung des Wassers mit
dem Festen zurück. Der letzte Satz der Vorrede scheint aber eine
Art Entschuldigung oder Motivirung der Stellung dieses Buches zu
enthalten. Er lautet: „Et ut spiritus Domini aquas primo inundare
fecit" (wodurch die Metalle entstanden) „ita etiam et *) hominem
vivificavit 3) atque herbis et arboribus et lapidibusviriditatem dedit".
Darnach soll, wie es scheint, dies Buch in der Ordnung nicht den
anderen Büchern nachfolgen, sondern auf gleicher Stufe mit dem
ersten Buche stehen, an das die zwischenliegenden sich unmittelbar
angeschlossen haben.
Es bleibt nun noch das sogenannte zweite Buch, welches Luft,
Wasser, Meer, Flüsse und Bäche, so wie verschiedene Erdarten
bespricht. Alle diese Dinge erwähnt die Schöpfungsgeschichte
nicht. Sie müssen bei Hildegard vor dem 3. (4.) Buche „de lapi-
dibus" Platz finden, weil bei der Entstehung der Steine die Flüsse
schon eine Bolle spielen. Sieht man nun, wie sie alle Pflanzen nur
als Erzeugniss der Erde betrachtet und direct als Schweiss , Saft
und Blut derselben ansieht, so liegt die Annahme gar nicht ferne,
sie habe auch Flüsse und einige Erdarten sammt Wasser und Luft
den Erzeugnissen der Erde beigezählt und sie in's erste Buch gestellt,
wie sie auch Salz und andere den Pflanzen nicht angehörende Dinge
dorthin bringt. Auf andere WTeise, scheint mir, lässt sich die Stel-
lung dieser Capitel zwischen Kräutern und Bäumen durchaus nicht
begreifen, und doch ist sie in beiden Handschriften dieselbe. Dabei
will ich jedoch nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen,
dass am Ende des Buches „de arboribus" einCapife!59, „desymera" s)
i) W., etiam P.
2) W., vivificat P.
3) W. — sysemera P. ist gewiss falsch, da unter diesem Namen eine Pflanze vorkommt.
Ob „symer" das Stammwort für unser eigentlich doch sinnloses Altweiher-S omm er
sein und mit „seiger" zusammenhängen kann, darüber finde ich hei meinen geringen
Hilfsmitteln nichts. Es bezeichnet dasselbe und 11 i I d ega rd erklärt es durch „aer
seyger est".
J04 Dr. C.Jessen. Über Ausgaben und Handschriften
steht, welches (wie auch Reuss bemerkt) nichts anderes ist als
eine Wiederholung des zweiten Theiles des Capitels „de aere". Es
steht zwischen einem Capitel 58 „de unguento Hilarii" und einem
60 „contra scrophulas". Ausserdem gehört ein Theil von dem vor-
hergehenden Capitel 55 in die Vorrede des Buches „de arboribus«
nach W., und es wäre nicht unmöglich, dass auch die Capitel 56 und
57 ihres allgemeinen Inhaltes wegen eben dahin gehörten, wenn
auch nie mehr als eine Vermuthung darüber vorgebracht werden
kann. Dass eine Versetzung einzelner Theile von dem Ende des
ersten und Anfang des zweiten Buches hierher an das Ende des
zweiten stattgefunden hat, kann keinesfalls zweifelhaft sein ; wie weit
sie gegangen ist, lässt sich nach den vorliegenden Handschriften
freilich nicht mehr erkennen.
Aus allem Gesagten meine ich mit ziemlicher Sicherheit den
Schluss ziehen zu dürfen, dass das besprochene Werk in der That
der in acht Theile gebrachte „Liber simplicis raedicinae S. Hilde-
gardis" sei. — Jetzt wende ich mich zu ihrem zweiten medicinischen
Werke „Liber compositae medicinae", von welchem seit Matthaeus
Westmonasteriensis Niemand etwas zu wissen scheint. Trithe-
mius, der ihm wie dem vorigen „Hb. 1" zuschreibt, ohne den
Anfang zu nennen, hat es offenbar nicht vor Augen gehabt. Reuss
wirft es, wie erwähnt, fälschlich mit dem vorigen zusammen. Unter
diesen Umständen Avar es mir von hohem Interesse im Herbste 1859
bei einer Durchsicht der medicinischen Handschriften der könig-
lichen Bibliothek zu Kopenhagen einen Codex zu finden, welcher den
Titel trug : Hildegardis curae et causae, und dessen Inhalt wesent-
lich medicinischer Natur war. Leider ist ein Blatt meiner Notizen,
welches bibliographische Nachrichten über denselben enthielt, ver-
legt oder verloren. Ich kann daher vor der Hand nur Folgendes
darüber mittheilen. Die Handschrift führt das Bibliothekzeichen
„Gamle Kongelig Bibliothek, folio Nr. 90, h«. Die Schrift ist gut
und deutlich, gross, mit wenig Abbreviaturen und dürfte eher dem
13. als dem 14. Jahrhunderte angehören, so weit ich mich erinnere.
Der Anfang wird auch hier von der Schöpfung genommen. Die
Entstehung des Menschen, wie die der Krankheiten wird im ersten
Buche aus dem Fall der Engel Stufe für Stufe abgeleitet oder doch
damit in Verbindung gebracht ; dann aber, und wenn ich mich recht
erinnere schon vom zweiten Buche an, wendet sich der Inhalt ganz
der medicinisch-naturhistorischen Werke der heiligen Hildegard. 1 05
den Krankheiten des Menschen zu und es folgen die „curae" der-
selben. Es scheint somit der Titel „curae et causae" einen Zusatz,
wie aegritudinum hominis zu fordern, einen solchen erinnere ich
mich aber nicht gefunden zu haben und meine Notizen lassen mich
im Stiche. Anfang und Ende so wie Eintheilung und Umfang setze
ich nach meiner raschen Abschrift her:
„Dens ante creationem muncli absque initio fuit et est, et ipse
lux et splehdor fuit et est, et vita fuit. Cum ergo dem mundum
facere voluit, ilhim de nihilo fecit, et in voluntate ipsius materia
mundi erat . . .
Die Überschriften der folgenden Capitel lauten: „De ange-
lorum creatione". „De luciferi casu". „De patemitate" . „De
animae creationeu . . .
Eingetheilt ist die Schrift in 5 Bücher, von denen I. 49 Capitel,
II. 285, III. 37, IV. 64, V. 35 Capitel enthalten. Das letzte Capitel
handelt „De febrium causis" und schliesst: „Febres aut de mala
dormitatione aut de superfluis cibis et potibus oriuntur aut de
tedio et otiositate cum homo non operatur. Expiiciunt prophecie
Ste. Hildegar dis " .
Mit Rücksicht auf die Worte des Matthaeus Westmonaste-
riensis: „librumque compositae medicinae de aegritudinum causis
signis et curis" scheint kaum ein Zweifel übrig zu sein, dass in dieser
Handschrift das zweite, oder eigentlich wohl seiner wahrscheinlichen
Entstehungszeit wie seinem Inhalte nach das erste und wesent-
lichste medicinische Werk der Hildegard aufgefunden
worden ist. Sollte aber Jemand die Folgerung, dass hier ein echtes
Werk der Hildegard vorliegt, für leichtfertig und voreilig halten,
so kann ich freilich für den Augenblick nichts weiter zu ihrer Ver-
theidigung sagen, wohl aber kann ich mich auf Schreibart und Dar-
stellung der Handschrift selbst beziehen. Die Schreibweise der
Hildegard ist eine so eigenthümliche, dass Niemand so leicht sie
verkennen kann, Niemand auch jemals mit nur der mindesten Aus-
sicht auf Erfolg sie nachahmen konnte. Die unbefangene Energie
ihrer Anschauungsweise, die, man möchte sagen, in der möglichst
geringsten Beobachtung grammaticalischer Regeln ihren eben so
eigenthümlichen Ausdruck findet, verräth so durchweg den gött-
lichen Charakter, wenn ich im Geiste der Hildegard so sagen
darf, die gänzliche Unabhängigkeit von menschlichen Rücksichten»
106 Ur- C. Jessen. Über Ausgaben und Handschriften
das reine Schöpfen aus dem tiefen Quell eines erfahrungsreichen
über alle Unsicherheit emporgetragenen inneren Lebens, dass hier
Täuschungen kaum möglich sind. — Dagegen will ich nicht unerwähnt
lassen, dass mir eine Angabe bei Reuss die Möglichkeit zu eröffnen
schien, dass noch andere Handschriften derselben Schrift bekannt
und zugänglich sein könnten. Er sagt nämlich in seiner Schrift: De
libris physicis Hildegardis p. XVI von dem Liber divinorum operum
simplicis hominis: „Curiosa multa continet de mundi totius syste-
mate, de hominis natura, morbis, aeris vicissitudinibus, de siderum
coelique in hominis organismum influxu: quorum specimen dedit
Fabricius in bibliotheca med. et inf. latin. III, 264". Alles dies passt
einigermassen auf den Inhalt der von mir kurz erwähnten Hand-
schrift.
Nachdem ich jedoch durch die Liberalität des Herrn geheimen
Regierungsrathes Dr. Pertz aus der Rerliner Ribliothek die Mansi-
sche Ausgabe des Fabricius habe einsehen können — denn die erste
Ausgabe enthält das Angeführte nicht — ergibt sich, dass dieses
Werk mit dem beschriebenen nur Ähnlichkeit, nicht Gleichheit
besitzt. Es zerfällt nämlich darnach in drei Theile, der 1. mit 100,
der 2. mit 49, der 3. mit 38 Capiteln und in 6 Visionen, von denen
4 auf den 1., die 5. auf den 2., die 6. auf den 3. Theil fallen, was
alles unserem Codex fremd ist. Weniger Gewicht will ich darauf
legen, dass auf die früheren Visionen Bezug genommen wird, denn
das könnte ich bei der geringen Zeit die mir zu Gebote stand, über-
sehen haben, obschon ich so viel möglich nach solchen Angaben
gesucht habe. Indess genügt gewiss das Mitgetheilte, um in dein
Kopenhagener Codex ein sehr beachtenswerthes Überbleibsel der
Schriften der Hildegard erkennen zu lassen.
Wenn Reuss gewiss nicht mit Unrecht von jener Schrift sagt,
sie enlhalle viel Wunderbares, so möchte ich den Inhalt der„Causae
et curae" dahin bestimmen, dass sie sehr Vieles enthalten, was für
die Weltanschauung im Zeitalter der Hildegard von höchstem
Interesse ist; denn man kann wohl die Ansichten und Aussprüche
der gläubigen Nonne ansehen als die allgemeinen Anschauungen
ihrer deutschen Zeitgenossen, ungetrübt durch gelehrte fremde Ein-
flüsse, wenn auch mit den Lehren der Bibel, insonderheit des alten
Testamentes vielfach durchwebt. Wir besitzen aber kein ähn-
liches Werk aus dem ganzen Zeiträume vor Albert dem
der mediciiiisch-naturhistori$ehen Werke der heiligen Hildegard. 107
Grossen und was aus seiner Schule volksthümlich
wurde, das ist schon nicht mehr heimisch, sondern von
aussen hereingebracht.
Die Freunde der Culturgeschichte werden daher eben so sehr
wie die Freunde der Geschichte derMedicin und Naturwissenschaften
wünschen müssen, dieses nicht eben umfangreiche Werk der Ver-
gessenheit entziehen und zum Drucke gebracht zu sehen. Dass
hierzu von Seiten der königlichen Bibliothek in Kopenhagen bereit-
willig die Hand geboten werden würde, dessen habe ich mich dort
versichert und halte mich um so mehr verpflichtet, es hier auszu-
sprechen, als E. Meyer in seiner Geschichte der Botanik (II, siehe
Anm.) bei Gelegenheit der Manuscripte Sperling's, ich weiss
nicht auf wessen Autorität hin, den Ausspruch gethan hat: es dürfe
aus dieser Bibliothek keine Handschrift entfernt werden. Während
meines Aufenthaltes in Kopenhagen habe ich selbst das Unzutreffende
dieser Beschwerde praktisch zu erfahren die erfreulichste Gelegen-
heit gehabt, habe der zuvorkommendsten Förderung von Seite der
Bibliothekare Herrn Etatsrath Hornemann und Herrn Vahl, wie
nicht anders des Oberbibliothekars Herrn Conferenzrath Werl auf
mich zu erfreuen gehabt und aus des Letzteren Munde die bestimmte
Zusicherung erhalten, dass unter den überall üblichen Garantien
eine Versendung von Handschriften auch über das Meer keinen
Schwierigkeiten unterliegen würde.
II. Hildegardis liber siniplicis medicinae.
Ich wende mich jetzt zur speciellen Betrachtung des bekann-
teren gedruckten Werkes, welches sowohl für die Naturwissen-
schaften als auch durch die vielen eingemischten deutschen Worte
für die deutsche Sprachforschung von viel grösserer Bedeutung ist
als das zuletzt besprochene, in welchem mir deutsche Worte bei
meiner flüchtigen Betrachtung kaum vorgekommen sind. Alle frü-
heren Urtheile über dasselbe gründen sich auf die ältere Strass-
burger Ausgabe und sind daher wegen der Incorrectheiten und Will-
kürlichkeiten dieser Ausgabe gänzlich unzuverlässlich. Wer nur
einen Blick auf die neue Pariser Ausgabe wirft, der überzeugt sich
leicht, dass von den deutschen Worten nur die wenigsten, und
auch diese meist verderbt und abgeändert in die Strassburger Aus-
gabe aufgenommen worden sind. Wer aber dann noch Gelegenheit
\ Q8 Dr. C. Jessen. Über Ausgaben und Handschriften
hat, diese neue Ausgabe mit der WolfFenbüttler Handschrift zu ver-
gleichen, der findet, dass dasselbe Verhältniss zwischen dieser und
der Pariser Ausgabe existirt, wie zwischen den beiden jetzt vorlie-
genden Ausgaben. Von einer Benützung der Hildegard für
die kritische Sprachforschung kann keine Rede sein,
ehe nicht ein neuer Text mit vorzüglicher Benützung
derWolffenbüttler Handschrift hergestellt worden ist;
das wird sich aus einer Betrachtung des vorhandenen Apparates klar
herausstellen.
Prüft man zuerst den Text der beiden Ausgaben im Einzelnen
und ohne Rücksicht auf die ganz willkürliche Anordnung der Capitel
und Bücher in der Strassburger Ausgabe, so ergibt sich: 1. dass die
Pariser Handschrift (P.) zwar alle Capitel mit der Strassburger
Ausgabe (J.) gemein hat, obschon auch hier beiderseits einzelne
Auslassungen vorhanden sind, dass jene aber in den Capiteln selten
einen längeren, meist einen ungleich kürzeren, oft auf die Hälfte,
ja auf ein Drittel reducirten Text gibt. Diese Abkürzungen beruhen
meist auf vollständiger Auslassung der letzten Abschnitte des ein-
zelnen Capitels, während das Erhaltene wörtlich übereinstimmt.
2. Dass die Namen der Mittel in P. mit wenig Ausnahmen
deutsch sind, wenn auch im Laufe des Textes oft daneben die latei-
nischen gebraucht werden, während A. fast überall dafür die latei-
nischen substituirt und im Allgem einen nur die unverstandenen oder
unübersetzbaren deutsch wiedergibt.
3. Dass P. eine grosse Menge anderer deutscher Worte meist
neben den lateinischen erhalten hat, welche in A. ausgefallen sind.
Dies konnte um so leichter ohne Störung des Textes geschehen, als die
meisten durch ein „id est" gleichsam in Parenthese eingeführt werden.
4. Dass der Text selbst bei P. zwar im Allgemeinen als besser
und correcter erscheint, dass aber daneben an manchen einzelnen
Stellen sich die bessere Leseart unzweifelhaft in A. erhalten hat und
Aufnahme in den Text verdient hätte.
Es ist daher zu bedauern, dass die Pariser Ausgabe sich ledig-
lich darauf beschränkt, die Handschrift P. abzudrucken und die nur
in A. vorhandenen Abschnitte in Klammern daneben zu stellen. Für
eine brauchbare Ausgabe wäre eine Anführung wenigstens der bes-
seren abweichenden Lesearten aus A., mindestens in den Anmer-
kungen, wenn man sie nicht in den Text aufnehmen wollte, nothwendig
der medicinisch-naturliistorischen Werke der heiligen Hildegard. 1 09
gewesen. Reuss hat sich aber auf Anzeige der Auslassungen und
auf die Deutung der Eigennamen, welche allerdings von grosser
Wichtigkeit ist, beschränkt. Wie es scheint, haben die vielen Will-
kürlichkeiten in der Anordnung ihm die Ausgabe A. allzusehr ver-
dächtigt und ihm den ausführlicheren Text als spätere Zusätze
erscheinen lassen.
Um so wichtiger ist bei so zweifelhafter Sachlage die Auffin-
dung der WolfTenbüttler Handschrift (W). Dieselbe war durch die
Güte des Bibliothekars Herrn Dr. Bethmann eine Zeit lang in
meinen Händen, und ich bin daher im Stande, über sie genauer zu
berichten. Es ist ein Band in nicht allzu grossem Octav, welcher
ausser dem Vor- und Nachblatt zuerst 175, dann nach einer grossen
Lücke noch 24, im Ganzen also 199 Pergamentblätter enthält. Das
Pergament ist nicht von vorzüglicher Beschaffenheit, indess sind der
schlechten Stellen nicht sehr viele. Die meisten Blätter sind etwas
kraus und verworfen und am Rande weit wie wasserfleckig, tragen
auch vielfache Spuren der Benützung. Verlöscht ist indess vielleicht
kein einziges Wort, etwas verblasst sind freilich manche. Die Schrift
ist gut lesbar, mit vielen der gewöhnlichen Abkürzungen, aber klein
und gedrängt in 28 Zeilen auf der Seite. Ihr Alter ist in dem Kata-
log derWolffenbüttler Bibliothek auf das 14. Jahrhundert geschätzt;
diese Zeitangabe dürfte indess an das wirkliche Alter der Hand-
schrift nicht hinanreichen, wenigstens sind die Bedenken, welche
mir, einem Laien in dergleichen Dingen, aufstiegen, durch die fol-
genden Zeilen bestätigt worden , für welche ich, wie für manche
andere wissenschaftliche Unterstützung Herrn Professor Hertz zu
Dank verpflichtet bin : „Nach der neulich bei der ersten Besich-
tigung der WolfTenbüttler Handschrift von Hildegardis Über subtili-
„tatum ausgesprochenen vorläufigen Schätzung ihres Alters habe
„ich die Handschrift sowohl selbst näher angesehen, als unsern
„Collegen Anschütz und Hopf gezeigt. Sowohl meine nähere
„Ansicht als die einstimmige Meinung dieser beiden Herren hat zur
„Bestätigung der damals ausgesprochenen Altersbestimmunggedient.
„Die Handschrift gehört nach unserer übereinstimmenden Meinung
„in die zweite Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts, an
„das übrigens Hildegardis ja beinahe heran reichte". Nur die
Kleinheit der Charaktere erwähnte mein verehrter Freund mündlich
als einer in jener Zeit ungewöhnlichen Erscheinung.
110
Dr. C. Jessen. Über Ausgaben und Handschriften
Es verdiente also diese Handschrift W. schon ihres Alters
wegen als die wichtigste angesehen zu werden, auch wenn ihr Text
nicht, wie es der Fall ist, dem früher bekannten weit vorzuziehen
wäre. Sie enthalt in den einzelnen Capiteln nicht blos alles, was
A. enthält, P. aber auslässt, sondern an zahlreichen Orten mehr als
beide. Dabei sind ihre Zusätze von der interessantesten Art, denn
sie geben oft genug Aufklärungen und Erläuterungen, welche die
anderen Handschriften, wahrscheinlich als nicht nothwendig, bei
Seite Hessen , welche aber für uns von weit mehr Bedeutung sind,
als manches des Erhaltenen. Ausserdem werden die einzelnen
Recepte — deren sich meist mehrere in jedem Capitel finden —
durch rothgeschriebene Überschriften, z. B. : „Contra grint'f, „Con-
tra cordis debilitatem", „Contra raucedinem" von einander geschieden,
ein Umstand, der allein es erklärlich macht, wie auch in den anderen
Handschriften einzelne Capitel mit solchen Überschriften : „De un-
(fuento Hllarü" , „Contra scrophulas" (III. cap., 58 und 60 P.) neben
den anderen, nur simplicia bezeichnenden sich vorfinden können.
Ich halte daher diese, in A. und P. fehlenden, Partialtitel für echt.
Ausserdem aber, und in mancher Beziehung kann man dies wohl als
den wichtigsten Punkt bezeichnen, ist die Zahl der in TT. vorhandenen
deutschen Worte, wie ich schon erwähnte, eine sehr viel grössere und
ihre Schreibweise eine ungleich correctere. Alle diese Vorzüge in's
Licht zu stellen wird es genügen, wenn ich ein einziges kleines
Beispiel, nämlich das folgende, zurVergleichung abdrucken lasse:
W. Lib. I. eap. 74.
Contra surioncs.
Alia minza est, que
magna est, calida magis
est quam frigida. Istacon-
tundatur et ubi suren aut
sneuehen hominem come-
dendo ledunt illuc (!)
circa desuper ponatur et
panno ligetur et morien-
tur, quoniym frigus ejus-
dem majoris mente ali—
quantulum amara est et
ideo praefatos vermiculos
mortificat, qui in carne
hominis nascuntur.
P. Lib. I. cap. 67.
De Myntza majori.
Alia myntza, quae
magna est, calida magis
quam frigida. Ista tun-
datur et ubi suern aut
snebelcza hominem come-
dendo laedunt illud circa
desuper liget et mori-
entur.
A. Lib. IL cap. 42.
De alia menta.
Alia menta quae
magna est, calida existit.
Ista contundatur et ubi
sotim aut snebelza come-
dendo hominem laedunt
circa desuper ponatur et
panno ligetur et mori-
entur.
der medieinisch-naturliistorischen Werke der heiligen Hildegard. 111
Dieses Capitel ist nach A. kaum zu verstehen und wenn man
es auch unter keinen Umständen gerechtfertigt halten kann, dass
G raff sagt „sotim planta est", so wird man doch an alles eher
denken als an das was W. und zum Theil auch P. darbieten, nämlich
dass hier die erste Beobachtung der Krätzmilben im Abendlande
mitgetheilt ist, und dass, Avie mein Freund und College Herr Dr.
Fürstenberg in seiner grossen Monographie dieser Thiere (Leip-
zig 1861) ausführlich nachweist, der Name, mit dem dieselben das
ganze Mittelalter hindurch bezeichnet werden : „siriones", oder wie
es hier heisst „swriones", deutschen Ursprunges von süren abge-
leitet und von Hildegard zuerst in die Schriftsprache eingeführt
ist. Was hier P. unsicher lässt, nämlich dass diese Milben derzeit
schon wirklich als Thiere erkannt worden sind, das erhebt W. durch
den Zusatz „qui in carne hominis nascuntur" zur Gewissheit. Ähn-
liche Beispiele finden sich viele.
Auf Seite 173 der Handschrift W. endet der Text unseres
Werkes. Es folgt dann unmittelbar von derselben Hand auf S. 173
bis 174 6 ein lateinisch-deutsches Glossar der meisten bei Hilde-
gar d vorkommenden Pflanzen-, Stein- und Thiernamen. Nach ein
paar leeren Blättern folgt die erwähnte grosse Lücke im Bande und
dann von Seite 176 — 199 von anderer Hand ein medicinisches
Werk eines Arabisten, welches unvollständig und mir nicht
bekannt ist.
Doch noch einer Handschrift darf ich erwähnen, die, so weit
sie geht, nicht zu vernachlässigen sein dürfte. Unter den Manu-
scripten, welche im Besitze von E. Meyer waren, befand sich ein
deutscher Herbarius, geschrieben 1456, „per manus Wilhelm Gra-
lap Spirensis", welcher unter Nr. 8256 des Auctionskataloges
beschrieben, von Meyer auch in der Geschichte der Botanik III,
523 erwähnt ist. Diese gut geschriebene Papierhandschrift, welche
Herr geheimer Begierungsrath Pertz die Güte gehabt hat, auf
meinen Vorschlag für die königliche Bibliothek zu Berlin anzukaufen,
enthält in deutscher Sprache zuerst die Einleitung zum ersten Buche
der in Bede stehenden Schrift der Hildegard: „Da der Mensch
von Erde geschaffen ward" . . . l): dann eine kurze poetische
l) Ich habe dieselbe fast unverändert in mein jetzt eben bei Brockhaus erscheinendes
Werk: „Botanik in cultnrhistorischer Entwicklung" Seite 124— 126 aufgenommen.
\ \ 2 Dr. C.Jessen. Über Ausgaben und Handschriften
Einleitung und endlich eine Reihe von Capiteln über Arzeneimittel
alphabetisch geordnet. In diesen Capiteln entdeckte ich, als mir
nach Meyer's Tode von Herrn Professor Zaddach die Handschrift
zur Benützung anvertraut wurde , den grössten Theil des ersten
Buches: „De herbis" der Hildegard eingestreut, und zwar, wie
der ganze Herbarius, in deutscher Sprache. Eine Verweisung auf
Hil degard war dabei nirgends zu finden, auch bildeten die betref-
fenden Stellen meist den Schluss der Capitel; nur bei einigen und
zwar solchen, welche offenbar dem Verfasser nicht bekannt waren,
entsprach das ganze Capitel dem der Hildegard. Da ich die Hil-
degard damals durchgearbeitet hatte, um über einige für die spe-
cielle Botanik des Albertus magnus zweifelhafte Pflanzennamen Auf-
schluss zu suchen, nahm ich eine Vergleichung im Einzelnen vor
und fand, dass die Excerpte dem Umfange nach genau mit denen
von P. stimmten und nur selten einen Theil der weiteren Ausfüh-
rungen mit A. gemein hatten. Für die Erkenntniss oder richtigere
Deutung der von Reuss und Meyer noch zweifelhaft oder uner-
klärt gelassenen Pflanzen, so wie über einige weniger passliche
Bestimmungen fand ich dabei eine erspriessliche Ausbeute, insbe-
sondere durch die mit angeführten Synonymen. Auch konnte ich
manches unbegreifliche deutsche Wort durch ein besseres ersetzen.
Aber in Bezug auf die Sprache war der Gewinn nicht so bedeutend,
als man hätte vermuthen sollen. In manchen Fällen war nämlich
offenbar statt des in P. wenn auch verdorben erhaltenen älteren
Ausdruckes ein anderer von neuerem Gepräge eingeführt, so dass
wohl der Sinn, nicht aber das Wort erhalten blieb. Ja wenn ich,
ohne Sprachkenner zu sein, eine Ansicht äussern darf, es schien mir
das ganze Werk — auch wo es nicht der Hildegard entnommen
war — aus älterem Deutsch in eine neue Form, oder richtiger in
neuere Worte mit Beibehaltung der alten Form umgearbeitet zu sein.
Nimmt man zu diesem Apparate noch die Wiesbadener Glossen
der Lingua ignota unserer Hildegard, welche Jakob Grimm in
Haupt's Zeitschrift 6, 321 mitgetheilt hat und welche meist die
Namen des „liber simplicis medicinae" enthalten, so dürfte es mög-
lich sein, mit ziemlicher Sicherheit Hildegard's Sehreibweise der
deutschen Eigennamen, welche in den Ausgaben sehr von einander
abweicht, festzustellen. Auch wird man wahrscheinlich die meisten
von ihr erwähnten Geschöpfe dann ziemlich bestimmt deuten können.
der medicinisch-naturhistorischen Werke der heiligen Hildegard. \ 3
Ein alphabetisches Verzeichniss der Pflanzennamen, bei deren Deu-
tung besonders Gralap's „Herbariiis" gute Dienste geleistet hat,
kann ich zum Abdruck anbieten.
Bei der Feststellung der Bedeutung der einzelnen Namen muss
man, meine ich, auf die Heimath der Hildegard besondere Rück-
sicht nehmen. So z. B. halte ich „sunneioirbele W. , sonwirbel P.
(index), sunnewirbel P„ solsequium A.u, nicht wie R euss will, für
Cichorium Intybus, obschon diese Pflanze oft unter dem Namen
vorkommt, sondern für Valerianella olitoria, welche in der Rhein-
pfalz noch jetzt Sonnenwirbel heisst, und finde die Bestätigung in
W. GL, wo das sonst unverständliche lactucella als Synonym steht.
Leider sind mir wenigstens Sammlungen von Pflanzennamen aus
jener Gegend nicht bekannt und Holl hat in seinem „Wörterbuch
deutscher Pflanzennamen" bekanntlich keine Ortsangaben, üb sich
die eigenthümliche Schreibweise der Hildegard, über welche
.Jakob Grimm in Haupt's Zeitschrift 6, 334 u. f. sich ausspricht,
aus dem niederrheinischen Dialekt vielleicht erklären lässt, muss ich
meinerseits dahin gestellt sein lassen, will jedoch darauf aufmerk-
sam machen, dass in W., also in der besten Handschrift, die Schreib-
weise sich dem Niederdeutschen weit mehr nähert als in P. oder
gar in A. Ein neuer kritischer Abdruck mit Benützung der jetzt vor-
handenen Hilfsmittel ist und bleibt das Haupterforderniss.
Nachschrift.
Seitdem ich vorstehende Abhandlung geschrieben, ist eine neue
Abhandlung von Reuss: „Der heiligen Hildegard subtilitatum etc.
libri novem" in den Annalen des Vereines für Nassauische Alter-
tumskunde, Wiesbaden 1859, Bd. 6, Heft 1, Seite 50 — 106 mir
bekannt geworden. Reuss hat es sich darin besonders zur Aufgabe
gemacht, eine Übersicht über die Ansichten und sachlichen Mitthei-
lungen der Verfasserin zu geben, und zwar vorzugsweise durch
Auszüge und systematische Verzeichnisse der Krankheiten , Mittel
u. s.w., bei welcher Gelegenheit er auch die Synonymik der Pflanzen-
namen unter Benützung von E. Meyers Anmerkungen in der
Geschichte der Botanik III, Seite 524 u. f. verbessert. Ausserdem
hat er aber auch eine Reihe von Stellen citirt, in denen Hildegard
seiner Meinung nach den Plinius, Virgil u. a. classische Schrift-
steller benutzt habe. Diese Angaben haben mich stutzig gemacht,
Sitzb. d. mathem.-naturtv. Cl. XLV. Bd. [. Abth. 8
114 D'*- C. Jessen. Über Ausgaben und Handschriften
denn von einer Benützung des Plinius ist selbst bei Albert dem
Grossen meines Wissens nicht die Rede, wenn auch der gleich-
zeitige Vincent von Beauvais in seiner königlich reichen Biblio-
thek denselben ohne Zweifel besessen hat. Aber dass Hildegard,
die nie aus Deutschland herausgekommen ist, eine Handschrift
gesehen und dass sie eine solche studirt habe, schien mir wenig
wahrscheinlich. Eher könnte man es gelten lassen, wenn Reuss
Seite 59 sagt: „Viele Stellen stimmen mit Constantinus Africanus,
Isidor, Walafrid Strabo, Marbodus, Macer, Regimen scholae Saler-
nitanae überein, auch scheint der Physiologus benützt VI; 2, 37,
45. VII; 1, 3, 5, 10, 12". — Gleichwohl muss ich gestehen, dass
ich auch an eine Belesenheit der Hildegard in all' diesen Schriften
nicht recht glauben kann, mit Ausnahme des Isidor, der ihr ohne
Zweifel entweder im Original oder in des Rabanus Maurus
Bearbeitung bekannt war. Ich lasse indess diese Angaben, welche
ein genaues Studium erfordern würden, gegenwärtig auf sich
beruhen und begnüge mich darauf hinzuweisen, dass mich in Bezug
auf Pli nius und Virgil eine genauere Prüfung der von Reuss
angeführten angeblichen Parallelstellen gerade zu der entgegen-
gesetzten Ansicht geführt hat, nämlich zu der, dass sicherlich Hil-
degard's Unkenntniss dieser Schriften daraus hervorgeht. In
manchen der angegebenen Stellen konnte ich gar nicht oder nicht
mit Sicherheit die Parallele auffinden, in anderen glaube ich den
gemeinten Punkt erkannt zu haben; in allen aber ist die Ähnlich-
keit eine so unbedeutende, oder die berührten Thatsachen sind so
allgemein bekannt, dass man weit eher annehmen muss, Hildegard
würde ganz anders geschrieben liaben, hätte sie in der That die
citirte Stelle gekannt und nicht vielmehr durch Hörensagen oder
abgeleitete Quellen, besonders wohl Isidor, davon einige Nachricht
erhalten.
Zur Bestätigung meiner Meinung lasse ich die meisten von
Reuss citirten Stellen folgen (nur die fünf letzten aus Plinius habe
ich fortgelassen). Parallelstellen aus dem Isidor habe ich hinzuge-
fügt, wo ich solche fand.
der medicinisch-nnturliistorisclien Werke «1er heiligen Hildegard. 1 1 Ö
Virgil. Bucol. 3; 102 und Hildeg. 1; 31. Ich finde nichts Vergleich-
bares.
Ros. Virg. Bucol. 8; IS. Quum ros in tenera pecori gratissima herba.
Hild. 1; 49. Ut ros in aestate ante diem suavis est. — Dieselbe Bemerkung
macht jeder Hirte und Viehzüchter noch heut zu Tage.
Colufoer. Virg. Aen. 2; 471. Nunc positis novus exuviis nitidusque
juventu Lubrica convolvit.
Hild. 8; 2. In illud (foramen petrae) se tarn diu fricat, dum spumas illas
ahjicit et tunc aliquantulum minus asper est ... et . . cutis ejus . . lucida et
hoc idem serpens multum gaudet.
Panthera* Plin. VIII. 17 (23) 62. Odore earum mire sollicitari qua-
dripedes omnes, sed capitis torvitate terreri, quamobrem oecultato eo reliqua
dulcedine invitas conripiunt.
Hildeg. VII. 7. . . anhelitus ejus non est mundus, sed aliquantum vene-
nosus, quamquam interdum bene olere videatur.
Lupus« Plin. VIII. 22 (34) 80. Creditur luporum visus esse noxius,
vocemque homini, quem priores contemplentur adimere ad praesens.
Virgil Buc. 9; 54. Vox quoque Moerin. Jam fugit ipsa: lupi Moerin vi-
dere priores.
Isid. XII. 2, 33 — 24. Alii lupos vocatos ajunt quasi leopos quod quasi
leoni . . . de quo rustici aiunt, vocem hominem perdere si eum lupus prior
videret. . . . Certe si se praevisum senserit, deponit ferocitatis audaciam.
Hildeg. VII. 19. . . . aliquantum de moribus aereorum spirituum et de
moribus leonis habet . . . sed seeundum leonis naturam hominem seit et intel-
ligit et eum a longe odoratur. Et cum lupus hominem primo vidit, aerei spiritus
qui illum comitantur hominem in viribus suis debilitant . . . Sed cum homo
lupum prius videret, Deum in corde suo tenet, et in tentione illa et aereos Spi-
ritus et lupum cum eis fugat.
Mustela. Plin. VIII. 27 (41) 98, (nicht 40) . . . mustela ruta in mu-
rium venatum cum iis dimicatione conserta.
Hildeg. VII. 38 . . . ita quod quandam herbulam novit in qua sanitas
vitae est, ita ut si catulos suos vel aliam mustelam dolere viderit hanc herbulam
quaerit ... et desuper myngit ... et eam Uli mustelae . . . moriturae in os
suum ponit, et ita illa sanxerit.
Ursus. Plin. VIII. 36 (54), 126. Hi (catuli) sunt Candida informisque
caro . . . hanc lambendo paulatim figurant.
Isid. XII. 2, 22 . . . ajunt eos informes generare partus et carnem quan-
dam nasci quam mater lambendo in membra coniponit . . . Sed hoc immaturitas
partus fecit.
Hildeg. VII. 4. . . ursa . . . per impatientiam abortit . . . et . . . illud quod
effundit velut caro est . . . sed tarnen omnia lineamenta formae suae habet. Et
mater hoc videns, inde dolet, et illud lainbit, ac omnia lineamenta illa lingua
sua fundit . . .
Lepus. Plin. VIII. 55 (81), 217. — Hild. VII. 18. Ich finde auch keine
Spur einer Ähnlichkeit.
16 Dr. C.Jessen. Über medicin. Handschriften der heil. Hildegard.
Pisces. Plin.VIIir. 50(74), 157. — Hild.praef. Da in dem citirtenCap. 14
gar nichts Vergleichbares sich findet, vermuthe ich , dass die in 74 gemachte
kurze Angabe über die Fortpflanzung mit der langen, offenbar der Natur ent-
nommenen Schilderung desLeichens bei Hild. in Parallele gestellt wird, aber die
letztere ist völlig unabhängig von Plinius.
Viihnr. Plin. X. 6 (7), 19. Triduo autem ante volare eos ubi cadavera
futura sunt.
Isid. XII. 7, 12. Etiam ultra mare cadavera sentiunt. Altius quippe vo-
lantes multa ... ex alto illi conspiciunt.
Hild. VI. 7. Et inter alias volucres velut propheta est et in tanta altitudine
volat, quanta humor terrae sursum ascendit .... atque cadaveribus pascitur.
Milvus. Plin.X. 11 (13). 29. (Voluerum) aduncos ungues habentia carne
tantum vescuntur ex parte magna (?).
Hild. VI. 21. Aves, qui(!) unguibus „Kryment" ad comedendum, homini
contrariae sunt (?).
Cornices. Plin. X. 12 (14), 30. Ipse ales est inauspicatae garrulitatis.
Isid. XII. 7, 45. Graculus a garrulitate nuncupatus . . . Est autem loqua-
cissimum genus et vocis importunum.
Hild. VI. 24. „Krewa et Kraha" . . . voces hominis imitantur.
Aves. Plin. X. (24). — Hild. VI. praef. Ohne Zweifel ein Druckfehler
aber in der ganzen kurzen Vorrede wüsste ich nichts was auch nur im Plin.
vorkommen könnte als die Worte: volatilia in aere pennis suis attolluntur et
ubique in aere versantur.
Simea. Plin. XI. 44 (100), 246. Nam simiarum genera perfectam homi-
nis imitationem continent.. . .
Hild. VII. Et quia hominem aliquantum assimilatur hominem semper
aspicit, ut faciat secundum (um nachzumachen) quod l'acit.
Scammonium. Plin. XXV. 5 (22). (Melampodio nigro) . . . miscuere
aliqui et scammonium sed tutius salem.
Hild. I. 214. Cum medici potiones . . . accelerare et veloces facere volunt
scampinam Ulis addunt.
Centaurium. Plin. XXV. 6 (30) 67. Vis in vulneribus tanta est ut
cohaerescere etiam carnes tradatur, si coquantur simul.
Hild. I. 125 (nicht 135, wo von der „berwurtz" die Rede ist). Cui os et
„bein" in corpore suo fractum est centauream . . . aut vino aut aqua mixtum
saepe bibat et os fractum simul conglutinatur.
Macer 52; vers. 1715. Non modicum piagas conglutinat inde recentes.
Icterus. Plin. XXX, 11 (28) 94. Avis icterus vocatur a colore, quae si
spectetur, sanari id malum tradunt et avem mori.
Hild. VI. 62. Widderoslo. Et homo qui „gelsucht" habet aviculam istam
mortuam . . . super stomachum suum liget et gelsucht in ipsam transibit et ille
sanabitur.
Sal. Plin. XXXI. 9 (45) 98. Salis natura est per se ignea . . . siccans, . . .
stomacho tantum inutilis praeterquam ad excitandam aviditatem.
Hild. I. 182. Sal valde calidum est et aliquantulura humidus, .... Sed si
quis homo. . . .(ciburn) moderate temperatum cum sale comedit, eum confortat
et sanat.
117
IV. SITZUNG VOM 30. JANNER 1862.
Herr Prof. Dr. Fr. Rochleder sendet eine Mittheilung „über
Gentianin", von Herrn Prof. Dr. H. Ludwig in Jena.
Herr Prof. V. v. Zepharovich übersendet eine Berichtigung
und Ergänzung zu seiner im XXXIV. Bande der Sitzungsberichte ab-
gedruckten Abhandlung „über die Krystallformen des Epidot".
Herr Director K. v. Littrow überreicht den Bericht über die
zur Beobachtung der Sonnenfinsterniss vom 31. December 1861 von
den Herren Doctoren Edmund und Adolph Weiss unternommenen
Expedition nach Griechenland.
Herr A. Schrauf, Assistent am k. k. Hof-Mineralien-Cabinete,
legt eine Abhandlung: „Theorie des orthohexagonalen Krystall-
systems" vor.
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Academielmp. des sciences de St. Petersbourg, Bulletin. Tome
III. No. 6—8; Tome IV. No. 1—2. St. Petersbourg, 1861; 4«-
Akademie gemeinnütziger Wissenschaften, königl., zu Erfurt,
Jahrbücher. Neue Folge, Heft II. Erfurt, 1861; So-
AI man ach der österreichischen Kriegsmarine für das Jahr 1862.
Mit Genehmigung des hohen Marine-Obercommandos, heraus-
gegeben von der hydrographischen Anstalt der k. k. Marine.
Wien; kl. So-
Astronomische Nachrichten, Nr. 1345. Altona , 1862; 4°-
Austria, XIV. Jahrgang, II. — III. Heft. Wien, 1862; 8o-
Comptes rendus de TAcademie des Sciences, Tome LIII, No. 26
& 27; Tome LIV, No. 1. Paris, 1861 & 1862; 4«-
118
Cosmos, XI'Annee, 20e Volume, 3e — 4eLivraison. Paris, 1862; 8»-
Encke, J. F., Berliner astronomisches Jahrbuch für 1864. Berlin,
1861; 8o-
Gesellschaft, St. Gallische naturwissenschaftliche, Berichte über
deren Thätigkeit während des Vereinsjahres 1860 — 61.
St. Gallen, 1861; 8<>-
Gewer be- Verein, nieder-österreichischer, Verhandlungen und
Mittheilungen. Jahrgang 1861, 11. & 12. Heft; Jahrgang 1862;
1. Heft. Wien, 1862; 8°-
Istituto, B., Lombardo di scienze, lettere ed arti, Memorie. Vol.
VIII. (II della Serie II.) Fase. VI. Milano, 1861; 4°-
— LB., Veneto di scienze, lettere ed arti, Atti. Tomo VII0, Serie
3a- Venezia, 1861 — 1862; 8°-
Kirchhoff, G., Untersuchungen über das Sonnenspectrum und
die Spectren der chemischen Elemente. Mit 3 Tafeln. (Abhand-
lungen d. k. preuss. Akad. der Wissensch. zu Berlin, 1861.)
Berlin, 1861; 4<>-
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung, XII. Jahrg. Nr. 3. Wien,
1862; kl. 4o-
Lund, Universität, akademische Gelegenheitsschriften aus dem
Jahre 1860/61. Lund; 8«, 4» & Fol.
Mitth eilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt, Jahrgang
1861. XII. Heft. Ergänzungsheft. Nr. 7. Gotha, 1861; 4«-
Observatoire physique central de Bussie, Annales par A. T.
Kupffer. Anneei858,No. 1—2. St. Petersbourg, 1861; 4«- —
Compte rendu annnel par Kupffer. Annee 1859 & 1860. St. Pe-
tersbourg, 1861; 4°-
Verzeichniss der Mitglieder und Beamten der kais. Leopold. -
Carol. deutschen Akademie der Naturforscher. Jena, 1862; 8°-
Wiener medicinische Wochenschrift, XII. Jahrgang, Nr. 3 & 4.
Wien, 1862; 4<>-
Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts- Gesellschaft,
XI. Jahrg. Nr. 7. Gratz, 1862; 4°-
119
Über eine neue Cephalopoden - Gattung Cyclidia aus den
Tertiärschichten von Siebenbürgen.
Von Dr. Friedrich Rolle,
Custos-Adjuucten am k. k. Hof-Mineralien-Cabinete.
(Mit 1 Tafel.)
(Vorgelegt in der Sitzung vom 9. Jänner 1862.)
Seit Blumenbach, der 1803 zum ersten Male die Rhyn-
cholithen und Conchorhynch en des deutscheu Muschelkalkes
als harte Mundtheile urweltlicher Cephalopoden erkannte und als
„Sepiarum rostra" beschrieb, haben mehrere Paläontologen, beson-
ders aber d'Orbigny noch eine Reihe von ähnlichen fossilen For-
men beschrieben und deren systematische Stellung zu bestimmen
gesucht.
D'Orbigny hat namentlich das Verdienst, schon seit 1825 auf
das Zusammenvorkominen gewisser Rhyncholithen - Formen mit
bestimmten Gehäusen von Nautilen und auf den Einklang der
verhältnissmässigen Grösse der Schnäbel und der Gehäuse hinzu-
weisen. Er hat darnach die Rhyncholithen im engeren Sinne, deren
Typus Rhyncholithus hirundo FaureBiguet, einer der Blumen-
bach'schen „Sepienschnäbel" ist, ganz zur Gattung Nautilus her-
eingezogen und in der Folge dann für die übrigen derartigen Fossil-
reste besondere Gattungsnamen, Rhynchoteuthis und Palaeoteuthis
aufgestellt. Um jene Zeit, als d'Orbigny seine erste Abhandlung
schrieb, kannte man die Mundtheüe der lebenden N autilen noch
nicht, und d'Orbigny hat darum auch die Conchorhynchen noch
von den Rhyncholithen und von Nautilus ausgeschlossen, dem sie
in der That ebenfalls und zwar als Unterkiefer angehören.
120 Rolle-
R. Owen, der 1832 die erste gründliche anatomische
Beschreibung des Thieres des im indischen und australischen Meere
noch lebenden Nautilus Pompilius Linne lieferte, hat sich wirklich
dahin ausgesprochen, dass d'Orbigny's Deutung der fossilen
Rhyncholithen als feste Mundtheile urweltlicher Nautilen seine volle
Beistimmung habe. Owen sagt, dass einestheils die feste kalkige
Beschaffenheit des Vordertheils der Oberkiefer des Nautilus Pom-
pilius, anderntheils deren besondere, von den entsprechenden
Theilen der lebenden Dibranchiaten abweichende Form, namentlich
die abgeflachte Beschaffenheit der oberen Seite des Oberkiefers
sehr wohl auf die fossilen Rhyncholithen passe und dass diese letz-
teren alsdann nur als der kleinere kalkige Vordertheil des ursprüng-
lichen Oberkiefers zu nehmen seien. Der hornige Hintertheil
erscheint nicht vollständig fossil erhalten.
Vale nciennes hat 1841 an einem andern Nautilus-Exemiphr
von Neu-Guinea Owen's Untersuchungen wiederholt. Dass Va 1 en-
den n es die beiden Kiefern nur aus Hornmasse bestehend fand, ist
allerdings ein befremdender Umstand, entkräftet aber die Wahrheit
von Owen's Beobachtungen nicht. Deshayes hat sich auch dahin
ausgesprochen. Er bemerkt in „Animaux sans vertebres", edit. II,
Bd. XI, S. 318, dass er selbst eine Kieferhälfte des lebenden Nau-
tilus besitze und dass dieser theilweise verkalkt sei, mithin für d'Or-
bigny's und Owen's Deutung der fossilen Rhyncholithen spreche.
Auch Vrolik hat Owen's Angabe vom Auftreten einer Kalklage am
Vordertheil der Kiefern bestätigt, er vermuthet, dass Valencien-
nes ein Exemplar untersuchte, welches die äussere Kalklage bereits
verloren hatte. Übrigens wären für das paläontologische Fach
erneute und specieller durchgearbeitete Untersuchungen über die
beiden Kiefern des Nautilus Pompilius, von dem die Museen von
London, Paris und Amsterdam oder Haarlem zur Zeit allein
Exemplare mit den Weichtheilen des Thieres besitzen, dringend zu
wünschen. Die Paläontologie stellt für die festen, der fossilen
Erhaltung fähigen Theile der Lebewesen oft schärfere Anforderun-
gen, als zur Zeit die Anatomie, die überhaupt mehr Gewicht auf die
weichen Theile legt.
Owen's Darstellung des festen Gebisses des lebenden Nautilus
hat ferner einen der Deutung der fossilen Rhyncholithen im Wege
stehenden Umstand hinweggeräumt. Owen zeigt nämlich, dass nur
Über eine neue Cephalopoden-Gattung Cyclidia. 121
der Oberkiefer eine der fossilen Erhaltung günstige feste Beschaffen-
heit und auch diese nur im Vordertheile besitzt. Bei dem Unterkiefer
dagegen bildet die feste Kalkmasse eine doppelte äussere Schichte
über einem inneren weichen, hornigen Kerne, ein Umstand, der bei
einer in geologischen Ablagerungen vor sich gehenden Verwesung
der hornigen Schicht leicht zu einem Zerfallen des dünnen und
zweifachen kalkigen Theiles führen kann und im Voraus erwarten
lässt, dass der Unterkiefer seltener wird fossil gefunden werden, als
der Oberkiefer.
In der That kennt man aus den verschiedenen geologischen
Formationen von fossilen Cephalopoden-Schnäbeln fast nur die
Oberkiefer, und auch die Fossilien aus einer Tertiärschichte, welche
Anlass zur vorliegenden Arbeit gegeben haben, lassen sich allein
nur als Oberkiefer deuten. Unterkiefer sind nur die sogenannten
Conchorhynchen des Muschelkalkes, die, wie vor einer Beihe
von Jahren Voltz schon annahm, als Unterkiefer zu den Bhyncho-
lithen gehören und in der That aus zwei durch einen Hohlraum
getrennten Kalkschichten bestehen. Ihre nähere Erläuterung wird
in einer späteren Abhandlung folgen.
Das k. k. Hof-Mineralien-Cabinet besitzt aus dem fossilreichen
Tegellager von Lapugy in Siebenbürgen eine Anzahl von kleinen,
sehr massigen, ganz eigenthümlich gestalteten Bhyncholithen, die
alle der oberen Mandibel entsprechen und in ihrer besonderen Form
von allen bisher beschriebenen derartigen Fossilien hinreichend
weit abweichen, um als Typus einer besonderen Gattung von Cepha-
lopoden gelten zu können. Ich nenne diese neue Gattung Cyclidia,
„Kreisform", mit Bezug auf die von den meisten anderen bisher
bekannt gewordenen Bhyncholithen unterscheidende Halbkreisform
des freien Vordertheils. Der Name ist aus dem griechischen xuy.log
Kreis, und toiog eigenthümlich, gebildet.
Cyclidia nov. gen. Bolle.
Mandibula superior subsymmetrica, subdepressa, sublenticu-
laris, antice rotundata, acuminata, postice convexa crassa, later-
aliter brevi-alata, medio bifido-subcaudata, subtus plano-con-
cava.
J 22 Roll e.
Cyclidia valida Rolle.
Pars antica mandibulae superioris semilunaris, acuminata.
superne costis radialibus, subdistantibus , applanato-rotundatis
lineis que concentricis tenuibus ornata, subtus laevigata et obso-
lete concentrice sulcata. Pars postica convexa, gibba, valde in-
crassata , postice bifido-subcaudata , superne laevigata , subtus in
laminas duas media parte approximatas producta. Lamina infe-
rior laevigata, superior subtus longitudinaliter sulcata.
Long. 9-5 mill, lat. 11-5 mill., alt. 4-5 mill.
Es liegen mir von Lapugy als Ergebniss einer mehrjährigen
Ausbeutung dieses Fundortes durch das k. k. Hof-Mineralien-Cabinet
nicht mehr als acht Exemplare vor, die im grössten (Breiten-)
Durchmesser von 5 bis nahe 10 Millim. abändern. Alle sind obere
Mandibeln, es ist anzunehmen, dass wie beim lebenden Nautilus
Pompilius die unteren Mandibeln statt eines massig-kalkigen Vor-
dertheils nur eine doppelte äussere Kalkschicht über einer inneren
Hornmasse besassen, daher nach deren Verwesung zerfielen und so
unserer Nachforschung bisher entgingen.
Die Form des Oberkiefers ist subsymmetrisch, etwas nieder-
gedrückt, breiter als lang, bucklig-linsenförmig, von vorne nach
hinten an Höbe zunebmend und hinten steil abfallend, vorn halb-
kreisrund, dünn und zugeschärft, an den Seiten in zwei kurze nach
hinten gewendete und kegelig ausgehöhlte Flügel auslaufend, hinten
bucklig erhöht, beiderseits hinter den Flügeln ausgerandet, und in
der Mitte in eine kurze, breite und dicke, schwach zweitheilige
Ferse ausgezogen. Durch die besonders an den Flügeln deutlich
ausgesprochene Theilung des Hinterendes in ein oberes und ein
unteres Blatt, die vorn vereinigt erscheinen, hinten aber etwas von
einander abstehen, erhält das Ganze eine gewisse Ähnlichkeit mit
einer niedergedrückten Tasche.
Die Masse ist fest und kalkig, sie besteht aus einem vorwie-
genden inneren Theile von bräunlich-grauer Farbe und schwacher
Durchscheinigkeit und einer oberen und unteren dünnen Lage von
opaker Beschaffenheit und unrein milchweisser Farbe. Die weisse
Lage nimmt die Mittelgegend der Oberseite und die Vordergegend
der Unterseite ein, und dürfte unbedeckt von Weichtheilen gewesen
Über eine neue Cephalopoden-Gattung Cyclidia. 123
sein. Wahrscheinlich lagerte sich ursprünglich am hinteren Rande
der weissen Lage oben und unten eine zweiteilige in seitliche
Flügel auslaufende Hornlamelle, ähnlich wie bei den Mandibeln der
lebenden Cephalopoden noch an, und überdeckte beiderseits die
hier befestigten Muskelpartien.
Auf dem Bruche erkennt man, dass die braune, halb durch-
scheinende Hauptmasse des Oberkiefers aus feinfaserigem Kalk
besteht. Die Fasern stehen fast senkrecht zur Unterfläche.
Ein nach der Medianebene geführter Durchschnitt zeigt, dass
die zwischen dem mittleren und dem hinteren Felde der Unterseite
gebildete Einfaltung als geschlossene Nath bis nahe zur Grenze
des vorderen und des mittleren Feldes der Oberseite sich verfolgen
lässt und also die beiden Öffnungen an der Unterseite der seitlichen
Flügel nicht tief in's Innere des Kalkkörpers fortsetzen.
Im Einzelnen zeigt der Cyclidia-Oherkiefev nach den drei
Feldern, in welche je die Oberseite und die Unterseite zerfallen,
noch folgende Charaktere.
Vorderfeld der Oberseite. Es ist subsymmetrisch, halb-
mondförmig und flach nach vorn abgedacht. Es zeigt gegen dreissig
flachgewölbte, unregelmässige, gegen den Vorderrand zu ein wenig
an Breite zunehmende Radialrippen, die von theils ebenso breiten,
theils etwas breiteren ebenen Zwischenräumen getrennt werden.
Rippen und Zwischenräume werden von feinen unregelmässigen
Anwachslinien gekreuzt. Diese Anwachslinien wenden sich auf den
Rippen in schwachem Bogen nach vorn. Die Rippen strahlen theils
von einem durch die später abgelagerte weisse Schicht des Mittel-
feldes verdeckten Mittelpunkte aus, theils unmittelbar von einem
assymmetrischen, rechts von der Medianlinie gelegenen, zur Rechten
gewendeten Vorsprung des erhöhten Mittelfeldes.
Dieses strahlig gerippte, halbmondförmige Vorderfeld besteht
aus derselben bräunlichgrauen Masse, die den grössten Theil des
Oberkiefers zusammensetzt.
Mittelfeld d er Oberseite. Es trägt eine dünne, weisse,
opake Schicht, die offenbar eine spätere Auflagerung ist und mit
dem Wachsthume des Thieres gegen vorn vorrückte. Es ist durch
einen scharfen Absatz von dem radial gerippten Vorderfeld getrennt
und springt gegen dieses rechts von der Mediane mit einem kleinen
nach rechts gewendeten knopfartigen Ausläufer vor. Sein Umriss
124 Rolle.
ist sehr unsymmetrisch, rechts viel schmäler als links. Die beiden
seitlichen Enden bedecken die Oberseite der flügelförmigen Aus-
breitung. Nach hinten setzt es bis zur Hälfte der Oberseite der
Ferse fort. Es ist in einer subsymmetrischen nach rechts ziehenden
Richtung schwach eingesenkt und zeigt hier Spuren erhabener, in
schwachem Bogen nach vorn gewendeter Anwachslinien; sonst ist
die Oberfläche ganz glatt.
Hinterfeld der Oberseite. Seine Form ist der des Mittel-
feldes entsprechend assymmetrisch, nämlich an der rechten Seite
breiter als an der linken. Es fällt an den Seiten flach, in der Mitte
steil gegen hinten ab und ist an jeder Seite und ausserdem noch in
der Mitte der Ferse schwach ausgerandet. Es bildet vier nach oben
gewendete flache Falten, von denen je eine auf die seitlichen Flügel
und zwei auf die in der Mitte gelegene Ferse kommen. Die beiden
letzteren lassen zwischen sich eine flache Einsenkung, die in abneh-
mender Deutlichkeit schief nach rechts über das Mittelfeld hinaus
fortsetzt und gegen den vorderen knopfförmigen, assymmetrischen
Vorsprung des letzteren endet. Die Oberfläche ist glatt.
Das Hinterfeld der Oberseite lässt wieder die bräunlichgraue,
schwach durchscheinende Hauptmasse des Oberkiefers sichtbar wer-
den und setzte sich wahrscheinlich nach hinten in eine geflügelte
Hornlamelle fort, die der fossilen Erhaltung entging.
Vorderfeld der Unterseite. Es ist schmal halbmondför-
mig, fast symmetrisch, an der rechten Seite nur wenig breiter als an
der linken , nach vorn ziemlich scharfrandig, unten flach mit drei
seichten concentrischen Furchen. Die zwei vorderen Furchen liegen
nahe dem Vorderrande und sind sehr schwach (bei manchem Exem-
plare in eine einzige zusammenfliessend), die dritte liegt nahe am
Hinterrand. Zwischen der zweiten und der dritten Furche liegt ein
breiter flachgewölbter Zwischenraum. Die Oberfläche ist sonst
glatt.
Diese Vordergegend der Unterseite trägt eine eben solche
dünne, opake, weisse Schicht, wie die Mittelgegend der Oberseite.
Die weisse Masse nähert sich der der Oberseite an den beiden äus-
serten Seitenrändern, scheint aber nicht mit ihr in unmittelbarem
Zusammenhange gestanden zu haben. Nach hinten ist sie durch
keinen besonderen Absatz von dem braunen Mittelfelde getrennt,
sondern verdünnt sich hier allmählich.
Über eine neue Cephalopoden-Gattnnfc Cyclidia. 1 2 «3
Mittelfeld der Unterseite. Es hat so ziemlich den Umriss
des Mittelfeldes der Oberseite und ist an derselben Seite wie dieses,
nämlich zur Rechten etwas schmäler. Es besteht aber aus graubrau-
ner Masse und ist nach hinten zu sanft ausgehöhlt und hier in der
Mitte in eine kurze breite, nach oben angedrückte Ferse ausgezogen.
Die Oberfläche ist glatt.
Hinterfeld der Unterseite. Es bildet mit dem Mittelfelde
zusammen eine Art von Tasche, die rechts und links offen steht und
ist mit diesem nur in der Mitte enger verschmolzen. An den beiden
seitlichen Flügeln aber bleibt jederseits eine tiefe, schief nach vorn
und innen ziehende Höhlung frei, die jedoch, wie ein medianer
Durchschnitt lehrt, nicht tief in's Innere des Kalkkörpers fortsetzt.
Wahrscheinlich war ein Theil der hinteren Hornlamelle in beide
seitlichen Höhlungen eingesetzt. Ein solches Verhältniss ist wenig-
stens an einem mir vorliegenden, wohlerhaltenen Rhynchoteuthis-
Exemplar in ausgezeichneter Weise der Fall.
Das Hinterfeld der Unterseite bildet, dem der Oberseite ent-
sprechend, drei vorspringende Falten, von denen je eine auf die
seitlichen Ausrandungen der Hinterseite und die dritte auf die Aus-
randung der Mitte der Ferse fällt.
Die ganze Oberfläche des Hinterfeldes der Unterseite trägt
grobe, gewölbte, ungleich starke, von schmalen Zwischenfurchen
getrennte Radialrippen, die von einem durch das Wachsthum des
unteren Mittelfeldes verdeckten Mittelpunkte ausstrahlen. Sie wach-
sen von beiden Seiten aus bis zu jedem der beiden seitlichen Wülste
an Stärke, nehmen dann etwas ab und erscheinen auf der Unterseite
der Ferse wieder etwas stärker und namentlich höher. Darüber
verlaufen sehr feine, dem Hinterrande gleichlaufende Anwachslinien.
Die hier ausgeführte Beschreibung der verschiedenen Ver-
keilung der beiden Schalenschichten nach Feldern ist nach dem
grössten und am besten erhaltenen Exemplare entnommen. Die
übrigen stimmem damit in jeder Beziehung überein, nur darin zeigt
sich eine Abänderung, dass bei einigen, wie bei dem gedachten
typischen Exemplare, das Vorderfeld der Unterseite weiss, das Mittel-
feld bräunlich ist, bei anderen dagegen umgekehrt, das Vorderfeld
bräunlich, das Mittelfeld aber weisslich erscheint. Dieser eine Punkt
bleibt noch fester zu ermitteln, doch bin ich geneigt, ersteres Ver-
hältniss als das wirklich normale zu nehmen.
126 Ro,le-
Es haben sich bis jetzt erst acht Exemplare gefunden, die nur
im Erhaltungszustande und in der stärkeren oder schwächeren Aus-
prägung untergeordneter Merkmale abweichen. Das kleinste Exem-
plar von 5 Millim. Breite zeigt noch nicht 20 Radialrippen auf dem
Vorderfelde der Oberseite. Der assymmetrische Vorsprung des
oberen Mittelfeldes ist verhältnissmässig stark ausgesprochen, die
Ferse des Hinterendes ziemlich kurz. Die Duplicatur des Mittel- und
Hinterfeldes der Unterseite ist ganz so wie bei dem grössten vor-
liegenden Exemplare.
Vorkommen. Nicht häufig in dem fossilreichen, obermio-
cänen Tegel von Lapugy in Siebenbürgen.
Es verdient bemerkt zu werden, dass zu Lapugy zugleich noch
ein grosser Nautilus aus der Abtheilung Aturia Bronn vorkommt,
er ist aber sehr selten und das Hof-Mineralien- Cabinet besitzt nur
ein einziges Exemplar. Das Vorkommen der Gattung Nautilus im
Wiener Becken aber ist neuerdings durch vollständige Exemplare
eines echten Nautilus aus dem Schieferthon von Laa , der eine der
tieferen Miocänschichten zu sein scheint, erwiesen worden. Aus der
Sandablagerung von Grussbach in Mähren kennt man ebenfalls
Spuren. Endlich hat der Tegel von Ottnang in Oberösterreich Reste
von Nautilen geliefert, die denen von Laa sehr gleich sehen.
Vergleichen wir nun die Form der tertiären Cyclidia rafida
mit den bis jetzt bekannt gewordenen festen Mundtheilen anderer
lebender und fossiler Cephalopoden, so stellt sich vor Allem ein
grosser Gegensatz zu denen der lebenden Dibranchiaten heraus, wie
solche namentlich d'Orbigny in einem seiner letzten Werke „Mol-
lusques vivants et fossiles« und J. Steenstrup») in den Abhand-
lungen der dänischen Akademie, Band IV, abbilden. Die Mandibeln
der Dibranchiaten sind insgesammt horniger Natur und daher zur
fossilen Erhaltung sehr wenig geeignet; sie sind alle am Vorder-
teile stark zugespitzt und stark eingekrümmt. Es ist daher kein
Grund vorhanden, die Cyclidia- Mandibeln auf Dibranchiaten zu
beziehen.
Etwas näher stehen die Mandibeln des Nautilus Pompifius,
wie sie Owen 1832 in seinem Memoir oh the pearly Nalidin*
i) J. Steenstrnp, Om colossule Cephalopoder. Vid. Selsk. Skrffter. V. Roekke,
naturr. og mathem. Afd. IV Bind.
Über eine neue Cephalopoden-fiaüung Cyclidia. 127
beschreibt und abbildet, und die von d'Orbigny und Anderen auf
Nautilen bezogenen Rhyncholithen des Muschelkalkes und des
Jura's; vergleiche namentlich d'Orbigny, Paleout. frane. terr.
jurass. Tome I, 1842, Taf. 39 und 40. Diese haben feste kalkige
Vordertheile, sie sind weniger zugespitzt und weniger eingekrümmt,
als die der Dibrancbiaten. Die Cyclidien lassen sich indessen nicht
auf Nautilen beziehen. Die Oberkiefer der lebenden und fossilen
Nautilen sind am freien Vorderrande immer noch weit mehr ver-
längert und mehr dreiseitig zugespitzt, als die von Cyclidia. Die
Duplicatur des hinteren Theiles der festen Kalkmasse ist ganz
abweichend. Das obere Blatt oder die Kapuze, capuchon, ist
weit geringer als das untere entwickelt. Bei Cyclidia ist das Gegen-
theil der Fall. Es ist augenfällig, dass Cyclidia nicht auf die Gattung
Nautilus bezogen werden kann.
Mit der von d'Orbigny aufgestellten Gattung Rhynchoteu •
this*), welche fossile Cephalopodenschnäbel aus Jura- und Kreide-
schichten begreift, nähern wir uns wieder um einen Schritt der zu
Lap ugy in Tertiärschichten gefundenen Form; hier tritt eine zwei-
lappige Bildung des Hintertheiles oder der Ferse ein, wodurch die
Ähnlichkeit schon etwas grösser wird.
Am nächsten aber stehen den Cyclidien gewisse Cephalo-
podenkiefer, die in Jura- und Kreideschichten ziemlich verbreitet
vorkommen, von d'Orbigny indessen nicht aufgeführt worden sind.
Für mich stellen sie eine besondere Gattung dar, die ich Scapha-
nidia oder „Grabscheitform" nenne. Der Name ist aus dem Grie-
chischen ay.afavr) , Grabscheit, und ifiiog, eigentümlich, gebildet.
Als Typus dieser Gattung betrachte ich Scaphanidia Bucht Mül-
ler sp. (Bhyncholithus Buchi Müller. Aachener Kreideformation.
II. 1851. p. 60, Taf. 6, Fig. 13) aus der oberen Kreide der Gegend
von Aachen. Sie unterscheiden sich von den Cyclidien hauptsäch-
lich dadurch, dass das Mittelfeld der Oberseite an allen Exemplaren
fehlt und eine querlinirte Narbe lässt, mithin vielleicht hornig war.
Das Verhältniss der Ober- und Unterseite der Tasche ist fast ganz
das gleiche. Es liegen mir dahinzählende Formen ausserdem noch
aus dem Lias von May in Calvados, von Herrn E. Deslongchamps
!) D'Orbigny, Cours elementaire. I, S. 271, Fig. 143 und S. 281, und Mollvsques
vivants et fossiles. S. 593.
128 Rolle.
als Cephalopodenkiefer dem k. k. Hof-Mineralien-Cabinet mitgetheilt,
aus dem unteren Lias von Wiltshire in England *) und aus dem
oberen Jura von Franken und Schwaben vor. Die nähere Unter-
suchung wird Gegenstand einer späteren Arbeit sein.
Einen Gegensatz zu allen hier verglichenen Kiefern lebender
und fossiler Cephalopoden-Formen bilden die Cyclidien nach ihrer
auffallenden Assymmetrie. Nur die Conchorhynchen sind noch ent-
schieden subsymmetrisch, die übrigen lassen theils nur bei genauer
Untersuchung bestimmte Spuren von Subsymmetrie erkennen, theils
scheinen sie vollkommen symmetrisch zu sein.
Nach allem diesem bin ich geneigt, die Cyclitlia-Oberkiefer als
Reste eines sonst unbekannten und vielleicht einer festen Kalkschale
entbehrenden Tetrabranchiaten zu betrachten. Ihr Gegensatz zu
den spitzen, stark eingekrümmten, hornigen Mandibeln der lebenden
Dibranchiaten ist weit beträchtlicher, als ihr Abstand von denen des
Nautilus Pompilius. Sie schliessen aber auch diesen sich nicht
unmittelbar an. Ich finde vielmehr, dass die Rhyncholithen des
Muschelkalkes eine vermittelnde Form sind, von der sich einerseits
eine geologische Reihenfolge von Formen bis zum lebenden Nau-
tilus Pompilius verfolgen lässt, andererseits eine solche zu den
Cyclidien führen dürfte.
Wenn ich die Cyclidien, ein von allen lebenden Formen so sehr
abweichendes Fossil, überhaupt als Cephalopoden-Schnäbel dar-
stelle, so geschieht es nur nach langer und reiflicher Überlegung
und nach einer Vergleichung aller mir zu Gebote stehenden litera-
rischen Hilfsmittel. Der letzte entscheidende Moment bei der Fest-
stellung meiner Ansicht aber war die Auffindung einer so ganz nahe
verwandten Form in Prof. J. Müller's monographischer Abhand-
lung über die Versteinerungen der Aachener Kreideformation. Auch
diese ist trotz ihrer Abweichung von den übrigen Rhyncholithen und
Rhynchoteuthen, als Cephalopoden-Schnäbel schon gedeutet. Damit
schwand alles weitere Redenken. Weniger Gewicht lege ich auf die
Hypothese derTetrabranchiaten-Natur von Rhynchoteuthis, Cyclidia
*J Scaplianidia Moorei Rolle, Taf. I, Fig. 6 von Frorae in Wiltshire. Vergleiche
Chiton Rhaeticus Ch. Moore in Quart, journ. geol. soe. 1861, p. 511, Taf. 16,
Fig. 28, 29. Mir kommt Herrn Moore's Abhandlung gerade noch vor Druck
dieses ßogens zu Gesichte. Die von ihm gegebene Abbildung weicht etwas ab
und könnte vielleicht eine zweite Art aus derselben Formation darstellen.
Über eine neue Cephalopoden-Gattung Cyclidia. 129
und Scaphanidia. Der wirkliche Zusammenhang der Formenreihe
wird sich erst in späteren Jahren, wenn man noch mehr fossile
Cephalopoden-Schnäbel wird kennen gelernt haben, mit grösserer
Bestimmtheit feststellen lassen, als es zur Zeit möglich ist.
Die starke massige Form der Mandibeln von Cyclidia und die
vollkommen abgerundete Form des freien Vordertheiles deutet auf
ein vom Zermalmen harter Crustaceen- und Molluskenschalen leben-
des Thier. R. Owen macht schon darauf aufmerksam, dass Nautilus
Pompilius durch seine nur wenig zugespitzten Kiefern mehr auf das
Zerbeissen harter Stoffe als die Dibranchiaten angewiesen sei, die
letzteren dagegen nach ihren spitzen, gekrümmten, hornigen Mund-
theilen mehr zu einem Zerfleischen von weichen Seethieren geeignet
erscheinen. Von Cyclidia gilt dies noch mehr als von Nautilus; es
ist der noch höher gesteigerte Ausdruck des durch das Zermalmen
harter Nahrung bezeichneten Typus.
Erklärung der Tafel.
Fig. 1 — ib. Cyclidia valida Rolle, in natürlicher Grösse, lc — le dieselbe
viermal vergrössert.
„ 2. Dieselbe, kleinere Form.
„ 2 a— 2 d, in viermaliger Vergrösserung.
„ 3. Durchschnitt nach der Medianebene.
„ 4. Ideale Wiederherstellung des Oberkiefers mit dem hornigen Hinfertheil.
„ 5. Scaphanidia Buchi Müller sp. Obere Kreide von Vetschau bei
Aachen. (Nach J. Müller.)
„ 6. Scaphanidia Moorei Rolle. Unterer Lias von Wiltshire, in natürlicher
Grösse.
„ 6 a, b. Dieselbe in dreimaliger Vergrösserung.
Sitzb. d. mathem.-naturw. CI. XLV. Bd. I. Abth.
Rolfe. I ber eine neue CephalopodeiLJ (rattim* Cyclidia.-
:
i
Fig. /.'■>. Ctfdidia nr,/i(/,i Ho//,'.
S Scaphctsudza Bucht, JEMer <rn.
>, G. A'rit/>///////'(//'rt J/oorr/' Jinl/c.
Sit7.uno.sb «l.kAk.nl.il W.iK.tli n.-.tum Cl.ÄLV. üclJ.Ai>tk. 18(V».
SITZUNGSBERICHTE
DER
KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.
xiv. band.
ERSTE AßTHEILÜNG.
Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik,
Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie.
131
V. SITZUNG VOM 6. FEBRUAR 1862.
Das Präsidium der k. k. obersten Rechnungs-Controls-Behörde
übermittelt, mit Zuschrift vom 28. Jänner I. J. , 46/Stat., ein Exem-
plar des ersten Heftes des Druckwerkes : „Das österreichische Budget
für 1862 in Vergleichung mit jenen der vorzüglicheren anderen
europäischen Staaten", von C. Freih. von Czoernig.
Herr Director von Littrow legt eine Notiz „über einen merk-
würdigen Regenbogen" vor.
Herr Prof. K. Ludwig spricht über eine Arbeit: „Beiträge
zur Lehre vom Gasaustausch in den Muskeln des lebenden Thieres",
welche im physiologischen Laboratorium der k. k. medicinisch-
chirurgischen Josephs-Akademie unter seiner Mitwirkung vom Herrn
Dr. Sczelkow aus Charkow ausgeführt wurde.
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Akademie der Wissenschaften, königl. schwedische, zu Stock-
holm, Handlingar. N. F. III. Bd. 1. Hft. 1859; 4<>- — Öfversigt.
VII. Ärgängen. 1860. Stockholm, 1861; So- — Eugenies Resa.
8.— 11. Haft. Stockholm, 1861; 4<>-
Annalen der Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Fried.
Wo hl er, J. Liebig und Heim. Kopp, N. R. Band XLV,
Heft 1. Leipzig & Heidelberg, 1862; So-
Astronomische Nachrichten, Nr. 1346. Altona, 1862; 4°-
Au Stria, XIV. Jahrgang, IV. & V. Heft. Wien, 1862; 8°-
Bericht, Amtlicher, über die 35. Versammlung deutscher Naturfor-
scher und Ärzte in Königsberg in Preussen im September 1860.
Königsberg, 1861 ; 4°-
Bibliotheque Universelle de Geneve, Archives des sciences
physiques et naturelles. Nouvelle Periode. Tome XII% Nr. 48.
Geneve, Lausanne & Paris, 1861; 8°-
Comptes rendus de i'Academie des sciences. Tome L1V, Nr. 2.
Paris, 1862; 4»-
lo*
132
Czoemig, Carl Freih. v., Das österreichische Budget für 1862 in
Vergleichung mit jenen der vorzüglicheren anderen europäischen
Staaten. Herausgegeben von der k. k. Direction der admini-
strativen Statistik. 1. Heft. Einleitung. Das britische Budget.
Wien, 1862; S°-
Hippokrates, Zeitschrift für die medicinischen Wissenschaften in
Athen. Redigirt von Dr. Kalliburces. Topos AM 862. Tt-v^os
A' Ev A^vjvatg, 1862; 4°-
Istituto, I. R., Veneto di scienze, lettere ed arti, Memorie.
Vol. X. Parte I. Venezia, 1861; 4°- — Atti. Tomo VII«, Serie
3% Disp. 2a- Venezia, 1861—62; 8°-
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung, XII. Jahrg. Nr. 4. Wien,
1862; kl. 4o-
Lotos. Zeitschrift für Naturwissenschaften, XI. Jahrgang. Decem-
ber 1861. Prag; 8<>-
Omboni, Giovanni, I Ghiacciaj antichi e il terreno erratico di
Lombardia. Con 3 tavole. — Bibliografia. (Castaldi. Cantoni.)
(Estratti dal vol III. degli Atti della Societä italiana di scienze
naturali in Milano). 80-
Results of Meteorological Observations for twenty years for Hobart
Town 1841—1860. Ta-smania, 1861; 4<>-
Sondhauss, C. , Über die beim Ausströmen der Luft entstehenden
Töne. — Über die chemische Harmonica. — Über die durch
Temperaturverschiedenheit sich berührender Körper verur-
sachten Töne. (Programme der Realschule zu Neisse 1853, 1859,
1861.) 4°* — Über den Brummkreisel und das Schwingungs-
geselz der kubischen Pfeifen. (Jahresbericht des k. kath. Gym-
nasiums zu Breslau, 1850.) 4°-
Verein, geognostisch-montanistischer für Steiermark, XI. Bericht.
Gratz, 1862; 8<>-
Wiener medic. Wochenschrift, XII. Jahrg., Nr. 5. Wien, 1862; 4«.
Zeitschrift für Fotografie und Stereoskopie, II. Jahrgang, Nr. 21.
Wien. 1861; 8<>-
— für Chemie und Parmacie. Unter Mitwirkung von Fachmännern;
herausgegeben von Dr. Emil Erlenmeyer. V. Jahrgang,
Heft 1. Heidelberg, 1862; So-
Zürich, Universität, akademische Gelegenheitsschriften von Michaelis
1859 bis dabin 1861. Zürich; 4» & 8»-
I3:i
Zur Anatomie und Physiologie der Haut.'
Von dem c. M. Prof. R. Langer.
(Vorgelegt in der Sitzung am 27. November 1861.)
(Mit 1 Tafel.)
II. Die Spannung der Cutis.
Es ist eine den Anatomen und Chirurgen wohlbekannte Er-
scheinung, dass sich die getrennte Haut zurückzieht, und dass in
Folge dieses sogenannten Retractions- Verm ögens die Haut-
lappen verkürzt und die Wundspalten erweitert werden. Die Haut
sucht nämlich, wenn durch die Trennung des Zusammenhanges ihre
bis dahin bestehende Spannung beseitigt ist, vermöge ihrer Elasti-
cität ihre Gleichgewichtsform (mittlere Länge, Breite und Dicke)
wieder zu gewinnen. Schon wegen dieser dem operirenden Chirur-
gen so wichtigen Eigenschaft der Haut ist eine genaue Kenntniss
der Elasticität und der Spannungsverhältnisse derselben nothwendig.
Vorläufig das Bestehen einer vollkommenen Elasticität voraus-
gesetzt, stehen Spannung und Retractionsvermögen in geradem Ver-
hältnisse zu einander, und wie einerseits die Spannung wesentlich
die Retraction bedingt, so kann umgekehrt diese benützt werden,
um über die am Leibe bestehenden Spannungsverhältnisse der Haut
Aufschluss zu geben.
Die Retraction ist nach Grösse und Richtung sehr
verschieden. Auf die Grösse der Retraction der Wundränder
nehmen im Allgemeinen verschiedene Umstände Einfluss, wie die
Länge des Schnittes und seine Tiefe, ferner der Umstand, ob die
Haut locker oder fester an derUnterlage fixirtist.danndieLagerungs-
verhältnisse der Glieder und die Volumsverhältnisse des Inhaltes.
134 Langer.
Bei gleicher Tiefe und Lange des Schnittes wird man an der-
selben Körperstelle und an demselben Individuum noch einen Unter-
schied in der Retractionsgrösse der Wundränder beobachten, wenn
man die Richtung des Schnittes beachtet. Führt man z. B. an einer
in der Rückenlage befindlichen mageren Leiche über die vordere
Seite des oberen Drittheils des Oberschenkels jederseits einen gleich
langen und gleich tiefen Schnitt, auf einer Seite vom Trochanter schief
medial in der Richtung der Stichspalten absteigend, auf der anderen
senkrecht auf die Stichspalten, vom Genitale schief lateral absteigend,
so wird man finden, dass die Wund lippen des zweiten Schnittes minde-
stens noch einmal so weit abstehen, als die des ersten, dabei wird man
auch die Beobachtung machen , dass bei der ersten Schnittrichtung
die Haut nicht unter dem Messer gefaltet wird, während sie bei der
schief lateral absteigenden Richtung selbst unter dem schärfsten und
beölten Messer gefaltet wird, und der Schnitt nur unter fortgesetzter
Spannung langsam fortgeführt werden kann. Dies scheint auf einen
Einfluss der Texturverhältnisse hinzuweisen; um so mehr,
als diese Verschiedenheit im Masse der Retraction sich an mehreren
Orten wiederholt, obwohl die Differenzen derselben mit Rücksicht
auf die Richtung der Stichspalten nicht immer so gross sind, wie am
Oberschenkel; die vordere Schenkelfläche ergibt ungefähr ein Maxi-
mum dieser Unterschiede, die Haut der Calvaria und des Brustblattes
ein Minimum. Geht man aber genauer in die Sache ein, so findet
man , dass das verschiedene Retractionsvermögen in Folge der
zwei Schnittführungeu eben so gut einer ungleichförmigen
Spannung gewisser Hautpartien zugeschrieben werden könne,
ja dass sogar die Texturverhältnisse nichts weiter als der Ausdruck
einer ungleichförmigen Spannung sein könnten, und gerade das
gegebene auf die Oberschenkel bezügliche Beispiel begünstigt diese
Annahme; denn dass die Haut quer auf die Stichreihen weniger
oder gar nicht gespannt ist, sieht man schon an den Falten, in welche
die Haut in dieser Richtung gelegt ist, oder selbst durch das Messer
leicht gelegt werden kann , während sie in der Richtung der
Stichreihen viel mehr gespannt, und desshalb spaltbar ist. Von
vorne herein ist es daher nicht nothwendig die Texturverhältnisse
zu berücksichtigen.
Von der Individualität ganz abgesehen , findet man auch au
verschie d enen Körpers t el len bemerkenswerthe Unterschiede.
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. 135
So ergibt jeder beliebige Schnitt am Schädeldache entweder gar
keine oder nur eine kleine Entfernung der Wundränder, dagegen
wird am Brustblatte gar keine Differenz irn Masse, aber in jeder
Richtung eine grössere Betraction zu beobachten sein. Während
also im ersten Falle nur eine unbedeutende oder gar keine Span-
nung besteht, ist im zweiten Falle die Spannung der betreffen-
den Hautpartie eine gleichmässige.
Alle übrigen Umstände also gleich angenommen, wird sich die
Untersuchung über die Betractilität, beziehungsweise über die
Spannungsverhältnisse der Haut, vor Allem mit folgenden Fragen
beschäftigen müssen :
rt^ Besteht an einem bestimmten Körpertheile über-
haupt eine Spannung oder nicht? und
b) ist die beste hendeSpannungnach allen Bichtungen
der Fläche eine gleichmässige oder eine ungleich-
massige.
Es handelt sich dabei mehr um dasVerhältniss, als um die abso-
lute Grösse der Spannung, welche je nach Umständen sehr variabel ist.
Erst dann, wenn diese Fragen erörtert sind, kann auf die
Beziehungen der Texturverhältnisse zu der Betractilität und auf
den Einfluss der Individualität eingegangen werden.
Was die Causal momente der Spannung anbelangt, so
ergeben sich schon von vorne herein zwei, nämlich: der Inhalt,
welcher den Grad der Füllung eines Hatitsackes bestimmt, mögen es
nun physiologische oder pathologische Volumsverhältnisse sein, z. B.
Muskel und Fettmassen, Wasseransammlungen, Schwangerschaft
u. s. w. , und dann die Gelenksbewegungen; dass in letzterer
Beziehung eine Übereinstimmung der möglichen Hautspannungen
mit den Gelenkseinrichtungen vorausgesetzt werden kann, ist ein-
sichtlich.
Um bei der Untersuchung der Betractilität von der Länge.
Tiefe und Bichtung des Schnittes möglichst unabhängig zu bleiben,
habe ich reguläre Figuren von constanter Grösse und Form auf die
Haut gezeichnet, zuerst ihre Formveränderungen bei verschiedenen
Einstellungen der Glieder untersucht, dann mit scharfen Messernund
Scheeren die Haut in denContouren getrennt und die so entstandenen
Wundöffnungen und die freien Hautkerne ebenfalls bei verschiedenen
Lügen der Leiche und ihrer Glieder untersucht. Die erste Beihe
136 Langer.
der Versuche lässt sich natürlicher Weise auch an Lebenden vor-
nehmen, und ist insbesondere dazu sehr verwendbar, die Spannungs-
riclitungen kennen zu lernen, welche die Haut durch die Gelenks-
bewegungen erleidet.
Zur Anlage der Zeichnungen wurden Modelle von Holz ver-
wendet, und zwar in der Form von Kreisen und Quadraten, deren
freigelegte Ränder mit Farbe bestrichen und abgedruckt wurden.
Das Kreismodell hatte einen Durchmesser von 30 Millimeter, die
Quadratmodelle eine Seitenlänge von 40 Millimeter und 25 Milli-
meter etc. Da die Quadratmodelle der leichteren Übersicht wegen
immer nach bestimmten Richtungen orientirt werden mussten, dies
aber mit den Kreismodellen nicht nothwendig ist, so wurden letz-
tere viel häufiger angewendet. Die Differenzen der Durchmesser
der Wundöffnung und des Hautkernes mit dem Durchmesser des
Modelles ergeben ganz eclatant die Grösse und die Richtung der
Retraction, beziehungsweise der Hautspannung an.
Wird an der Leiche die Haut in den Umrissen der
aufgedruckten Figur eingeschnitten, so gestaltet sich bei
Anwendung der Kreismodelle die Retractionserscheinung auf folgende
Weise: Resteht an der betreffenden Hautstelle keine Spannung,
so erhält man eine Kreiswunde, deren Durchmesser annähernd dem
Durchmesser des Modelles entspricht und vollständig von dem Kerne
ausgefüllt wird. R es teh t aber eine Spannung, so wird derDurch-
messer der Öffnung grösser und der Durchmesser des Kernes kleiner
;ils die ursprünglichen Durchmesser der Zeichnung werden; die Wunde
wird klaffend, und je grösser der Abstand der Wundlippen, nämlich
des Randes der Öffnung und des Randes des Kernes, desto grösser
die bestandene Spannung. Die Kreisform der Öffnung und des
Kernes kann natürlich nur dann vollständig erhalten werden, wenn
die Spannung allseitig eine gleichförmige war. Restand aber
eine ungleichförmige Spannung, so bekommen die Wundöffnung
und der Kern die Gestalt einer Ellipse, deren längere Durchmesser
alter so gegen einander verwendet sind, dass in dem längeren
Durchmesser der Öffnung der kürzere Durchmesser des Kernes
eingestellt ist. Der längere Durchmesser der Öffnung und der kürzere
des Kernes zeigen die Richtung der bestandenen Spannung an.
ersterer wird immer länger, letzterer immer kürzer als der Durch-
messer i\cs Kreismodelles sein.
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. j 3 i
Je grösser die Differenz der Durchmesser der Ellipse, sowohl
der Öffnung als auch des Kernes, desto ungleichförmiger die Span-
nung. Hier kann der Fall eintreten, dass bei sehr langen Ellipsen
der kürzere Durchmesser der Öffnung gleich bleibt oder sogar kleiner
wird, als der Durchmesser des Modelles, wenn nämlich die Span-
nung nur einseitig ist, also rechtwinkelig auf diese Richtung die
Spannung = 0, oder sogar negativ ist, in welchem Falle die Haut
in dieser Richtung gefaltet ist. In diesem Falle kann es auch gesche-
hen, dass der längere Durchmesser des Kernes, welcher senkrecht auf
die Spannungsrichtung gestellt ist, wenn der Kern ganz heraus-
geschnitten, und auf eine Glastafel gelegt wird, grösser ist, als der
Durchmesser des Modelles. Dies ist bei starker Abmagerung bei-
nahe immer an der vorderen Seite des Oberschenkels der Fall.
Es ist selbstverständlich, dass während dieser Versuche an
allen jenen Stellen, wo die Gelenkslage auf die Hautspannung Ein-
fluss nimmt, diese berücksichtigt und während des Versuches fest-
gehalten werden muss , denn sonst würden mit der veränderten
Spannung ganz andere Resultate erzielt werden. Wird z. R. an der
Reugeseite des Ellbogengelenkes in der Reugelage desselben ein
Kreis gezeichnet, so wird, weil die Haut in der Excursionsrichtung
erschlafft ist, die Retraction in querer Richtung vor sich gehen,
der längere Durchmesser des Kernes wird die Richtung von
oben nach unten haben, und er wird diese Form selbst dann
bekommen, wenn man früher durch Streckung des Gelenkes den in
der Reugestellung aufgedrückten Kreis in eine Ellipse ausgedehnt
und dann erst den Kern heraus geschnitten hat; und indem die
Öffnung im Sinne der Streckung von oben nach unten verlängert
wurde, wird der ovale Hautkern mit seinem längeren Durchmesser
in der längeren Axe der Ellipse der Öffnung eingestellt sein.
Durch verschiedene Combinationen der Gelenksstellungen, und
wenn man den Kreis bald in dieser bald in jener Stellung zeichnet
und ausschneidet, kann man die verschiedensten Formen von Wund-
öffnungen und Kernen erhalten. An Gelenken mit mehreren Excursions-
richtungen kann man durch allseitige gleichförmige Spannung auch
runde Öffnungen und runde Kerne erzeugen, z. R. im Schenkelbuge,
wenn man dem Gelenke die Mittellage gibt. Natürlicher Weise wird
die runde Öffnung allsogleich elliptisch, wenn der Schenkel darauf
wieder in die Strecklage gebracht wird.
138 Langer.
Das Schrumpfen des Hautkernes, wenn er von dem subcutanen
Gewebe hinreichend abgelöst wird, zeigt die ganze Grösse der Retrac-
tionsfähigkeit an. Die Erweiterung der Öffnung dagegen bleibt immer
hinter dem Masse der wahren Retractionsfähigkeit zurück, indem sich
die Haut nie um eine geschlossene Öffnung so weit zurückzuziehen
im Stande ist, wie ein vollständig freier Lappen. So erhielt ich am
Sternum nur einen Durchmesser der Öffnung von 33 Millim., während
der Kern bis auf 19 Millim. schrumpfte. Die Retractionsgrösse der
Öffnung betrug daher nur 3 Millim., die des Kernes aber 11 Millim.
Aus der Gestaltung der Öffnung kann daher nur auf die
Richtung, nicht auf die volle Grösse der R et r actio n ein
Schluss gezogen werden. Übrigens ist es bei diesen Versuchen vor
Allem wichtig, die Richtung der Retraction beziehungsweise der
Spannung zu wissen.
Es versteht sich von selbst, dass die Öffnungen, wenn mehrere
gemacht werden, in grösserem Abstände von einander angelegt sein
müssen. Wurden nahe liegende Theile untersucht, so sind alter-
nirend die Öffnungen auf der andern Seite angebracht worden.
Wenn der Operateur diese Verhältnisse berücksichtigt, sie
gelegentlich durch willkürlich angebrachte Spannungen regulirt, so
kann er sich für bestimmte Lagen der Glieder stellenweise ganz
bestimmte Wundformen erzeugen, und wenn es ihm für den Verlauf
des Heilungsprocesses dienlich scheint, durch Veränderung der
Lage der Glieder bald die Wundränder von einander entfernen, bald
einander nähern, er kann die Umrandung eines zu bildenden Haut-
lappens auf die verschiedenste Weise gestalten, überhaupt die Rich-
tung der Retraction eines Hautlappens auf das Genaueste von vorne
herein bestimmen, wenn er sich früher über die Spannungsrichtiing
genauer unterrichtet hat.
Die eben besprochenen Retractionserscheinungen sind durch
beide ursächliche Momente der Spannung bedingt, nämlich sowohl
durch den Inhalt als auch durch die Lagerung der Glieder. Um die
Veränderungen der Spannungsverhältnisse kennen zu
lernen, wie sie durch die Gelenkbewegungen allein zu
Slande gebracht werden, habe ich die Kreisfiguren oder geraden
Linien im Umfange der Gelenke bei bestimmten Einstellungen der-
selben mehrfach aufgetragen, darnach bestimmte Gelenksexcursionen
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. 139
ausgeführt, ohne jedoch die Haut einzuschneiden. Diese Versuche
wurden an der Leiche und am Lebenden vorgenommen.
Es handelt sich dabei vorzüglich um zwei Dinge, nämlich in
welcher Richtung wird die Haut an einer bestimmten Stelle
gespannt, und bis zu welcher Entfernung von dem Gelenke
macht sich die Spannung bemerkbar.
Gerade Linien werden durch Spannung verlängert, durch
Erschlaffung verkürzt, und wenn sie in den Excursionswinkel des
Gelenkes fallen, gebrochen; Kreise bekommen durch Spannung und
Erschlaffung ellipsoidale Formen, welche aber bald regelmässig,
bald unregelmässig ausfallen; selbst die Kreisform kann erhalten
bleiben.
Im Allgemeinen gestalten sich die Verhältnisse auf folgende
Weise: An dem Ginglymus-Ge lenke des Ellbogens und Kniees
sieht man:
a) dass die Dehnung oder Erschlaffung, welche die Haut
erleidet, in der unmittelbaren Nähe des Gelenkes
am grössten ist, weiter nach oben und unten allmählich ab-
nimmt und gegen die Mitte der Extremitätsglieder nicht mehr
deutlich nachweisbar ist. Man ziehe z. B. über die Streckseite
des Kniegelenkes eine gerade Linie, theile sie in mehrere
gleiche Abschnitte, so wird man linden, dass durch die Beugung
die einzelnen Abschnitte sehr ungleich verlängert werden. Kreise
welche in der Kniekehle und zwar während der Beugelage
gezeichnet werden, verwandeln sich während der Streckung in
Ellipsen, allein die dem Gelenke zunächst liegenden bekommen
einen der Knickungsfalte zugekehrten spitzigen Pol, weiter
entfernte Kreise werden zu regelmässigen Ellipsen, und die
ungefähr in der Mitte des Oberschenkels und Unterschenkels
liegenden Kreise bleiben annähernd ungeändert.
b) Während beugewärts ober und unter der Knickungsfalte die Haut
bei der Streckung annähernd gleich weit weg gespannt wird,
reicht streckwärts, vom Oberarm und der Patella an gerechnet,
die Beugespannung weiter auf den Oberarm und Oberschenkel
herauf, als auf den Unterarm und Unterschenkel herab.
Es scheint diese Ungleichförmigkeit aber nur von dem
ungleichen Abstände der Drehungsaxe von dem bezeichneten
oberflächlichen Gliederungspunkte abzuhängen.
140 Langer.
c) An den Seiten des Gelenkes, entsprechend den Ansätzen
der Lateralbänder, ist die Spannung eine mehr gleich-
förmige, indem sich der aufgedrückte Kreis, sowohl bei der
Streck- als Beugebewegung nur wenig verändert.
d) In der Mitte der Streck- und ßeugeseite ist die Span-
nungsrichtung natürlicher Weise senkrecht auf die Drehungs-
axe des Gelenkes gestellt , gegen die Seiten des Gelenkes
wird die Haut schief zur Beuge- oder Streckseite gedehnt, und
zwar vom Oberarm nach unten, vom Vorderarm nach oben heran-
gezogen. Die längeren Axen der Dehnungsellipsen bekommen
eine Schieflage.
Quadratische Figuren werden, je nachdem sie orientirt sind, zu
Bechtecken oder zu Bhomben.
Man sieht, dass die Hauthülle der Gelenke im Wesentlichen
die Beziehungen der Gelenkskapseln zu dem Gelenksmechanismus
wiederholt. Es braucht nicht besonders hervorgehoben zu werden,
dass die besprochenen Verhältnisse auch durch den Mechanismus
der nachbarlichen Gelenke modificirt werden können, dass das An-
schwellen der Muskelbäuche und das Abheben der Muskelstränge
von dem Knochen noch berücksichtigt werden müsse, und dass
mutatis mutandis dieselben Verhältnisse auch auf die Verkürzung
der Haut Bezug haben.
Complicirter gestalten sich schon die Verhältnisse, wenn zu
einem Ginglymus-Gelenke noch ein Botationsvermögen hinzutritt; es
werden dadurch z. B. am Ellbogengelenke die längeren Axen der
Dehnungsellipsen schief in der Richtung der rotatorischen Excursion
eingestellt.
Auch in der Umgebung der Arthrodien kann man, je nach der
Excursion, Stellen finden, welche kaum oder gar nicht gespannt wer-
den, nämlich an den Stellen, welche den Endpunkten der momentanen
Drehungsaxe entsprechen; so bleibt z. B. am Trochanter, wenn das
Bein nach vor- und rückwärts pendelt, der Kreis meist ungeändert.
erst bei einer Adductionsbewegung wird er gedehnt. Die Spannungs-
richtungen an derHaut ändern sich natürlicher WTeisemit derRichtung
der Excursion. Schulter und Hüfte unterscheiden sich in mehreren
Funkten von einander.
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. f 4 I
Nebst der Spannungsrichtung ist rücksichtlich der Gelenke der
Bereich bemerkenswert , innerhalb dessen sich die Gelenks-
bewegungen bemerkbar machen.
Diese Untersuch ungsmethode dürfte sich vielleicht auch pro
praxi verwendbar erweisen, wenn man sich für bestimmte Lagerungs-
verhältnisse von vorne herein über die zu erwartenden Betractilitäts-
Verhältnisse unterrichten will, natürlich nur so weit als sie eben durch
die Lagerung der Theile bedingt ist. Man gebe nämlich dem Gliede
zunächst eine jener Lagerung, für welche die Spannung ermittelt
werden soll, entgegengesetzte Lage, zeichne zuerst in dem zu unter-
suchenden Bezirke mehrere Kreise, und bringe darauf das Glied in
die bestimmten Lagerungsverhältnisse. Die längeren Axen der Ellipsen
werden die Dehnungsrichtung der Haut anzeigen. Controlirt man
dann diese Ergebnisse noch an der Leiche, indem man zunächst die
Kreisformen ausschneidet und dann beliebige, etwa einer bestimmten
Operation entsprechende Schnitte anbringt, so kann man mit grosser
Genauigkeit die zu erwartenden Betractionserscheinungen ersehen, so
weit sie von physiologischen Verhältnissen abhängig sind.
Die durch den Inhalt veranlassten Veränderungen der
Spannung wurden auf dieselbe Weise untersucht. Volumsver-
änderungen wurden meist mit Wasserinjectionen erzeugt. Die
Spannung der Bauchhaut wurde an Schwangeren kurz vor und nach
der Entbindung untersucht.
Da es nicht nothwendig ist in alte Details einzugehen, so
sollen in der folgenden topographisch geordneten Ausein-
andersetzung der Spannungszustände nur die Grund-
verhältnisse hervorgehoben werden.
Am Kopfe bleiben am Scheitel, an der Stirn und oberen Hinter-
hauptgegend, so weit die Calvaria frei liegt, die Öffnungen und selbst
die ganz herausgeschnittenen Kerne grösstenteils in der Form und
im Durchmesser ungeändert. Die Spannung ist daher an der Leiche
nahezu = 0. Verschiebungen der Kopfhaut am Lebenden bringen
am Scheitel nur unbedeutende Veränderungen im Umfange der Kreis-
zeichnungen hervor. Verschiebungen der Stirnhaut können die Kreise
an der Stirn falten aber nur unbedeutend verlängern.
Im Umkreise der Schädelbasis werden die Öffnungen und Kerne
bereits etwas oval; am Masseter und am Triangularis menti bei
offenem Munde verziehen sich die Kreise nur unbedeutend, und -zwar
142 Langer.
in der Richtung der Stichspalten; Aufblähen des Mundes erweitert
etwas den auf der Backe abgedrückten Kreis, und zwar gleichförmig;
fester Augenliedschluss zieht die Haut, in Falten gelegt, aus der Um-
gebung der Orbita heran, spitzt die daselbst angebrachten Kreise zu.
Einschnitte zwischen Orbita und Nasenflügel in der Richtung des
Sulcus nasolabialis klaffen etwas weniger, als gleichlange die senk-
recht auf die Stichreihen fallen. Herausgeschnittene Kerne der
Masseter- und Unterkiefergegend retrahiren sich nur wenig (26 bis
25 Millim.). Die Gesichtshaut ist daher im Allgemeinen ursprünglich
weniger gespannt als die Haut an den meisten anderen Körper-
stellen.
Am Halse geht bei symmetrischer Lagerung der Leiche, wenn
der Kopf nicht zurückgebeugt ist, die Retraction in der Richtung der
Stichspalten vor sich, sie wird aber durch die Bewegungen des Unter-
kiefers, des Schultergürtels und der rotatorischen Excursionen des
Kopfes modificirt; schon um diesen allseitig ausgreifenden, und in
grösserem Umfange ausführbaren Bewegungen Raum zu geben, ist die
Haut namentlich in der oberen Hälfte ziemlich schlaff um den Inhalt
herumgelegt; selbst in der unteren Hälfte des Halses eines mageren
Individuums betrug der kürzere Durchmesser des Kernes nicht weniger
als 24 Millim.
An der Brust und am Bauche hat sowohl der Inhalt als auch
die Beweglichkeit einen bedeutenden Einfluss auf die Spannung der
Haut. Die Respirationsbewegungen modificiren sie grösstentheils
nur durch Änderung des Inhaltes; directe Spannungen aber bedingen
die Bewegungen des Rumpfes und die Excursionen des Schulter- und
Hüftgelenkes. Der Spannungsbezirk des Schultergelenkes reicht
ungefähr bis an eine Linie, welche inner der Mamilla nach oben
zum Sternal-Drittheile der Clavicula, nach unten zur Spitze der
letzten Rippe geht.
Streckung des Hüftgelenkes spannt noch die Haut in der unteren
Bauchgegend. Die Haut wird in Radien gespannt, welche zu dem
Gelenke als Centrum laufen. Erheben des Armes spannt die Haut
unter der Achsel von unten nach oben, Abduction der Arme und
Rückstauung der Schulter spannt sie am Pectoralis in querer
Richtung nach aussen.
Wichtiger als diese, auch von vorne herein bestimmbaren Span-
nungsverhältnisse, sind die, welche von dem Volumen abhängig sind.
Zur Anatomie und Physiologie der Haut.
143
Diesewurden zunächstander Leichebei symmetrischer Lagerung der-
selben und bei gestreckten und angezogenen Extremitäten untersucht.
Die Öffnungen waren längs des ganzen Sternum erweitert,
blieben aber kreisrund ebenso auch die Kerne. In einiger Entfernung
vom Sternum wurden Öffnungen und Kerne oval, und zwar sind
erstere mit ihrer längeren Axe in der Richtung der Rippen über-
einstimmend mit den Spaltenreihen gelagert. In der Axillarlinie ist
die oblonge Form der Öffnung und des Kernes am deutlichsten.
An einer Leiche fand ich in Millimeter:
Den längeren Durchmesser
„ kürzeren „
am Sternum
3 Rippenknorpel
unter de
r Achsel
Öffnung- 1 Kern
Öffnung-
Kern
Öffnung
Kern
32
32
22
22
35
32
24
21
40
30
25
18
Unter der Clavicula waren Öffnungen und Kerne oblong, die
längeren Durchmesser der ersteren gingen mit den Spaltreihen,
dasselbe war auch an der inneren Hälfte des Pectoralis der Fall. An
der äusseren Partie dieses Muskels näher seinem unteren Rande ist
eine Stelle, welche je nach der Lagerung der Extremität eine sehr
variable Retraction zeigt. In der Mittellage des Schultergelenkes
gelingt es runde erweiterte Öffnungen zu erzeugen, bei stark
abducirtem und über die Rrust gelegtem Arm erhält man senkrecht
stehende Ellipsen, bei abducirtem Arm schief lateral und nach oben
gerichtete Ovale.
Kreise, welche beim Lebenden während der Exspiration etwas
unter der Achselgrube vor dem herabhängenden Arm aufgedrückt
werden, bekommen während einer tiefen Inspiration eine oblonge, in
der Richtung der Rippen liegende Figur, in Folge der Zunahme des
Umfanges des Thorax; doch wird der Einfluss der Respiration schon
durch geringe Bewegungen des Armes bedeutend modificirt.
Diese Versuche ergeben, dass die Haut an der Brust,
namentlich soweit sie dem Skelete nahe aufliegt, straff gespannt
ist, dass die Spannung in der Mitte (am Sternum) gleichförmiger
ist, an den Seiten aber, wo sie in den Bereich der Gelenks-
spannungen fällt, ursprünglich schon ungleichförmig, und
zwar stärker in der Richtung der Spaltenreihen gespannt ist.
144 Langer.
Am Bauche bekömmt man insbesondere in der oberen Hälfte,
und zwar im Bereiche des Bectus bei verschiedenen Leichen ver-
schiedene Besultate, auch sind die Öffnungen und Kerne in der
Mittellinie besonders näher dem Sternum in der Begel kreisrund ;
weiter lateral bekömmt man Ovale, deren längere Axen bald schief
medial, bald schief lateral absteigen. In der seitlichen unteren Bauch-
gegend und in der Leistengegend fand ich constant (bei Männern
mit nicht aufgetriebenem Bauche) die Ovale mit schief medial ab-
steigendem längeren Durchmesser.
Unter dem Nabel werden auch in der Mittellinie die Kreise oval,
und zwar quer verlängert.
Tiefe Inspirationen verlängern oben die Kreise etwas in senk-
rechter Bichtung, Aufblähen des Bauches zieht die Kreise in der
mittleren Bauchgegend in die Quere, Streckung des Hüftgelenkes
verlängert die in der Beugelage ober dem Poupart'schen Bande ge-
zeichneten Kreise der unteren Bauchgegend nach unten.
Diese Versuche zeigen ebenfalls, dass von grösseren Volums-
veränderungen und den Bewegungen der Hüfte abgesehen, auch in
der Bauchgegend median und ober dem Nabel die Haut mehr
gleichförmig, an den Seiten und unten der Excursions-
fähigkeit der Wirbelsäule entsprechend ungleichförmig u. z.
schief zur Mitte mit den Spaltreihen absteigend stärker gespannt ist.
Die Spannungsverhältnisse der Bauchhaut bei grosser Vo-
lumszunahme des Unterleibes wurden bei Schwangeren unter-
sucht; es wurden auf den ausgedehnten Unterleib in verschiedenen
Gruppen Kreise gezeichnet, und deren Betraction einige Zeit nach der
Entbindung gemessen. Ich fand dann die Kreise in der Umgebung des
Nabels kaum in der Form nur im Durchmesser verändert, welcher
sich bis auf 22Millim. verkürzte. Die Kreise in der Höhe des Nabels
lateral vom Bectus sind dagegen auch oval geworden, ihr längerer
Durchmesser stand mehr senkrecht und hat nur wenig verloren, da-
gegen war der quer gelegte kürzere Durchmesser bis auf 24 Millim.
verkürzt.
In der Linie vom Nabel zum oberen Darmbeindorn standen
die längeren Durchmesser der oval gewordenen Kreismarken schief
zur Mitte absteigend, der kürzere auf den Nabel zielende Durch-
messer hatte ungefähr 24 Millim. Die kürzeren Durchmesser zeigten
die Bichtung der post partum erfolgten Betraction, also die Bichtung
Zur Anatomie und Physiologie der Maut. J 4-.)
der ante partum bestandenen Spannung an. Diese war also in der
mittleren Bauchgegend mehr gleichförmig und in grösserem Abstände
vom Nabel mehr ungleichförmig, und zwar in den auf den Nabel
zielenden Radien grosser; die grösste Spannung bestand in der
nächsten Nähe des Nabels und in der oberen Leistengegend. In der
letzteren bilden sich auch bekanntlich die linearen Hautnarben,
welche senkrecht auf die bestandene Spannungsrichtung gelagert
sind.
An der Rücken seite des Rumpfes nehmen, wenn die
Leiche symmetrisch gelagert, die Arme angezogen und die Schultern
gestützt sind, die Öffnungen eine oblonge Gestalt an, deren längere
Durchmesser im Nacken und in der Brustgegend mit den Spaltreihen
schief lateral absteigen und in der Lendengegend mehr quer gestellt
sind; nur an der Seite des ersten Brusldornes behält die Öffnung
ihre runde Form bei. Dasselbe gilt auch für die Mittellinie und ihre
nächste Umgebung im Bereiche des Torax; in der Lendengegend
nehmen sie aber wieder eine querovale Form an.
Die Lage der Schultern übt einen wesentlichen Einfluss auf die
Retraction aus; schon dann, wenn die Schulter nicht gestützt ist und
auf der Tischplatte aufliegt, verziehen sich die Ovale der oberen
Brustgegend gerne nach oben. Der Spannungsbezirk des Schulter-
gürtels und des Schultergelenkes reicht bis in die obere Lenden-
gegend. Im Allgemeinen kann man also sagen, dass von den Bewe-
gungsspannungen abgesehen, auch im Bereiche der Brustdorne
die Haut mehr gleichförmig, weiter gegen die Seiten aber
ungleichförmig über den Rumpf gespannt ist.
An den Extremitäten sind beinahe durchgehends u ngleich-
förmige Spannungen nachzuweisen, es hängt dies von den
Einstellungsweisen der Gelenke ab. In der Strecklage des Beines
findet m;m öfter über der Mitte der hinteren Fläche des Oberschen-
kels häufig auch au der Streckseite des Vorderarmes eine Stelle, an
welcher die Kreise nicht in Ellipsen gezogen werden, also eine mehr
gleichförmige Spannung. Eine geringe und mehr gleichförmige
Spannung findet man auch an sehr abgemagerten Leichen in der
unteren Gesässgegend während der Strecklage des Beines. Annä-
hernd kreisrund bleiben die Öffnungen auch hinter den Knöcheln,
wenn das Sprunggelenk in der Mitte seiner Excursionsfähigkeit ein-
gestellt wird.
Sitzb. «I. matliem.-naturw. Cl. XLV. Bd. I. Ahth.
|46 Langer.
In der Hohlhand und an der Fusssohle behalten aber die Kreise
nicht nur ihre Form, sondern auch ihren Durchmesser bei; selbst der
ganz frei gelegte und herauspräparirte Hautkern lässt keine bemer-
kenswerthe Schrumpfung nachweisen. Hier ist also ebenfalls wieder
wie an der Calvaria die Spannung der Haut gleich Null.
Bei der Normalstellung der Extremitäten in Streckung und Ad-
duction, ist die grössere Spannung in der Längsrichtung der Ex-
tremität nachweisbar, selbst an der Seite des Deltoides und an der
Streckfläche des Oberarmes. Die längeren Durchmesser der Ellipsen
sind in der Regel, namentlich aber an der unteren Extremität in der
Richtung der Stichspalten gelagert, Deltoides und Oberarmgegend
machen in der Adductionslage des Armes eine Ausnahme. In der
Adductionslage werden die Kreise mehr quer oder schief, nämlich
in der Richtung der Stichspalten verlängert. Das Vorkommen von
erweiterten Kreisen im Leistenbuge, während der Mittellage des
Hüftgelenkes, wurde bereits erwähnt.
Um die durch vermehrten Inhalt bedingten Spannungs-
verhältnisse der Haut an den Extremitäten kennen zu lernen, erzeugte
ich durch Injection von Wasser in das subcutane Gewebe ein Ödem
und fand, dass die früher markirten Kreise am Unter- und Ober-
schenkel eine querovale Form bekamen. Während sich der quere
länger gewordene Durchmesser an der Wade bis auf 37 Millim.
vergrösserte , blieb der kürzere Durchmesser ungeändert; stellen-
weise wurde er aber sogar kleiner. Die Haut wurde also an dieser
Stelle in der Längsrichtung herbeigezogen, um den in der Quer-
richtung vergrösserten Umfang der Wade zu decken. Die dadurch
hervorgerufene Spannung in die Länge machte sich erst in der Knie-
kehle bemerkbar; wo die Kreise allseitig erweitert wurden, jedoch
mit grösserem Wachsthum des queren Durchmessers, dessen Länge
aber nicht 37 Millim. erreichte. Eine ebenfalls mehr gleich-
förmigere Spannung war am Fussrücken und an der hinteren Ober-
schenkelfläche ober der Mitte derselben bemerkbar.
Um die Retractionsfähigkeit der Lappen verschiedener
Hautpartien, namentlich mit Bezug auf die Anordnung des
Gewehes kennen zu lernen, habe ich am Leibe Riemchen von
bestimmter Länge und Breite, und zwar 25 Millim. lang und 10 Millim.
breit, an einer Seite in der Richtung der Stichreihen, an der
andern Seite senkrecht auf sie abgesteckt, dann herausgeschnitten,
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. 147
und auf einer befeuchteten Glastafel neuerdings gemessen. Ich
fand in Übereinstimmung mit den früher gewonnenen Erfahrungen,
dass sich die Riemchen vom behaarten Kopfe, von der
Stirn, der Ho hl band gar nicht oder nur wenig ver-
kürzten, dass die Di ff e r e n z e n d e r V e r k ü r z u n g d e r L ä n g s-
und Quer riemchen stellenweise gleich Null oder nur
unbedeutend waren, z. B. an der mittleren Brust- und Bücken-
gegend in den Zahlen 19 — 19, 19 — 20, duss sich dagegen an den
Extremitäten, an den Seiten des Bumpfes (bei adducirten Extremi-
täten), also an Stellen, wo eine scharf ausführbare Spaltbarkeit beob-
achtet wird, bei variabler Differenz das Längsriemchen stets
mehr verkürzt, als das Qu er riemchen. Ich bekam z. B. für
die vordere Fläche des Oberschenkels die Zahlen 17 — 2 4, aber
auch 20 — 23; für die Lendengegend die Zahlen 20—22-5 und
20—24.
Bestand irgendwo eine durch die Gelenkslagen hervorgerufene
nicht in die Spaltungsrichtung fallende Spannung, so erfuhren die
Querriemchen gelegentlich eine grössere Verkürzung als die Längs-
riemchen. Ist z. B. der Arm bei der Bückenlage nicht adducirt und
die Schulter nicht gestützt, so wird das längs des Bandes des Pec-
toralis magnus herausgeschnittene Riemchen stets kürzer werden,
als das senkrecht auf ihn gerichtete, obwohl das letztere nach den
Stichreihen orientirt ist. Am Rücken längs des Spinalrandes der
Scapula fällt die grössere Verkürzung nur dann in die Richtung der
Stichreihen, wenn die Schulter während der Bauchlage der Leiche
nicht auf der Tischplatte ruht, sondern gestützt wird, hängt aber
die Schulter herab, so fällt die grössere Retractilität in die Richtung
der unteren Fasern des Trapezius.
Diese Hautpartie ist nun zunächst geeignet, die wahren Be-
ziehungen der Retractilität und derSpannung zu der
Textur undSpaltbarkeit desHautgewebeszu erläutern.
Aus den bisher gemachten Angaben ist nämlich ersichtlich,
dass für die aufrechte symmetrische Attitüde an allen Körperstellen,
wo überhaupt Spannung besteht und insbesondere da, wo sie ungleich-
förmig ist, die grössere R etraction stets in der Richtung
der Stichspaltung stattfindet. Andererseits zeigt es sich aber,
dass, wenn die Spannung, sei es durch den Inhalt, sei es durch
Gelenksbewegnngen, verändert wird, die grössere Retraction
ii *
148 Langer.
auch ganz ohne Beziehung zur Gewebs Spaltung vor sich
gehen könne. Es müssen daher jene Hautpartien vorzüglich in's
Auge gefasst werden, welche eine unbestimmte Spaltbar keit
und eine veränderliche Retraetion zeigen. Dies ist zunächst
an jeder Leiche in der oberen Rückengegend der Fall.
Bei Gelegenheit der Besprechung der Spaltbarkeit der Cutis
bemerkte ich, dass die an der Leiche constante Spaltbarkeit eines
Hautstückes verändert werden könne, wenn das Hautstück heraus-
geschnitten und mit Zangen in andere Richtungen gespannt wird.
An dünnen Hautstellen ist es mir schon an der Leiche gelungen,
durch veränderte Spannung die Spaltrichtung zu ändern. Scharf
spaltbare Haufpartien Hessen sich aber durch Gelenkbewegungen
nicht in ihrer Spaltbarkeit alteriren, ich konnte da nur klaffende
Öffnungen erzeugen, die Richtung der Spalten aber nicht verän-
dern. Ich habe desshalb meine Aufmerksamkeit den Stellen mit
un bestimmter Sp a Itba rkeit zugewendet, und gefunden, dass
es an diesen und zwar schon an der Leiche durch Ge-
lenksexcu rsionen möglich ist die Richtung der Spalten selbst
dahin zu ändern, dass sie senkrecht gegen einander gestellt wurden.
Eine in der Bauchlage befindliche Leiche, deren Schulter unter-
stützt wurde, zeigte in der oberen Rückengegend längs des Spinal-
randes und des unteren Winkels der Scapula schief lateral abstei-
gende Spaltreihen und eine in dieser Richtung vor sich gehende
Verlängerung der eingeschnittenen Kreisöffnungen; Hess ich aber
die Schultern frei über den Tischrand herabfallen und kreuzte die
Arme kräftig vorne über der Brust, so änderte sich nicht nur
die grössere R e t r a c t i o n s r i c h t u n g , sondern auch die
Spaltbarkeit der Art, dass die Spaltreihen schief lateral zur
Schulter aufsteigen.
Die verschiedenen Spannungsverhältnisse sind auch der Grund
der verschiedenen Spaltlingsvarianten an den Bauchdecken ; während
aber am Rücken die Spannung von der Lagerung der Schulter ab-
hängt, ist es hier bei symmetrischer Rückenlage der veränderliche
Inhalt, welcher auf die Spaltbarkeit Einfluss nimmt. Die ersten
Leichen, Avelche ich auf die Spaltbarkeit untersuchte, waren die
eines hydiopischen Mannes und einer Frau, die ohne Zweifel schon
öfter geboren und sehr schlaffe Bauchdecken hatte. Bei dieser fand
ich in der unteren Bauchgegend die Stichreiben schief zum Nabel
Zur Anatomie und Physiologie der llnut. \ 4-9
aufsteigen, und erst die späteren Untersuchungen führten mich auf
die gewöhnlicheren normalen Spaltungsverhältnisse der Bauchhaut
in dieser Gegend. Nach den Erfahrungen, die ich über dieSpannungs-
# Verhältnisse der Bauchhaut bei Schwangeren gemacht, kann es wohl
nicht mehr zweifelhaft sein, dass durch die in der Richtung von dem
Nabel gegen den Darmbeindorn bestehende Spannung die ursprüng-
lich bestandene Spaltbarkeit verändert, förmlich umgekehrt wurde.
Da die Spaltbarkeit von der Textur des Gewebes abhängig ist,
so ist durch diese beiden eclatanten Fälle auch der Ein flu ss der
S p a n n u u g auf die Textur des H a u t g e w e b e s siehe r-
gestellt. Denkt man sich in der ursprünglichen Anlage das Faser-
gerüst der Haut derart angeordnet, dass seine Balken ein mehr recht-
winkeliges Gitterwerk darstellen, so ist es leicht denkbar, dass eine
ungleichförmige Spannung die Maschen zu rhombischen Formen ver-
zieht, deren längere Diagonale die vorwaltende Zugrichtung anzeigt.
Ist die Lagerung des Maschenwerkes der Art, dass es durch die
Veränderung der Spannung momentan bald dabin, bald dorthin
gestreckt wird, so wird die veränderte Spaltbarkeit und die mit ihr
veränderte Retractilität erklärlich, und der Causalnexus, der zwi-
schen beiden besteht, nachgewiesen.
Die Annahme, dass die Spannungsverhältnisse auch die Spalt-
barkeit des Cutisgewebes bedingen, und dass mit der Veränderung
der Spannung die Spaltbarkeit verändert werde, liegt so nahe, dass
ich gleich bei den ersten Versuchen meine Aufmerksamkeit darauf
gerichtet, und die sichtlich constanten Spaltungsrichtungen anfangs
nur mit grossem Misstrauen aufnahm. Als ich aber an den meisten
Körperstellen die Spaltlingsrichtung beiderseits gleich und an allen
Leichen wieder gefunden, und als ich sie erst nach Anwendung
grosser Gewalt, wie sie a m Leibe nicht vorausgesetzt
werden kann, sich ändern sah, dann erst zweifelte ich nicht
mehr an der Constanz dieser Erscheinung.
Wenn nun einerseits die Abhängigkeit der Textur und der
Spaltbarkeit von der leicht veränderlichen Spannung nicht bezweifelt
werden kann, andererseits aber die Constanz bestimmter Spaltungs-
richtungen an den meisten Körperpartien erfahrungsgemäss fest-
steht, so müssen für diese Gegenden jene Momente nachge-
wiesen werden, welche den Einfluss der Spannung so
weit hemmen, dass die Veränderlichkeit des Gewebes
150 Langer.
nicht bis zu jenem Grade gebracht werden kann, um
eine veränderte Spaltbarkeit hervorzurufen.
Darüber dürften folgende Erfahrungen genügend Aufschluss
geben.
Ich erwähnte bereits, dass die Bauchhaut in Fällen, wo sie
durch grosse Volumszunahme des Inhaltes eine grosse Spannung
erleidet, gegen die gewöhnliche, also massgebende Weise, in der
Richtung von dem Darmbeindorn gegen den Nabel spaltbar sei.
Bei zwei Frauen, welche geboren, fand ich im Gegensatze zu
einem weiblichen Individuum, welches nicht geboren und die gewöhn-
liche Spaltungsweise der Bauchhaut zeigt, nach der Geburt diese
ausnahmsweise Spaltung. In diesen Fällen wurde also das Gewebe
durch eine früher bestandene grosse Spannung verändert, und diese
Gewebsanordnung hat sich auch noch dann erhalten, nachdem die
bestandene Spannung post partum gewichen ist. Die nach Schwan-
gerschaften zurückbleibende Erschlaffung der unteren Hälfte der
Bauchhaut ist ein Zeichen, dass die übermässig ausgedehnte Bauch-
haut ihre ursprüngliche Spannung nicht mehr erlangt und desshalb
das Gewebe die durch die Schwangerschaft erworbene Anordnung
beibehalten hat.
Die sogenannten Schwangerschaftsnarben entstehen,
beiläufig gesagt, durch eine Lockerung und wahrscheinlich auch
theilweise Zerreissung des Hautgewebes. Die rarificirten Binde-
gewebsbündel kreuzen in querer Richtung die linearen Narben. An
Hydropischen, bei denen, wie während der Schwangerschaft solche
lineare Lockerungen des Gewebes zu Stande kommen , kann man
sich durch Abtragung feiner Hautblättchen, selbst ohne das Mikroskop
zu Hilfe zu nehmen, leicht überzeugen, dass die Bindegewebsbündel
gelockert sind und in parallelen Zügen die Längsrichtung der zer-
klüfteten Hautstellen überkreuzen. Ich zweifle nicht, dass auch bei
Schwangeren an diesen, den späteren Narben entsprechenden Haut-
partien, wie bei hochgradigen Ödemen, seröse Flüssigkeit zwischen
die gelockerten Bündel ergossen ist; sie zeigen dasselbe hyaline
Aussehen und bekommen wegen des dunklen Untergrundes, wie bei
Ödemen, die bläuliche Färbung.
Von den Narben ganz abgesehen, auch die zwischen liegende
Bauchhaut erreicht nicht mehr die ursprüngliche Anhige des Gewebes
und die ursprüngliche Spaltbarkeit, und zwar aus dem Grunde, weil
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. 1 1) l
in den erschlaffte n Hautdecke n nicht mehr die hinrei-
chende Spannung aufgebracht werden kann, welche im
Stande wäre, das Gewebe zurück zu ordnen.
Denselben Einfluss, den hier, so zu sagen, abnormer
Weise, der Inhalt ausübt, nehmen an den meisten Körper-
steilen, insbesondere an den ExtremitätendieGelenke,
und wahrscheinlich auch die Wachsthumsverhältnisse.
Die Ergebnisse meiner Untersuchungen über die Spaltbar-
keit der Haut während verschiedener Altersperioden
zeigten nämlich, dass die Verhältnisse der Spaltbar keit, wie
sie beim Erwachsenen, selbst schon in den Knabe n-
jähren vorkommen, grösstenteils erworbene, von der
ursprünglichen Anlage verschiedene sind.
Nur die am Kopfe und Rumpfe nachweisbare Spaltbarkeit findet
sich im Wesentlichen auch schon beim Neugebornen, nicht so
an den Extremitäten.
Am Oberarme nämlich legen sich an die über den Pectoralis-
rand aufsteigenden Reihen anfangs schiefe, weiter unten beinahe
quere Reihen an, welche über die Riceps-Erhabenheit auf die Streck-
seite gehen; die untersten gehen wenig schief über den Ellbogenbug
zur Ulnarseite herab. Am Olecranon und an der unteren Hälfte des
Vorderarmes sind wieder reine Querreihen darstellbar, an den Epi-
condylen treten unregelmässige Spaltungen auf, welche sich radial-
wärts bis zum mittleren Drittheile des Vorderarmes erstrecken.
Auf die Fig. i rechts dargestellten Reihen des Gesässes folgen
gleichlaufende den Oberschenkel in wenig schiefen Touren um-
spinnende Reihen , von denen nur die unteren etwas mehr schief
durch die Kniekehle zur Tibialseite verlaufen. Die Streckseite des
Kniegelenkes hat Querreihen, welche von den oberen leicht ab-
weichen. An den Condylen, besonders an den äusseren, sieht man
ebenfalls Unregelmässigkeiten, welche bis nahe an die Mitte des
Unterschenkels reichen, wo wieder reine quere Stichspalteu in
Kreistouren gereiht auftreten.
Am Hand- und Fuss rücken, ja selbst an den Phalangen,
sind die Spaltungen quer, an der Klein-Fingerseite der Hohlhand
und in der hinteren Hälfte der Fusssohle sind quere Spaltungen, in
der Mitte beider, unregelmässige wahrnehmbar. Der Daumenballen
zeigt schon die später wahrnehmbaren, ihn umkreisenden Reihen.
152 Langer.
Wie am Rumpfe, so sind (Ja her auch an den Extremi-
täten die Spaltreihen ihrer ursprünglichen Anlage
nach, in quer er Richtung, den Inhalt umkreisend ange-
legt; während sich aber die am Rumpfe bis auf einzelne Partien, wie
z. B. am Bauche, durch das ganze Lehen ungeändert .erhalten, strecken
sich die der Extremitäten immer mehr, bis sie einen mehr longitudinal
gerichteten Verlauf bekommen. Die Zeit, in welcher diese Streckung
vor sich geht, kann ich nur annähernd in das erste Lebensjahr ver-
legen, da ich bereits bei einem zweijährigen Kinde im Wesentlichen
die späteren Formen gefunden habe.
Die Ursache dieser Umlegung der Spaltreihen
d ü r f t e w o h 1 z u n ä c h s t i n d e r V e r w e n d u n g d e r E x t r e m i t ä-
t e ii z u such e n se i n ; die Gelenke, welche während des Intrauterin-
Lebens in Winkeln gebeugt, eingestellt sind, werden post partum
allmählich bis zur vollen Strecklage gebracht; die Haut wird dadurch
in der Längsrichtung der Glieder gespannt, das Fasernetz in
dieser Richtung verzogen, und durch das während dieser Lebens-
periode rasch vor sich gehende Wachsthum der Extremitäten
bleibend festgeh alten.
Ich zweifle nicht, dass diese Erklärung der Umkehr der Spal-
tung die richtige sei, denn, wenn man den Excursionsmodus der auf
die Längenverhältnisse der Extremitäten vorzugsweise Einfluss neh-
menden Gelenke berücksichtiget, so ist die Übereinstimmung des-
selben mit der Bichtung der Stichreihen nicht zu verkennen. Am
Oberarme ist es nämlich die Streckung des Ellbogengelenkes, welche
die queren Maschen der Oberarmhaut verzieht, da die Versuche
über die durch Streckung des Ellbogens hervorgerufene Dehnung
der Haut gezeigt haben, dass beugewärts die Haut stärker und
mehr in der Längsrichtung der Extremität gedehnt, und von der
hinteren Fläche des Vorderarmes schief herbeigezogen wird. Die
am Vorderarme, besonders palmarwärts höher hinaufreichenden.
Fig. 9 und 10 gezeichneten Querreihen, sind Reste der ursprüng-
lichen Anlage und bezeichnen die Grenze bis zu welcher die
Streckung des Ellbogengelenkes das Fasernetz umgeändert hat.
Während es daher am Arme hauptsächlich das Ellbogengelenk,
weniger das Schultergelenk ist, welches auf die Umgestaltung
Einfluss nimmt, macht sich an der unteren Extremität in gleicher
W7eise das Kniegelenk, aber sehr auffallend auch das Hüftgelenk
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. 1 O O
geltend. Der Streckung dieses Gelenkes ist hauptsächlich die Dehnung
des Fasernetzes au der vordem Seite des Oberschenkels zuzuschrei-
ben, ferner die Anordnung der Reihen an der obern Hälfte der hin-
teren Seite. Hier bedingt nämlich die Spannung, welche die Streckung
des Hüftgelenkes erzeugt, die beiderseits unter der Gesässfalte schief
absteigenden Reihen, während unter der Gesässfalte, wo zerstreute
oder gerissene Stichwunden erzeugt werden, die Haut mehr gleich-
förmig gespannt bleibt.
Das ursprüngliche , den Inhalt einfach in Kreistouren einschlies-
sende, also durch den während des Intrauterin- Leheus zunehmen-
den Inhalt quer gespannte, und daher in querer Richtung spaltbare
I lautnetz, wird durch die Streckung der Gelenke longitudinal ver-
zogen und in dieser Anordnung durch das Wachsthum fest-
gehalten.
Dass diese Anordnung durch die so umfangreichen' Gele nks-
Excursionen der Extremitäten während des späteren Lebens nicht
neuerdings umgestaltet wird, und desshalb die Spaltungsverhältnisse
constant erhalten bleiben, ist in dem begründet, dass die erworbene
Anordnung schon den extremen Gelenkslagen ent-
spricht, die Haut daher an diesen Stellen durch das zweite Extrem nicht
mehr bespannt, sondern nur erschlafft werden kann. Dass die infan-
tile Form an der Streck- und Reugeseite des Handgelenkes, nämlich
die Querreihen, erhalten bleiben, hat seinen Grund darin, dass die
Mittellage des Gelenkes, dem die ursprüngliche Anlage entspricht,
auch später gewöhnlich festgehalten wird , und die extremen Fle-
xionslagen von der Mittellage nicht so weit abliegen, um das Netz
anders zu ordnen.
Nur an den Grenzen des Spannungsterrains der ein-
zelnen Gelenke, wo sich bald das eine, bald das andere Gelenk
geltend macht, z. B. in der Mitte der Vorderarmslänge, namentlich
an der Streckseite, dann an Stellen, wo sowohl das Hin als auch das
Her der Gelenksbewegung die Haut, aber jedesmal in anderen Rich-
tungen spannt, z.R. unter der Gesässfalte, unter den Ellbogenhöckern,
am Schienbeinhöcker, da wird das Ge füge veränderlich und
mit ihm die S p a 1 1 b a r k e i t.
Sei es nun die ursprüngliche oder erworbene Faserrichtung,
seien es die für die extremen Strecklager bereits eingerichteten
Faserlängen, man wird die Anlage der Hauttextur immer von der Art
154 Langer.
finden , das den Gelenksexcursionen durch sie nur die geringsten
Widerstände geboten werden.
Dass auch der Inhalt noch in späteren Jahren Einfluss auf die
Anordnung des Gewebes und daher auf die Spaltbarkeit der Haut
der Extremitäten nimmt, scheint mir aus den z. B. Fig. 7 — 9 und
Fig. 8 — 10 abgebildeten Formen sich zu ergeben. Fig. 7. und 8
beziehen sich nämlich auf abgemagerte Leichen, wo die Querspan-
nung vielleicht gänzlich aufgehört und wegen der ungeänderten
Längendimensionen die bestehende Längsspannung unverändert
geblieben ist, während in Fig. 9 und 10 die einem kräftigen Indi-
viduum angehören, die Volumverhältnisse der Musculatur auch eine
Querspannung bedingten.
Es ist klar, dass auch Geschwülste die gewöhnlichen Spannungs-
und Spaltungsverhältnisse, sogar wesentlich umgestalten können.
Da beinahe an allen Körperstellen Spannung besteht, und die
Bindegewebs-Faserbündel, welche bekanntlich eine grosse Resistenz
besitzen und desshalb in ihrer Länge den grössten Gelenks-Excur-
sionen adaptirt sein müssen, so werden bei dem grossen Retractions-
vermögen der Haut, die Bündel in lospräparirten Lappen nicht ge-
radlinig, sondern nur wellenförmig hin und her gebogen verlaufen;
es ist dies die an der gegerbten Haut wahrnehmbare Kräuselung
der Bindegewebsbündel und Fasern.
Wenn auch ein Theil des Retractionsvermögens der Haut der
Elasticität des früher gespannten Bindegewebsgerüstes zugeschrie-
ben werden muss, so kann es doch nicht ausschliesslich dadurch zu
Stande kommen, indem die einmal gekräuselte Faser keine Spannung
mehr bedingen, und den Hautlappen verkürzen kann.
Es weist dieser Umstand auf das Bestehen eines zweiten mikro-
skopisch nicht nachweisbaren in die Lücken des Fasergerüstes einge-
lagerten hyalinen Zwischen gewebes, welchem der grösste
Autheil des Retractionsvermögens zusteht.
Dass die Kräuselung blos dem Gerbeprocesse zuzuschreiben,
ist kaum anzunehmen, da auch in frischen Hautschnitten eine locken-
förmige Biegung der Hautbündel wahrnehmbar ist.
Spannung und Retraction, Anordnung des Haut-
gewebes und seine Spaltbar keit bedingen sich daher
gegenseitig, und es ergibt sich desshalb auch die
Regel, dass bei ungl eich massiger Span nun g die stär-
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. 155
kere Retraction den Spalten reihen folgt und dass die
Spaltreihen in die Richtung der Hautfalten gelegt sind.
Bei den, der aufrechten Attitüde entsprechenden Rücken- oder
Bauchlage der Leiche mit angezogenen Extremitäten und gestützten
Schultern erleidet diese Regel kaum eine Ausnahme.
Die normale Anordnung des Hautgewebes ist ent-
weder schon in der ersten Anlage gegeben, und durch
die, während der embryonalen Entwicklung bestehende Spannung
begründet, oder erst na ch der G eburt in dem ersten Lebens-
jahre durch die, die Streckung der Glieder begleitende Spannung
erworben.
Trotz der variablen ungleichmässigen, durch die Gelenkbewegun-
gen hervorgerufenen Spannung, erhält sich diese Gewebsan-
orduuug an den meisten Körperstellen durch das ganze
Leben, weil bei den bestehenden Gelenkseinrichtungen, theils ihre
Excursionsweite nicht hinreicht, eine Umordnung des Gewebes zu
Stande zu bringen, theils weil beugewäits die erworbene Gewebs-
ordnung schon dem einen Excursionsextreme, nämlich der Streckung
adaptirt ist, und desshalb durch die Bewegung nur erschlafft, nicht
gespannt werden kann, streck wärts aber schon in der ursprüng-
lichen Anlage der Beugestellung adaptirt ist, und daher durch die
Streckung ebenfalls nur erschlafft werden kann. Die Gelenksbewe-
guugen können daher Spannungen erzeugen, welche, weil sie nicht
hinreichen das Gewebe umzuordnen, eine nicht an die Rich-
tung der Spaltreihen gebundene Retraction bedingen.
Nur an einigen Körperstellen, wo eine unentschiedene oder
verworrene Spaltbarkeit wahrnehmbar ist, da können die nor-
malen Gelen ks-Excursionen mit der geänderten Span-
nung auch das Gewebe umordnen und eine variable
Spaltbar keit bedingen.
Auch grosse Volumsveränderungen, z. B. Schwangerschaft,
hydropische Ansammlungen , können ausnahmsweise das Gewebe
gewaltsam und wie es scheint, auch bleibend umordnen.
Vielleicht werden sich die besprochenen Textur- und Spannungs-
verhältnisse der Haut auch in Bezug auf das, namentlich von Roser so
sehr urgirte Capitel über die Narbencontractionen verwerthen lassen.
So scheint es mir, als ob sich z. B. das beschriebene Klaffen der Haut-
wunden bei der Tracheotomie in die Quere, die spätere Verkürzung
156 Langer.
der Wunde und die Vereinigung der ehemaligen Wundwinkel mit
einander nicht schwer aus der schief nach hinten und oben gerich-
teten grösseren Spannung und der Spaltbarkeit der Halshaut erklären
Hesse.
III. Über die Elasticität der Cutis.
Bei dem sehr veränderlichen Umfange des Gesammtkörpers und
der einzelnen in der Hautdecke eingeschlossenen Theile, ferner bei
dem beständigen Wechsel der Gelenkslagen wird die Haut theils im
Ganzen, theils in ihren einzelnen Partien einem grossen Wechsel
der Spannung unterworfen. Von vorne herein muss man ihr, weil
sie sich allen Unebenheiten der Körperoberfläche anzuschmiegen
vermag, wobei weder den Gelenksexcursionen, noch, bis auf ein
gewisses Maximum, auch der Zunahme des Körperumfanges irgend
ein wahrnehmbares Hinderniss entgegensetzt, einerseits eine sehr
vollkommene, andererseits aber eine dem Grade nach sehr geringe
Elasticität zuschreiben, d. h. es müssen schon geringe Kräfte ge-
nügen, die Haut zu dehnen (ihre Form zu verändern), und nach
Beseitigung der Spannung inuss sie ihre ursprüngliche Form voll-
kommen wieder erlangen können.
Über die Elasticitätsverhältnisse der Cutis liegen meines
Wissens noch keine Erfahrungen vor. Selbst G. Wertheim, der
die meisten organischen Gewebe untersucht, hat nichts über die
Haut veröffentlicht, dagegen an dem Sehnengewebe eine sehr grosse
Cohäsion und Elasticität nachgewiesen. Dies scheint mit dem er-
fahrungsgemäss bestehenden grossen Dehnungsvermögen der Haut
insoferne im Widerspruche zu stehen, als ja auch die Haut ein
bindegewebiges Fasergerüste besitzt, dessen Elementen dieselben
physikalischen Eigenschaften zuzuschreiben sind, welche das Seh-
nengewebe besitzt. Dieser scheinbare Widerspruch beweist eben
wieder, wie sehr auch in dieser Beziehung die Textur des Haut-
gewebes in Bechnung zu bringen ist.
Denn wenn man sich schon von vorne herein über die Momente,
welche die Verlängerung eines Hautriemchens bedingen können,
Rechenschaft zu geben sucht, so wird man allsogleich wahrnehmen,
dass ein Gewebe, dessen Fasergänge nicht durchgehends parallel
angeordnet sind, wie dies an den Sehnen der Fall ist, sondern aus
gekreuzten Fasersystemen besteht, notwendiger Weise je nach
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. J JJ 1
der Richtung der Spannung ein verschiedenes Deh-
nung s v e r m ö g e n besitzen wird.
Denkt man sich nämlich die Haut zunächst als ein Netz steifer,
starrer Fasern, die Maschen dieses Netzes, wie ich es an vielen
Körperstellen nachgewiesen, von rhomboidaler Form, in deren län-
gere Diagonale die Stichspalte fällt, so wird es allsogleich als not-
wendige Folge dieser Anordnung erkannt werden, dass die Dehn-
bar k e i t der Haut in der Richtung der Stich spalten
geringer sein müsse, als in der Richtung, welche
senkrecht auf die Stichspalten streicht.
Im ersten Falle nämlich werden sich die gespannten Fasern
der directen Dehnung früher darbieten als in letzterem, wo die
Maschen erst quer verzogen werden müssen, ehe die Spannung in
die Richtung der Fasern fallen kann.
Das Gewebe muss sich also zunächst ordnen, ehe
die Spannung die Fasern direct trifft, und diese selbst an der Ver-
längerung des Riemchens Antheil nehmen können.
Nebst dem Ordnen des Gewebes und der eigenthüm liehen
Dehnungsfähigkeit der Faser ist endlich noch ein dritter Umstand
in Betracht zuziehen, es ist dies nämlich die Kräuseln ng der
Fasern in dem freigelegten Hautriemchen.
Die G e s a m m t v e r 1 ä n g e r u n g , welche ein Hautriem-
chen erfährt, ist daher das Resultat dreier Factoren;
nämlich der Schlichtung der Faser, der Ordnung des Gewebes und
endlich der eigentümlichen Dehnbarkeit der Faser. Offenbar wird
die Schlichtung der Faser und wenigstens ein Theil der Umordnung
des Gewebes gleich in die ersten Zeiträume der Dehnung fallen.
Diese Betrachtung ergibt: 1. dass schon wegen des Ordnens
des Gewebes scharf spaltbare Hautstücke in Längs-
riemchen dehnbarer sein müssen, als in Querriem-
chen *); ferner, dass man 2. zwei Antheil e an der Verlän-
gerung des Biemchens unterscheiden müsse, nämlich
den Anfangstheil und den Endtheil; im ersten schlichtet sich
die Faser und ordnet sich grösstenteils das Gewebe, und erst im
zweiten Theile wird hauptsächlich die Faser selbst der Dehnung
unterworfen.
l) Über die Methode der Messung und die ßelastiingsweise wird später das Nähere
initgetheilt werden.
1 58 Langer.
Folgende Tabelle beweist die grössere Dehnbarkeit des
Querriemchens und ergibt den Unterschied, der zwischen dem An-
fangs- und dem Endantheil der Dehnung besteht.
Die Angaben sind aus einer grösseren Anzahl von Versuchen
herausgehoben und nur insofern e ausgewählt, als sie sich
auf scharf spaltbare Hautpartien beziehen. Die Länge
der zu beobachteten Riemchensegmente wurde direct mit dem
Zirkel auf 25 Millim. , und zwar auf einer befeuchteten Glasplatte
abgemessen. Die Dehnung durch allmählich gesteigerte Belastung
bis auf 510 Grm. ausgeführt, in die Tabelle jedoch nur die bei
10 Grm. , 30 Grm. und 510 Grm. erreichten Längen aufgenommen.
Es bedeutet L das Längsriemchen, Q das Querriernchen, a die ur-
sprüngliche Länge des Riemchens = 25 Millim., b seine Länge bei
10 Grm. , c bei 30 Grm. , d bei 510 Grm. Belastung. In den
folgenden zwei Rubriken sind die Differenzen von c — a und d — c,
dann das Dehnungsverhältniss, und in der letzten Reihe die Differen-
zen der Gesammtdehnung des Längs- und Querriemchens ange-
geben ')
!) Längsriemchen nenne ich die in der Richtung der Stichspalten heraus-
geschnitteneu, Querriernchen die senkrecht auf die Stichspalten orientirten
Hauistreiten.
Zur Anatomie und Physiologie der Haut.
159
s»
C- © © WS
©
»*
»>
CO
i
•Q -7 ZU3J9JJ1CI
«*»
ob M i ö
T« T* T«
ob
©
WS
cb
"5
tes
o
s © © ©
oo
CM
©
©
i
CO
W CO CO ©
>=*
w»
IN
©
(►
~ CO "ö
©
© T* © — "
«*"
■»■H
©
ta
C>
£.22 -
ri-l
■Tri tN t- «M
CM
«M
•n
•H
fe = «
«
>■
TS
Ü
CO l> « ©
t>
cp
■Tri
■ri
J3
O
1
ob -h oo ©
CM
■i-i
©
co
■s
Ol
*ä
■rH
"^
t*
"^
o
e
•* co t- ws
MS
©
©
©
-f
&
Q
•**< j> w:
J>
CO
fc-
CO
©
"*
u
■pH "H ^
th
4M
"rH
TH
ih
CS
©
© © c
WS
«M
op
©
©
bo
s
'S
©
CO «# ©
Ä
^H
CO
CO
©
Ol
■5T
■* M «*
WS
©
ws
«*
CO
£ .2
■* M h M
WS
©
©
©
cc
2 «j
«
O « 6 N
ob
CM
ob
WS
C3 »
N O
E*
CO «# «* «*<
«#
«*
CO
co
S 60
© © t>
«5
©
cp
CO
©
SP Ä
>es
» h- CO
cb
©
WS
■*
WS
5 .S
•
co co co
co
CO
CO
CO
co
bc -5
o
SM © C
©
©
©
SV»
oo
CO
fc- •* «q
oo
t~
co
©
©
£ s
7= »"«3
S <» ..
■?
M «B w:
©
l>
i>
©
eo
-f 0)
= iß
- s
r, = «3
"SS =
O)
>
"5 cy
*c
«
00 CM C
©
4M
«*
CO
•*
= =
s
s
|
>* >* •*>
«*
-=V
•*
•*
(N
Ol 3
4)
•-
SC
'S
*
.2 ^
ö
a oo c
©
©
©
©
CO
— c
50 o
m
Q
1
© -A< ©
CO
*>
•*
CO
WS
>
Cj
T<
^H
-J M
"O 3
M5
CO © ©
©
CM
■5*
co
b-
CS
^3
cb
Ö i oc
4M
CO
CO
d
(N
5 J>
8°
CO
CO •* CO
•*
•*
«*
-*
eo
WS 00 ©
©
©
©
©
CO
Ol
u
•* cb 4*
ob
©
©
ob
©
3 -O
CO CO CO
CO
CO
CO
co
CO
T3 CJ
,
© © ©
©
©
©
cp
j«
*<5
e* co —
ws
cb
^f
«s
©
3 «
co co co
CO
CO
CO
CO
«
Ö £
.— ^
, — s
— JS
*"
«
U CO
aqoia^]
&a
Ü ttS "5
CS
^5
öä
"-i
^
'<5 S
U 73
i*;
3 -3
"^ — ■
^j
a 3
Ol
09
"O •"
41 J=
es
3
je
2 .2
o Tg
—
i2 X
CS
CP :0
s
Ctf
b£>
CO
sc
tri
CB
=.
Sri
= C5
,«0
£
-2
e
'P
«S
S.
a
CJ
£
c
o
CP
CD
•ä
V
5C
-^
e
a>
co
es
co
■—
CO
-a
a
•S
1«
-2
CS
CO
«3
=0
o
s
u
©
o
w
S
> •*
._ 0)
a> bc
g <-
> a>
rii "
= ■§
'k —
=2* 73
a!
s,
•« Si
oo
CO
•73 .60
s
.9 p.E
4)
<a
.o
TS
_o
3
3 .»
o 's
?>
3 u
OJ
'«
dj
t- =3
o
CO
B=5
03 PS
>
O
C5
«
160 Lange r.
Trotz der Schwankungen, welche in der Grösse der letzt-
erreichten Dehnung der einzelnen, seihst derselben Körpergegend
entnommenen Riemchen, hat sich für scharf spaltbare Hautpartien
die grö ssere Dehnbarkeit des Q uer riemchens als constant
erwiesen. Ich fand übrigens bei mehr als 20 Doppelversuchen
(L und Q) die Gesa vmtlängen der durch 510 Grm. ausgedehnten
Langsriemchen nur zwischen 45 und 36 Millim., die Querriemchen
dagegen zwischen 61 und 45 Millim. sich bewegen, so dass die
grösseren Schwankungen in der Ausdehnungsfähig-
keit die Quer riemchen betreffen.
Ferner ist aus der Tabelle ersichtlich, dass schon die mit
10 Grm. erzielte Dehnung relativ stets grösser ist,
als die nachfolgenden mit bedeutend grösseren La-
sten erzielten Verlängerungen; ja in den meisten, die
Langsriemchen betreffenden Fällen , fand ich sogar diese Anfangs-
dehnung schon absolut grösser, als die Summe der folgenden Deh-
nungen , was aber bei Querriemchen nie der Fall war. Die Grenze
zwischen der Anfangs- und Enddehnung ist hier natürlicher Weise
nur ganz willkürlich angesetzt, würde sie aber bis auf die
durch 50 selbst nur durch 30 Grm. bewirkten Längen
verschoben, wie dies in der Tabelle ausgeführt ist, so würde
ausnahmslos für die Längs- und Qu er riemchen die
Anfangsdehnung absolut grösser sein, als die End-
d e h/n u n g.
Der Unterschied in der Dehnbarkeit der Längs-
und Querriemc hen ist zunächst der Ausdruck für die ungleich-
förmige Anordnung des Gewebes, d. h. der gedehnten Maschen ;
er ist in weiterer Folge Resultat der bestandenen Spannungsverhält-
nisse, welche das Gewebe geordnet haben, und ist daher auch um
so grösser, je ungleichförmiger die Retraction stattgefunden. Da-
mit aber die etwa nicht vollständig beendete Retraction des Riem-
chens nicht störend auf die Dehnungsversuehe einwirken könne,
wurde die Retraction an dem freien Riemchen zum möglichst voll-
ständigen Abschlüsse gebracht, und zwar dadurch, dass die her-
ausgeschnittenen Riemchen zuerst auf eine gut gereinigte und be-
netzte Glasplatte gelegt, und erst nach einiger Zeit (meist eine
Viertelstunde) abgemarkt wurden. So konnte die Dehnungsfähigkeit
des Riemchens rein als Ausdruck der Gewebsordnung angenommen und
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. 161
für beide Kiemchen ein möglichst gleichartiger Ausgangs werth
gewonnen werden.
Unter diesen Bedingungen ist von vorne herein anzunehmen,
dass Hautstücke, welche ei n e ni c ht sc harfe, ei neun re-
gelmässige oder verworrene Snaltbarkeit zeigen, und
am Leibe eine mehr gleichartige Retraction besitzen,
keine so grossen Unterschiede der Dehnbarkeit in
der Länge und Quere ergeben, ja gelegentlich sogar
ein u m gekehrt es Verb ältni ss zeigen werden.
Ein blos geringer Unterschied ist bereits an der Haut über
der Mitte der Wade (Tabelle) bemerkbar, ich fand auch noch ge-
ringere Differenzen an dieser Hautpartie weiter unten , nämlich
nur 1-9 Millim. (Z39'6, #41-5 Millim.). Die Vorderarmshaut zeigte
eine Differenz sogar von 1-5 Millim. zu Gunsten des Längsschnittes
(L50-3, #48*8 Millim.). Am Rücken einer Leiche (C) fand ich
oben bei nicht scharfen, aber noch regelmässigen Spaltungen, Differen-
zen von 3*3 Millim. zu Gunsten des Querschnittes bei Dehnungen bis
auf L 43-2, Q 465 Millim., dann von 5-3 Millim., in der unteren
Rückengegend (Leiche C) neben dem Lumbodorsalis von 3*8 Millim.,
bei Dehnungen von L 42*2, Q 46*0 Millim. In der Leistengegend bei
unregelmässiger Spaltung fand ich an einem parallel mit dem Pou-
partschen Rande L geschnittenem und einem schief zum Nabel auf-
steigenden Riemchen Q wieder eine Differenz von 15 Millim. zu Gun-
sten des Längsriemchens, bei Dehnungen von L 405, Q 39-0 Millim.
In der seitlichen Nabelgegend ergab sich an einer anderen Leiche
nur eine unbedeutende Differenz (L 43-4, Q 43-6 Millim.). In der
Sternalgegend an der Leiche H wurde der quer über die Mitte ge-
legte Riemen L bis auf 40-8 Millim., der median herablaufende Q bis
auf 45-8 Millim. gedehnt, es ergab sich also eine Differenz von 50
Millim. An der Leiche E ergab sich bei L 37-4 und Q 41 0 Millim.
eine Differenz von 3*6 Millim.
Diese Angaben dürften nun in den wesentlichen Punkten die
ausgesprochene Annahme bestätigen, doch müssen um möglichst
übereinstimmende Resultate an verschiedenen Leichen, von deren
Beschaffenheit ganz abgesehen, zu gewinnen, die Nebenumstände
berücksichtiget werden; es müssen daher die Leichen gleichmäs-
sig behandelt, namentlich gleich symmetrisch gelagert, der Druck,
den die Haut früher erleiden könnte, möglichst vermieden, und dess-
SiUb. d. iuathein.-iialurw. ül. XLV. Bd. I. Ahth. 12
162 La n K e r.
halb bei Untersuchungen, z. ß. der Rückenhaut, die Leiche etwa
über eine Nacht früher, in der Bauchlage, und zwar um die Eintrock-
nung zu hindern, bedeckt ruhen gelassen werden. Die Hautriem-
chen müssen sich auch möglichst vollständig retrahiren können.
Anfangs ist es mir mit der Rückenhaut zweimal begegnet, grössere
Dehnungen für Längsriemchen zu erhalten; als ich aber später die
Schulter stützte, bekam ich immer grössere Dehnungswerthe für die
Querriemchen, und die Differenzen wurden immer grösser, je wei-
ter von der Mittellinie entlegene Hautpartien untersucht wurden.
An zwei Leichen C und D erhielt ich unter diesen Bedingungen für
die Riemchen der unteren Rückengegend nahezu gleiche Werthe
mit geringerer Differenz.
C = L 42-2, Q 460 Differenz 3-8 Millim.
D = L 42-3, Q 46-2 „ 3-9 „
Die grösseren und geringeren Dehnungen der L und Q stehen
im besten Einklänge mit den über die Spannungsverhältnisse und
über ihren EinfJuss auf das Ordnen des Gewebes gewonnenen Re-
sultate. Da wo nachgewiesen werden konnte, dass Spannungen, wie
sie am Leibe gewöhnlich vorkommen, das Gewebe umordnen kön-
nen, da ergeben die Dehnungsversuche geringere Differenzen oder
unter Umständen selbst Differenzen zu Gunsten des L; wo aber
Spannungen das Gewebe nicht umordnen können , und die regel-
mässige Spaltbarkeit constant ist, da sind die Differenzen der Deh-
nungen grösser. Auch die Dehnungsversuche ergeben
daher, dass dieDurchflechtung des Fasergerüstes der
Haut, mag dies schon in der Anlage begründet oder erst erworben
sein, nicht an allen Orten gleichförmig, sondern an den
meisten Hautpartien der Art ausgeführt ist, dass bald mehr,
bald weniger deutlich ausgesprochene Faserzüge, d. i. eine
riemen form ige Anordnung des Gewebes wahrnehmbar ist.
Während an allen Orten die Längs- und Querriemchen eine
bestimmte, nicht unbeträchtliche Dehnungsfähigkeit zeigten, lässt
sich die Kopfhaut, die keine oder nur eine unbedeutende Retrac-
tilität besitzt, nur um wenige Millimetres ausdehnen. Ich
fand in einem Falle:
Leiche A:L bei Belastung b 26*8 — </28-7, 0:627-4 — ,/ 30-0
Millim. für L eine Gesammtdehnung von 3-7, für Q eine Gesammt-
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. \ 63
dehnung von 50 Millim. , und eine Differenz beider von 1*3 Millim.
In einem zweiten Falle:
L'.d 302, Q:d 31-0 Millim., also eine Gesammtdehnnng für L von
52, für Q von 6-0 Millim., In beiden Fällen wurde die behaarte Haut
des Vorderkopfes benutzt.
Ich zweifle nicht, dass gleiches auch von der Haut des mitt-
leren Handtellers und der Fusssohle gilt.
Die Schwankungen, welche die Gesammtdehnungen, nament-
lich der Längsriemchen, an verschiedenen Körperstellen zeigen,
sind offenbar zum Theile dem variablen Querschnitt der Riemchen
zuzuschreiben.
Weil die Haut überall am Leibe, mit Ausnahme des Kopfes,
einem bestimmten Grade von Spannung unterworfen ist, anderer-
seits vom Leibe losgeschält, sich auf geringere Dimensionen zusam-
menzieht, so ergibt sich, dass sie nicht nur den durch Gelenks-
bewegungen bedingten Dehnungen einigen Widerstand bietet, son-
dern auch auf den Inhalt spannend wirkt. Dass aber das
Mass dieser Kräfte kein grosses sein könne, geht
schon aus der bereits durch geringe Lasten bewirkten grösseren
Anfangsdehnung hervor.
Einige an einer Leiche in dieser Richtung unternommene Ver-
suche lehrten, dass wenn am Leibe die Riemchen zu 25 Millim.
abgemessen, durch die Loslösung sich retrahirten und darauf wieder
gedehnt wurden, nur in einzelnen Fällen bei sehr dicker Haut
12 Grm. nothwendig waren, um sie wieder auf ihre ursprüngliche
Länge, die sie nämlich am Leibe hatten, zu bringen. So grosse Bela-
stungen beziehen sich aber nur auf das Längsriemchen, die Quer-
riemchen, wenn sie sich überhaupt retrahirten, brauchten dazu nur
eine Belastung von 1*5 Grm. am Schenkel, 2*5 Grm. an der Leiste.
In den meisten Fällen schwankte das nöthige Gewicht für L
zwischen 1*5 und 10 Grm., für den Q von 1-5 bis höchstens
9 Grm.
Was den Widerstand betrifft, den die Haut den
Gelenksbewegungen bietet, so kann auch er nur ein geringer
sein; denn die grösste Verlängerung, welche ein Kreis von 30 Millim.
Durchmesser z. ß. an der Seite des Schulterblattwinkels durch Er-
hebung des Armes erlitt, betrug zwischen 10 — IT Millim. Die
Länge auf 25 Millim. reducirt ergibt 33-3 — 39- 1 Millim., eine
12*
164 Lange r.
Länge, welche einQuerriemchen dieser Gegend von 25 Millim. Länge
schon bei einer Belastung von 10 höchstens 20 Grm. erreicht, an
anderen Orten aber kaum 10 Grm. dazu benöthigt. Eben dadurch,
dass die Richtungen der Gelenksexcursionen grössten-
teils in die Querrichtung der erworbenen Anord-
nungen des Fasernetzes fallen, sind die Widerstände,
welche die Elasticität der Haut ihrer Ausdehnung bie-
tet, ohnehin r e d u c i r t.
In Bezug auf das R et ractionsver mögen der Riemchen
am Schlüsse der D eh nungs versuche ist gleich von vorne
herein zu bedenken, dass die den Riemchen während der Versuche,
aufgeladenen Lasten gewiss so unverhältnissmässig bedeutende sind,
dass sie unter normalen Verhältnissen bestimmt nie von der Haut zu
tragen sind, und dass ein nicht unbedeutender Theil der Verlängerung
durch ein Umordnen des Gewebes und nur ein anderer Theil durch
Streckung der Faser selbst gewonnen wird.
Der Haut kann nur dann eine vollkommene Elasticität zuge-
schrieben werden, wenn das Riemchen nach vollendetem Versuch
bei vollständigerEntlastung wieder seine ursprüngliche Länge erlangt
und keine bleibende Dehnung zeigt, desshalb habe ich am
Schlüsse der meisten Versuche die unbelasteten Riemchen neuer-
dings in der Regel nach einer Viertelstunde, bei einigen nach Verlauf
von mehreren Stunden und einige erst am andern Tage gemessen,
und gefunden, dass die meisten Riemchen kurze Zeit nach dem Ver-
suche noch eine bald grössere, bald kleinere Reckung zeigten,
dass diese Reckung grösser war am Querriemchen, als am Längs-
riemchen, dass sich aber nach längeren Zeiträumen, nach einigen
Stunden nämlich, selbst für das Querriemchen, wie an der Leiche
F der 6. Rippengegend die ursprüngliche Länge bis auf 2-8 Millim.
wieder herstellte; das Längsriemchen von 35 Millim. von dem
Schenkel der Leiche F erreicht unbelastet, doch aufgehängt, nach
a/k Stunden eine Länge von 37-3, zeigt also gegen 36-3 Millim.
seine ursprüngliche Länge eine bleibende Dehnung von nur 1 Millim.,
dagegen das Querriemchen noch eine bleibende Dehnung von
3*1 Millim. Das Längsriemchen vom Schenkel der Leiche // zeigt
unbelastet aufgehängt für 6-45 Länge schon nach i/ti Stunde nur
(.'ine Differenz von 1*4 Millim., das Querriemchen unter gleichen
Umständen eine bleibende Dehiiun» von 2*45 Millim.
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. \ Qty
Liess ich Riemchen nach der Dehnung über Nacht auf einer
Glasplatte, unter einem Glassturze in feuchter Atmosphäre liegen, so
sah ich Längs- und Querriemchen der Rippenhaut vollständig ihre
ursprüngliche Länge wieder erreichen.
Es ergibt sich daher, dass sich die Riemchen,
insbesondere die Längsriemchen, trotz der grossen
Gewichte nach einiger Zeit vollständig bis auf ihre
ursprüngliche Länge wieder zusammenziehen können,
und dass, kurze Zeit nach den Dehnungsversuchen die bleibende
Dehnung des 25 Millim. langen Längsriemchens in der Regel nicht
viel über 1 Millim., die des Querriemchens ungefähr 3 Millim.
beträgt.
So wie die Verlängerung des Riemchens nicht blos durch die
Dehnung der Faser, sondern auch durch die Schlichtung derselben
und die Umlegung des Gewebsnetzes zu Stande kommt, so muss auch
die unmittelbar nach dem Versuche, insbesondere an dem Querriem-
chen wahrnehmbare bleibende Dehnung diesen Momenten gemein-
schaftlich zugeschrieben werden; es ist ferner klar, dass der bei
weitem grösste Antheil der bleibenden Dehnung den Schwierigkeiten
zugeschrieben werden muss, welche sich dem Zurückordnen des
Strickwerkes darbieten, denn hat einmal die Faser ihre ursprüngliche
Länge wieder erreicht, so ist in dem Gerüste selbst die Kraft nicht
mehr aufzubringen, welche die ursprüngliche Lagerung des Netzes
herbeiführen, und die desshalh noch bestehende Längendifferenz be-
gleichen könnte. Da dies nach längerer Zeit aber dennoch geschieht,
so dürfte auch dies wieder die Annahme einer in den Lücken des
Gerüstes befindlichen hyalinen Zwischensubstanz begünstigen,
deren Elasticität das Bindegewebsgerüste zurückordnet; obwohl es
immerhin noch denkbar wäre, dass die in feuchter Atmosphäre ver-
wahrten Riemchen Wasser anziehen, und die Imbibition die Binde-
gewebsbündel umordnet. Mag nun das eine oder das andere der
Fall sein, so sind jedenfalls am Lebenden die Bedingungen gegeben,
das Gewebe vollständig zurückzuordnen, so dass man mit Rücksicht
auf die am Lebenden stattfindenden Verhältnisse ohne
Fehler annehmen kann, dass die Haut nach Dehnungen
vollständig zu ihrem ursprünglichen Zustande zurück-
kehren könne, wie dies auch die alltägliche Erfahrung beweist.
Die durch Schwangerschaften hervorgerufenen Umordnungen und
1 66 Langer.
bleibenden Dehnungen der Haut sind Ausnahmsfälle, welche mehr
pathologischen als physiologischen Verhältnissen zuzuschreiben sind.
Das Hautgewebe besitzt daher, so wie das Muskel-
gewebe eine innerhalb ziemlich weiter Grenzen voll-
kommene Elasticität. Die geringen Auflagen, welche Anfangs
hinreichen, um schon eine grössere Verlängerung der Riemchen
hervorzubringen, die Abnahme der Verlängerung bei den späteren
Belastungen beweisen, dass die Elasticität Anfangs eine sehr
kleine ist, und mit der Steigerung der Lasten immer
grösser wird.
Das gegärbte Leder unterscheidet sich in dieser Beziehung
sehr wesentlich von der frischen Cutis; denn es hat das an der
Cutis so auffallende RetractionsvermÖgen vollständig verloren. Wird
nämlich ein aus lohgarem noch feuchten und nicht gestreckten
Menschenleder geschnittenes Riemchen gedehnt, so kann es sich
selbst, wenn es auch in die Lohbrühe wieder zurückgebracht wird,
nicht mehr verkürzen und behält die durch die Dehnung ihm gegebene
Form bei. Dies ist noch sicherer der Fall, wenn bereits trockenes
Leder wieder aufgeweicht und zu den Riemchen verwendet wird;
das Gewebe behält die ihm durch den Zug gegebene Anordnung.
Da, wie bekannt, durch den dem eigentlichen Gärbeprocesse voraus
geschickten Vorgang des Einkaikens der Cutis, eine Substanz entzogen
wird, wodurch die Bindegewebsfasern isolirt werden, so dürfte
es nicht gewagt sein, gerade in diesem Körper jene Zwischensub-
stanz zu vermuthen, welche vermöge ihrer Elasticität das gespannte
Gewebe wieder zurückordnet.
Die voranstehenden Mittheilungen dürften wohl im Allgemeinen
eine Übersicht über die praktisch wichtigsten Dehnungsverhältnisse
der Haut verschaffen, ich suchte aber auch einige nähere Daten, über
den Gang der fortschreitenden Dehnungen zu gewinnen, und habe
desshalb eine ziemlich zahlreiche Reihe von Messungen ausgeführt.
Die bereits mitgetheilten Zahlen sind den Ergebnissen dieser Ver-
suche entnommen.
Bekanntlich hat Wund *) gegen E. Weber 2) und G. W er Ul-
li ei m 3) behauptet, dass die Dehnungen der organischen Gewebe,
l) Die Lehre von der Muskelhewegiing. 18ä8, p. 17.
8) Muskelliewegung', R. Wagner, Handwörterbuch.
3) Annales de Chimie et de Physique. 1847, p. 485.
Zur Anatomie und Physiologie der Hunt. 167
wenigstens innerhalb engerer Grenzen der Belastung den dehnen-
den Gewichten nahezu proportional sind; während die Versuche
von Web er, Wert h he im und neuerdings vonV o lkm an n J) zei-
gen, dass die Dehnungen organischer Gewebe den Spannungen nicht
proportional ausfallen, dass das Veihältniss constant durch eine
Cnrve, und nicht durch eine gerade Linie repräsentirt werde. Ohne
die Resultate meiner Untersuchungen, in allen die Elasticität orga-
nischer Gewebe betreffenden Fragen für massgehend zu halten, so
glaube ich doch der Genauigkeit der Versuche so weit versichert
zu sein, um für das Hautgewebe mit Bestimmtheit angeben
zu können, dass die Dehnungen desselben nicht mit
der Belastung proportional fortschreiten, sondern
immer k 1 e i n e r w e r d e n , und dass daher der Gang der
fortschreitenden Dehnung nicht durch eine gerade
Linie, sondern durch eine Curve dargestellt werden
k ö n n e.
Zu den Versuchen wurde folgender Apparat verwendet, den Pro-
fessor Ludwig zusammengestellt und mir für längere Zeit bereit-
willigst zur Disposition gestellt hat. Er besteht aus einem Metallstativ,
an dessen einem mit einer Klammer versehenen Arme das Hautriem-
chen aufgehängt wurde; ein zweiter Arm trägt einen Glascylinder, der
oben durch eine an der Klammer angeheftete Scheibe und unten durch
eine zweite, durchbohrte Scheibe, verschlossen werden konnte. Eine
zweite Klammer, welche an einem Metallstäbchen die Schale trägt,
wurde am untern Ende des Riemchens befestiget, und die Abstände
der an dem Riemchen angebrachten Marken wurden mittelst eines
Fernrohres an einer vor dem Glascylinder herabhängenden graduir-
ten Glasplatte gemessen. Ein befeuchteter Papierlappen in dem
Glascylinder verhindert die Eintrocknung des Riemchens.
Zur Bezeichnung der zu beobachtenden Riemchenabschnitte
benützte ich kleine Stecknadeln, welche senkrecht durchgestochen
wurden; die Nadelköpfchen bildeten die Marken, sie erfüllten ge-
rade den Zwischenraum zweier Theilstriche der Glasplatte; die
Lage ihres Mittelpunktes und ihres oberen und unteren Peripherie-
punktes zu den Theilstrichen liessen noch 0-2 Millim. selbst mit
grosser Genauigkeit abschätzen.
'J Reichert und Du Bois, Archiv. 1859, p. 293.
1 68 Langer.
Die zu untersuchende Hautpartie wurde an der
Leiche mit dem Dorne gespalten, um früher die Richtung der Stich-
spalten kennen zu lernen, dann mit Rücklassung des Fettes und des
lockeren Bindegewebes abpräparirt, auf eine gereinigte und etwas
befeuchtete Glastafel gebracht, und erst nach einiger Zeit, */4 Stunde,
wo eine vollständige Retraction angenommen werden konnte,
die Riemchen bezeichnet und mit einer scharfen Scheere heraus-
geschnitten. Es versteht sich von selbst, dass nie eine Stichspalte
in das Riemchen selbst aufgenommen wurde. Alle Riemchen hatten
10 Millim. Breite. Darauf wurde die Markirung eines 25 Millim.
langen, mit dem Zirkel abgemessenen Segmentes auf die bereits
bezeichnete Weise vorgenommen, und jedesmal um eine möglichst
gleichförmige Dehnung des Hautsegmentes zu erzielen, die Klammern
in gleichem Abstände von den Marken an das Riemchen angelegt. Als
ich spater wahrgenommen, dass die Riemchen für je eine Dehnungs-
periode bald oben, bald unten etwas, wenn auch wenig mehr gedehnt
wurden, habe ich auf dem Riemchen die Länge von 25 Millim. zwei-
mal abgesteckt, und zwar beide Abstände um 10 Millim. gegenein-
ander verschoben, so, dass ich vier Marken bekam: a...b...
a b'\ aayb V = 25 Millim. a b und a b' = 10 Millim. und
a b' = 35 Millim. Es wurde die jedesmalige Länge von a a und
b b' gemessen und das Mittel von beiden berechnet.
Um den so schwer zu ermittelnden Querschnitt des Riemchens
nicht berücksichtigen zu müssen, habe ich die Dehnung derselben
Hautparlie bei verschiedenen Leichen untersucht. Die zu den Ver-
suchen verwendeten Leichen waren durchgehends junge Männer.
Die Belastung wurde mit grösseren Gewichten vorgenom-
men, da es sich um eine grössere Masse handelt, welche in Bewe-
gung zu setzen war; die Gewichtseinheit, auf welche die
Deh n u ng s wert he sich beziehen, wurden zu 5 Grm.
angenommen. Die Steigerung der Gewichte wurde aber rascher
vorgenommen; ich habe nämlich wahrgenommen, dass eine stetige,
öfter wiederholte Steigerung um dieselbe Gewichtseinheit Störun-
gen, Sprünge, in den regelmässigen Gang der Dehnung bringe;
die Dehnungen fallen zuerst zu gering, und bei einer neuen Auflage,
das Versäumte gleichsam nachholend, viel grösser aus, als es dem
regelmässigen Gange entspricht; desshalb wurde nur 3 — 4mal mit
o Grm., 3mal mit 10 Grm. u. s. f. belastet. Anfangs berücksich-
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. \ (jy
tigte ich nicht das Gewicht der Schale mit ihrer Klammer, später
habe ich ihnen genau das Gewicht von 10 Grm. gegeben, und Hess
sie als Gewicht in die Belastnngsreihe eintreten; und in den
letzten Versuchen habe ich noch, bevor die Schale mit der Klammer
angelegt wurde, noch ein 5 Grm. Gewicht dem Riemchen ange-
hängt und die Dehnung beobachtet. Da die erste Abmessung des
Riemchens auf einer Glasplatte vorgenommen wurde, so ist auch vor
dem Beginne der Belastung die Länge des aufgehängten Riemchens
gemessen und in den Tabellen mit 0 Grm. Belastung bezeichnet
worden.
Um trotz der Nachdehnung für die einzelnen Perioden der Be-
lastung dennoch möglichst gleichförmige Dehnungswerthe zu erzie-
len, liess ich durch gleiche Zeiträume die Lasten wirken, in
einigen Versuchen durch 2, in anderen durch 5 Minuten.
Ferner liess ich nach jeder Belastung immer 2 Minuten ver-
streichen, ehe die neue Last aufgelegt wurde. Bei einigen Versu-
chen wurde das Riemchen sogar gänzlich entlastet, indem mit-
telst zweier feiner Fäden die Klammer sammt der Schale in die Höhe
gezogen und lixirt wurde.
Bei den folgenden grösseren Auflagen wurden die Dehnungs-
werthe auf 5 Grm. berechnet.
Trotz der Verschiedenheiten , welche in der erhaltenen Reihe
der Einzeldehnungen und an den Gesammtdehnungen wahrnehmbar
ist, stimmen alle Versuche diirin überein, dass die je 5 Grm.
entsprechenden Dehnungswerthe fortschreitend, und
zwar in sehr rascher Folge abnehmen. Während anfangs
die Belastung von 5 Grm. bereits eine Dehnung von 5 — 6 Millim.
hervorbrachte, ergaben die späteren Belastungen Differenzen,
welche sich anfangs in der ersten, später sogar in der zweiten
Decimalstelle bewegten. Der Gang der fortschreitenden Dehnung
lässt sich daher durch eine mehr oder weniger regelmässiire
Curve darstellen, allein wegen dieser geringen Differenzen nähert
sich die Curve, wenn sie namentlich in kleinerem Massstabe aus-
geführt wird, schliesslich sehr einer geraden Linie, und wenn
man den ersten Theil der Curve, z. B. durch einen sehr schweren
ßelastungsapparat tilgen würde, so könnte das gesetzmässige der
Dehnung nur in kleinen Werthen sich erkennen lassen, ja vollstän-
dig verwischt werden.
170 Langer.
Die Übereinstimmung, welche in der Hauptsache alle Ver-
suche und namentlich die Gesammtdehnungen der derselben Haut-
partie entnommenen Riemchen wahrnehmbar ist, erstreckt sich
aber nicht auf die Dehnungswerthe der einzelnen Versuchsperioden,
ja es ergaben sich in dieser Reziehung manche Störungen.
Manchmal sind zwei einander folgende Werthe gleich, manchmal
ist der Nachfolgende sogar grösser (Sprünge). Der Grund dieser
Störungen ist aber offenbar nicht allein in den Wirkungen der
Nachdeh nung und in Reobachtungsfehlern, sondern in dem Um-
stände zu suchen, dass die Verlängerung des Riemchens nicht blos
eine Folge der Dehnung der Faser ist, sondern eine nicht unbedeu-
tende Quote derselben auch durch das Ordnen des Gewebes
beigestellt wird. Der Umstand, dass die Sprünge häufiger bei der Deh-
nung des Querriemchens beobachtet werden können, steht offenbar
damit im Zusammenhange. Kleine Unregelmässigkeiten sind auch
noch in der ungleichen Ausdehnung des Riemchens wahr-
nehmbar; wenn nämlich zwei Segmente an demselben Riemchen mar-
kirt wurden, so findet man bald das eine, bald das andere etwas länger,
allein wenn nicht schon von vorne herein, durch die Messung mit dem
Zirkel eine Differenz beider Segmente erzeugt wurde, was gleich
anfangs bei 0 Grm. Belastung schon bemerkbar wird, so wurden diese
Differenzen, während des Experimentes nie grösser als 10 Millim.
beobachtet, und sie glichen sich am Schlüsse des Experimentes
theils vollständig, theils bis auf einen Rest von 0-5 Millim. aus. Ich
habe im Ganzen sechs solche Versuche mit L, und sechs mit Q ausge-
führt, und bei den Längsriemchen nur einmal am Schlüsse, zwischen
a a' und b b' bei einer Anfangsdifferenz von 0-5 Millim., eine End-
differenz von 0-9 Millim. erhalten; bei den Querriemchen sind auch
diese Unregelmässigkeiten wieder auffallend grösser.
Die Störungen, welche die Reihenfolge der einzelnen Deh-
nungswerthe aus was immer für einer Ursache erleiden, sind übri-
gens nie bedeutend, sie treten bei den Längsriemchen immer,
bei den Querriemchen in der Regel erst in der zweiten Hälfte des
Versuches auf, wo mit grösseren Gewichten belastet wird und
kleine Differenzen sich ergeben, so dass sie die allgemeine Anwen-
dung des ausgesprochenen Gesetzes nicht beeinträchtigen. Bei dein
letzten, mit möglichster Sorgfalt ausgeführten Versuche, habe ich
Dehnungswerthe für die einzelnen Versuchsperioden erhalten, mit
Zur Anatomie uud Physiologie der Haut. 1 7 1
welchen ich hinreichend regelmässige, selbst annähernd congrnente
Curven darstellen konnte; dies gilt insbesondere von den Längs-
riemchen, aufweiche daher zunächst zu sehen ist. Zu diesen Ver-
suchen habe ich desshalb auch nur scharf spaltbare Hautpar-
tien, nämlich von der vorderen Schenkelfläche und von der seit-
lichen Brustgegend gewählt.
Da im Innern des Riemchens keine grossen Unregelmässigkei-
ten der Dehnung stattfinden, so können auch die gewonnenen
Dehnungswerthe proportional auf verschieden lange
Segmente desselben Riemchens ohne namhafte Feh-
ler übertragen werden. Die Versuche, bei welchen ich vier
Marken angebracht, haben Gelegenheit gegeben, mich davon zu
überzeugen. Ich habe nämlich auf Grund der Mittelwerthe von
a a und b b' ursprünglich = 25 Millim., die Werthe für a b' ur-
sprünglich = 35 Millim. und von b a! ursprünglich =15 Millim.
berechnet, und nur unbedeutende Differenzen derselben mit der
experimentell ermittelten gefunden, wie dies Beispiele in den
Tabellen erläutern. Auch hier zeigt wieder das Längsriemchen
grössere Regelmässigkeit als das Querriemchen.
Trotz aller Fehlerquellen zeugt aber selbst die den Gang der
Dehnungen des Querriemchens repräsentirende Linie, wenn auch
stellenweise gebrochen, doch auch für das allgemeine Gesetz der
stetig mit der Belastung abnehmenden Dehnung.
Wegen der grösseren Dehnbarkeit des Querriemchens diver-
giren die Curven des L und Q; während aber anfangs die Differen-
zen des Abstandes beider Curven in grösserer Proportion wachsen,
werden die Differenzen später immer kleiner, so dass schliess-
lich die Curven äquidistant verlaufen müssen. Je grös-
ser die Gesammtdifferenz der Dehnbarkeit des Längs- und Quer-
riemchens ist, desto später werden die Curven äquidistant werden,
je kleiner desto früher; die Ursachen der grösseren Deh-
nungsfähigkeit der Querriemchen machen sich daher
hauptsächlich während der Anfangsdehnungen gel-
tend. Wie schon aus der ersten Tabelle ersichtlich ist, ist für die
Längsriemchen die Dehnung bereits von 30 — 510 Grm. an der Brust-,
Rücken-, Schenkel- und Wadenhaut annähernd gleich, nur zwischen
4-0 und 4*8 Millim. variirend; während sie bei den Querriemchen
erst bei einer viel grösseren Belastung ungefähr bei 100 Grm.
172 Langer.
gleichförmiger wird. Da kaum ein Zweifel darüber bestehen kann,
dass die grössere Dehnbarkeit desQuerriemchens von dem Umordnen
des Gewehes abhängt, so kann für das Querriemchen die Beendi-
gung der Gewebsumordnung dahin verlegt werden, wo beide Cur-
ven äquidistant werden. Der Schluss der Umordnung des Gewebes
im Längsriemchen ist dagegen kaum scharf zu ermitteln; und die
Dehnbarkeit der Bindegewebsfaser der Haut von dem Antheile der
Verlängerung des Riemchens, welchen die Gewebsumordnung be-
dingt, nicht zu trennen, und desshalb auch nichts genaues über
die Elasticität des Hautbindegewebes zu bestimmen; doch nehmen
die Verlängerungen der Längsriemchen nach 10 — ISGrm. Belastung
schon so bedeutend ab, dass man jedenfalls so viel mit Bestimmtheit
sagen kann, dass die Elasticität der Bindegewebsfaser der Haut eine
sehr grosse ist, wie dies auch die Versuche von Wertheim an
Sehnen nachgewiesen haben. Und desshalb kann die grosse
Dehnbarkeit der Haut nicht in den physikalischen
Eigenschaften ihrer Gewebselemente, sondern nur in
der Anordnung ihres Gewebes begründet sein. Ist das
Hautgewebe einmal nach der Zugrichtung geordnet, so kann es
eben nur die dem Sehnengewebe eigenthümliche Dehnbarkeit und
Elasticität zeigen.
Die folgenden Tabellen enthalten die Resultate der letzten,
mit allen Vorsichtsmassregeln ausgeführten Versuche über die Dehn-
barkeit der Längs- und Querriemchen scharf spaltbarer Hautpartien-
Der grösseren Deutlichkeit wegen wurde der Gang der Dehnung
graphisch dargestellt. Die Unregelmässigkeiten des Ganges sind in
den Rubriken durch fette Zahlen kenntlich gemacht.
Zur Anatomie und Physiologie der Haut.
173
A. Längsriemchen.
a) Von der Seite der Brust.
I. Leiche C, 7. Rippe.
Dauer der Dehnung 2 Minuten, Zwischenzeit bei Belastung mit 10 Grm.
(Schale) ebenfalls 2 Minuten.
6d£
ff
Länge in Millimetres
5 a
Länge in Millimetres
Differenz
Differenz
~ 6
Dehnung
Differenz
auf
« «
Dehnung
Differenz
auf
03 .=
5 Grammen
S Grammen
0
40
34-9
0-4
0-200
5
*?0
35-3
0-4
0-200
0 120
10
32-0
70
100
36-5
1-2
15
330
1-0
1000
210
37-7
1-2
0-054
20
33-8
0-8
0-800
310
38-4
0-7
0-035
25
34-2
0-4
0-400
410
38-9
0-5
0-025
30
345
0-3
0-300
510
39-3
0-4
0-020
Bleibende Dehnung mittelbar nach dem Versuche bei voller Ent-
lastung und directer Messung = 2-0 Millim.
II. Leiche F, 6. Rippp.
5 Minuten Belastung, 2 Minuten vollkommene Entlastung.
Mittel von aa und bb'.
Bei einer Enddifferenz von 0'5.
c
= a
3 £
Länge in Millimetres
u>3
| |
Länge in Millimetres
Differenz
Differenz
"ä «
Dehnung
Differenz
auf
~ o
Dehnung
Differenz
auf
S Grammen
ä Grammen
0
25-8
0-8
50
39-2
0-5
0-250
5
30-3
4-5
4-500
100
410
1-8
0-180
10
33-4
31
3-100
210
42-9
1-9
0-086
15
35-0
2-6
2-600
310
44-0
11
0 055
20
36-1
11
1-100
410
44-8
0-8
0-040
30
37-8
1-7
0-850
510
45-2
0-4
0-020
40
38-7
0-9
0-450
174
Lange
a b'.
in §
3 S
La
nge in Millimetres
tu *
a S
1 1
Länge in Miliin
etres
Differenz
Differenz
«O
Dehnung
Differenz
auf
■3»
Dehnung
Differenz
auf
B
5 Grammen
5 Grammen
0
36-7
1-7
50
55-4
0-6
0-300
s
43 1
6-4
6-400
100
58-0
2-6
0-260
10
47-3
4-2
4-200
210
60-2
2-2
0 100
15
49-8
2-5
2-500
310
62-0
1-8
0-090
20
51-2
1-4
1-400
410
62-9
0-9
0-045
30
53-7
2-5
1-250
510
63-5
0-6
0 030
40
54-8
11
0-550
Bleibende Dehnung bei 10 Grm. Belastung nach einer halben Stunde
3-7Millim.
Gesammte Länge von a b' berechnet auf 63-2 Millim.
Länge bei 50 Grm. Belastung „ 54-8 „
„ 210 „ „ „ 600 „
b) Von der vorderen Schenkelfläche.
III. Leiche D.
2 Minuten Belastung, 2 Minuten Entlastung mit der Sehale.
B
60 *
2 B
Länge in Millimetres
1 a
La
nge in Millimetres
Differenz
Differenz
t Ö
Dehnung
Differenz
auf
~ ö
Dehnung
Differenz
auf
M.S
5 Graminen
5 Grammen
0
5
10
40
50
100
38-5
38-9
39-9
0-5
0-4
10
0-250
0-200
0-100
35-0
10-0
15
36-4
1-4
1-400
210
40-6
0-7
0-031
20
371
0-7
0-700
310
41-4
0-8
0040
25
37-6
0-5
0-500
410
41-6
0-2
0010
30
38-0
0-4
0-400
510
420
0-4
0 020
Gleich nach dem Versuche an dem entlasteten Biemchen mit Zirkel
gemessene bleibende Dehnung 3 Millim.
Zur Anatomie und Physiologie der Haut.
175
IV. Leiche F.
5 Minuten Belastung, 2 Minuten vollständige Entlastung.
Mittel aus aa und bb'.
Enddifferenz 0-2 Millim.
6*S
|I
<U O
03 -
Länge in Millimetres
«= 5
5 s
■% <3
oa =
Länge in Millimetres
Dehnung
Differenz.
Differenz
auf
5 Grammen
Dehnung
Differenz
Differenz
auf
5 Grammen
0
5
10
15
20
30
40
26-2
33-0
360
37-4
38-0
39-0
39-6
1-2
6-8
30
1-4
0-6
10
0-6
6-800
3-000
1-400
0-600
0-500
0-300
50
100
210
310
410
510
40-1
40-9
41-6
42-5
42-6
43-2
0-5
0-8
0-7
0-9
01
0-6
0-250
0-080
0 031
0 030
0 005
O-045
ab'.
to S
= q
« 1
Länge in JVIillii
netres
to Z
a 3
3 a
La
nge in Millimetres
Differenz
Differenz
u «
Dehnung
Differenz
auf
% rJ
Dehnung
Differenz
auf
5 Grammen
« a
5 Graminen
0
37-2
2-2
50
56-9
0-6
0-300
5
47-0
9-8
9-800
100
57-9
10
0-100
10
511
41
4-100
210
59-3
1-4
0 063
15
52-9
1-8
1-800
310
601
0-8
0 040
20
54-0
11
1100
410
60-2
01
0-005
30
55-5
1-5
0-750
510
61-0
0-8
0 020
40
56-3
0-8
0-400
Bleibende Dehnung, unbelastet aufgehängt, nach z/ik Stunden
1-0 Millim.
a b' berechnet.
iE V
= 3
Länge in Millimetres
6» £
1 1
Länge in Milli
netres
Differenz
Differenz
~®
Dehnung
Differenz
auf
~Z ö
Dehnung
Differenz
auf
EQ a
5 Grammen
a .2
5 Grammen
0
36-6
1-6
50
561
0-7
0-350
5
46-2
9-6
9-600
100
56-8
0-7
0 070
10
50-4
4-2
4-200
210
58-2
1-4
0 063
15
52-3
1-9
1-900
310
59-5
1-3
0065
20
53-2
0-9
0-900
410
59-6
01
0 005
30
54-6
1-4
0-700
510
60-4
0-8
0 040
40
55-4
0-8
0-400
176
Langer.
V. Leiche H.
2 Minuten Belastung, 2 Minuten Zwischenzeit mit der Schale.
Mittel aus a a und b b'.
Bei einer Enddifferenz von 0-9 Millim.
tO £
2 s
La
nge in Millimetres
to <u
La
nge in Millimetres
Differenz
Differenz
~ a
Dehnung
Differenz
auf
~Z «
Dehnung
Differenz
auf
5 Grammen
5 Grammen
0
26-4
1-4
50
39-8
0-8
0-200
5
30-6
4-2
4-200
100
40-6
0-8
0-080
10
34-0
3-4
3-400
210
42-2
1-6
0-072
15
36-3
2-3
2-300
310
42-7
0-5
0 025
20
37-6
1-3
1-300
510
43-4
0-7
0017
30
390
1-4
0-700
BleibendeDehnung nach einer Viertelstunde des entlastet aufgehängten
Riemchens 1*4 Millim.
a b'.
Läng-e in Milli
netrfs
60 <u
Länge in Milli
metres
II
||
Differenz
Differenz
~ »
Dehnung
Differenz
auf
X o
Dehnung
Differenz
auf
BS a
5 Grammen
a .5
5 Grammen
0
37-2
2-2
50
55-7
1-2
0-3U0
5
42-7
5-5
5-500
100
57-3
1-6
0-160
10
47-5
4-8
4-800
2)0
590
1-7
0 077
15
51-0
3-5
3-500
310
59-9
0-9
0-045
20
52-7
17
1-700
510
60-9
10
0 025
30
54-5
1-8
0-900
Gesammtliinge berechnet 60-7 Millim.
B. Queniemchen.
a) Von der Seite der Brust.
VI. Leiche C, 7. Rippe.
Wie bei I.
£3
40 »>
o a
5 |
■f o
M.2
Länge in Millimetres
So *
s =
= 2
05 .2
Länge in Millimetres
Dehnung Differenz
Differenz
auf
5 Grammen
Dehnung
Differenz
Differenz
auf
5 Graminen
0
5
10
15
20
25
30
40
50
100
210
310
410
510
40-4
41-0
42-8
44-1
45-9
46-9
48-0
10
0-6
1-8
1-3
1-8
10
11
0-500
0 • 300
0180
0-059
0090
0-050
O-055
35 0
36 S
37-7
38-8
39-4
10-0
1-5
1-2
11
0-6
1-500
1-200
1100
0-600
Bleibende Dehnung: 3-0 Millim.
Zur Anatomie und Physiologie der Haut.
177
VII. Leiche F, G. Rippe. Wie bei II.
Mittel von a a' und b b' .
Enddifferenz 2-0 Millim.
s
fco V
§ s
| S
Lauge in Millimetres
a
CD 1>
Länge in Milli
netres
Differenz
2a
Differenz
% «
Dehnung
Differenz
auf
— <£
Dehnung
Differenz
auf
CO _c
5 Grammen
m.2
5 Grammen
0
27-2
2-2
50
44-6
0-9
0-450
5
32-8
5-6
5-600
100
46-8
2-2
0-220
10
36-7
39
3-900
210
49-4
2-6
0-118
15
39-4
2-7
2-700
310
51-2
1-8
0-090
20
40-9
1-5
1-500
410
52-2
10
0-050
30
431
2-2
1-100
510
530
0-8'
0-040
40
43-7
0-6
0-300
a b'.
SD o>
Länge in Millimetres
|1
-2 S
Le
nge in Milli
netres
Differenz
Differenz
io
Dehnung
Differenz
auf
« O
Dehnung
Differenz
auf
5 Grammen
- a
5 Grammen
0
380
3-0
50
630
1-6
0-800
5
46-2
8-2
8-200
100
66-0
3-0
0-300
10
51-9
5-7
5-700
210
69-7
3-7
0-168
15
55-6
3-7
3-700
310
72-4
2-7
0135
20
57-7
21
2- 100
410
74-7
2-3
0115
30
60-5
2-8
1-400
510
74-9
0-2
0-010
40
61-4
0-9
0-450
Bleibende Dehnung nach 4 Stunden des aufgehängten ganz unbe-
lasteten Rieniehens = 10 Millim.
Gesammtlänge von a V berechnet = 74-2.
h) Von der vorderen Schenkelfläehe.
VIII. Leiche G.
5 Minuten Belastung, 2 Minuten vollkommene Entlastung.
Mittel aus a a' und b b'.
Bei einer Enddifferenz von 0-5 Millim.
=
Länge in Millimetres
fco 2
Länge in Millimetres
5 5
Differenz
| a
Differenz
««
Dehnung
Differenz
auf
~ 6
Dehnung
Differenz
auf
03 =
5 Grammen
M.S
5 Grammen
0
28-3
3-3
50
52-7
2-0
1-000
5
350
6-7
6-700
100
55-5
2-8
0-280
10
39-0
4-0
4-000
210
58-3
2-8
0 127
15
42-8
3-8
3-800
310
59-8
1-5
0-075
20
45-2
2-4
2-400
410
60-6
0-8
0 040
30
48-5
3-3
1-665
510
61-2
0-6
0-030
40
50-7
2-2
1-100
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLV. Bd. I. Ahth.
13
178
L a
a b' .
CO?
5 =
Lii
ige in Millimetres
Sri
5 3
La
nge in Millii
jetres
Differenz
Differenz
vO
Dehnung
Differenz
auf
■ja
Dehnung
Differenz
auf
5 Grammen
ca a
ä Grammen
0
39-9
4-9
73-7
2-5
1-250
5
49-0
91
9100
100
78-0
4-3
0-430
10
54-2
5-2
5-200
210
81-6
3-6
0163
15
59-7
5-5
5-500
310
83-7
21
0-105
20
630
3-3
3-300
410
85-0
1-3
0 065
30
68-0
50
2-500
510
85-8
0-8
0 040
40
71-2
3-2
1-600
Bleibende Dehnung bei 0 Grm. Belastung = 3-1 Millim.
Gesammtlänge von ab' berechnet = 85-6 Millim.
Bleibende Dehnung auf««' berechnet = 2-2 Millim.
IX. Leiche H.
Siehe V.
Mittel aus a n' und b b' .
Bei einer Enddifferenz von 1 -5 Millim.
CO 0.
La
nge in Millimetres
a
tu a>
Länge in Millimetres
z a
Differenz
- 3
Differenz
~ es
Dehnung
Differenz
auf
« O
Dehnung
Differenz
auf
ca a
5 Grammen
— c
5 Graminen
0
25-7
0-7
50
44-5
2-5
0-625
5
31-9
6 2
6-200
100
47-6
3 1
0-310
10
35-8
3-9
3-900
210
50-8
3-2
0145
15
38-5
2-7
2-700
310
52-5
1-7
0 085
20
39-8
1-3
1-300
510
53-8
1-3
0 032
30
42-0
2-2
1100
Bleibende Dehnung hei 0 Grm. Belastung nach einer Viertelstunde
2-4 Millim.
a b'.
a p
■2 ä
Länge in Millimetres
11
La
nge in Millimetres
Differenz
Differenz
~ CS
M 3
Dehnung
Differenz
auf
!i Grammen
% 6
=3 c
Dehnung
Differenz
auf
5 Grammen
0
30-3
1-3
50
63-0
3-5
0-875
5
45-3
9 0
9-000
1 00
67 2
4-2
0-420
10
51)))
5-3
5 • 300
210
720
4-8
0-218
15
5 i • :;
3-9
3 • 900
310
74-0
20
0-100
20
:.(;:;
20
2-000
510
76-0
20
0-050
311
59-5
30
1-500
Gesammtlänge von ab' berechnet 70-1 Millim.
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. 179
IV. Das Quellungsvermögen der Cutis.
Als ich behufs der mikroskopischen Untersuchung nach Rol-
le t's Verfahren Hautstücke zu gerben versuchte, beobachtete ich,
dass die anfangs in beliebigen Richtungen begrenzten rechteckig
zugeschnittenen Hautstückchen im Barytwasser und Essig nach einem
oder zwei Tagen eine rhomboidale Form angenommen haben. Als
ich aber wegen der leichteren Orientirung der Durchschnitte nach
den Stichreihen begrenzte rechteckige Lederstücke zu gewinnen
suchte, und desshalb gleich anfangs in dieser Weise begrenzte klei-
nere Hautquadrate in das Quellungsmedium brachte, beobachtete ich,
dass sich die Quadrate zwar in einer Richtung verlängerten, aber
nur selten zu Rhomben umgestalteten.
Von da an wurden immer neue nach den Stichspalten orientirte
Hautstücke in das Quellungsmedium eingelegt, doch traf es sich nicht
selten, dass grössere Hautquadrate dennoch manchmal einseitig in
spitzigen Winkeln ausgezogen wurden, jedoch quollen sie Con-
sta nt in der auf die Spalten reihen senkrechten Rich-
tung stärker auf, als in der Richtung der Spalt-
reihen. An kleineren Hautquadraten aber ist diese Unregelmässig-
keit nicht vorgekommen; es ergab sich, dass jene Unregelmässigkei-
ten der Aufquellung an grösseren Hautlappen nur dann vorkamen,
wenn die Stichreihen , wie z. R. an der vorderen Schenkelfläche
radiatim gegen einen Punkt oder Linie, den vorderen obern Dorn des
Darmbeines, und das Poupart'sche Band angeordnet waren, und in die
Umrisse des Quadrates nicht lauter annähernd parallel gerichtete
Reihen gefasst werden konnten. An jenen Rändern, welche genau
nach den Stichspalten orientirt waren, zeigten sich nie Unregel-
mässigkeiten.
Ich verwendete daher bei den Versuchen , die ich nun über
das Quellungsvermögen der Haut unternommen, nur mehr kleinere
Quadrate von höchstens 4-0 Centim. und von 2*5 Centim. Seiten-
länge, benützte aber auch die Kreisform; denn Kreise mussten unter
allen Umständen genau durch ihre Umgestaltung in Ovale die Rich-
tung der Aufquellung anzeigen. Wie bei den Versuchen über die
Spannung und Dehnungsfähigkeit wurden auch da die Umrisse auf
die am Leibe mehrfach gespaltenen, dann auf einer befeuchteten
13*
180 L ■■> » § e '•
Glasplatte vollständig retrahirten Hautlappen aufgedrückt, und zur
besseren Controle noch in die Quadrate mit dem Model ein Kreis
hineingezeichnet. Es ist sicherer die Quadrate auf einen ungefähr
quadratischen Hautlappen zu zeichnen und den ganzen Lappen in
das Quellungsmedium zu bringen, als das Quadrat in den Umrissen
herauszuschneiden, weil die Schnitte nach der Quellung meist schiefe
Flächen bilden, welche nur unsichere Abmessungen gestatten. An
grösseren Hautlappen wurden die Quadrate und Kreise mehrmal hin-
eingezeichnet, und der ganze Lappen in das Quellungsmedium
gebracht.
Die Messungen der Quadratseiten wurden nur dann als richtig
angenommen, wenn sich die Winkel des Rechteckes nicht veränder-
ten; die Durchmesser des aus dem Kreise entstandenen Ovales gaben
aber immer die richtigen Verhältnisse an, weil der Kreis nicht wie
die Quadrate orientirt werden musste.
Da es mir bei diesen Versuchen nur um die Formverhältnisse
zu thun war, so benützte ich als Quellungsmedium nur die Essig-
säure. Die Hautstiicke mussten, damit sie ganz gleichförmig
durchdrungen würden und aufquellen konnten, immer mindestens
48 Stunden in Essig liegen bleiben.
Die Hindernisse der Quellung wurden möglichst dadurch be-
seitigt, dass die subcutane Fettschichte rein abpräparirt und durch
die quadratische Form der grösseren Lappen eine gleichförmige
Durchdringung mit dem Quellungsmedium angestrebt wurde.
Trotzdem fand ich manchmal an einem und demselben Haut-
stücke, wenn mehrere Figuren gezeichnet wurden, die eine mehr,
die andere weniger verändert, wesshalb mehr die relativen Masse zu
berücksichtigen sind. Die Messungen wurden direct mit dem Zirkel
vorgenommen.
Die folgenden Angaben betreffen die Haut eines jungen Mannes,
und bringen die Resultate einer viertägigen Maceration.
1. Hautstück von der Seite der Brust, welches mit Qua-
draten von 40 Centim. Seitenlänge und Kreisen von 30 Centim.
Durchmesser bezeichnet war. Die Quadrate wurden zu Parallelo-
grammen, die Kreise zu Ellipsen, die längere Dimension beider
Figuren kreuzte in querer Richtung die Spaltreihen. L bezeichnet
die Richtung der Spaltreihen, Q die Querrichtung.
Zur Anatomie und Physiologie <ler Haut. 1 ö I
Die Seiten des mittleren Rechteckes hatten:
L 37 5 Millim..
Q 460 „ L:Q=1: 1'226.
Quellungsverhältniss von Q = 1 : 11 50.
Die Durchmesser der Kreise:
L 28 Millim.,
Q 35 „ L: 0=1:1-230.
Quellungsverhältniss von () == 1 : 1-166.
II. Hautstück über dem Leistenbande mit einem Qua-
drate und einem Kreise:
Die Seiten des Rechteckes:
L 365 Millim.,
Q 460 „ L: Q = 1 : 1260.
Quellungsverhältniss von Q = 1 : 1*150.
Die Durchmesser des Kreises:
L 26-5 Millim.,
ö 330 „ L:Q = 1 : 1245
Quellungsverhältniss von () = 1 : 1-100.
III. Hautstück von der vorderen Schenkelfläche:
Die Seiten des Rechteckes:
L 38-5 Millim.,
Q 460 „ L: Q = 1 : 1194.
Quellungsverhältniss von () = I : 1-150.
Die Durchmesser des Ovales:
L 28-0 Millim.,
Q 35 0 „ L:Q = l: 1250.
Quellungsverhältniss von Q = 1 : 1-166.
An einem Stücke Schenkelhaut mit radiären Spaltreihen wurden
mehrere Kreise aufgezeichnet, und nach der Quellung die längeren
Durchmesser der Ovale nicht parallel, sondern senkrecht auf die
Spaltreihen gestellt und unter einander Winkel bildend gefunden.
Da die Zeichnung auf die Epidermis gemacht wurde, und da der
ursprünglich scharfe Umriss der Zeichnung ebenfalls etwas durch
die Quellung breiter wurde, so konnte die Messung des gequollenen
Hautstückes nicht ganz exact sein, nichts destoweniger kann aber
kein Zweifel darüber bestehen, dass die aufgequollenen,
ursprünglich in gleicher Länge und Breite abge-
zeichneten Stücke scharf spalt hären Hautgewebes
1 82 Langer.
ungleich grosse Dimensionen erlangen, und dass der
Q u er durch in esse r derselben grösser ist, als der Längsdurch-
messer. Der Querdurchmesser war stets absolut grösser,
als in der ursprünglichen Zeichnung, während der Längsdurchmes-
ser annähernd gl eich geblieben oder nicht unbeträcht-
lich verkürzt wurde.
Das Quellungsverhältniss ist daher in Bezug auf
Längs- und Querrichtung entschieden ein ungleich-
förmiges, ja es sprechen diese Versuche sogar dafür, dass die
Quellung nur in der Querrichtung vor sich gehe, und
dass in der Längsrichtung der Spalt reihen sogar
ein Schrumpfen des Gewebes stattfinde.
Das Quellungsvermögen des Querschnittes ist ent-
schieden noch grösser als es die angegebenen Masse ausweisen,
denn um einen ganz richtigen Ausdruck für das Quellungsverhältniss
zu bekommen, müsste auch die Dickenzunahme der Hautstücke be-
rücksichtigt, und daher nicht nur das Flächenmass, sondern auch
der Kubikinhalt des Segmentes vor und nach der Quellung verglichen
werden. Ich habe zwar die Untersuchung in dieser Richtung nicht
weiter geführt, kann daher namentlich über das Verhältnis« der Auf-
quellung des Querschnittes zürn Längsschnitte keine genauen Anga-
ben machen, glaube aber dennoch nicht unberechtigt mich dahin
aussprechen zu können, dass wenigstens ein Theil der Zu-
nahme des Querschnittes durch den Ausfall in der
Länge beschafft werde, weil ich nämlich immer die Längen-
dimension scharf spaltbarer Hautlappen wenigstens um etwas ver-
kürzt gefunden.
Da aber die an den Hautlappen beobachteten Differenzen
gelegentlich so klein waren, dass sie möglicher Weise den Fehlern
der Messung hätten zugeschrieben werden können , so suchte ich
mir dadurch Sicherheit zu verschaffen, dass ich die Quellung sol-
cher Bindegewebsmassen untersuchte, deren Bündel parallel ange-
ordnet sind, und habe desshalb Parallelversuche mit Seh-
nenstücken vorgenommen. Es ergab sich, dass regelmässig die
Zunahme des Querschnittes von einer Abnahme in der Länge des
Sehnenstückes begleitet ist. An dünnen Sehnen z. B. an den Sehnen
der Plantaris longus ist diese Verkürzung schon nach Kurzem wahr-
nehmbar.
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. 183
Nach einer 48stundigen Maceration in Essig- haben sich 126
Millim. lange Sehnenstucke verkürzt, und zwar die ganze Sehne
des Plantaris long, um 41 Millim., sie erhielt annähernd eine spul-
runde Gestalt von ungefähr 11 Millim. Durchmesser, mit mehreren
Einschnürungen; in einem anderen Falle verkürzte sie sich schon
nach 24 Stunden um 38 Millim. Von der Sehne desselben Muskels der
anderen Seite, weichein zwei Theile gespalten wurde, verkürzte
sich der eine Theil um 46 Millim., der andere um 61 Millim.
Letzterer hat sich bis auf 18 Millim. nach der Fläche ausgehreitet.
Die ganze nur an ihrem oberen Ende stark aufgequollene Sehne des
Peroneus longus verkürzte sich um 24 Millim. Von der gespalte-
nen Sehne der anderen Seite , die eine Hälfte um 33 Millim., die
andere um 32 Millim.
Die grösseren Verkürzungen der Theile , gegenüber den gan-
zen Sehnen sind der grösseren Zugänglichkeit für das Quellungs-
medium und der Beseitigung der einschnürenden Kreisfasern zuzu-
schreiben.
Die Differenzen sind da so gross, dass sie unmöglich den Feh-
lern der Messungen zugeschrieben werden können.
Da die Quellungsverhältnisse der Sehnen bei der parallelen
Anordnung der die Sehne bildenden Bindegewebsbündel füglich
nur als die Summe der Quellung der einzelnen Bündel betrachtet
werden können , so kann das Verhältniss der Quellung der ganzen
Sehne auch auf das einzelne Bündel übertragen werden, und
bei dem vorwaltend in gleichen Zügen angeordneten Bindegewebs-
gerüste scharf spaltbaren Hautgewebes muss die besprochene un-
gleich massige Quellung der Hautlagen der Gewebs-
anordnung zugeschrieben werden.
Denkt man sich ein Gewebe, dessen Fasermassen nicht ein
gleichförmiges nach Art eines Filzes angeordnetes Flechtwerk dar-
stellen, sondern aus dichten mehr gleich gerichteten, wenn auch ge-
kreuzten Faserzügen besteht, so ist einsichtlich, dass Blättchen je
nach der Richtung des Durchschnittes, bald in dieser, bald in jener
Dimension aufquellen werden, je nachdem nämlich die Fasern mehr
im Querschnitte oder im Längsschnitte getroffen werden.
In Übereinstimmung mit diesen Ergebnissen Hess sich auch
erwarten, dass Hautstücke, welche eine unbestimmte
Spaltbarkeit zeigen, und deren Fasergerüst nicht so diagonal
184 Langer.
verzogen ist, wie z. B. an der scharf spaltbaren Haut des Schenkels,
dass diese Hautpartien in beiden Flächendimensionen eine
grössere Gleichförmigkeit bei der Quellung zeigen
werden; dies ist auch aus folgendem Beispiele ersichtlich.
IV. Es betrifft die Haut vom Manubrium sterni, an welcher
nach 48stündiger Maceration in Essig bei grosser Zunahme der
Dicke , um ungefähr das Dreifache , die Seiten des Rechteckes
massen :
L im Breitendurchmesser des Thorax = 36 Millim.,
Q „ Längendurchmesser „ „ = 39 „
L : Q = 1 : 083.
Die Durchmesser des Kreises massen:
L = 28 Millim.,
Q = 28 „ also wie 1 : 1-000.
Die Volumszunahme bezieht sich hier blos auf den dicken
Durchmesser, während in beiden Richtungen der Fläche eine mehr
oder weniger deutlich wahrnehmbare Schrumpfung nachweisbar ist.
Die Ursache der Volumszunahme in der Dicke dürfte in dem Um-
stände zu suchen sein, dass bei der mehr allseitig gleichförmigen
Verstrickung des Gewebes das Ausweichen des gequollenen Gewe-
bes nach der Dicke geringeren Widerstand findet, als nach der
Fläche.
Wie mit der Quellung , so verhält es sich auch mit der
Schrumpfung, welche das Gewebe im siedenden Was-
ser erleidet. Der Que r durch messe r scharf spaltbarer
Hautläppchen bleibt immer grösser, als der Längs-
durchmesser, wie dies folgende Beispiele beweisen. Die Läpp-
chen blieben nur 5 Minuten in siedendem Wasser.
I. Von der vorderen Schenkelfläche:
Die Seiten des Rechteckes massen :
L = 27-0 Millim.,
Q = 325 „ L : Q = 1 : 1203.
Die Durchmesser des Ovales:
L = 190 Millim.,
Q = 240 „ L : Q = 1 : 1262.
Zur Anatomie und Physiologie der Haut. 1 85
II. Von der Wade:
Die Seiten des Rechteckes:
L = 28-0 Millim.,
Q = 36 5 „ L : Q = 1 : 1303.
Die Durchmesser des Ovales:
L = 20-5 Millim.,
Q = 26-5 „ L : Q = 1 : 1292.
Hautstücke aus der Mittelebene des Leibes schrumpfen dage-
gen in siedendem Wasser gleichförmiger, wie dies aus folgen-
dem Beispiele zu entnehmen ist:
III. Hautstück vom Manubrium sterni :
Die Durchmesser des Kreises:
L horizontaler = 19-0 Millim.,
Q verticaler = 20-2 „
L : Q = 1 : 1063.
Der Einfluss der Gewebsanordnung dürfte daher auch in diesem
Falle ausser Zweifel sein.
Die Ergebnisse
dieser Untersuchungen lassen sich im Wesentlichen in folgenden
Punkten zusammenfassen:
1. Das Bindegewebsgerüste der Haut ist nicht nach Art eines
Filzes verstrickt, sondern besitzt eine netzförmige Anordnung in der
Form eines regelmässigen in der Fläche ausgespannten Gitter-
werkes.
Die Maschen desselben sind an den meisten Körperstellen dia-
gonal verlängert, in der Form von engeren oder weiteren Rhomben.
Je enger die Maschen, desto mehr bekommen die Faserbündel eine
parallele Anordnung und gruppiren sich zu Zügen, welche theils
gürtelförmig, theils in Spiraltouren den Rumpf und die Glieder um-
spinnen.
2. Hautpartien mit diagonal verzogenem, dichtem Faserge-
rüste sind durch spulrunde Ahlen scharf spaltbar und zwar in der
Richtung ihrer Faserzüge. Die einzelnen Stichspalten ordnen
sich in Reihen, welche im Wesentlichen die Faserzüge angeben.
Einige beschränkte Hautpartien sind nicht scharf spaltbar, die Ahle
erzeugt zerrissene , dreieckige Wunden, oder es sind die Stich-
186 Langer.
spalten nicht gereiht, sondern verworren gruppirt, die Spaltreihen
bilden Felder, welche durch zerrissene oder verworrene Stichspalten
abgegrenzt werden. Beide zusammen ergeben Zeichnungen, welche
mit den von der Haarrichtung bedingten nur theilweise überein-
stimmen. In unregelmässig spaltbaren Hautpartien ist das Faser-
gerüste ohne Zweifel in mehr rechtwinkeligen Maschen geordnet.
Bei Neugebornen bilden die Stichreihen am Bumpfe und an den
Extremitäten quere oder schiefe Gürteln, im Knabenalter und beim
Erwachsenen sind an den Extremitäten die Gürtel gestreckt und
gestalten sich dadurch zu längeren oder kürzeren Spiraltouren. In
den Zeichnungen bestehen nur geringe Varianten.
3. An scharf spaltbaren Hautstücken lässt sich mikroskopisch
der Querschnitt von dem Längsschnitte unterscheiden.
4. Mit Ausnahme des Schädeldaches, des Handtellers und der
Fusssohle ist überall an der Hautdecke eine grössere Spannung nach-
weisbar, sie wirkt daher, freilich nur mit geringen Kräften drückend
auf die Unterlage, und widersetzt sich den durch Vergrösserungen
des Inhaltes oder durch die Gelenkbewegungen bedingten Ausdeh-
nungen. Abgetragene Hautlappen ziehen sich daher immer auf ein
kleineres Flächenmass zusammen, als sie am Leibe eingenommen, die
Haut retrahirt sich. Nur am Kopf, am Handteller und an der Fusssohle
ist das Ketractiousvermögen nahezu = 0.
Die Spannung ist bald gleichförmig in allen Bichtungen der
Hautfläche, bald ungleichförmig, d. i. nach bestimmten Bichtungen
grösser als nach anderen. Hautpartien mit zerrissenen Stichwun-
den und verworrenen Spalten sind mehr gleichförmig gespannt,
scharf spaltbare Hautpartien sind ungleichförmig gespannt, die
grössere Spannung besteht in der Bichtung der Spaltreihen.
5. Die Spannung wird durch den Inhalt und die Gelenksbewe-
gungen bedingt. Im Umfange eines jeden Gelenkes besteht ein bestimm-
tes Spannungsgebiet, welches je nach dem Umfange der Excursio-
nen grösser oder kleiner ist. In der Begel reichen die Grenzen die-
ser Gebiete am Bumpfe bis in die Nähe der Mittellinie, an den Ex-
tremitäten bis in die Mitte der Gliederlängen Die Gelenksexcur-
sionen bedingen natürlicher Weise immer nur ungleiche Spannun-
gen, die mit der Excursionsrichtung wechseln.
6. Die vom zweiten Lebensjahre an bestehende Anordnung des
Gewebes ist Folge der wählend des Wachsthumes bestehenden
Zur Anatomie uml Physiologie der Hnut. \ 87
Spannungen und der nach der Geburt erfolgenden Streckung der
Extremitäten. Bei der aufrechten Attitüde (gestreckte Rücken und
Bauchlage) mit angezogenen und gestreckten Extremitäten besteht
daher die grössere Spannung und erfolgt die grössere Retraction
immer in der Richtung der Strichreihen, gleichmässige Spannung
und Retraction mit unregelmässiger Spaltbarkeit besteht an den
Grenzen der Spannungsgebiete der einzelnen Gelenke.
7. Die Gelenksbewegungen können Spannungen bedingen,
welche nicht in die Richtungen der Spaltreihen fallen, doch können
sie innerhalb der Spannungsgebiete das scharf spaltbare Gewebe
nicht umordnen und dadurch die Spaltbarkeit ändern, die Spalte wird
klaffend, bekömmt aber keine andere Richtung; nur an den Gren-
zen der Spannungsgebiete, also an den verworren, überhaupt un-
bestimmt oder unregelmässig spaltbaren Partien reichen die zeit-
lichen normalen Excursionen hin das Gewebe momentan umzuord-
nen, und die Spaltungsrichtung zu ändern.
Ungewöhnliche (Schwangerschaft) oder abnorme Volumsver-
grösserungen (Hydropsien u. s. w.) können ebenfalls vorübergehend
oder bleibend das Gewebe umlegen.
8. Trotz der grossen Resistenz des Bindegewehsgerüstes
besitzt die Haut eine grössere Dehnbarkeit;, welche mit der Belastung
abnimmt; so, dass der Gang der Dehnung durch eine Curve darge-
stellt werden kann. Diese grosse Dehnbarkeit verdankt die Haut der
Anordnung ihres Gewebes, und desshalh schon ist ein quer auf die
Spaltreihen geschnittenes scharf spaltbares Riemchen dehnbarer,
als ein nach den Spaltreihen orientirtes Längsriemchen. Verworren
spaltbares Hautgewebe ist gleichförmiger dehnbar.
9. Um namentlich den Gelenksbewegungen nur den geringsten
Widerstand zu bieten, ist das Netz des Bindegewebsgerüstes
eigenthümlich orientirt. Sei es schon in der ursprünglichen Anlage,
oder wie an den Extremitäten durch Streckung derselben bleibend
geordnet, so ist doch überall, wo durch die Gelenksbewegungen die
Haut gedehnt wird, der Faserlauf doch stets so angelegt, dass die
Faserrichtung bald vollständig quer, bald schief die Dehnungsrich-
tung kreuzt. Der Widerstand, den die Haut den Gelenksexcursionen
bietet, ist daher durch diese Anlage auf ein Minimum herabgesetzt,
und die Spaltreihen fallen überall , wo nicht die Faserlängen
ohnehin für das eine Extrem der Excursionen eingerichtet sind, wie
ige ,-. Zur AMtoaie 111..I Physiologie ier Baal
/ i:. in der Beugescit« de« Ellbogen- und Kniegelenkes in die Rieh-
tang der durch die B -■■•" erzeugten Falten. Gelenke mit
biliteralen Excursionen, /. B. das Handgelenk besitzen beiderseits
quer auf die Excursionsrichtungen gestellte Spaltreihen.
1i». So lange die Maschen des Gewebes durch die Dehnung der
Hnotriemcbeo nicht rollständig gestreckt Bind, also ehe die Fasern
gespannt werden, besitzt die Hau! eine sehr geringe,
aber rollkommene Elasticitat; bei grösseren Dehnungen, wenn die
Faser selbst an der Verlängerung der Riemchen Antheil nimmt, wird
die Elasticitit grösser. Die nach demVersuche vorhandene bleibende
Dehnung schwindet dennoch nach einiger Zeil und das ausgedehnte
Riemchen erreicht wieder seine ursprüngliche Lunge.
II Das Retractionsvermögen eerdankt die Haut ihrer voll-
koo nen Elasticitat, indem nicht nur die Faser zu ihrer ursprüng-
lichen Lange, sondern auch das Netz zu seiner ursprünglichen An-
ordnung wieder zurückkehrt. Das Zurückordnen des Netzes scheint
einer Zwischensubstanz zugeschrieben werden zu müssen, welche
,!,„■,. i, den Gärbeprocess entfernl oder verändert wird., da gedehnte
Lederriemen nur insoweit ihre ursprüngliche Länge wieder erlan-
gen können, als es durch die Elasticitat ihrerFasern möglich ist. Ein
Zurflckordnen des Fasergerüstes im Leder ist nur durch Quer-
spaonung ausführbar.
12. Scharf spaltbares Hautgewebe quillt wie Bindegewebe nur
in der Querdimension auf, und verkürzt sich in der Längsrichtung.
Verworren spaltbares Hautgewebe quillt gleichförmiger auf. In
siedendem Wasser schrumpfen scharf spaltbare Hautlappcn mehr ii
der Longa als Querrichtung, verworren spaltbare gleichförmiger
('. Langer. Zur Anatomie nml Physiologie der ll;uii.
obere
Waden
Vo r (lere Seil erikel
rv~
Seitli rlu* Brusl (« esend
Lei che
Drlitnm«K Iiiin»'en in Millinirl reu .
|sj>
VI. SITZUNG VOM 13. FEBRUAR 1862.
Herr Dr. Diesing überreicht den Schluss seiner Abhandlung:
„Revision der Turbellarien. Abtheilung: Dendrocoelen".
Herr Prof. Dr. A. Bauer übergibt die Fortsetzung seiner Ab-
handlung „über das Amylen und einige damit isomere Körper".
Herr Prof. Dr. K. Heller legt eine Abhandlung: „Beiträge zur
näheren Kenntniss der Macrouren" vor.
Herr Prof. Dr. Jos. Boehm übergibt seine „Beiträge zur
Genesis von Pflanzen-Farbstoffen".
Herr Dr. Adolph Weiss, Privatdocent an der Wiener Univer-
sität, überreicht seine „Untersuchungen über Zahlen- und GrÖssen-
verhältnisse der Spaltöffnungen der Pflanzen".
Die hiesige Buchhandlung Ferdinand Klemm, als bevollmäch-
tigte der Witwe des verstorbenen Dr. Victor Mekarski Edlen von
Meuk, übermittelt die von diesem hinterlassend! Manuscripte sammt
Holzschnitten mit der Bitte, dieselben einer Prüfung hinsichtlich
ihrer Druckwürdigkeit zu unterziehen.
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Argelander, Fr. W. A., Astronomische Beobachtungen auf der
Sternwarte zu Bonn. III. & IV. Band. Bonn, 1859 & 1861; 4»-
— De Stella ß Lyrae variabili commentatio altera. Boimae,
1859; 4°-
Astronomische Nachrichten, Nr. 1347. Altona, 1862; 4»'
Cosmos, XIe Annee, 20" Volume, 6" Livraison. Paris, 1862; 8"-
Gazette medicale d'orient, V annee, No. 10. Constantinople,
1862:4"
190
Gesellschaft, naturforschende, in Basel, Verhandlungen. III. Theil,
1. & 2. Heft. Basel, 1861; S<>-
— physikalische, zu Beilin, Die Fortschritte der Physik im Jahre
1859. XV. Jahrgang. Berlin, 1861; S°-
— physikalisch-medicinische, zu Würzburg, Würzburger natur-
wissenschaftliche Zeitschrift. II. Band , 2. Heft. Würzburg,
1861; 8°- — - Würzburger medicinische Zeitschrift. II. Band,
5. & 6. Heft. Würzburg, 1861; S°-
Grunert, Joh. Aug., Archiv der Mathematik und Physik. XXXVII.
Theil, 3. Heft. Greifswald, 1861; 8°-
Halle, Universität, akademische Gelegenheitsschriften aus dem
Jahre 1861. Berlin, Cöln, Halle, 1861; 8<> & 4<>-
Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer. Herausge-
geben von G.F.WalzundF. L. Winckler. Band XVI, Heft 6.
Heidelberg, 1861; So-
Löwen, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften' aus dem
Jahre 1861. Löwen, 1860 & 1861; 12°, 8° & 4«-
Societe Boyale de sciences de Liege, Memoires. Tome XVI. Liege,
Brnxelles & Paris, 1861; 8°-
— Imperiale des Naturalistes de Moscou, Bulletin. Annee 1861.
Tome XXXIV. No. 3. Moscou, 1861 ; 8°-
Vereeniging, Koninklijke Natuurkundige, — in Nederlandsch
Indie, Natuurkundige Tijdschrift voor Nederlandsch Indie. Deel
XXII. (V. Serie. Deel IL Aflevering III— VI.) Batavia, 1860,
8°, Deell XXIII. (V. Serie. Deel III. Aflevering I— III ) Batavia,
1861; So-
Wiener medicinische Wochenschrift, XII. Jahrgang, Nr. 6. Wien,
1862; 4o-
Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft,
XI. Jahrgang, Nr. 8. Gratz, 1862; 4»-
Zeitschrift für Chemie und Parm.acie, von Emil Erlenmeyer.
V. Jahrgang, Heft 2. Heidelberg, 1862; 8«-
— des österreichischen Ingenieur-Vereines, XIII. Jahrg., XI. &XIL
lieft. Wien, 1861: 4°-
Diesing. Revision der Turbellarien 101
Revision der Turbellarien. Abtheilung: Ilhabdncoelen.
Von dem w. M. Dr. R. ü. Die sing.
(Vorgelegt in der Sitzung vom 28. November 1861.)
Nachdem in jenem Aufsätze, welchen ich der kaiserl. Akademie
in der Sitzung vom 3. Octoher d. J. überreichte, die erste Abtheilung
der Strudelwürmer, nämlich jene mit verzweigtem und blindendigen-
dem Darmcanale behandelt worden ist, bildet die zweite Abtheilung,
welche die Strudelwürmer mit einfachem Darmcanal enthält, den
Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Diese zweite Abtheilung zer-
fallt in zwei natürliche, in voller Schärfe zuerst durch Schnitze
begrenzte Gruppen: die rüssellosen und die rüsselfragenden Rhabdo-
eoelen. Den grösseren Theil unserer näheren Kenntniss der ersteren
und insbesondere ihres inneren Baues, so wie ihrer Entwicklungs-
geschichte, verdanken wir den Bemühungen von M. Schultze und
0. Schmidt. Was die Principien, die mich bei der systematischen
Anordnung dieser Gruppe leiteten, betrifft, so habe ich das Vorhan-
densein oder Fehlen eines Afters besonders berücksichtigt, bei den
Gattungen die Stellung des Mundes, in so fern dieser endständig ist
oder auf der Bauchseite liegt, als wesentlich, dagegen die Lage der
Mundöffnung auf der Bauchseite, ob sie vorne, in der Mitte, oder
nach hinten zu gelegen ist, übereinstimmend mit M. Schultze,
0. Schmidt u. m. a. als untergeordnet betrachtet. Ausserdem habe
ich das Vorkommen oder die Abwesenheit von Seh- und Gehör-
organen, so wie auch der Kopfgruben (Cephalopori), als massge-
bende Gattungscharaktere angenommen. Durch die Anwendung dieser
Grundsätze wurde eine scharfe Begrenzung der Gattungen erzielt:
die Consequenz der Durchführung machte jedoch die Aufhebung
mancher der bereits nach anderen Eintheilungsprincipien aufgestelL
ten Gattungen unerlässlich.
192 D i e s i n g.
Was die rüsseltragenden Rhabdoeoelen betrifft, so verdankt
man die wichtigsten Beiträge zur Kenntniss der europäischen Formen
im letzten Jahrzehnte M. Schultze, Dalyell und neuerlich Van
Beneden in seiner Abhandlung: Recherches sur la Faune littorale
de Belgique 1860, während die exotischen Rhynchocoelen durch
Stirn p so n und Schmarda in ihren schon früher angeführten
Werken wesentlich bereichert worden sind. Der erstere beschreibt
von diesen 33, der letztere 17 neue Arten. Ferner wollte ich die
ohne Text erschienenen schönen Tafeln zu den Voyages de la com-
mission scientifique du Nord en Scandinavie, en Laponie, au Spitz-
berg et aux Feroe, pendant les annees 1838, 1839, 1840 sur la
Corvette la Recherche commandee par M. Fabvre, publies sous la
direction de Paul Gaimard, nicht unbenutzt lassen, und hahe mir
daher erlaubt, die auf denselben dargestellten Gattungen und Arte»,
so weit dies nur allein nach Abbildungen möglich war, zu charak-
terisiren und ihnen bis zum Erscheinen des Textes zeitweilige
Namen beizulegen.
Was die Eintheilung der rüsselführenden Strudelwürmer betrifft,
so machte M. Schultze (in d. Zeitschr. f. wissensch. Zool. IV. 1 853)
den Vorschlag, dieselben nach dem Vorhandensein oder dem Mangel
eines Rüsselstilets in zwei Abtheilungen zu bringen und von diesen
die erste Enopla, die zweite Anopla zu benennen: da jedoch die
Angaben über das Dasein oder die Beschaffenheit einer Rüsselbewaff-
nung bei einem grossen Theile der bekannten Rhynchocoelen noch
fehlen oder sehr unvollständig sind, so halte ich eine solche Ein-
theilung für noch nicht durchführbar, habe jedoch wo immer Daten
über Rüsselbewaffnung vorlagen , dieselben sorgfältig aufgeführt.
Dagegen wurde das Dasein oder Fehlen der Kopfgruben, wie dies
schon theilweise von mir im Systema Hehninthum geschah und spä-
ter durch Schmarda eine weitere Anwendung f;ind, als Eintheilungs-
princip gewählt.
So wie in anderen Ordnungen der Helminthen, bilden auch in
der der Turbellarien einige Gattungen durch die grosse Anzahl ihrer
Arten gewissermassen den Kern , um welchen sich die übrigen
Geschlechter anschliessen; so unter den Dendrocoelen Leptoplana
mit 66 , unter den Rhabdocoelen die rüssellose Turbella mit 47,
und die mit einem Rüssel versehene Meckelia mit 44 Arten.
Revision der Turbellarien. 193
Ein Überblick der Ordnung der Strudelwürmer lässt eine nahe
Verwandtschaft derselben theils mit den Myzhelminthen, theils mit
den Cephalocotyleen nicht verkennen. Ungeachtet des raschen Fort-
schrittes unserer Kenntniss der Turbellarien gibt es doch noch immer
so viele unvollständige, ja sogar widersprechende Angaben über den
äussern und innern Bau dieser Thiere, dass ein allen Anforderungen
entsprechender systematischer Aufbau noch immer nicht zu erzielen
war. Von Strudelwürmern mit einfachem Darmcanal (mit Ausschluss
der ganz zweifelhaften) umfasst die Gruppe der rüssellosen 122
Arten in 27 Gattungen und 15 Familien, welche meistens süsse Wässer
bewohnen, die der Rüsselträger 195 lebende und 9 erloschene Arten
in 41 lebenden und 2 erloschenen Gattungen und 12 Familien, die
grösstentheils im Meere leben, so dass die gesammte Ordnung aus
551 Arten, 105 Gattungen und 43 Familien besteht.
Endlich fühle ich mich noch verpflichtet, meinem edlen Freunde,
Herrn August von Pelzeln, welcher mich auch bei dieser umfang-
reichen und schwierigen Arbeit auf das Kräftigste unterstützte, hier
meinen herzlichsten Dank öffentlich auszusprechen.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLV. Bd. I. Abth. 14
1 94 D i e s i n g.
SUBORDO IL TURBELLARIA RHABDOCOELA EHRENBERG.
Tractus intestinalis simplex coecus aut ano stipatus. Proboscis
aggressoria niilla (Arhynchocoela) vel unica (Rhynchocoela).
Conspectns dispositioiiis familiarnm et genernm.
TRIBUS I. ARHYNCHOCOELA.
S u b t r i b u s I. Arhynchocoela a p r o c t a.
Tractus cibarius coecus. — Androgyna.
* Acrostomata: Os terminale.
Familia I. Ulegastomea ' )■
1. Megastonmni. Corpus subcylindricum. Caput corpore con-
tinuum. Os terminale rimaeforme transversum, oesophago
subcylindrico. Ocelli nulli. Otolithi nulli. Aquarum dnlcium
incolae.
Familia II. Proporidea. Corpus ellipticum y. teretius-
culum. Caput corpore continuum. Os terminale, oesophago tubae-
formi. Ocelli nulli. Otolithus unus supra capsulam aut otolithotheca
inclusus. Aquarum subsalinarum v. maris incolae.
2. Acelis. Corpus teretiusculum. Os oesophago margine sex-
lobatü. Otolithus capsulae cervicali insidens. Aquarum sub-
salinarum incolae.
3. I'roporus. Corpus ellipticum. Os oesophago margine integro.
Otolithus otolithotheca inclusus. Maricolae.
Familia III. Aemostomea.
4. Acmostomum. Corpus teretiusculum. Caput corpore conti-
nuum. Os terminale, oesophago conico margine denticulato.
Ocelli duo. Otolithus nullus. Aquarum dulcium incolae.
Familia IV. Otocelidea. Corpus teretiusculum vel
depressiusculum. Caput corpore continuum. Os terminale, oesophago
cylindrico. Ocelli duo. Otolithus I vel 2. Maricolae.
5. Otocclis. Corpus teretiusculum. Otolithus unus.
6. Sidonia. Corpus depressiusculum. Otolithi duo.
l) Character generis unici simul familiae, quod de familiis omuibus subsequentibus, uni-
iiifii soluin genus coiitineiitilnis, pariter valet.
Revision der Turbellarieu. 195
"' Hypostomata: Os ventrale, vel antrorsum, vel in medio fere corporis, vel
retrorsum situm.
Familia V. Typliloplanidea.
7. Typhloplana. Corpus depressum vel teretiusculum. Caput
corpore coutinuum. Os ventrale, superum suhterminale, an-
trorsum vel in medio fere corporis situm. Ocelli nulli. Oto-
lithus nullus. Aquarum dulcium rarius maris incolae, raris-
sime endoparasita.
Familia VI. Otophora. Corpus planum vel teretius-
culum. Caput corpore continuum. Os ventrale, antrorsum v. in medio
corporis v. retrorsum situm, oesophago cylindrico, conico v.amphorae-
formi. Ocelli nulli. Otolithus unus prominentiis duabus vel nullis,
otolithotheca inclusus, vel duo otolithothecis duabus. Aquarum dul-
cium v. maris incolae.
8. Monotas. Corpus planum vel teretiusculum. Os ventrale, an-
trorsum vel in vel retro medium corporis situm, oesophago
cylindrico v. amphoraeformi. Otolithus unus prominentiis
duabus v. nullis, otolithotheca inclusus. Maricolae v. aquarum
dulcium incolae.
9. Diotis. Corpus planum. Os ventrale retrorsum situm, oeso-
phago conico. Otolithi duo singulo otolithotheca proprio
incluso. Aquarum dulcium incolae.
Familia VII. Vortieinea. Corpus planum et teretius-
culum. Caput corpore continuum, haud cristatum vel ciliis rigidis
cristatum. Os ventrale, antrorsum, in medio corporis vel retrorsum
situm, oesophago cylindrico, amphoraeformi, subgloboso, infundibu-
liformi vel panduraeformi. Ocelli 2 v. 4, rarissime 3. Otolithi nulli.
Aquarum dulcium v. maris incolae.
10. Tarbella. Corpus teretiusculum v. depressum.. Os ventrale
superum, in medio fere corporis vel posticum subterminale,
oesophago cylindrico, amphoraeformi vel infundibuliformi.
Ocelli duo. Aquarum dulcium incolae, rarius maricolae.
11. Spiroclytns. Corpus gracile. Caput corpore continuum ciliis
rigidis longis munitum. Os ventrale antrorsum situm, oeso-
phago subgloboso. Ocelli duo. Maricolae.
12. Tricelis. Corpus planum. Os ventrale retro medium corporis
situm, oesophago subgloboso. Ocelli tres. Maricolae v. aqua-
rum dulcium incolae.
14*
J96 Diesing.
13. Tortex. Corpus teretiusculum vel depressum. Os ventrale,
superum subterminale, antrorsum, in medio fere corporis
vel retrorsum situm , oesophago amphoraeformi , subgloboso
vel cylindrico. Ocelli qnatuor. Aquarum dulcium vel maris
incolae.
14. Trigonostommn. Corpus gracile. Caput corpore continuum
ciliis rigidis longis munitum. Os ventrale trifissuin antrorsum
situm, oesophago panduraeformi. Ocelli 4. Maricolae.
I amilia VIII. Vorticericlea.
15. Torticeros. Corpus gracile. Caput a corpore subdiscretum,
pseudotentaculis duobus frontalibus. Os ventrale antrorsum
situm, oesophago subgloboso. Ocelli duo. Otolithus nullus.
Maricolae.
Familia IX. Celidotidea. Corpus teretiusculum vel
depressiusculum. Caput corpore continuum vel strictura discretum.
Os ventrale, antrorsum vel infra medium corporis situm, oesophago
cylindrico. Ocellus 1 vel 2. Otolithus unus, prominentiis duabus vel
nullis, otolithotheca inclusus. Maricolae.
10. Monops. Corpus teretiusculum. Caput corpore continuum vel
strictura discretum. Os ventrale in v. infra medium corporis
situm. Otolithus unus, prominentiis duabus vel nullis, otoli-
thotheca inclusus, ocello simul anteposito.
17. Celidotis. Corpus gracile. Caput corpore continuum. Os
ventrale, superum subterminale rimaeforme longitudinale vel
infra medium corporis situm. Ocelli duo. Otolithus unus, pro-
minentiis nullis v. duabus, otolithotheca inclusus retro oculos.
Subtribus II. Arhynchocoela proctucha.
Tractus cibarius ano stipatus. — Sexus discretus, interdum perio-
dice agama.
* Acrostomata: Os terminale.
Familia X. Orthostomea.
18. Orthostoinuin. Corpus proteum. Caput corpore continuum.
Os terminale, oesophago subcylindrico. Ocelli nulli. Oto-
lilhus nullus. Anus posticus terminalis. Aquarum dulcium
incolae.
Revision der Turbellarien. I Jj 7
Fainilia XI. Anorthidea.
19. Anorthu. Corpus eompressiusculum. Os terminale. Ocelli
nulli. Otolithus wiius. Anus posticus terminalis. Aquarum dul-
cium incolae.
Familia XII. IHsorea.
20. Disorns. Corpus proteum. Caput corpore continuum. Os ter-
minale. Ocelli 6, biternati. Otolithus nullus. Anus posticus
terminalis. Maricolae.
°* Hypostomata: Os ventrale, antrorsum situm, imo subterminale.
Familia XIII. Anotocelidea. Corpus teretiusculum
v. planum. Caput corpore continuum. Cephalopori nulli v. dno mar-
ginales. Os ventrale antrorsum situm, oesophago subcylindrico an-
gusto. Ocelli nulli. Otolithus nullus. Anus ventralis ante caudae
apicem. Aquarum dulcium incolae.
Subfamilia I. Anotocelidea aporocephala-
21. Typhloniicrostumnm. Corpus planum. Cephalopori nulli.
Subfamilia II Anotocelidea porocephala,
22. Anotocelis. Corpus teretiusculum. Cephalopori duo margi-
nales.
Familia XIV. Stenostomea. Corpus teretiusculum
vel planum. Caput corpore continuum vel a corpore discretum.
Cephalopori nulli vel duo marginales. Os ventrale antrorsum situm,
oesophago subcylindrico angusto vel crasso, medio angustato. Ocelli
nulli. Otolithus 1 v. 2. Anus ventralis ante caudae apicem. Aqua-
rum dulcium incolae.
Subfamilia I. Stenostomea aporocephala.
23. Catenula. Corpus subcylindricum vel depressum. Caput a
corpore discretum. Cephalopori nulli. Os ventrale, oesophago
subcylindrico crasso, medio angustato. Otolithus unus.
Subfamilia II. Stenostomea porocephala.
24. Stenostomum. Corpus teretiusculum. Caput corpore conti-
nuum. Cephalopori duo marginales. Os ventrale, oesophago
subcylindrico longo angusto. Otolithi duo ante vel retro os
siti. Anus ventralis ante caudae apicem.
198 Diesing.
Familia XV. Microstomea. Corpus teretiusculum vel
depressum. Caput corpore continuum. Cephalopori nulli vel duo
marginales. Os ventrale, antrorsum situm v. superum subterminale,
circulare vel transversum, rimaeforme. Ocelli duo simplices vel 6,
quorum 2 compositi, 4 simplices. Otolithus nullus. Anus ventralis
ante caudae apicem. Aquarum dulcium v. maris incolae.
Subfamilia I. Microstomea aporocephala.
25. Stylacinm. Corpus depressiusculum. Cephalopori nulli. Os
ventrale superum subterminale. Ocelli 6, quorum 2 compo-
siti, 4 simplices. Aquarum dulcium incolae.
26. Dinophilns. Corpus teretiusculum. Cephalopori nulli. Os ven-
trale antrorsum situm transversum, rimaeforme. Ocelli duo.
Maricolae.
Subfamilia IL Microstomea porocephala.
27. .Microstom um. Corpus teretiusculum. Cephalopori duo mar-
ginales. Os ventrale antrorsum situm, circulare. Ocelli duo.
Aquarum dulcium et maris incolae.
Situ oris ignoto adhuc dubium num Acrostomatibus vel Hypostomatibus
adnumerandum:
28. Aphanostoniam. Corpus oblongum. Os. . . Ocellus unus hya-
linus. Maricolae.
TRIBUS II. RHYNCHOCOELA.
Subtribus I. Rhynchocoela aporocephala.
Cephalopori nulli. — Androgyna v. sexus discreti.
* Holocephala: Caput haud lobatum.
Familia XVI. Rhynchoscolecidea.
29. Rhynchoscolex. Corpus teretiusculum exappendiculatum. Ca-
put corpore continuum. Proboscis terminalis pugione nullo.
Os ventrale, antrorsum vel in medio corporis situm. Ocelli
nulli. Androgyna. Aquarum dulcium et subsalinarum incolae.
Familia XVII. Gyratricinea. Corpus teretiusculum
vel oblongum ciliatum, exappendiculatum. Caput corpore continuum.
Proboscis terminalis pugione nullo. Os ventrale, antrorsum vel in
Revision der Tnrfcallarien. 1 99
medio corporis sittim. Ocelli 2, 4 v. 6. Androgyna. Maricolae, rarius
aquariiin dulcium incolae.
30. (iyrator. Corpus subcylindricum. Os in mediö fefe Corporis
situni. Ocelli 2. Aquarum dulcijun v. niaris incolae.
31. Rhyni'hoprobolus. Corpus oblongo-ovale. Os antrorsum situm
Ocelli 4. Aquarum dulciuru incolae.
32. Prostomum. Corpus teretiiisculum. Ocelli 6. Aquarum dulcium
incolae.
Familia XVIII. Borlasiea. Corpus teretiusculum vel
depressiusculum. exappendiculatum, disco caudali nullo v. uno. Caput
corpore continuum vel discretum. Proboscis terminalis vel infera.
Os ventrale antrorsum situm vel subterminale anticum. Ocelli nulli.
Maricolae.
«) Proboscis terminalis.
33. Borlasia. Corpus teretiusculum vel depressum, disco caudali
nullo. Caput corpore continuum v. discretum, sulcis laterali-
bus nullis. Proboscis terminalis. Os subterminale anticum.
34. Taeniosoma. Corpus depressum, disco caudali nullo. Caput
subdiscretum sulco longitudinali (linea impressa incolorata)
in utroque margine. Proboscis terminalis. Os antrorsum situm.
35. Baseodiscas. Corpus teretiusculum extremitate caudali in
discum explanata. Caput a corpore discretum. Proboscis
terminalis. Os relro caput situm.
ß) Proboscis infera.
36. Yaleocinia. Corpus teretiusculum v. depressum. Caput stric-
tura discretum. Proboscis in medio capitis paginae ventralis.
Os infra ostium meatus proboscidem protractilem excipientis
situm.
Familia XIX. Ommatopliora. Corpus teretiusculum
vel depressiusculum exappendiculatum. Caput corpore continuum v.
discretum. Proboscis terminalis pugiöne et burseolis aciculiferis in-
structa. Os ventrale, antrorsum vel in medio fere corporis situm.
Ocelli 2, 6 v. plurimi. Maricolae.
37. Cephalothrix. Ctrpus teretiusculum vel depressiusculum.
Caput corpore continuum. Os antrorsum vel in medio fere
corporis situm. Ocelli 2.
200 Die sing.
38. Ommatoplea. Corpus teretiusculum v. depressiusculum. Caput
corpore continuum vel discretum. Os subterminale anticum.
Ocelli 6 v. plurimi.
Familia XX. jflicruraea. Corpus depressiusculum
vel teretiusculum, extremitate caudali appendiculata. Caput corpore
continuum vel discretum. Proboscis terminalis. Os ventrale an-
trorsum situm. Ocelli numerosi. Anus sub processu caudali.
Maricolae.
39. licrura. Corpus depressum, processu caudali terminali fili-
formi. Caput corpore continuum. Proboscis e plica trans-
versa terminali protractilis. Os infra caput. Ocelli 10.
40. Polystemma. Corpus teretiusculum v. depressiusculum, (femi-
nae) in processum ellipticum ovigerum postice dilatatum.
Caput discretum. Os antrorsum situm. Ocelli plurimi.
Situs oris in generibus subsequentibus ignotus- — Corpus exappendicu-
latum. — Maricolae.
•j- Proboscis terminalis e medio capitis protractilis.
Ocelli nu lli.
41. Acrostomom. Corpus elongatum depressum. Caput corpore
continuum v. sulco circulari discretum. Proboscis terminalis.
Os... Ocelli nulli.
Ocelli 2.
42. Diplomma. Corpus depressiusculum. Caput corpore conti-
nuum vel discretum, fronte emarginatum. Proboscis termi-
nalis. Os... Ocelli 2.
43. Nareda. Corpus subcylindricum. Caput a corpore discretum,
trianguläre. Proboscis ... Os . . . Ocelli 2.
Ocelli 4.
44. Oerstedia. Corpus teretiusculum vel depressiusculum. Caput
corpore continuum. Proboscis terminalis pugione et burseolis
aciculiferis duabus instructa. Os . . . Ocelli 4.
Ocelli pl ii r i im i.
45. Bemieyclia. Corpus teretiusculum fliforme. Caput corpore
continuum, plica transversa terminali. Proboscis terminalis.
Os . . . Ocelli plurimi semicirculo dispositi.
Revision der Turbellarieu. 201
46. Tatsnoskia. Corpus depressum. Caput subdiscretum. Pro-
boscis terminalis ex apertura cruciata protractilis. Os . . .
Ocelli plurimi in acervos duos aggregati.
■j* •{■ Proboscis terminalis e margine capitis protractilis.
47. Polina. Corpus depressiusculum. Caput discretum vel sub-
discretum. Proboscis terminalis e capitis margine fronlali
inferiore protractilis. Ocelli numerosi in acervos 4 aggregati.
48. Cosmocephala. Corpus depressum. Caput corpore continuum
v. subdiscretum, pseudorirnis inconspicuis (lineis impressis
incoloratis) cervicalibus. Proboscis terminalis e capitis mar-
gine frontali inferiore protractilis. Ocelli numerosi utpluri-
mum in margine capitis.
* * Lobocephala. Caput lobatum.
Familia XXI. Hypoloba. Corpus depressum. Caput
discretum, subtus rima longitudinali vel marginibus longitudinalibus
inflexis bilobum, cavum vel solid um. Proboscis et os ... Ocelli nulli.
Maricolae.
49. Colpocephalus. Corpus depressum lineare. Caput subovatum
subtus rima longitudinali bilobum, cavum.
50. Chlamydoceplialns. Corpus elongatum planum. Caput corda-
tum, subtus marginibus longitudinalibus inflexis bilobum,
solidum.
Familia XXII. Acroloba. Corpus proteum. Caput
corpore continuum, unilobum vel bilobum, lobis terminalibus. Pro-
boscis terminalis e capitis margine protractilis. Os terminale in medio
capitis. Ocelli nulli. Maricolae.
51. Stimpsonia. Corpus subcylindricum compressiusculum. Caput
membrana circulari retroflexa. Lobus terminalis spatbae-
formis in margine superiore capitis proboscidem pro tr acta m
includens. Os terminale in medio capitis.
52. Ramphogordios. Corpus teretiusculum iiliforme. Lobi capitis
duo terminales, superpositi, supero majore. Ostium meatus
proboscidem protractilem excipientis ad basin loborum. Os . . .
53. Lobilabrom. Corpus elongatum depressum. Lobi capitis duo
terminales horizontaliter patentes, bilobi. Ostium meatus pro-
boscidem protractilem excipientis inter lobos. Os . . .
£[) £ D i es i, n g.
Subtribus II. Rbynchocoela porocep hala.
Cephaloporus unicus aut 2 vel 4 oppositi, rarius 2 juxta-
positi. — Sexus discretus.
Familia XXIII. Prorhynctiidea.
54. Prorhynchus. Corpus subeyliiulrieum. Caput corpore conti-
nuum. Cephalopori foveaeformes marginales duo oppositi.
Proboscis terminalis pugione armala. Os proprium nulluni.
Apertura capitis terminalis nunc oesophago nunc proboscidis
egressui inserviens. Ocelli nulli. Aquarum dulcium incolae.
Familia XXIV. Emeidea.
55. Emea. Corpus lineare depressum. Caput corpore continuum.
Cephalopori foveaeformes marginales utrinque duo. Probos-
cis terminalis pugione armata. Os et Oesophagus . . . Ocelli
nunc 4 nunc 6. Aquarum dulcium incolae.
Familia XXV. Typhloaiemertinea. Corpus depres-
sum v. teretiuseulum. Caput corpore continuum v. strictura discre-
tum. Cephaloporus unus terminalis aut 2 marginales oppositi vel 4
cruciatim convergentes. Proboscis terminalis aut in capitis pagina
ventrali collocatas, inermis, rarissime pugione etburseolis aciculiferis
instructa. Os ventrale infra caput situm. Ocelli nulli. Maricolae.
a) Proboscis infera.
56. Tubulanos. Corpus teretiuseulum. Caput strictura a corpore
discretum. Cephaloporus terminalis transverse rimaef'ormis.
Proboscis in medio capitis paginae ventralis.
57. Cerebratulns. Corpus elongatum depressum v. teretiuseulum.
Caput corpore continuum v. subdiseretuin. Cepbalopori duo
longitudinales, antice convergentes v. paralleli. Proboscis in
pagina ventrali capitis.
/?) Proboscis terminalis.
58. IHeckelia. Corpus elongatum depressum vel teretiuseulum,
marginibus haud revolutis. Caput corpore continuum v. stric-
tura discretum. Cephalopori duo longitudinales marginales.
Proboscis terminalis.
59. Diplopleura. Corpus elongatum dilatatum marginibus pone
caput revolutis in linca mediana dorsali vix coutiguis. Caput
Revision der Turbellarien. 40ü
discretum. Cephalopori duo longitudioales marginales. Pro-
boseis tenninalis.
60. Ophiocephalas. Corpus elougatum supra convexum subtus
planum. Caput discretum. Cephalopori quatuor longitudina-
les antice cruciatim convergentes. Prohoseis terminalis.
Familia XXVI. Ijoxorrliochmidea. Corpus tere-
tiusculum filiforme vel depressiusculum, haud raro proteum. Caput
corpore continuum v. discretum. Cephalopori transversales, interdum
obliqui, 2 et tunc oppositi vel juxtapositi aut 4. Proboscis terminalis
plerumque pugione st hurseolis aciculiferis instructa. Os ventrale
antrorsum situm. Ocelli 2, 4 v. numerosi. Maricolae.
61. Cephalonema. Corpus filiforme teretiuscultim. Caput dis-
cretum. Cephalopori 2 oppositi. Ocelli duo.
62. Tetrastemma. Corpus filiforme teretiiisculum. Caput corpore
continuum v. discretum. Cephalopori 2 oppositi. Ocelli 4.
63. Ditactorrhochma. Corpus elougatum proteum. Caput discre-
tum. Cephalopori duo juxtapositi. Ocelli numerosi.
64. Loxorrhochma. Corpus filiforme depressiusculum. Caput cor-
pore continuum. Cephalopori 4 bini oppositi. Ocelli quatuor.
Familia XXVII. Eunemertinea. Corpus depres-
sum v. teretiiisculum, haud raro proteum. Caput corpore continuum
vel subdiscretum. Cephalopori duo longitudinales marginales continui
vel bipartiti. Proboscis terminalis vel in capitis pagina ventrali, iner-
mis vel pugione armata, aut apice capitellata , parte basilari organis
urticantibus obsessa. Os ventrale subterminale vel infra caput situm.
Ocelli 2, 6 — 12 aut numerosi varie dispositi. Maricolae, rarissime
aquarum dulcium incolae.
a) Proboscis infera.
65. Qnatrcfagea. Corpus elongatum. Caput a corpore discretum.
Cephalopori continui, subparalleli (?). Proboscis in pagina
ventrali capitis. Os . . . Ocelli numerosi. Maricolae.
/5) Proboscis terminalis.
C)6. Polyhopla. Corpus taeniaeforme. Caput subdiscrelum. Cepha-
lopori continui, subparalleli. Proboscis terminalis, apice ca-
pitellata, parte basilari organis urticantibus obsessa. Os sub-
terminale. Ocelli numerosi. Aquarum dulcium incolae.
äU4 D i es in g.
67. Nemertes. Corpus depressum v. teretiusculum. Caput corpore
continuum vel subdiscretum. Cephalopori continui, conver-
gentes v. paralleli. Proboscis terminalis, inermis v. pugione
armata. Os infra caput situin. Ocelli 2, 6—12 aut numerosi.
Maricolae.
68. Emplectonema. Corpus longissimum filiforme proteum. Caput
subdiscretum. Cephalopori bipartiti, convergentes. Probo-
scis terminalis, inermis? Os. . . Ocelli nurnerosi. Maricolae.
Genus inquirendum.
69.? Dichilos. Corpus depressum lineare. Caput corpore conti-
nuum, plica transversa terminal] bilabiatum, labio inferiore
emarginato. Proboscis ... Os . . . Oeelli duo. Maricolae.
Genera exstincta.
70. Nemertites. Corpus longissimum filiforme. — In formatione
cambrica.
71. Lombricaria. Corpus longissimum filiforme. — In formatione
calcarea lithographica.
TRIBUS I. ARHYNCHOCOELA SCHULTZE.
Vermes: Intestina Linne ex parte. — Vers planulaires Lamareh ex parte. —
Apodes planaires Blainville. — Apoda trematodina Oersted ex parte. — Tur-
bellaria rhabdocoela Ehrenberg partim.
Animalcula solitaria libera, decolora vel colorata, utplurima
microscopica, alia aliquot lineas longa, paucissima vix semipollicaria.
Corpus inolle, parencbymatosum, totum vel passim ciliis vibrantibus
obsessum, utplurimum lineare, planum vel teretiusculum, rarius di-
latatum, continuum, interdum corpusculis bacillaribus vel organis
urticantibus (vesiculis elongatis appendice filiformi) subeutaneis vel
apieibus prominentibus instruetum. Acetabulum nullum. Caput cor-
pore continuum vel discretum, cephaloporis nullis vel rarius duobus,
uno in dextro, altero in sinistro capitis latere s. marginalibus l). Pro-
boscis aggressoria nulla. Tentacula genuina nulla, rarissime pseudo-
tentacula 2). Ocelli nulli vel 1, 2, 3, 4 vel 6 simplices, rarissime 2
compositi et 4 simplices, nigri, rarissime rubri v. decolores. Oto-
lithi nulli vel 1 vel 2, cum otolithotheca (s. tympano) 1 vel 2. Os ter-
minale aut ventrale antrorsum, retrorsum vel in medio corporis situin,
') Cephalopori sunt organa rimne- v. fo veaeformia , utriculo instrueta, iueertae func-
tionis, in Rhynchocoelis haud raro obvia.
2) In genere Vorticeroti.
Revision der Turbellarien. Cu5
oesophago s. pharynge rarissime protractili, integro vel limbo lobato.
Tractus cibarius simplex coecus aut ano stipatus. dp parat us aqui-
ferus cum poro excretorio, rarissime apertura duplici, una exceptoria,
altera excretoria *) instructus. dndrogyna et tuno apertura genitali
unica (Monogonopora), aut sexus discreti et tunc interdum periodice
agama. Penis chitiueus v. mollis. Organa genitalia interna (in andro-
gynis) ; mascula : utriculi duo (vasa seminalia) ductibus suis vesicula
seminali communi inserta, ductu brevi ejaculatorio a vesicula seminali
in organon copulationis saepe cliitineum vel solummodo appendicibus
chitineis insignitum excurrente; feminea: organon germinativum et
organon vitelligerum. discieta, rarissime juncta 2), paria, rarius im-
jiaria, utero, in quo ovula evolvuntur et testa dura teguntur, inserta,
cum bursa seminali utero affixa; rarissime 3): sacculi solitarii clausi
ad latera intestini, quorum anteriores ovula, posteriores sperma virile
continent; in illis sexus discreti, mascula: testiculus cylindricus
cum vesicula seminali et pene chitineo; feminea: ovarium cum ovi-
ductu extrorsum patente. Multiplicatio per ovula, rarius per ovo-
vivipartum 4), haud raro per divisionem spontaneam transversalem.
Evolutio directa. Systema musculare parum evolutum. Ganglion
cerebrale duplex, fila nervea emittens. — Aquarum dulcium, rarius
rnaris incolae, rarissime endoparasita.
Motus gliscens v. natatorius. Onila aestiva solitaria, libera, ovula hyberna
plurima, Capsula libera subglobosa colorata (ootheca), pedicellata vel pedicello
ilestituta inclusa.
Subtribus I. Arhynchocoela aprocta.
Tractus cibarius coecus. — Androgyna.
* Acrostomata. Os terminale.
Familia I. ifle^astomea Dies. Character generis unici
simul familiae.
I. MEGASTOMUM SCHMARDA.
Telostomum Schmarda, nee Oersted.
Corpus subcylindricum. Caput corpore continuum. 0.9 ter-
minale rimaeforme transversum amplum, oesophago subeylindrico.
!) Fn genere Stylacio.
2) In genere Macrostomo Oersted, cujus species hujns loci generibus Tu r I) e 1 1 a e .
Spiroclyto et Monolo adnumeratae sunt.
3) In genere S i d o n i a.
4 J I u V o r t i c e \V a r i- e n i i Girard.
200 Diesing.
Ocelli nulli. Otolithi nullit Androgyna? Apertur» genitalis... ylw/s
nullus. Aquarum dulcium Americae centralis incolae.
1. Megastomum ferrugineum SCHMARDA.
Corpus subcylindricum flavo-griseum. Os dimidiae fere cor-
poris latitudinis. Longit. i/z'".
Ovula matura magna. Organa genitalia mascula haud observata.
Telostomum ferrugineum Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 8.
Megastomum ferrugineum Schmarda 1. s. c. Tab. I. 17.
Habitaculum. In aqua dulci, prope San Juan del Norte in
America centrali (Schmarda).
Familia II. Proporidea Dies. Corpus ellipticum vel
teretiusculum. Caput corpore continuum. Os terminale, oesophago
tubaeformi. Ocelli nulli. Otolithus unus supra capsulam, aut otoli-
thotheca una inclusus. Androgyna. Apertura genitalis retrorsum sita.
Anus nullus. Aquarum subsalinarum Americae borealis vel maris
Europae septentrionalis incolae.
II. ACELIS DIESING.
Acmostomi spec. Schmarda.
Corpus teretiusculum. Caput corpore continuum. Os terminale,
oesophago protractili tubaeformi margine sexlobato. Ocelli nulli.
Otolithus globosus capsulae cervicali insidens. Androgyna. Penis
cultriformis retrorsum situs. Anus nullus. Aquarum subsalinarum
Americae borealis incolae.
Ovaria magna uvaeformia retrorsum sita.
1 . Acelis creoulata DIESING.
Corpus flavidulum. Longit. </8"'.
Acmostomum crenulatum Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 3. Tab. I. 2.
Habitaculum. In aqua subsalsa prope Hobocken haud procul
;i New York (Schmarda).
III. PROPORUS O. SCHMIDT.
Gyratoris spec. Busch.
Corpus ellipticum retrorsum atteniiatum. Caput corpore con-
tinuum. Os terminale, oesophago tubaeformi margine integro. Ocelli
nulli. Otolithus unus otolithotheca inclusus (oculus Schmidt).
Androgyna. Apertura genitalis dorsalis. Anus nullus. Maricolae.
1. Proporos Cyclops 0. SCHMIDT. — Dies. Syst. Helm. I. 219.
Habi taeul um. Faeroe in sinu Thorshavensi, vere (Schmidt).
Iti'\ i.siiui der TiH'bellarien. Cv i
Species inquirenda.
2. Proporas viridis Ä. LEÜCKART.
Corpus fere teretiusculum interdum retrorsum attenuatum, vi-
ride, corpusculis bacillaribus rubris vel violaceis prominentibus.
Longit. V',0 — «/8.
Gyrator viridis Busch: Bcobacht. wirbell. Seethiere 117 — 118. Tab.
XIV. 11—14 (cum anatom.).
Proporus? viridis Leuckart: in Troschel's Areh. 1854. II. 349.
Habitaculum. In mare adriatico prope Tergestum (Busch).
Penis (?): Organum corneum imperforatum bipartitum, globulis duobus
insidens. Organa genitalia solummodo mascula observata.
Familia III. Acmostomea Schmarda. Character
generis unici siinul familiae.
IV. ACMOSTOMUM SCHMARDA.
Corpus teretiusculum. Caput corpore continuum. Os terminale,
oesophago protractili conico margine denticulato. Ocelli duo. Oto-
lithus nullus. Androgyna. Penis flagelliformis retrorsum situs.
Anus nullus. Aquarum dulcium stagnantium Australiae incolae.
Testiculi duo fusiformes. Ovaria duo filiformia.
1. Aemostomum denticalatam SCHMARDA.
Corpus teretiusculum, capite rotundato , postice attenuatum,
flavo-griseum. Ocelli elliptici nigri. Longit. 1%'".
Aemostomum denticulatum Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 3. Tab.
I. 1, 1*.
Habitaculum. In aqua stagnante ad Cook's River in Nova
Cambria (S c h m a r d a).
Familia IV. Otocelidea Dies. Corpus teretiusculum
vel depressiusculum. Caput corpore continuum. Os terminale, oeso-
phago cylindrico. Ocelli duo. Otolithus unicus vel otolithi duo. An-
drogyna. Anus nullus. Maricolae.
V. OTOCELIS DTESING.
Propori spec. 0. Schmidt.
Corpus teretiusculum ciliatum. Caput corpore continuum. Os
terminale, oesophago. . . Ocelli duo. Otolithus unus otolithotheca in-
clusus. Androgyna. Apertura genitalis haud proeul ab extremitate
postica. Anus nullus. Maricolae.
208 D i e s i n g.
1 . Otocelis rubropunetata D1ESING.
Corpus hyalinum. Ocelli marginales, rubri. Longit xj%" .
Proporus rubropunctatus 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. d.
Wissensch. IX. (1852) 498. Tab. XLVI. 10.
Habitaculum. Prope Lesinam (0. Schmidt).
VI. SIDONIA SCHUL TZE.
Corpus depressiusculum gracile. Caput corpore continuum.
Os terminale, oesophago gracili cylindrico intestino oblique inserto.
Ocelli duo. Otolithi duo. Androgyna. Apertur a genitalis . . . Anus
nullus. Maricolae.
Organa genitalia: sacculi solitarii clausi ad latera intestini, quorum ante-
riores majores ovula in omni evolutionis stadio, posteriores sperma virile plus
minusve perfeetum continent. — Genus structura et dispositione organorum
genitalium ab Arhyncbocoelis omnino dift'erens, cum Rhynchocoelis contra
maxime congruens, valde memorabile.
1. Sidona elegans SCHULTZE.
Corpus album, dorso lateritio cruciato, capite rotundato. Longit.
2V,'", latit. i/,w.
Corpuscula calcarea subcutanea numerosa teretiuscula.
Sidonia elegans M. Schätze: in Verhandl. d. phys. med. Gesellsch. zu
Würzburg IV. (1854) 223 (cum anatom.).
Habitaculum. Prope Tergestum haud raro Augusto
(Schultze).
* * Hypostomata: Os ventrale, vel antrorsum, vel in medio fere corporis,
vel retrorsum situm.
Familia V. Typhloplaiiidea Dies. Character generis
uniei simul familiae.
VII. TYPHLOPLANA HEMPRICH et EHRENBERG. Char. amplif.
Fasciolae et Planariae spec Müller. — Derostomatis spec. Duges et Schmarda.
Opistomum 0. Schmidt. — Mesostomi spec. 0. Schmidt. — Anoplodium Schnei-
der. — Macrostomi spec. Schmarda.
Corpus depressum v. teretiusculum. Caput corpore continuum.
Os ventrale, superum subterminale, antrorsum v. in medio fere cor-
poris situm. Ocelli nulli. Otolit/ius nullus. Androgyna. Apertur a
genitalis retrorsum sita. Anus nullus. Aquarum dulcium, rarius maris
incolae, rarissime endoparasita.
Revision der Turbellarien. -iU«'
* Os superum subterminale vcl untrorsum situm.
Opistomum 0. Schmidt. — Macrostomi, Derostomi et Strongylostomi spec.
Schmarda. — Anoplodium Schneider.
1 . Typhloplana pallida.
Corpus latiusculum, albicans, transparens. Os superum sub-
terminale, oesophago amphoraeformi. Aculei ad basin continuationis
vaSorum deferentium vomeriformes. Penis armatus tortuosus. Longit.
ultra 1'".
Opistomum pallidum 0. Schmidt. — Dies. Syst. Helm. I. 233. — 0.
Schmidt: in Sitzungsb. d. k. Akad. XXV. (1857) 87. — Idem in
Denkschr. XV. 27.
Habita cul um. Prope Axien ad Albim: in paludosis, Martin
et Aprili (0. Schmidt).
2. Typhloplana Scholtzeana DIES1NG.
Corpus gracile. Os superum subterminale, oesophago amphorae-
formi. Aculei ad basin continuationis vasorum deferentium haud
vomeriformes. Penis armatus tortuosus. Longit. \\/2'" — 2'", lati-
tudo «/„"'.
Opistomum pallidum Schmidt. — M. Schnitze: ßeitr. Turbell. I. 40, 74
et 75 (cum deseript.). Tab. III. 1 (animal.). Tab. I. 13, 14, 26, 39.
Tab. III. 2 — 3 (anatom.). — Idem in V. Carus: leon. Zootom. Tab.
VIII. 17.
Opistomum pallidum M. Schätze neque Schmidt. -- 0. Schmidt: in
Sitzungsb. d. kais. Akad. XXV. 27. — Idem in Denkschr. XV. 27.
Habita cul um. In fossa pratensi, Decembri et per totam
hyemem sub glacie, animalcula organis genitalibus imperfectis (sub
calore cubiculi mox evolutis); Martio usque ad Aprilem animalcula
organis genitalibus instructa, Gryphiae (Schultze): Majo organis
genitalibus evolutis prope Cracoviam (0. Schmidt).
3. Typhloplana pellncida.
Corpus depressiusculum utrinque attenuatum decolor et pel-
lucidum. Os subterminale circulare, oesophago amphoraeformi. Penis
tubulosus apiculo longo setiformi terminali, retrorsum situs. Longit.
1'", latit. i/g"'.
Vortex coecus Oersted. — Dies. Syst. Helm. I. 283.
Vortex pellucidus Schultze: Beitr. Turbellar. 49 et 96. Tab. IV. 5
(animal.).
Habitaculum. In littoribus Daniae (Oersted). In mare
baltico ad algas, Septembri Gryphiae, rarissime (Schultze).
Sitzb. d. mathem.-naturw. PI. XLV. R.l. I. Ab«h. lä
210 U i e s i ii g.
4. Typhloplana ceylonica.
Corpus taeniael'orme pallide griseum. Os sultterminale rimae-
forme. Longit. 2/V".
In medio corporis Organum tubulosum postice apertura cireulari patente.
(An vas aquiferum? Schmarda.*)
Macrostomum ceylanicum Schmarda: Neue wirhell. Th. 1.1.8. Tab. 1.16.
H abi t aculurn. Ad oras Ceyloniae (Schmarda).
5. Typhloplana parasita.
Corpus planum ellipticum. Os antrorsum siturn, oesophago . . .
Peniä tubulus mollis inermis. Longit. 1 — 2"\
Tractus cibarius antrorsum regulariter sinuatus. Bursa seminalis. Ovum
unicum in singulo individuo.
Anoplodium parasita Schneider: in Müller's Arch. 1858. 324. Tab.
XII. 1—4 (cum anatom.). — Idem ibid. 1861. 183.
Habitaculu m. HolothuHa tuhulosa: in cavo corporis
(Schneider).
6. Typhloplana clongata.
Corpus elongatum depressum retrorsum attenuatum rnfo-
griseum. Os antrorsum situm ellipticum, oesophago doliif'ormi.
Longit. 1"'.
Derostomum elongatum Schmarda: Neue wirbell. Tb. I. 1. 7. Tab. I. 9.
Habitaculum. In aqua subsalsa paludosa, New Orleans in
America septentrionali (Schmarda).
7. Typhloplana cocca.
Derostoma coecum Oefsted. — Dies. Syst. Helm. 1. 283.
Habitaculum. In fossis, Hafniae (Oersted).
° Os in medio fere corporis situm.
Typhloplana H. et E.
8. Typhloplana variabilis OERSTED.— Dies. Syst. Helm. I. 231.
Habitaculum. In Daniae pratis inundatis (Müller, Fabri-
cius et Oersted, — in Gallia: Duges).
9. Typhloplana viridata EHRENDER*;.
Akaleph. d. roth. Meeres 66.
Typhloplana viridata 0. Schmidt. — Dies. Syst. Helm. I. 232. —
Schmarda i Neue wirbell. Th. I. 1. 9.
Mesostomum viridatum Schnitze: Beitr. Turbellar. I. 53.
Habitaculu adde: In aqua dulci prope Auckland in Nova Zee-
landia (Schmarda).
Hcvision der Turfoellarien. tt I 1
10. Typhloplana lapponica 0. srnunn.
Mesostomum (Typhloplana) lapponicum 0. Schmidt: in Sitzungsb. d.
kais. Akad. IX. (1852) 562. Tab. XLV1I. 16. — Fdem ibid. XXV.
(1857) 87. — Idem in Denksehr. XV. (1858) 36.
Habitaculum. In Lapponia, in palude aquae dulcis prope
Muonioniska; inter Torneo et Haparanda et prope Cracoviam haud
raro (0. Schmidt).
Specimina Cracoviensia os paulum ante medium, speeimina lapponica exaete
in corporis medio exhibent.
1 1 . Typhloplana gracilis SCHMARDA.
Corpus subeylindrieuni llavidulum. Os in medio corporis situm.
Penis curvatus. Longit. '/V".
Typhloplana gracilis Schmarda: Nene wirbell. Th. I. 1. 9. Tab. I. 19.
Habitaculum. In aqua dulei prope Cali in valle Cauca in Nova
Granada (Seh mar da).
12. Typhloplana flirudo.
Mesostomum (Typhloplana) Hirudo 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais.
Akad. XXV. 87 et in Denkschr. XV. 35 et 46. Tab. III. 9, 10, H.
Habitaculum. Prope Cracoviam (0. Schmidt).
Generi Typhloplanae fortasse adnumeranda:
Convolnta anotica SCH3IAMDA.
Os semilunare in quarta corporis parte. Longit. i/2 '"•
Convoluta anotica Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 8. Tab. 1. 18.
Habitaculum. In aqua stagnante prope Peili-Aar et prope
Badulla in Ceylonia (Schmarda).
Familia VI. Otophora Dies. Corpus planum vel tere-
tiusculum. Caput corpore continuum. Os ventrale, vel antrorsum vel
in medio corporis vel retrorsum situm, oesophago cylindrico, conico
v. amphoraeformi. Ocelli nulli. Otolithus unus prominentiis duabus
v. nullis, otolithotheca inclusus v. duo otolithothecis duabus inclusi.
Androgyna. Apertura genitalis . . . Anus nullus. Aquarum dulcium
vel maris incolae.
VIII. MONOTUS DlESJNG.
Monocelis Altctorum. — Convoluta Oersted. — Monostomi spec. Schnitze. —
Mesopharyngis spec. Schmarda.
Corpus planum v. teretiusculum, utroque margine involutum vel
marginibus haud involutum, extremitate caudali interdum in discum
15»
212 Die sing.
dilatabili. Caput corpore continuum. Os ventrale antrorsum vel iit
vel retro medium corporis situm, oesophago cyündrico v. amphorae-
formi. OcelH nulli. Otolithus uuus prominentiis duabus vel nullis,
otolitotheca inclusus. Androgyna. Penis retrorsum situs. Anus nnllus.
Maricolae vel aquarum dulcium incolae.
* Os antrorsum situm. Corpus utroque margine longitudinaliter involutum.
Convoluta Oersted.
1. Monotus paradox us.
Convoluta paradoxa Oersted. — Dies. Syst. Helm. I. 218. — 0. Schmidt:
in Sitzungsb. d. kais. Akad. IX. (1852) 492- Tab. XLIV. 1. — Gosse:
in Ann. nat. hist. 2. ser. XVI. (1855) 312. — Leuekart: in Tro-
sehel's Arch. 1859. II. 183.
Planaria haustrum Dalyell: Powers of the Creator II. (1853) 106. Tab.
XIV. 3(5 -38.
Habita culo adde: Prope Bergen in Norwegia (0. Schmidt).
— Ad littora Scotiae (Dalyell).
2. Monotus Johnstoni.
Convoluta Johnstoni Diesing : Syst. Helm. I. 219.
Habit acutum. In sinu Berwickcensi, inter Confervas (John-
ston).
3. Monotus Diesingii.
Convoluta Diesingii 0. Se//?tiidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. IX. 493.
Tab. XLIV. 2.
Habitaculum. Ad insulam Lesinam (0. Schmidt).
4. Monotus Schultz!!.
Convoluta Schultzii 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. IX. 493.
Tab. XLIV. 3. — M. Schnitze: in Würzburg. phys. med. Gesellsch.
IV. (1854) 223 et 224 (cum anatom.).
Habitaculum. Ad insulam Lesinam (0. Schmidt). Septem-
bri, Anconae (M. Schultze).
5. Monotus albicinetns.
Corpus planum oblongum ovatum, anlice rotundatum, retror-
sum acuminatum, faseiis duabus transversalibus dorsalibus albis.
Longit
Convoluta albicincla M. Schultze: inTroschel's Arch. 1849. I. 281.
Habitaculum. Ad Batrachospermum in littore orae orientalis
iusulae Rugiae (M. Schultze).
Revision der Turbellarien. C 1 o
* * Os in medio corporis situm. Corpus marginihu.s haud involutum.
Mesopharynx Schmarda partim.
6. lonotus mesopharynx DIESJNG.
Corpus planuii) oblongum retrorsum attenuatum, rufo - griseum.
Os in medio corporis situm, oesophago cylindrico. Otolithus promi-
nentiis duabus lenticularibus. Penis retrorsum situs, sagittaeformis.
Lorigit. '/V".
Ganglion cerebrale antrorsum emittit rainuluni crassum apice urceiformem
otolithum excipienteiii. — Ovula obscure rubra.
Mesopharynx otophorus Schmarda: Neue wirbelt. Th. I. 1. 4. Tab. I.
10. 11.
Habitaculum. In ;iqua dulci stagnante prope Stellenbosch ad
caput bonae spei (Schmarda).
* *':i Os retro medium corporis situm. Corpus marginibus haud involutum.
Monocelis Aurtor.
7. Nonotus nnipunctatus üIESING.
Otolithus prominentiis duabus. Penis pyramidatus armatus.
Monocelis unipunctata Oersted. — Dies. Syst. Helm. I. 185. — M.
Schultze: Beitr. Turbell. I. 38 et 75. Tab. II. 8—10 (anatom.).
Habitaculo adde: Sub superficie aquae ad littns maris baltici
(Schultze).
8. Ilonotus rotilans.
Monocelis rutilans Hempr. et Ehrenb. — Dies. Syst. Helm. I. 185.
Habitaculum. Ad Fucos maris baltici (Müller).
9. Monotus hyalines.
Corpus ovale postice rotundatum, hyalinuin. Caput rotundatum.
Longit. 2'/2'", latit. '/a'".
Embryo breve post exclusionem subj^lobosus ciliis vibrantibus obsitus, ex-
cavatione circulari.
Monocelis hyalina Benedeit: Recberch. Faun. litt. Belgique 40 et 56.
Tab. VII. 5 — 9 (et de evolut. embryonis).
Habitaculum. Ad littora Belgiae (ßeneden).
10. .11 »not us lacteos DIESING.
Corpus sublineare antrorsum attenuatum, extremitate postica
interdum in discum dilatabili, lacteum. Os retro medium corporis
situm, oesophago amphoraeformi liinho crenulato. Otolithus globo-
sus in otolithotheca crlobosa. Longit. . . .
Z 1 4 Diesing.
Gaimard: Voyage en Scandinavie etc. Zool. Tab. D. (Aporocephala)
1 — 11 (et fig. anatom.).
Habitaculum. In mari boreali (Gaimard).
Species inquirendae.
11. Monotus glaucus.
Monocelis glauca Diesing: Syst. Helm. I. 186.
Habitaculum. In aquis Daniae (Müller).
12. 11 on »I iis subalattis.
Monocelis subulata Diesing: Syst. Helm. I. 186.
Habitaculum. Inter Convervas marinas et in fundo limoso
cavernarum rupium aquam sub aestu retinentium, in Groenlandia
copiose (Fabricius).
13. 11 o not us excavatus.
Monocelis excavata Diesing: Syst. Helm. I. 187.
Macrostomum auritum M. Schnitze: Beitr. Turbell. 58 et 77. Tab. V. 4
(animal.).
Habitaculo adde: Ad littus maris baltici Gryphiae aestate et
autumno (Schultze).
IX. DIOTIS SCHMARDA.
Corpus planum oblongum. Caput corpore continuum. Os ven-
trale retrorsum situm, oesophago conico. Ocelli nulli. Otolithi duo,
singulo otolithotheca propria incluso. Androgyna. Penis . . . Anus
nullus. Aquarum dulcium Americae aequinoctialis incolae.
1. Diotis grisea SCHMARDA.
Corpus oblongum ovale depressum griseum. Longit. l1/^'".
Diotis grisea Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 5. Tab. I. 14.
Habitaculum In aqua dulci, San Juan del Norte in America
centrali (Schmarda).
FamiliaVIl. Vorticinea Hempr. etEhrenb. Charact.
amplif. Corpus planum vel teretiusculum. Caput corpore continuum,
haud cristatum v. ciliis rigidis cristatum. Os ventrale, antrorsurn, in
medio corporis v. retrorsum situm, oesophago cylindrico, amphorae-
formi, subgloboso, infundibuliformi v. panduraeforrni. Ocelli 2 v. 4,
raiissiine 3. Otolithi nulli. Androgyna. Apertura genitalis retrorsum
sita. Ovipara, rarissime ovovivipara. Anus nullus. Aquarum dulcium
vel maris incolae.
Revision der Turbellarien. i I .)
-;- oc-iii duo.
X. TURBELLA MEMPRICH et EHRENBERG. Char. amplificato.
Planaria Fabricius. — Derostoina DugeS partim. — Mesostomi spec. Duges.
Maerostoma Oersted. Strongylostoma Oersted. — Orthostomum 0. Schmidt
nee Hcinpr. et Ehrerib. — Sebizoslomum Schmidt. — Mesopharynjjis spec.
Schmarda. — Cbonostomum Schmarda. — Catesthia Leidy.
Corpus teretiusculum v. depressum. Caput corpore coiitiinuim.
Os ventrale superum, rirnaeforme, longitudiuale vel transversum, vel
subellipticum, v. in medio fere corporis situm circulare, v. posticum
subterminale, oesophago cylindrico, amphoraeformi vel infundibuli-
formi, protractili v.haud ppotraetfli. Ocelli duo antici. Otolithus nullus.
Androgyna. Anas nullus. Aquarum dnlcium, rarius maris incolae.
Conspectus dispositionis spedernm.
* Os superum, rirnaeforme, subellipticum v. circulare sp. 1 — 25.
* * Os in medio vel paulum supra vel retro corporis medium situm sp
26—46.
*** Os subterminale posticum sp. 47.
Speeies inquirendae: 48 — 57.
* Os superum, rirnaeforme, subellipticum v. circulare.
Turbella Hempr. et Eltvcnb. — Derostoina Duges partim. — Maerostoma
Oersted. — Strongylostomi et Vorticis spec. Sehmarda.
1. Turbella platyura EEMPRICH et EHRENBERG. - Dies. Syst.
Helm. I. 223.
Hab itaculum. Monspessulani (I) uges). — ßerolini (Eh ren-
berg).
2. Turbella appcndlculata D1ESING: Syst. Helm. 1. 224 adde.
Macrostomum Hystrix Oerst. Schnitze: Beitr. Turbell. I. 56, 7.3 et 77.
Tab. V. 3 (animal.). Tab. I. 15 (anatom.).
Habitaculo adde: Prope littus in proi'unditate aliquot pedum
in mare baltico ah initio aestatis usque ad autumnum organis geni-
talibus evolutis (Schnitze).
Sed. cl. Schnitze cum specie subsequente identica.
3. Turbella Hystrix DJE&ING,: Syst. Helm. I. 224 adde.
Macrostomum Hystrix Oer.sted. — Sc/udlze: Beitr. Turbcllar. I. c. -
0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. XXV. (1857) 87 et in
Denkschr. d. kais. Akad. XV. 36.
Habitaculo adde: Prope Cracoviam (Schmidt).
216 D i e s i 11 g.
4. Tarbella piscicnlns HEMPRICH et EHRENBERG. — Dies. Syst.
Helm. I. 224.
Habitaculum. Berolini (Ehrenberg).
5. Tarbella Squalas EHRENBERG:
Akaleph. d. rothen Meeres 66.
Turbella Squalus Diesing: Syst. Helm. I. 224.
Habitaculum. Monspessulani, in paludosis (Duges).
6. Tarbella lanulata HEMPRICH et EHRENBERG. — Dies. Syst.
Helm. I. 225.
Habitaculum. Berolini (Ehrenberg).
7. Tarbella seleuops EHRENBERG:
Akaleph. d. rothen Meeres 66.
Turbella selenops Diesing: Syst. Helm. 1. 225.
Habitaculum. Monspessulani, in paludosis (Duges).
8. Tarbellaria oolpaoctata DIESING: Syst. Helm. I. 225 adde.
Derostomum Schmidtianum Schnitze : Beitr. Turbellar. I. SO, 73 et 76.
Tab. IV. 6 (animal.). Tab. I. 7, 8, 38. Tab. IV. 7-9 (anatom.).
? Planaria fodinae Dalyell: Powers of the Creator II. HO. Tab. XV.
7—12.
Derostomum unipunetatum Oersted? — Leuchart; inTroschel's Arch.
1839. II. 183.
Habitaculo adde: In fossis et piscinis, Januario — Martio
organis genitalibus minus evolutis, Gryphiae (Schul tze). — Ad
littora Scotiae (Dalyell).
Secundum cl. Schnitze cum specie subsequente identica.
9. Turbella Schmidtiaoa DIESING: Syst. Helm. I. 225 adde:
Derostomum Schmidtianum Schnitze: Beitr. Turbell. I. c.
Habitaculum. Prope Axien ad Albim in limosis, Junio
(Schmidt).
10. Tarbella gibba DIESING: Syst. Helm. I. 226.
Habitaculum. Hafniae (Fabricius), ad Hofmansgave
(Oersted).
11. Tarbella viridis.
Corpus subcylindricum, capite rotundato, extremitate postica
acuminata, viride tinctum. Os subterminale circulare, oesophago am-
phoraeformi. Ocelli ovales, nigri. Longit. 1 — t1/»"'» latit. J/3 — i/i'".
Vortex viridis Schätze: Beitr. Turbell. I. 47, 73-74. Tab. III. 4 (ani-
mal.). Tab. 1. 1, 2, 2 \ 6 », 17, 30, 35, 37 et Tab. III. 5 (analom.).
- 0. Schmidt: in Sitzungsb. XXV. 87 et in Denkschr. XV. 22.
Revision der Turbellarieii. c\ t
? Hypostonunn viride Schmidt. — Dies. Syst. Helm. I. 229. — Leuckarti
in Troschel's Arch. 1854. II. 348 (de identitate cum PI. Helluone;
cfr. Turbellae sp. inquirendas Nr. 4. — Leydig : in Müller's Arcli.
1857. 415. — Leuchart: in Troschel's Arch. 1858. 11.89.
Habitaculum. In pratis inundatis Decembri usque ad finem
Martii organis genitalibus haud evolutis, hand raro decoloria; postea
versus aestatem organis genitalibus instructa et rarissime decoloria,
prope Gryphiam (Schul tze) — Axien ad AI bim in Borussia, Martio
et Aprili in lacubus prope Cracoviam (Schmidt).
12. Turbella scoparia.
Vortex scoparius 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. XXV. 87 et
in Denkschr. XV. 22 et 46. Tab. I. 1—4 (cum anatom.).
H a b i t a c u I u m. In piscino prope Cracoviam copiose cum
T. viridi (0. Schmidt).
13. Tarbella baltica SCIIULTZE.
Corpus subcylindricum, capite obtusato, extremitate postica
acuminata, laete brunneum. Os subtenninale subcirculare, oesophago
amphoraeformi. Ocelli ovales vel reniformes, nigri. Penis corneus
subcylindricus uncinulo terminali, retrorsum Situs. Longit. l/.> — 2/8'",
latit. Vs'".
Vortex balticus Schultze : Beitr. Turbellar. I. 48, 74 et 76. Tab. IV. 1
(animal.). Tab. I. 28 b- Tab. IV. 2—4 (anatom.). — Van Beneden:
Recherch. Faun. litt. Belgique 34. Tab. V. 10—12 (ovula).
Habitaculum. In mare baltico prope Gryphiam frequenter
animalcula organis genitalibus evolutis et. simul juvenilia ab Aprili
usque ad autumnum; animalcula solum juvenilia Martio (Schnitze).
In uno ovulo embryones duo.
14. Turbella notops.
Corpus subfusiforme postice attenuatum, albidum. Os antrorsum
situm. Ocelli nigri rotundati. Longit. ad 2'".
Derostoma notops Duges: in Annal. des sc. nat. XV. 141. Tab. IV. 2.
Turbella? Phaenocora? Ehrenberg: Akaleph. des rothen Meeres 66.
Gyralor herniaphroditus (partim) Üie&ing: Syst. Helm. I. 227.
Habitaculum. Monspessulani (Duges).
15. Turbella galiziana.
üerostomum galizianum 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. XXV.
I. (1857) 87 et in Denkschr. XV. (1858) 26 (et de organ. genital.).
Tab. III. 1.
218
l> I i' S I II
Habitaculum. Prope Cracoviam saepe cum Vortice viridi et
scopario (0. Schmidt).
16. Tarbella reticulata.
Vortex reticulatus 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. IX. (1852)
496. Tab. XLV. 7.
Vortex reticulatus? Idera ibid. XXIII. (1857) 353. Tab. II. 4.
Habitaculum. Prope Lesinam et prope Neapolin (Schmidt).
17. Tarbella leacocelis.
Corpus subcylindrieum, pallide griseum. Os antrorsum situm
rimaeforme, oesophago doliiformi. Ocelli circulares albescentes.
Longit lVV".
Derostomum leucocelis Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 6. Tab. I. 7.
Habitaculum. In aqua dulci prope San Juan del Norte in
America centrali (Schmarda).
18. Tarbella truocata.
Corpus subcylindrieum, retrorsum depressiuseulum, antiee trun-
catum, lateritium. Os antrorsum situm, rimaeforme, oesophago ara-
phorae- s. doliiformi. Ocelli pyrifurmes nigri. Penis hamatus in basi
semilunari, retrorsum situs. Longit. 1 %'".
Derostomum truncatum Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 6. Tab. I. 8.
Habitaculum. In aqua stagnante cum Stentore nigro prope
Illawara, in Nova Cambria (Schmarda).
19. Tarbella siphooophora.
Orthostomum siphonophorum 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad.
IX. 500. Tab. XL VII. 14.
Macrostomum siphonophorum Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 8 (nota).
Habitaculum. Prope Lesinam (0. Schmidt).
20. Tarbella aadicola (Schmarda).
Corpus planum oblongum, antiee truncatum, postice latum,
flavo-griseum. Os antrorsum situm circulare. Ocelli in fronte remoti
nigri. Penis curvatus, aculeis retrorsum directis utrinque duobus
brevibus. Longit. 3/4'".
Strongylostomum andicola Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1.9. Tab.
II. 20.
Habitaculum. In aqua dulci stagnante ad pedem montis
Pichincha in republica Ecuador (Schmarda).
Revision der Turbellarien. C 1 v
21. Turbclla nictopoglcna.
Corpus planiusculum oblongum, flavo-griseum. Os in primo cor-
poris triente. Ocelli frontales nigri. Penis curratus aculeis retrorsum
directis utrinque duobus longioribus. Longit. l/4'".
Ovula matura oehracea, (esta dura ehitinacea.
Strongylostonium metopoglenuin Schmarda: Neue wirhell. Th. I. L9
Tab. II. 21 et 21*.
Habitaculum. In aqua stagnante prope Sidney in Australia
(Schmarda).
22. Turbella sphaeropharynx.
Corpus planum, oblongo ovale, rufo - griseum , tractu cibario
brunneo transparente. Os circulare antrorsuin situm, oesophago glo-
boso. öcetli elliptici nigri. Longit. 1".
Vortex sphaeropharynx Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. U. Tab. I. 3.
Habitaculum. In aqua stagnante prope Cali in valle Cauca»
Novae Granadae (Schmarda).
23. Turbclla caudata.
Corpus cylindricum postice in formam caudae attenuatum, rufo-
griseum. Os autrorsum situm, oesophago ovali. Ocelli sphaerici
nigri. Penis subuliformis, basi incrassatus, scutello insidens. Longit.
i «/*'"•
Ganglion cerebrale distinetum, fila nervea 5 emittens, quorum duo versus
oculos excurrunt. 0.s ciliis vihrantihus magnis nbsessum.
Vortex caudatus Schmarda: Neue wirhell. Th. I. 1. 5. Tab. I. 4.
H a b i t a c u I u m. In fönte prope Popayan Novae Granadae
(Schmarda).
24. Tnrbella trigonoglena.
Corpus subcylindricuin, inedio paruni dilatalum, retrorsum atte-
nuatum. Os autrorsum situm, oesophago ovali. Ocelli trianguläres
nigri. Penis longe subulatus. Longit. '/a'".
Testiculi duo elongati. Vesieula seniinalis globosa. Ovaria duo longa utri-
culifonnia.
Vortex trigonoglena Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1.6. Tab. I. 5.
Habitaculum. In aqua stagnante prope Bathurst in Nova
Cambria (Schmarda).
25. Tarbella Conus.
Corpus conicum. Os autrorsum situm, oesophago doliiformi
margine denticulato. Ocelli reniformes nigri. Longit. I vV".
220 Diesing.
Intestinum conicum.
Vortex conus Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 6. Tab. I. 6.
Habitaculum. In aquis stagnantibus sylvarum, San Juan del
Norte, in America centrali (Schmarda).
* Os in medio vel paulum supra vel retro corporis medium situm.
Mesostomum Duges. — Strongylostoma Oersted. — Mesopharyngis spec. et
Chonostomum Schmarda.
26. Turbella fasiformis.
Derostoma (Mesostoma) fusiforme Duges. — Ehrenberg : Akaleph. des
rothen Meeres 66.
Mesostomum fusiforme Buges- — Diesing : Syst. Helm. I. 222.
Strongylostoma assimile Oersted. — Schnitze: Beitr. Turbellar. 53.
Habitaculum. In aquis stagnantibus Galliae (Duges); — in
Dania (Oersted).
27. Turbella radiata.
Mesostomum radiatum Diesing: Syst. Helm. I. 222.
Strongylostoma radiatum Schnitze: Beitr. Turbellar. 53.
Habitaculum. In Daniae aquis paludosis et piscinis (Müller
et Oersted).
28. Turbella rostrata.
Derostoma (Mesostoma) rostratum Duges. — Ehrenberg: Akaleph. des
rothen Meeres 66.
Mesostomum rostratum Duges. — Diesing: Syst. Helm. I. 220. —
Schätze: Beitr. Turbell. I. 73-74. Tab. I. 10—12, 23 (anatom. et
de corp. bacill.). — Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 10.
Habitaculo adde: Prope Badulla in Ceylonia (Schmarda).
29. Turbella Ehrenbergii.
Os in calycem s. reeeptaculum vasorum aquiferorum excurrens.
Planaria tetragona var. Ehrenberg: Akaleph. d. roth. Meeres 66.
Mesostomum Ehrenbergi Oersted. — Diesing : Syst. Helm. I. 220. —
Leuckart: inTroschel's Arch. 1852. I. 234 (anatom.).
Mesostomum Ehrenbergii O. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. XXV.
87, 88 et in Denkschr. XV. 32 et 46. Tab. III. 34 (anatom. cum
notit. biograph.).
Habitaculo adde : Prope Cracoviam frequenter (O. S c b m i d t).
30. Turbella Lingua.
Mesostomum Lingua Schmidt. — Diesing: Syst. Helm. I. 221.
Habitaculum. Prope Axien ad Albim , Aprili et Junio
(0. Schmidt).
Revision der Turbellarien. 221
■'< 1 . Tarbella personata.
Mesostomum personatum Schmidt. — Diesiiig : Syst. Helm. I. 221. —
0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. XXV. 87 et in Denkschr.
XV. 81. Tab. III. 2.
Habitaculo adde: Prope Cracoviam frequenter (0. Seh midt).
32. Turbella pusilla.
Mesostomum pusillum Schmidt. — Üicsing : Syst. Helm. I. 221.
Habitaculum. Prope Axien ad AI bim, Majo (Schmidt).
3.3. Turbella tetragoua.
Mesostomum tetragonum Schmidt. - - Dies. Syst. Helm. I. 222. -
31. Schultze: Beitr. Turbell. I. 73—74. Tab. I. 4-6. 18—20, 24 a—d,
25, 29, 31—33, 34 (anatom.).
Habitaculo adde: Gryphiae (Schultze).
34. Tarbella Craci.
Mesostomum Craci 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. XXV. 87 et
in Denkschr. XV. 27—29 et 46. Tab. II. 1— 3.
Habitaculu m. Prope Cracoviam (S c h rn i d t).
35. Tarbella lenticulata.
Mesostomum lenticulatum 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. IX.
(18S2) 497. Tab. XLVI. 9.
Habitaculum. Färö in portu Thorshavn (Schmidt).
36. Tarbella producta.
Schizostomum produetum Schmidt. — Diesing: Syst. Helm. I. 226.
Mesostomum produetum Leuchart: in Troschel's Arch. 18S4. II. 349.
— 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. XXV. 88 et in Denkschr.
XV. 34.
Habitaculum. Prope Axien ad Albim. in lacnnis pluvialibus
gregarie, Majo et Junio (Schmidt).
37. Turbella fallax.
Mesostomum fallax 0. Schmidt: in Denkschr. d. kais. Akad. XV. 34.
Tab. III. 6-7.
Habitaculum. Prope Cracoviam fine Maji et initio Junii fre-
quenter (0. Schmidt).
38. Tarbella cyatbus.
Mesostomum cyathus 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. XXV. 87
et in Denkschr. XV. 29. Tab. II. 6. 7 (anatom.).
222 0 i e s i n g .
Habitaculum. Prope Cracoviam variis locis, frequens, nee
310» prope Gratiam (0. Schmidt).
39. Tarbella Wandae.
Mesostomum Wandae 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. XXV.
87 et in Denkschr. XV. 33 et 46. Tab. II. 8—9. Tab. III. 5.
Habitaculum. In paludibus prope Cracoviam Aprili raro, fine
Maji frequenter (0. Schmidt).
40. Tnrbella bacillifera DIESING.
Corpus planum oblongum, capite truncato, extremitate postica
rotundatum, corpusculis bacillaribus retrorsum prominentibus muni-
tum, flavidum. Os in medio fere corporis. Ocelli elliptici nigri.
Longit. 1'".
Mesostomum hystrix Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 10. Tab. II. 23.
Habitaculum. In aqua dulci stagnante prope Pisino in Istria
(Schmarda).
41 . Torbella diglena.
Corpus subcylindricum depressiusculum, capite rotundato, ex-
tremitate postica sensim attenuatum, cyaneo-griseum. Os in medio
corporis, oesophago cylindrico protractili. Ocelli nigri. Penis tri-
cuspidatus. Longit. 3/V".
Mesopharynx diglena Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 4. Tab. I. 12.
Habitaculum. In aqua dulci stagnante prope Sidney et Para-
matta in Nova Camhria (Schmarda).
42. Torbella creoolata.
Corpus subcylindricum retrorsum parum attenuatum. Os in
medio corporis situm, oesophago infundibuliformi, margine crenu-
lato, protractili. Ocelli purpureL Penis cirrifovmis. Longit. i'".
Chonostomum crenulatum Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 4. Tab. I.
13 et 13«
Habitaculum. In aqua dulci stagnante pope Auckland in
Nova Zeelandia (Schmarda).
43. Tarbella ovoidea.
Mesostomum ovoideum 0. Schmidt : in Sitzungsb. d. kais. Akad. IX. 497.
Tab. XLV. 8.
Habitaculum. Prope Lesinam (0. Schmidt).
Revision der Turbeilarien. 223
44. Turbella Solen.
Mesoslomum Solea 0. Schmidt ibid. XXIII. 334 et 365. Tab. II. 5.
Hahitaculum. In mare prope Neapolim (0. Schmidt).
45. Tarbella trnneula.
Mesostomum trunculum 0. Schmidt: in Sitzungsb. XXV. 87 et in
Denkscbr. XV. 35 et 46. Tab. III. 8
Habitaculum. Prope Cracoviam, rarissime (0. Schmidt).
46. Tnrbella oigroveoosa DIESING.
('opus elongatum planum, capite obtuso, extremitate postica
acuminata, clare brunneum, nigrovenosum. Os parum retro medium
corporis sitnm. Ocelli reniformes nigri. Penis longissimus tortuo-
sus. Apertura genitalis retrorsum sita. Longit. V", latit. i/!i'".
Mesostomum marmoratum M. Schnitze: Beitr. Turbell. I. 54. Tab. V. 2.
1a, 2(5. — Van Beneden: Rechereh. Faun. litt. Belgique 41.
Habitaculum. Ad algas marinas raro, Gryphiae; animalcula
organis genitalibus evolutis sed numquam cum ovulis ab Aprili per
totum aestatem (Schnitze), fine Maji, vulgaris, Ostendae (B e-
ned en).
* * Os subterminale posticum.
Catesthia Leid]/.
47. Tarbella stellato-maculata LEIDY.
Corpus subeylindricum capite et extremitate postica rotundatis.
supra maculis stellato-ramosis nigris versus margines evanescenti-
bus dense et regulariter, antrorsum maculis tribus cum oeellis alter-
nantibus notatum, subtus albidum transparens. Os subterminale posti-
cum, oesophago amphoraeformi. Ocelli globosi nigri. Longit. 3 — 8'".
latit. </4— 1"'.
Animalcula voracissima; speeimina longitudinis 8'" ore suo valde dilata-
bili Planariam maculatam 6" longam deglutire cl. Leidy testat.
Catesthia stellato-maculata Leid]/: in Proceed. Acad. Philad. V.
(1851) 290.
Habitaculum. Snb saxis in fluviis Delaware et Scbuylkill
(Leidy).
Species inquirendae:
48. Tarbella assioiilis DIESING Syst. Helm. 1. 226.
49. Tarbella caudata.
Corpus oblongum, capite truncato, extremitate postica in cau-
dam attenuata, griseo-flavescens. Os. . . Ocelli lunati vel subro-
£ 't 4- D i e s i n g-.
tundi. Penis ovalis in iippendieem styliformem antice uncinatam
attenuatus. Longit. 3"'.
Vortex caudatus Oersted: in Kroyer's Naturhist. Tidssk. I. (1844—
1845), 416.
Habitaculum. Prope Dröbak inter algas (Oersted).
50. Tarbella strigata.
Mesostomum strigatum Oersted. — Dies. Syst. Helm. I. 222.
51. Tarbella bistrigata.
Mesostomum bistrigatum Oersted. — Dies. Syst. Helm. I. 223.
52. Tarbella? stagni.
Planaria stagni Dalyell: Powers of the Creator II. 118. Tab. XVI. 30.
Mesostomum? Leuckart: in Troschel's Arch. 1859. II. 183.
Habitaculum. In Scotia (Dalyell).
53. Tarbella Planaria.
Distigma1) Planaria Hempr. et Ehr. — Diesing : Syst. Helm. I. 187.
54. Tarbella Proteus.
Distigma Proteus Hempr. et Ehr. — Dies. Syst. Helm. I. 187 et 648. —
Bailey in Smithson. Contrib. II. 45.
Habitaculo adde: Salem in Massachusetts (Co le).
55. Tarbella viridis.
Distigma viride Hempr. et Ehr. — Dies. Syst. Helm. I. 188 et 648.
56. Tarbella Helluo.
Distigma? Helluo Diesing: Syst. Helm. I. 188.
Vortex viridis Schnitze: Beitr. Turbell. 47 (solum in nota).
Planaria graminea Dalyell: Powers of the Creator II. 119 — 121.
Mesostomum viridatum? Leuckart: in Troschel's Arch. 1859. II. 183.
Habitaculo adde: In Scotia (Dalyell).
57. Tnrbella tenax.
Distigma? tenax Hempr. et Ehr. Diesing: Syst. Helm. I. 188 et 648.
XI. SPIROCLYTUS 0. SCHMIDT.
Macrostomi et Goniocarenae spec. Schmarda.
Corpus gracile ciliatum. Caput corpore continuum, ciliis rigidis
loni^is cristatum. Os ventrale circulare vel rimaeforme, antrorsum
l) Cfr. Stirapson Prodr. I 1 (de Iranslatione ad Rhabdocoela).
Revision der Turbellarien. 22!)
situm, oesophago subgloboso. Ocelli duo ante os. Otolithus nullus.
Androgyna. Penis corneus bispiralis apiculo recto, retrorsum situs.
Anus nullus. Maricolae.
1. Spiroclytus Nisus 0. SCHMIDT:
in Sitzungsb. d. kais. Akad. XXIII. (1857) 356 et 365. Tab. III. 8 (cum
anatom.).
Habitaculum. Neapoli (0. Schmidt).
2. Spiroclytus setosus.
Corpus cylindricum ciliis vibrantibus et rigidis, extremitate po-
stica corporis lanceolata, (lavo-griseum. Caput rotundatum setis 4
symmetrice dispositis. Os rimaeforme, oesophago . . . 0 Celli circula-
res nigri. Longit. 1'".
Superficies corporis corpusculis bacillaribus solitariis, binis v. ternis pro-
minentibus exasperatum.
Macrostomum setosum Schmarda: Neue wirbell. Th. I. t. 7. Tab. I.
15, 15»-
Habitaculum In aqua stagnante vallis Cauca prope Popayan
(Schmarda).
S p e c i e s i n q u i r e n d a :
3. Spiroclytus capitatus.
Corpus oblongum, postice acuminatum, marginibus undulatis,
subpellucidum flavescens. Caput a corpore discretum trigonum
ciliis longis obsitum. Ocelli lunati. Os. . . Longit. 3/V".
Vortex capitata Oersted: Entw. syst. Einth. Plattw. 65, fig. 7.
Goniocarena capitata Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 14.
Habitaculum. In profunditate 6 orgyiarum in fretu Oresund
semel repertum (Oersted).
■J* *J- Ocelli tres.
XII. TRICELIS QÜATREFAGES.
Mesostomi spec. Schnitze.
Corpus planum dilatatum. Caput corpore continuum. Os ven-
trale, retro medium corporis situm, oesophago subgloboso. Ocelli
tres antrorsum siti transverse uniseriales. Androgyna. Apertura
genitalis. . . Anus nullus. Maricolae v. aquarum dulcium incolae.
1. Tricelis fasciata QÜATREFAGES. — Dies. Syst. Helm. I. 189.
Habitaculum. Mitozo in Sicilia inter lapides maris (Qua-
tre fages).
sif/.l.. .1. mathem.-naturw. Cl. XLV. Bd. I. Abth. 16
226 I) i e s i n g.
2. Tricelis qaadripunctata DIESING : Syst. Helm. I. 190.
H a b i t ii c u 1 u m. Inter Ülvam Linzam, Hafniae (Fa b r ici u s).
3. Tricelis obtasa
Corpus planum, capite et extremitate postica obtusis, album.
Ocelli subfrontales. Os retro corporis medium situm, oesophago sub-
globoso? Longit. 1— 1 '/3'", latit. i/g—t/t'".
Mesostomum obtusum Schnitze: Beitr. Turbell. 54. Tab. V. 1.
Ha bitacul um. In fossa, Julio, specimina duo, propeGrypbiam
(Scbultze).
f-J-f Ocelli 4.
XIII. VORTEX HEMPR1CH et E1IRENBERG. Charactere amplific.
Planaria Müller. — Vertex Hempr. et Ehrenb. — Tetracelis Hempr. et Ehr. —
Prostoma X,eidy — Pseudostomum, Hypostomum et Trigonostomum 0. Schmidt.
- Telostomum et Cylindrostomum Oersted. — Allostoma Beneden.
Corpus teretiuseulum v. depressum. Caput corpore continuum.
Os ventrale, supernm subterminale, v. antrorsum v. in medio fere cor-
poris v. retrorsum situm, oesophago amphoraeformi, subgloboso vel
cylindrico. protractili v. baud protractili. Ocelli quatuor in quadran-
gulum dispositi, interdum bini lineola curva nigra longitudinaliter
juncti, quasi semilunati. Androgyna. Apertura genitalis retrorsum
sita. Amts nullus. Aquarum dulciuin aut maris incolae.
* Os antrorsum situm, imo subterminale.
Vortex Hempr. et Ehren/).
1 . Vortex truncatus HEMPRICF1 et EHRENBERG. — Dies. Syst.
Helm. I. 229. adde:
Schmarda: in Denksehr. d. kais. Akad. VII. 7. — 0. Schmidt: in
Sitzungsb. XXV. 87 et in Denksehr. XV. 22.
Planaria euneus Dalyell: Powers of the Creator II. 12t. Tab. XV. 15. 16.
Vortex truncatus? Leuckart; in Troschel's Areh. 1859. II. 183.
Ilabitaculo adde: In aqua stagnante, Februario prope
Alexandriarn (Sc binar da) — in Scotia (Dalyell) — prope Cra-
Cöviam (0. Schmid t).
2. Vortex pictns 0. SCHMIDT. — Dies. Syst. Helm. I. 230. adde:
0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. XXV. 87 et in Denksehr. XV.
24 et 40. Tab. I. 5—!) (anatom. et pliysiol.).
Habitaculo adde: Prope Cracoviam ((). Schmidt).
Revision der Turbellarien. 227
3. Vortex coronarius 0. SCHMIDT:
in Sitzungsb. d. kais. Akad. XXV. 87 et in Denkschr. XV. 26 et 46. Tab.
1. iO— 11 (de organ. genital.).
Habitaculum. Prope Cracoviam, raro (O.Schmidt).
4. Vortcx Benedeni 0. SCHMIDT:
in Sitzungsb. d. kais. Akad. IX. 496. Tab. XLV. 6.
Habitaculum. Prope Lesinam (O.Schmidt).
5. Vortex penicillatus 0. SCHMIDT:
in Sitzungsb. d. kais. Akad. XXIII. 352. Tab. 1. 3.
Habitaculum. Prope Lesiuam (0. Schmidt).
6. Vortex Girardi 0. SCHMIDT:
in Sitzungsb. d. kais. Akad. 1. c. 351. Tab. I. 2.
Habitaculum. Neapoli prope St. Luciam (O.Schmidt).
7. Vortex ferroginens SCHMARDA:
in Denkschr. d. kais. Akad. VII. 16, 26 et 28. Tab. V. 2.
Habitaculum. In lacu subsalso prope El-Kab in Egypto,
Martio (Schmarda).
* * Os in medio fere corporis.
Cylindrostomum Oersted. — Pseudostomum 0. Schmidt.
8. Vortex qnadrioculatus FREY et LE UCKART. — Dies. Syst. Helm.
I. 130. adde:
Pseudostomum Feroense 0. Schmidt. — Diesing: Syst. Helm. I. 236.
Van Beneden: Recherch. Faun. litt. Belgique 41.
Pseudostomum quadrioculatum Leuchart: in Götting. gel. Anzeig. 1851.
1940 etinTroschel's Arch. 1854.11. 348.
H a b i t a c u 1 o adde : Faeroe in sinu Thorshavensi, vere
(0. Schmidt) ad superficiem Ostrearum ad littora Belgiae
(ßeneden).
9. Vortex eaudatus.
Corpus oblongo- ovale, cauda minuta acuminata terminatum,
grisescens, medio nigrescens. Os in medio corporis situm, oesophago
cylindrico. Ocelli posteriores magis inter se remoti quam anteriores.
Longit. 1 '".
Cylindrostoma caudatum Oersted: in K royer' s Naturhist. Tidssk. I.
1844-1845.416.
16°
ääö D i e 8 i n g.
Habitaculum. Inter algas prope Dröbak haud procul a
Christiania (0 erstell).
10. Vortex dubius.
Corpus oblongum, capite obtuso, postice in caudam attenuatum,
subhyalinurn, medio grisescens. Os in medio corporis situm, oeso-
phago cylindrico. Geeilt posteriores magis inter se remoti quam
anteriores. Longit. . . .
Cylindrostomum dubium Oersted 1. s. c. 417.
Habitaculum. Prope DrÖbak (Oersted).
1 1 . Vortex mutabilis.
Planaria mutabilis Eichwald. — Dies. Syst. Helm. I. 649.
Habitaculum. In aquis stagnantibus prope Kaugern, Jnlio
(Eichwald).
* * * Os retrorsum situm.
Allostoma Beneden. — Telostoma Oersted. — Tetracelis spec. Diesiny.
12. Vortex pallidus.
Corpus proteum. Os transversale, retrorsum situm, oesophago
subgloboso retrorsum directo. ücelli quatuor in quadrangulum dis-
positi. Aperturu genitalis retro os sita. Longit. 1 — \x/s".
In capite statu expanso foveolae (cephalopori?) duae. — Filamenta spi-
ralia vesiculis ovalibus inclusa antrorsum prope ganglia cerebralia sita, in-
certae funclionis. Vas aquiferum in postica corporis parte poro exeretorio
terminali. Organum vitelligenum? Ovaria duo ad latera oesophagi symmetriee
disposita. Testiculi duo in vicinis ovariorum. Vesicula seminalis. Spermatozoi-
dea spiralia. Ovula ovalia, pedicellata. — Embryo breve post exclusionem sac-
eiformis, ovalis, ciliatus, coecus, ocellis sub evolulionis progressu apparentibus
primum 2, lente cristallina instruetis.
Allostoma pallida Van Beneden: Rechercb. Faun. litt. Belgique 34 — 39
et 55. Tab. VI. 1—21 (et de evolut, et anatom.).
Habitaculum. Ad saxa in aqua marina ad littoraBelgiaecopiose
(Beneden).
1 3. Vortex Mytili.
Corpus depressum, ovale, ferrugineum. Os subterminale posti-
cum. Ocelli nigri, gt'iniui, antici minores. Longit. '/,'".
Planaria tubulosa Fabr-icius? in Kongl. Danske Vidensk. Selsk. Skr. II.
32. Tab. III. T. 1—2.
Telostoma Mytili Oersted: in Kroyer's Naturbist. Tidsskr. IV. 555. —
[dem: Entw. einer system. Einth. d. Plattw. 59.
Tetracelis Mytili Diesing : Syst. Helm. I. 190.
Habitaculum, Mytilus edulis : ad branchias (Oersted).
Revision der TurBellarien . >.'.'
S p e c i e s i n q u i r e n d a e :
14. Vortex marginatas DIESING-' Syst. Helm. I. 230.
15. Vortex cmargiuatus i>ii;si\g .• Syst. Helm. I. 231.
16. Vortex cruciatas DIESING: Syst. Helm. I. 231.
17. Vortex Warrenii GIRARD.
Corpus elongattim subliueare, rufo-brunneum, capite et extremi-
tate postica rotundatis. Os. . Ocelli. ■ . Longif. . . .
Vortex Warrenii Girard: Proceed. Bost. Soc. nat. hist. III. 264 et 363.
Habitaculum. Ad littus, Boston Harbour, band vulgaris
(Girard).
Speeies vivipara; juvencula ocellis destituta.
18. Vortex variegatns lelckart.
Corpus flavum , fasciis transversalibus duabns nigris, priore
retro oculos sita.
Planaria variegata Dalyell: Powers of the Creator II. HS. Tab. XVI. 20.
Planaria (Vortex) variegata Leuchart: in Troschel's Arcli. 1859.
II. 183.
Habitaculum. Ad littora Scotiae (Dalyell).
19. Vortex chlorostictus.
Mesostomum? chlorostictuni 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad.
XXIII. 354 et 365. Tab. II. 5.
Habitaculum. Prope Neapolim (0. Schmidt).
20. Vortex marmoratas.
Tetraeelis marmorata Hempr. et Ehrenb. — Dies. Syst. Heiin. I. 190.
21. Vortex fontanns.
Tetraeelis fontana Diesing: Syst. Helm. I. 19t.
XIV. TRIGONOSTOMUM 0. SCHMIDT.
Spiroclyti spec. Schmidt.
Corpus gracile, ciliatum. Caput corpore continuum, ciliis rigidis
lougis, cristatum. Os ventrale, trifissum, antrorsum situm, oesophago
elliptico medio constricto s. panduraeformi. Ocelli 4 retro os. Andro-
gyna? Penis corneus trispiralis apiculo recto, retrorsum situs. Anus
nullus? Maricolae.
1. Trigonostomum setigerum 0. SCHMIDT:
in Sitzungsb. d. kais. Akad. IX. 500. Tab. XLVII. 13.
Spiroclytus Euryalus 0. Schmidt ibid. XXIII. 356-358.
Habitaculum. Propp Lesinam (O.Schmidt).
230 niesing.
Famiüa VIII« Vorticeridea. Dies. Character gene-
ris unici simul familiae.
XV. VORTICEROS 0. SCHMIDT.
Corpus gracile. Caput a corpore subdiscretum, pseudotenta-
culis duobus frontalibus. Os ventrale, antrorsum pone ocellos situm,
subcirculare, oesophago subgloboso. Ocelli duo. Otolithus nullus.
Androgyna? Anus nullus? Maricolae.
1. Vorticeros pakhellam 0. SCHMIDT.
in Sitzungsb. d. kais. Akad. IX. 499. Tab. XLVI. 11.
Habitaculum. Prope Lesinam (0. Schmidt).
Familia IX* Celidotidea. Dies. Corpus teretiusculurn
vel depressiusculum. Caput corpore continuum v. strictura discretum.
Os ventrale, antrorsum, in vel infra medium corporis situm, oeso-
phago cylindrico. Ocelli 1 vel 2. Otolithus unus prominentiis dua-
bus vel nullis, otolithotheca inclusus. Androgyna. Apertura genitalis
retrorsum sita. Anus nullus. Maricolae.
•j- Ocellus unicus.
XVI. MONOPS D1ESING.
Monocelis Schnitze nee Hempr. et Ehrenb.
Corpus teretiusculurn, extremitate postica interdum in discum
dilataläli. Caput corpore continuum vel strictura discretum. Os
infra medium vel in medio corporis situm, oesophago cylindrico.
Otolithus unus globosus prominentiis nullis vel 2, otolithotheca
inclusus. Androgyna. Penis retrorsum situs. Apertura genitalis
feminea . . . Ocellus otolitho antepositus. Amis nullus. Maricolae.
ö Os infra medium corporis situm.
1. Monops lineatns.
Otolithus prominentiis duabus.
Monocelis iineata Ocrsted. — Dies. Syst. Helm. I. 185. — Schnitze:
Beitr. Turbell. I. 39 et 75. Tab. II. 12 (anatom.).
Habitaculo adde: Gryphiae, aestatc organis genitalibus evo-
lutis (Schultze).
2. Monops agilis.
Corpus antrorsum atlenuatum , postice obtusum , hyalimim,
brunneo-tinetum. Otolithus prominentiis duabus. Ocellus magnus
Revision der Turhffllarien. '£',\ |
semilunaris nigrobrunneus otolitho antepositus. Penis papillacformis,
rnollis. Longit. 1 — ! */,'", latit. ',,'"•
Species haec corpore postico in t'ormam acetabuli membranacei dilatato
Hirudinum more sese attigit ( Van Beneden).
Monocelis agilis Schnitze: Beitr. Turbellar. I. 37 et 75. Tab. II. I (ani-
raal.). Tab. II. 2 — 7 (anatom.). — Van Beneden: Kechercb. Faune
litt Belgique 39-40 et 56. rüib. VII. 1-4.
Habitaculum. Ad superficiem algarum, vere usque ad autum-
num, copiose, Gryphiae (M. Schnitze); ad littora Belgiae, ahunde
( \i e n e d e n).
3. Monops fuscas.
Otolithus prominentiis duabus.
Monocelis fusca Oersted. — Dies. Syst. Helm. I. 186. — M. Schnitze:
in Zeitscbr. f. wissensch. Zool. IV. (1852) 184.
Habitaculo adde : Prope Cuxhaven, Martio (M. Schnitze)
4. ülonops umliriiius DIESING.
Corpus antrorsum attenuatum, extremitate caudali in discuin
dilatabili, umbrinuin, band raro albo-variegatum. Os retro corporis
medium, oesophago subcylindrico. Otolithus prominentiis nullis.
Ocellus brunneus, trausverse sublinearis, otolitho antepositus. Penis
subulatus. Longit. . . .
Gaimard: Voyage en Scandinavie etc. Zool. Tab. D. (Aporocephala)
12—18.
Habitaculum. In mari boreali (Gaimard).
5. Monops elegans DIESING.
Corpus sublineare, extremitate postica in discum dilatabili, hya-
liuum, tractu eibario transparente. Os retro medium corporis, oeso-
phago subcylindrico. Otolithus prominentiis duabus. Ocellus brurr-
neus, trausverse sublinearis, otolitho antepositus. Longit. . .
Corpuscula bacillaria dorsalia passini prominentia.
Gaimard: Voyage en Scandinavie etc. Zool. Tab. F. (Apococephala }
1 — 15 (cum fig. anatom.).
Habitaculum. In mari boreali (Gaimard).
6. Monops obesas DIESING.
Corpus crassum utrinque attenuatum, extremitate caudali in
discum dilatabili, ilavo-brunneum. Os relro corporis medium, oeso-
phago subcylindrico medio incrassato. Otolithus prominentiis nullis.
232 D i e s i n g.
Ocellus rufo-brunneus, transverse sublinearis, otolitho antepositus.
Penis subulatus. Longit. . . .
Corpuscula bacillaria dorsalia versus extremitatem caudalem prominula.
Gaimard: Voyage en Scandinavie etc. Zool. Tab. F. (Apococephala)
i6— 39? (cum fig. anatom.).
Habitaculum. In mari boreali (Gaimard).
7. Monops nigroflavus DIESING.
Corpus gracile antrorsum attenuatum, extremitate postica in
discum dilatabili, nigrum flavo-limbatum. Os retro corporis medium,
oesophago subcylindrico. Otolithus prominentiis nullis. Ocellus trans-
verse sublinearis, otolitho antepositus. Penis subulatus. Longit....
Gaimard: Voyage en Scandinavie etc. Zool. Tab. D. (Aporocephala)
19-26?
Habitaculum. In mari boreali (Gaimard).
* * Os in medio corporis situm.
8. Monops assimilis.
Corpus lineare, retrorsum in caudam depressam dilatatum,
fusco-grisescens, pone otolithum rubescens. Caput a corpore strictura
discretum. Os in medio corporis situm. Ocellus otolitho antepositus.
Penis globosus apice subulatus. Longit.. . .
Monocelis assimilis Oersted: in Kroyer's Naturhist. Tidsskr. 1844 —
1845. 416.
Habitaculum. Inter algas prope Dröbak (Oersted).
Species incertae sedis:
9. Monops agilis.
Corpus elongatum ellipticum, capite et extremitate postica sub-
acutis, nigrum vel fuliginosum. Ocellus (?) brunneus. Longit. \'",
latit. i/8'".
Monocelis agilis Leidy: in Journ. Acad. Philad. 2. ser. III. (1855) 11.
Habitaculum. Ad Mytilum edulem, Augusto, Point Judith,
Rhode Island (Leidy).
Adhuc incertum num huic generi, num Monoto haec species adnumeranda sit.
10. Monops spatolicandus G1RARD l).
Monocelis spatulicauda Girard: in Keller et Tiedemann's Nord-
Amer. Monatsber. II. 1851. 1.
Habitaculum. Bostoniae (Girard?).
'I Operibus in quibus descriptiones speciurum n. 10 et tl continentur, mihi uon visis,
diagnoses earum subjungere nequeo.
Revision der Turbellarieii i.i.»
1 1 Monops Flustrac.
Planaria flustrae DalyeU: Powers of the Creator II. 118. Tal,. XVI. 32.
Monocelis sp. Leuckart: in Troschel's Arch. 1859. II. 183.
Ha b it a c u I u m. Ad littora Scotiae (D a I y e 1 1).
-}•-{- Ocel li duo.
XVII. CELIDOTIS DIESING.
Monocelis 0. Schmidt et Leydig. — Schizoprora 0. Schmidt.
Corpus gracile. Caput corpore continuum. Os ventrale superum,
subterminale, longitudinaliter rimaeforme vel infra medium corporis
situm, oesophago snbcylindrico vel fusiforrni, exsertili. Ocelli duo.
Otolithus unus retro ocellos, prominentiis nullis vel duabus, otolitho-
theca inclusus. Androgyna. Apertura genitalis retrorsum sita. Anus
nullus. Maricolae.
1. Celidotis veneuosa ÜIESING.
Os superuin suhterminale longitudinaliter rimaeforme, oesophago... Oto-
lithus prominentiis nullis. Organa urticationis cutanea: vesiculae elongatae,
appendice filiformi.
Schizoprora venenosa 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. IX. 501.
Tab. XLVII. 15.
Ha hitacu lum. Prope Lesinam (0. Schmidt).
2. Celidotis Anguilla DIESING.
Os infra medium corporis situm , oesophago fusiforrni. Otolithus promi-
nentiis nullis.
Monocelis Anguilla 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. XXIII. 358
et 365. Tab. IV. 9.
Habitaculum. St. Lucia, prope Neapolim (0. Schmidt).
3. Celidotis bipunctata.
Corpus gracile, album. Caput attenuatum. Os infra corporis
medium situm, oesophago subcyliudrico. Ocelli rubro-brunnei, lente
destituti. Otolithus prominentiis duabus. Apertura genitalis retror-
sum sita. Longit. vix 2'".
Monocelis bipunctata Leydig: in Müll er' s Arch. 1854. 288. Tab. XI. 3.
Habitaculum. Inter algas marinas, Genuae (Leydig).
Subtribus II. Arby nchocoela proctucha.
Tractus cibarius ano stipatus. — Sexus discretus, interdum perio-
dice agama.
* Acrostomata: Os terminale.
Familia X. Orthostomca. Dies. Charaeter generis
unici simul familiae.
234 I) i e s i n g.
XVIII. ORTHOSTOMUM HEMPRICH et EHRENDERG.
Corpus elongatum teretiusculurn proteum, ciliis vibrantibus
munitum. Caput corpore continuum. Os terminale, oesophago sub-
cylindrico. Ocelli nulli. Otolithus nullus. Sexiis discretus. Aper-
tur a genitalis... Anus posticus terminalis. Aquarum dulcium incolae.
1. Orthostomnm pH lucidum HEMPRICH et EHRENBERG- — Dies.
Syst. Helm. I. 237 adde:
Schmarda: in Denkschr. d. kais. Akad. VII. 5.
Habitaculo adde: In aqua slagnante, Januario, prope Alex-
andriam (Schmarda).
Familia XI. Anorthidea Dies. Character geueris
unici simul familiae.
XIX. ANORTHA LEWY.
Anarthra Leuckart.
Corpus compressiusculum. Os terminale, oesophago... Ocelli
nulli. Otolithus unus, otolithotheca inclusus. Sexus . . . Anus posti-
cus terminalis. Aquarum dulcium Americae borealis incolae.
1. Anortha gracilis LEWY.
Corpus panduraeforme, album, opalizans. Longit. totalis animalc.
sub partitione i/2 — 2'".
Multiplicatio divisione spontanea transversali operata.
Anortha gracilis Leidy: in Proceed. Acad. Philad. V. 1851. 124.
Anarthra gracilis Leuckart: in Troschel's Arch. 1854. II. 350.
Habitacul um. In paludosis prope Philadelphiam: motu glis-
cens, corpore verticaliter erecto quiescens.
Familia XII. Disorea Dies. Character generis unici
simul familiae.
XX. DISORUS HEMPRICH et EHRENBERG.
Corpus teretiusculurn, obsolete anniilatum , proteum. Caput
corpore continuum. Os terminale, oesophago... Ocelli sex cervica-
les biternati. Otolithus nullus. Sexus . . . Anus posticus terminalis.
Maricolae.
1. Disorns viridis HEMPRICH et EHREN BEUG. — Dies. Syst. Helm.
I. 237.
Habita culum. Inter Corallia maris rubri prope Tor (II em-
prich et Ebrenberg).
Revision der Turhellarien. -£',t'.\
** Hypostomata: Os ventrale, antrorsum situm, imo subtenninale.
Familia XIII. Anotocelidea Dies. Corpus teretius-
culum vel planum. Caput corpore continuum. Cephalopori uulli auf
duo marginales. Os ventrale, antrorsum situm, oesophago sub-
cylindrico angusto. Ocelli nulli. Otolithus nullus. Sexus... Anus
ventralis ante caudae apicem. Aquarum dulcium incolae.
Subfamilia I. Anotocelidea aporocephala.
XXI. TYPHLOMICROSTOMUM DIES.
Strongylostomi spec. Sckmarda.
Corpus planum oblongum. Caput corpore continuum. Cepha-
lopori nulli. Os ventrale, antrorsum situm, oesophago... Ocelli et
otolithi nulli. Sexus et anus . . . Aquarum dulcium incolae.
1. Typhlomicrostomum coerulescens ülESING.
Corpus planum oblongum, antice truncatum, coerulescens. Os
ellipticum. Longit. ad */,'".
Organa genitalia nulla observata; animalcula plurima in partitionc spon-
tanea transversali versantia.
Strongylostomum coerulescens Sckmarda: Neue wirbell. Th. I. 1.10.
Tab. II. 22.
Habitaculum. In aqua dulci stagnante prope Kingston in
Jamaica (Schmarda).
Genus, characteribus nonnnllis gravioris momenti ignotis, adhue anceps.
Subfamilia II. Anotocelidea porocepliala.
XXII. ANOTOCELIS ÜlESING.
Stenostomi spec. 0. Schmidt. — Microstomi spec. Leidy-
Corpus teretiusculum gracile. Caput corpore continuum.
Cephalopori duo marginales. Os ventrale, antrorsum situm, oeso-
phago subcyliiidrico longo, angusto vel amphoraeformi. Ocelli et
otolithi nulli. Organa genitalia . ■ . Anus ventralis supra caudae
apicem. Aquarum dulcium Europae et Americae borealis incolae.
* Tractus intestinalis in oesopbaguni subcylindricum angustum productus.
1. Anotocclis unicolor DIESING.
Multiplicatio ovulorum? ac partitionis spontaneae transversalis opera.
Derostoma leucops Buges? in Annal. des sc. nat. XV. 141. Tab. IV. 4. —
Eempr. et Ehrcnb. : Symb. Phys.Turbell. Nr. 9, nota 2. Nr. 17, nota 1.
ZoXi D i e s i n g.
Stonostomum unieolor Schmidt: Die rhabdocoelen Strudelwürmer 60.
Tab. VI. 19. •
Microstomum (Stenostomum) achroophthalmum partim Diesing : Syst.
Helm. I. 235.
Microstomum (Stenostomum) unieolor Diesing: Syst. Helm. I. 235.
Habitaculum. Axien ad Albim, Majo et Junio, haud raro
(Schmidt).
** Traetus intestinalis supra os produetus apice clausus, oesophago
amphoraeformi.
2. Anotocelis philadelphica.
Corpus lineare, retrorsum parum attenuatum, postice obtuse
rotundatum, transparens, decolor. Caput conicum, papilla ovali ter-
minali. Cephalopori hemisphaerici ad basin capitis. Os antrorsum
situm, ovale, oesophago amphoraeformi. Longit. */3'".
Multiplicatio divisionis spontaneae transversalis opera; segmentis binis.
Microstomum (Eustomum) Philadelphicum Leidy: in Proceed. Acad.
Philad. V. 350.
Habitaculum. In paludibus et piscinis prope Philadelphiam
(Leidy).
3. Anotocelis variabiüs.
Corpus lineare latum, capite et extremitate postica obtuse ro-
tundatis, decolor. Cephalopori longitudinaliter ovales, laterales. Os
antrorsum situm, oesophago amphoraeformi. Longit. ad */*".
Multiplicatio divisionis spontaneae transversalis opera; segmentis binis.
Microstomum (Eustomum) variabile Leidy 1. c. 350.
Habitaculum. Cum praecedente (Leidy).
4. Anotocelis caudata.
Corpus lineare angustum, capite obtuse rotundato, extremitate
postica in caudam angustam obtusam elevatam producta. Cephalo-
pori .. . Os antrorsum situm, oesophago amphoraeformi. Longit.
Multiplicatio partitionis spontaneae transversalis opera; segmentis binis.
Microstonuun (Eustomum) caudatum Leid;/ 1. c. 350.
Habitaculum. Cum praecedentibus (Leidy).
IS. -Vision der Turbellarien. ' A t
S p e c i e s inquirendae:
5. Anotocelis Coluber.
Corpus gracile, tortuosum, album. Cephalopori. .. Os antrorsum
situm, transversale rimaeforme, oesophago utriculiformi. Longit. .3'".
Stenostomum Coluber Leydig: in Müller 's Arch. i8S4. 284. Tab. XI. I.
Habitaculum. In palude prope Moenum, Novembri
(Leydig).
6. Anotocelis flavicans.
Derostoma flavicans Hempr. et Ehrenb. ~ Diesing: Syst. Helm. I. 283.
Habitaculum. Berolini (Ehrenberg).
7. Anotocelis linearis.
Corpus lineare, deeies longius quam latum, albidum. Longit.
ad V*'"-
Derostoma lineare Duges: in Annal. des sc. nat. XV. 141 . Tab. IV. 3. —
Ehrenberg: Akaleph. d. rothen Meeres 66.
Microstomum lineare? Diesing: Syst. Helm. I. 234.
Habitaculum. Monspessulaui (Duges).
Familia XIV. Stenostomea. Corpus teretiusculum
vel planum. Caput corpore continuum vel a corpore discretum.
Cephalopori nulli aut duo marginales. Os ventrale, antrorsum situm,
oesophago subeylindrico, angusto vel crasso, medio angustato. Ocelli
nulli. Otolithi 1 vel 2. Sexus... Anus ventralis ante caudae apicem.
Aquarum dulcium incolae.
Subfamüia I. Stenostomea aporocephala.
XXIII. CATENULA DUGES.
Derostoma tis spec. Leydig.
Corpus subeylindricum vel depressum. Caput a corpore dis-
cretum. Cephalopori nulli. Os ventrale, sub trianguläre , antrorsum
situm, oesophago subeylindrico, crasso, medio angustato. Ocelli nulli.
Otolithus globosus, otolithotheca inclusus. Sexus... Anus... Aqua-
rum dulcium utriusque hemisphaerae incolae.
Oesophagus subeylindricus medio angustatus, ciliis vibrantibus obsessus;
intestinum utriculiforme haud ciliatum, ano . . . . Systema vasorum aquifero-
rum. Organa g«nitalia nulla, Multiplicatio partitione spontanea Iransversali
(Leydig).
238 ü i e s i ii ».
1. Catenula Lemnae DUGES. — Dies. Syst. Helm. I. 284 adde:
Derostomum Catenula Leyd'uj : in Mü 1 Ier's Arch. 1854. 285. Tab. XI. 2.
Habitaculo adde: In fossula ad Moenum, copiose, Augusto
(Leydig).
2. Catenula quaterna SCHMARDA.
Corpus oblongo-ovale, capite latius, flavidum. Longit. 1fi,,r.
Organa genitalia null». Individua (segmenta) semper quaternatim juncta.
Vasa aquifera duo longitudinalia.
Catenula quaterna Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 12. Tab. II. 27. 28.
Habit acutum. In aqua dulci stagnante prope Stellenbosch ad
Promontorium bonae spei (Schmarda).
Species inquirenda:
3. Catenula bina SCHMARDA.
Corpus teretiusculum gracile laete ochraceum. Caput corporis
latitudine. Longit. vix l/8"'.
Otolithus nullus. Nee vasa aquifera, nee Organa genitalia observata. Indi-
vidua (segmenta) semper per paria juncta.
Catenula bina Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 12. Tab. II. 29.
Habitaculum. In aqua dulci stagnante prope Bathurst in
Nova Cambria (Schmarda).
Subfamilia II. Ste?iostomea porocepkala.
XXIV. STENOSTOMUM 0. SCHMIDT.
Corpus teretiusculum. Caput corpore continuum. Cephalopori
duo marginales. Os ventrale, antrorsuin situm, oesophago subcylin-
drico longo angusto. Ocelli nulli. Otoüthi duo ante vel retro os siti.
Sexus discretus. Anus ventralis ante caudae apicem. Aquarum
dulcium incolae.
Multiplicatio ovulorum simulque partitionis spontaneae transversalis opera.
1. Stenostoniuin lencops O.SCHMIDT.
Microstomum (Stenostomum) achroophthalmum Dies.: Syst. Helm. 1.235.
Microstomum (Eumicrostomum) leueops Oersted? — Diesiiig: Syst.
Helm. I. 234.
Stenostomum leueops O.Schmidt. — Schulde: in Troschel's Arch. 1849.
I. 281 et 285 (de sexu discreto). — Leuckart ibid. 1854. II. 343 (de
vasis aquiferis et de cephaloporis vibrantibus) et 350 (deotolithis). —
0. Schmidt: in Sitzber. d. k. Akad. XXV. 87 et in Denkschr. XV. 3G.
Revision der Tnrbellarien. 239
Habitaculo adde: Gryphiae, aestate statu agamo, autumno
Individuum femineum evoliitum (Schultze). — Prope Cracoviam
(0. Schmidt).
2. Stcnostomum torneense 0. SCHMIDT.
in Sitzungsb. d. kais. Akad. IX. 502. Tab. XLVII. 17.
H a b i t a c u I u m. Inter Torneo et Haparanda in Lapponia
(0. Schmidt).
Familia XV. Jllicrostomea Oersted. Corpus teretius-
culum v. depressum. Caput corpore continuum. Cephalopori nulli aut
duo marginales. Os ventrale antrorsum situm vel superum subtermi-
nale, circulare vel transversum, rimaeforme, oesophago... Ocelli duo
simplices vel 6, quorum 2 compositi, 4 simpliees. Otolithus nullius.
Sexus discretus. Apertura genitalis retrorsum sita. Anus ventralis
ante caudae apicem. Aquarum dulcium v. maris incolae.
Sub familia I. Microstomen aporocephala.
XXV. STYLACIUM CORDA.
Corpus elongatum depressiusculum. Caput corpore continuum.
Cephalopori nulli. Os ventrale superum subterminale circulare cilia-
rum vibrantium coronula simplici cinctum, oesophago clavaeformi.
Ocellorum paria tria, par primura ocelluüs sex, septimum centrale
cingentibus compositum, ocelli paris secundi et tertii simpliees, glo-
bosi. Otolithus nullus. Appuratus aquiferus apertura duplici, una
receptoria, altera excretoria iustructus. Sexus discretus. Anus ven-
tralis subterminalis. Aquarum dulcium incolae.
Tractus intestinalis amplus rectus. Organon hippocrepiforme transpa-
rens subcutaneum, os cingens, utraque extremitate globulo terminatum, ignotae
functionis. Apparatus aquiferus (app. respiratorius Cord a) : utriculus summe
contractilis extremitate anteriore organo infundibuliformi intus villis et ciliis
vibrantibus instructo; posteriore tubulo cum poro excretorio circulari , dorsali
extusque patenti extremitate stipatus, aquam rhytmice recipiens. Ovarium vesi-
culaeforme et ovulum in posteriore corporis parte. Multiplicatio praeter Ovula
per partitionem spontaneam transversalem.
1. Stylaeium isabcllinom CORDA.
Corpus extremitate postica acuminata, isabellinum, agile, gelati-
nosum. Caput rotundatum. Ocelli paris primi antici maxime ab invi-
cem remoti, paris tertii quam maxime sibi approximati, ocelli paris
secundi illis tertii multo majores; omnes juventute purpurei, demum
decolores. Longit. fem. l/10'".
240 D i e s i n g.
Stylacium isabellinuni A. C. Corda: in Wei tenvveber's Beitr. zur
gesammt. Natur- u. Heilwissensch. Prag. IV. 1840. 71—78. Tab. VI.
Habitaculum. Ad folia submersa praesertim putrescentia
Alismae Plantaginis et Potamogetonum , Lieben prope Pragam
(Corda).
XXVI. DINOPHILUS 0. SCHMIDT. Charactere reformato.
Vorticis spec. Frey et Leuekart. — Gyratoris spec. Diesing. — Prostomatis
spec. Mailland. — Plagiostomum 0. Schmidt.
Corpus eiongatum teretiusculum vel proteum. Caput corpore
contiimum. Cephalopori nulli. Os ventrale, antrorsum situm trans-
versum, rimaeforme, oesophago... Ocelli duo reniformes vel cir-
culares. Otolithus nulliis. Sexus discretus. Apertura genitalis
retrorsum sita. Anus ventralis subterminalis. Maricolae.
Character genericus secundum descriptiones cl. virorum Frey et Leuekart
et Van Beneden reformatus.
1. Dinophilns vortieoides 0. SCHMIDT.
Corpus proteum, lateritium vel aurantiacum. Os oesophago
clavaeformi. Ocelli reniformes. Longit. 3/± — 1'".
Testiculi duo ovales retrorsum ad latera intestini siti, spermatozoideis re-
pleti. Ovaria: bursae duae vel plures retrorsum ad latera intestini sitae, in qui-
bus ovula formantur.
Dinophilus vortieoides 0. Schmidt. — Diesing: Syst. Helm. I. 23S. —
Schnitze: in Troschel's Arch. 1849. I. 290. — Van Beneden: in
Bullet. Acad. Belgique XVIII. I. IS — 23 (et anatom.) cum tab. -
Quatrefages ibid. 368. — Leuekart: in Troschel's Arch. 1854. II.
351. — Beneden: Recherch. Faun. litt. Belgique 29. Tab. V. 13—18
(de evolut.).
Habit aculo adde: Marti o et Aprili Ostendae (Beneden).
2. Dinophilns gyrociliatus 0. SCHMIDT:
in Sitzungsb. d. kais. Akad. XXIII. II. (1857) 348-351 et 364. Tab. I.
1, 1 a, 1 '■ (cum anatom.).
Habitaculum. S. Luciae, prope Neapolin (O.Schmidt).
3. Dinophilus borealis DIESING.
Corpus subeylindricum v. fusiforme, extremitate postica acumi-
nata, albuin, vitlis tribus latis transversalibus rubris v. brunnesceutibus.
Ocelli circulares in adultis nigri. Longit. ad 1"'.
Ovula in capsulis pyriformibus, filamentis quibus ovula Homqri inter se
junguntur, vel Homari appendieibus abdominalibus adhaerentibns] de prae-
sentia ani e( <le sexu discreto confer Van Beneden I. i. c.
Revision der Turbellarien. c4-I
Zeeslak Slabber Natuurk. Verlust, bl. 62. Tab. VIII. 2.
Vortex vittata Frey et Leuckart: Beitr. zur Kenntniss wirbell. Th. 149.
Leuchart: in Troschcl's Arch. 1854. 11.348. ■ — Van Beneden:
Recherch. Faun. litt. Belgique 30 — 33. Tab. 1 — 9 (cum anatom.).
Gyrator vittatus Diesing : Syst. Helm. I. 228.
Prostoma vittatum Mailland: Faun. Belg. sept. I. 183.
Plagiostomum boreale 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. kais. Akad. IX. 499.
Tab. XLVI. 12.
Habitati] I um. In Belgia (Slabber). — Ad littora Helgo-
landiae inter Fucos, vulgaris (Frey et Leuckart). — Färö, insula
Loppen in Norvegia boreali (0. Schmidt); inter Sertularias et
Fucos haud raro, Ostendae, cum ovulis maturis Majo (Ben e den).
Subfamilia II. Microstomen porocephala.
XXVII. MICBOSTOMUM OERSTED.
Fasciola et Planaria Müller. — Derostoma Duges part.
Corpus elongatum teretiusculum ciliatum. Caput corpore con-
tinuum. Cephalopori duo, marginales. Os ventrale, antrorsum situm,
circulare. Ocelli duo. Otolithus nullus. Sexus discretus, periodice
agama. Apertura genitalis retrorsum sita. Anus ventralis ante cau-
dae apicem. Aquarum dulcium et maris incolae.
1. fflicrostomnm lineare OERSTED.
Organa genitalia feminea: Gvarium cum oviduetu extrorsum patente;
Organa genitalia mascula : Testiculus cylindricus cum vesicula seminali et pene
chitineo tortuoso apice curvato. Spermatozoidea in testiculo evoluta in que
vesicula seminali immobilia, moniliformia utraque extremitate attenuata. —
Animalcula periodice (vere et aestate) agama et periodice (autumno) organis
genitalibus discretis instructa. Propagatio per ovula vel per partitionem spon-
taneam transversalem ita, ut pars posterior animalculi materni, organa genitalia
includens, strictura separetur et in parle anteriore animalculi materni organa
genitalia nova, interdum sexus oppositi, oriantur. Sic in uno individuo inter-
dum sexus uterque alternat (M. Schultze).
Microstomuni (Eumicrostomum) lineare Oersted. — Diesing : Syst. Helm.
I. 234.
Microstomum lineare Oersted. — M. Schultze: in Troscbel's Arch.
1849. I. 280 — 292. Tab. VI. (de modo propagationis, anatom. etc.).
— Idem Beitr. Turbell. 15 (de organ. urticat.). — Leuckart: in
Götting. gel. Anzeig. 1851. 929. — 0. Schmidt: in Sitzungsb. der
kais. Akad. XXV. 87 et in Denkschr. XV. 36.
Habitaculo adde: Ad Charam et Batrachospermum in mare
baltico et in aquis dulcibus prope Gryphiam (Schultze). Prope
Cracoviam (0. Schmidt).
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLV. Bd. I. Abth. 17
242 Diesing.
Species inquirenda.
2. Microstoninm littorale OERSTED.
Corpus oblongum lineare, capite et extremitate postica aequali-
ter obtusis, fuseum. Os apertura longitudinali. Ocelli in margine
laterali, ab apice corporis quinta ejus parte remoti. Longit. 2"'.
Multiplioatio per partitionem spontaneam transversalem.
Microstoma littorale Oersted: in Kroyer's Naturhist. Tidsskr. 1844 —
1845. 417.
Habitaculum. Prope Dröbak haud procui a littore (Oersted).
Genus situ oris ignoto adhue dubium num Acrostomatibus v. Hypostomatibus
adnumerandum:
XXVIII. APHANOSTOMUM OERSTED.
Corpus oblongum. Os . . . Ocellus (otolithus?) unicus hyalinus
in medio corpore anteriore. Sexus . . . Anus . . . Maricolae.
1. Aphanostomani griseum OERSTED.
Corpus oblongum, autice obtusum, posteriora versus sensim an-
gustiuSj grisescens vel flavescens. Longit. 1'".
Aphanostoma griseum Oersted: in Kroyer's Naturhist. Tidsskr. I.
1844— 184S. 417.
Habitaculum. Ad littus prope Dröbak (Oersted).
2. Aphanostouiuni värescens OERSTED.
Corpus oblongum utriuque ferme aequaliter obtusum, virescens,
maculis duabus brunneis in margine anteriore laterali. Longit. .. .
Aphanostoma virescens Oersted 1. c. 417.
Habitaculum. Ibidem (Oersted).
3. Aphanostouiuni diversicolor OERSTED.
Corpus oblongum, antice obtusum, flavescens, medio latius,
cyaneuin, poslice subacuminatum, fuseum. Longit. 1'".
Aphanostoma diversicolor Oersted 1. c. 417.
Habitaculum. Ibidem (Oersted).
4. Aphanostouiuni Iatum OERSTED.
Corpus oblongum utriuque aequaliter dilatatum, rotundatum,
medio angustius, grisescens. Longit. V".
Aphanostoma Iatum Oersted 1. e. 4t7.
Habitaculum. Ibidem (Oersted).
Revisio/i der Turbellarien. <£4«J
TRIBUS II. RHYNCIIOCOELA SCHULTZ!-;.
Terctularia Blainvüle. — Turbellaria rhabdococla Ehrenberg. — Apoda
neiner ti na Oersted.
Animalia solitaria libera, rarius tubicola, coeca v. ocellata, polli-
caria imo pedalia, rarius microscopica. Corpus molle parenchymato-
sum v. parencliymatoso-cavernosum, lineare, planum v. teretiusculum,
multo longius quam latum, saepissime ciliis vibrantibus munitum, inter-
dum summe contraetile, tum utplurinium sponte transverse fragile, ex-
appendiculatom, rarissime appendiculo caudali. Acetabuhim proprium
nullum, rarissime discus acetabuliformis basilaris. Caput corpore con-
tinuum v. discretum, cepbaloporis nullis aut unico terminali aut 2 v. 4,
i. e. uno vel binis in capitis latere dextro et sinistro s. marginalibus,
rarius duobus in capitis pagina infera juxtapositis instructum, integrum
vel lobatum •). Proboscis aggressoria (agonorhynchus) aut terminalis
et tunc vel ex medio capitis vel rarius ex ejus margine protractilis 3),
aut infera s. ex pagina infera capitis 3) protractilis, sub quiete retracta,
inermis vel pugione armata, musculo retractorio basilari cum tractu
cibario juncta. Ocelli nulli v. 2, 4, 6 v. plurimi. Os ventrale, antror-
sum situm, oesophago integro. Tractus cibarius simplex ano stipatus.
Hepar longum cum intestino parallelum, uno latere tractu cibario
altero ligamentorum ope parieti interno corporis adhaerens, cellulis
hepaticis expletum 4). Systema circulationis liquore limpido rarius
rubro repletum, vasa longitudinalia parietibus contractilibus absque
ciliis vibrantibus munita, ad ganglia cerebralia excurrentia. Vasa aqui-
fcra s. excretoria introitu ciliata ad cepbaloporos excurrentia.
Cor nullum vel corda duo 5). Androgyna et tunc apertura geni-
tali in posteriore corporis parte, et pene plerumque chitineo, aut
sexus discreti et tunc organis genitalibus externis propriis nullis:
mas a femina habitu externo non differt, solummodo brevior. Organa
genitalia interna (in androgynis); mascula: testiculus, vesicula
seminalis, et vesicula altera bumore granuloso repleta, cum pene
communicantes; feminea: organon germinativum et organon vitelli-
J) Nee tentaciila nee otolithi in generibus hujus tribus, quod sciam, bueusque ohservatn.
2) Polina , Cosinocephala et Stimpsonia.
3) Valencinia, Tubulanus, Cerebratulus et Quatrefagea.
■») Beneden Rech. Faune Belg. 43.
5) Cf. Schmarda: Neue wirbell. Tb. I. 1. 4S (Nemertes polyhopla).
17 *
244 Di e sing.
genum discreta, et bursa seminalis (in illis sexus discreti); tau»
mascula quam feminea sunt saeculi undique clausi, in pagina interna
gignentes spermatozoidea vel ovula, per porös separatos tot, quot
sunt glandulae, in cavum abdominis expellenda et per dehiscentias in
integurnento cornmuni extus dem um delata *)• Multiplicatio per ovula
vel per ovovivipartum, quod in animalculis sexus discreti, foecundatio-
nem ovulorum intra sacculum maternum aut saltem intra cavum cor-
poris materni absolute exigeret, et spermatozoideorum introitum in
corpus maternum supponere suaderet; nee non per segmenta trans-
verse fissilia? Evolutio direeta, rarius per metamorphosin. Strata
museuhtria subcutanea duo, externum e fibris circularibus, internum
e fibris longitudinalibus eontextum, cum integurnento cornmuni arete
juncla. Ganglia duo, commissura una aut duabus juneta, ante os sita,
rubra, fila nervea antrorsum et retrorsum praesertim ad ocellos emit-
tentia. — Maris rarius aquarum dulcium incolae, maricola rarissime
parasita.
Corpus in nonnullis mueuin copiosum excernit. — Motus gliscens vel nata-
torius. — Animalcula proboseidem retraetam sub stimulatione corporis haud
raro protrahunt. — Ovula exclusa vagina cornmuni excepta.
Subtribus I. Rhy nc hocoel a aporoc ep hala.
Cephalopo"ri nulli, Androgyna vel sexus discreti.
* Holocephalä. Caput haud lobatum.
Familia XVI. Rhynchoscolecidea. Dies. Cha-
racter generis unioi simul familiae.
XXIX. RHYNCHOSCOLEX LEIDY.
Rhynchoproboli spec. Schmarda.
Corpus teretiusculurn exappendiculatum. Caput corpore conti -
nuum haud lobatum. Proboscis terminalis, protractilis pugione nullo.
Os ventrale antrorsum v. in medio corporis situm, oesophago sub-
globoso. Ocelli nulli. Androgyna. Penis.... Anus terminalis po-
sticus. Aquarum dulcium et subsalsarum Americae borealis incolae.
— Formae minores imo microscopicae.
*) Oe peculiari modo propogationis Malacobdellae, haud absimili eonfer genus hoc
in Sitiung-sb. d. k. Akad. XXX1I1. (1858). 491.
Revision der Turbellarien. !^ \,)
i. Rhynclioscolex simplex LE1DY.
Corpus subcylindricum ciliatum transverse striatum opacum,
flavo-albidum. Proboscis clavata. Os antrorsum siturn, oesophago.. .
Anus posticus terminalis. Longit. 2 — 3'", latit. 1/6' ".
Rhynclioscolex simplex Leid;/: in Proceed. Acad. Philad. V. (1831)
124.
Habitaculura. Inter confervas in fundo rivulorum prope Phi-
ladelphiam (fjeidy).
2. Rhynchoscolex pupillosns DIESING.
Corpus teretiusculum retrorsum attenuafum, pallide cinereuin.
Proboscis papulosa. Os in medio corporis situm, oesophago subglo-
Itoso crenato-plicato. Longit. xl\'".
Rhynchoprobolus papillosus Schmarda: Neue wirbell. Thiere. I. 1. 11.
Tab. II. 25.
Habitaculum. In aqua subsalsa, Hoboken prope New-York
(Seh mard a).
Familia XVII. Gyratricinea. Hempr. et Ehrenb.
(Charactere restrieto). Corpus teretiusculum vel oblongum ovale,
ciliatum, exappendiculatum. Caput corpore continuum haud loba-
tum. Proboscis terminalis protractilis, pugione nullo. Os ventrale
antrorsum vel in medio corporis situm, oesophago subgloboso vel
doliiformi. Ocelli 2, 4 vel 6. Androgyna, apertura genitali retror-
sum sita, pene chitineo. Anus terminalis posticus. — Maricolae,
rarius aquarum dulcium incolae. — Formae minores imo micro-
scopicae.
XXX. GYRATOR EHRENBERG. Charactere emendato.
Gyratrix Ehrenberg. — Prostoma Auclor. — Rhynchoproboli spec. Schmarda.
Corpus subcylindricum ciliis vibraritibus. Caput corpore conti-
nuum. Proboscis terminalis, protractilis (directe retractilis, parte
anteriore intus papillis oltsita, posteriore musculosa). Os ventrale in
medio fere corporis siturn, oesophago subgloboso. Ocelli duo cer-
vicales. Androgyna. Penis chitineus retrorsum situs. Anns termi-
nalis posticus. — Aquarum dulcium vel maris incolae.
Penis in speciebus aquarum dulcium (1. et 2.), sufl'ulero instruetus, quo in
maricolis caret. Forma penis in speciebus diversis di versa.
246 Di e s i n g.
1. Gyrator hermaphroditüs EHRENBERG.
Corpus oblongo-üneare antrorsum attenuatum, pellucidum, fla-
vescens. Proboscis subconica. Ocelli nigri. Penis pusticus subuli-
formis, suft'ulcro lineari annulo terminali instiucto, cum hoc chitineus.
Longit. 1'".
Gyrator hermaphroditüs Ehrenb. — Dieaing: Syst. Helm. I. 227 (excl.
syn. Buges.
Prostomum lineare Oersted. — Schnitze: Beitr. 73 et 74. Tab. I. 9, 27,
40 (anatom.). — Idem in V. Ca ms Icon. Zoot. Tab. VIII. i6 (cum
anatom.). — Leuchart: in Zusätze zu van der Hoeven's Handb.
der Zool. 1856, 111 (de proboscide).
Habitaculo adde: Prope Gryphiam (Schultze).
2. Gyrator foriosus.
Prostomum furiosum 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. k. Ak. XXV. (1857)
87, 88 et in Denkschr. XV. 38 et 46. Tab. III. 12, 13.
Habitaculum. Prope Cracoviam (O.Schmidt).
3. Gyrator Botterii.
Prostomum Botterii 0. Schmidt: in Sitzungsb. d. k. Ak. IX. (1852) 494.
Tab. XLIV. 4.
H*a b i t a c u 1 u m. Prope Lesinam (0. S c h m i d t).
4. Gyrator immandus.
Prostomum immundum 0. Schmidt: in Sitzungsb. XXIII. II. (1857) 355
et 365. Tab. III. 7.
Habit acul um. S. Luciae prope Neapolim (0. Schmidt).
5. Gyrator Steenstropii.
Prostomum croceum Oerst.? — 0. Schmidt: Neue Beitr. 16. Tab. I. 4
(organ. genital.).
Prostomum Steenstrupii 0. Schmidt: in Sitzungsb. IX. 494. Tab. XLV. 5.
Habitaculum. In portu Thorshavn in Stromö , insularum
Faeröensium (0. Schmidt).
6. Gyrator erythrophthalmns.
Corpus teretiusculum flavo-griseum. Proboscis subcylindrica.
Os oesophago plicato. Ocelli rubri. Penis retrorsum situs subuli-
formis. Longit. l/±".
Rhynchoprobolus erythrophthalmus Schmarda: Neue wirbell. Th. I. I.
11. Tab. II. 26.
Habitaculum. In aqua stagnante prope Stellenbosch ad Pro-
montorium bonae spei (Schmarda).
Revision der Turbe Marien. &\i
S p e c i e s ioquirendae:
7. Gyrator croceus DIESING. Syst. Helm. I. 228.
8. Gyrator subovilormis DIESING. Syst. Helm. I. 227.
9. Gyrator littoralis DIESING. Syst. Helm. I. 228.
10. Gyrator leucophraeus DIESING. Syst. Helm. I. 228.
XXXI. RHYNCHOPROBOLUS SCHMARDA. Charact. restricto.
Corpus oblongo- ovale, ciliatum. Caput corpore continuum.
Proboscis terminalis protractilis. Os ventrale antrorsum situm, oeso-
phago doliiformi. Ocelli 4. Androgyna... Penis retrorsum situs.
Anus. . . Aquarum dulcium Indiae occidentalis incolae.
1. Rhynchoprobolas tetrophtluilmas SCHMARDA.
Corpus oblongo -ovale, flavo-griseum. Proboscis füsiformis,
brevis, graeilis. Ocelli duo frontales nigri, et tiuo cervieales fere
decolores. Penis globosus tricuspidatus. Longit. ultra 1/i"'.
Rhynchoprobolus tetrophthalmus Schmarda: Neue wirbell. TIi. 1. i. iO.
Tab. II. 24 et 24a.
Habitaculum. In aqua dulci in Jamaica (Schmarda).
XXXII. PROSTOMUM DUGES nee OERSTED. Charact. einend.
Corpus teretiusculum ciliis vibrantibus. Caput corpore conti-
nuum. Proboscis terminalis, protractilis. Os . . . Ocelli 6 antrorsum
sili, bini postpositi paralleli. Androgyna? . . . Penis . . . Anus ter-
minalis posticus. — Aquarum dulcium Enropae temperatae incolae.
1. Prostoniuni clepsinoideum DUGES.— Dies. Syst. Helm. I. 236.
— Schnitze Beitr. Turbell. I. 61.
Habitaculum.Monspessulani,sublapidibusrivulorum(Duges).
Familia XVIII. Borlasiea. Dies. Corpus teretius-
culum vel depressiusciilum, exappondiculatum, disco acetabuliformi
caudali nullo, rarissime unico. Caput corpore continuum vel discre-
tum, haud lobatuin. Proboscis terminalis aut infera, protractilis. Os
ventrale subterminale v. antrorsum situm. Ocelli niilli. Sexus discre-
tus. Anus terminalis posticus. — Maricolae utriusque hemispiiaerae.
Formae majores saepe pedales, imo longitudinem orgyiae excedentes.
Juvencula Borlasiae unicoloris .lohnst, oeellis duobiis. adulta ocellis nullis
instruetu.
248 D i e s i n g.
a. Proboscis terminalis.
XXXIII. BORLASIA OKEN et OERSTED. Charact. reformato.
Planariae spec. Johnston. — Nemertis spec. Hemprich et Ehrenberg. — Polia?
Delle Chiaje. — Astemma, Cephalothrix et Amphiporus Oersted.
Corpus longum teretiusculum vel depressum, valde contractile,
haud raro sponte transverse fissile (fragile), disco caudali nullo.
Caput corpore continuum v. discretum, sulcis lateralibus nullis. Pro-
boscis terminalis, protractilis. Os ventrale subterminale anticum, inter-
dum acetabuliforme. Ocelli nulli. Seocus discretus. Anus terminalis
posticus. Maricolae utriusque hemisphaerae.
Caput corpore continuum.
1. Borlasia nigrofosca OERSTED. — Dies. Syst. Helm. I. 239.
Habitaculum. Sinus Suezensis maris rubri , sub lapidibus
(Hemprich et Ehrenberg).
2. Borlasia viridis GRUBE. - Dies. Syst. Helm. I. 239.
Habitaculum. Prope Cataneam et Neapolim, inter Algas
(Grube).
3. Borlasia bilineata SCHMARDA.
Corpus longissimum depressum ex albo coerulescens, supra
lineis duabus brunneis longitudinalibus parallelis. Caput corpore
continuum, ovatum. Os subterminale subcirculare. Longit. 10",
latit. 1 1/2"'.
Borlasia bilineata Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 40. Tab. IX. 84.
Habitaculum. In mare Antillarum ad oram meridionalem Ja-
maicae (Schmarda).
4. Borlasia Dröbachensis.
Corpus badio-nigrescens, antice album. Caput corpore conti-
nuum. Os dupla corporis latitudine ab apice remotum. Longit.
3—4".
Astemma Dröbachense Oersted: in Kroyer's Naturh.Tidsskr. I. (1844 —
1845) 418.
Habitaculum. Prope Dröbak in Norvegia (Oersted).
Revision der Turuellaiien. ^49
5. Borlasia longa DIESING.
Corpus teretiusculum lineare, antice acutiusculum, coeruleo-
griseum. Caput corpore continuum. Os haud procul ab extremitate
antica. Longit. 3*/»", latit. i1/*'".
Borlasia longa Diesing: Syst. Helm. I. 241.
Habi tacu I um. Ad littora prope Skagen (Oerstedj.
6. Borlasia rofifrons JOHNSTON.
Corpus teretiusculum lineare, flavescens. Caput corpore conti-
nuum, rotundatum, fuseum. Os antrorsum situm. Longit. 2", latit. l/g"\
Borlasia rufifrons Johnston. — Diesing: Syst. Helm. I. 241.
Astemma rufifrons Oersted. — De region. marinis 79.
Habitaculum. In sinu Berwickcensi (Johnston). — In
regione argillacea s. Buccinoideorum , aestate in fretu Öresund
(Oersted).
7. Borlasia Neesii.
Amphiporus Neesii Oersted. — Diesing: Syst. Helm. I. 245. — Leuckart:
in Troschel's Arch. 1849. I. 149—152.
Habitaculum. Ad insulas Faröenses (Nees), ad littus austro-
occidentale Islandiae (Bergmann).
8. Borlasia groenlandica.
Amphiporus groenlandicus Oersted. — Diesing: Syst. Helm. I. 245.
Habitaculum. Ad littora Groenlandiae.
9. Borlasia sangainea.
Corpus depressum antrorsum increscens retrorsum attenuatum,
sanguineo- rubrum. Caput corpore continuum, acuminatum. Os
valde elongatum. Longit. . . .
Amphiporus sanguineus Girard: in Proceed. Acad. Philad. VI. 366.
Habitaculum. Ad oras Carolinae meridionalis (Girard).
Caput a corpore discretum.
10. Borlasia Hemprichii OERSTED. — Dies. Syst. Helm. I. 240.
Habitaculum. Prope Scherm et Scheech in sinu maris rubri
sinaitico. Pinnam vetustam inhabitabat (E h r e n b e r g).
11. Borlasia trienspidata Ol OY et GAIMARD. — Dies. Syst. Helm.
I. 240.
Habitaculum. Ad insulam Guam (Quoy et Gaimard).
250 D i e s i 11 g.
Situs oris in speciebus subsequentibus ignotus.
12. Borlasia coernlescens D1ESING: Syst. Helm. I. 241.
Habitaculum. Prope Neapolino inter tophos (Delle Chiaje).
13. Borlasia Cephalothrix D1ESING: Syst. Helm. I. 241.
Habitaculum. Ad littora Hafniae (0 erste d).
14. Borlasia filiformis JOHNSTON. — Dies. Syst. Helm. I. 242.
Habitaculum. Ad littora Britanniae, in limo inter lapides
(Johnston).
15. Borlasia flaccida JOHNSTON. — Dies. Syst. Helm. I. 242.
Habitaculum. Sinus Berwickcensis , e profundo maris cum
rete piscatorum allata (Johnston).
16. Borlasia linearis DIESING-. Syst. Helm. I. 242.
Habitaculum. Ad littora Daniae (Rathke).
17. Borlasia nnicolor JOHNSTON. - Dies. Syst. Helm. I. 242.
Habitaculum. Inter radices Laminariarum in Britannia haud
raro (Johnston).
1 8. Borlasia trilineata SCHMARDa.
Corpus depressiusculum proteum, supra brunnescens, lineis
parallelis tribus, mediana nigra, externis laete rubris. Caput cor-
pore continuum. Longit. ultra 5", latit. intumescentiarum periodi-
carum ad 1".
Borlasia trilineata Schmarda: Neue wirbell. Th. 1. 1. 40. Tab. IX. 85.
Habitaculum. Sub saxis maritimis ad Promontorium bonae
spei (Schmarda).
19. Borlasia nnilineata SCHMARDA.
Corpus teretiusculum rufescens, linea mediana brunnea, mar-
ginibus flavis. Caput corpore continuum. Longit. ad 4", latit.
ad H/2"'.
Borlasia (?) unilineata Schmarda: Neue wirbell.Th. I. 1. 41. Tab. IX. 88.
Habitaculum. In oceano pacifico, in arena sinus Paita ad
oras Peruviae (Schmarda).
20. Borlasia cardiocephala SCHMARDA.
Corpus depressum vix proteum, testaceo-rubrum. Caput cor-
diforme. Longit. fere 5*/2", latit. 21/3'".
Revision der rurbellnrien. *«5 1
Borlasia eardiocepbala Schmarda: Neue wirbellose Thiere I. 1. 41.
Tab. IX. 87.
Habitaculum. In oceano paciGco in arena prope Vioa d<*l
Mar ad oram Chilensem (Schmarda).
21. Borlasia doryccphala SCHMARDA.
Corpus teretiusculiim protoum nigrum. Caput lanceolatimi.
Longit. ultra 41//. I i* 1 1 1 _ >/8— 3 V»"'.
Borlasia dorycephala Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 40. Tab. IX. 86.
Habitaculu in. In limo, ad Promontorium honae spei
(Schmarda).
22. Borlasia Hartzii GIRARü.
Corpus subcylindricum depressiusculum, brunneo-rnfum, subtus
pallidius. Caput discretum rotundatum, retractum ellipticum, pro-
tractum conicum. Longit. 3 — 4".
Borlasia Kurtzii Girant : in Proceed. Aead. Philad. VI. 366.
Habitaculum. Ad littus Carolinae meridionalis (Stimpson).
XXXIV. TAENIOSOMA STIMPSON.
Borlasiae spec. Quoy et Gaimard.
Corpus longissimum, lineare depressum, disco caudali nullo.
Caput vix discretum sulco indistincto (rima obsoleta v. linea impressa
decolore) longitudiuali in utroque margine. Proboscis terminalis
protractilis. Os ventrale antrorsum situm. Ocelli nulli. Sexus et
anns . . . Marium orientalium incolae.
1. Tacniosoma qainqnelineatum STIMPSON.
Borlasia quinquelineata Quoy et Gaimard. — Diesing: Syst. Helm. I. 240.
Taeniosoma quinquelineatum Stimpson: Prodr. II. 18.
Habitaculum. Ad portum Dorey in Nova Guinea et ad Novarn
Hiberniam, nee non et aliis locisOceaui paciGci (Quoy et Gaimard).
2. Taeniosoma septemlineatmn STIMPSON.
Corpus depressum retrorsum complanatum subangustatum,
supra album, lineis longitudinirlibus antice septem, postice quinque
ornatum; subtus bilineatum. Caput lineis supra tribus (interdum
quinque) subtus duabus notatum. Longit. 2 — 3', latit. ultra 4'".
Taeniosoma septemlineatum Stimpson: Prodr. II. 18.
Habitaculum. Sublittorale , ad insulas freti „Gaspar"
(Stimpson).
252 D i e s i n g-.
3. Taeniosoma aequale STIMPSON.
Corpus lineare subobesum, coeruleo-album, lineis purpureo-
nigris supra quinque (tribus vel quatuor in capite), subtus duabus
ornatum; lineis omnibus versus corporis extremitates confluentibus.
Caput continuuin antice rotundatum. Os parvum minus antrorsum
situm. Longit. 2', latit. vix 4'".
Taeniosoma aequale Stimpson: Prodr. II. 18.
Habitaculum. Littorale sub lapidibus, in sinu insulae „Ou-
sima" (Stimpson).
XXXV. BASEOD1SCUS DIESING.
Poliae spec. Delle Chiaje. — Borlasiae (?) spec. Oersted.
Corpus longum teretiusculum , extremitate caudali in discum
acetabuliformem explanata. Caput a corpore discretum. Proboscis
terminalis, protractilis. Os ventrale retro caput situm. Ocelli nulli.
Sexus .... Anus in centro disci caudalis? Maricolae bemisphaerae
borealis.
1. Baseodiscus delineatus DIESING: Syst. Helm. I. 243.
Habitaculum. Prope Neapolim (Delle Chiaje) — Panormi
(Grube).
ß. Proboscis infera.
XXXVI. VALENC1NIA QUäTREFaGES. Charact. reform.
Borlasiae spec. Quoy et Gaimard.
Corpus longum, teretiusculum v. depressuin. Caput a corpore
strictura discretum. Proboscis ex apertura in medio capitis paginae
ventralis sita protractilis. Os ventrale infra ostium meatus proboscidem
protractilem excipientis. Ocelli nulli. Sexus discretus. Amis . .
Maricolae utriusque hemisphaerae. — Tubicolae.
Proboscis pugione nullo instructa (Quatrefa ges).
1. Valencinia splendida QUÄTREFAGES. — Dies. Syst. Helm.
I. 243.
Habitaculum. Ad insulam Brehat raro (Qu atrefages).
2. Valencinia ornata QUÄTREFAGES. — Dies. Syst. Helm. I. 244.
adde :
Jok. Müller: in ejus Arch. 1854. 83. -- Grude : Ausflug nach Triest und
dem Quarnero. 1861. 129.
Valencinia elegans Grube: 1. c. 35.
Revision der Turbellarien. CDt\
II ubitaculo adde: In linio maris adriatici Muggiae (Joh.
Müller) — in mare adriatico (Grube).
Confer Tubulanum elegantem hujus loci.
3. Valencinia longirostris QUATREFAGES. — Dies. Syst. Helm.
I. 244.
Ilabi taculum. Ad insularn Chausey et Brebat (Quatre-
fages).
4. Valencinia striata DIESING: Syst. Helm. I. 244.
H ab i taculum. .Ad insularn Guam, Agagua et Humata oeeani
pacifici (Qnoy et Gaimard).
5. Valencinia elegans STIMPSON.
Corpus gracile, feie lineare, supra convexum purpureo-fuscum,
irilineatum ; lineis albis, mediana antice in fronte, lateralihus post
cervicem incipienfibus; et fasciis transversis albis ad 16 annulatum.
Caput breve, paulo latius quam corpus, truncaturn, fronte in medio
sinuata, lateribus rotundatis, fascia postfrontali pallide fusca. Longit.
3", latit. ultra i"\
Valencinia annulata Stimpson (nee Quatrefages) : in Proceed. Acad.
Philad. VII. 380.
Valencinia elegans Stimpson: Prodr. II. 19.
H abitacu lu m. Inter algas in fundo arenoso profunditate 12
orgyiarum prope Promontorium bonae spei (Stimpson).
Tubulum membranaceum format.
Species inquirenda:
6. Valencinia annulata QUATREFAGES. — Dies. Syst. Helm. I.
244.
Habi taculum. Ad littora Britanniae inter conchas Cyprin ae
vulgaris Sow.; tubicola.
Familia XIX. Ommatophora. Dies. Corpus tere-
tiusculum vel depressiusculum exappendiculatum. Caput corpore
continuum vel discretum haud lobatum. Proboscis terminalis, pro-
tractilis, pugione et burseolis aciculiferis instrueta. Os ventrale
antrorsum vel in medio fere corporis situm. Ocelli 2, 6 vel plurimi.
Sexus discretus. Anus terminalis posticus. Maricolae. Formae
mediocies.
254 Diesi ng.
XXXVII. CEPHALOTRIX OERSTED.
Tetrastemma Oersted ex parte. — Poliae spec. Quatrefages et Van Beneden.
Corpus teretiusculum vel depressiusculum, liberum vel tubulo
inclusum. Caput corpore continuum. Proboscis terminalis, protrac-
tilis, pugione et burseolis aciculiferis instructa. Os ventrale antror-
sum vel in medio fere corporis situm. Ocelfi duo. Sexus discretus.
Anus terminalis posticus. — Maricolae. — Formae longitudinis me-
diocris (5'"- 3").
Proboscis armata cum burseolis solummodo in speeie 2. certissima.
1. Cephalotrix Oerstedii DIESING: Syst. Helm. I. 246. adde:
Cephalothrix bioculata Oersted. De region. marinis 79.
H a b i t a c u 1 u m. In regione argillacea s. Buccinoideorum aestate
in fretu Oresund (Oersted).
2. Cephalotrix involnta DIESING.
Corpus subcylindricum flavidum vel roseum, tubulo inclusum.
Proboscis brevis, antice dilatata, per intussusceptionem retractilis,
pugione subiilifonni et burseolis aciculiferis duabus instructa. Os in
medio fere corporis. Ocelli eirculares. Longit. maris 5"', fem.
9—14".
Ovula in vagina hyalina et glabra deposila. — Embryo ovulo exclusus flagello
frontali interdum et caudali instructus; postea cutem vibrantem exuit. —
Individua 2-3 sexus diversi in uno tubulo squainato firmo inclusa.
Polia involuta Van Beneden: Faune litt. Belgique. 18. Tab. III (de evolu-
tione et de foecundatione).
Habitaculu m. In tubulis appendicibus subabdominalibus
Canceris maenadis affixis, in Belgia (Beneden).
Species inquirendae:
3. Cephalothrix Filum DIESING: Syst. Helm. I. 246.
4. Cephalothrix Hroyeri DIESING: Syst. Helm. I. 246.
XXXVIII. OMMATOPLEA HEMPR. et EHRENB.
Fasciola et Planaria Müller. — Polia Delle Chiaje. — Nemertes et Prosloma
Johnston. — Ampbiporus Ilemprieh et Ehrenberg, nee Oersted. — Polystemma-
tis spec. Oersted.
Corpus teretiusculum vel depressiusculum. Caput corpore con-
tinuum v. discretum. Proboscis terminalis, protraclilis, pugione et bur-
seolis aciculiferis duabus instructa. Os ventrale subterminale anticum.
Revision der Turbellarien. 2Ö5
Ocelli sex vel plurimi varie dispositi. Sexus .... Anus terminalis
posticus. Maricolae. — Formae mediocres pollicares et majores
pedales.
Situs proboscidis, oris et praesentia pugionis et burseolarum nee non in
omnibus speciebus exaete indicati; in specie 5 pugiones tres observati.
w Ocelli sex.
1. Ommatoplea peronea DIESING: Syst. Helm. I. 248.
Habitaculum. Ad insulam Breliat (Quatrefages).
*° Ocelli plurimi longitudinaliter dispositi.
2. Ommatoplea Polii DIESING: Syst. Helm. I. 249. adde:
Polia oculata Vcrany : Catalogo degli animali marini. 1846. 9.
Habitaculum. Prope Neapolim (Delle Chiaje) in sinu
Genuensi et Nicaeensi (Yerany).
3. Ommatoplea punctata DIESING: Syst. Helm. I. 249.
Habitaculum. Prope Neapolim (Delle Chiaje).
4. Ommatoplea balmea DIESIA TG .- Syst. Helm. I. 249.
Habitaculum. Ad insulam Brehat, communis (Quatre-
fages).
5. Ommatoplea heterophthalma SCHMARDA.
Corpus depressum taeniaeforme, supra rubrum linea mediana
alba, subtus pallide rubrum. Caput indistinetum acuminatum. Pro-
boscis terminalis organis urticantibus tota sua longitudine obsessa,
pugionibus tribus longe lanceolatis. Os . . . . Ocelli in parte acumi-
nata capitis duo, subsequentes septem in lineam longitudinalem dis-
positi, et tres ultimi in triangulum dispositi. Longit. 21/,", latit. 2'".
Ommatoplea heterophthalma Schmarda: Neue wirbell. Thiere. I. 1. 41.
Tab. X. 90 et 90»».
Habitaculum. In oceano paeifico sub saxis prope Auckland
in Nova Zelandia (Schmarda).
6. Ommatoplea gracilis DIESING: Syst. Helm. I. 250.
Habitaculum. Sub lapidibus in sinu ßerwickcensi (.lohn-
st o n).
7. Ommatoplea albicans DIESING: Syst. Helm. I. 250.
Habitaculum. Inter Corallia maris rubri prope Tor (Hern-
prich et Ehrenberg).
256 1) i e s i n g.
8. Ommatoplea Stimpsoni GIRARD.
Corpus compressiusculum, supra convexum subtus planum,
retrorsum attenuatum, supra brunneum. Caput a corpore strictura
discretum acuminatum, marginibus anticis, fascia transversali me-
diana, arcuata et macula utrinque subtriangulari basilari albis. Pro-
boscis terminalis. Os . . . . Ocelli biseriati submarginales antrorsum
conveigentes. Longit. 6 — 10" et ultra, latit. corp. expansi l1/*'",
contracti ad 6'".
Ommatoplea Stimpsoni Girard : in Smithson Contrib. VI. 28. Tab.
IL 18.
H a b i t a c u 1 u in. Sub saxis, frequeuter, Grand Manan
(S timpson).
9. Ommatoplea ophiocephala SCHMARDA.
Corpus longissiinum depressiusculum, proteum, obscure flavum.
Caput laneeolatnm. Proboscis terminalis. Os exiguum ovale, in fine
primae capitis sextae partis. Ocelli octo in lineas duas longitudinales
arcuatas dispositi. Longit. fere tripedalis, latit. ad 5'".
Ommatoplea ophiocephala Schmarda: Neue wirbell. Thiere. I. 1. 41.
Tab. X. 89.
Habita culum. Sub saxis et in arena in sinu tabulari promon-
tarii bonae spei, frequenter (Schmarda).
Mucum copiose excernit.
10. Ommatoplea taeniata HEMPRICH et EHRENBERG. — Dies. Syst.
Helm. I. 250.
Habitaculum. Inter Corallia maris rubri prope Tor (Hem-
prich etEhrenber g).
11. Ommatoplea bembix DIESING: Syst. Helm. I. 251.
Habitaculum. Ad littora Siciliae inter Algas (Quatrefages).
12. Ommatoplea rosea DIESING: Syst. Helm. I. 251. adde:
Polystemma roseum Ocrsted: De Region, marin. 80.
Habitaculum. In sinu Drobachiensi (Müller). — In re-
gione argillacea 5, ßaccinoideorum aestaie, in fretu Oresund (0 er-
ste d) — ad Bristolliam (Johnston).
13. Ommatoplea Grabe! DIESING: Syst. Helm. I. 251.
Habitaculum. Ad Panormum (Grube).
Ituvision der Turbellarien. Z,\i
14. Ommatoplca alba DIE SING: Syst. Helm. I. 252.
Habitaculum. Littora Angliae ad Carrickfergus (Hyndman).
•"* Ocelli plurimi in acervum unum vel plures consociati.
15. Ommatoplca pulclira DIESING: Syst. Helm. 1. 252.
Habitaculum. Littus Berwickcense , inter Corallineas et in
testaceis vacuis , frequens (.1 o li n s t o n).
16. Ommatoplea berea DIESING: Syst. Helm. I. 252.
Habitaculum. Ad insulam Brehat inter lapides (Quatre-
fages).
17. Ommatoplca mutabilis DIESING: Syst. Helm. I. 252.
H a bita c ul u m. Prope St. Vaast (Q u a t r e f a g e s).
18. Ommatoplca glauca DIESING: Syst. Helm. I. 253.
Habitaculum. Prope St. Vaast, rarius (Quatr efages).
19. Ommatoplca violacea DIESING: Syst. Helm. I. 253.
Habitaculum. Prope St. Vaast, raro (Quatrefages).
**** Ocelli in series plurcs angulum retrorsum patentem formantes dispositi.
20. Ommatoplea glauca DIESING.
Corpus depressum, supra glaucum, subtus album. Caput cor-
pore continuum. Proboscis vaginata. Occlli numerosi in series plures
dispositi, angulum retrorsum patentem formantes. Lougit. 1".
Nemertes glancus Kölliker: in Verhandl. d. Schweiz, naturf. Gesellseh.
zu Chur im Juli 1844. Chur 1845. 89. — Siebold: in Troschel's
Arch. 1850. II. 382.
Habitaculum. Neapoli (Kolli ker).
Species inquirendae:
21. Ommatoplea pellacida DIESING: Syst. Helm. I. 253 adde:
Polystemma pellucidum Oersted: De region. marin. 80.
H a 1) i t a c ii I ii m. In regione argillacea s. Buccinoideorum
aestate, prope Hellebaek in fretu Öicsund (Oersted).
22. Ommatoplca rubra DIESING I. c. 253.
23. Ommatoplca armata DIESING I. c. 253. adde:
Prostoma? Ommatoplea? Ehrenberg: Akalepli. des rothen Meeres 66.
Sitzb. d mathem.-iiatui'w. Cl. XLV. Bd. t. Abt Ii. 18
258 D i e s i n g.
Familia XX. Ulieruraea. Hemprich et Ehrenberg.
Corpus depressiusculüm vel teretiiisculum, obsolete annulatum, ex-
tremitafe caudali appendiculata. Caput corpore continuum vel dis-
cretum, haud löbatum. Proboscis fermiualis protractilis. Os ventrale
anlrorsum situm, oesophago... Ocelli numerosi. Sexus discretus.
Anus in extrema corporis parte postica sub processu caudali. Mari-
colae. Formae mediocres, pollicares.
Evolutio in uno saltem genere per metamorphosin.
XXXIX. MICRURA HEMPRICH et EHRENBERG.
Nemertis spec. Oersted. — Gordii spec. Dalyell.
Corpus depressum lineare, proieum, obsolete annulatum, pro-
cessu caudali terrainali filiformi. Caput corpore continuum. Pro-
boscis terminalis e plica transversa protractilis. Os ventrale infra
caput. Ocelli frontales 10 serie longitudinali duplici dispositi. Sexus
discretus. Anus terminalis sub processu caudali. Evolutio per meta-
morpbosin. Maricolae, hemispbaerae borealis.
Animalculum juvenile sladio Alardi cephaloporis duobus instructum. —
Quodsi plica transversalis, a cel. Ehrenberg in animali adulto observata, e sym-
pbysi cephalopororum duorum coalescentinni oriretur, tunc genus hoc ad
Rbynchocoela porocephala esset referendum.
1. Micrura fasciolata HEMPR. et EHRENBERG.
Corpus supra nigro-fuscum, capite vtmtre et cauda fasciis
transversis angustis 13 albis, appendiculo caudali parvo aibo. Os
rimaeforme longitudinale. Ocelli frontales longitudinaliter biseriati,
seriebus curviuscnlis parallelis antiee convergentibus, una quaque
ocidlis 5 efformata , quorum binis anticis linea rubella junctis.
Longit. 16'", latit. i/,'".
Micrura fasciolata Hemprich et Ehrenberg. — Dies. Syst. Helm. I. 261. —
J. Müller: in ejus Areb. 18ü8. 2Ö8.
Gordius fascialus spinifer. — Dalyell: Powers of tlie Creator II. 80. Tab. XI.
6-9.
Slalus larvae: Stadium primum s. progressionis ; Corpus subquadrangu-
lare, planum, lobis duobus lateralibus, squamulis imbricatim teetum, margini-
bus ciüis vibrantibus obsessum; crista centrali longa e filis gracilibus composita,
vibrante, nodulo insidente. Os inferum subcentrale parietibus tractus in cor-
poris cavum ducentis ciliatis. Stadium seeundum s. aemes: Corpus lobis laterali-
bus introflexis fornicatum, bis sensim increscentibus, lobo anteriore et posteriore
valde produetis, liinbo ciliato, crista persistente, squamulis evanescentibus. Os
inferum subcentrale ventriculo subgloboso. Longit. larvae %'" vermiculuin
Revision der Turbellarien. 259
includit; vermiculus inclusus, limbo oris cum Pilidü apertura ventrali connalus,
parictem cauda sua penetrat; residua Pilidü vermiculi liberis oris limbo ad-
haerent. Incertum an baec residua sponte decidua vel devorata evanescant 4).
Pilidium gyrans ./. Müller in Müller's Arch. 1N47. iS9. Tab. VII. 1 — 4. —
Busch: Untersuchungen 107—110. Tab. XVI. 1—8. (evolut.). — Krohn:
in litt, ad eel. Müller: 19. Nov. 1851 apud cel. Müller 1. i. c. 18.14, de
fibris inuscularibus. — /. Müller: Über. d. allgem. Plan in d. Kntwickl.
d. Eehinoderm. Abhandl. Berl. Akad. 1852. Berl. 1853. 59. — Gegenbauer:
in Zeitscbr. f. wissenscb. Zool. V. 345. — J. Müller: in ejus Arch. 1854.
75 — 83. Tab. IV. 3—8 (de Alardo caudato in Pilidio incluso). — Krohn:
in Müller's Arch. 1858. 289-293.
Pilidium gyrans? Gegenbauer: in Zeitscbr. f. wissensch. Zool. V. 345 (de
animalculo in Pilidio incluso).
Status vermiculi exclusi: Corpus ovale, ciliatum, obscure brunneum, appen-
diculo caudali e segmentis tribus composito, aculeo terminali armato. Caput
corpore continuum, foveolis marginalibus duabus (cephaloporis) oppositis cum
ductibus lagenaeformibus coecis, intus ciliis vibrantibus instructis. Proboscis
terminalis. Os ventrale subcentrale. Ocelli nunc nulli, nunc solummodo duo evo-
luti. Anus . . . Longit. l/± — 2/a'"-
Alardus eaudatus Busch: Beobacht. 111 et 134. Tab. XI. 8. — J. Müller:
in ejus Arch. 1854. 79—83. Tab. IV. 2—4. — Krohn: in Mül ler's Arch.
1858. 289—293.
*) Exactam descriptionem evolutionis embryonis incerti generis in Pili<lio orti, dederunt
cl. viri Leuckart et Pagenstecher: in Müller's Arch. 18">8. 569—588. Tat'. XIX.:
Statu larvae : Os inferum subcentrale infundibulifonne , oesophago brevi et
ventrieulo globoso ; reliqui characteres illis Pilidü gyrantis similes. Evolutio ver-
miculi inter Pilidium: Vermiculus in peripheria infitndibuli oris evolvitur, mox
extremitate posteriore, dein et anteriore ventriculum supercrescit, ita ut demum
Organa digestoria Pilidü a vermiculo penitus includantur.
Statu Alardi: Corpus ovale flavo-brunneum , appendicuto nullo. Caput foveolis
utrinque duabus (cephaloporis) ciliatis binis in vas aquiferum ducentibus et suleo
longitudinali ciliato utrinque ante foveolas. Proboscis inermis. Os in medio fere
corporis. Ocelli duo. Anus . . . Longit. ultra • 4'".
Habitaculum. Ad Helgolandiam (Leuckart et Pagenstecher).
Status perfectus secundum el. Leuck. et Pagenstecher fortasse Borlasia rubra
nova spee.
Praesentia quatuor cephalopororum in studio penultimo evolutionis vermiculi
characteri generico tarn Borlasiae quam Micrurae, repjignat, et fortasse
speciem Loxo r rhochmatis supponere suaderet.
Altera forma Pilidü alp iiscleni scrutatonbus descripta est:
Pilidium auriculatum leuckart et pagensteches.
Corpus campanulatum lobis lateralibus duobus brevibiis augustis anriculae-
formibus, paruin inllexis. crista eentrali terminali e filis brevibus paucis com-
posita, hyalinuin, tota superficie et margine ciliatum. Longit, ' .,'".
Pilidium anricnlatum Leuckart et Pagenstecher: in Müller's Arch. 1838. .'>7I. Tab. XIX. I.
Habitaculum. Helgolandiae, raro (Leuck. et P'agenst).
18*
260 D i e s i n g.
H abitaculum. Statu larvae : In mare germanico prope Hel-
golandiam gregarie natantia (J.Müller), Tergesti (J. et M. Müller
et Busch), hieme Messinae (Gegenbauer), Aprili prope Neapolim
(Krohn).
Statu Alardi: Tergesti gregarie (Busch et J. et M. Müller).
Statu perfecto: In concharum superficie scabra, Februario,
Tergesti (Ehr enberg). Ad littora Scotiae (Dalyell).
Species minus bene cognitae:
2. Micrura filaris Joh. MÜLLER.
Planaria filaris 0. F. Müller: Zool. Dan. Tab. LXV1II. 18—20.
Nemertes pusilla Oersfed: in Kroyer's Naturhist. Tiddskr. IV. 578.
(partim) et Entwurf einer system. Einth. d. Plattw. 90 (partim). —
Dies. Syst. Helm. I. 271 (partim).
Gordius fragilis spinifer Dalyell: Powers of the Creator II. 79. Tab.
XI. 5.
Micrura filaris J. Müller in ejus Arch. 1858. 300.
Habita culum. In Dania (Müller), ad oras Scotiae (Da-
lyell).
3. Micrura viridis J. MÜLLER.
Gordius viridis spinifer Dalyell I. e. II. 78. Tab. XI. 1.
Micrura viridis J. Müller in ejus Arch. 1858. 300.
Habitaculum. Ad oras Scotiae (Dalyell).
4. Micrnra purpurea /. MÜLLER.
Gordius purpureus spinifer Dalyell 1. c. II. 78. Tab. XI. 2 — 4.
Micrura purpurea J. Müller in ejus Arch. 1858. 300.
Habitaculum. Ad oras Scotiae (Dalyell).
XL. POLYSTEMMA HEMPRICH et EHRENBERG. Charact. modif.
Corpus teretiusculuin vel depressiusculum obsolete annulatum,
(feminae) postice in processum ellipticuin ovigerum dilatatum. Caput
discretum. Proboscis terminalis. Os ventrale antrorsum situm.
Ocelli plurimi serie dnpiici antrorsum reflexa longitudinali. Sexus
discretus. Anus veutralis subterminalis sul» apice caudali reflexo. —
Maricolae hernisphaerae borealis.
Cauda saepius non dilatata Stimpson. Fortasse individua exappendicu-
lafa mascuia.
Revision der Turbellarien. "dbl
1. Polystemma adriaticam EEMPR. ei EBRENB. — Dies. Syst. Helm.
I. 2Ö4.
Habitacnlum. In mare adriatico, specimen unicum lectuin,
Februario (E hr enberg).
Species inquirenda.
2. Polystemma sinnosnm STJMPSON.
Corpus gracile depressiusculurn, album, interdum carneo-tinc-
tum. Caput subeiongatum Ocelli magnitudine variabiles: duo in
capitis parte posteriore; plurimi sparsi in parte anteriore in acervos
quatuor irregulariter aggregati, posteriores minores. Longit. 14'",
latit. 1".
Polystemma sinuosum Stimpson: Prodr. II. 20.
Habitacnlum. Inter concbas vacuas e profunditate 10 orgyia-
rum in portu Hongkong (Stimpson).
An hujus generis?
3. Polystemma pasillnm OERSTED.
Corpus oblongum postice acutiusculum carneum. Caput subreni-
forme duplo latius quam longurn. Longit. 7'".
Polystemma pusillum Oersted: in Kroyer's Naturh. Tidssk. I. (1844 —
1845) 418.
Habitacnlum. Prope Dröbak in Norvegia (Oersted).
Situs oris in generibus subsequentibus Holocephaloriim ignotus.
Corpus exappendiculatum. Maricolae.
■j* Proboscis terminalis e medio capitis protractilis.
Ocelli nu lli.
XLI. ACKOSTOMUM GRUBE. Charact. reform.
Poliae spec. Lcuckart.
Corpus elongatum depressum. Caput corpore continuum vel
sulco cii culari discretum. Proboscis terminalis protractilis. Os . . . .
Ocelli nulli. Sexus .... Anus terminalis posticus. Maricolae.
1. Acrostomnm Stannii GRUBE. — Dies. Syst Helm. I. 246.
Habitaculum. In mare mediterranen prope Neapolim
(Grube).
-CO'w D i e s i n g.
2. Acrostonium canescens.
Corpus depressiuscnlum aequale, postice rotundatum, canescens.
Caput corpore continuum rotundatum. Longit. 5'", latit. 3/V".
Polia canescens Leuckart: in Troschel's Arch. 1849. I. 154.
Ha bitacu I u m. Ad littus austro-occidentale Islandiae (Berg-
mann).
Ocelli 2.
XLII. DIPLOMMA STIMPSON. Charact. modific.
Dicelis et Naredae species Stimpson.
Corpus depressiuscnlum. Caput corpore continuum vel discre-
tum, fronte emarginatum. Proboscis terminalis, protractilis. Os . . .
Ocelli duo bilobi vel circulares. Sexus et anus .... Marium orien-
talium incolae.
1. Diplomma serpentina STIMPSON.
Corpus elongatum graei'e, fere lineare, antrorsum vix atte-
nuatum , supra pallide rubrum, linea mediana brunnea. Caput
discretum subovatum sinu aperturae proboscidis magno. Ocelli
magni bilobati , remoti , retrorsum convergentes. Longit. 3",
latit. »/,'".
Cerebella cervicalia, valde remota, rosea. Cavum intestinale angustius;
cava genitalia ampla.
Nareda serpentina Stimpson: Proceed. Acad. Pliilad. VII. 338.
Diplomma serpentina Stimpson: Prodi*. II. 20.
Ha bitacul um. Sub lapidibus in locis arenoso-limosis ad lit-
tora insulae Loo Cboo (Stimpson).
2. Diplomma rnbra D1ESING.
Corpus lineare, depressiusculum, utrinque obtusum rubrum v.
purpureum. Caput corpore continuum v. subdiscretum. Ocelli parvi
simplices circulares subterminales. Longit. iys", latit....
Dicelis rubra Stimpson: Prodr. II. 20.
Habita etil um. Inter Balanos et Spongias saxatiles e pro-
funditate 12 orgyiarum prope insulam „Tanega" Japoniae auslralis
(Stimp son),
Itevisj ler Turbellarien. «Qu
XLIII. NAREDA GIRARD.
Corpus subcylindricum. Ca put a corpore discretum triangu-
läre. Proboscis ... Os . . . Ocelli <luo. Sexus et onus . . . Oceani
atlantici incolae.
1. Nareda saperba (Uli ARD.
Corpus retrorsura attenuatum, supra pallide rubrum, fascia
transversa alba cervicali, subtus album. Caput anguste albo-mar-
ginatum. Ocelli circulares in cervicis fascia transversali. Longit.
1—2".
Nareda superba Girard. — Stimpson: in Smithson. Contrib. VI.
(1854) 28. Tab. II. 17.
H a I) i t a c u 1 u m. Hake Bay, Grand Manan e profunditate 35
orgyiarum (St im pson).
Ocelli 4.
XLIV. OERSTEDIA QUATREFAGES. Charact. reform.
Poliae spec. Quatrefages.
Corpus teretiusculum vel depressiusculum liberum vel tubulo
inclusum. Caput corpore continuum. Proboscis terininaiis protrac-
tilis pugione et burseolis aciculiferis duabus instrueta. Os . . . Ocelli
quatuor in quadrangulum dispositi. Sexus discretus. Anus termi-
nalis posticus. Maricolae.
1. Oerstedia macalata QUATREFAGES. — Dies. Syst. Helm. I. 247.
Ha bi tacul ii m. In Sicilia iuter radices plantarum marinarum
(Q na tr efages).
2. Oerstedia tabicola QUATREFAGES. — Dies. Syst. Helm. I. 247.
Habitaculum. Ad littora Siciliae, in tubulo pellucido (Qua-
trefages).
Species inquirendae;
3. Oerstedia Bacnlus DIESING: Syst. Helm. I. 247.
4. Oerstedia armata DIESING: Syst. Helm. I. 248.
5. Oerstedia pulchella DIESING: Syst. Helm. I. 248.
264 H i e s i n g.
Ocelli plu rimi.
XLV. HEMICYCLIA HEMPRICH et EHRENBERG. Charact. reform.
Nemertes Oersted.
Corpus teretiusculum filiforme, proteum. Caput corpore con-
tinuum plica transversa terminali *). Proboscis terminalis, protrac-
tilis centralis. Os . . . . Ocelli plurimi in serie frontali transversa
semicirculari simplici. Sexus .... Anus terminalis posticus. —
Maricolae.
1. Hemicyclia albicans HEMPR. et EHREND. — Dies. Syst. Helm.
I. 262.
Habitaculum. Prope Tor inter Corallia (Hemprich et
Ehrenberg).
XLVI. TATSiNOSKIA STIMPSON.
Corpus depressum. Caput subdiscretum. Proboscis terminalis
centralis ex apertura cruciata protractilis 2). Os . . . . Ocelli plurimi
in acervos duos lineares, aggregati. Sexus et anus . . . . Marium
orientalium incolae.
In honorem cl. Tatsnoskii, viri Japonensis eruditi et nobilis.
1. Tatsnoskia depressa STIMPSON.
Corpus snpra cinnabarinum, Iateribus obscnrioribus. Caput
parvum, obtusum, fronte emarginatum. Ocelli fusci, posteriores sen-
sim majores, sex in utroque acervo, acervi antici convergentes.
Longit. ultra 1", latit. 2'".
Tatsnoskia depressa Stimpson: Prodr. II. 21.
Habitaculum. In fundo arenos«) e profunditate 6 — 10
orgyiarum, in portu „Hakodadi" insulae Jesso (Stimpson).
*) An rephalopororun) duorum subhorizontalium symphysi orta?
2) Apertura cruciata, proboscidis egressui inserviens, fortasse ex ounvergentia
cephalopororum quatnor sul» angulo recto orta. Num res ita se haltet nee ne,
exarnen a cj. auetore denUO instituenduin doceltit. Dummodo coniirmaretur com-
mola mea opinio, geuus hoc ad linem familiae Enn omerl i nen r tun esset col-
locandum.
Revision der Turbellarien,
205
•J- | Proboscis terminalis e margine capitis protraciilis.
XLVII. POLINA STIMPSON i).
Poliae spec. Slimpson.
Corpus valde contractile depressiusculum. Caput discretum vel
subdiscretum. Proboscis terminalis laevis, ex apertura in margine
frontali inferiore sita protractilis. Os . . . . Ocelli plurimi in acervos
quatuor aggregati. Sexus et atius .... Oceani indici et atlantici
incolae.
1. Polina rhomboidalis STIMPSON.
Corpus depressiusculum, antrorsum latius, pallide rubrum, fas-
ciis duabus longitudinalibus inconspicuis. Caput parvum, subdiscre-
tum, breve, antice rotundatum. Ocelli quatuor in singulo acervo, in
rbombum dispositi; acervi posteriores minores maculis obscuriori-
bus impositi. Longit. 1", latit. vix 1/2'".
Polia rhomboidalis Stimpson: in Proceed. Acad. Philad. VII. 390.
Polina rhomboidalis Stimpson: Prodr. II. 21.
Habi tacul u m. Liitoraiis sub lapidibus in portu Jacksoni Au-
straliae (Stimpson).
2. Polina grisea STIMPSON.
Corpus longum depressiusculum, sub extensione subcylindricum,
pallide griseum. Caput discretum, ovatum v. subcordatum, corpore
angustius, antice acutum. Ocellorum acervi anteriores majores, elon-
gati, in parte anteriore laterali capitis submarginaliter dispositi,
ocellis in utroque acervo decem; acervi posteriores cervicales parvi
lineares, ocellis in utroque quatuor. Longit. ad 1", latit. '/3'".
Polia giisea Stimpson: Proceed. Acad. Philad. VII. 390.
Polina grisea Stimpson: Prodr. II. 21.
Habi tacul um. Sublittoralis inter Vlvas in locis limosis, in
porfu Virginiano ,.Norfolk" (Stimpson).
3. Polina cervicalis STIMPSON.
Corpus gracile cervice angustatum, supra salmoneo- rubrum.
Caput discretum late rhomboidale, antice obtusum et emaryinatum.
Ocelli minuti, in acervos quatuor confluentes aggregati; anteriores
i) Animalcula a cl. Gaimard in Voyage en Scandinavie etc. Zool. Tab. C. 23—29
depicta forlasse huie generi proxima.
266 D i e s i n g.
elongati laterales ; posteriores rotundati sublaterales. Longit. 3",
latit. ultra 1"'.
Polina cervicalis Stimpson: Prodr. 11.21.
Habit aculum. Littoralis inter lapides in portu Simoda, Ja-
poniae (Stimpson).
XLV1II. COSMOCEPHALA STIMPSON.
Corpus depressum, minus contractile. Caput corpore continuum
vel subdiscretum, pictum, utrinque pseudorimis incouspicuis (lineis
impressis deculoribus) cervicalibus instructum. Proboscis laevis ex
apertura in margine frontali inferiore sita protractilis. Os . . . Ocelli
plurimi, minus conspicui, utplurimum in margine capitis antico-late-
rali dispositi. Sexus et anus .... Marium orientalium incolae.
1. Cosmocephala Beringiana STIMPSON.
Corpus elongatum depressiusculum pseudorimis cervicalibus in-
ferioribus, una transversa utrinque sita, in medio vix confluentibus,
supra cervinum, subtus pallide aurantiacum. Caput vix subdiscre-
tum, breve, corpore angustius, antice rotundatuui et emarginatum,
infra pseudorima longitudinali mediana cervinum, maculis angu-
laribus albis in fronte et lateribus; fascia pone cervicem transversa
angusta, alba, retrorsum convexa. Ocelli numerosi , utrinque in
acervos duos dense aggregati. Longit. 3", latit. ultra 2'".
Cosmocepliala Beringiana Stimpson: Prodr. II. 21.
H abitacu lum. E fondo sabuloso profunditalis 5 orgyiarum,
in freto Beringiano (Stimpson).
2. Cosmocephala Japonica STIMPSON.
Corpus subelongatum , postiee obtusum, subaequale, cervice
utrinque pseudorima obliqua antrorsum curvata notatum, supra brun-
neum subtus album. Caput breve subdiscretum, fronte rotundatum,
ad aperturam profunde fissum, brunneutn, linea mediana et maculis
in fronte minutis irregularibus decoloriluis nee non fronte et maculis
cervicalibus triangularibus albis pictum. Ocelli niagni, in capitis
marginibus anticis lateralibus, utrinque 10 — 15. Longit. 4", latit.
ultra 2'".
Cosmocephala Japonica Stimpson: Prodr. II. 22.
Habita eulum. Littoralis in rupiura fissuris et sub lapidibus
in portu Simoda in Japonia (Stimpson).
Revision der Turbellarien. <wt)7
ö* Lobocephala: Caput lodatum.
Familia XXI. Hypoloba Dies. Corpus depressum vel
planum. Caput tliscretum subtus rima longitudinali v. marginibus Ion—
gitudinalibus inflexis bilobum, cavum v. solidum. Proboscis et os . . .
OceJIi nullt. Sexus et anus . . . Maricolae hemisphaerae australis.
XLIX. COLPOCEPHALUS DJESING. Charaef. emeiid.
Borlasiae spce. Quoy et Gaimard. — Tetrastemmatis sp. ? Oersted.
Corpus depressum lineare. Caput diseretum subovatum, sub-
tus rima longitudinali bilobum, cavum, supra apice emarginatum.
Proboscis ... Os . . . Ocelli nulli. Sexus et anus . . . Mari um orien-
talium incolae.
1. Colpoeephalus quadripunctatas DIESING: Syst. Helm. I. 255.
II ab i ta cu 1 um. In Anatifa maris Amboiuensis (Quoy et
Gaim a rd).
L. CHLAMYDOCEPHALUS DIESING. Charaet. emend.
Borlasiae spee. Quoy et Gaimard.
Corpus elongatum planum. Caput diseretum cordatum depres-
sum, subtus marginibus longiludinalibus inflexis bilobum, solidum.
Proboscis ... Os . . . Ocelli nulli. Sexus et anus .... Maricolae,
hemisphaerae meridionalis incolae.
1. Chlamydoceplialns Gaiinardi DIESING: Syst. Helm. I. 255.
Habita eul um. In sinn insulae Novae Zeelandiae (Quoy et
Gaiiii ard).
Familia XXII. Acroloba Dies. Corpus proteum,
teretiusculum vel subeylindricum compressiuseulum vel depressum.
Caput corpore coutinuum uniiobum aut bilobum, lobis terminalibus.
Proboscis terminalis e capitis margine superiore protractilis. Os ter-
minale in medio capitis. Ocelli nulli. Sexus .... Anus terminalis
posticus. ; — Maricolae hemisphaerae borealis.
LI. STTMPSONIA GIRAllD.
Corpus subeylindricum compressiuseulum. Caput corpore con-
tinuum, membrana circnlari laevi retroflexa einetum, margine cepbalico
.superiore in lobum terminalem spathaeformem produeto. Proboscis
£Öo D i e s i n jj.
protracta spatha inclusa. Os terminale in medio capitis. Ocelli nulli.
Sexus et anus .... Marieolae Americae septentrionalis.
Lobus cephalicus organon adhaesionis.
1. Stimpsonia anrantiaca GIRARD.
Corpus compressiusculum purpurascens vel virescens, fasciis
transver.salibus irregularibus numerosis, laete aureis. Lobus cepha-
licus ovato-lanceolatus margine undulatus, interdum marginibus
basilaribus inflexis. Os amplum circulare. Longit. ad 6", latit.
ad 3"'.
Stimpsonia aurantiaca Girard: in Proceed. Acad. Philad. VI. 366. —
R. Leuchart; in Troschel's Arch. 1854. II. 354.
H a bita cu lum. In arenae cavis vertiealibus Fort Johnston in
Carolina ineridionali (Girard).
LH. RAMPHOGORDIUS RATHKE. Charact. reform.
Corpus teretiusculum tiliforme. Caput corpore continuum, lobis
duobus terininalibus superpositis, supero majore, rostrum simulanti-
bus. Ost tum meatus proboscidem protractilem excipientis ad basin
loborum collocatum. Os . . . Ocelli nulli. Sexus... Anus terminalis
posticus. Marieolae Europae septentrionalis.
Apertura ad basin loborum sita, ex analogia cum genere praecedente,
proboseidis exitui potius inservire , quam oris aperturam in mentem cl. auctoris
sistere videtur, quod simul de genere subsequente valeret.
1. Rhaniphogordins lactens RATHKE. — Dies. Syst. Helm. I. 256.
H a bita c u lum. In Norvegia prope Molde (Rathke).
LI1I. LOBILABRÜM BLAINVILLE. Charact. refbrm.
Corpus elongatum depressum utrinqne dilatatum , proteum.
Caput corpore continuum lobis duobus terininalibus horizontaler
patentibus, bilobis. Ostium meatus proboscidem protractilem exci-
pientis amplum inter lobos. Os . . . Ocelli nulli. Sexus .... Anus
terminalis posticus. Marieolae Europae temperatae.
1. Lobilabrum ©strearium BLAINVILLE. — Dies. Syst. Helm. I.
256.
Hahitaculum. In tubulo ex arena contlato, ad superficiem
testae Ostreae edulis, in canale La Manche (Blainville).
Revision der Turliellarien. <&uil
Subtrihus II. Rh y nchocoel a porocephala.
Cephaloporus iniicus ant 2 v. 4 oppositi, rarius 2 juxtapositi *).
— Sexus discretus.
Familia XXIII. Prorliyiichidea. Dies. Character
generis unici simul familiae.
UV. PRORHYNCHUS SCHUTZE.
Corpus subcylincfrieum. Caput corpore continuum. Cephalopori
foveaefonnes marginales duo oppositi. Proboscis terminalis, centralis
protractilis, pugione armata. Os proprium nulluni. Oesophagus ex-
tensilis cylindricus. Aperiura capitis terminalis nunc oesophagi
nunc proboscidis egressui inserviens. Ocelli nulli. Sexus discretus.
Anus terminalis posticus. — Aquarum dulcium Europae incolae. —
Formae minores, aliquot lineas longae.
1. Prorhynchas stagnalis SCHULTZE.
Corpus subcylindricum antrorsum parum attenuatom, alhum.
Cephalopori reniformes, ciliati. Proboscis directe retractilis, brevis,
pugione terminali, sagittato, aperturae proboscidis approximato ar-
mata. Oesophagus margine crenulata. Longit. fem. il/2 — 2'",
latit i/§'#/.
Notitiae anatomicae. Pugio proboscidis Capsula subcylindrica antice per-
forata inclusus. Vesica liquorcm venenosuni continens cum pugione canalis ope
juncta in musculosa posteriore proboscidis parte. — Ovarium utriculiforme
retrorsum situm. Apertura genitalis nulla observata. — Vasa aquifera ramosa
haud contractilia intus vibrantia in anteriore corporis parte visa. — Ganglia
cerebralia duo commissura una juncta, singulum filum nerveum ad cephalo-
poruin et alterum retrorsum emittens.
Prorhynchus stagnalis Schultze : Beitr. Turbell. 60—62. Tab. VI. 1.
Habitaculum. In piscino turfoso prope Gryphiam initio
Aprili individua juvenilia agama, fine Aprilis et Augusto individua
feminea organis genitalilius instructa (Schultze).
2. Prorhynchas fluTiatilis LEYDIG.
Corpus antrorsum parum angustatum, alhum. Proboscis brevis,
pugione hicruri. Longit. . . .
Prorhyncbus fluviatilis Leydig: in Müller's Archiv. 1854. 290.
Tab. XI. 7.
Habitaculum. Sub saxis fluvii Moeni, Novembri (Leydig).
*) Ditaetoirhochma.
ä70 D i e s i n g.
Familia XXIV. Emeidea Dies. Cbaracter generis
unici simul farniliae.
LV. EMEA LEIDY.
Corpus lineare depressum. Caput corpore continuum. Cepha-
lopori foveaeformes marginales utrinque duo. Proboscis terminalis
excentrica, protractilis, pugione armata. Os et Oesophagus....
Ocelli nunc 4 nunc 6. Sexus discretus. Anus .... Aquarum dul-
cium Americae borealis incolae. Formae minores, aliquot lineas
longae.
1. Emea rubra LEIDY.
Corpus irregulariter contractile postice rotundatum, rufescenti-
vel flävescenti-carneum. Caput rotundatum. Cephalopori cireulares.
Proboscis per intus susceptionem retractilis, longa, tortuosa, villosa,
pugione subulato, et aciculis auxiliaribus utrinque 4 burseola inclusis
armata. Ocelli nunc 4 nunc 6; utrinqne 2 vel 3 in serie longitudiuali
postpositi, interdum irreguläres, nigri. Longit. feminae 1 — 6 imo
10"', latit. Vr-Vs iino W"-
Emea rubra Leidy : in Proceed. Acad. Phil ad. V. 125 et 288.
Habitaculum. In paludosis prope Philadelphiam; individua
feminea maxima saepe ovulis evolutis carentia, aliaque 1—3 lineas
longa ovulis magnis flavis 3 — 18 praedita interdum observavit
Leidy.
Var. a. Corpus album. Longit. 2'", latit. 1/6 "'.
Emea rubra var. a Leidy 1. s. c.
Habitaculum. Sub saxis in rivolo Schuylkill (Leidy).
S p e c i e s inquirendae.
2. Emea Dngesii LEIDY.
Polia Dugesii Qualrefages: Reell. Anatom, et Zool. II. 211.
Emea Dugesii Leidy: in Proceed. Acad. Pliilad. V. 288.
3. Emea lumbricoidcs.
Tetrastemma lumbricoidcs Ehrenberg: Akaleph. des rotlieu Meeres 6ß.
— Diesing: Syst. Helm. 1. 2S9. — Schultee: Turbell. I. 61.
Habilaculo adde: Berolini (Müller).
A el. Müller proboscis et burseolae aciculiferae observatae.
Revision der Turbellarien. Z / 1
Familia XXV. Tjpliloneniertinoa Dies. Corpus
depressum vel teretiusculum. Caput corpore confinuum vel strictura
discrelum. Ceplialoporus unus terminalis aut 2 marginales oppositi
vel 4 cruciatim eonvergentes. Proboscis terminalis aut in capitis
pagina ventrali collocatus, protractilis, inermis, rärissime pugione et
burseolis aciculiferis instructa. Os ventrale infra caput situm, utplu-
rimum acetabuliforme, oesophago .... Ocelli nulli. Sexus discretus.
Anus terminalis posticus. Maricolae. Formae majores saepe lon-
gissimae.
ol Proboscis infera.
LVI. TUBÜLANl S HEMER. Cbaract. reform.
Nemertis spec. Ocrsted. — Gordii spec. Delle Chiaje? — Cerebratuli et Sipho-
nenteronis spec. Renier. — Valenciniae spec. ? Meneghini.
Corpus elongatum teretiusculum. Caput strictura a corpore
discretum. Ceplialoporus terminalis transverse riniaeformis. Probo-
scis in medio capitis paginae ventralis ex apertura longitudinali prö-
tractilis. Os ventrale retro caput situm. Ocelli nulli. Sexus ....
Anus terminalis posticus. — Maricolae.
An apertura terminalis revera ceplialoporus sit, adhuc incertum, et inde
ebaraeter genericus nequaquam satis bene stabilitus.
1. Tubulanus polymorphe HEMER.
Corpus retrorsum partim attenuaturo, variabile, castaneo-brun-
neum. Caput liemispliericum. Proboscis ex apertura lineari prö-
tractilis (?). Os longitudinale labiis lateralibus elevatis, albis. Longit.
ad 11", latit. ad 3'"; longit. capit. 3'"; longit. oris 2'". Renier.
— Specimen spiritu vini servatum 3 — 4" longum, ad 2" latum.
Tubulanus polymorphus Renier: in Collect. Mus. Caes. — Idein Prosp.
della cl. dei Vermi p. XX. 1804. — Idem Tavole alla classif. VI. (Ver-
mi) 1807. — Idem Eiern, di Zool. 111. fasc. I. Tab. XII. 1828. — Blain-
ville: in Dict. se. nat. LVII. ö?3. Atlas. — Aporoeeph. Tab. XXXVIII.
3 (medioeris). — Meneghini: in Renier Osserr. postume 07 — 66 et
120. Tab. XI. — Diesing: Syst. Helm. I. 262 (excl. diagnosi).
Habitaculum. In mare adriatico (Renier).
2. Tubulanus elegans REMER.
Corpus depressiusculum retrorsum parum altenuatum liaud va-
riabile intense castaneo-brunneum, linea longitudinali dorsali et ven-
272 D i e s i n g.
trali alba et transversalibus numerosis picturn. Caput ellipsoideum.
Apertur a proboscidis exitui inserviens fissuraeformis , obsoleta. Os
subquadrangulare. Longit. ad 6", latit. ad 2", Renier; specimen
spiritu vini servatum 21/2" longum, ad 1 l/z'" latum.
Cerebratolo crocicchiato Renier: Comp. Elem. di Zool. Mss. 596.
Sifonentero elegante Renier: Elem. di Zool. III. fasc. I. Tab. XII. 1828.
Tubulanus elegans Renier: in Collect. Mus. Caes. — Blainville : in Dict.
des sc. nat. LVII. 574. Atlas. — Aporoceph. fig. IV. (satis bona ex-
cept. fissura). — Diesing : Syst. Helm. I. 262 (excl. diagnosi).
Siphonenteron elegans Meneghini: in Renier Osserv. postume 63.
Habitaculum. In mare adriatico (Renier).
Cl. Meneghini Valenciniam ornatam Quatrefages ad hanc speciem
non sine dubio retulit.
Species inquirendae:
3. Tubulanus pusillus DIESING: Syst. Helm. I. 263.
4. Tubulanus defractus RENIER.
Corpus cinereum.
Tabulano disrompentesi Renier: Elem. di Zool. III. fasc. I. Tab. XII.
1828
Tabulanus defractus Meneghini: in Renier Osserv. post. 63.
Habitaculum. In mare adriatico (Renier).
LVII. CERERRATULUS RENIER.
Meckeliae spec. Auetor. — Siphonenteron Renier. — Renieria Girard.
Corpus elongatum depressum vel teretiusculum , band raro
sponte transverse fissile. Caput corpore contiuuum v. subdiscretum.
Cephalopori duo longitudinales marginales antice convergentes vel
paralleli. Proboscis in pagina ventrali capitis ex apertura rimae-
formi vel circulari protractilis, inermis vel organis urticationis ob-
sessa. Os ventrale infra eaput vel in capitis pagina inferiore situm.
OceUi nulli. Sexus .... Anus terminalis posticus. — Maricolae
utriusque hemisphaerae.
1. Cerebratulus marginatus RENIER.
Corpus antrorsum subeylindricum, retrorsum planum taeniae-
forme, postice truncatum, lissile, marginibus crassis suleo lougitu-
dinali rnedio percursis, eiuerasceiis, marginibus albis coerulesccnti-
Revision iler Turhellarien. 4IO
limbatis. Caput corpore continuura depresso-conicum. Cephalopori
ampli. Proboscis ex apertura subterminali 2l/2'" ante os sita pro-
tractilis. Os amplum in medio capitis paginae inferioris situm, lon-
gitudinale, 4 — 5 lineas longum, labiis rotundatis rugosis. Longit.
8" diametr. corp. ad capit. basiu 4 — 5'", latit. retrors. 9'" — 1",
crassit. i/8— 3'".
Cerebratulus marginatus Renier: Prospetto della elasse dei Vermi 1804.
XXI. — Idem Tavol. di classif. 1807. VI. — Idem Elem. di Zoolog.
III. 1. Tab. XII. 1828. — Meneghini: in Renier Osserv. post. 60—64
(cum anatom.).
Marginato murino Renier: Comp. elem. di Zool. msc. §. 98 — 100.
Cerebratulus bilineatus Blainv., nee Renier: in Dict. des sc. nat. LVII.
574. Atlas. — Aporoceph. f. 2 et 2 a-
Meckelia somatotomus Diesing (nee Leuckart): Syst. Helm. 1.263 (par-
tim). — J. Müller: in ejus Aren. 18154. 83 remedium contra dilapsum
spontaneum vermium.
Habita cii In m. In mare adriatico (Renier). Tergesti (Joh.
Müller).
Num Cerebratulus marginatus a cl. Oers ted in freto prope Hveen repertus;
(cfr. Kroyer's Naturbist. Tidsskr. IV et 180 et Oersted: De region. marin.
80 et Entw. einer System. Einth. d. Plattw. 94) revera ad banc speciem pertineat
nee ne, in dubium relinquo.
2. Cerebratulus bilineatus RENIER.
Corpus depressum variabiie, fissile, intense cinnamomeum,
lineis duabus albis parallel is longitndine corporis. Cephalopori bre-
vissimi convergentes. Proboscidis egressus .... Os exiguum ovale
Longit. ultra 2', latit. max. */a".
Cerebratulus bilineatus Renier: Prospetto della class. dei Vermi 1804.
p. XXI. — Idem Tav. di classif. 1807. VI. — Blainville: Dict. des
sc. nat. LVII. 1828. 574 (ex descript. nee figura).
Sifonentero bilineato Renier : Elem. di Zoolog. III. 1. Tab. XII. 1828.
Cerebratulus bilineatus Delle Chiaje? Mem. sugli anim. s. vert. IV. 204.
Tab. LXII. 9.
Opbiocephalus bilineatus Delle Chiaje? Descr. e notom. degli anim. invert
1841. III. 127. V. 111. Tab. CVI. 9.
Meckelia bilineata Diesing : Syst. Helm. I. 264.
Siphonentei on bilineatum Meneghini: in Renier Osserv. post. 64.
Habitaculum. In mare adriatico (Ken i er).
3. Cerebratulus acutus NARDO.
Corpus depressiini utrinque attenuutum, medio et parte poste-
riore magis comphinatum, marginibus acutis, lacteum, rufescens, sub-
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLV. Bd. I. Abth. 19
Z 7 4 I) i e s i n g.
pellucidum. Caput discrelum ellipsoideum, antice truncatum. Cepha-
lopori breves angusti. Proboscis ex apertura subterminali rimaeformi
longitudinali protractilis. Os angiiste ellipticum. Longit. ad 10", latit.
ad 5"'; longit. capit. ultra 1"', latit. 1'".
Cerebratulus marginatus Baer nee Renier: in Journ. de St. Petersbourg
1847. April.
Cerebratulus acutus Nardo apud Meneghini: in Renier Osserv. post. 65.
Habitaculum. In limo in lagunis Venetis (Nardo) — prope
Tergestum (B a e r).
Animalculum agile nonnuinquam natans.
4. Cerebratulus rnber.
Corpus subeylindricum depressiusculum, lateritium, subtus pal-
lidius. Caput corpore continuum conicum, subtriangulare. Cepha-
lopori marginales. Proboscis ex apertura angusta elongata, haud
proeul ab apice anteriore sita, protractilis. Os . . < . Longit. 4 — 5".
Renieria rubra Girard: in Proceed. Aead. Philad. VI. (1854) 366.
Habitaculum. In arenosis et limosis prope Fort Johnston,
Charleston Harbor (Girard).
5. Cerebratulns inacrostoutus.
Corpus depressiusculum viride-coeruleum. Caput attenuatum.
Cephalopori subterminales breves apice convergentes. Proboscis
ex apertura circulari ante os sita protractilis organis urticantibus
obsessa, apice acetabuliformis, eminentiis 4 Organa urticantia longa
foventibus. Os oblongo-ovale, longitudinale, amplum, ad basin ca-
pitis. Longit. ad 73/4", latit. 4'".
Meckelia macrostoma Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. XIV et 42. Tab.
XI. 92.
Habitaculum. In oceano paeifico, Auckland in Nova Zelan-
dia (Schmarda).
Fortasse hujus generis:
6. Cerebratulus? urticans.
Corpus depressum retrorsum attenuatum, fissile, carneum vel
rufo-brunneum. Cephalopori rimaeforuies paralleli (?). Proboscis
organis urticantibus insignibus et simul corpusculis bacillaribus multo
minoribus inter parietes praedita. Longit. . . .
Meekeliae spec. Max Müller: Observ. anat. de verm. quibusd. marit.
1852.28. Tab. III. 13.
Meckelia (Cnidon) urticans Job. Midier in ejus Arch. 1854. 84.
Revision der Turbellnrien. -i75
Habitaculum. In mare adriatico prope Tergestum (Job.
Müller).
Armatura proboseidis similis illi C. macrostomi Sc hm ar da.
,3) Proboscis terminalis.
LVIII. MECKELIA LEUCKART.
Ascaris, Faseiolae et Planariae spec. Müller. — Borlasiae spec. Oleen. — Gor-
dius Montagu. — Linnens Sowerby. — Carinella Johnston. — Nemertes Jfem-
prich et Ehrenberg. — Ophiocephalus Quoy et Gaimard. — Polia Delle Chiaje.
— Serpentaria Goodsir. — Leodes Girard. — Cerebratulus Stimpson nee
Renier.
Corpus elongatum depressum v. teretiusculum, baud raro sponte
transverse fissile. Caput corpore continuum vel strictura discretum.
Cephalopori duo longitudinales marginales. Proboscis terminalis
protractilis inermis, rarissime pugione et burseolis aciculiferis in-
strueta. Os ventrale infra caput, utplurioium acetabuliforrne. Ocelli
nulli. Sexus et anus . . . Maricolae, utriusque bemisphaerae.
Ex observationibus a cl. viiis Stimpson etSchmarda in animalibus
vivis institutis patet, proboseidem in speciebus suis deseriptis (exeepta Mecke-
lia macrostoma Schmarda) ex apertura tenninali esse protractilem; hinc
genus hoc a praecedente eo modo dilTert quam Borlasia a Valencinia.
Situ proboseidis in omnibus speciebus hujus generis rite cognito, non-
nullae earum fortasse generi piaecedenti adnumerandae erunt. — Principium
firmum in distributione specierum frustra quaesivi et hinc colores in dispositionc
Meckeliarum praedilexi.
Conspectns dispusitionis speciemni.
* Corpus supra album, cinereum vel cinereo-fuscum sp. 1 — 7.
** Corpus supra flavum, flavido-album, ochraceum, aurantiacum vel cro-
ceum sp. 8 — 1 5.
*** Corpus supra viride, olivaceum. fusco-olivaceum v. nigro-viride sp. 16 — 2a.
**** Corpus supra atro-coeruleum sp. 26 — 27.
***** Corpus supra rubrum, roseum, carneum, sanguineo-rubrum, brunneum
vel nigro-fuscum sp. 28 — 45.
Species inquirendae: sp. 46 — 52.
* Corpus supra album, cinereum, vel cinereo-fuscum.
1. Meckelia lactea LEIDY.
Corpus lacteum, teretiuscnlum, expanstim depressiusculum, an-
troisum increscens, postice subacutum, marginibus tenuibus undulatis.
276 D i e s i n g-.
Caput depressiuseulum antice obfusum, mutabile, nunc subconicum,
nunc hastatum. Cephalopori 1 i/zl" longi. Proboscis ... Os longi-
tudinale ovale. Longit. corp. expansi 5 — 6", latit. 3'", crassit. 1'";
corp. contracti 1", latit. 2'"; crassit. \xl%'".
Meckclia lactea Leidy: in Proceed. Acad. Philad. V. (18S1). 243.
Habitaculum. In limo sub Iapidibus et conchis vacuis ad
littora Great Egg Harbor, New Jersey (Leidy).
2. Meckelia iagens LEIDY:
Corpus lacteum, taeniaeforme, retrorsum attenuatum. Caput
depressum, obtusangulum. Proboscis.... Cephalopori profundi.
Os rimaeforme, longituilinale. Longit. uniusulnae; speciminis spiritu
vini servati 15", latit. 8'", crassit. ^i/2'"-
Meckelia ingens Leidy: in Journal Aead. Philad. 2. ser. III. (1855). 11.
Habitaculum. In ostreariis Beesley's Point, New Jersey
(Ashmead).
3. Meckelia albnla STI3IPS0N.
Corpus depressum album, retrorsum dilatatum, pallide aurantia-
cum. Caput strictura discretum, lanceolatum, apiceobtuso, pallide
griseum. Cephalopori ad cervicem usque protracti, rimaeformes.
Proboscis ex apertura minuta protractilis. Os amplum versus tinem
cephalopororum. Longit. 3", latit. 3'".
Meckelia albula Stimpson: Prodr. II. 18.
Habitaculum. In mare Sinensi boreali, latit. bor. 23°, longit.
Orient. 115°; in fundo arenoso profunditate 24 orgyiarum (Stimp-
son).
4. Meckelia .Somatotomus LEUCKART.
Corpus depressum Iigulaeforme retrorsum fissile, obscure
cinereum, inarginibus albo - limbatis. Caput corpore continuum,
trianguläre. Os amplum Iongitudinale bilabiatum. Longit. fragmenti
unius l'/a', alterius fere 3'.
Meckelia Somatotomus Leuchart: Breves animai. descript. 1828. 17. —
Dies. Syst. Helm. I. 263. (excl. Cerebratulo).
Nemertes Somatotomus Oersled: Entw. einer syst. Kinth. d. Blattw. 92.
Habitaculum. Prope Cette (L e u c k a r t).
Vermis hie Nemerti ligurico (Cerebratulo ligurico Quatref.) valde
similis, ast ocellis ael. Leuckart haud memoratis abunde diversus.
Revision der Turbellarien. Zit
5. Meckelia Leuekarti DIESING.
Corpus teretiusculum retrorsum attenuatum, sulcis annularibus
regularibus, lissile, supra griseurn suhtus sordide Hamm. Caput
breve obtuse conicum depressiusculum. Cephalopori insignes antice
arcuatim confluentes. Proboscis ex apertura rimaeformi protractilis.
Os amplum ovale. Longit. 1" 2'", latit. antrorsum ad 2'".
Ncmertes annellata Leuckart: in Troschel's Arch. 1849. I. 153.
Habitaculum. Ad littus austro-occidentale Islandiae (Berg-
mann).
Propter ocellos a cl. auctore haud memoratos speciem hanc Meckeliae
generi adnuraeravi.
6. Meckelia impressa.
Corpus complanatum, in medio dilatatum, utrinque subangusta-
tum, supra griseo - fuscum , lineis impressis (vel sulcis linearibus)
transversis decoloribus. Caput elongatum parvum subtruncatum, cor-
pore inulto angustius, carneum, punctis fuscis prope angulos anticos
laterales. Cephalopori ad cervicem usque producti, rimaeformes.
Proboscis ex apertura minuta protractilis. Os ad basin cepbaloporo-
rum. Longit. fere 4", latit. ad 4'".
Cerebratulus impressus Stimpson: Prodr. II. 16.
Habitaculum. Prope insulas freti Beringiani, in fundo limoso
profunditate 20 orgyiarum (Stimpson),
7. Meckelia bella.
Corpus depressum postice subtruncatum, in medio vix dilatatum,
supra cinereo-luscuin, fasciis aut lineis transversis coeruleo-albis ad
decem oinatum, subtus albuni. Caput breve antice truncaturn, cinna-
barinum. Cephalopori ad cervicem usque protracti, rimaeformes . .
Proboscis ex apertura minuta protractilis. Os . . . Longit. 9"', latit.
ad y4'".
Cerebratulus bellus Stimpson: Prodr. II. 17.
Habitaculum. Prope oras insulae Jesso in concliis vacuis
e fundo limoso profunditate sex orgyiarum (Stimpson).
** Corpus supra tlavum, tlavido-albuni, oehraceum, aurantiacum vel croceum.
8. Meckelia Lizziae GIRARD.
Corpus depressiusculum flavido-album. Caput breve rotundatum.
Cephalopori et proboscis . . . Os ovale anfice acutum. Longit. 6 — 8".
Meckelia Lizziae Girard: in Proceed. Aead. Philad. VI. 367.
278
D i e s i n
Habitaculum. In arena prope Fort Johnston, Charleston
Harbor (Girard).
9. Meckelia Pocohontas GIRARD.
Corpus longissimum depressnm, marginibus acutis, flavido-
album, antrorsum rufescens. Caput corpore continuum, acute coni-
cum. Cephalopori antrorsum convergentes. Proboscis ex apertura
rimaeformi protractilis. Os elongatum angustum. Longit. ad 3';
spiritu vini contr. 1 l/z'.
Meckelia Pocohontas Girard: in Proceed. Acad. Philad. VI. 366.
Habitaculum. Ad oras Carolinae borealis et meridionalis
(Girard).
10. Meckelia piperata ST1MPSON.
Corpus longissimum graeile retrorsum vix dilatatum, supra
pallide fulvum, nigro-punctatum et transverse notatum, fascia longi-
tudinali mediana nigra antrorsum interrupta; marginibus albis. Caput
vix subdiscretum quadrangulare maculis duabus magnis nigris. Cepha-
lopori longi parum convergentes. Proboscis ex apertura ampla pro-
tractilis. Os inter cepbaloporos situtn, parvum, transverse- ovale.
Longit. 8", latit. ultra V" .
Meckelia piperata Stimpson: in Proceed. Acad. Philad. VII. 381.
Lineus piperatus Stimpson: Prodr. II. 16.
Habitaculum. In portu insulae „Kikaisima" Japoniae austra-
lis; sublittoralis inter lapillos et algas (Stimpson).
11. Meckelia gracilis DIESING: Syst. Helm. I. 268.
Habitaculum. Ad littora Hiberniae (Goodsir).
12. Meckelia carmellina DIESING: Syst. Helm. I. 265.
Habitaculum. Drepani in Sicilia (Quatrefages).
13. Meckelia striata SCHMARDA.
Corpus planum flavum, lineis dorsalibus tribus, mediana obscure
rubra, exterioribus rosaceis. Caput vix discretum sublanceolatum.
Cephalopori paralleli, cinnabarini. Proboscis ex apertura ellipsoidea
protractilis. Os subtriangulare antice latius ad basin cephalopororum.
Longit. 9i/2", latit. 2'".
Meckelia striata Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 43. Tab. XI. 95.
II a b i t a c u 1 u in. In oceano indico, ad oram Orientalen! Ceyloniae
sub saxis (Schmarda).
Revision der Turbellarien. tt (\)
14. Mcckclia aurantiaca GRUBE.
Corpus teretiusculum haud proteum, supra aurantiacum, sulttus
marginibusque album. Caput corpore conti nuum, album, supra ma-
cula triangulari violacea frontali. Proboscis inermis. fls... Longit.
corporis expansi i — \*/z", latil. ' ./"; longit. corp. contracti T1/.'",
latit. vV".
Meckelia aurantiaca Grube: in Troscbel's Arcb. 1855.1. 148. Tab. VJI.l.
Habitaculum. Inter plantas marinas in limo, in sinn prope
Villafranca rarius (Grube).
Cephaloporis nullis observatis fortasse potius Borlasiae quam Meckeliae
species. — Animalculum agile, serpentis nioilo natans. — Corpus fragile.
15. Meckelia fittata DIESING: Syst. Helm. I. 266.
Habitaculum. Ad Australasiam prope Hobart -Town (Quoy
et Gaimard).
"** Corpus supra viride, olivaceum, fuseo-olivaceum, vel nigro-viride.
16. Meckelia albovittata STI3IPSOtf.
Corpus gracile, supra viride, subtus pallidius. Caput corpore
continuntn elongatum, subreetangulare, truncatum, corpore angustius,
fascia transversa submeiliana alba, ante fasciam albo-marginatum.
Cephalopori ultra fasciam lorige produeti, rimäeformes. Proboscis ex
apertnra minuta protractilis. Os . . . Longit. 3", latit. ultra 1"'.
Meckelia albovittata Stimpson: in Proceed. Acad. Philad. VII. 382.
Cerebratulus albovittatus Stimpson: Prodr. II. 17.
Habitaculum. Littoralis inter algas in rupium fissuris, ad
insulam Loo Cboo (Stimpson).
17. Meckelia viridis DIESING: Syst. Helm. I. 267 adde:
Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 43.
Habitaculum. In Australasia ad Port - Jackson, inter
Fucos (Quoy et Gaimard) prope Trinkomali ad oras Ceyloniae
(Schmarda).
18. Meckelia trigonocephala SCHMARDA.
Corpus depressiusculum olivaceum. Caput discretum, triangu-
läre. Cephalopori antrorsum convergentes , oblongi, ampli et pro-
fundi, rosaeei. Proboscis ex apertura terminali (?) oblonga ovali
protractilis. Os ovale longitudinale rosaceum ad basin cephalo-
pororum. Longit. 2", 8'", latit. 2'".
280 D i e 8 i n g.
Meckelia trigonocephala Schmarda 1. s. c. 43. Tab. XL 94 (solum pars
anterior).
Habitaculum. In oceano indico, ad oram meridionalem Cey-
loniae, ad rupes Corallium (Schmarda).
Numne, proboscide, ut videtur, haud exacte terminali, potius generi Cere-
bratulo adnumeranda.
19. Meckelia ©leagina STIMPSON.
Corpus supra convexum, antrorsum latins, obscure olivaceum,
retrorsum pallide viride. Caput corpore continuum ejusdemque lati-
tudinis, breve, fronte elliptice rotundata. Cephalopori ad cervicem
usque producti, rimaeformes. Proboscis ex apertura rimaeformi ver-
ticali protractilis. Os amplum ad basin cephalopororum. Longit. 3",
ladt, ultra 1".
Meckelia olivacea Stimpson: Proceed. Acad. Philad. VII. 390.
Cerebratulus oleaginus Stimpson: Prodr. II. 16.
Habitaculum. Portus Simonis apud Promontorium bonae
spei, vulgaris in fundo arenoso, profunditate 15 orgyiarum
(Stimpson).
20. Meckelia olivacea RATHKE. — Dies. Syst. Heim. I. 264.
Cephalopori albi.
Habitaculum. Prope Melde in Norvegia (Rathke).
21. Meckelia Siphuncnlns DIESING: Syst. Helm. I. 266.
Habitaculum. Prope Neapolin (Delle Chiaje).
22. Meckelia macrorrhochma SCHMARDA.
Corpus planiusculurn fusco - olivaceum. Caput discretum,
oblongo - lanceolatum. Cephalopori ad 2y8'" longi, antrorsum
convergentes , sanguineo-rubri. Proboscis ex apertura circulari
protractilis. Os rimaeforme longitudinale fere 2'" longum, rubro-
limbatum, ad basin cephalopororum. Longit. fere 4", latit. ad
2y3'".
Var. ? capensis. Similis praecedenti sed capite obsolete lanceolato
linea mediana rubra et lineis transversalibus albis ineompletis distineta.
Meckelia macrorrhochma Schmarda I. s. c. 43.
Meckelia (capensis) No. 731 •'• Schmarda ibid. 43. Tab. XI. 9(5.
Habitaculum. In oceano paeifico ad oram Novae Zelandiae.
Var. Ad Promontorium bonae spei (Schmarda).
Revision der Turbellarien- 40 1
23. Meckelia ceylanica SCHMARDA.
Corpus taeniaeforme ex viridi brunnescens. Caput corpore con-
tinuuin. Cephalopori longi parallel), rubescentes. Proboscis . . . Os
circulare ad basin cepbalopororum. Longit. fere 4", latit. 2'".
Meckelia ceylanica Schmarda: Neue wirbell. Th. 1. 1. 42. Tab. XI. 93.
Habitaculum. In oceano indico ad oram Orientalen! Ceyloniae
(S c h in a r d a).
24. Meckelia a nun In in GRUBE.
Corpus longissimum depressiusculum retrorsum angustatum,
fusco-viride, faseiis transversis albis dorso interruptis inaequaliter
distantibus 30 — 70. Caput corpore continuum. Cephalopori \l/2 —
2"' longi antrorsum convergentes(?). — Proboscis inermis. Os pro-
teum, retro basin cepbalopororum. Longit. 4 — 15", latit. 1 >/3 — 6'".
Meckelia annulata Grube: Actin. Echinoderm. u. Würmer des Adriatisch
u. Mittelmeeres 58. Fig. 7 et 7 a- — Oersted: in Kroyer's Naturh.
Tidsskr. IV. 579 in nota. — Diesing : Syst. Helm. I. 264 (partim).
— Grube: in Troschel's Arcli. 1855. I. 146 (cum descr. exaeta).
— Idem Ausflug nach d. Quarnero 80.
Nemertes annulata Oersted : Entw. einer system. Einth. d. Plattw. 91.
Habitaculum. Frope Panormum et Neapolin, in cavis saxo-
rum calcareorum ad littus prope Villafrancam solitarie (Grube).
25. Meckelia Rnerii DIESING: Syst. Helm. I. 265.
Habitaculum. Prope Sebenico in Dalmatia (Kner).
**** Corpus supra atro - coeruleum.
26. Meckelia atrocoeralea SCHMARDA.
Corpus longissimum subcylindrieum nigro- coeruleum, lineis
transversalibus albis. Cephalopori oblongi breves subterminales an-
trorsum convergentes, rubri. Proboscis... Os ovale ad basin (?)
cephalopororum. Longit. ad 19", latit. ad 4'".
Meckelia atrocoerulea Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 42. Tab. X. 91.
Habitaculum. In oceano paeifico sub saxis in arena cum limo
mixta ad oram Cbilensem (Schmarda).
27. Meckelia Serpentaria DIESING: Syst. Helm. I. 266.
Habitaculum. Ad littora Hiberniae (G o o d s i r).
282
'** Corpus supra rubrum, roseum, carneum, sanguineo-rubrum, brunneum
vel nigro-fuscum.
28. Meckelia rubella ST1MPSON.
Corpus postice valde dilatatum , pallide roseum. Caput discre-
tum parvum, late lanceolatum. Cephalopori valde eiongati post cer-
vicem producti, rimaeformes. Proboscis . . . Os amplum, longe ellip-
ticum infra Caput. Longit. 2", Iatit. 4"'.
Meckelia rubella Stimpson: in Proceed. Acad. Philad. VII. 382.
Serpentaria rubella Stimpson: Prodr. II. 18.
H abitacul um. In portu Hong-Kong in fundo limoso, profundi-
tate 10 orgyiarüm (Stimpson).
29. Meckelia rosea LEIDY.
Corpus expansnm subcylindrieum, eontractum convexiusculum,
subtus planum, postice obtusum, roseum s. laete carneum, margini-
bus pallidioribus, subtus lioea mediana obscuriore. Caput depressius-
culum, mutabile, nunc subconicum, nunc hastatum albidum. Probo-
scis . . . Os circulare. Longit. 2 — 6"'.
Meckelia rosea Leidy: in Proceed. Acad. Philad. V. (1851) 244.
H abitacul um. In limo sub lapidibus et concbis vacuis ad
littora Great Egg Harbor, New Jersey (Leidy).
30. meckelia Oerstedii.
Corpus antrorsum dilatatum retrorsum attenuatum, roseum vel
brunnescens, fascia flava pulverulenta longitudine corporis. Caput
corpore continuum. Cephalopori antrorsum convergentes, retrorsum
dilatati. Proboscis inermis. Os parvum mutabile, nunc circulare, nunc
quincunciforme. Longit. ad 2", latit. max. 1 yV".
Cerebratula Oerstedii Beneden: Rech. Faune litt; Belgique 16. Tab. II.
1 — 4 (et anatom.).
Ha bitaeul um. Inter saxa et ad plantas marinas in profundo
maris ad oras Belgiae (Beneden).
31. Meckelia carnea DIESING: Syst. Helm. I. 267.
H abitacul um. In littore Daniae (Rathke).
32. Meckelia aostralis STIMPSON.
Corpus depressum crassum, marginibus acutis, carneum. Caput
lanceolatum obtusum. Cephalopori breves. Proboscis ex apertura
I!e\ ision der Turbellarien.
283
minuta protractilis. Os amplum, antice acutum, postice bifurcatum.
Longit 6", latit. ad 4'".
Bleckelia australis Stimpson: Prodr. II. 1tt.
Habitaculuro. In portu Jacksoni Australiens!, sublittoralis, in
arenis läpidosis (Stimpson).
33. Mcckclia striolcntu.
Corpus elongatum, antrorsum convexiusculum, retrorsum depres-
siusculum, postice attenuatum acutum, carneo-rubrum, utrinque linea
marginal! angusta obscure rubra et lineis crebris angustis obscure
griseis vel nigris longitudinalibus antrorsum obscurioribus, margini-
bus corporis trientum duorum ultimorum flavido- griseis; subtus ob-
scure rubrum, antrorsum maculis obscure griseis et linea mediana
alba, retrorsum maculis obscuris nullis, sed linea mediana rubra et
marginibus flavidis; extremitas caudalis pallida, maculis paucis sparsis.
Caput a corpore strictura discretum, corpore parum angustius, elon-
gatum acutiusculum, cinereum maculis longitudinalibus nigris. Cepha-
lopori profundi. Proboscis ex apertura longa rimaeformi protractilis.
Os . . . Longit. corp. expansi 6", latit. ad 3"'.
Leodes striolenta Girard: in Proceed. Acad. Philad. VI. (18o4). 366.
Habitaculum. Sub saxis, prope Furt Jobnston (Girard).
Animaleulum haud fodiens.
34. Meckelia palodicola.
Corpus depressum, utrinque obtusum, postice vix dilatatum,
sanguineo-rubrum, antrorsum nigricans, retrorsum pallide olivaceum.
Caput latum quadratum antice apiculatum. Cephalopori ad cervicem
usque protracti, rimaeformes. Proboscis ex apertura minuta protrac-
tilis. Os ad finem cephalopororum. Longit. 2X/Z ", latit. ultra 1'".
Cerebratulus paludicolus Stimpson: Prodr. II. 16.
Habitaculum. Prope urbem Sinensem Canton, littoralis, in
aquis subsalsis fluvii (Stimpson).
35. Meckelia subacuta STIMPSON.
Corpus antrorsum vix depressum, carneum, retrorsum depres-
sum subdilatatum , sanguineo-fnscum, extremitate postica rotundata.
Caput corpore continuum, lanceolatum. Cephalopori rimaeformes.
Proboscis ex apertura minuta protractilis. Os amplum. Longit. 3i/s",
latit. ultra 1"'.
Meckelia subacuta Stimpson: Prodr. IL 18.
284
D i e s i n
Habitaculum. In portu Napa insulae Loo-Choo, littoralis, in
Iimo (Stimpson).
36. Meckelia sinensis STIMPSON.
Corpus teretiusculum, retrorsum parum dilatatum, rufo-brun-
neum. Caput discretum, elongatum, antrorsum angustatum troncatum,
pallide fulvum, maculis rufo-brunneis, postice confertis, antice sparsis.
Cephalopori ad cervicem usque protracti, rimaeformes. Proboscis ex
apertura minuta protractilis. Os . . . Longit. 1 »/a", latit. ultra 1"'.
Meckelia Sinensis Stimpson : in Proceed. Acad. Philad. VII. 382.
Cerebratulus Sinensis Stimpson: Prodr. II. 17.
Habitaculum. In portu Hong-Kong in fundo conchoso pro-
funditate 10 orgyiarum (Stimpson).
37. Meckelia borealis DIESING.
Corpus elongatum proteum, nunc subcylindricum, nunc passim
constrictum s. moniliforme, rufo-brunneum. Caput corpore continuum
attenuatum. Cephalopori antrorsum convergentes, pallide carnei.
Proboscis pugione subulato basi globoso, manubrio subcylindrico
medio constricto insidente et burseolis aciculiferis duabus instructa.
Os retro cephaloporos situm. Longit. corp. expans. (ex icone) ad
21/a"> contract. vix 1".
Gaimard: Voyage en Scandinavie etc. Zool. (Aporocephala). Tab. E.
1 — 16 (cum fig. anatom.).
Habitaculum. In mare boreali (Gai ma r d).
38. Dleckelia fasciata.
Corpus valde depressum, retrorsum dilatatum, antrorsum sub-
angustatum, purpureo-fuscum, lineis transversis subdistantibus albis
annulatum, linea cervicali latiore. Caput oblongum subdiscretum
fronte subtruncata albo-marginata. Cephalopori ad cervicem usque
producti, rimaeformes. Proboscis ex apertura minuta protractilis.
Os parvum ellipticum, ad finem cephalopororum. Longit. . . .
Cerebratulus fasciatus Stimpson: Prodr. II. 17.
Habitaculum. Apud oras insulae Jesso Japoniae borealis, in
fundo arenoso-limoso profunditate 4 orgyiarum (Stimpson)-
39. Meckelia cingalata STIMPSON.
Corpus teretiusculum gracile, purpureo-fuscum, albo-annulatum,
annulorum angustorum dislantium binorum paribus ad decem. Caput
discretum corpore multo angustius, oblongum, antrorsum subattenua-
Revision der Turbellarien. vOi)
tum truncatum, albo-marginatum, fascia transversa bilunata alba, ante
medium sita. Cephalopori ad cervicem usque producti, rimaeformes.
Proboscis ex apertura minuta protractilis. Os parvuin ad basin capi-
tis. Longit. 4", latit. U/S'.
Meekelia cingulata Stimpson: in Proceed. Acad. I'hilad. VII. 381.
Habi taculum. Prope insulain Sinensem Hong-Kong inter
lapillos, profunditate 25 orgyiarum (Stimpson).
40. Meekelia Borlasii DIESING: Syst. Helm. I. 265 adde:
Lineus longissimus lieaüie : in Proceed. Zool. Soe. London 1858. 307 et
in Ann. of nat. hist. 3. ser. III. (1859) 160 (de partu pulli 18" longi
et 23'" lati e speeimine aqua niarina servato).
Habitaculo adde: Ad oras Angliae, Februario (Beattie).
41. Meekelia Beattiaei J. E. GRAY.
Corpus longissimum proteum, fissile. Caput obtusum. Cepha-
lopori breves subparalleli. Proboscis . . . Os amplum longitudinale.
Longit. 18—20".
Lineus? Beattiaei J. E. Gray: in Proceed. Zool. Soc. London 1857. 210.
Tab. XLVIII.
Habitaculum. Ad oram prope Montrose, Julio (Beattie).
Corpus fissile prinium in partes duas, fere aequales, parte postica vero
denuo in segmenta 32 per totam diem mobilia divisa; pars antica per dies
duas vivens sub continua inutatione formae , quandoque segmentum ulterius
dejiciens.
42. Meekelia fasca DIESING: Syst. Helm. I. 266 adde:
Cephalopori prol'undi marginibus prominulis, antice arcuatim
confluentibus. Proboscis ex apertura brevi rimaeformi protractilis.
Os longe ovale 3/3"' retro apicem anticam situm.
Nemertes fusca Leuchart: in Troschel's Arch. 1849. I. 152.
Habitaculum. In littore Norvegiae (Ström) — Grönlandiae
prope Pullateriak (Fabricius); ad littus austro-occidentale Islandiae
(B ergm a n n).
43. Meekelia Ehrenbergii DIESING: Syst. Helm. I. 267.
Habitaculum. Prope Tor Arabiae, inter Corallia serpit
(Hern p rieh et Ehrenberg). — Panormi? (Grube).
44. Meekelia nigrofusca.
Corpus gracillimum , sublineare, retrorsum subattenuatum, de-
pressiusculum, supra e rubro-fusco nigricans. Caput corpore con-
286 D i e s i ii g.
tinuum , elongatum, fronte truncata dimidiam latitudinem occipitis
metiens. Cephalopori ad cervicem usque protracti , rimaeformes.
Proboscis ex apertura minuta protractilis. Os lineare pone finem
cephalopororum. Longit. 5*4", latit. 3/4"\
Cerebratulus nigrofuscus Stimpsofi : Prodr. II. 17.
Habit acutum. Ad insulam Ousima Japoniae australis, littoralis,
inter lapillos (Stimpson).
45. Meckelia nigra STIMPSON.
Corpus antrorsum angustatum, e purpureo nigricans, retrorsum
depressum et subdilatatum, pallescens. Caput subdiscretum, elonga-
tum, antrorsum angustatum, antice truncatum, macula alba ad pro-
boscidis aperturam. Cephalopori ad cervicem usque protracti, rimae-
formes. Proboscis ex apertura minuta protractilis. Os... Longit. 3",
latit. vix 2'".
Meckelia nigra Stimpson: in Proceed. Acad. Philad. VII. 382.
Cerebratulus niger Stimpson: Prodr. II. 17.
H abitaculum. In portu Sinensi Hong-Kong, in fundo conchoso,
profunditate 10 orgyiarum (Stimpson).
Speeies inquirendae:
46. Meckelia coeca.
Corpus lineari-depressum, retrorsum paulurn angustius, cauda
filiform! terminatum, supra cinereo-albescens subtus album. Longit...
Nemertes cocca Oersted: in Kroyer's Naturhist. Tidskr. I. 1844 —
1845. 419.
Habitaculum. Ad littus Norvegiae (Oersted).
47. Meckelia depressa DIESING: Syst. Helm. I. 269.
48. Meckelia pallida DIESING: Syst. Helm. I. 268.
49. Meckelia Cerebratulus DIESING: Syst. Helm. I. 269.
Speeies quidem descriptae, ast libris, in quibus fusius sunt descriptae, mihi
non prostantibus, nomine solum notae.
50. Meckelia angulata DIESING: Syst. Helm. I. 268.
51. Meckelia atra GIB ARD:
in Proceed. Bost. Soc. IV. (1852) 137.
52. Meckelia fragilis GIB ARD:
in Keller u. Ticdemann's Nord-Amer. Monatsber. für Natur- und
Heilk. 11. 1851. 1.
llabi t it cm I ii in. Massachusetts.
Revision dei Turbellarien. £87
LIX. DIPLOPLEURA STIMPSON.
Corpus elongaturtj dilatatum, marginibus pone caput revolutis,
in linea dorsali mediana vix eontiguis. Caput discretum. Cepha-
lopori diio marginales longitudinales. Proboscis terminalis protrac-
tilis. Os ventrale retro Citput situtn. Ocelü nulli. Sexus et anus...
Maris Japonici incolae.
Genus hoc a praecedente simili modo dillert quam Convoluta a spe-
ciebus Mesopharyngis et Monocelidis cum ea in genere Monoto junctis.
1. Diplepleara Japonica STIMPSON.
Corpus gracile helvoliim. Caput trianguläre v. subcordatum.
Cephalopori rimaeformes ad cervieem usque protracti. Os parvum.
Longit. li/o", latit. ii/4'".
Diplopleura Japonica Stimpson : Prodr. II. 18.
Habitaculum. In sinn Kagosima, insulae Kinsiu, in Japonia,
in arenis, profunditate 5 orgyiarum (Stimpson).
LX. OPHIOCEPHALUS DELLE CHIAJE.
Corpus elongatum supra convexum, subtus planum. Caput a
corpore discretum. Cephalopori quatuor longitudinales antice cru-
ciatim couvergentes. Proboscis terminalis protractilis. Os ventrale
retro basin capitis situm. Ocelli nulli. Sexus et anus . . . Maricolae
utriusque hemisphaerae.
1 . Ophiocephalus mnrenoides DELLE CHIAJE. — Dies. Syst. Helm. I.
277.
Habitaculum. Prope Neapolim? (Delle Chiaje).
2. Ophiocephalas auripunctatus GRUBE.
Corpus teretiusculum antrorsum increscens, supra convexius-
culum, subtus planiusculum rubro-purpureum, maculis aureis orna-
tum. Caput a corpore sulco annulari discretum, rotundatum. Cepha-
lopori inaequales, duobus marginalibus longitudine capitis, dorsali et
ventrali multo brevioribus. Os circulare, clausum v. apertum, retro
basin capitis. Longit. ultra 10", latit. antrors. 3'", retrors. iya'".
Ophiocephalus auripunctatus Grube: in Troschel's Arch. 1855. 1. 149.
Tab. VII. 2 (fig. part. anter.).
Habitaculum. Prope Aztk in mare Ochotskico (Tiling).
288 D i e s i n g.
3. Ophiocephalus heterorrhochmus SCHMARDA.
Corpus teretiusculum supra magis convexum, brunneo -rubrum.
Caput subdiscretum ellipticurn. Cephalopori rubri, inaequales duo-
bus marginalibus longitudine capitis, dorsali et ventrali multo brevio-
ribus. Os circulare ad basin capitis. Longit. ultra 21/2", latit. li/2'".
Ophiocephalus heterorrhochmus Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 45.
Tab. XI. 101.
Habitaculum. In oceano pacifico sub saxis in arena cum luto
mixta (Schmarda).
Familia XXVI. Loxorrhochmidea Dies. Corpus
teretiusculum filiforme v. depressiusculum, haud raro proteum. Caput
corpore continuum v. discretum. Cephalopori transversales interdum
obliqui, bini et tunc oppositi v. juxtapositi, aut quatuor, binis oppo-
sitis. Proboscis terminalis plerumque pugione et burseolis aciculiferis
instructa. Os ventrale antrorsum situm. Ocelli 2, 4 vel numerosi.
Sexus discretus. Anus terminalis posticus. Maricolae. — Formae
minores et mediocres.
LXI. CEPHALONEMA STIMPSON.
Corpus teretiusculum filiforme. Caput strictura discretum,
rhomboidale, antrorsum subconicum. Cephaloporus transversus in
utroque latere. Proboscis terminalis protractilis. Os . . . Ocelli duo.
Sexus et onus . . . Marium orientalium incolae.
1. Cephalonema branniceps STIMPSON.
Corpus subpellucidum pallide flavo-carneum, gracile, retrorsum
attenuatum. Caput antice obscure fuscum , postice fulvum , fascia
transversa alba ante ocellos, fronte lineis tribus albis notata. Ocelli
occipitales. Longit. 2", latit. circa */,"'.
Cephalonema brunniceps Stimpson: Prodr. II. 19.
Habitaculum. Sublittorale sub lapidibus in limo poitus Si-
nensis Hong-Kong (Stimpson).
LXII. TETRASTEMMA HEMPR. et EHRENB. Charact. reform.
Planariae spec. Äbildgaard. — Nemerlis spec. Johnston et Diesing. — Prosto-
matis spec. Johnston. — Poliae spec. Quatrefages. — Hecate Girard.
Corpus filiforme teretiusculum vel depressiusculum, proteum.
Caput corpore continuum v. discretum. Cephalopori marginales duo
transversales, interdum obliqui, ciliati vel nudi. Proboscis terminalis
Revision der Turhellarien. 28i)
haut! raro e plica transversa protraetilis, pugione et burseolis aci-
culiferis 1 — 2 instructa. Os ventrale antrorsum situm. Ocefli quatuor
in quadrangulum dispositi. Sexus discretus. Anus terminalis posticus.
— Maricolae. — Formae longitudinis mediocris, aliquot linearum vel
pollicum.
Nee situs proboseidis ae oris, nee praesentia cephalopororum, nee plica
transversalis in omnibus speciebus exaeto cognitae. — In Tetrastemmate
obscuro , specie ovovivipara a el. Schwitze sedulo examinata, proboscis
pugione et burseolis acieuliferis est instructa.
1 . Tetrastemina flavidum BEMPRICH et EHRENBERG. - Dies. Syst.
Helm. I. 257.
Habitaculum. Inter Tubiporae Coiallia prope Tor (Hem-
p rieh et Ehrenberg).
2. Tetrastemma varicolor OERSTED. — Dies. Syst. Helm. I. 257.
adile:
Ocrsted: De region. marin. 80.
Habitaculum. Ad littora Daniae (Abildgaard); ad Lami-
nariam in tubülo membranaceo hyalino angusto; in regione argillacea
s. Buccinoideorum , aestate, in freto üresund (Oersted); Helgo-
landiae (Frey et Leuckart); Angliae (Johnston); Galliae ?
(Quatrefages).
3. Tetrastemma fnscom OERSTED. — Dies. Syst. Helm. I. 257.
adde:
Oerxted: De region. marin. 80.
Habitaculum. In regione argillacea s. Buceinoideorum aestate
Kullen in freto Öresund (Oersted).
4. Tetrastemma rofescens OERSTED. — Dies. Syst. Helm. I. 258.
Habitaculum. In sinu Codano (Oersted).
5. Tetrastemma subpellucidum OEIiSTED. - Dies. Syst. Helm. I.
258.
Habitaculum. In sinu Codano (Oersted).
6. Tetrastemma assimile OERSTED. — Dies. Syst. Helm. I. 258.
H a b i t a c u 1 u m. In arenosis freti prope Snedkersteen (0 e r s t e d).
7. Tetrastemma famosam DIESING.
Corpus planum proteum, fusco- viride. Caput corpore conti-
nuum apice truncatum. Ceplutlopori elliptici, lati, margine elevati.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLV. Bd. I. Abth. 20
290 Diesing.
Proboscis pugione et burseolis aciculiferis duabus instructa. Oeelli 2
in utroque margine, brunneo-nigri. Longit. 1 — i1/^'-
Polia fumosa Qiiatrefages: Rech. anat. et physiol. Tab. XIV. 9 — 11. —
Idein Annal. des sc. nat. 3. ser.VI. 206, 207.
Nemertes fumosa Diesing: Syst. Helm. I. 269.
Habit acul um. Prope St. Vaast et ad insulam Brehat, vulgaris
(Q uatrefages).
8. Tctrasteninia vermicalus STIMPSON.
Corpus depressiusculum filiforme flavido-roseum. Caput cor-
pore eontinuum. Cephalopori parvi oblique transversi ciliati. Pro-
boscis pugione et burseolis aciculiferis duabus instructa. Oeelli per
paria dispositi. Longit. 1 — ly2".
Poüa vermiculus Qiiatrefages : Rech. anat. et phys. Tab. IV. 12 — 15. —
Idem in Annai. des sc. nat. I. s. c. 214.
Nemertes vermiculus Diesing: Syst. Helm. I. 270.
Tetrastemma? vermiculus Stimpson: Prodi* . II. 19.
Habitaci.il um. Ad insulam Brehat, in rupium tissuris, minus
frequt-ns (Q uatrefages).
9. Tetrastemma homilis STIMPSON.
Corpus planum proteum, fusco-brunneum. Caput corpore eon-
tinuum. Cephalopori longi oblique transversi. Proboscis pugione et
burseola aeiculifera dextra instructa. Oeelli in rectangulum dispositi.
Longit. 4— 5".
Polia humilis Qiiatrefages: Rech. anat. et phys. Tab. XI. 5 (Spermatozoid.).
XIV. 7 (Anat.). XVI. 2—4. — Idem in Annal. des sc. nat. 1. s. c. 212.
Nemertes humilis Diesing: Syst. Helm. I. 270.
Tetrastemma? humilis Stimpson: Prodi*. II. 19.
H ab i tac ulum. La Torre dell'Isola, in Sicilia (Qiiatrefages).
10. Tetrastemma sangnirnbraui STIMPSON.
Corpus teretiusculum filiforme flavido-roseum. Caput a corpore
strictura discretum. Cephalopori parvi subcirculares. Proboscis pu-
gione armata? Oeelli in quadrangulum dispositi. Longit. 3 — %x/z".
Sanguis ruber.
Polia sanguirubra Qiiatrefages: Rech. anat. et phys. Tab. XI. 3 et 7. XII. 1.
(Anatom.) XV. 10—12. — Idem in Annal. I. c. 208, 209.
Nemertes haematodes Diesing: Syst. Helm. I. 270.
Tetrastemma? sanguirubrum Stimpson: Prodr. II. 19.
Habitaculum. Prope St. Vaast, St. Malo et ad insulam Brehat,
in oslreariis (Q uatrefages).
Revision «ler Turbellai'ien. £v 1
1 1. Tetrasttuima nielanocephalam.
Corpus teretiusculum lineare, lacteo-flavescens. Caput linea
transversa media fusca. Cephalopori parvi. Proboscis ... Ocelli in
quadrangulum dispositi. Longit. l'/a'', latit. l/a"'.
Nemertes melanocephala Johnston: in Map. of Zool. and Botany. I. 535.
Tab. XVII. 5. — Oersted: in Kroyer's Naturh. Tidsskr. IV. 577. -
[dem: Entw. einer syst. Einth. d. Plattw. 88. — Thompson: in Ann.
nat. bist. XVIII. 387. — Diesing: Syst. Helm. I. 270.
Prostoma melanocephala Johnston: in Ann. of nat. hist. XVI. 436.
Habita cul um. Ad littora Angliae (Johns ton), in sinn Co-
dano (Oersted), ad littora Hiberniae (Thomson).
12. Tetrastemma obscurnm SCHULTZE.
Corpus subeylindricum, antrorsum parum attenuatum, ciliatum,
obscure olivaceum. Caput corpore continuum. Cephalopori trans-
versales, lineares, ciliati. Proboscis per intussusceptionem retractilis,
parte anteriore intus papillis obsita, pugione subulato manubrio
cylindrico medio constricto insidente, et bnrseolis duabus aciculas
auxiliarias 2 — 4 ineludentibus instructa. Os antrorsum situm, rimae-
forme. Ocelli duo anteriores inter se parum approximati. Longit.
fere 1 — 2</V', latit. i/t— 1'".
Vasa circulationis tria contractilia, haud ramosa, rhytmice undulantia,
longitudinalia, antrorsum et retrorsum anastomosantia, liquore limpido repleta.
— Vasa aquifera: trunci duo longitudinales ramosi, passim intus ciliis vibranti-
bus obsessi, singulus apertura dorsali in medio fere corporis sita instructus.
Ovovivipara.
Animalculi ovulo vix exclusi, Vto"' l°n?i> corpus ovatum, ciliatum, ocellis
nullis, proboscide nee pugione nee burseolis aciculiferis instructa (Schultze).
Ovarium per totam corporis longitudinem decurrens. Ovula solitaria cap-
sulis pedieellatis inclusa, in cavitate corporis inter cutem et interstitia sacculo-
rum biliarium nidulantia (Beneden).
De individuis a cl. Beneden lectis , cephaloporis quatuor , sanguine
rubro et vasis divisis instruetis (fig. 10 et ii) confer genus Loxorrhochma
Schmarda.
Tetrastemma obscurum Schultze: Beitr.Turbell. 62 — 66. Tab. VI. 2—10.
— Idem: in Zeitscbr. f. wissensch. Zool. IV. 184 (de vasis aquiferis
apertura duplici instruetis). — Idem: in V. Carus' Icon. Zootoni.
Tab. VIII. 10—13 (cum anatom.). — Leuckarl: in Gott, gelehrt-
Anzeig. 1851. 1941.
Polia obscura Beneden: Bech. Faune litt. Belgique. 23—28, 46 et 47.
Tab. IV. 1—9 (et 10, 11?).
20*
292 L» i e s i u g.
Habitaculum. Inter Algas et ligna submersa in mare baltico
prope Grypbiam, Aprili (Schultze); ad Fucos et ad Ostreas, indi-
vidua adulta organis genitalibus haud evolutis fine Septembris, semel
et femina gravida, tubulo membranaceo byalino inclusa, Ostendae
(Beneden).
13. Tetrastemiiia capitata!» IUESING.
Corpus depressiusculum proteum, flavum, vitta dorsali mediana
pallidiore longitudine corporis. Caput a corpore strictura discretnm.
Cephalopori transversales distincti. Prohoscis pugione subulato,
niannbrio subcylindrico medio constricto insidente, burseolisque aci-
culiferis duabus, singula aciculas dnas continentes, instructa. Ocelli
duo anteriores invicem magis approximati. Longit. 41/2'".
Secundum cl. Beneden duetus exeretorius in foveolam capitis (cephalo-
porum) excurrit; apertura foveolae ciliis major ibus instructa.
Polia capitata Beneden: Rech. Faune litt. Belgique 28. Tab. IV. 12 — 16
(anatom.).
Habitaculum. Inter stirpes Sertularinarum ad oras ßelgiae
(Bene den).
14. Tetrastemma stigmatum STMPSON.
Corpus teretiusculum gracile, pallide anrantiacum. Caput dis-
cretuni, paulo longins quam latum, antice subattenuatum. Cephalo-
pori validi; pone ocellos anteriores fascia transversa obscure rubra.
Prohoscis... Ocelli posteriores paulo majores. Longit. 1", latit.
vix i/s'".
Tetrastemma stigmatum Stimpson: Prodr. II. 19.
Habitaculum. In fundö limoso et algoso profunditate 6 or-
gyiarum in siuu Hakodadi insulae Jesso (Stimpson).
15. Tetrastemma iacisom STIMPSON.
Corpus teretiusculum utrinqne subattenuatum, pallide fuscum.
Caput strictura discretnm qua dran gulare, dimidio longius quam latum.
Cephalopori transversales lineares, interoculares. Prohoscis.. . Ocelli
aequales. Longit. ad 5'", latit. ad l/t".
Tetrastemma incisum Stimpson: Proceed. Acad. Philad. VII. 380. —
Idcm Prodr. II. 19.
Habitaculum. In fundo arenoso et algoso profunditate 12
orgyiarum prope Promontorium bonae spei (Slimpson).
I!i'\ ision der Turbellai ien Z «j«>
16. Tetrustcmma longccapitatum OERSTED.
Corpus lineare postice cauda minuta terminatum, griseo-Iute-
scens. Caput anlief subtruncatum, 3 — 4plo longius quam latum.
Cephalopori. . '. Proboscis... Ocelli 4 subfröntales approximati,
posteriores inter se magis remoti. Longit. 10 — 11".
Tetrastemma longeeapitatum Oersted: in Kroyer's Naturh. Tidsskr. I.
1S44-184Ö. 418.
Habitaculum. E profunditate maris 50 orgyiarum, prope
Dröbak in Norvegia (Oersted).
17. Tetrastemina dabium OERSTED.
Corpus öblongo- lineare, retrorsum dilatatum postice obtusüm
griseo-flavescens. Caput a corpore linea transversali discretum simulac
angustius, antice obtusum, duplo a longius quam latum. Cephalopori
transversales lineares interoculares. Proboscis . . . Ocelli anteriores
subterminales. Longil. 3'".
Tetrastemma dubium Oersted: in Kroyer's Naturhist. Tidsskr. I. 418.
Habitaculum. E profunditate SO orgyiarum prope Dröbak
in Norvegia (Oersted).
Speeres i n qu i r e n d a e :
18. Tetrastemina candidum EHRENBERG.
Akal. d. rothen Meeres 66.
Tetrastemma candidum Oersted- — Diesing: Syst. Helm. 1. 258.
19. Tetrastemina groenlandicum D1ESING: Syst. Helm. I. 259.
20. Tetrastemma Siphnnculos OEIiSTED. — Dies. Syst. Helm. I. 259.
21. Tctrastemma farinosum.
Corpus subeylindricum, diversis coloribus farinoso-adspersum,
maculis nigris marginalibus aequaliter distantibus. Caput discretum.
Longit. 41/,'".
Organa genitalia nondum evoluta.
Polia iarinosa Beneden: Rech. Faune litt. Belgique. 29. Tab. IV. 17.
Habitaculum. Ad fasciculos Sertularinarum ad oras Belgiae
(Bened e n).
22. Tetrastemma.
Tetrastemma spec. M. Schnitze: in Carus leon. Zool. Tab. VIII. 1!>
(proboscis et Organa genital ia feminea).
Habitaculum. Tergesli (Schult ze).
294 D i e s i n g.
23. Tetrast eiiima serpentina GIRARD:
in Keller et Tied emann's N.Amer. Monatsber. II. 1851. 1. — Stimp-
son: in Smith son's Contrib. VI. 28.
Habitaculum. Massuchusetts (...); Grand Manon (Stimps.).
24. Tetrastemma elegans SCHMARDA.
Hecate elegans Girard: in Proceed. Bost. Soc. nat. hist. IV. (1852) 185.
Tetrastemma elegans Sclimarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 38.
25. Tetrastemma Krohnii.
Corpus filiforme depressiusculum, griseo-virescens. Proboscis
armata, haud vaginata. Ocelii 4, in quadrangulum dispositi. Longit. 2'".
Nemertes Krohnii Köliiker: in Verhandl. d. Schweiz, naturf. Versamml.
Chur, im Juli 1844. Chur 1845. 89. — Siebold: in Troschel's
Arch. 1850. II. 382.
Habitaculum. Inter plantas marinas in fretu Messinae (Köl-
iiker).
26. Tetrastemma Ehrenbergii.
Corpus filiforme depressiusculum, obscure viride. Proboscis
armata haud vaginata. Ocelii 4. Longit. 4 — 5.
Nemertes Ehrenbergii Köliiker: in Verhandl. d. Schweiz, naturf. Gesell-
schaft zu Chur im Juli 1844. Chur 1845.89. — Siebold: in Troschel's
Arch. 1850. II. 382.
Habitaculum. Inter plantas marinas in fretu Messinae (Köl-
iiker).
27. Tetrastemma roseum.
Corpus depressiusculum roseum. Proboscis armata. haud vagi-
nata. Ocelii 4 in quadrangulum dispositi. Longit. 3 — 3 t/V".
Nemertes roseus Köliiker: in Verh. d. Schweiz, naturf. Gesellsch. Chur,
Juli 1844. Chur 1845. 89. — Siebold: in Troschel's Arch. 1850.
II. 382.
Habitaculum. Inter plantas marinas in fretu Messinae (Köl-
iiker).
Situs cephalopororum in speciebus 25., 26. et 27. et dispositio ocellorum
in specie 26. in excerpto saltem non indicantur; acta soc. nat. scrut.
helvet. in bibliothecis publicis frustra quaesivi.
LXIII. DITACTORRHOCHMA DIESING.
Corpus elongatuin proteum. Caput a corpore discretum sub-
triangulare. Cephalopori duo ventrales, transversales, juxtapositi,
Hi'wsmpii der Tnrbellarien. ^Jl.)
arcuati, ciliati. Proboscis terminalis protractilis pugione <il bur-
seolis aciculiferis duabus (?) instructa, versus apicem appeudieibus
foliaeeis cineta. Os ventrale versus capitis basin. Ocelli numerosi.
Sexus et anus . . . Maris aretici incolae.
1. Ditactorrhorhma typicum DIESING.
Corpus subaequale lateritium. Cephalopori horizontales, arcuati
antice convexi. Os rimaeforme longitudinale. Proboscis pugione
subulato manubrio subeylindrico insidente. Longit. \" — 1"8'"
(seed. icon.).
Ganglia eerebralia duo commissuris duabus inter se juneta, fila nervea
antrorsum emittentia.
Gaimard: Voyage en Scandinavie etc. Zool. (Aporoceph.) Tab. C.
1 — 22 (cum fig. anatom.).
Habitaculum. In mare boreali (Gaimard).
LXIV. LOXORRHOCHMA SCHMARDA.
Poliae spec. Qualrefages et Beneden. — Nemertis spec. Diesing.
Corpus filiforme depressiusculum. Caput corpore continuum.
Cephalopori quatuor transversales, bini oppositi. Proboscis termi-
nalis, pugione et burseolis aciculiferis duabus instructa. Os ventrale
antrorsum situm. Ocelli quatuor in quadrangulum dispositi. Sexus
discretus. Anus terminalis posticus. Maricolae hemisphaerae borea-
lis. — Formae medioeres, 1 — 2 pollicares.
1. liOiorrhochma coro na tu in SCHMARDA.
Corpus coeruleo-vinde. Caput fascia transversa violacea inter
ocellorum par primum et seeundum. Longit. vix 2".
Polia coronata Quatrefages: in Annal. des sc. uat. 3. ser. VI. 213 et
Rech. anat. et phys. Tab. XIII. 6-9.
Nemertes coronata Diesing: Syst. Helm. I. 271.
Loxorrhochma coronatum Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 39.
Habitaculum. In rupium tissuri;, vulgaris ad insulam ßreliat
(Quatrefages).
2. Loxorrhochma obscnrain DIESING.
Corpus obscure olivaceum. Longit. . . .
Vasa longitudinalia inarginaüa divisa; sanguis ruber.
Polia obscura (foveolis quatuor) Beneden: Recherch. Faun. litt. Bel-
gique 26 et 34. Tab. IV. 10. II.
4tlb D i e s i n g.
Habitaculum. Ostendae simul cum Tetrast emmate obscuro
(Beneden).
Familia XXVII. Euneniertinea Dies. Corpus de-
pressum v. teretiusculum, haud raro proteum. Caput corpore eon-
tinuum v. subdiscretum. Cephalopori duo longitudinales marginales,
continui vel bipartiti. Proboscis terminalis aut in capitis pagina ven-
trali, inermis v. pugione armata, aut apice capitellata et tunc parte
basilari organis urticantibus obsessa. Os ventrale subterminale vel
infra caput situm. Ocelli 2, 4, 6 — 12 aut numerosi varie dispositi.
Sexus discretus. Anus terminalis posticus. Maricolae, rarissime aqua-
rum dulcium incolae. — Formae majores, utplurimum pollicares, imo
pedales.
Evolutio in nonnullis s«aitem speciebus generis Nemertis via metamorphosis.
a) Proboscis infera.
LXV. QUATREFAGEA DIESING.
Valenciniae spec. Quatrefages. — Nemertis spec. Viesing.
Corpus elongatum. Caput a corpore discretum. Cephalopori
duo longitudinales marginales. Proboscis ex apertura in capitis pagina
ventrali protractilis, armata. Os.. . Ocelli numerosi. Sexus et anus. . .
Maricolae bemisphaerae borealis.
Quatrefagea a Aemer^' pari modo dift'ert quemadmodum Cerebratulus a Meckelia.
1. Quatrefagea insignis DIESING.
Corpus rosaceum. Cephalopori ampli. Ocelli 4 minimi ante
cephaloporos in lineam seriati, subsequentes 5 — 6 in acervum circu-
larem retro cepbaloporos situm, binique maximi in capitis linea
mediana dispositi. Longit. 2 — 3".
Valencinia dubia Quatrefages : in Anna), des sc. nat. 3. ser. VI. 190, 191.
et Rech. anat. et phys. Tab. IX. 6.
Habitaculum. In limo arenoso cum Arenicolis prope insulam
Chausey (Quatrefages).
ß) Proboscis terminalis.
LXVI. POLYHOPLA DIESING.
Nemertis spec. Sehmarda.
Corpus taeniaeforme. Caput subdiscretum. Cephalopori duo
longitudinales marginales. Proboscis terminalis apice capitellata, in
Revision der Turbellarien. Co i
partem basilarem crassiorem cylindricam, organis urtieationis magnis
numerosis obsessam, usque ad capitellum retractilis. Os vetotrale sdb-
terminale, transverse rimaeformp. Ocelli numerosi in acervos quatuor
dispositi. Sexus et anus. — Aquarum dulcium Americae centralis
incolae.
Caput musculis utrinque (! retraetoribus praediturn. Organa urtieationis in parte
basilari proboseidis: capsulae cylindrieae eirciter80, stylis brevibus acutis glochi-
dibus (inobilibus?) instruetis, '/joo'" longis, prominentibus obsessae. Capitellum
proboseidis capsulis similibus ad 30 instruetum. Oesophagus (pharynx) muscu-
losus antrorsum dilatatus band protractilis. Appendices intestini sub extensione
animalis fere evanescentes. Systema vasorum: canales duo longi cum intestino
decurrentes, antice et postice anastomosantes, inter caput et corpus in sinus
duos globosos contractiles seu corda dilatali. Vasa duo cum prioribus decur-
rentia, extus patentia (?) (vasa aquifera). Systema nervorum: ganglia duo
oblong» eoalita. — Motus animaleulorum glisecns vel natans (Sei) mar da).
1. Polyhopla Newertes DIESING.
Corpus retrorsum attenuatum flavidulum, tractu eibario brunneo
transparente. Caput olttuse lanceolatum. Cephalopori subparalleli,
longe ciliati. Proboscis ex apertura subovali ciliata protractils. Os
rimaeforme breve, ciliatum. Ocellorum acervi quatuor pone apicem
capitis, exteriores majores ocellis 13 eonipositi, quorum 12 in lineas
transversales 4 dispositi, interiores minus conspicui, lineares. Longit.
ultra 9'", latit. »yV".
Nemertes polyhopla Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. pag. XIV. et
44—45. Tab. XI. 100 (cum anatom.).
Habitaculum. In aqua dulei lacus Nicaraguae in America
central i (Schmarda).
LXVII. NEMERTES CUVIER. Charact. reform.
Planariae spec. Müller. — Borlasiae syec. Rathke. — Polystemmatis et Prostomi
spee. Johnston. — Cerebratuli et Poliae spec. Quatrefages. — Notospermus
Huschke. — Notogymnus Hemprich et Ehrenberg.
Corpus elongatum depressum vel teretiusculum. Caput corpore
continuum vel subdiscretum. Cephalopori duo longitudinales margi-
nales convergentes vel parallel!. Proboscis terminalis protractilis
inermis vel pugione armata. Os ventrale infra caput sittim. Ocelli 2,
4, 6 — 8, 10. 12 vel numerosi1). Sexus diseretus. Anns terminalis
l) In conspectu familiarum et genenim ,jam pridem absoluta praesentia ocellorum qua-
tuor non est iudicata.
298 ü i e s i n g.
posticus. Maricolae hemisphaerae borealis, rarissime australis *).
Formae mediocres vel majores aliquot lineas longae, pollicares, imo
pedales.
Evolutio in nonnullis saltem speciebus via metamorphosis.
* Ocel Ii du o.
1. Nemertes carcinophila KöLUKER.
Corpus subcylindricum depressiusculum pallide aurantiacum.
Proboscis pugione unico armata haud vaginata. Ocelli 2 elliptici.
Longit. 1 — -3'".
Nemertes carcinophilus Kölliker : in Verhandl. d. Schweiz, naturf. Ge-
sellsch. in Chur 1844. Chur 1845. 89. — Excerpt. Siebold: in Tro-
schel's Arch. 1850. II. 382.
Habitaculum. Inter acervos ovulorum Cancern brachyuri
prope Messinam (Kölliker).
2. Nemertes? microcephala OERSTED.
Corpus lineare utrinque pauliilum angustatum, obtusum, sub-
pellucidum, fusco-grisescens. Caput parvum subreniforme. Pro-
boscis . . . Ocelli 2 pone marginem anteriorem. Longit. 8"'.
Nemertes? microcephala Oersted: in Kroyer's Naturhist. Tidsskr. I.
1844—1845, 418.
Habitaculum. In profunditate maris 40 orgyiarum prope
Dröbak in Norvegia (Oersted).
Ä* Ocelli 4, 6-8.
3. Nemertes socialis LEIDY.
Corpus lineare depressum, postice obtusum v. subacutum, supra
nigrum, sublus fusco-cinereuin, interdum totumfusco-ciiiereum. Caput
corpore contimium, subacutum, interdum apice nigrum. Proboscis...
Ocelli 4 — 8 per paria poslposita disposili. Longit. ad 6", latit. i/3'".
Nemertes soeialis in Journ. Acad. Philad. 2 ser. III. 11.
Habitaculum. Abunde ad radices Corallinarum, Point Judith
in America septentrionaü (Leidy).
4. Nemertes rufa DIESING: Syst. Helm. I. 271.
Habitaculum. Christianssund in Norvegia (Katbke).
5. Nemertes pusilla OERSTED.— Dies. Syst. Helm. I. 271 adde:
Oersted: De region. marin. 80.
l) Nemertes pachyrhyncha et N. poliophthalma Schmarda.
Re> ision der Turhellarien. <*.F J
Ha bi taculum. In regione argillacea s. Buccinoideorvm aestate
in freto Öresund (Oersted).
6. Nemertes Benedeneana DJESING.
Corpus taeniaeforme proteum, antrorsum nif'escens, retrorsum
sensim sensimque sordide flavum, tota lon^itiidine lineis transversis
albis aequaliter distantibus oniatuin. Ocelli <> per paria 3 dispositi.
Cephalopori longi antrqrsum convergentes. Os longitudinale cepha-
lopuris postpositum. Longit. circa 4".
Nemertes flaccida Van Beneden (nee Oersted^: Rech. Faun. litt. Bel-
gique 14. Tab. I. 14 — 17.
Ilabitaculum. In superficie Ostrene hypopodis et rarius sub
saxis at Iittus Belgiae (Beneden).
7. Nemertes Gesserensis DIESING.
Notospermus Gesserensis Diesing : Syst. Helm. I. 260.
Ilabitaculum. In Fnco furcellato littoris Gesserensis Falstriae
(Müller).
8. Nemertes biocnlata OERSTED. — Dies. Syst. Helm. I. 272.
H;i bitaeul um. in sinu Codano (Oersted).
9. Nemertes badia OERSTED. — Dies. Syst. Helm. I. 272 adde :
Oersted: in Kroye r's Naturhist Tidsskr. 1844— 184ä. 419.
Habitaculum. Prope Hofmannsgave, et inter Oculinam pro-
liferam prope Dröbak in Norvegia (Oersted).
10. Nemertes pnrporea JOHNSTON. — Dies. Syst. Helm. I. 275 adde:
Grube: in Troschel's Arch. 1855. I. 150.
Habitaculum. Sub lapidibus in sinu Berwickiensi (John-
ston) — ad ins"ulam Brehat? in rupiam fissuris (Quatrefages)- —
in fissuris saxorum cretaeeorum cum Lithocrypto prasino Dieppe
(Grube).
11. Nemertes opaca DIESING: Syst. Helm. I 272.
Habitaculum. Insula Tatihou prope St. Vaast (Quatre-
fages).
12. Nemertes speetabilis DIESING: Syst. Helm. I. 272 adde.
Cerebratulus speetabilis Quatrefages. — Max Schulde : in Zeitscbr. f.
wissenseb. Zool. IV. 183. — Grube: Ausflug nach Triest u. d. Quar-
nero 129.
300 D i e s i n g.
Habitaculum. In Vermetorvm interstitiis, Siciliae (Quatre-
fages). Quarnero (Grube).
*** Ocelli 10.
13. NeDiertes ©bscora DESOR.
Corpus nbscure viride. Ocelli 10 (?). Longit. l*/2 — -2".
Saccula ovigera (lagenulae Desor) in filo longo gelatinoso flavidulo de-
posita vitellos 3 — 6, rarissime solummodo unicum, vel 10—11, liquido proprio
(biogenico Desor) cireumdatos continentia. Stratum vitelli externum embryonis
involucrum, ciliis autoniatice vibrantibus obsitum, postmodum dejectum sistit.
Embryo, iuvoiucro dejecto, elongatus, proteus, ciliis spontanee vibrantibus tectus,
tractu intestinali sensim apparente. Tractus cibarii exordia jara per involucrum
translucentia maculae semilunaris forma conspicua. Embryo exclusus haud raro
adhuc per aliquot dies in lagenula perstitit Desor. Evolutio ad 34. diem
usque observata.
Nemertes obscura Desor: in Journ. Boston. Soc. Nat. hist. VI. Nr. 1
(1848) 1 — 12. Tab. I. et II. 22—31. - Versio germanica: Peters:
in Müller's Arch. 1848.511-526. Tab. XVIII. et XIX. (de evo-
lutione).
Nemertes olivacea? 31. Schnitze: in Zeitschr. f. wissenscb. Zool. IV. 180
(opiniones variae).
Polia gracilis Girard: in Keller et Ti e d ein, Nord -Am. Monatsber. II.
1851. 4.
Polia obscura Stimpson : im Smithson. Contrib. VI. (1854) 28.
Habitaculum. Sub saxis et plantis marinis ad littus inter
fluxum et refluxum maris prope Bostoniam, fine Januarii (Desor),
Grand Manan (Stimpson).
14. Nemertes olivacea JOHNSTON.
Corpus teretiusculum , utrinque aequaliter obtusum, fusco-
virescens, antice apice rufescens. Cephalopori parvi. Ocelli 10 *)
snbinarginales paralleli distantes. Longit. 2" — 1', latit. 1'".
Animalculum sub parlu per totam corporis superficiem (capite et cauda
exceptis) mucum gelatinosum transparentem excernit, et ovula jam foeeundata
per debiscentias cutis in mucum ita expellit, ut ovula prius in uno ovario coa-
lita (1—20 et ultra) nunc, liquore pellucido suspensa, membrana communi ho-
mogenea transparente, sacculum pyriforme (ovarii simulacrum) formante inclusa
sint. Animalculum ovulis depositis tubulum gelatinosum deserit, cujus cavum
sensim sensimque obliteratur.
Status larvae : Larva globosa, tarde rotans, contractionibus nullis, rima
semilunari (ore). Animalculum die 45. e larva exclusum agile, corpore anlror-
*) In adultis; 2 v. 4 in speeiminibus juvenilibus ex observ. cl. O erst ed.
Revision der Turbellarien. oO 1
sum attenuato, retrorsum rotuDdato, ciliato; tractu intestinali distincto; pro-
boscidis et cephalopororum solum exordia conspicua. Ante exclusionem ani-
malculiim juvenile larvae ori, anibobus coinmuni, adhaeret (AI. Schultze) *).
Planaria bioculata Johnston; in Zool. Joiirn. IV. 56.
Nemertes olivaeea Johnston: in Magaz. of Zool. und Botany I. 536. Tab.
XVIII. 1 (ocellis solummodo 4). — Oersted: in Kroyer's Naturh.
Tidsskr. IV. 578 ei Entw. einer system. Einth. d. Plattw. 80. - Dir-
sing: Syst. Helm. I. 273. — .)/. Schultze: in Zeitschr. f. vvissenscb.
Zool. IV. (1<S)»2) 178 (de depositione et evolutione ovulorum). ■ —
Idem in 1*. Carus Icon. Zootom. Tab. VIII. 14.
Borlasia olivaeea Thompson: in Ann. nat. bist. XVIII. (1846) 388.
Habitacu lum. Ad littora AngHae (.1» lins ton), Hiberniae
(Thompson), — in sinn Codano (Oersted), in insula Neuwerk
prope Cuxhaven Martio sub lapidibus cum sacculo ovigero deposito
(M. Schultze).
**** ücelli 12 vel numerosi.
15. Nemertes assimilis OERSTED. — Dies. Syst. Helm. I. 273. adde:
Oersted: De region. marin. 80.
Habitaculum. In regione argillacea s. Buccinoideorum aestate
prope Knllen in freto Üresund (Oersted).
16. Nemertes lateritia OERSTED.— Dies. Syst. Helm. I. 273.
Habitaculum. Ad littora Da niae (Rat hke).
17. Nemertes geniculata OERSTED.
Corpus supra convexiusculum subtus depressiuseulum , retror-
sum sensim attenuatum, supra viride, faseiis argenteo -albis, trans-
versalibus, medio haud interruptis, distantibus ornatum, subtus album.
Caput corpore continuum alho-marginatum. Cephalopori distineti.
Probosch inermis. Ocelli 12, 6 in utroque margine longitudinaliter
uniserialibus. Longit. l\'z — 8", latit. 2 — 3"'.
Polia geniculata Delle Chiaje: Alem. sulla slor. e notom. III. 173 — 177
et 181. Tab.XLIII. 10 et Tab. LXXVIII. 4. — Oersted: in Kroyer's
Naturh. Tidsskr. IV. 579 in nota.
Nemertes geniculata Oersted: Entw. einer system. Enth. d. Plattw. 91.
Cerebratulus geniculatus Quatrefages : in Annal. des sc. nat. 3. ser. VI.
221 et Rech. anat. et phys. Tab. XVII. 1. — Grube: Ausflug nach
Triest u. d. Quarnero 1861. 80.
Aleckelia annulata Diesing : Syst. Helm. I. 264 partim.
*) Confer evolutionem in geoere Uierurae per Pilidium et Alardum. Pilidium Mierurae
larvae Nemerfis olivaceae, pf Alardus animalculo e larva Semertix excluso analognm
\ idetur.
f>0 C U i e s i n g.
Habitaeulum. Prope Panormum et Neapolin (Delle Chi aje)
ad oras Siciliae (Quatrefages), Quamero (Grube).
18. Neinertes pachyrhyncha SCHMARDA.
Corpus depressiuscnlum parum mutabile, sordide viride lineis
transversis laetioribus. Caput corpore continuum. Cephalopori paral-
leli. Proboscis crassa. Os rimaeforme longitudiuale post cephalo-
poros situm, rosaceum. Ocelli 12 per paria utrinque tria postpositi,
a capitis apice remoti. Longit. ad 2", latit. 2'".
Nemertes pachyrhyncha Schmarda : Neue wirbell. Th. I. 1. 44. Tab.
XI. 99.
Habitaculu m. In sinu tabulari promontorii bonae spei
(Schmarda).
19. Nemertes communis BENEDEN.
Corpus longissimum proteum, nigrum, saepe in uno eodemque
individuo viride -brunneum. pallide flavum vel roseum , interdum
(plerumque in maribus) totum roseum vel flavidum. Caput sub-
discretum depressiusculum, antice truncatum. Cephalopori subpa-
ralleli retrorsum dilatati. Proboscis longissima tortuosa, tenuis, sub-
aequalis, inermis. Os retro capuf, Iabiis mobilibus instructum, nunc
rimaefornie longitudinale, nunc subcirculare, Iabiis longe ciliatis,
corpore p;illidioribus. Ocelli 12 — 14 in series duas longitudinales
submarginales dispositi. Longit. corporis expansi feminae 11 — 12",
latit. l/2 — 1'"; rnas minor.
Animalcula nonnuniquam corpus eum in modum invertere possunt ut pagina
interna extrorsum spectet.
Nemertes communis Beneden: Faun. litt. Belgique 7—14. Tab. 1.1 — 13
(cum anatorn.).
Habit aculum. Sub saxis per totum annum, tubulo inclusus
Ostendae (Beneden).
20. Nemertes flaccida OERSTED. — Dies. Syst. Helm. I. 273. adde:
Oersted: De region. marin. 80.
II abitacu lum. Inter rndera testarum in sinubus Norvegiae
(Müller), — in regione argillacea s. Buccinoideorum aestate in
freto Oresund (Oersted).
21. Nemertes drepaneusis OERSTED.
Nolospernuis drepanensis Huschke. — Diesing: Syst. Helm. I. 2(30.
H abitacu I um. Drepani in Sicilia inter Corallinas (H uschke).
Revision der Turbellarien. «)0i>
22. Nemertes microplitlialiiia OERSTED.
Corpus oblongo-lineare, depressum, retrorsum paululum atigu-
statum, supra ferrugineum albo-marginatum, subtus albescens. Cepna-
lopori, proboscis et os . . . Ocelli 16 per paria dispositi. Longit. 3'/V'-
Nemertes microphthalma Oersted: in Kroyer's Naturhist. Tidsskr. I
1844- 184Ö. 418.
Habitaculum. Prope Dröbak in Norvegia (Oersted).
Nemerti lateritiae sp. 16. haud absimilis.
23. Nemertes striata OERSTED. — Dies. Syst. Helm. I. 274.
Habitaculum. Prope Molde et Christianssund in Norvegia in
ostreariis (Ha thk e).
24. Nemertes lactea GRUBE.
Corpus filiforme, retrorsum attenuatum, album, antrorsum san-
guineo-rubrum. Caput strictura discretum, antice rotundatum. Cepha-
lopori conspieui. Os subcirculare distantia lineae a margine frontali
collücatuiu. Ocelli 16 — 18, utrinque 8 — -9 submarginales serie sim-
plici collocäti. Longit. circa 3".
Nemertes lactea Grube: in Tro sehe l's Arch. 1855. 1. 151. Tab. VII. 3. 4.
Habitaculum. In limo littoris in sinu Villafrancae (Grube).
25. Nemertes Mandilla DIESING: Syst. Helm. I. 274.
Habitaculum. Prope St. Vaast, vulgaris (Quatrefages).
26. Nemertes Antonina QUATREFAGES. — Dies. Syst. Helm. I. 274
adde.
Grube: Ausflug nach Triest u. d. Quarnero 1861. 80.
Habitaculum. La Torre dell'Isola in Sicilia (Quatrefages),
prope Cherso et Martinsica (Grube).
27. Nemertes multiocnlata KÖLLIKER.
Corpus depressiusculum cinereo - flavidum. Proboscis armata
haud vaginata. Ocelli numerosi in circulum dispositi. Longit. 3 — 5'".
Nemertes multioculatus Kölliker: in Verhandl. d. Schweiz, naturf. Ge-
sellsch. in Chur 1844. Chur 1845. 89. — Siebold: in Troschel's
Arch. 1850. II. 382.
Habitaculum. Inter plantas marinas in freto Messinae
(Kölliker).
28. Nemertes collaris SCHMARDA,
Corpus teretiusculum vix depressum partim mulabile viride-
fuscum. Caput oblongum a corpore linea transversa]! alba interrupta
304 Die.ti.ng.
s. collari distinctum. Cephalopori subparalleli 1 yV" longi, rubri.
Proboscis inermis. Os rimaeforme longitudinale post cephaloporos
situm. Ocelli numerosi in acervos duos versus margines capitis sitos
dispositi. Longit. fere 4"; latit. i1/,'".
Nemertes collaris Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1, 44. Tab. XI, 98.
Habita culum. In oceano indico ad oram Orientalen) Ceyloniae
(Schinard a).
29. Neuiertes polyophthalma SCHMARDA.
Corpus planiusculum rubescens. Caput corpore continuum.
Cephalopori anlrorsuin latiores, breves, paralleli, a capitis apice valde
reinoti. Os ovale subterminale (?). Ocelli plurimi , irregulariter dis-
persi. Longit. fere 6", latit. ad 2,/a'".
Nemertes polyophthalma Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 44. Tab. XI.
97 (solum pars anterior).
Habitaculum. In oceano pacifico in sinn Paita ad oras Peru-
viae (Seil mar da).
30. Nemertes ftnatrefagei BENEDEN.
Corpus elongatum depressiusculum, varie contortum, fissile,
pallide bruuneum, supra faseiis 8 multo obscurioribus, corpori aequi-
longis, subtus unicolor fascia mediana longitudinali pallida. Caput
a corpore vix discretnm. Cephalopori longi retrorsum dilatati, an-
tice convergentes. Proboscis inermis (?). Os nunc rimaeforme,
nunc infundibuliforme, retro cephaloporos situm. Ocelli 60 — 80,
utrinque 30 — 40 versus capitis marginem irregulariter dispositi.
Longit. 4i/a".
Nemertes Quatrefagii Van Beneden; Rech. Faun litt. Belgique IS (cum
anaton..). Tab. II. 5-9.
Habitaculum. Ad Ulvas prope Ostendam, specirnina duo
(ßeneden).
31. Nemertes crassa DIESING: Syst. Helm. I. 275 adde.
Cerebratulus crassus Quatrefages. — Grube: Ausflug nach Triest u. d.
Quarnero 1861. 76, 81 et 129 (de natura tubuli).
Habitaculum. In Vermetorum interstitiis Iittorum Siciliae,
baud raro (Quatrefages), Cherso in Quarnero in tubulis (Grube).
32. Nemertes maculata OERSTED. — Dies. Syst. Helm. I. 275 adde:
Oerated: De region. marin. 80,
Habitaculum. In regippe argillacea s. Buccinoideorum,
aestate, Hellebaek in (Veto Ö res und (Oersted).
[{«viaioii der Turhellarien 305
S pe ei 6 s in q u i reu d a e.
33. Nemertcs octoculata JOHNSTON. — Dies. Syst. Holm. I. 276.
34. Nemertes sanguinea DIESING: ibid. 276.
35. Nemertcs ligurica.
Corpus crassum fere planum, ntrinque retrorsum tarnen magis
attenuatum, supra cinerascens, snbtus pallidius. Caput corpore con-
tinuuin antice rotundatum. Proboscis inermis. Ocellorum numerus
incertus. Longit. 4i/8— 6«/8", latit. 3— 3</2'".
Cercbratulus Iigurir?us Blanchard: in Annal. des so. nat. 3. ser. XII.
31 — 35 (cum anatom.).
Habitaculum. Sul» saxis ad litlus prope Genuam
(Blanchard).
Meekeliae somatotomae similis sed ocellorum praesentia diversa; confer
R. Leuchart: in Trosehel's Arch. 1854. II. 354.
36. Nemertes complanata KöLLIKER.
Corpus planum pallide viride marginibus albidis. Caput a cor-
pore discretum. Proboscis vaginata. Os et ocelli . . . Longit. . . .
Nemertes complanatus Kölliker: in Verhandl. d. Schweiz, naturf. Ge-
sellsch. in Chur 1844. Chur 1845. 89. - Siebold: in Trosehel's
Arch. 1850. II. 382.
Habitaculum. Neapoli (Kölliker).
37. Nemertes sopera KöLLIKER.
Corpus planum rufo - brunneum, faseiis quatuor longitudinalibus
alhis, annulis albis distantibus. Caput a corpore discretum. Probos-
cis vaginata. Os et ocelli . . . Longit. 3 — 4".
Nemertes superus Kölliker 1. s. c. 8!). — Siebold I. c. 382.
Habitaculum. Neapoli (K ö 1 1 i k e r).
38. Nemertes viridis.
Notospermus viridis Diesing: Syst. Helm. I. 260.
LXVIII. EMPLECTONEMA STIMPSON.
Korlasiae spec. Quatrefages. — Nemertis spec. Diesing.
Corpus longissimura subfiliforme, depressüfn, proteum. Caput
subdiscretum stricturis nullis. Cephalopori duo longitudinales, bi-
partiti antici marginales. Proboscis terminalis, protraetilis. Os . . .
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XF.V. Bd. I. Abth. 21
306 D i e s i n g.
Ocelli numerosi. Sexus et anus . . . Maricolae, Europae meridiunalis
et Americae septentrionalis occidentalis incolae.
1. Einplcctonema viride STIMPSON.
Corpus depressum, lineare vel proteum, supra viride, subtus
album. Caput subdiscretum marginibus albis, fronte emarginata.
Cephalopori elongati bipartiti. Ocellorum acervi quatuor, posteriores
distincti, rotundati, oeellis confertis; anteriores marginales juxta
cephaloporos, oeellis sparsis. Longit. 11", latit. 2/3'"-
Emplectonema viride Stimpson : Prodr. II. 20.
Habitaculum. Littorales inter lapillos in portu San Francisco
(Stimpson).
2. Emplectonema Camillea STIMPSON.
Nemertes Camillea Diesing : Syst. Helm. I. 274.
Nemertes Camillae Williams: in Ann. nat. hist. 2. ser. XII. 348. Tab.
XIII. 1 (de nutrit. et respirat.).
Emplectonema camillea Stimpson: Prodr. I. 20.
Habitaculum. Prope St. Vaast (Quatrefages). Ad oras
Angliae (William s).
Genus inquirendum:
LXIX. DICHILUS STIMPSON.
Corpus lineare depressum. Caput corpore continuum , sub-
quadratum, plica transversa termiuali bilabiatum, labio inferiore
emarginato. Proboscis ... Os . . . Ocelli duo. Sexus et anus . . .
Marium orientaliuin incolae.
Proboscis fortasse ex emarginatura labii inferioris protractilis.
1 . Uichilus obscurus STIMPSON.
Corpus supra pallide rubro -fulvum. Caput maculis duabus
oblongis. Ilimae obsoletae (pseudorimae) cervicales tres; una me-
diana longitudinali, ex cujus medio aliae versus marginem utrinque
oblique decurrunt. Ocelli subterminales magni fusci subdistantes
in maculis siti. Longit. 3'', latit. vix 4'".
Dichilus obscurus Stimpson: Prodr. II. 19.
Habitaculum. Littoralis inter lapillos in portu insulae Ousimä
(Stimpson).
Revision der Turbellarien o\) i
Genera exstincta:
LXX. NEMERTITES MURCMSON.
Corpus longissimum filiforme.
1 . Ncmortites Olivantii MURCMSON. — Dies. Syst. Helm. 1. 277 adde.
Pictet Tr. elem. de Paleontolog. 2. edit. II. 572.
Habita culum. In formatione Cambriae (Murchison).
LXXI. LUMBRICARIA MÜNSTER.
Vermiculites et Lumbrieites Auetor. — Medusites Germai- — Colololites
Agassis.
Corpus cylindricum elongatum varie contortum, flexuosum vel
rectum.
1. Lumbricaria Filaria MÜNSTER. — Dies. Syst. Helm. I. 277
adde.
Pictet Tr. de Paleontol. 2. edit. II. 297.
Habitaculum. Formatio calcarea lithographica prope Solen-
hofen (Germar, Comes de Münster).
2. Lumbricaria conjngata MÜNSTER. — Dies. Syst. Helm. I. 278
adde.
Pictet ibid. 297.
Habitaculum. Ibidem (Münster).
3. Lumbricaria gordialis MÜNSTER. — Dies. Syst. Helm. I. 278
adde.
Pictet ibid. 297.
Habitaculum. Ibidem (Germar, Münster).
4. Lumbricaria Intestinum MÜNSTER. — Dies. Syst. Helm. I. 278
adde.
Pictet ibid. 297.
Habitaculum. Ibidem (Münster).
5. lumbricaria Colon MÜNSTER. — Dies. Syst. Helm. I. 279
iidde.
Pictet ibid. 297.
Habitaculum. Ibidem (M ü n s t e r).
21«
308 D i e s i „ g.
6. Lambricaria antiqua PORTLOCK. -- Dies. Syst. Helm. 1. 279.
Habitaculum. Formatio Silurica, Desertereat in comitatu
Tyrone Hiberniae (Portlock).
7. Luinbricaria? gregaria PORTLOCK. — Dies. Syst. Helm. I. 279.
Habitaculum. Ibidem (Portlock).
8. lambricaria? recta MÜNSTER. — Dies. Syst. Helm. I. 279
adde.
Pictet ibid. 297.
Habitaculum. Formatio calcarea litliograpbica prope Soleu-
hofen (Münster).
Turbellaria incertae sedis:
AC1CULA RENIER.
Gordii spee. Renier.
Corpus aciculaeforme depressiusculum proteum. Caput a cor-
pore subdiscretum. Os ad basin capitis. Ocelli duo. Maricolae.
Tr actus cibarius corpore duplo longior tortuosus, tandem extre-
niitatem caudalem petens. Ganglion cerebrale nigrum, filo nerveo corpus
percurrente.
1 . Acicula macula RENIER.
Corpus cinereo-flavidum, transparens. Caput corpore angustius,
subovale, macula nigra (ganglio cerebrali transparente) insignitum.
0.9 transversale. Ocelli nigri globosi inter se remoti, cervicales.
Longit. 10—12'".
Gordius macula Renier: Prosp. della Classe de' Vernii 1804. XX.
Acicula macula Renier: Tav. di Classif. 1807. VI. — Meneghini in Renier:
Osserv. post. H7 et var. locis.
Acicula bioculata Renier: Comp. elem. di Zoologia mss. §. 90 — 93.
Habitaculum. In lagunis Venetis cum Nereidibus, gregarie
(Renier).
CHLORA1MA KÖLLIKER nee DUJARDIN.
Corpus elongatum. Caput a corpore subdiscretum. Proboscis
nulla, ejus loco vesiculae pyriformes duac in apice fere capitis.
Ocelli numerosi. Maricolae.
Oesophagus postice jjlobose tumens.
Revision dar Turbeilarien »»Un
I. fliloraima siculum KÖLLIKER.
Corpus album. Ocelli in series duas longitudinaleä dispositi.
Longit. 3 — 5'".
Chloraima siculum Kölliker: in Verhandl. d. Schweiz, naturf. Gesellsch.
in Chur 1844. Chur 1845. 89.— Siebold: in Troschel's .Wh.
1850. II. 382.
Habitaculum. Intei* pläntas marinas prope Messinam (Köl-
liker).
Derostonia angusticcps DUGES:
in Annal. des sc. nat. XXI. (1836) 77. — Ehrenb,: Aralepl». des rolhen
Meeres 60.
Uerostoma hui labile ÜUGES: 1. c.
Derostonia? inutaliile Ehrefiberg I. c.
Cum praecedente fortasse generi Typhlöplanae adflümerandä.
Uerostoma laticeps DUGES:
1. c. et in nouv. Annal. des sc. nat. VIII. 30 (Nais). Ehrenb. I. c.
Chaetogaster laticeps Dies. Syst. Heini. III. nase.
Derostoina megalops DUGES: I. c.
Phaenocora megalops Ehrenb. 1. c. 78 (soluminodo nomen).
Planaria limacina FABRICIUS:
Dies.: Syst. Helm. I. 283 teste cl. Oersted: De region. marin. 70, nunc
Limapontia nigra Johnston. Lond. Magaz. V. 9, 79 et Molluscis
adnumeranda.
Planaria operculata M ü 1 1 e r , P. vittata Schrank, P. gros-
sula Schrank, P. acuminata Schrank, P. Edinensis
Dalyell, P. nigricans Fabr., P. emarginata Fabr. —
Syst. Helm. I. 281—283. — P. pusio Eichwald ibid. 648.
Genus fortasse novum, libro mihi non praestante, incogni tum:
1. Poseidon Colei GIRARD:
in Proceed. Bost. Soc. IV. (18 52) 185.
Species serius exposita:
2. Poseidon affinis GIRARD.
Corpus gracile subfiliforme supra laete rubrum, subtus album.
Os ventrale retro ocellorum acervos. Ocellorum acervi 2 elungati
pone extremitatem anticam. Longit. 2".
Poseidon affinis Girard. — Stimpson: in Smithson. Contrib. VI. 28.
0 1 0 D i e s i n g.
Habitaculum. In zona Laminariarum , Grand Manan
(Stimpson).
Genus hoc a cl. Schmarda: Neue wirbell. Th. I. 1. 38 generi Nemerti
consociatum.
Genus fortasse fictitium:
SCOTIA R. LEUCKART.
Corpus filiforme margine convexo canaliculo lato et profundo,
limbis parallelis elevatis rugoso-crispatis instructum. Maricolae.
1. Scotia rngosa R. LEUCKART.
Corpus utrinque attenuatum spiraliter convolutum, flavo-albidum.
Longit. 1".
Seotia rugosa R. Leuckart: in Troschel's Arch. 1849. I. 154. Tab.
III. 1. — Idem ibid. 18S4. II. 354.
Habitaculum. Ad littus austro-occidentale Islandiae (Berg-
mann).
Fortasse nil aliud quam tentacula Terebellae R. Leuckart.
Rei Isinii der Turhellarien. o 1
Index geiiemm et specierom.
Acelis Diesing: crenulata 206.
Acicula Renier: bioculata 308, macula 308.
Acinostomum Sehmarda: crennlatum 206, denticulatum 207.
Acrostomum Grube: canescens 262, Stannii 261.
Jlardus Busch: caudatus 259.
Allostoma Beneden: pallida 228.
Amphiporus Oersted: groenlandicus 249, Neesii2&9, sangui-
neus 249.
Anarthra Leuekart: gracilis 234.
Anoplodium Schneider: parasita 21 0.
Anortha Leidy: gracilis 234.
Anotocelis Diesing: caudata 236, Coluber 237, Qavicans 237,
linearis 237, philadelphica 236, unicolor 235, variabilis 236.
Aphanostomum Oersted: diversicolor 242, griseum 242, laturn
242, virescens 242.
Astemma Oersted: Dröbachense 248, rufifrons 249.
Baseodiscus Diesing: delineatus 252.
Borlasia Oken et Oersted: bilineata 248, cardiocephala 250,
Cephalothrix 250, coerulescens 250, dorycephala 251 , Drö-
bachensis 248, filiformis 250, flaccida 250, grönlandica 249,
Hemprichii 249, Kurtzii 251, linearis 250, longa 249, Neesii
249, nigrofusca 248, olivacea 301, quinquelineata 251, rubra
259 (nota) rufifrons 249, sanguinea 249, tricuspidata 249.
trilineata 250, unicolor 250. unilineata 250, viridis 248.
Catenula Duges: bina 238, Lemnae 238, quaterna 238.
Catesthia Leidy: stellato-maculata 223.
Celidotis Diesing: Anguilla 233, bipunctata 233. venenosa 233.
Cephalonema Stirn pson: brunniceps 288.
d 1 Z D i e 3 i n g.
Ceplialothrix Oer stech bioculata 254, Filum 254, involuta 254,
Kroyeri 254, Oerstedii 254.
Cereliratulus Ren i er: acutus 273, albovittalus 279, bellus 277,
bilineatus 273, bilineatus 273, crassus 304, fasciatus 284,
geniculatus 30t, impressus 277 ', liguricus 305, maerostomus
274, marginatus 272, marginatus 274, wi^er 286, nigro-
fuscus 286, Oerstedii 282, oleaginus 280, paludicolus 283,
ruber 274, sinensis 284, spectabilis 299, urticans 274.
Chlamydocephalus Diesing: Güimardi 267.
Chlor aima Kölliker: siculum 309.
Chonostomum Schmarda: crenulatum 222.
Cnidon J. Müller: urticans 274.
Colpocephalus Diesing: quadripunctatus 267.
Convoluta O e r s t e d : albicincta 212, anotica 2\\, Diesingii 212,
Johnstoni 212, paradoxa 212, Schultzii 212.
Cosmocephala Stirn pson : Beringiana 266, Japonica 266.
Cylindrostomum O e r s t e d : caudatum 227, dubium 228.
Derostomnm Duges: angusticeps 309. Catenula 238, coecum 210,
elongatum 210, flavicans 237, fusiforme 220, galizianum
217, laticeps 309, leucocelis 218, leucops 235, lineare 237,
megalops 309, mutabile 309, notops 217, rostratum 220,
Schmidtianum 2 1 6 sp. 8 et 9, truncatum 218, unipunctatum 216.
Dicelis S t i m p s o n : rubra 262.
Dichilus Stirn p so u : obscnrus 306.
Dinophilus O. Schmidt: borealis 240, gyrociliatus 240, vorti-
coides 240.
Diotis Schmarda: grisea 214.
Diplomma Stimpsou: rubra 262, serpentina 262.
Diplopleura Stirn pson: Japonica 287.
Disorus Hemprich et Ehren berg: viridis 234.
Distigma Hemprich et Ehren berg: Helluo 224, Planaria 224,
Proteus 224, fewaa? 224, nrufe 224.
Ditactorrbocbma Diesing: typicum 295.
EmeaLeidy: Dugesii 270, lumbricoides 270, rubra 270.
Eui|)lectonema Stimpsou: Camillea 306, viride 306.
Eustomum Leidy: caudatum 236, Philadelphicum 236. variabile
236.
Revis lei Turbellarien o 1 o
Goniocarena S e h m a p d a : capitata 225.
Gordius Linne: fasciatus spinifer 258, fragilis spinifer 260,
macula 308, purpureus spinifer 260, viridis spinifer 260.
Gyrator Ehrenberg: Botterii 246 , croeeus 247 , ery throphthal-
mus 246, furiosus 246, hermaphroditus 217, hermaphroditus
246, immuiidus 246, leucophraeus 247, littoralis 247, Steen-
strujtii 246, suliovifonnis 247, viridis 207, rittatus 241.
Hecate Gi r a r d : elegans 294.
Hemicylia Hemprich et Ehren her g : albicans 264.
Hypostomum 0. Schmidt: viride 217.
Leodes Girard: striolenta 283.
Lineits Sovverby: Beuttiaei 285, long issimus 285, piperatus 278.
Lobila hrum B I a i n v i 1 1 e : ostrearium 268.
Loxorrhochma Schmarda: coronatum 295, obscurum 295, rubrum
259 (nota).
Lumbricaria Münster: antiqua 307, Colon 307, conjugata 307,
Filaria 307, gordialis 307, gregaria 307. [ntestinuai 307,
recta 307.
Macrostomum O e r s t e d : auritum 214, ceylanicum 210, Hystrix'
215, sp. 2 et 3, setosum 225, siphonophorum 218.
Meckelia Leuckart: albovittata 279, albula 276, angulata 286,
annulata 281, annnlata 301, atra 286, atrocoerulea 281,
aurantiaca 279, australis 282, Beattiaei 285, bella 277, bili-
neata 273, bilineata 273, borealis 284, Borlasii 285, carmel-
lina 278, carnea 282, Cerebratulus 286, ceylanica 281, cin-
gulata 284, coeca 286, depressa 286, Ehrenbergii 285,
fasciata 284, fragilis 286, fusca 285, gracilis 278, impressa
277, ingens 276, Knerii 281, lactea 275, Leuckarti 277,
Lizziac 277, macrorrhochma 280, mucrostoma 274, nigra
286, nigrofusca 285, Oerstedii 282, oleagina 280, olivacea
280, pallida 286, paludieola '283, piperata 278, Pocohontas
278, rosea 282, rubelte 282, Serpentaria 281, sinensis 284,
Siplmnculus 280, somatotomus 273, Somatotomus 276, striata
278, striolenta 283, subacuta 283, trigonocephala 279, urti-
cans 274, viridis 279. vittata 279.
Megastomurn Schmarda: ferrogineum 206.
Mesopharynx Schmarda: diglena 222, otophorus 213.
314 Diesing-.
Mesostomum Duges: bistrigatum 224, chlorostictum 229, Craei
221, cyathus 221, Ehrenbergii 220, fallax 221, fusiforme
220, Hirudo 211, hystrLv 222, lapponicum 211, lenticula-
tum 221, Lingua 220, marmoratum 223, obtusum 226, ouo«-
</e«wü 222, personatum 221, productum 221, pusülum 221,
radiatum 220, rostratum 220, stagni 224, strigatum 224,
«Sofea 223, tetragonum 221, trunculum 223, viridatum 210
et 224, TFßwrfae 222.
Microstomum Oersted: achroophthalmum 236 et 238, caudatum
236, fc«co/)s 238, ftnozre 237, lineare 241, littorale 242,
Philadelphicum 236, unicolqr 236, variabile 236.
Micrura H ein p rieh et Ehrenberg: fasciolata 258, filaris 259,
purpurea 260, viridis 260.
Motiocelis Hemprich et Ehrenberg: «</*7/s 23 1 et 232,
Anguilla 233, assimilis 232, bipunetata 233, excavata
214, /wsc« 231, glauca 214, hyalina 213, lineata 230,
rutilans 213, spatulicauda 232, subulata 214, unipunetata
213.
Monops Diesing: agilis 230 et 232, assimilis 232, elegans 231,
Flustrae 233, fuscus 231, lineatus 230, nigroflavus 232, obesus
231, spatulicaudus 232, umbrinus 231.
Monotus Diesing: albicinetus 212, Diesingii 212, excavatus 214,
glaueus 214, hyalinus 213, Johnstoni 212, lacteus 213, meso-
pharynx 213, paradoxus 212, rutilans 213, Schultzii 212,
subulatus 214, unipunetatus 213.
Nareda Girard: serpentina 262, superba 263.
Nemertes C u v i e r : annettata 277 , annulat a 281 , Antonina 303,
assimilis 301, badia 299, Benedeneana 299, bioeulata 299,
Camillae 306, Camillea 306, carcinophila 298, collaris 303,
communis 302, complanata 305, coronata 295, crassa 304,
drepanensis 302, Ehrenbergii 294, flaccida 298, flaeeida
302, fumosa 289, /«sca 285, geniculata 301, Gesserensis
299, glauca 257, haematodes 290, humilis 290, Krohnii
294, Iactea 303, lateritia 301 , ligurica 305, maculata 304,
Mamlilla 303, melanocephala 291 , microeephala 298, micro-
phthalma 303, multioculata 303, obscura 300, oetoculata 305.
olivacea 300, olivacea 300, opaca 299, paehyrhyocha 302,
Revision der Turbellarien, Ol 5
polyhopla 297 , polyophthalma 303 , purpurea 299 , pusilla
298, pusilla 260, Quatrefagei 304, rosea 294, rufa 298,
sanguinea 305, Somatotomus 276, spectabilis 299, striata
303, supera 305, vermiculus 290, viridis 305.
Nemertites Murchison: Olivantii 307.
Notospermus Huschke: drepanensis 302, Gesserensis 299, viri-
dis 305.
Oerstedia Quatrefages: armata 263, Baculus 263, maculata 263,
pulchella 263, tubicola 263.
Ommatoplea Hempr. et Ehrenb. : alba 257, albicans 255, armata
257, balmoa 255, bembix 256, berea 257, glauca 257, sp. 18
et 20, gracilis 255, Grubei 256, heterophtbalma 255, mutabilis
257, opbiocephala 256, pellucida 257, peronea 255, Polii 255,
pulchra 257, punctata 255, rosea 256, rubra 257, Stimpsoui
256, taeniata 256, violacea 257.
Ophiocephalus Delle Chiaje: auripunctatus 287, bilineatus 273,
heterorrhochmus 288, murenoides 287.
Opistomum O. Schmidt: pallidum 209, sp. 1 et 2.
Ortbostomum Hempr. et Ehrenb.: pellucidum 234, siphonopho-
rum 218.
Otocelis Diesing: rubropunctata 208.
Phaenocora Ehrenb : megalops 309, notops 217.
Pilidium Müller: auriculatum 259, gyrans 259.
Plagiostomum O. Schmidt: boreale 241.
Planaria Müller: acuminata 309, bioculata 301, cuneus 256,
Edinensis 309, emarginata 309, filaris 260, flustrae 233,
fodinae 216, gramineä 224, grossula 309, limacina 309,
mutabilis 228, nigricans 309, operculata 309, pusio 309,
stagni 224, tetragona 220, variegata 229, vittata 399.
Polia Delle Chiaje: canescens 262, capitata 292. coronata 295,
Dagesii 270, farinosa 293, fumosa 290, geniculata 301, </>v/-
c/Z/s 300, grisea 265, humilis 290, involuta 254, obscura
291, 295 et 300, oculata 255, rhomboidalis 265, sanguiru-
bra 290, vermiculus 290.
Polina Stimpson: cervicalis 265, grisea 265, rhomboidalis
265.
Polyhopla Diesing: Nemertes 297.
31b D i e s i n g.
Polystemma Hempr. et Ehrenb. : adriaticum 261, pellucidnm 257,
pusillum 261, roseum 256, sinuosum 261.
Poseidon Girard: affinis 310, Colei 310.
Proporus 0. Schmidt: Cyclops 206, rubropunctatus 208, viridis
207.
Prorhynchus Schultze: tluviatilis 269, stagnalis 269.
Prostomum Duges: armatum 257, Botterii 246, clepsinoideum 247,
croceum 246, furiosum 246, immundum 246, lineare 246,
melanocephalum 291, Steenstrupii 246, vittatum 241.
Pseudostomum 0. Schmidt: Feroense 227, quadrioculatum 227.
Quatrefagea Diesing: insignis 296.
Ramphogordius Rathke: lacteus 268.
Renieria Girard: rubra 274.
Rhynehoprobolus Schmarda: erythro phthalmus 246, papillosus
245, tetrophthalmus 247.
Rhynehoscolex Leidy: papillosus 245, simplex 245.
Schizoprora 0. Schmidt: venenosa 233.
Schizostomum 0. Schmidt: prodnctiim 221.
Scotia Leuckart: rugosa 310.
Serpentaria G o o d s i r : rubella 282.
Sidonia Schultze: elegans 208.
Sifonenteron Renier: bilineatum 273, elegans 272.
Spiroclytus 0. Schmidt: capitatus 225, Euryalus 229, Nisns 225,
setosus 225.
Stenostomum O.Schmidt: achroophthalmum 236 et 238, Cofa-
6er 237, leucops 238, torneense 239, nnicolor 236.
Stimpsonia Girard: aurantiaca 268.
Strongylostomum Oersted: andicola 218, assimile 220, coeru-
lescens 235, metoploglenum 219, radiatum 220.
Stylacium Cor da: isabellinum 239.
Taeniosoma Stimpson: aequale 252, quinqueliueatum 251 , sep-
temlineatum 251.
Tatsnoskia Stimpson: depressa 264.
Telostomum Oersted: ferrug&neum 206, Mytili 228.
Tetracelis Hempr ich et Ehrenberg: fontana 229. marmorata
229, Mytili 228.
Revision der Turbellarieu. 317
Tefrastemma Hemprich et Ehrenberg: assimile 289, candidum
293, capitatmn 292, dubium 293, Ehrenbergii 294, elegans
294, farinosum 293, flavidum 289, fumosum 289, fuscum
289, groenlandieum 293, luirnile 290. inrismn 292, Krohnii
294, longecapitatum 293, lumbricoides 270, melanooephalum
291, ohsciirum 291, roseum 294, rufescens 289, san-
gui rubrum 290, serpeutinum 294, Siphunculus 293, stig-
matum 292, subpellucidura 289, varicolor 289, vermiculus
290.
Tricelis Quatrefages: faseiata 225, obtusa 226, quadripunctata
226.
Trigonostomum 0. Schmidt: setigerum 229.
Tubulanus Renier: defractus 272, elegans 271, polymorphns 271,
pusillus 272.
Turbella Hemprich et Ehrenberg: andicola 218. appendiculata
215, ■assimilis 223, bacillifera 222, baltiea 217, bistrigata
224, caudata 219 et 223, Conus 219, Craci 221 , crenulata
222, cyathus 221, diglena 222, Ehrenbergii 220, fallax 221,
fusiformis 220, galiziana 217, gibha 216, Helluo 224, Hystrix
215, lenticulata 221, leucocelis 218, lingua 220, lunulata
216, metopoglena 219, nigrovenosa 223 , notops 217, ovoi-
dea 222, personata 221, pisciculus 216, Planaria 224, pla-
tyura 215, producta 221, Proteus 224, pusilla 221, radiata
220, reticulata 218, rostrata 220, Scbmidtiana 216, scoparia
217, selenops 216, siphonophora 218, Solea 223, sphaero-
pharynx 219, Squalus 216, stagni 224, stellato-maculata 223,
strigata 224, tenax 224. tetragona 221, trisronoglena 219,
truncula 223, unipunctata 216, viridis 216 et 224, Wandae
222.
Typhlomicrostomum D i e s i n g : coerulescens 235.
Typhloplana Hemprich et Elirenberg: anotica 211, ceylonica
210, coeca 210, elongata 210, gracilis 211, Hirudo 211,
lapponica 21t, pallida 209, parasita 210, pellucida 209,
Schultzeana 209, variabilis 210, viridata 210.
Valencinia Quatrefages: annulata 253. annulata 253, dubia
296. elegans 252, elegans 253, longin.stris 253, ornata 252.
splendida 252, striata 253.
O 1 ö D i e s i n g. Revision der Turbellarien.
Vortex Hernprich et Ehrenberg: halticus 217, Benedeni 227,
capitatus 225, caudatus 219 et 224, eaudatus 227, chloro-
stictus 229, coecus 209, conus 220, coronarius 227, crucia-
tus 229, dubius 228, emarginatus 229, ferrugineus 227,
fontanus 229, Girardi 227, marginatus 229, marmoratus 229,
mutabilis 228, Mytili 228, pallidus 228, pellacidas 209,
peniciliatus 227, pictus 226, quadrioculatus 227, reticulatus
218, scoparius 217, sphaeropharyncc 219, trigonoglena 219,
truncatus 226, variegatus 229, viridis 216 et 224, vittatus
241, Warreim 229.
Vorticeros 0. Schmidt: pulchellum 230.
319
VII. SITZUNG VOM 27. FEBRUAR 1862.
Herr Prof. Dr. Aug. Em. Reuss übersendet eine Abhandlung:
„Die Foraminierfen des norddeutschen Hils und Gault".
Herr Regierungsrath A. Ritter v. Burg legt eine Abhandlung
„über die Wirksamkeit der Sicherheitsventile bei Dampfkesseln" vor.
Herr Prof. Dr. Fr. Unger überreicht die II. Abtheilung seiner
für die Denkschriften bestimmten Abhandlung: „Syttoge plantarum
fossilium*.
Herr Dr. S. Subic übergibt den I. Abschnitt einer Abhandlung,
betitelt: „Grundzüge einer Moleeularphysik und einer mechanischen
Theorie der Elektricität und des Magnetismus".
Herr Dr. V. v. Lang zeigt und erläutert einen nach seiner An-
gabe eonstruirten Apparat zum Messen des Winkels der optischen Axen.
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin, Monats-
bericht. December 1861. Berlin, 1862; 8»-
— der Wissenschaften, Königl. Bayer., zu München, Sitzungs-
berichte. 1861. II. Heft I. München, 1861; 8"
Annales des mines, 5e Serie. Tome XX. 5" Livraison de 1861.
Paris, 1861; So-
Astronomische Nachrichten, Nr. 1348 — 1349. Altona, 1862; 4»-
Austria, XIV. Jahrgang, VII. & VIII. Heft. Wien, 1862; 8°'
Bauzeitung, allgemeine, XXVII. Jahrgang, I. Heft sammt Atlas.
Wien, 1862; 4"- und Folio.
Canestrini, Giov., I Gobii del Golfo di Genova. Con 4 tavole.
(Estr. dalPArch. per la Zool. t. 1. f. 2 Febbr. 1862.) 8°-
320
Cos mos, XIe Annee, 20e Volume, V Livraison. Paris, 1862; So-
Gesellschaft, k. k. m. schl., zur Beförderung des Ackerbaues,
der Natur- und Landeskunde, Mittheilungen. Jahrgang 1861.
Brunn; 4°* — Jahresheft der naturwissenschaftlichen Section
für das Jahr 1859. Brunn, 1860; 8»-— Stmhal, Jakob, Anlei-
tung zur rationellen Bienenzucht. Brunn, 1861; 8°- — Idem
Nävod k rozumnemu vcelafstvi. V Brne, 1861; 8°-
Gcw erbe- Verein , nieder-österreichischer, Verhandlungen und
Mittheilungen. Jahrgang 1862, 2. Heft. Mit 5 Holzschnitten.
Wien, 1862; 8<>-
Jena, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften für das zweite
Halbjahr 1861. Camburg und Jena; 8<>- und 4°-
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung, XII. Jahrgang. Nr. 6.
Wien, 1862; kl. 4°-
Lot os. Zeitschrift für Naturwissenschaften, XII. Jahrgang, Januar
1862. Prag; So-
M i tth ei 1 u ng e n aus J. Perthes* geographischer Anstalt. Jahrgang
1862,1. Heft. Gotha; 4«-
Sociedad deNaturalistas Neo-Granadinos, Boletin, Junio de 1860 —
Enero de 1861 (pag. 23—138). Bogota & Loudres; So-
Verein, physikalischer, zu Frankfurt a. M., Jahresbericht für das
Rechnungsjahr 1860—1861; So-
Wiener medicinische Wochenschrift, XII. Jahrgang, Nr. 7 und 8.
Wien, 1862; 4o-
Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft,
XI. Jahrgang. Nr. 9. Gratz, 1S62; 4o-
SITZUNGSBERICHTE
DEK
KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.
xl\. band.
ERSTE ABTHEILUNG.
Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik,
Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie.
22
321
VIII. SITZUNG VOM 13. MÄRZ 1862.
Herr Hofrath W. Haidinger übersendet eine Mittheilung
„über das Regenbogen-Phänomen am 28. Juli 1861".
Herr Director K. v. Littrow überreicht die Fortsetzung seiner
Arbeiten über physische Zusammenkünfte der Asteroiden im Jahre
1862, nebst einer von Herrn Dr. J. Frischauf durchgeführten
Bahnbestimmung der Asia.
Herr Director K. Kr eil legt eine Abhandlung „über Barometer-
schwankungen in längeren Perioden" vor.
Das c. M., Herr Dr. K. Hörn stein, übergibt eine Abhandlung:
„Helligkeits-Ephemeriden und Darstellung des Laufes der Asteroiden
im Jahre 1862", von Herrn R. So nnd orfer, Assistenten an der
hiesigen k. k. Oberrealschule auf dem Schottenfelde.
Herr Dr. Ferd. Zirkel aus Bonn legt eine Abhandlung vor,
betitelt: „Versuch einer Monographie des Bournonit".
Herr Dr. S. Subic überreicht den II. Abschnitt seiner Abhand-
lung: „Grundzüge einer Molecularphysik und einer mechanischen
Theorie der Elektricität und des Magnetismus".
Herr Dr. Edm. Reitlinger, Assistent am hiesigen k. k. physi-
kalischen Institute, übergibt eine Abhandlung: „Über Töne und
einige Bewegungserscheinungen im Schliessungsbogen des galvani-
schen Stromes".
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Akademie der Wissenschaften, Königl., zu Amsterdam, Verhande-
lingen. IX. Deel. Met Platen. Amsterdam, 1861; 4»- — Vers-
lagen en Mededeelingen. Afdeeling Natuurkunde. XI. & XII. Deel.
Amsterdam, 1861; 8°- — Jaarboekvoor 1860. Amsterdam; 8°- —
322
Verhandelingen der 1. Klasse van het voormalig koninkl. Neder-
landsch Instituut, Deel III, IV,V, VII. Amsterdam, 1817, 1818,
1820 & 1825; 4°- — Nieuwe Verhandelingen der 1. Klasse, Deel
1, II, VI & XII. Amsterdam, 1827-1829, 1837 & 1846; 4<>- —
Verhandelingen der 2. Klasse, Deel I — VIII. In den Haag & Am-
sterdam, 1818—1843; 4°- — Nieuwe Verhandelingen der
2. Klasse, Deel I & II. Amsterdam, 1850 & 1851 ; 8<>- — Gedenk-
schrifteninde Hedendaagsche Talen van de 3. Klasse, Deel I — VI.
Amsterdam, 1817—1848; 4«-
American Journal of Science and Arts, New Series. Vol. XXXIII.
No. 97. New Haven, 1862; 8<>-
Astronomische Nachrichten, Nr. 1350 — 1351. Altona, 1862; 4«-
Austria, XIV. Jahrgang, VIII. — X. Heft. Wien, 1862; 8<>-
Comptes rendus des seances de l'Academie des sciences. Tome
LIV, No. 5 & 6. Paris, 1862; 4<>-
Cosmos, XI" Armee, 20e Volume, 8e — 10" Livraison. Paris,
1862; 8o-
Favre, P.A., Notices sur ses travaux scientifiques. Paris, 1862; 4°-
Fichtner, J., Über künstliche Fischzucht. (Aus dem 2. und 3. Hefte
der Verhandlungen und Mittheilungen des nieder- österreichi-
schen Gewerbe-Vereins.) 8°*
Gazette medieale d 'Orient, VeAnnee, No. 1 1 .Constantinople.l 862 ; 4°-
Gesellschaft, k. k. zoologisch -botanische, in Wien, Verhand-
lungen. Jahrgang 1861. XI. Band. Wien, 1861; S°-
— naturforschende zu Bamberg, V. Bericht. Für das Jahr 1860 — 61.
Bamberg, 1861; 8°-
Instituut, Koninklijk Nederlandsch Meteorologisch, — Meteorologi-
sche Waarnemingen, 1860. Utrecht, 1861; 4°-
Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer. Heraus-
gegeben von G. F. Walz und F. L. W ine kl er. Band XVII.
Heft 1. Heidelberg, 1862; So-
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung, XII. Jahrg., Nr. 7 und 8.
Wien, 1862; kl. 4°-
Mittheilungen aus J. Perthes* geographischer Anstalt, Jahrg.
1862, II. Heft. Gotha; 4<>-
Neureich, August, Nachträge zu Maly's Enumeratio plantarum
phanerogamicarwn imperii Austriaci universi. Herausgegeben
von der k. k. zoolog.-bot. Gesellschaft in Wien. Wien, 1861 : 8°-
323
Society, Tlie Natural History, of Montreal, The Canadian Naturalist
& Geologist. Vol. VI., No. 6. Montreal & London, 1861; 8«-
Staring, W. C. H., Geologische Karte der Niederlande. Blatt
Nr. 19 & 20. Harlem; Folio.
Wiener medicinische Wochenschrift, XI. Jahrgang, Nr. 9 & 10.
Wien, 1862; 4»-
Wochen- Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft,
XI. Jahrgang, Nr. 10. Gratz, 1862; 4°-
Zeitschrift für Chemie und Pharmacie, von Emil Erlenmeyer.
V. Jahrgang, Heft 4. Heidelberg, 1862; 8°-
— für Fotografie und Stereoskopie, II. Jahrgang, 1861. Nr. 22.
Wien, 1862; 8°-
Zerrenner, Karl, Über die Erweiterungsfähigkeit des Schwefel-
bergbaues zu Swoszowice in südlicher Nachbarschaft von
Krakau. (Berg-, und Hüttenmännische Zeitung. Jahrgang XXI,
Nr. 1 & 2.) Freiberg, 1862; 4»-
Giimhel. Die Dachsteinbivalvc und ihre alpinen Verwandten. 325
Die Dachsteinbivalue (Megalodon triqueter) und ihre alpinen
Verwandten.
(Ein Beitrag zur Kenntniss der Fauna der Alpen.)
Von C. W. Giimbel,
königlich baierischera Bergmeister.
(Mit 7 Tafeln.)
(Vorgelegt von dem w. M. Berg rat h Franz v. Haner.)
Die Dachsteinbivalve and die alpinen IQegalodonten.
EINLEITUNG.
In der nördlichen, wie in der südlichen Nebenzone der Ost-
alpen kommen sehr ausgedehnte und mächtige Kalk- und Dolomit-
bildungen vor, welche der Hauptmasse nach sich auf eine für den
Geognosten höchst unerfreuliche Weise durch eine grosse Armuth
an organischen Überresten auszeichnen und daher bei der geognosti-
schen Einreihung grosse Schwierigkeiten machen. Über den
schwarzen Kalken (Guttensteiner Schichten), welche ihren organi-
schen Einschlüssen zu Folge nach fast allseitiger Annahme dem
mitteldeutschen Muschelkalke im Alter gleichzustellen sind, beginnt
in den Alpen, nur durch eine verhältnissmässig nicht sehr machtige
Mergelschiefer- (Partnachschichten-) Bildung von dem alpinen
Muschelkalke getrennt, eine Kalk- und Dolomitmasse von ungeheurer
Mächtigkeit sich aufzuthürmen. Sie wird nach Oben von denjenigen
Schichten bedeckt und begrenzt, welche unzweideutig dem ausser-
alpinischen Lias entsprechen. Ammonites angulatus und zahlreiche
Arieten bezeugen, dass diese hangenden , meist als rothe, platten-
förmige Kalke entwickelten Liasschichten wenigstens in ihren ersten
und tiefsten Lagen als ein Analogon der untersten Stufen des ausser-
326 Gümbel.
alpinischen unteren Lias anzusehen sind. Die Kalk- und Dolomit-
massen zwischen jenem Alpenmuschelkalke und dem unzweideutigen
alpinischen Stellvertreter der unteren Liasbildung werden zwar
durch mehrere eingefügte, bald mehr kalkige, bald mehr thonige,
versteinerungsreiche, meist schieferige Zwischenlagen in
mehrere Abteilungen geschieden und getrennt, doch ist die petro-
graphische Beschaffenheit dieser darnach unterscheidbaren Kalke
und Dolomite so nahe übereinstimmend, dass es schwer hält, wo
jene Zwischenschichten undeutlich, verwischt oder nicht entwickelt
sind, oder wo die Lagerungsverhältnisse durch Schichtenver-
rückungen gestört und undeutlich sind, die einzelnen Gruppen nach
den Lagerungsverhältnissen und der Gesteinsbeschaffenheit mit
Sicherheit zu unterscheiden und zu bestimmen. Jene erwähnten,
versteinerungführenden Zwischenschichten sind in der Regel nur
von sehr geringer Mächtigkeit, so dass sie den ausgedehnten Kalk-
und Dolomitmassen gegenüber sehr untergeordnet erscheinen und
oft nur mit grosser Aufmerksamkeit im Gebirge aufgefunden werden
können. Ausserdem bewirkt ihre meist thonige Beschaffenheit eine
rasche Zerstörung an der Oberfläche, wodurch sie in vollstän-
dig zersetzten Lehm übergehen, bei meist stark geneigter Schich-
tenlage thalartige Vertiefungen, Sättel und Wasserrinnen veranlassen
und im Ausgehenden auf den bei Weitem grössten Strecken von
dem aus ihrer Zersetzung hervorgegangenen, dem ursprünglichen
Gestein sehr unähnlich gewordenen Zersetzungsproducte (Lehm)
oder von Schutt und Geröll überdeckt und dadurch der directen
Beobachtung entzogen sind. Im gleichen Masse verlieren sie als
Hilfsmittel zu der geognostischen Orientirung an Bedeutsamkeit.
In den nördlichen Kalkalpen legen sich bald mehr thonig-
kalkige, bald mehr sandige oder mergelkalkige Schichten zwischen
den dunkelfarbigen Alpenmuschelkalk und den zunächst höher fol-
genden hellgrauen, meist weisslichen Kalk und Dolomit. Es sind
dies jene Bildungen, die ich unter dem Namen der Partnachschichten
oder des alpinischen Lettenkohlen-Schiefers und Sandsteines in den
nördlichen Kalkalpen beschrieben habe.
In den südlichen Kalkalpen entsprechen mit grosser Wahr-
scheinlichkeit die unter dem Collectivnamen St. Cassianer
Schichten zusammengefassten Bildungen mindestens theilweise
diesen Lettenkohlenschichten der Nordalpen. Zwischen der auf
Die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Verwandten. 327
diese thonig-sandige Schichtenreihe folgenden Kalk- und Dolomit-
inassen (llallstätter Kalk und Dolomit) selbst, lagern zwei thonig-
kalkige Zwischenbildungen, die sogenannten Raibler und Kö sse-
ner Schichten *), welche ich den ausseralpinischen Ablagerungen
entsprechend als alpinische untere und o b e r e M u s c h e 1 k e u p e r-
schichten bezeichne2). Diese zwei Zwischenbildungen trennen
die hellfarbige Kalk- und Dolomitmasse in drei Abtheilungen.
Die tiefsten und ersten Kalk- und Dolomitbildungen — die so-
genannten llallstätter Schichten und die Kalk- und Dolomit-
schichten von Esino, oder nach meiner Bezeichnungsweise der
untere alpinische Keuperkalk — liegen demnach zwischen
den Lettenkohlen- oder Partnachschichten und den Raibler- oder
unteren Muschelkeuperschichten und sind, wo diese wirklich ent-
wickelt sind, nach der Lagerung leicht zu erkennen und zu scheiden.
Ott aber schliessen sie sich unmittelbar älteren Gesteinsunterlagen
an oder setzen ohne Zwischenlagen und desshalb ohne sehr bemerk-
bare Grenze in höhere dolomitische Massen fort, so dass sie mit
letzteren einen Schichtencomplex ausmachen.
Die tiefste Kalk- und Dolomitabtheilung in ihrer bestimmten
Abgrenzung nach unten und oben ist durch gewisse Eigenthümlich-
keiten vor den übrigen zunächst verwandten Kalk- und Dolomitge-
bilden ausgezeichnet.
Wir können hier zwar weder die auf grossen Verbreitungs-
strecken anhaltende grössere Reinheit und zugleich reine weissliche
Färbung dieser Kalk- und Dolomitmasse, noch die von Stelle zu
Stelle bemerkbaren eigenthünilichen grossoolithischen und mäandri-
nisch-streifigen Zeichnungen als sichere Unterscheidungskennzeichen
anführen. Denn diese lithologischen Charaktere sind viel zu unbe-
ständig und trügerisch, um sich auf dieselben zu verlassen, so ferne
es sich um Wiedererkennung gleichartiger Gebilde an etwas von
einander entfernt gelegenen Fundorten handelt. Dagegen stellen
sich hier häufiger als in den nächst höheren Dolomitregionen orga-
nische Oberreste ein, welche, wo sie vorkommen, dem Gesteine
einen bestimmten paläontologischen Charakter verleihen. Besonders
*) v. Hauer, SiUungsber. d. math.-natuw. Cl. d. k. Akad. d. Wiss. Bd. XXIV, S. 537
und Jahrb. d. k. geol. Reichsanst. 1853, S. 736.
2) Güinbel in: Geognostische Beschreibung des baierischen Alpengebirges , S. 259
und 356.
328 Gümbel.
sind es die speciell als Hallstätter Kalke zu bezeichnenden
rothen oder rothgefleckten und weisslichen Kalke in den Nordalpen,
welche stellenweise durch die Fülle ihrer Versteinerungen so grosse
Berühmtheit unter den Alpengesteinen erlangt haben.
Stellenweise sind die organischen Stoffe so gehäuft, dass eine
wahre Lumachelle entsteht. Globose Ammoniten ganz insbesondere,
dann gewisse Chemnitzien, die überaus häufig vorkommende Monotis
salinaria, Brachiopoden, Gasteropoden und Pelecypoden von eigen-
tümlichem Habitus und Korallen machen den nicht unbeträchtlichen
Kreis dieser organischen Einschlüsse aus und reichen vollständig zu,
das Eigentümliche dieser Bildung festzustellen, sie von tieferen und
höheren Lagen abzutrennen und diese Gesteinsstufe an entfernten
Orten wieder zu erkennen.
In den Südalpen umschliessen zuckerkörnige, weissliche Dolo-
mite (Schichten von Esino) zahlreiche Versteinerungen, welche
nach allgemeinem Urtheile die sie einschliessenden Sedimente im
Alter den Hallstätter Schichten gleichstellen *).
In den nördlichen und südlichen Kalkalpen erscheinen diese
Versteinerungen in gewisser Häufigkeit, aber immerhin nur an
wenigen Punkten; hier aber gleichsam angehäuft, so dass sie gegen-
über der ausgedehnten Verbreitung der hierher gehörigen Gebirgs-
massen demnach im Allgemeinen nur als spärlich verbreitet bezeich-
net werden müssen.
Die grosse Masse des Kalkes und Dolomites ist versteinerungs-
arm, oder es finden sich darin nur wenige, oft dürftig erhaltene,
undeutliche Fragmente organischer Überreste, so dass man in den
allermeisten Fällen genöthigt ist, die Stufe, welche die hierher zu
zählenden Gesteine einnehmen, nach den oft verwickelten Lage-
rungsverhältnissen und nach dem nicht immer zuverlässigen litho-
logischen Charakter zu bestimmen. Am meisten Vorschub leistet
in dieser Hinsicht ihre Lagerung zwischen den zwei thonig-merge-
ligen Schichtenreihen, nämlich zwischen den Part nach- und
Raibler Schichten, doch stossen wir auch hier wieder auf neue
Unsicherheiten. Denn selbst in den Nordalpen ist die Unterscheidung
der beiden mergeligen Schichtenreihen, an welche als dritte nächst-
*) s i ii |i |i ;i n i . Paleo.ntologie lombarde, Monographie des Gasteropodes des environs
d'Esiuo, p. 9.
Die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Verwandten. 3*9
verwandte Gruppe die des oberen Muschelkeupers (Kössener
Schichten) sich anschliesst, nicht ohne Schwierigkeit. Wollen wir
von dem Vorkommen der oft mehreren Stufen gemeinsamen, seltenen
Pflanzenreste, sowie von dem Einschlüsse der polymorphen llalubia
Lommeli absehen, so ist nicht zu verkennen, dass die unteren
Muschelkeuperschichten (Raibler) ziemlich zahlreiche, oft iden-
tische, oft zunächst mit Arten von St. Cassian verwandte Formen
einschliessen, wodurch die genaue paläontologische Unterscheidung
beider Stufen erschwert wird. Doch finden sich eigenthümliche
Species in den Raibler Schichten, welche die Selbstständigkeit
dieser Stufe in den Nordalpen ausser Zweifel setzen und auf wenig-
stens einigermassen ausgedehnte Strecken diese Bildung bestimmt
zu erkennen gestatten. Aber in wie viel hundert Fällen ist auf
meilenweiten Strecken deren Spur verwischt oder sind die Schichten
selbst zweideutig ausgebildet, oder durch überstürzte Lagerung
sogar in scheinbar umgekehrte Lagerungsbeziehung zu den Kalk-
massen gesetzt?
Weniger sicher scheinen die Verhältnisse in den Südalpen
festgestellt zu sein. Zwar ist durch F. v. Hauer in den lombardi-
schen Alpen eine gleiche Schichtenordnung, wie in den Nordalpen
nachgewiesen worden. Aber diese Auffassung wurde von Seite
einiger italienischer Geognosten nicht ohne Einrede aufgenommen1),
indem behauptet wurde, dass hier die Repräsentanten der Raibler
Schichten — die Schichten von Dossena — unter dem Esino-Dolomit
gelagert angenommen werden müssten. Diese Unsicherheit vermehrt
sich durch die fast gleichförmige lithologische Beschaffenheit der
mit den Mergel- und Sandstein-Zwischenlagen zusammen vorkom-
menden Dolomite , wodurch Verwechslungen der verschiedenen
Stufen so leicht möglich sind. Schon Escher v. d. Linth glaubte
(Geol. Bern. ü. Vorarlb. p. 112u. 113) vier Dolomitetagen wenigstens
örtlich in den lombardischen Alpen unterscheiden zu können , worin
zwei obere Etagen den Dachsteinkalk (mit Megalodon scutatus
Schafh.) und die Kössener Schichten repräsentiren, während die
Hauptmassen des Dolomites, zu welchen auch jene versteinerungs-
reichen Schichten von Esino gehören, über den Schichten (Dossena,
Oncta) mit Myophoria Whatleyae ihre Stelle fänden. Stoppani stellt
i) Stoppani I. c. p. 8.
330 Gümbel.
1. c. 7 — 9) den versteinerungsreichen Dolomit und Kalk von Esino
mit dem Hallstätter Kalke in gleiches Niveau und glaubt annehmen
zu müssen, dass diese Esinoschichten über den mehr mergeligen
Gebilden von Dossena liegen, folglich, dass letztere kein Äquivalent
für die Raibler Schichten, vielmehr mit den eigentlichen Gebilden
von St. Cassian von gleichem Alter seien. Ragazzoni *) erklärt
diese von der Auffassung v. Hauer's abweichende Ansicht Stop-
pani's daraus, dass Stoppani den Kalk von Esino mit dem oberen
Triasdolomit (Hauptdolomit) identificirte, unter welchem letzteren
allerdings die Raibler Schichten lagern..
Stoppani 's neue Gliederung3) gibt folgende Reihenfolge:
A. Lias.
1. Rildungen von Saltrio, Kalk mit Ammonites bisulcatus,
Gryphaea arcuata.
2. Oberer Dolomit (Dachsteinkalk) mit einer Bivalve Mega-
lodon scM^M^s-ähnlich oder mit ihr identisch.
!a) Schichten v. Azzarola,
b) Lumachelle u. schwar-
ze Mergelschichten.
B. Oberer Trias.
4. Mittlerer Dolomit (mittlerer Dolomit im besonderen mit
Cardium, Esinokalk) mit der Fauna von Esino (Äquivalent der
Hallstätter und Cassianer Bildungen).
5. Schichten von Gorno und Dossena (Äquivalent der
Raibler Schichten).
Diese neueste Gliederung der südalpinischen Kalkmassen im
Vergleiche zu jenen in den Nordalpen Hesse sich, falls sie richtig ist,
nur erklären, wenn in den Südalpen entweder das wahre Äquivalent
der Raibler Schichten fehlt und so der unter den Kössener Schichten
(3) gelagerte Hauptdolomit (unterer Dachsteinkalk und Dolomit von
Richthofen) mit dem Hallstätter Kalke in ein Kalkschichtensystem
verschmilzt, oder indem beide, Hauptdolomit und Raibler Schichten
zugleich, nicht entwickelt sind, oder endlich indem das wahre Äqui-
valent der Hallstätter Kalke und Dolomite ausfiele und so die Schichten
von Esino in das Niveau desHauptdolomits zu setzen und die Schichten
!) Jahrb. der geol. Reichsansi. 1859. X. Verh. p. 192.
2) Paleont. lombarde, 2. Se'rie, p. 147.
Die Dachsteinunralve und ihre alpinen Verwandten. o»)l
von Dossena mit jenen von St. Cassian oder bestimmter mit den
Partnach-Schichten der Nordalpen zu vereinigen wären. Vergleicht
man hiermit die Beobachtungen, welche von verschiedenen Forschern
in den Südalpen angestellt wurden, so scheint es am wahrschein-
lichsten, dassStoppani den Kalk und Dolomit unmittelbar unter
den Schichten mit Avicula contorta, die nach verschiedenen Angaben
noch die berühmte grosse Bivalve enthalten, mit denjenigen kalkigen
Schichten vereinigt hat, die das echte Äquivalent der Hallstätter
Schichten sind, indem wohl das trennende Glied — Raibler Schich-
ten — wie es in den Nordalpen öfters der Fall ist, stellenweise ver-
wischt, unentwickelt oder unansehnlich ist.
Leider fehlt es gerade in diesen Gliedern an häufiger verbreiteten
und leitenden Versteinerungen, die hier sichere Anhaltspunkte ge-
währten. Nur die eine Thatsache scheint sich hieraus festzustellen,
dass nämlich der ganze Schichtencomplex von den St. Cassianer
Bildungen bis hinauf zum oberen Dolomite, oder dem Repräsentanten
des Dachsteinkalkes, ein ebenso eng verbundenes Ganzes
bildet, wie ich dasselbe in den Nordalpen nachgewiesen habe. Hier
nimmt über dem in fiist ununterbrochenem Zuge zu verfolgenden
Schichtenstreifen des unteren Muschelkeupers (Raibler Schich-
ten) zunächst eine sehr mächtige Dolomitmasse ihre Stelle ein. Es
ist dies der sogenannte Hauptdolomit oder der untere Dach-
steinkalk und Dolomit. Durch den ganzen Zug der bayerischen
und Tiroler Alpen , in welchem der Dolomit häufig eine Mächtigkeit
von mehreren tausend Fuss gewinnt und in mehrere parallele Züge
von meilengrosser Breite sich ausdehnt, ist diese Lagerungsweise
conslatiit und dadurch die Altersbeziehung sicher gestellt, wenn
auch trotz dieser enormen Verbreitung fast jede Spur von organi-
schen Einschlüssen fehlt. Ausser den Fisch- und Pflanzenresten in
den eingelagerten bituminösen oder Asphaltschiefern sind solche
nur äusserst spärlich bekannt geworden. So hat bei LeibelGng im
Iunthale Herr v. Hauer den Einschluss eines Megalodon ähnlichen
Steinkernes beobachtet und hie und da sieht man Spuren von Stein-
kernen, meist aber in Blöcken, deren ursprüngliche Lagerstätte
schwierig zu ermitteln ist. Zum Glück lässt in einem grossen Theile
der Nordalpen weder die so bestimmt ausgeprägte Gesteinsbeschaf-
fenheit, noch die meist klar aufgeschlossene Lagerung einen Zweifel,
ob diese oder jene Dolomitmasse dem Hauptdolomite angehöre oder
332 Gfimbei.
nicht. Wo aber, wie es bereits in den östlichen Gegenden der baye-
rischen, häufiger noch in den Salzburger Alpen , und wie es wahr-
scheinlich ähnlich auf grösseren Strecken in den Südalpen vorkommt,
die Zwischenschicht des unteren Muschelkeupers (Raibler Schich-
ten) fehlt, oder undeutlich und verwischt ist, da schmilzt sehr häufig
das dolomitische Gestein der Hallstätter Schichten mit dem Haupt-
dolomite zu einem scheinbar ungetheilten Ganzen zusammen. Ein
ganz ähnliches Verhältniss findet auch nach Oben Statt. Wenn
zwischen dem Hauptdolomite und dem Dachsteinkalke oder dem
diesen letzteren vertretenden Dolomite selbst die meist versteine-
rungsreichen, mergeligen Bänke des oberen Muschelkeupers oder
der Kössener Schichten vorkommen, dann ist eine Sonderung leicht.
Stellenweise ist dies jedoch nicht der Fall; es fehlen auf weite
Strecken zuweilen diese trennenden Zwischenschichten, so dass dann
Hauptdolomit und Dachsteinkalk unmittelbar an einander stossen und
in einander übergehen. Hier sind wir nun am Punkte angelangt, wo
uns die Hilfe der Paläontologie doppelt nothwendig wäre. Der Dach-
steinkalk ist meist mit organischen Einschlüssen, wenn auch gerade
nicht reichlich, versehen ; die D a c h s t e i n b i v a 1 v e ist hier häufig ;
häufiger noch stellen sich Koralleneinschlüsse ein. Im Übrigen sind
es vorherrschend die Arten des oberen Muschelkeupers, die sich
auch im Dachsteinkalke wieder finden. Die dem Dachsteinkalke so
häufig eingebettete sogenannte Da chsteinbivalve und ihr ähn-
liche Formen werden in den Alpen sehr häufig erwähnt. Bei der
grossen Seltenheit leitender Versteinerungen in einem sehr grossen
Theile der alpinischen Kalk- und Dolomitmassen ist gerade der Fund
dieser äusserlich leicht sich bemerkbar machenden und selbst in
Fragmenten vorleuchtenden Muschel von grösster Wichtigkeit. Man
pflegt den Fund dieser charakteristischen Muschel als ein sicheres
Zeichen anzusehen, dass das sie umschliessende Gestein dem Dach-
steinkalke gleichzustellen sei. Ehe diese Schlussfolge in ihrer All-
gemeinheit als richtig anzuerkennen ist, scheint es nothwendig einige
Thatsachen vorher erst sicher festzustellen. Es entsteht zunächst
die Frage, gehören alle als sogenannte Dachsteinbivalven ange-
sprochenen, oft nur dürftig erhaltenen Muscheltheile einer einzigen
Species und einem einzigen Schichtencomplexe an , oder sind unter
einer anscheinend gleichen Form verwandte Arten versteckt, welche
durch eine Heihe von Schichten hindurchreichen. Es wird um so
Die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Verwandten. 333
mehr nothwendig sein, dies einer sorgfältigeren Untersuchung zu
unterziehen, als häufig nur Steinkerne, welche ohnehin bezüglich
ihrer Bestimmung die Sicherheit, wie bei einer mit Schale erhaltenen
Muschel nicht mehr gewähren, beobachtet werden. Ferner ist fest-
zustellen, ob diese Dachsteinbivalve lediglich auf den Dachsteinkalk,
d. h. auf die Kalkbänke oberhalb des oberen Muschelkeupers be-
schränkt sei, oder auch in Schichten von tieferem Niveau vorkomme.
Erst nachdem diese Verhältnisse festgestellt sind, kann man ge-
sicherte Schlüsse bezüglich der Stellung der die Dachsteinbivalve
führenden Kalkbildungen ziehen. Es ist daher wohl einleuchtend,
von welch' grossem Interesse für die Alpengeognosie es ist, diese
Frage über die Dachsteinbivalve näher zu erörtern und soweit thun-
lich zu beantworten. Ehe wir jedoch dieses zu thun versuchen,
wollen wir noch einen Blick auf den umfangreichen Schichtencomplex
zurückwerfen, der hier als alpinischer Keuper zum Theil abweichend
gegen gewichtige Ansichten vieler Alpenforscher aufgefasst wurde,
und uns über diese Parallelisirung rechtfertigen.
Geognostische Stellang.
Wir wissen wohl, dass es bei Entscheidung der Frage, ob der
grosse Schichtencomplex vom Hallstätter bis zum Dachsteinkalke
ungetheilt der oberen Trias (Keuper) zuzuzählen sei, oder halb der
Trias, halb dem Lias zufalle, nicht vom grossen Gewichte ist, auf die
lithologische Entwicklung sich zustutzen. Indessen scheint die merk-
würdige Übereinstimmung der Entwickelung, welche wir durch alle
diese Schichten wahrnehmen in dieser Hinsicht dennoch nicht unbe-
achtet bleiben zu dürfen. Wer wollte nicht in der gleichartigen mecha-
nischen Bildung der sogenannten Cassianer, Raibler, Kössener Schich-
ten, welche oft mit staunenswerther, bis in's Kleine gehender Ähnlich-
keit sich wiederholt, eine Andeutung finden, dass alle diese Bildungen
unter ziemlich gleichen Verhältnissen entstanden sind, und einem ge-
meinsamen grossen Zeitabschnitte in der Bildung der Erdrinde zuge-
hören? Und vollends, wenn wir die meist nach petrographischen
Kennzeichen nicht zu unterscheidenden Kalke von Hallstatt und jene
des Dachsteinkalkes, oder die Dolomite der Hallstätter Schichten, des
Hauptdolomites und des Dachsteinkalkes mit einander vergleichen,
und wenn wir, wo Zwischenschichten fehlen, sämmtliche Schichten
in einem Kalkmassiv vereinigt sehen, wer wollte es nicht natür-
334 Gümbel.
lieber erachten, dass diese Massen allein ganz zusammengefasst
werden, als dass man sie auseininderreisse und verschiedenen Forma-
tionen zutheile. Auch die ununterbrochen gleichförmig fortschrei-
tende Lagerung durch alle diese Schichten spricht für eine solche
Zusammenfassung. Doch wir gestehen, dies ist nur Nebensache-
Das Hauptgewicht liegt unstreitig in den paläontologischen Verhält-
nissen. Hier sprechen Zahlen. Wir haben nachgewiesen *), dass in
den obersten Schichten des Alpenkeupers unter 166 Arten, IS mit
solchen der Cassianer Schichten und 7 mit solchen der Raibler
Schichten identisch sind, während nur höchstens 2 Species mit
solchen des ausseralpinischen Lias übereinstimmen, mit dem Alpen-
lias sich jedoch keine einzige Art identisch erwies.
Auf Grund dieses paläontologischen Verhaltens haben wir die
Schichten mit Einschluss jener des Dachsteinkalkes dem Alpenkeuper
zugewiesen. Man stützt sich häufig bei einer dieser Ansicht ent-
gegenstehenden Auffassung auf die Ähnlichkeit und Analogie mehre-
rer Species der Kössener Schichten mit Arten des ausseralpinischen
Lias, und hebt die geringere Verwandtschaft mit triasischen Formen
betonend hervor. Bei dieser Vergleichung vergisst man gänzlicb,
dass es auch, abgesehen von den absolut identischen Muschelschich-
ten des Bonebed, ausserhalb der Alpen fast total an einer triasi-
schen Fauna fehlt, welche jener der Kössener Schichten im Alter
zunächst stände. Wie können die nur dürftig vorkommenden und
nur erst höchst unvollkommen bekannten Conchylienreste der Letten-
kohle und des mittleren Keuperdolomites in dieser Beziehung in
Vergleichung gestellt werden mit dem an zahllosen Orten gesammel-
ten und sorgsamst beschriebenen Versteinerungen des unteren Lias?
Meist ist es daher nur die viel ältere Muschelkalkfauna, mit welcher
die der Kössener Schichten verglichen wird, da die am meisten ver-
wandte, nächst ältere ausseralpinische Fauna des mittleren und
oberen Keupers artenarm und wenig bekannt ist. Und doch kann
man nicht annehmen, dass in der ungeheuren Zeitperiode zwischen
der Muschelkalk- oder der Lettenkohlenbildung und der Entstehung
des Bonebeds die organischen Wesen auf der Erde gefehlt haben,
oder so spärlich gewesen sind, wie es die Aimuth der Keupersand-
*) Gümbel, Geogn. Beschreibung des baier. Alpengebirges und seines Vorlandes.
S. 413.
Die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Verwandten. )>))!>
steine und der Lettenschiefer anzuzeigen scheint. Es wurden diese
eben unter eigentümlichen Bedingungen in Wasserhecken abgesetzt,
in welchen fast ausschliesslich die durchgreifende Bildung von Sand
und Schief erthon gleichen Schritt hielt mit den eine reiche und gedeih-
liehe Eiitwickelung der Organismen hindernden, störenden oder aus-
.schüessenden Verhältnissen. Die Fauna der Partnach, der B;iihler
und Kössener Schichten repräsentirt eben gerade die Thierwclt der
Lettenkohlen, der mittleren und oberen Keuperzeit, welche ausser-
halb den Alpen nicht zur gleich weiten Entwickelang kam, und muss
daher vermöge dieser ihrer Zeitstellung in den tiefsten Schichten
mehr mit der Muschelkalkfauna, in den Hangenden mehr mit jener
des Liäs Analogien vorkommen lassen, wie es sich in der That zeigt-
Ausserhalb der Alpen sind es die nächst höhern Liasschiehten,
mit deren organischen Einschlüssen man die Muschelversteiuerungen
des Bonebed vergleicht und auf Grund dieser Vergleichung haben
mehrere Geognosten dieses als supratriasisch der Juraformation
zutheilen zu müssen geglaubt. Aber ist dieses Verfahren nicht ein-
seitig, so lange man nicht in der Lage ist, die Bonebedmuscheln
auch bezüglich ihrer Ähnlichkeit mit Formen solcher Schichten
zusammenzuhalten, die in entsprechender Weise, wie die Lias-
schiehten nach oben, so nach unten den Schichten der Avicula
contorta benachbart lagern? In den Alpen sind diese Verhältnisse
etwas anders. Die Kalkbank oberhalb der Kössener Schichten
(Dachsteinkalk) ist völlig getrennt von den tiefsten und ersten
Liasbildungen — keine Species geht von der einen in die andere
über, wohl aber in die unter den Kössener Schichten gelagerten
Bildungen, die man demnach auch als unteren Dachsteinkalk bezeich-
net hat; ja Kössener Species reichen selbst bis in die Baibier
Schichten und noch tiefer hinab.
In nicht seltenen Fällen verschmilzt der graue, untere Dach-
steinkalk untrennbar mit den Hallstätter Schichten, die doch sammt
den Baibier Schichten allseitig als triasisch angenommen werden. Ist
es nun nach alle dem naturgemäss, in den Alpen sogar noch den
unteren Dachsteinkalk — eine Bildung von oft mehr als 1000'
Mächtigkeit — gleichsam als Anhängsel dem Lias zuzutheilen, mit
welchem dieser ganze Schichtencomplex keine einzige Art von
organischen Einschlüssen gemeinsam besitzt und von welchem er
durch Lagerung und Gesteinsbeschaffenheit ziemlich scharf getrennt
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLV. Cd. I. Abth. •>■>
336 G iim bei.
ist? Scheint es diesem gegenüber nicht naturgemässer, die Ge-
sainmtbildung des Dachsteinkalks und der Kössener Schichten,
welche gemäss vieler durch sie hindurchreichender Versteinerungen,
durch gleichförmige lithologische Entwicklung und Lagerung mit
den tiefer gelagerten Schichten so innig verwandt sind, mit diesen
enger vereinigt zu lassen und dem Keuper anzuschliessen und dem-
gemäss diese oberen Glieder schon allein wegen ihrer kolossalen
Mächtigkeit, als eine besondere triasische Abtheilung — Rhätische
Stufe 9 — zu behandeln.
Wir konnten uns bis jetzt von der Natürlichkeit der letzten
Auffassung durch keine Gegengründe abbringen lassen und glauben
um so mehr auf unserem früheren Vorschlag bestehen zu dürfen, als
auch Prof. Suess3) neuerlich demselben beigestimmt hat.
Wir wenden uns nunmehr den näheren Untersuchungen der
Dachsteinbivalve zu. Hier erscheint es in erster Linie not-
wendig, zu bestimmen, welche organischen Überreste und mit weichen
verschiedenen Namen dieselben überhaupt unter dieser Bezeichnung
zusammengefasst worden sind. Es kommen hier begreiflicherweise
nur organische Überreste aus den Alpen in Frage, da ausserhalb
dem Alpensystem und seinen Verzweigungen ähnliche Formen in
analogen Bildungen nirgends gefunden wurden.
Die ureigentliche Dachsteinbivalve ist jene auf dem Dach-
steingebirge der Salzburger Alpen in einem weissiichen, bis-
weilen röthlichen Kalke eingeschlossene Muschel , welche wegen
der Häutigkeit ihres Vorkommens und der auffallenden Form ihrer
verschiedenen Durchschnitte schon frühzeitig die Aufmerksamkeit
des Gebirgsbewohners und des Gebirgsforschers auf sich gezogen
hatte. Bald sind es herzförmig gestaltete Buckeln, welche sich aus
der Oberfläche des verwitternden Kalkfelsens erheben, bald jene durch
den Querdurchschnitt zum Vorschein kommenden Zeichnungen,
welche die Form eines Kartenspielherzens zeigen, bald jene neben
einander gestellten Vertiefungen, welche der Fährte des Hirsches
am ähnlichsten sehen. Daher bezeichnete der Mund des Volkes diese
Gestalten bald als „versteinerte Herzen", bald als „Hirschentritte";
dem Kundigen galt sie als eine versteinerte Muschel, welche sich
i) G um bei, im amtl. Ber über d. XXXIV. Versamml. d. Nat. in Karlsruhe, |>. S4.
2) Suess, im Jalub. d. k. k. geol. Reichsanst in Wien.
Die Dachsteinbivalre und ihre alpinen Verwandten., 33 T
zunächst dem Genus hocardia oder Cardium anschliesse. Auch an
vielen anderen Stellen hatte man in den Kalkalpen ähnliche grosse herz-
förmige Versteinerungen hemerkt. Zuerst war es wohl Wu 1 f e n, welcher
mit wissenschaftlichem Kruste einer solchen Herzmuschel seine Auf-
merksamkeit zuwendete. Die von ihm untersuchten Exemplare waren
Steinkerne aus dem Kalk- und Dolomitgebirge bei Bleiberg in
Kärnten. Er hatte sie früher für Bucarditen gehalten. In seiner
neueren Schrift <) gab er in der zweiten Figur u. p. 47 u. f. eine
eben so gute Abbildung als treffliche Beschreibung von diesem Blei-
berger Steinkern, dem er den Namen Cardium triquetrum beilegte.
Eine besondere Form hat schon 1781 Hacquet in dem zwei-
ten Theile seiner Oryctographia carniolica, S. 3 und 4 beschrieben
und auf dem Titelblatte abgebildet. Sie stammt von dem Dorfe
Podpetsch bei Laibach aus einem mergeligen Kalke und besteht
selbst aus schwarzem Kalkspath, der von eisenschüssigem Thone
überzogen ist. Dies stimmt so vollständig mit den Exemplaren
überein, die ich von gleicher Fundstätte vor mir habe, dass die
Identität mit dieser Ha cqu et' sehen Art unzweifelhaft ist. Dieselbe
Art erwähnt später 1788 Joh. Sam. Schröter in seinem lith. Beal-
und Verballexikon, Bd. VIII, p. 188 unter seinen Venusmuscheln von
gleichem Fundorte unter Bezugnahme auf Hacquet' s Beschreibung
und Abbildung, ohne ihr einen besonderen Namen zu geben.
Erst v. Schlot heim bezeichnet 1820 in seiner Petrefacten-
kunde, p. 208 die Hacquet' sehe Muschel als Bucardites chamae-
formis, ohne sie weiter zu beschreiben. Es erweist sich damit,
dass Schlotheim nicht die eigentliche Dachsteinbivalve, sondern
eine Art vor sich hatte, die später näher beschrieben werden soll.
Auch in den italienischen Alpen wurden ähnliche Thierreste
gefunden. Brocch i2) identificirte diese 1822 mit dem Wulfe n'schen
Cardium triquetrum und Ca tu Ho3) folgte dieser Annahme. Seine
Figuren t. I, D, E, F entsprechen genau und in allen Theilen der
W u I fe n' sehen Figur, nämlich dem Cardium triquetrum des Dolo-
1) Xaver i us Wulfen' 9 Abhandlungen vom Känifen'scheu pfauenschweifigen Hel-
iiiiiitliulüli oder dem sogenannten opalisirenden Muschelmarmor.Erlangen bei Jobann
Jakob Palm. 1793
2) Brocchi Mem. sopro le speloncbe di Adelsberg in: ßihliot. Italiania 1822. 279.
t. XXV.
s) Catullo Saggio di zool. fossile p. 140, t. I. fig. D, E, E und t. II. fig. A a.
23 *
338 G um bei.
mites, während Fig. t. II, f. A bis iu's Einzelne dem Steinkern der
Dachsteinbivalve gleichkommt, welche statt aus Dolomit aus Kalk-
masse besteht Wir finden bei diesen Kalken namentlich die Längs-
leisten, wie sie die Zeichnung andeutet, meist gut erhalten. Ein
specieller Unterschied zwischen beiden Tafel I und II scheint dem-
nach nicht zu bestehen , ausser dass die dolomitischen Stein-
kerne weit abgewitterler und unvollständiger sind. Auf ähnlich
gestaltete Muscheln hatte unter dem Namen Isocardia carinthiaca
frühzeitig schon Boue1) wiederholt aufmerksam gemacht. Auch
Boue's Exemplare stammen aus der Nähe Bleibergs, wie das
Wulfen' sehe Cardium triquetrum, fanden sich aber in Gesellschaft
von Versteinerungen der Baibier Schiebten :
Myophoria Kef'ersteini (Cryptina Raibeliana Boue^), Corbula
Rosthorni, Corbis Mellingi (? Cypricardia antiqua Bou ej.
Boue selbst hält seine Isocardia identisch mit Wulfe n's Car-
dium, dessen Abbildung er für nicht gelungen erklärt. Indess ist
zwischen beiden Abbildungen schwer eine Vergleichung zu ziehen,
da beide Steinkerne, und zwar in sehr ungleichem Grade der Abwrit-
terung darstellen. Boue's Zeichnung passt mit Ausnahme der mehr
auseinander stehenden Wirbelenden viel besser mit gewissen der
Dachsteinbivalve ähnlichen Muscheln, wofür Herr v. Hauer die Be-
zeichnung Megalodon carinthiacus gewählt hat; sie liegen in den
Baibier Schichten, gehören aber nicht zum Genus der Dachstein-
bivalve, daher auch nach y. Hauer 's Vorgang Boue's und Wul-
fen 's Art nicht für identisch zu halten sind.
Unter der Bezeichnung Isocardia exaltala beschreibt 1837
P lisch einen Steinkern, der so viel Ähnliches mit der Dachstein-
bivalve besitzt, dass derselbe mit grosser Wahrscheinlichkeit hieher
zu ziehen ist. (Pusch, Polens Paläontologie 1837, p. 67, t. VII, 9.)
Auch in den Nordalpen zog der Einschluss dieser Herzmuschel
im sonst versteinerungsarmen Kalke die Aufmerksamkeit der alten
Alpenforscher nicht wenig auf sich. Man findet sie in den älteren
geognostischen Nachrichten meist als Gryphitcs, später als Gry-
pliuca erwähnt. Murchison und Sedgwick2) scheinen noch
1831 sie unter der Bezeichnung Gryphaea ineurva (Gr. cymbium)
1) Boue, Memoires d. 1. soc. geol. ile France, tom. 11, 1, p. 47, pl. IV, fig. ;>.
2) Transactiona of Ihe geol. soc. 2 Scr. Vol. III.
Die Dachsteinbiralre und ihre alpinen Verwandten. 339
zu verstehen; und Li II1) in seinen classiseh gewordenen Profileu
bezeichnet mit seiner Gryphaea cymbium (1831) unzweifelhaft die
echte Dachsteinhivalve. Bronn erklärte jedoch schon 1832, dass
diese von Li 11 ihm überschickte undeutliche Versteinerung-) nicht
Gryphaea cymbium sein könne, sondern zu Diceras oder zu den
Cyrtoceratiten gehöre, undBoue3) sagt ausdrücklich, dass diese
von Murchison und Lill als Gryphaea angegebene Salzburger
Muschel nichts anderes, als die Bleiberger Isocardia sei.
Diese Isocardia ähnliche Muschel wurde nun in der Folge in
den nördlichen, namentlich Salzburger Alpen häufig beobachtet und
von den Geologen der neuen Wiener Schule, wegen ihrem haupt-
sächlichsten Vorkommen auf dem Dachsteingebirge als Dachstein-
hivalve bekannt gemacht. Auch in den östlichen Alpen, wo die
geognostische Durchforschung des Tiroler Gebirges mit erstaun-
lichem Eifer und Beharrlichkeit betrieben wurde, konnte die auch hier
häutige Muschelversteinerung der Aufmerksamkeit nicht entgehen. Ein
auf Naturerscheinungen besonders aufmerksamer Beobachter in
Elbigenalp, Herr Falger, hatte in der Nähe seiner Heimat in zahl-
reichen, besonders wohl erhaltenen Exemplaren diese Muschel gesam-
melt und in freigebiger Weise an ihn besuchende Gebirgsforscher
vertheilt. So gelangte sie zuerst in die Hände der Tiroler Geognosten»
welche sie nun an zahlreichen Punkten des Tiroler Gebirges wieder
fanden und in ihrem Berichte4) mit dem Namen Isocardia striata
belegten (1844).
In ein neues glänzendes Stadium trat das geognostische
Studium der Alpen mit der Gründung der k. k. geologischen Beichs-
anstalt in Wien. In deren erstem Berichte5) vergleicht F. v. Hauer
die Dachsteinhivalve noch einer Isocardia und nennt als
gemeinschaftlichen Ort ihres Vorkommens Echernthal am Dachstein,
Golling, Bernhardsthal bei Elbigenalp, Bleiberg, die venetianischen
und vicentinischen Alpen. Damit wurde zuerst auf die Identität
aller der oben genannten Formen hingedeutet. Schon in demselben
l) Jahrbuch von JLeonh. und Bronn. 1S31, p. 74.
~) * * 1823, p. iö:>.
3) » 1833, p. 03.
') Bericht des geogn. montan. Vereines für Tirol und Vorarlberg (1841 — lyi \)
5) Jahrb. d. geol. Reichsanstalt in Wien. 18ÖÜ.
340 G um bei.
Bunde des Jahrbuches der geologischen Reichsansialt (I, p. 154,
644, 660) wird die Dachsteinbivalve von Echeruthal und Hallstatt
mit Cardium triquetrum Catullo's durch v. Hauer1)» identiflcirt
und auch eine zweite Homocardium ähnliche Form genannt, die hin
und wieder jenem Cardium beigesellt sei.
In allen späteren Berichten dieses wissenschaftlichen Instituts
wird nun an der Annahme festgehalten, dass die Dachstein-
bivalve des Dach stein gebirg es mitCardium triquetrum
Wulfen's identisch sei.
Dieselbe Bivalve, welche die Tiroler Geognosten Isocardia
striata genannt hatten , gelangte von demselben Fundorte durch
H. Falger auch in die Hand des Herrn Professor Schafhäutl.
Demselben gebührt das Verdienst zuerst (1851) 2) die wahre Stel-
lung dieser Muschel dadurch erkannt zu haben, dass er sie dem
Genus Megalodon zutheilte; er belegte sie mit dem Speciesnamen
scutatus und veranstaltete zuerst eine Abbildung der Muschel mit der
Schale. Zugleich machte er uns mit dem Durchschnitte derselben
Muschel nach der Längenrichtung bekannt (1. c. p. 143, t. XVIII
und XIX), hielt diesen Körper aber für etwas ganz besonderes, dem
er den Namen Pholas ungulata beilegte. Später beschrieb er den
Steinkern3) und hielt auch diesen für den Überrest einer besonderen
Muschel, welche er als Isocardia grandicornis bezeichnete. Später4)
beschreibt derselbe Gelehrte dieselbe Art eines Steinkernes unter
der Bezeichnung Tauroceras tiara. Die Identität dieser beiden als
besondere Arten bezeichneten Theile der Dachsteinbivalve wurde
sowohl durch Aufsammlungen von denselben Localitäten, als auch
durch Autopsie der Originale sicher gestellt.
Im Jahre 1853 gab F. v. Hauer5) in seiner classischen Dar-
stellung über die Gliederung der Trias-, Lias- und Juragebilde in
den Nordost-Alpen p. 731 die erste umfassende Nachricht über
die Dachsteinbivalve und der ihr zugehörigen Gestalten, wobei
er bezüglich der Genus-Zutheilung der Ansicht Schaf häutl's zu-
stimmend und Wulfen's Cardium triquetrum identificirend, die
i) Sitzungsber. d. mathem.-naturw. Ci. d. k. Akad. d. Wiss. 1850, p. 285.
2) Geogn. Unters, d. südbair. Alpen 1831, p. 145, Taf. XXIII, XXIV, 31, 3'J
3) N. Jahrbuch von Leonhard und Bronn, 1851, p. 146.
4) „ „ „ „ „ „ 1854, p. 550, Taf VIII, Fig. I».
*) Jahrb d. geol. Reichsanst. 1833. p. 715.
Die Dachsteinbivalre and ihre alpinen Verwandten. 34-1
Dachsteinbivalve als Megalodon triqueter sp. Wulf, bezeichnet
und auch Boue's hocardia carintkiaca damals noch damit ver-
einigt. Von nun an gilt einstimmig bei den Wiener Geognosten
Cardium triquetrum Wulfen für dieselbe Muschel wie Megalodon
scutatus Schafhäutl. Nicht so bei den Schweizer und italieni-
schen Geognosten. Escher und Merian*) glauben, dass diese
[dentifieirung mit Unrecht vorgenommen worden sei, doch erwähnt
F. v. Hauer2), dass auch P. Merian neuerlich von seiner früheren
Ansicht abgegangen sei, und die Bleiberger Bivalve für identisch
mit Megalodon scutatus ansehe.
Die Italiener, namentlich Curioni3) beharrten bis in . der
neuesten Zeit bei der Annahme, dass Cardium triquetrum Wulf, ver-
schieden sei von Megalodon scutatus Schafh. , dass jenes im
Mitteldolomit unter den Schichten von Azzarola (Kössener Schich-
ten oder oberer Muschelkeuper) , letzterer im Kalke über den
Schichten von Azzarola seine Lagerstätte habe, ohne jedoch auch
nur entfernt einen Unterschied zwischen beiden anzugeben und
dadurch diese Ansicht zu begründen. Stoppani*) in seinem Send-
schreiben nennt die Dachsteinbivalve ausdrücklich Cardium trique-
trum und setzt ihre Lage in den oberen Dolomit, der dem Dach-
steinkalke entspricht. Ausführlich wird dieser Gelehrte, wie er
ankündigt , am Schlüsse der 3. Abtheilung seiner Paleontologie
lombarde von dieser grossen Muschel handeln. Vorläufig gibt der-
selbe (1861) als das Resultat seiner bisher gesammelten Beobach-
tungen an, dass5) die zwei Kalk- oder Dolomitgruppen, welche in
der Lombardie eine grosse Cardium ähnliche Muschel einschliessen,
die eine über den Schichten der Avicula contorta — oberer
Dolomit — die andere unter denselben — unterer Dolomit —
gelagert sei, dass aber die in diesen Gruppen vorkommenden ähn-
lichen Muscheln nicht identisch seien, sondern zwei verschiedenen
Arten angehören.
i) Geol. Bemerk, über d. N. Vorarlberg etc. 1S53, p. IS.
-) Jahrb. d. geol. Reichsanstalt 1855, p. 894. Anmerkung.
3) Jahrb. d. geol. Reiehsanst. 1858, p. 474 und Mein, tl e II ' I. I!. insliluto lomhardn di
science ecc. 1859, p, 137.
4) Jahrb. d. g-eol. Reichsanst. 1858, p. 139.
5) Essai sur les conditions generales des eonches a avicula cnnlorta Milan. 1861, p. 45.
342 Gürabel.
Die mit Megalodon triqueter von F. v. Hauer als identisch
angesehene Isocardia carinthiaca Bone hat der genannte Gelehrte
neuerlich *) davon wieder getrennt und mit dem Namen Megalodon
carinthiacus sp. Bone bezeichnet. Weiter stellte eine mit dieser
Gruppe von Muscheln, um die es sich handelt, verwandte Art Herr
Director Hörn es2) als Pachyrisma columbella auf.
Was die erstere, Megalodon carinthiacus anbelangt, so haben
mich die Originale, deren Vergleichung mir durch die seltene Libe-
ralität des Herrn Bergrathes v. Hauer ermöglicht wurde, vollständig
überzeugt, dass diese Art der Gruppe der alpinen Megalodonten nicht
angehöre, so sehr die Äusserlichkeit der Form dies vermuthen lässt.
Vor allem spricht die Dünnschaligkeit namentlich in der Wirbel-
gegend mit Bestimmtheit dagegen; ferner fehlt der charakteristische
Längskiel an der hinteren Seite, sowie die eigentümliche Depres-
sion, die hinter diesem Kiele constant vorkommt. Die Wirbel sind
zwar stark nach vorn gebogen, aber nur gedreht und nicht einge-
rollt. Die geringe Dicke der Schale lässt auf ein Schloss schliessen,
das keine Ähnlichkeit mit dem der Megalodonten besitzen kann. Der
ganze Habitus der Muschel erinnert an hoarca. Auch Pachyrisma
columbella konnte ich in Originalexemplaren durch die Gewogenheit
des Herrn Directors Hörn es untersuchen. Ich fand eine solche
Übereinstimmung dieser schönen Muschel mit einer Art, deren
Steinkerne bei Nassereit im Hallstätter Kalke vorkommen und welche
durch ihren Schlossbau unzweifelhaft dem Genus der Dachstein-
bivalven angehören, dass ich mir nicht versagen konnte, diese Nasse-
reiter Art als Megalodon columbella zu bezeichnen, um die innigste
Verwandtschaft, vielleicht Identität mit Pachyrisma columbella an-
zuzeigen.
Endlich habe ich3) eine von den Dachsteinhivalven abwei-
chende, doch sehr nahestehende Art als Megalodon gry\)hoides neu
benannt und beschrieben.
Damit möchte der Kreis der bis jetzt bekannt gewordenen
organischen Überreste aus den Alpenkaiken, die hier in Betracht
*) Sitzungsber. d. iiiathem.-natiirw. Cl. d. k. Akad. d. Wiss. Bd. XXIV, S. 545.
2) Denksehr. d. k. Akad. d. Wiss. mathera.-naturw. Cl. 1855, IX. Bd., s. 49, Taf. II,
Fig. 13 a— d.
3) Güinbel, in Geoga. Besehr. d. I>air. Alpengeb. und seiner Vorländer. 1858 — 18(51,
p. 421.
Die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Verwandten. 343
kommen, erschöpft sein. Ohne auf die Frage bezüglich der Identität
aller dieser Formen vorerst näher einzugehen , stellen sich
demnach folgende Formen als Gegenstand für unsere Unter-
suchung dar:
Cardium triquetrum Wulfen.
Isocardia striata Geogn. montan. Verein v. Tirol.
Megalodon scutatus S c h a f h.
Tauroceras tiara S c h a f h.
Megalodon gryphoides Gümb. Daran reiht sich
? Pachyrisma columbella Hörn es, und
Megalodon columbella Gümb.
Cardium des oberen Dolomits Stopp.
Cardium des mittleren Dolomits Stopp.
Es treten nun zunächst zwei Hauptfragen in den Vordergrund,
nämlich :
1. Ist die Dachsteinbivalve identisch mit Isocardia striata oder
Megalodon scutatus Schafh. von Elbigenalp?
2. Ist die Dachsteinbivalve (der Salzburger Alpen) als identisch
mit Wulfen' s Cardium triquetrum anzunehmen?
Daran reihen sich dann die übrigen Fragen, wohin die sonst als
Dachsteinbivalven bezeichneten Muscheln der verschiedenen Fund-
orte gehören, ob sie identisch oder nicht, oder ob sie anderen Arten
zuzutheilen seien ; welchem Niveau die als bestimmt erkannten
Arten angehören und schliesslich , welchem Genus die Dachstein-
bivalve und ihre nächsten Alpenverwandten angehören.
Indem ich mich vorerst zur Untersuchung wende, ob die Dach-
steinbivalve Megalodon triqueter Wulfe n's und v. Hauer' s für iden-
tisch zu gelten habe mit Isocardia striata oder Megalodon scutatus
von Elbigenalp fühle ich mich ganz besonders gedrungen, den
Herren k. k. Bergrath F. v. Hauer und Director Dr. Hörnes in
Wien, welche mit seltener Liberalität sowohl mit Exemplaren zur
Untersuchung und zur Vergleichung, als auch mit Literatur freund-
lich Beihilfe leisteten, dann den Herren Prof. Escher von der
Linth in Zürich, Prof. Pichler und Dr. Lindner in Inns-
bruck, Herrn Hofrath Fischer in München, Prof. Oppel in
München und Herrn Fa lg er in Elbigenalp, welche mir gleichfalls
Exemplare ihrer Sammlungen anvertrauten, den besten Dank für ihr
Wohlwollen und die Förderung meiner Arbeit auszusprechen.
344 Gfimbel.
Aus dem Dachsteingebirge, namentlich vom Echernthal lagen
eine namhafte Anzahl von Exemplaren, viele mit noch erhaltener
Schale zur Vergleichung mit gleichfalls zahlreichen Exemplaren aus
dem Bernhardsthale bei Elbigenalp, woher die Originale zu Iso-
cardia striata und Megalodon scutatus stammen, vor. Obwohl die
umhüllende Steinmasse beider Localitäten eine wesentlich andere
Beschaffenheit besitzt, an letztem Orte nämlich aus einem thonigen
schwärzlichgrauen Kalke mit weisslichpn Tupfen, am erstgenannten
Gebirge dagegen aus einem meist sehr dichten, oft blendend weissen
oder etwas röthlich gefärbten, ziemlich reinen Kalke besteht, demzu-
folge auch der Schalenkörper aus verschieden gefärbtem Material gebil-
det ist, so zeigte sich doch in allen und jeden Einzelheiten eine solche
Übereinstimmung, dass an der Identität der Dach steinbiva lve
mit der grossen Bivalve von Elbigenalp nicht im Ent-
ferntesten gezweifelt werden kann. Alle Äusserlichkeiten
sowohl, als auch Beschaffenheit des Schlosses und Lage des Muskel-
eindruckes beweisen diese Identität.
Es ist sonach Megalodon triqueter v. Hauer — vorläufig noch
abgesehen von Cardium triquetrum Wulfen — gleichbedeutend
mit Isocardia striata oder Megalodon scutatus. Diese Übereinstim-
mung erstreckt sich sogar bis auf die eigenthümliche, stellenweise
bemerkbare, unregelmässig gebogene feine Schalenstreifung und
lässt sich auch in gleichem Masse am innern Bau und namentlich am
Schlosse, das von einzelnen Stücken beider Fundstätten näher
kennen zu lernen mir sehr gut gelungen ist, erkennen. Blossgelegte
Theile des Schlosses, Lage und Beschaffenheit der Muskeleindriicke
des Mantelsaumes, wie überhaupt die gesammte Eigentümlichkeit,
wie sie auf dem Steinkerne sich ausgeprägt findet, stimmen voll-
kommen überein. Es bedarf daher eines weiteren Beweises der etwa
aus der Gleichaltrigkeit des umschliessenden Gesteins beigebracht
werden konnte, nicht. Ich bemerke jedoch, dass ich diese die Dach-
steinbivalve umschliessende Gesteinslage so zu sagen Schritt für
Schritt vorn Dachsteingebirge und den Salzburger Alpen aus durch
Baiern und Tirol bis zum Lechthale und Elbigenalp verfolgt und
dadurch die Identität des umschliessenden Gesteins mit grosser
Sicherheit ermittelt habe.
Schwieriger ist die zweite Frage zu beantworten. IstWulfen's
Cardium triquetrum aus Kärnten identisch mit der Dachsteinbivalve,
nie Dachsteinbivalve and ihre alpinen Verwandten. 154- i)
mithin die Dachsteinbivalve, falls sie dem Genus Megalodon zuzu-
theilen ist, als Megalodon triqueter spec. Wulf, zu bezeichnen? Die
Entscheidung wird desshalb schwierig, weil Wulfen' s Abbildung
und Beschreibung sich auf Steinkerne beziehen, die ungleich weniger
sichere Anhaltspunkte geben, als Schalenkürper. Die Sache wurde
indess wesentlich dadurch erleichtert, dass mir aus dem Kärntner
Erzgebirge zahlreiche Exemplare zu Gebote standen, deren Überein-
stimmung mit der von Wulfen beschriebenen Art, nach Form und
Ort des Vorkommens, als sicher anzunehmen ist.
Die Exemplare aus dem Dachsteingebirge haben das Eigen-
tümliche, dass sie, weil aus Kalk und nicht, wie jene von Bleiberg,
aus Dolomit bestehend, in ihrer Natur zwischen Steinkern und Exem-
plaren mit erhaltener Schale schwanken, bald mehr Steinkern sind,
bald Theile des Schalenkörpers besitzen. Um daher die anzustellende
Vergleichung genauer vornehmen zu können, sprengte ich an einem
im Umrisse vollständigen und nicht verdrückten Exemplare aus dem
Dachsteinkalke die vorhandenen Sclialenlheile mit grosser Behutsam-
keit ab, und erhielt hierdurch einen völlig brauchbaren Steinkern, der
mit grösster Schärfe die Abdrücke der inneren Schalentheile
erkennen Hess. Bei der in's Einzelne gehenden, vergleichenden
Nebeneinanderstellung der Steinkerne von Kärnten und vom Dach-
stein, war es mir nicht möglich, irgend einen nenne nswerthen
und constanten Unterschied zu constatiren. Die Dimensionen
sind freilich selten völlig gleich, aber gerade diese sind, wie ich
mich an sämmtlichen Exemplaren vom gleichen Ort des Vorkommens,
wie etwa vom Dachstein und jenem von Elbigenalp hinlänglich über-
zeugte, in Folge von Druck, Verschiebung und Alter selbst an
Schalenexemplaren so difterent, dass an eine Trennung und Schei-
dung, die sich darauf gründet, wohl im Ernste nicht gedacht werden
kann. Wie sehr verstärkt sich dies bei Steinkernen , oder gar bei
solchen aus verschiedenem Materiale — Kalk und Dolomit — ! Ich
halte mich nach sorgfältiger Prüfung für vollständig überzeugt, dass
Wulfen's Cardium triquetrum den Stein kern zu der Species
der Dachsteinbivalve darstelle — mithin auch von der
Bivalve des Bernhardsthaies bei Elbigenalp. Um diese Annahme
gleichsam zu coutroliren , opferte ich ein Schalenexemplar von
letzterem Fundorte, und erhielt so durch Entfernung der Schale
einen Steinkern. Dieser zeigte ganz insbesonders die grösste Über-
34(5 ü um bei.
einstimmung mit den vorherrschenden Formen der Kärntner Stein-
kerne. Es ist derselbe fast gleichseitige dreieckige Umriss, das-
selbe Biegen des rasch verschmälerten Wirbeltheiles nach vorn, die-
selbe tiefe Einbuchtung an der vorderen Seite, vor und unter dem
Wirbel, derselbe durch eine abgerundete Kante von dem grösseren
Körpertheil getrennte, fast rechtwinkelige Abfall zu einem verhält-
nissmässig breiten, mit der grössten Ausdehnung der Muschel gleich
langem, hinterem Felde , dieselbe Art und Beschaffenheit einer
Längsimpression nahe vor und längs der abgerundeten Kante am
hinteren Rande, welche diese Steinkerne von Elbigenalp und Blei-
berg auszeichnen und beide derselben Art zuweisen. Bei näherer
Betrachtung stimmt auch die Lage, Grösse und Beschaffenheit des
sehr markirten, hoch aufragenden Abdruckes des vorderen Muskels
und des deutlich erkennbaren Mantelsaums vollkommen überein. Die
erwähnte Längsimpression vor der hinteren Kante rührt, wie sich
bei Entfernung der Schale der Elbigenalper Exemplare zeigte, von
einer flachen Leiste her, welche von der Gegend des Wirbels
gegen die hintere Ecke verläuft. Zwischen dieser Längsimpression
und der Längskante nahe an dem unteren Rande erkennt man die
wenig tiefen, scharf ausgeprägten Spuren des hinteren Muskelein-
druckes, welcher demnach, wie bei Megalodon , durch eine
Längsleiste gestützt ist. Dies deutet darauf hin, dass das Gardium
triquetrum Wulf, weder zu Cardium noch zu Isoeardia gerechnet
werden darf, vielmehr in die Nähe von Megalodon gehört. Noch ist
eine Längslciste zu erwähnen , welche an dem Steinkerne bald
stärker, bald schwächer entwickelt ist und dann, wie angedeutet, von
dem Wirbelende an der anderen Seite bis gegen die kleine Muskel-
erhöhung an der Kante herabläuft, und welche den gerundeten Theil
des Muschelkernes von der starken Vertiefung unter dem Wirbel
scheidet. Es ist an vielen Steinkernen hinter der Erhöhung des vor-
deren Muskels und unter dem Wirbel, in der Gegend des Schlosses
der Muschel, eine bis in die Mitte des hinteren Randes reichende,
wandartig aufragende Gesteinslamelle wahrnehmbar, welche zahn-
und gnibenartige Erhöhungen und Vertiefungen besitzt, und auf den
ersten Blick als Rest des Schlosses erscheinen könnte. Da aber alle
Schalensubstanz völlig weggeführt ist, kann diese lamellenartige Er-
höhung nicht als Überrest des Schlosses selbst angesehen werden,
vielmehr scheint sie theilweise die Stelle des hornartigen Ligaments
Die Dachsteinbiralre und ihre alpinen Verwandten. 347
einzunehmen, insbesondere aber durch die Ausfüllung eines erst nach-
träglich durch die Lockerung der Schlösser gebildeten Zwischen-
raumes entstanden zu sein. Es hat sich beim Ausarbeiten des Schlosses
gezeigt, dass nicht sämmtliche Theile des Schlosses beider Klappen
vollständig dicht aufeinander liegen, sondern dass in Folge des einge-
tretenen Todes die Zähne gelockert wurden und klafften, so dass bei
Ausfüllung des Innern mit Gesteinssubstanz, diese auch zugleich in
die Zwischenräume eingedrungen ist. Obgleich diese lamellenartigen
Erhöhungen nicht als vollkommener Abdruck des Schlosses sich
ansehen lassen, so gewinnen sie doch dadurch eine Bedeutsamkeit,
dass sie eine übereinstimmende Form besitzen, mithin benützt werden
können, um an dem Steinkerne die specielle Natur kenntlich zu
machen. Sehr häufig beobachtet man an den Steinkernen, dass
beide Schalen unten auseinander gerückt waren, als seien sie klaffend,
wodurch zwischen beiden eine mehr oder weniger dicke Masse
von Gesteinssubstanz eindringen konnte; dadurch sind zugleich die
Wirbelenden näher aneinander geschoben, als es in normaler Lage
der Fall ist. Auch kommen stark verdrückte, und dadurch an den
äusseren Umrissen abweichend gestaltete Formen vor.
Mit den beschälten Exemplaren von Elbigenalp stimmen nun
sämmtliche mir zu Gesichte gekommenen Exemplare aus den Nord-
alpen, die ich in zahlreichen Eremplaren selbst zu sammeln Gelegen-
heit hatte, so dass also die Identität der Dachsteinbivalve im Dach-
steinkalke durch die ganzen Nordalpen festgestellt ist. Nur eine Form
habe ich davon ausgeschieden und unter dem Namen Megalodon
grypkoides*) wegen ihrer charakteristischen Bucht am vorderen
Rande als besondere Species aufgestellt. Aus den Südalpen sind mir
bis jetzt verhältnissmässig wenige beschalte Exemplare von einiger
Grösse zu Gesichte gekommen. Die Steinkerne zeigen sich dagegen
in den Nordalpen ziemlich selten; aus Dolomit oder dolomitischem
Kalke sind innerhalb des Bereiches meiner Untersuchung solche nur
an drei Stellen bekannt geworden, und zwar in einem dolomitischen
Kalke im Alpgartenthale bei Reichenhall, dann im Hauptdolomite bei
Leibelfing oberhalb Innsbruck, wo Herr v. Hauer sie entdeckte und
endlich ebenfalls durch Herrn v. Hauer zuerst aufgefunden bei
Nassereit unfern Innsbruck.
*) Geogn. Beschr. der baier. Alpen, p. 4'it.
348 G um bei.
Die Exemplare aus dem Alpgarten entstammen einem dolo-
mitischen Gesteine, von dem es nicht zweifelhaft sein kann, dass es
dem Hauptdolomite unter dem Dachsteinkalke angehört, obwohl
es nur Blöcke sind, in welchen diese Steinkerne gefunden wurden.
Doch kommt in der ganzen Gebirgsstocks-Umgegend, die ich genau
untersuchte, keine andere Gesteinsstufe in Form von Dolomit vor,
als die des Hauptdolomites. Auch stimmt Dolomit mit dem Gesteins-
charakter der Blöcke sehr wohl überein. Die Steinkerne gehören
zur Dachsteinbivalve; Prof. Schafhäutl hielt dafür, dass sie
einer besonderen Art angehören, und nannte sie erst Isocardia
grandicornis *)■ Drei Jahre später3) beschrieb er ähnliche Stein-
kerne unter dem Namen Tauroceras tiara.
Von den Exemplaren bei Leibelfing sind nur Querschnitte
bekannt, die allerdings einer Dachsteinbivalve entsprechen, ohne
dass sich jedoch deren genauere Bestimmung vornehmen Hesse. Das
Gestein ist ebenfalls Hauptdolomit. Die Steinkerne aus der Gegend
von Nassereit stammen entschieden aus dem Hallstätter Kalke, wie mit
grosser Zuverlässigkeit aus dessen klar aufgeschlossenen Über-
lagerung durch unteren Muschelkeuper und Hauptdolomit zu ersehen
ist. Ich hielt die Steinkerne früher sämmtlich für identisch mit der
Dachsteinbivalve. Neuere Eifunde haben mich eines Anderen belehrt.
Viele Steinkerne von Nassereit unterscheiden sich von jenen der
Dachsteinbivalve bei unverkennbar grosser Ähnlichkeit dadurch, dass
die hintere steil abfallende Fläche viel breiter als bei der Dachstein-
bivalve, fast so breit als die Dicke der Muschel ist, und etwa in der
Mitte durch einen abgerundeten Längskiel in zwei etwas
concave Theile getrennt wird. Dadurch gewinnt der Steinkern
grosse Ähnlichkeit mit Pachyrisma columbella Hörn., von dem in-
dess nur der Schalenkörper bekannt ist. Übrigens finden wir dieselbe
grosse Erhöhung am vorderen Muskeleindrucke, dieselbe Längsver-
tiefung vor dem hinteren Längskiele, mit Spuren eines Muskelein-
druckes nahe am unteren Rande, dieselbe, oder doch sehr ähnlich
gestaltete Lamellenerhöhung unter dem Wirheiende wie bei dem
Steinkerne der Dachsteinbivalve; so dass wir kein Bedenken tragen,
sie zu demselben Genus zu rechnen. Dies dürfte um so mehr gerecht-
1) N. Jahrb. 1851, S. 14G.
2) N. Jahrb. 1854, S. 530. Taf. VIII, Fig. 19.
Die Dachsteinbiralve und ihre alpinen Verwandten. 340
fertigt sein, als der Hohlraum um den Steinkern die äussere Be-
schaffenheit und Form der Schale in grösster Schärfe und mit allen
ihren feinen Streif un gen erkennen lässt, und ein davon genommener
Ahdruck, wie ihn die Zeichnung Taf. VI, Fig. 1 — 3 darstellt, alles
wesentliche einer mit der Schale erhaltenen Muschel besitzt. — So
nahe diese Art übrigens dem Pacltyrisma columbella steht , so
konnten wir bei letzterem, wovon ich Originale der Freundlichkeit des
Herrn Director Hörn es zu verdanken habe, an dem zufällig von der
Schale enthlössten Theile, da wo die Längsimpression sich finden
sollte, keine Spur derselben entdecken. Auch besitzt, nach dem
Abdruck zu urtheilen, die Schale wie bei der eigentlichen Dachstein-
bivalve, eine deutlich abgegrenzte Lunula , die dem Pachyrisma
columbella zu fehlen scheint. Nach alledem wäre es mehr als
gewagt, diese hinten doppelgekielte Art von Nassereit mit der
letzteren Species zu identificiren.
Um aber die sehr grosse Ähnlichkeit anzudeuten, schlug ich *)
für sie die Bezeichnung Megalodon columbella vor. Andere
mit dieser Form vorkommende Steinkerne weichen zwar von den
allgemeinen Umrissen der Dachsteinbivalve wenig ab, doch lässt die
grosse Abnagung in Folge der Verwitterung keine sichere Bestim-
mung zu.
Was nun die Steinkerne aus den Südalpen anbelangt, so
fand ich die Steinkerne aus dem Dolomite bei Trient und jene aus
dem lombardischen Gebiete, die ich der Güte des Herrn Professor
Es eher verdanke, vollkommen in Übereinstimmung mit jenen von
Bleiberg und aus den Nordalpen. Leider konnte ich eine grössere
Anzahl von Exemplaren und namentlich Originale von jenen zwei
Formen des sogenannten oberen und mittleren Dolomits, welche die
italienischen Geologen in zwei Arten getrennt halten zu müssen
glauben, nicht zur Vergleichung erlangen, da Herr Abbe Stopp ani,
wie er mir mittheilte, gerade selbst eine Arbeit über diesen Gegen-
stand zu publiciren vorhabe. Diese beiden Arten unterscheidet
Stoppani2), abgesehen von dem an und für sich schwankenden
Verhältnisse der Breite und Länge, durch die mehr constante
grössere Dicke der ersten Art (des oberen Dolomites), und deren
*) Geog-n. ßeschr. d. bair. Alpengebirgs und seines Vorlandes. S. S.'>9. Anmerkung.
2) Essai sur les conditions gene'rales des couches r Arne. eont. 18ßl. p. 4fi.
350 Gümbel.
stärkere Krümmung der Wirbel nach Innen, wodurch die Spitzen
derselben sehr genähert, sich gegenseitig zugekehrt stehen, während
bei der zweiten Art (des mittleren Dolomifs) die Wirbelenden wegen
mangelnder Krümmung nach Innen mehr auswärts gerichtet und von
einander abgekehrt, weit auseinander gerückt sind. Es liegen mir
aus dem Val di Sarezzo aus einem Dolomite, den auch Stoppani
seihst ohne Vorbehalt (I. c. p. 45) als zu seinem mittleren Dolomite
gehörend, angibt, acht vom Prof. Escher v. der Linth selbst
gesammelte und gütigst mitgetheilte Exemplare von ein und dem-
selben Fundorte vor. Das Gestein ist ein körniger Dolomit und in
allen Exemplaren das gleiche. Sechs dieser Exemplare gleichen bei
dem ersten Anblicke dem Steinkerne der Dachsteinbivalve; zwei sind
mit der oben beschriebenen, auf der hinten eingedrückten Fläche
gekielten Art von Nassereit absolut identisch. Jene dem gewöhn-
lichen Steinkerne der Dachsteinbivalve gleichenden Exemplare wur-
den nun Angesichts der von Stoppani angegebenen Unter-
scheidungsmerkmale sorgfältig geprüft und in der That an zwei
Exemplaren eine geringere Krümmung der kurzen, weit auseinander
stehenden Wirbel beobachtet, aber gerade zeigte sich bei einem
Exemplare eine normale Dicke, eine sogar verhältnissmässig kurze
stark concave Lunulaseite, neben sehr stark vorragendem spitzem
Höcker der Muskeleindrücke; während bei einem Exemplare eine
verhältnissmässig geringe Dicke, verbunden mit sehr genäherter,
stark nach innen gebogener Wirbelendung sich vorfand. Ich glaube
mich auch an diesen Exemplaren des mittleren Dolomites, die zwar
durchschnittlich klein sind, wovon jedoch eines die beträchtliche
Länge von 145 Millim. besitzt, überzeugt zu haben, dass alle die
erwähnten abweichenden Verhältnisse an den Steinkernen nur Folge
von verschiedener Art der Abwitterung der ursprünglichen Ausfüllung
und eingetretenen Verdrückung und Verschiebung sei. Dies zeigt
sich unzweideutig an einem Exemplare, dessen eine Hälfte aus einem
etwas gröber gekörnten Dolomit, als die andere Hälfte besteht. Die
erstere ist stark abgewittert; dabei die Dicke geringer, die Wirbel
stark verkürzt und in Folge davon an den Enden wenig gekrümmt,
nach aussen gerichtet und weit von der Mitte abstehend, während
die andere Hälfte sehr deutlich höhere, nach Innen gedrehte, nahe
an der Mitte erst endende Wirbel besitzt und ganz normalen Dach-
steinbivalven gleich steht. Ein besonderes Gewicht lege ich noch auf
Die Dachsteinbivalve und ilire al|>inen Verwandten. 3!) 1
den Umstand, dass die lamellenartig aufragende Wand zwischen den
vorderen Seiten, welche die Eindrücke der Zähne erkennen lässf, in
diesen Erhöhungen und Vertiefungen genau mit den gleichen Höckern
und Gruben bei den Steinkernen der normalen Dachsteinbivalve
übereinstimmt. Audi der Zahnbau scheint demnach derselbe zu sein
wie bei der Dachsteinbivalve. Ich kann die mir vorliegenden Exem-
plare des mittleren Dolomits der lombardischen Alpen, soweit die
Unterscheidung einer Species aus Steinkernen überhaupt möglich
ist, für nichts anderes, als für Steinkerne der echten Dachsteinbivalve
erklären.
Von besonderer Wichtigkeit ist das Mitvoi kommen der zweiten
Art von Nassereit. Ich schlug ein kleines Exemplar aus demselben
Steine, der einen der oben erwähnten normalen Steinkerne umgab,
heraus. Sohin kommen beide Arten mit einander vergesellschaftet
vor, und zwar im mittleren Dolomit, der, wenn nicht dem
Hallstätter Kalke, so doch zuverlässig dem Hauptdolomite gleich
gestellt werden darf. Ausserdem konnte ich zwei Exemplare aus
einem weisslichen Dolomite, östlich unter dem Gipfel des Resegone
di Lecco (Es eher von der Linth) untersuchen. Hier ist es
unsicher, ob das Gestein zu dem oberen oder mittleren Dolomit der
Italiener gehört; Herr v. Hauer's Karte gibt in dieser Gegend
Dachsteinkalk an. Beide Exemplare sind klein, verhältnissmässig
sehr wenig dick, die Wirbel sind nach Innen gekehrt und bei ihrem
Ende sehr genähert. Auch diese scheinen zur Dachsteinbivalve zu
gehören. Wichtiger sind fünf Exemplare ausEscher's Sendung von
dem Grathe südlich von St. Vito, am Wege nach Limonta, auf der
Westseite des Lago di Lecco. Das fast reimveisse, dichte und halb
dolomitische Kalkgestein deutet auf Dachsteinkalk (oberer Dolomit),
mit welcher Annahme auch die bedeutende Grösse der eingeschlos-
senen Steinkerne (140 — 180 Millim. Länge) nach Annahme der
italienischen Geologen stimmt. Diese Exemplare zeichnen sich durch
ihre kurzen, wenig vorstehenden, wenig gebogenen Wirbel aus,
deren Enden weit auseinander stehen; oft sind die Wirbelenden
offenbar durch unvollständige Ausfüllung des Steinmaterials wie
zweiköpfig ausgebildet; die vordere Seite ist kurz und stark concav,
die Analfläche sehr breit, stark vertieft und durch einen scharfen
Kiel begrenzt; die vorstehende Wand zwischen den Wirbeln trä"t
die Vertiefungen und Erhöhungen, wie bei der Dachsteinbivalve.
Sitzb. d. mathem.-naturw. CI. XLV. Bd. I. Abth. 24
352 Gttmbel.
Auf einem Exemplare beobachtete ich nocli Reste der Schalen-
bedeckung; sie ist wie bei der Dachsteinbivalve fein gestreift. Diese
Exemplare sind um so bemerkenswerther, weil sie bei ihrer bedeuten-
den Grösse, durch sonstige Übereinstimmung mit der Art des oberen
Dolomites gerade solche Beschaffenheit der Wirbel wahrnehmen
lassen, wie sie für die Species des mittleren Dolomites angegeben
wird, obwohl das umschliessende Gestein zum oberen Dolomit
gehört. Ein weiteres zur Untersuchung vorliegendes Exemplar
stammt aus einem dichten Dolomite bei Vello am Lago dlseo, wel-
ches Gestein gleichfalls der Region des Dachsteinkalkes angehört.
Das über 110 Millim. lange Exemplar ist sehr wenig dick (40Millim.),
die Wirbel sind schmal, schlank, spitz, und wenig nach Innen ge-
bogen, die Enden stehen daher weit aus einander (20 Millim.); die
vordere Seite ist sehr kurz und stark concav, die Höcker und Gruben
in der Lamelle der Lunulavertiefung gleichen denen der Dachstein-
bivalvenkerne vollständig, sowie alles übrige damit übereinstimmt.
Exemplare von Matarello bei Trient, aus einem deutlich körni-
gen Dolomit, dann solche aus der Umgegend von St. Cassian und
endlich von Agordo, theils im dichten dolomitischen Kalke, theils im
grob krystallinischen Dolomite, bieten nicht das geringste Abwei-
chende, wodurch man sie durch irgend ein wesentliches Verhalten
von den Bleiberger und nordalpinischen Exemplaren unterscheiden
könnte. Die Stufe, welche das Gestein dieser drei letzten Fundorte
einnimmt, ist nicht genau ermittelt.
Eine ausgezeichnete, der Dachsteinbivalve ähnliche Muschel mit
Schale erhielt ich durch die Güte des Herrn v. Hauer aus einem
mürben, grob krystallinischen, schwärzlichen, heller gestreiften Dolo-
mit von Clusone in den lombardischen Alpen. Es ist ganz dasselbe
dunkelfarbige Gestein, wie ich es voll undeutlicher Versteinerungen
durch Herrn Escher von Postiola (Porticola) zwischen Taleggio
und St. Giovan-Bianco erhalten habe (Es eher 1. c. p. 101).
Herr v. Ha uer erwähnt dieser schwarzen Dolomite von Porticola
(Jahrb. d. geol. R. IX, p. 478) als unter den Kössener Schich-
ten und ober den Raibler Schichten gelagert. Stoppani (Pal.
lomb. 1. Ser. p. 143) zählt diese Bildung den Esinoschichten zu.
Auch das Gestein von Clusone scheint in nächster Nähe über den
Raibler Schichten (Seh. v. Dossena) zu liegen (Stoppani I. c.
p. 145). Es ist wohl dasselbe Vorkommen des Megalodon triqueter,
Die Dachsteinbivalre and ihre :i! [> ■ tieii Verwandten. ){i)^i
das Herr v. Hauer (I. c. p. 478) selbst von Clusone erwähnt. Wir
werden nicht viel fehlgreifen, wenn wir diese schwärzlichen Dolomite
in das Niveau unseres Hauptdoloinites stellen. Die darin einge-
schlossene der Dachsteinhivalve ähnliche Muschel mit wohl erhaltener
Schale gestattete eine vollständige Ausarbeitung des Schlosses und
gab damit Anhaltspunkte, sie einestheils unmittelbar als echte Ver-
wandte der Dachsteinhivalve anzugreifen, anderseits sie, sonst ab-
weichender Merkmale wegen, als selbstständige Art davon zu tren-
nen. Es wird dieselbe später als Megalodon complanatus ausführlich
beschrieben werden. Eine andere verwandte Muschel von Podpec
bei Laibach verdanke ich gleichfalls den gütigen Mittheilungen aus
den Wiener Sammlungen. Es waren mir ein vollständiges Exemplar
mit beiden Schalen und mehrere einzelne Schalen mit sehr gut erhal-
tenem Schlosse zu Händen. Diese Form wurde mir von Herrn Direc-
tor Hör nes als vermuthlich identisch mit Pachyrisma columbella
gesendet. Es ist jedoch der ganze Habitus ein anderer , als
jener der Pachyrisma columbella, wovon ich ebenfalls Originale
durch die Güte des Herrn Director Hörn es vergleichen konnte.
Die Schale ist derb, rauh und unverhältnissmässig dick, die
concentrischen Streifen gleichfalls viel gröber und mit ziemlich
feinen wechselnd, von Zone zu Zone fast blätterig rauh. Die Anal-
fläche zeigt sich sehr breit. Das Schloss ist sehr kräftig und erinnert
zunächst an das der Dachsteinhivalve; auch stimmt damit die Lage
und Tiefe der vorderen Muskeleindrücke, die Längsleiste im Innern,
die vom Wirbel zum hinteren Muskeleindruck zieht und der Mantel-
saum, so dass ihre Nachbarstellung neben Megalodon nicht in Frage
steht.
Wir haben nun eine Reihe von Formen alpiner Muscheln, welche
der Dachsteinhivalve entsprechen, oder mit ihr zunächst ver-
wandt sind, kennen gelernt, und sind nunmehr direct auf die Erör-
terung der Frage hingeführt, die wir bisher geflissentlich unerörtert
Hessen: zu welchem Genus gehören diese Muscheln?
Professor Schafhäutl war der erste, welcher die Muschel von
Elbigenalp zu Megalodon stellte. Auch Herr v. Hauer entschied
sich nach einer Vergleichung mit Megalodon cucullatus für das
Genus Megalodon. Indess war diese Zuzählung mehr auf äussere
Formähnlichkeit begründet, da man bisher die Beschaffenheit des
Schlosses nicht kannte. An einem Exemplare aus dem Berchtes-
24*
354 Gümbel.
gadener Gebirge glückte es mir, bei der ungleichen Festigkeit des den
Kern ausmachenden dichten Kalkes und des die Schale bildenden
späthigen Kalkes, das Schloss blosszulegen und die Beschaffenheit
der inneren Schalenfläche, mit Zuhilfenahme zahlreicher Fragmente
anderer Exemplare, vollständig zu ermitteln, wie es die Fig. 4 und 5
der Taf. I darstellen. Nachträglich gelang dieses selbst mit einem
Exemplare von Elbigenalp. Vorerst abgesehen von der allgemeinen
Ähnlichkeit, Beschaffenheit und dem Baue der inneren Theile der
Schale, wodurch die Verwandtschaft der Dachsteinbivalve mit dem
Genus Megalodon ausser Frage gestellt ist, handelt es sich zunächst,
die bestimmten Charaktere , welche die echte Dachsteinbivalve und
die im Schlossbau genau damit übereinstimmende Muschel von
Elbigenalp mit jenen von Megalodon gemeinschaftlich hat, festzu-
setzen, indem wir Megalodon cucullatus als Typus dieses Geschlech-
tes ansehen.
Wir betrachten vorerst das Schloss, wie dasselbe sich an einem
Exemplare aus dem Dachsteinkalke zeigte.
Auf sehr breiter, massiver, dicker Schlossplatte, welche gegen
den vorderen Rand mit der Schale verschmilzt, gegen hinten die zum
Wirbel reichende Höhlung bedeckt, stehen unter dem Wirbel in der
rechten Klappe drei (Taf. I, Fig. 4) zahnartige Erhöhungen (a, b, c)
von ohrähnlicher Gestalt. Sie sind durch zwei tiefe Längsgruben
(d, e) in der Weise getrennt, dass der nach hinten stehende Zahn
(a) völlig isolirt wird, während die zwei nach vorn liegenden Zähne
{b, c} durch die nach unten sich aushebende Grube unten verbunden
bleiben und ein Ganzes ausmachen. Vor diesem Zahnpaar und ober-
halb des tiefen, jedoch ziemlich breiten, durch eine hohe scharfe
Leiste begrenzten Muskeleindruckes (</) liegt eine seichte runde
Grube (f), seitlich neben dem Muskeleindruck findet sich die sehr
markirte kleine Grube der Fussanheftung. Die Zähne sind runzlich
und fein gefaltet, die Gruben entsprechend uneben. Neben der Area
verlängert sich die Schlossplatte bis zum unteren Rande und zeigt
nur eine seichte Impression in der Mitte und feine Querstreifen von
der Stelle an abwärts, wo das halb äusserliche hornartige Ligament
aufhört. Dieses letztere breitet sich dann über den oberen fast
ebenen Theil der Schlossplatte weiter aus. Der hintere Muskelein-
druck ist schwach vertieft und liegt weit unten am Mantelsaum auf
einem verdickten Schalentheil, der durch eine vom Wirbel herab-
Die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Verwandten. 3«55
laufende Längsleiste gegen innen abgegrenzt wird. In der linken
Klappe (Taf. I, Fi*^. ü) entspricht dem Doppelzahn b — c die Grube
b' und c, die Grube a' dem Zahne a der rechten Klappe, während
der als gespalten erscheinende Zahn d — e unter dem Wirbel mit
den Gruben d und e correspondirt. Ganz vorn am Rande unter dem
Lunula-Ausschnitt steht ein kleiner Zahn, der in eine leistenähnliche
Erhöhung längs des Muskeleindruckes verläuft. Die der Querfläche
gleichlaufende zahnartige Leiste ist breit, aber wenig vorragend.
Der ganze Zahnbau hat unverkennbare Ähnlichkeit mit dem des
Megalodon cucullutus. In der rechten Klappe entsprechen dem
grossen Hauptzahn der letztgenannten Art, welcher durch eine Mit-
telfurche eine Neigung zur Spaltung verräth, die bei unserer Art
durch eine tiefe Grube oben gespaltenen Zähne b — c, während der
Zahn a der grösser entwickelte Stellvertreter einer Längsleiste ist,
die bei M. cucirflatus am hinteren Rande der hinteren Läncrsgrube
deutlich bemerkt werden kann. In der linken Klappe ist die Spaltung
des in die hintere Furche der rechten Klappe passenden Zahnes,
welche bei M. cucullutus ebenfalls angedeutet ist, bei der Dachstein-
bivalve gleichfalls weiter ausgebildet und dagegen der vordere rund-
liche Nebenzahn f nur schwach entwickelt. Bemerkenswert!) und
abweichend von dem Verhalten des Zahnbaues bei 31. cucullutus ist
die starke Krümmung der Zahne nach vorne, die übrigens in ähn-
licher Weise gerunzelt sind.
Zu dieser grossen Analogie des Zahnbaues der Dachsteinbivalve
mit jenem des M. cucullutus gesellen sich noch die gleiche Lage des
vorderen Muskeleindrucks /'unmittelbar neben, fast noch auf der
Schlossplatte, dann die Abgrenzung dieses Muscheleindrucks durch
eine hohe scharfe Leiste, ferner das Herabziehen der Schlossplatte
längs der ganzen hinteren Fläche, das Vorhandensein einer Impres-
sion und leistenartiger Erhöhung auf dieser Verlängerung, die Lage
und Beschaffenheit des schwachen hinteren Muskeleindrucks am
unteren Rande und auf einem verdickten Theil der Schale, welcher
gegen innen mit einer Längsleiste abgegrenzt ist und endlich die
Einfachheit des Mantelsaumes, um nach dem Bau der inneren
Schalenseite die Dachsteinbivalve der Gruppe des M. cucullutus
auf's Engste anzuschliessen.
Dass der äussere Habitus in gleicher Weise damit stimmt,
beweist die Zutheilung derselben zum Genus Megalodon, welche
356 G um Lei.
Prof. Schafhäutl blos nach der äusseren Ähnlichkeit zuerst ver-
suchte. Es unterliegt keinem Zweifel, dass die Daehsteinbivalve
dem 31. cucullatus näher steht, als alle die übrigen Arten, welche
Goldfuss in dieses Genus einrechnete. Nach der Goldfuss' sehen
Umgrenzung des Genus Megalodon gehört die Daehsteinbivalve unbe-
streitbar zu diesem Genus; sie dürfte aber selbst nach der v. Grün e-
wa ldt'schen Einschränkung der Gattung Megalodon *) noch der
Gruppe des 31. cucullatus anzureihen sein. Abweichend von der Art
31. cucullatus sind zwar einigermassen die Beschaffenheit der
Schlosszähne, insbesondere die grössere Breite und geringere Tiefe
des vorderen Muskeleindruckes, dann die mehr in die Breite
gestreckte Form der Muschel überhaupt und die grössere Schärfe
des Längskiels , vor welchem eine flache Impression herabzieht. —
Der Umstand, dass die Gattung Megalodon bisher auf die devonischen
Schichten2) beschränkt zu sein schien, kann hier keinen Ausschlag
geben. In jurassischen Schichten kehren sehr verwandte Formen
wieder. Hier ist es das von Morris und Lycett neu aufgestellte
Genus Paehyrisma, welches die allernächste Verwandtschaft mit
unserer Daehsteinbivalve besitzt, wie denn schon die Gründer dieser
Gattung auf Catullo's Abbildung des Cardium triquetrum hin-
weisen. Die äussere Form der Muschel, ihr herzförmiger, fast
eckiger Umriss und die fast spiralgebogenen Wirbel, die sehr dicke
Schale, der schieflaufende Kiel, die breite und weit herabreichende
Ligamentplatte; das alles passt vortrefflich zu unserer Daehstein-
bivalve, aber eben so gut zu Megalodon (Gruppe des 31. cucullatus).
Auch scheint die Beschaffenheit des vorderen Muskeleindrucks —
tief und oval — abweichend von dem tiefen und sehr schmalen Ein-
druck des 31. cucullatus mehr dem der Daehsteinbivalve sich anzu-
nähern, so dass die Form der letzteren einen völligen Übergang
zwischen der devonischen und jurassischen darstellt. Dagegen passt
der Zahnbau der Paehyrisma viel weniger zu dem der Daehstein-
bivalve, als die Schlossbeschaffenheit der letzteren zu der des
M. cucidlatus.
Für den bei Paehyrisma so charakteristischen dicken konischen
Zahn kann man gar keine Analogie bei der Daehsteinbivalve finden ;
•) Zeitschr. d. geol. Gesellsch. 1851. III. p. 252 ff.
2) Deshayes, Traite eiern, de Concliyiologie t. II, p. 236.
Die Dachsteinbivalre und ihre alpinen Verwandten. 357
wenn aber, wie neuere Untersuchungen lehren sollen, dieser konische
Zahn nicht existirt, so fallt damit das wichtigst« und einzig wesent-
liche Trennungsmerkmal für Pachyrisma und damit die Selbst-
ständigkeit der Gattung selbst und es dürfte nicht naturgemäss sein,
sie blos wegen ihres jugendlichen Alters von ihren älteren Genossen
getrennt zu halten. Vielmehr scheint gerade der höchst interessante
Umstand, dass selbst bis zur Jurazeit herab Muscheln vorkommen,
welche dem Geschlechte der Megalodonten so nahe stehen und
ihm entsprechen, es um so dringender wünschenswerth zu machen,
diese Analogie auch dadurch auszudrücken und leicht erkenntlich zu
machen, dass man diese Form des Dachsteinkalks mit Pachyrisma
bei dem Genus Megalodon belässt und ihre Besonderheiten
dadurch hervorhebt, dass man gewisse Subgenera aufstellt und sie
diesen zutheilt. Die Verwandtschaft der Dachsteinbivalve mit M.
cucullatus scheint mir zu gross, um sie vom Genus Megalodon zu
trennen und ihre Verschiedenheit nicht bedeutungsvoll genug, um
darauf eine neue Gattung zu gründen.
Dies die Gründe, welche das Belassen der Dachsteinbivalve
bei der Gattung der Megalodon naturgemäss erscheinen Hessen.
Doch dürfte es zweckdienlich sein, für einen gewissen Umfang
von triasiscfien Arten des Subgenus Neomegalodon wie für ein
zweites das Subgenus Pachymegalodon aufzustellen. Wir werden
dieselben später näher begründen.
Es ist hier zunächst noch zu erörtern, in welchem Verhältnisse
die übrigen der Dachsteinbivalve sich anschliessenden und ihr sehr
ähnlichen alpinischen Muscheln zum Genus der Dachsteinbivalve
stehen.
Die zweite Species, welche als Megalodon gryphoides bezeich-
net ist, stimmt, obwohl nur Schalenexemplare vorliegen, in der
äusseren Form so genau mit der Dachsteinbivalve überein, dass wohl
kein Zweifel über die Zugehörigkeit zu demselben Genus obwalten
kann. Auch stimmt damit ihre Vergesellschaftung mit Megalodon
triqueter.
Eben so kann kein Bedenken erhoben werden, die Muschel von
Clusone, die als M. complanatus beschrieben wird, in dasgleicheSub-
genus einzureihen, da das vollständig blossgelegte Schloss der linken
Klappe bis in's Einzelnste mit dem der Dachsteinbivalve stimmt-
(Taf. V, Fig. 2). Wiis die Arten mit doppelt gekielter hinterer
358 Gümbel.
Flüche anbelangt , so stimmt bezüglich der als M. columbella
beschriebenen Art nicht nur der äussere Umriss im Allgemeinen,
dann die Art der feinen Stceifung, die Beschaffenheit des Ligaments
und der Lunula mit der Dachsteinbivalve, sondern es finden sich
auch an den Steinkernen dieselbe vorspringende Erhöhung an der
Stelle des vorderen Muskeleindrucks, dieselbe Impression vor der
hinteren Längskante mit Spuren des dahinter liegenden Muskelein-
druckes, ferner dieselbe Vertiefung unter dem nach vorne umgebo-
genen Wirbel und zugleich auch auf der lamellenartigen Wand in
dieser Bucht bei genauer Vertheilung die analogen Erhöhungen und
Vertiefungen, wie sie an Steinkernen von M. triqueter wahrgenom-
men werden, wieder.
Desshalb durfte auch diese doppelt gekielte Art nicht blos dem
Genus Megalodon zugetheilt werden müssen, sondern es lässt sich
ausser der zweifach gebrochenen Analfläche und deren grösserer
Breite kein weiteres Kennzeichen finden, um sie zu einem anderen
Subgenus zu verweisen.
Wir haben schliesslich noch die als M. chamaeformis bezeich-
nete Art zu prüfen. Ihr Äusseres weicht merklich von dem der soeben
der Gruppe Neomegalodon zugetheilten Arten ab; der Umriss ist herz-
förmig, die Linien dieses Umrisses sind nicht durch eine gleichmässig
verlaufende Cuive gebildet, sondern es stossen mehrere solcher
Curven winkelig an einander, so dass der Umriss dadurch gleichsam
eckig wird, die Lunula ist undeutlich, die Schale doppelt gekielt und
viel dicker als bei der Dachsteinbivalve, derber, die concentrischen
Streifen sind gröber, rauher, zor^nweise fast lamellenartig vorste-
hend; das Schloss endlich bietet noch mehr Abweichendes.
In der rechten Klappe (Taf. VII, Fig. 5) steht ein grosser nach
vorne gekrümmter Zahn unter dem Wirbel, der dem Zahne a der
Dachsteinbivalve entspricht, davor ist eine tiefe Grube d mit einer
schwachen zahnähnlichen Begrenzung nach vorne und neben b, c.
Diese Theile sind analog in dem gespaltenen Zahn b, c der Dach-
steinbivalve, die Grube davor ist seicht, nach unten von einer Quer-
leiste begrenzt, die nach hinten eine Fussgrube besitzt; nach vorne
und unten liegt der nicht sehr tiefe, halbmondförmig ovale, nach
oben von einer nicht hohen abgerundeten Leiste abgeschlossene
Muskeleindruck g. Die Schlossplalte zieht sich längs der hinteren
Seite tief herab: sie hat keinen markirten Zahn oder Furche; davon
Die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Verwandten. 359
ist ein verdickter Schale' ntheil der Träger des hinteren IM tiskeleindrucks,
der sehr undeutlich ist und wahrscheinlich dem unteren Rande nahe
steht. In der linken Klappe ist ein grosser Zahn für die Grube d und
davor eine breite, seichte Grube, welche nach unten mit einem rund-
lichen Seitenzahn abschliesst. Nach hinten ist eine tiefe Grube für
den Zahn a der rechten Klappe und eine Langsleiste, welche nach
unten sich mit dem Hauptzahn d, die Grube umschliessend, verbindet.
Diese Art weicht im Schlossbau merklich mehr von Megalodon
ah, als die Dachsteinbivalve und selbst mit dieser stimmt sie weder
im Schlossbau, noch im allgemeinen Habitus vollständig überein.
Diese Art stelle ich daher als Typus eines zweiten Subgenus, Pachy-
megalodon auf, zu welchem wahrscheinlich auch Pachyrisma zu
ziehen sein möchte.
Horizonte.
Bevor wir nach dieser Feststellung auf die Beschreibung der
hierher gehörigen Muscheln übergehen, scheint es nöthig, einen
Blick auf die Lagerstätte und Verbreitung der verschiedenen , hier
namhaft gemachten Arten zu werfen.
Das Resultat, zu welchem wir bei Prüfung der Lagerstätten
gelangten, aufweiche die verschiedenen Arten beschränkt sind, ist
in der Alpengeoguosie von der grössteu Wichtigkeit für das Erkennen
der verschiedenen Stufen lithologisch ähnlicher Gesteinsschichten.
Hier tritt die Beobachtung in den Vordergrund, dass sich durch
eine ganze Reihe alpinischer Gesteinsschichten der
Dachsteinbivalve ähnliche Einschlüsse finden, welche
namentlich in den verschiedenen Querschnitten ein-
ander so ähnlich sind, dass sie ohne nähere Unter-
suchung sehr leicht verwechselt werden können.
Es dürfen daher ohne genaue Untersuchung nicht alle Kalk-
steine, welche sogenannte Dachsteinbivalven enthalten, für identische
Gebilde gehalten und derselben Schichtenstufe zugetheilt werden.
Megalodon triqueter findet sich in den Nordalpen fast aus-
schliesslich im eigentlichen Dachsteinkalke, d. h. in der dem oberen
Muschelkeuper (Kössener Schichten) ein- oder aufgelagerten Kalk-
bank überaus häufig und weit verbreitet. Stellenweise geht sie auch
in die Mergelschichteu des oberen Musehelkeupers selbst über
360 G um bei.
(Bernhardsthal, Kammerkahrsattel). Zu derselben Art gehören
aber auch die Steinkerne von Leibelfing und vom Alpgarten. Dem-
nach kommt diese Species auch im Hauptdolomite vor. Somit ist
anzunehmen, dass die eigentliche Dachsteinbivalve in den Nord-
alpen vom Hauptdolomit bis zum Dachsteinkalke reicht.
In den Südalpen ist die Verbreitung der Dachsteinbivalve vor-
züglich im dolomitischen Gesteine, welches sowohl dem Hauptdolomit
als dem Dachsteinkalk angehört, ebenfalls constatirt. Italienische
Geognosten unterscheiden nach dieser zweifachen Lagerung ein
Cardium des sogenannten mittleren Dolomits und ein Cardium des
eigentlichen Dachsteinkalks. Stoppani selbst gibt die Dachstein-
bivalve unter der Bezeichnung Cardium triquetrum als charak-
teristisch für den oberen Dolomit oder den Dachsteinkalk an.
Bei Trient liegt sie nach Emmrich's Entdeckung1) in der That
in einem oolithischen Gestein, das dem Dachsteinkalk entspricht.
Von einer Stelle (Val di Sarezzo) finden sich in ein und dem-
selben Stücke entschieden der Dachsteinbivalve angehörige Stein-
kerne mit der später zu erörternden Art 31. columbclla der Hall-
stätter Schichten zusammen.
Das Gestein dieses Fundortes wird noch von St oppani als zur
Esinokalkstufe gehörend bezeichnet. Diese Annahme und die un-
mittelbare Vergesellschaftung mit einer Hallstätter Art machen es
mehr, als wahrscheinlich, dass die Dachsteinbivalve bis zu dem
unteren Keuperkalk (Hallstätter Schichten) hinabreiche. M egal o-
don gryphoides beschränkt sich nach den bisherigen Erfahrun-
gen blos auf den Dachsteinkalk der Nordalpen.
Megalo don columbella findet sich bis jetzt sowohl in den
hängendsten Kalkschichten des unteren alpinischen Keuperkalkes
(Hallstätter Schichten) in den Nordalpen, als auch wie eben erwähnt
in den Südalpen der Dachsteinbivalve vergesellschaftet in der Begion
der Esinoschichten-Gruppe. Es ist besonders hervorzuheben, dass
sie weder Stoppani in den versteinerungsreichen Esinoschichten
anführt, noch auch, dass sie mehr als sporadisch und nur in der
oberen Lage der Hallstätter Schichten beobachtet wurde. Auch bei
Bleiberg kommen Steinkerne, welche zu M. columbella gehören, mit
der Normalform des M. triqueter vergesellschaftet vor. Ein Exemplar
') Emmi' ich, im Jahrb. d. g-eol. Reichsanst. 1857. |>. .'»04.
Die Dachsteinbivalre und ihre alpinen Verwandten. 361
liegt im dichten, weissen, dem Uallstätter ganz gleichen Kalke und
zeigt zugleich jene grosse Breite der Analfläche, welche diese Art
charakterisirt. Das zweite Exemplar aus einem gelblich weissen
Kalke ist unregelmässiger. Dieses Vorkommen scheint darauf hinzu-
deuten, dass nicht alle Kalke mit Dachsteinbivalven ähnlichen Ein-
schlüssen bei Bleiberg unbedingt dem Dachsteinkalke zuzurechnen
seien. Pachyrisma columbella Hörn, kommt in den rothenHallstätter
Kalken mit den globosen Ammoniten vor.
Der Megalodon complanatus hat, wie schon näher
erörtert wurde, seine Lage wahrscheinlich im Hauptdolomite und
der Meg. chama efurmis endlich gehört einer Schichtenstufe an,
welche mit den Raibler Schichten zu correspondiren scheint. In der
Specialbeschreibung wird versucht werden, die einzelnen Fundorte,
so weit sie bekannt geworden sind, nach den verschiedenen Stufen
getrennt anzuführen. Wenn in den Angaben der Fundorte der ein-
zelnen Species nicht immer das Richtige getroffen wurde , so möge
dies aus dem Umstände entschuldigt werden, dass sich Species und
Schicht nicht in allen Fällen mit voller Sicherheit ermitteln Hess.
Der Beschreibung der einzelnen Species setzen wir hier eine
Definition des Genus Megalodon voraus , wie dies am natürlichsten
abgegrenzt erscheint, und lassen dann die Beschreibung der Sub-
genera, welche in der Alpeiitrias neu aufzustellen sich als naturgemäss
erwies, folgen.
Specielle Beschreibung.
MEGALODON. Sow. Gen.
Megalodus G o 1 d f. (partim).
Typische Form: 31. cucullatus Gold f.
(Zum Subgenus Eumegalodon gehörig.)
Schale länglich ei- oder herzförmig, stark gewölbt, gleichklappig,
ungleichseitig, rings vollkommen schliessend , gegen den Wirbel
sehr stark verdickt, hinten der Länge nach stumpf oder scharf gekielt
und abgestumpft oder eingedrückt; Wirbel vorragend, stark nach
vorn gewendet, mehr oder weniger stark eingerollt; Ligament halb
äusserlich; Schloss stark entwickelt, bestehend aus einer dicken
362 G um bei.
Hauptplatte unter dem Wirbel, welche den Hauptzahnbau trägt, und
einem von dieser Platte aus längs der hinteren Seite fast bis zum
unteren Rande herablaufenden Randplatte. In der rechten Klappe
steht unter dem Wirbel ein einfacher durch eine seichte Furche
schwach getrennter oder ein durch eine Grube geschiedener Doppel-
zahn; dahinter liegt eine tiefe Grube und am Rande gegen die sich
abzweigende hintere Randplatte eine Leiste in der linken, oder ein
Längszahn in der rechten Klappe, in der linken Klappe ein einfacher
oder tiefgetheilter Zahn und ganz nach vorn ein Nebenzahn. Auf der
Längsplatte zeigt sich mehr oder weniger deutlich eine Längs-
erhöhung und Vertiefung; der vordere Muskeleindruck liegt hoch
oben am Schlosse fast noch auf der Schlossplatte, ist verhält-
nissmässig schmal , tief und seitlich von einer schmalen Leiste
begrenzt; der hintere Muskeleindruck ist schwach, liegt nahe am hin-
teren und unteren Rande auf einem verdickten Schalentheil , der
durch eine vom Wirbel herabziehende schmale seichte Längsfurche
gegen innen abgegrenzt ist.
ALPEN -SPECIES,
I. Subgenus: Neomegalodon.
Schale fein concentrisch gestreift; Schloss mit einem durch
eine tiefe Grube getrennten doppelten Hauptzahn in jeder Klappe,
einem hinteren nach vorn gekrümmten Leistenzahn in der rechten und
Andeutung einer vorderen rundlichen Zahnes in der linken Klappe;
vorderer Muskeleindruck tief und etwas breit , von einer hohen
schmalen seitlich gestellten Leiste begrenzt. Sonst wie das typische
Subgenus Eumegalodon (M. cucullatus).
a) Vnitruneatim Hinterer eingedrückter Schalentheil einflächig.
I. Mcgnlodon tripeter Wulfen spec.
Taf. I, Fig. 1-8; Taf. II, Fig. 1—7; Taf. III, Fig. 1—9; Taf. IV, Fig. 4 und 5; Taf. V.
Fig. 7.
Cardium triquetrum Wulfen (Abh. v. Kärnten. Pfauenschweif. Helmintho-
lith.; Erlangen, 1793) i).
!) Wir beschränken uns liier auf die Anführung des Wichtigsten aus der Literatur zur
Dachsteinbivalve.
Die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Verwandten. 361$
Cardium triquelrum Brocchi (ßibl. Ital. 1822, p. 279, Taf. XXVj.
Cardium triquetrum Catullo (Saggio d. Zool. fo ss. p. 140, t. I, fig. D, E, F,
t. II, flg. Ä, a).
Gryphaea incurva Murchison a. Sedgwick (Transact. of tlie geol. soc.
1831, Vol. III).
Gryphaea cymbium Li II v. Lilienbach (N. Jahrb. von Lconhard und
Bronn, 1831, p. 74).
Isocardia von Bleiberg Boue (N. Jahrb. 1833, p. 63).
? Isocardia exaltata Pusch (Polens Paliiont. 1857, p. 67, Taf. VII, Fig. 9).
Isocardia striata, Geogn. niont. Verein für Tirol (Berichte d. geogn.
mont. Vereines für Tirol und Vorarlberg, 1841 — 1844).
Dachsteinbivalve , Isocardia sp., Wiener Geognosten (v. Hauer, Jahrb.
d. geol. Reichsanst. 1850, p. 154, 656).
Dachsteinbivalve, Cardium triquetrum Wulfen's, v. Hauer (Sitzungsb. der
naturw.-math. Cl. d. k. Akad. d. Wissensch. in Wien, 1850, p. 285).
Megalodon scutatus Schafhiiutl (Geogn. Untersuchungen in den südbair.
Alpen, 1851, p. 145, Taf. XXIII und XXIV).
Pholas ungulata Scbafhäutl (1. c. p. 106, 143, Taf. XVIII und XIX).
Isocardia grandicomis Schaf hau tl (N. Jahrb. p. 146).
Megalodon triqueter Wulf. spec. v. Hauer (Jahrb. d. geol. Reichsanst.
1853, IV, p. 715).
Cardium triquetrum — Megalodon scutatus Escher v. d. Linth und
Merian (Googn. Bemerkungen über das Nordtirol und Vorarlberg.
1853, p. 18).
Tauroceras tiara Schafhäutl (N. Jahrb. von Leo nh. und Bronn, 1854,
p. 550, Taf. VIII, Fig. 19).
Megalodon triqueter Wulf., G um bei (Jahrb. d. geol Reichsanst. 1856,
p. 8).
Megalodon triqueter Wulf., E mm rieh (1. c. 1857, p.304).
Cardium triquetrum — 31ega/odon scutatus Curioni (Mem. d. I. R. in
lomb. d. seien. 1859, p. 137).
Cardium des oberen Dolomits i Stoppani (Essai sur les cond. 1861,
Cardium des mittleren Dolomits \ p. 45).
Megalodon triqueter Wulf, spec., Gümbel (Geogn. Beschr. d. bair. Alpen,
1862, p. 419).
M. testa subrotundo-elongata, cordiformi, aequivalvi, inae-
quilaterali, strils concentricis numerosis tenuibus et paucis
zonatim crassioribus instituta, crassissima ; umbonibusmagnis,
prominentibus, antice recurvis, involutis; latere antico brevi,
excavato; lunula profunda, m arg in ata; latere postico
acute-carinato, pro f'u n d e dep resso: dentibus cardinalibm,
auriformibus, lateraliter subobliteratis : impressione musculari
antica latiuscula.
364 Gümbel.
M. nucleo subrotundo-elongato , inflato, cordiformi, subtrigonali,
postice obtuse carinato; parte anali depressa, angusta; parte
umbonali acuminata, valde prominente, antice recurva, con-
vergenti; impressionis muscularis anticae tuber cido valde
prominenti, dentiformi.
Die Schale ist im Umrisse rundlich, herzförmig, etwas dreiseitig
gleichklappig, rings schliessend, ungleichseitig, stark gewölbt, fast
so dick wie breit; der untere und hintere Rand convex ausgebogen,
die vordere Seite kurz, stark concav ausgeschweift mit einer tiefen
grossen, herzförmigen, deutlich abgegrenzten, stark gestreiften
Lunula, gegen welche die stark nach vorn verlängerten Wirbel halb-
spiralig eingebogen sind; hinterer Schalentheil durch eine ziemlich
scharfe, schief gebogene Längskante gekielt und zum hinteren Rande
mit einer schmalen Fläche steil abfallend. Vor dieser Kante verläuft
in ihrer nächsten Nähe vom Wirbel zur unteren Seite eine oft
schwache Längs-Impression, so dass die Schale von dieser windisch
gebogenen Vertiefung gegen die Kante etwas ansteigt. Eine ähnliche
jedoch schwache Depression zieht parallel hinter der kurzen vor-
deren Seite herab.
Die ganze Schalenoberfläche (sammt Analfläche und Lunula)
ist von verschieden starken concentrischen feinen Streifen dicht
bedeckt, einzelne dieser Streifen treten in ziemlich schmalen regel-
mässigen Zwischenräumen stärker hervor und verleihen der Schale
ein streifig gebändertes Aussehen; in der Richtung der eben bezeich-
neten schwachen Längsdepressionen sieht man häufig eine Streifung,
welche die regelmässigen concentrischen Linien schief durchschneiden
und meist selbst knieförmig gebrochen sind; dieses an sich unbe-
deutende Merkzeichen ist so constant, dass es oft allein schon hin-
reicht, kleine Schalenfragmente als dieser Species angehörig mit
Zuverlässigkeit zu erkennen (Taf. I, Fig. 6).
Durch Druck, Pressung, Auseinanderdrängen der Schalen und
Verschiebung einer Klappe gegen die andere nimmt der Umriss der
Muschel oft eine Gestalt an, die von der normalen so sehr abweicht,
dass mau solche verdrückte Formen schwierig als zu gleicher Species
gehörend erkennen kann.
Namentlich sind es die in die Länge gezogenen schmalen For-
men, die besonders häufig vorkommen (Echernthal), dann platt
gedrückte breite Gestalten, bei denen die untere Seite eine bogen-
Die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Verwandten. 3G5
förmige Krümmung annimmt, die neben normalen Muscheln gefunden
werden. Unzählige Übergänge aus solchen Extremen zur Normal-
form verbinden die ganze Reihe heterogener Formen zu einem
Ganzen.
Die Dimensionen an einem mittelgrossen Exemplare betragen,
und zwar an einem und demselben Exemplare mit und ohne Schale
in Millimeter:
Schalenexemplar Steinkern
Grösste Dicke 62 Millim. 45 Millim.
Länge 95 „ 82
„ Breite 74 „ 63
„ senkrechte Tiefe der Anal-
einsenkung unter dem Niveau des
Kiels 5 „ 2% „
Grösste Breite einer Analfläche . . 14 „ 11 „
Abstand der Wirbelenden .... 8 „ 18 „
Grösste Tiefe der Lunulabucht . . 7 „ 6 „
Die gemessene Schalendicke beträgt an diesem Exemplare:
am Wirbelende, d. h. von der Spitze des Wirbels
des äusseren Schalenkörpers bis zur Spitze der
inneren Höhlung 20 Millim.
von diesem Ende der inneren Höhlung senkrecht zur
Schalenoberfläche am Rücken 10 „
in der Mitte der vorderen Seite 22 „
„ „ „des Kiels 10
„ „ Schalenmitte am Rücken 9 „
unterhalb des vorderen Muskeleindrucks 7 „
am Mantelsaum, Schalenmitte 5y2 »
von da an verschwächt sich die Schale rasch bis an
den äussersten unleren Rand */2 „
Um nur an einem Beispiele die Grösse der Schwankungen in
diesen Dimensionen an manchen Exemplaren anzudeuten, folgen hier
die Maasse eines Schalenexemplares vom Echernthale am Dachstein-
gebirge, das unzweifelhaft der Dachsteinbivalve angehört:
Grösste Länge 140 Millim.
„ Breite 100
Dicke 94
366 G um bei.
Noch mehr Schwankungen zeigen die Steinkerne, bei denen
häufig Abnagung noch formändernd eingewirkt hat. Das kleinste mir
zu Gesicht gekommene Exemplar dieser Art besitzt nur eine Länge
von 18 Millim., eine Breite von 14 Millim. und eine Dicke von
\2i/i Millim. Von diesen Dimensionen an finden sich Exemplare bis
zu kolossalen Massen. Ich habe im Königsee-Gebirge Durchschnitte
gemessen, die auf eine Länge der Muschel von über 600 Millim.
schliessen lassen; aus dem Loferer Gebirge liegt mir ein gut erhal-
tenes Schalenexemplar vor, das eine Länge von 475 Millim. bei einer
Breite von 370 Millim. und einer Dicke von 300 Millim. besitzt. Die
Area ist sehr deutlich, schmal, lang gestreckt, vom Wirbel bis zur
halben Länge des hinteren Randes reichend, in der Richtung der
concaven Streifen fein gestreift und mit sehr feinen radialen
Strichen bedeckt. Schloss dick, massiv, auf eine breite, längs des
hinteren Randes verlängerte Platte aufgesetzt, Hauptzahngruppe der
rechten Klappe ohrähnlich gestaltet. In der Mitte, gerade unter
dem Wirbel, steht ein durch eine nach unten sich aushebende Grube
gespaltener, wulstiger, vielfach gerunzelter Zahn. Der kleine Zahn-
theil liegt nach innen und unten, biegt sich hier um und verbindet
sich mit dem nach vorn und oben gerichteten grösseren Zahntheil;
beide sind, wie die Gruben, uneben furchig; hinter diesem Doppel-
zahn liegt eine tiefe Grube, dann ein hoher, stark nach vorne
gekrümmter, leistenförmiger Zahn, der die hintere, fast ebene
Schlossplatte abgrenzt; vor dem Doppelzahn ist eine kleine flache
Grube, über demselben strahlig gefaltete kleine Erhöhungen1)- Auf
der hinteren Verlängerung der Zahnplatte ist eine seichte Vertiefung
zu bemerken. In der linken Klappe steht in der Mitte ein durch
eine Grube gelheilter Hauptzahn, der nach oben sich verflächt, nach
unten anschwillt; dahinter ist eine stark nach vorn gekrümmte
Grube, davor eine breite Grube und noch weiter nach vorne das
Rudiment eines vorderen Seitenzahnes, von dem schief nach unten
und hinten eine runzelige leistenartige Erhöhung den Muskeleindruck
begrenzend ausläuft; der Fusspunkt liegt zwischen diesem Ausläufer
') Die Zeichnung Tal'. II, Fig. 4 5 ist in der Darstellung- der Partie zwischen dem Haupt-
zalm und dem vorderen Muskeleindrucke nielit sehr deutlieh, weil gerade hier an dem
dünnen Theile des Schlosses dasselbe beim Ausarbeiten am leichtesten zerbricht und
die Zeichnung nur nach solchen Bruchstücken entworfen werden musste.
Die Dachstein bivalve und ihre alpinen Verwandten. 3ß7
und dem vorderen Theile des Hauptzahnes. — Der vordere Muskel-
eindruck hat dicht unter dem Rudiment des vorderen Zahnes oder
der entsprechenden Grube seinen Platz; er ist verhältnissmässig
breiter als bei M. cucullatus, kreuzweise gestreift, von einer nach
vorn und unten schief stehenden hohen, schmalen Leiste gestützt.
Der hintere, sehr schwache Muskeleindruck ist weit nach unten
gerückt und stützt sich auf eine Längs verdickung der Schale,
welche am Wirbel beginnt und durch eine seichte Längsvertiefung
gegen das Innere der Schale abschliesst. Eine leistenartige Erhö-
hung verläuft auch vom Wirbel neben der vorderen Seite zum vor-
deren Muskeleindruck; der Mantelsaum ist einfach, schmal. Kalk-
stäbchenschicht (Taf. II, Fig. 7) verhältnissmässig dick.
Neulichst vom Herrn Prof. Oppel aus Südtirol mitgebrachte
und mir freundlich mitgetheilte Exemplare zeichnen sich durch
ihre constante und ziemlich übereinstimmend geringe Grösse aus;
sie liegen in zahlloser Menge zusammengehäuft, eine in die andere
geschoben, und meist in einzelne Klappen zerfallen in einer Luma-
chelle von schwärzlichem Mergelkalke; ihre Schale selbst besteht
aus Kalkspath. Sie sind im Allgemeinen nicht so hoch gewölbt,
als die Normalform, auch ist die vordere Seite äusserst kurz
und eine deutlich abgegrenzte Lunula ist nicht vorhanden; vielmehr
steigt die Schale aus der nur seichten Einbuchtung unter dem
Wirbel allmählich ohne Rand zum Rücken an. Die Schale ist fein
gestreift und mit 6 — 10 groben concentrischen Anwachsstreifen
bedeckt. Vor dem hinteren scharfen Kiel zieht noch ein schwacher
Rückenkiel, zwischen beiden ist die Schale schwach abgeplattet; die
hintere steil und tief eingedrückte Fläche ist so breit, wie bei der
Normalform. Theile des Schlosses, die blosszulegen mir gelang,
zeigen eine mit dem Schlossbau des M. triqueter übereinstimmende
Beschaffenheit (Taf. IV, Fig. 4, 5). Dies besonders veranlasst mich,
diese Form nicht als eigene Species anzusehen und darin nur eine
Jugend form des M. triqueter zu vermuthen (var. pumilus).
Der Stein kern der Normalform ist etwas länglich rund, dick
im Umrisse, untere Seite weniger stark gebogen, dreieckig, hinterer
Rand stark convex ausgebogen, an der vorderen Seite tief concav
ausgeschnitten , der untere Seitenrand weniger stark ausgebogen.
Die Wirbelenden laufen stark zu, sind nach vorn gebogen, schwach
gedreht und einander mit meist abgestumpften Enden zugekehrt.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLV. Bd. I. Abth. 25
368 G ü m b e I.
Nach hinten ist der Steinkern durch eine abgerundete Kante gekielt
und fällt von einer schmalen Analflüche steil ab; vor der Kante
zunächst zeigt sich eine Längsimpression; zwischen dieser und dem
Kiel, nahe am unteren Rande sind Spuren des hinteren Muskelein-
druckes. Von hier an zieht sich längs der unteren Seite die Spur
des Mantelsaumes bis zum vorderen Muskeleindruck; ein zahnähn-
licher stark hervorragender Wulst bezeichnet hier dessen Stelle,
dieser Muskelhöcker wird von einer schmalen tiefen Grube schief
nach vorn, durch eine breitere nach oben begrenzt. In der lamellen-
artig aufragenden Wand, welche an vielen Exemplaren in Folge des
Auseinanderweichens der Klappen zwischen dem Schlosse durch
eingedrungene Steinsubstanz gebildet wurde, macht sich auf der zur
rechten Klappe gewendeten Seite unter dem Wirbel eine zahnartige
schief nach oben und hinten gerichtete Erhöhung bemerkbar, nach
vorn liegt eine tiefe Grube, nach hinten zwei schmälere leisten-
artige Erhöhungen und Vertiefungen, entsprechend den Zahner-
höhungen und Gruben der linken Klappe; auf der der linken Klappe
zugekehrten Seite finden sich entsprechende Unebenheiten, welche
den Eindrücken des Schlosses der rechten Klappe entsprechen.
Von der vorderen Muskelerhöhung zieht bei sehr gut erhaltenen
Exemplaren eine mehr oder minder hohe leistenartige Längsrippe
aufwärts gegen den Wirbel erst in der Tiefe der Lunulahöhlung,
dann nach oben über deren Rand hinübertretend biegt sie sich nahe
unter dem Wirbelende, ohne dieses ganz zu erreichen, um und geht
nun nahe gleichlaufend mit dem Kiele zum hinteren Muskeleindruck
herab; auf der inneren Seite der Schale entspricht dieser Rippe
eine markirte Rinne.
Wie bei manchen Steinkernen von Terebrateln sind auch zu-
weilen von dieser Rinne entspringende von Blutgefässen herrüh-
rende Adern angedeutet, die selbst zuweilen am Mantelsaume noch
bemerkbar sind. Gegen die hintere Seite treten zuweilen einzelne
concentrische Linien hervor, im Übrigen ist der Steinkern glatt.
Die Form der zahnähnlichen Erhöhungen und Gruben auf der
Wand zwischen dem Schlosse beider Klappen, welche an den meisten
Steinkernen vorhanden ist, bleibt bei allen untersuchten Exemplaren
stets die gleiche; sie entspricht einem Abdruck der Schlosszähne
und Gruben mehr oder weniger genau, je nachdem die Klappen
stärker oder schwächer in ihrer gegenseitigen Lage gelockert und
Die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Verwandten. 309
gegen einander verschoben wurden. Die Gestalt dieser aus der Tiefe
der LunulahÖhlung aufragenden Gesteinslamelle ist daher sehr
charakteristisch und kann wesentlich dazu benützt werden, die
Steinkerne des 31. triqueter von anderen ähnlichen Bildungen zu
unterscheiden (vergl. Taf. I, Fig. 6 und 8, Taf. III, Fig. 1, 2, 4, 5,
7 und 8). Zur Trennung von ihren nächsten alpinen Genus-Ver-
wandten reicht sie allein jedoch nicht aus.
Sehr häufig- werden namentlich an dem hinteren Rande die
beiden Schalen durch eine breite Kalkmasse von einander getrennt,
gleichsam als ob die Schale liier klaffend gewesen sei , indess ist
dies blos eine Folge einer theilweisen Lockerung der Schale nach
dem Absterben des Thieres, wobei zuweilen die beiden Klappen
etwas auseinander wichen. Die Form des Steinkernes erleidet da-
durch eine wesentliche Änderung. Sowohl der Durchschnitt nach
der Länge, wenn er mehr nach hinten liegt, als nach der Breite und
Quere ist meist von herzförmigem Umrisse. Der Querschnitt nach
der Länge, wenn er mehr nach vorn liegt, nimmt eine klauenförmige
Gestalt an. Diese Durchschnitte sind es, welche die Gebirgs-
bewohner als Hirsch- oder Kuhtritte bezeichnen. Prof. Schafhäutl
(Geogn. Untersuch, d.südbair. Alpen, p. 106—143, Taf. XVIII u. XIX)
hat solche als Pholas ungulata abgebildet und beschrieben. Ein
besonders interessanter Durchschnitt dieser Art wurde in Taf. V,
Fig. 7 dargestellt. Derselbe zeigt in der Mitte unter den nur
durch Steinmasse ausgefüllten Wirbelhöhlen einen krummen zum
Theil durch krystallisirten Kalkspath ersetzten Theil , neben
welchem nach unten 3 — 4 ziemlich concentrische, radial lamellirte,
ungleich breite Streifen liegen; in der Mitte unten bilden sie einen
rundlichen und von homogener Steinsubstanz angefüllten Ausschnitt.
Diese merkwürdigen, bis in"s Innere reichenden, lamellirten Theile
können nicht von einem gefalteten Mantelsaume herrühren, einmal,
weil an den Steinkernen keine Spuren dieser Faltung ausgedrückt
sind und dann, weil mehrere lamellirte Streifen neben einander
liegen, vielmehr dürften sie als Reste von Kiemenblättern zu deuten
sein. Diese versteinerten Theile des eigentlichen Thieres sind um so
bemerkenswerther, als sie in der Gegend der Gugelalpe am Fusse
des Watzmanns bei Berchtesgaden häufig gefunden werden und
dadurch anzudeuten scheinen, dass an dieser Stelle wenigstens die
im Dachsteinkalke so häufig eingeschlossenen Muscheln nicht blos
2ö*
370 G um bei.
von längst abgestorbenen Thieren stammen, sondern auch von
solchen, welche bald nach dem Absterben vielleicht noch lebend in
den sich niederschlagenden Kalkschlamm versenkt und von demselben
eingeschlossen wurden. — Dass diese klauenförmigen Reste zu
Megalodon triqueter gehören, davon habe ich mich durch Heraus-
schlagen und ßlosslegen des übrigen Schalenkürpeis überzeugt.
Fundorte:
1. Unterer Renperkalk der Alpen (Hallstätter Esinoschichten):
zweifelhaftes Vorkommen im Kalke zuTernowa im Isonzothale (sicherer
mit M. columbella in Dolonitz), von Val di Sarezzo in den lom-
bardischen Alpen.
2. Hauptdolomit. (Mitteldolomit unter den Schichten des oberen
Muschelketipers): In dem westlichen Theile der nordöstlichen Alpen
spärlich, (?) Leibelfing bei Innsbruck, Alpgarten bei Reichenhall, in
den österreichischen Alpen wahrscheinlich häufiger, doch ist meist
bei der Fundangabe diese Schicht nicht besonders ausgeschieden, so
dass eine sichere Zutheilung zu diesen Schichten nicht durchzu-
führen ist, in den Südalpen häufig nach den italienischen Geognosten
z. B. bei Bleiberg, Trient (Matarello), am Monte Maran, bei Amano,
östlich von Tolmezzo, am Lago d'Iseo. Andere Fundorte sind zwei-
felhaft und werden unter dem Daehsteinkalke und Dolomit ange-
führt.
3. Oberer Mnschelkenper. (Kössener Schichten): Im Bern-
hardsthale bei Elbigenalp in Tirol; an dem Kammerkahr (Sattel-
übergang nach Waidring) in den Südalpen bei Bene westlich
von Menaggio.
4. Dachsteinkalk und Dolomit des Dachsteinkalks in den Nord-
alpen, oberer Dolomit in den Südalpen:
Lorüns und Montafonthal in Vorarlberg, Spullersee daselbst;
(?) Alberschon in Tirol. Pass zwischen Schrecken und Lechthal, am
Kühjochpasse daselbst; im ßernhardsthale bei Elbigenalp und bei
Elmen in Tirol; in den Algauer Alpen1) (im Rettenschwang-Sattel
und Thal, an der Beckeralp im Birgsauerthal, am Ausgange des
Trettachthales unterhalb Spielmannsau, im Oythale, am Seealpsee,
an der Palmwand bei Hindelang); im Naidernachthale bei Garmisch,
l) Bei den zahlreichen Orten, an welchen ich sie in den bairischen Alpen fand, genügt
es, dieselbe summarisch aufzuführen.
Die Dachsteiubivah e and ili e alpinen Verwandten. 371
am Schafreiter, an der Jocheralpe bei Jachenau, am Rosssteio hei
Kreuth, au der Rothalpe und Sonnwendjoch amAchensee, am Hirsch-
berge bei Tegernsee, Maroulschneid bei Valepp, Hoclifellen bei
Traunstein, überaus häufig über das Reutalp-Lattengebirge, auf dem
Untersberg-Plateau, in dem Hochkalter, Watzmann (Gugelalpe),
Göhl-, Haagen-, Königssee- (Lafeld-), Ewiges Schnee-, Steinernes
Meer-Gebirge, am Eckmarkkogel, Scheibelberg, Sondersberg, Kam-
merkahr, Loferer Alpe, Pass Lueg; in dem Loferer Steingebirge, an
der Ofen-Klamm bei Golling, im Täunengebirge (Duscherbrücke,
Wieselstein, Wieselwand, Bleikogel , am mittleren Hochplateau), im
Dachsteingebirge (Echernthal, Wiesalpe, Fuss des Niederen Kreuz,
Hoher Dachstein); am Teufelhaus bei Starhemberg, Tonionalpe
Grimniing bei Pyhrn, im Gesäuse südlich vom Hammer bei Mittern-
dorf, Bärenreith im Weissenbach bei Hinterstoder, Grössenberg
zwischen Hieflau und Admont, südwestlich von Hieflau ; Tamisch-
buchthurm, Lugauer Hochkahr, südlich von Lassing; Dirnstein;
Hocheck im Hintergrunde des Erlafthales bei Mariazeil, bei Ischl
über der Traunwandalpe; im Helenenthale bei Baden; Oetscher, an
der Enns, am Erzberg bei Eisenerz, bei Bleiberg, am Gehänge des
Weissenbachgrabens im heiligen Geist-Reviere; Nordabhang des
nördlichen Bleibergs; in Ost-Kärnten (Ursulaberg, südlich von
Guttenstein, Eisenhammer am Rech berge); am Obirberge; am
Siegersberg; am Petzen; nächst dem Sagotaig, bei der Schmelz-
hütte von Windiscb-Bleiberg; im Koschutta- und Stou-Gebirge (am
li. Kocnakamme und südlichen Abhang des Na Stole); in den
Vainarschhergen; im obersten Theile desBruscakammes; im Sucha-
graben südlich der Save; zu Zardeis und am Kumberg in Unter-
Krain; in Kram (bei Andrea, Oberfeld und Ober-Javorschitz, Berg-
haus in Sepeina, bei Kosses und Mannsburg); in der Wochein
(nördlicher Abhang des Matajun , am Wratny Wrh , Hochplateau des
Flitschergebirges, am Krn , Kostjack, in den Althammer Alpen, im
Sattel der Titscherza, am Schwarzenberg und in den Kahren nörd-
lich vom letzteren, bei Deutsch-Gereuth) ; im Coritzathale am Isonzo'
an der Flitscherklause; im Idrizzathale bei Idria, bei Ternowa; im
Pirhaugebirge, bei Caporetto Amaro, bei Talmozzo; bei Lienz ; bei
Cognola unfern Trient; bei Roveredo an der Strasse nach Foxi (eine
halbe Stunde hinter Roveredo), bei Mori unfern Roveredo; am
Maison monte zwischen Calliano und Volgaria; am südlichen Abhang
3 i J£ (j ü m 1) e I.
des Monte Mariana in den venetianischen Alpen; beiCarnia; am Monte
Verzegniss; bei St. Cassian; bei Anteiao unfern Cadorino; bei Can-
tevia im Comerseegebirge; bei Lenno; Tremezzo; im Val Assina
(Bellagio und Barni); zwischen Abbadia und Mandello; bei St.
Pellegrino im Val Brembana; zwischen Toline und Vello am öst-
lichen Ufer des Lago d'Iseo; bei Clusone; am Monte Pio none; bei
Longavazzo und Arma im Val Trompia; bei Storo; bei Bene west-
lich von Menaggio; bei Homonna im Saroser Comitate; bei Schloss
Barko in Ungarn, im Kalke von Pilis und auf dem OregkÖ bei Bajot;
im Teufelsgraben bei Oszlopp im Bakonyer Walde (Veszprimer Comitat)
in Ungarn, am südlichen Fusse des Balboshügels südlich vonDoroph
am Schlangenberg; ? zu Pieklo bei Inowlodz in Polen (Pasch).
2. MegalodoD gryphoides Gümb.
(Taf. IV, Fig. 1—3.)
Megalodon gryphoides Gümb el (Geogn. Beschr. der bair. Alpen, p. 421).
M. testa oblonga, cordiformi, aequivalvi, vafde inaequilatera,
crassa ; striis numerosis concentricis , tenuibus, zonatim pli-
cis concentrice interpositis instituta impr essione;
longitudinali margini par allein, in parte antica
incisaj umbonibus prominentibus magnis, antice recurvis,
involutis ; latere antico brcvi, cxcavato; lunula magna, pro-
funda, cor data, marginatu ; latere postico acute carinato et
profunde angusteque depresso.
Diese Art unterscheidet sich augenfällig von der vorhergehen-
den durch die mehr längliche Gestalt, die rauhere Streifung der
Schalenoberfläche und ganz besonders durch die Längseinbuchtung,
welche hinter dem vorderen Rande mit demselben parallel nach
unten zieht. Schloss und Steinkerne sind bis jetzt unbekannt. Da
diese Art in der allgemeinen Tracht und vielen Specialitäten dem
M. triqueter sehr nahe steht, so ist ihre Zugehörigkeit zu demselben
Subgenus keinem Zweifel zu unterstellen.
Die Dimensionen an einem grossen Exemplare sind:
Grösste Länge 170 Millim.
„ Breite 112 „
„ Dicke 120 „
Die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Verwandten. ',] ( 3
Breite der Analfläche — Milliin.
Länge der vorderen Seile SO „
Fundorte:
Dachstein kalk im Kammerkahr -Gebirge hei Reit im
Winkel und Lofer.
3. Megalodon coaiplanatus n. spec. Güinb.
Taf. V, Fig. 1—6.
.1/. lesta subrotundu, compresso-cordiformi, aequivalvi, inaequi-
laterali , suberussa; striis tenuibus instituta , antice
brevissima, postice acute carinuta, depressa, ante curinum
longitudinaliter vix conspicue impressa, parte postica de-
pressa angusta; umbonibus parvis, antice recurvis, involu-
tis; lunula parva, haud profunda, marginata; dentlbus
cardinalibus vulvae sinistrae geminatis; deute laterali
postico elongato, lamellosa ; deute laterali antico subobliteruto ;
impressione musculari antica explanuta , lata, semilunulari,
lamina laterali angusta munita.
Diese Art, die zwar nur in einem Schalenexemplare vorliegt,
bietet von allen verwandten Formen so bestimmte und leicht erkenn-
bare Merkmale dar, dass sie für eine sehr gute Art gehalten werden
muss. Der runde Umriss, die wenig dicke, daher flache Form und
die grosse Kürze der vorderen Seite finden sich bei keiner anderen
Art, selbst nicht in den extremsten Verzerrungen wieder. Ausserdem
ist der Schlossbau, der schon früher ausführlich beschrieben wurde,
sehr eigenthümlich; ebenso zeichnet die Breite und seichte vordere
Muskelimpression die Art sehr aus. Der Fusspunkt liegt dicht neben
diesem Muskeleindruck, der fein radial und quergestreift ist; auf
der schmalen seitlichen Verlängerung der Schlossplatte, welche
letzlere hinter dem Hauptzahnpaar sehr weit gegen den Wirbel aus-
geschweift ist, steht ein schmaler, leistenfürmiger Zahn. Derselbe
tritt deutlicher als bei anderen verwandten Arten hervor. Die Anal-
fläche ist schmal, deutlich gestreift und stösst fast rechtwinkelig an
die untere Seite; längs der hinteren Seite ist die Schale verdickt,
doch konnten die Spuren des hinteren Muskeleindruckes nicht deut-
lich erkannt werden. Als Steinkerne sind wahrscheinlich gewisse
374 Gümbei:
flache Formen der Siidalpen hierher zu ziehen, wie ein solcher aus
dem Val di Sarezzo , Taf. V, Fig. 5 und 6, abgebildet ist. Die
grössere Breite und geringere Höhe der dem vorderen Muskelein-
druck entsprechenden Erhöhung, sowie die sehr geringe Länge der
vorderen Seite charakterisirten die zu dieser Art gehörenden Stein-
kerne.
Fundort:
Graulicher und schwärzlicher krystallinischer Dolomit (Haupt-
dolomit) bei Clusone in den lombardischen Alpen (Samml. d. geol.
Reichsanst); ? Dolomit aus Val di Sarezzo (Es eher von der
Linth).
b) Bitvuncati, (Der hintere eingedrückte Schalentheil gekielt, zweiflächig.)
4. Megalodon colombelk.
Taf. VI, Fig'. 1—11.
M. testa aequivalvi , inaequilaterali , subrotunda , cor dif omni,
crassa, striis concentricis immer osis, tenuibus, paucis cras-
sioribus interpositis instituta; umbonibus magnis, antice
recurvis , involutis , latere antico brevi excavato lunula
minore ; latere postico carinato, profunde depresso; parte
depressa lata, carina obtusa seeunda divisa.
Nucleo ob longo cordiformi triquetro, antice brevi, excavato, postice
carinato, profunde depresso; parte depressa lata, in medio
Herum obtuse carinata, inter carinas excavata; parte um-
bonali acuminata, valde prominente , antice recurva et con-
ver geilte ; tuber culo musculari valde prominente, denti-
formi.
Diese Art in Schalenexemplaren unterscheidet sich leicht von
M. triqueter , der sie im Allgemeinen gleicht, durch die hintere ein-
gedrückte Fläche, welche durch einen zweiten Kiel in zwei etwas
vertiefte Felder getheilt wird und durch die rauhere Streifung der
Schale. Steinkerne dieser Art sind durch die grosse Breite der hin-
teren eingedrückten Seite, welche wie an Schalenexemplaren durch
einen Seitenkiel getheilt und in zwei Felder gebrochen ist, sehr gut
charackterisirt.
Die Grösse der Muschel ist sehr verschieden. Die kleinsten
Exemplare (Steinkerne) stammen aus Val di Sarezzo, die grössten
von Nassereit in Tirol.
Die Dachs teinbivalve und ihre alpinen Verwandten. 37!)
Mass der Länge der ersteren 19 Millim., der letzteren 118 Millim.
„ „ Breite „ 1 1 </3 » » » 85 „
„ „ Dicke „ „15 » * » 56 „
Ein Schalencxemplar und ein Steinkern von mittlerer Grösse
gab folgende Masse:
Schalenexemplar Steinkern
Grösste Länge .50 Millim., 46 Millim.
„ Breite 45 „ 38 „
„ Dicke 40 „ 34 „
„ Breite der hinteren Fläche . . 30 „ 28 „
Die nahe Übereinstimmung mit M. triqueter macht es unnöthig,
noch weiter auf eine Detailbeschreibung einzugehen. Es ist bis jetzt
zwar das Schloss noch nicht blossgelegt; die an manchen Steinkernen
gut erhaltene Wand in der Lunulavertiefung, welche Eindrücke des
Schlosses besitzt, zeigt in den auf ihr vorfindlichen Erhöhungen
und Gruben eine fast völlige Übereinstimmung mit dem Steinkerne
von 31. triqueter, so dass daraus auf einen fast vollständig gleichen
oder sehr ähnlichen Schlossbau bei beiden Species geschlossen
werden darf.
Hieran reiht sich:
Pachyrisma columbella Hörnes (Denkschr. d. math.-naturw.
Cl. d. kais. Akad. d. Wissensch. in Wien, Bd. IX, p. 48, Tab. II,
Fig. 13 a — d), deren Identität mit der hier beschriebenen Art zwar
sehr wahrscheinlich, jedoch nicht völlig sicher ist.
Fundorte:
Unterer Keuperkalk der Alpen (Hallstätter Schichten):
Nassereith bei Innsbruck; (?) Beutte im Lechthale; (?) Seeberg am
Lödensee; (?) Lercheck bei Berchtesgaden.
Im Esinokalk (?) im Val di Sarezzo ; in einem gelblich
weissen Kalke (Hallstätter?) mit einem Überzuge von Ocher zu
Bleiberg. (Samml. d. geol. Beichsanst.)
II. Subgenus Pachymegalodon.
Bueardites chamaeformis v. Schlotheim (Pelrefactenkur.de, 1820,
p. 208).
Venusmuschel oder Hysterolit Hacquet (Oryctograph carniol. II. Thei)
Titelkupfer und p. 3 und 4. 1781).
376 Güinbel.
Venusmuschel Schröter Joh. Lam. (Lithol. Real- und Verballexikon VIII.
Bd., p. 188).
Die Schaleist mit grob lame Hirten concentrischen Streifen,
das Schloss mit einem länglichen Hauptzalin in der linken, und
einem niedrigen, durch eine schwache Ausbiegung gebuchteten
Hauptzahn in der rechten Schale versehen; hinter letzterem ist eine
tiefe Grube und ein stark nach vorn gekrümmter, langgezogener,
hinterer Zahn, dem in der linken Klappe eine tiefe Grube entspricht;
der Seitenzahn ist kaum bemerkbar , der vordere Muschelein-
druck nicht sehr tief, breit mit nicht sehr hoher, seitlich
gestellter Leiste begrenzt, der Mantelsaum sehr breit.
5. Megalodon chamaeformis n. spec. Gümb.
Taf. VII, Fig\ 1—7.
M. testa oblongo-rotunda, subangulato-cordiformi, aequivalvi,
valde inaequilaterali , crassissima, striis tenuibus et crassio-
ribus rugoso-plicatis numerosis concentricis instituta;
umbonibas antice recurvis, valde involutis; latere antico
brevi, excavato, sublunulato ; latere postico acute cari-
nato , profunde depresso , parte depressa latissima, it e-
rum carinata, duploexcavata; dente cardinali magno
vulvae sinistrae, dente postico magno elongato curvato vulvae
dextrae; impressione musculari antica lata, haud profunda.
Diese höchst merkwürdige Form lässt sich auf den ersten Blick
durch die schuppig runzelige, stark hervortretende Schalenstreifung
und sehr breite, durch einen ziemlich scharfen Kiel in zwei Felder
gebrochene hintere Abfallfläche erkennen; das innerste Feld ist
schmal und schliesst das schmale, halb äusserliche, über die Mitte der
hinteren Seite herabreichende Ligament ein; das Feld gegen den
äusseren Kiel ist seicht ausgehöhlt, die vordere Seite ist schwach
vertieft, in der Mitte der Vertiefung wieder etwas convex gewölbt,
das Mondchen klein, nicht scharf abgegrenzt; vor dem Hauptkiel
lässt sieh eine schwache Längsdepression bemerken. Die Schale ist
bis zu den üussersten Rändern, wo bei den übrigen früher genannten
Arten dieselbe sehr rasch und stark sich verschwächt, dick, beson-
ders am Wirbel und längs der hinteren Seite. — Ein Exemplar von
88 Millim. Länge, 54 Millim. Breite, 60 Millim. Dicke hat eine
Schalendicke unter dem Schloss am Rücken von 15 Millim., am
Die Dachsteinbivalve und ihre alpinen Verwandten. »$77
Schloss selbst von 19 Millim., unter dem vorderen Muskeleindruck
von 9 Millim., am Mantelsaum 8'/2 Millim., die grösste Breite der
hinteren eingedrückten Fläche misst 54 Millim. Zwischen Schloss-
platte und Rücken der Schale ist nur eine kleine Höhlung, die gegen
die Wirbel sich wendet, daher am Steinkerne hier keine hervor-
ragenden Hörner vorkommen können. — Der Eindruck des Mantel-
saumes ist einfach, der Saum selbst sehr breit. Der vordere Muskel-
eindruck zeigt sich nicht sehr tief, aber breit, der hintere ist kaum
deutlich zu erkennen, doch bleibt die Schale längs der hinteren Seite
bis zum unteren Rande, wie bei den übrigen Megalodonten, verdickt
und trägt, wie schwache Spuren annehmen lassen, am unteren Ende
dieser Verdickung den hinteren Muskeleindruck.
Steinkerne sind von diesen Species keine bekannt. Künstlich
hergestellte Kerne (Taf. VII, Fig. 6 und 7) haben eine sehr eigen-
tümliche nicht an die Dachsteinbivalvenkerne erinnernde Form.
Fundort:
Podpec bei Laibach in einem schwarzen, rothstreifigen Mergel-
kalke ?RaibIer Schichten (Samml. d. k. k. geol. Reichsanst. und des
k. k. Hof-Mineralien-Cabinets in Wien.)
G n bei. Die DachsteinbivaJ r
Tal'.J
I 5 . Megalodon friaueier Wulf.spet (BaclisM/rfri-nalveJ vom DueJisteiiit/ebirrfr .
li S S/<r/i/.iri/ in s.iii' /n.'i il/ni ilulivi .
Sii'/.un»sh (i V UiJ ,1 W inath natura C] XLY.Jid.LAbth 1862.
(.iimlicl Die Dachsteinbivalvi
1. wr?
Taf. II
*
Megalodmi Iriyueter Ifidf.sptc.ausdem Bernhards thali I>k Elbigenalp im IcclUhah
6. ein ftiidb der Schalenoöcrfläcne } da Sduilendurcuschnitl dieser Art.
NiUiin<:'sb<IU..\ka.iil.\V. ni.it I«. naiurw CI XLV Bd.LAbtll I862
Ciiiriliil. Die D.irhslniilnv.-ilvi
2
/_ 3. Steinkern des Megalodon trtinwtcr uns dem Beruhardsthale. 'I J Steinkern derselben Species
p/m Matantto />// 'IHrnt . / 9. Steinkern derselben Sftecus von Wettern in liiirnlh'»
Nil'/.imqsl).il.k..\l;n(l il W in.iili natunr.CJ XI.V. B.l I .Uilli l«62.
rrriml>H Die Daclurtetnbhratvt
Taf. IV
<Gr
m> <^0r
/ 3. SCegaJeäoH gryphoides Gümb. * i Tbeilt des StMe&es von Mcyoforien triqueta
eines Exemplar* von Roueredo.
Sil'AimaSbd.k Akart d.W iiialh naturw.Cl. XLV BiLÄbth. 18G2.
Giimbel Dir Dachsteiribivalve
Tatf.V.
* .
",r„
\ Gt
i ^ ■
iA.Megakdon nuii/jhiiHihi.t Gümb ■> 0 Stänkern wahrscheinlich derselben Spedee angehörig
am Valdi Sarezxo. '/. ein Durchschnitt von Mcgalodon trieputer mit Spuren der ffomtndfflter
vSilv.mi«\sl> d.k ..\kail.d W malli. nalurw CI XI.Ylul I .U.lli L862
Gum.be] Die D&disteinbivalvi
/ 3 . Mtgalodon eolumbelfa < Giimh 'i <i Steinhern derselben Art von Äußeret/
,'/ //.Steinkern dtrsrlben Maus Val di Sarezxo .
Sitsuntfsb.cLk Akad.d.'W math.naturw.Cl. XLV Bd. I.AIhIi. L86Z.
Oülll bei Dir n.M'lixIrinliu ;ilvi
Taf VII
i-S.MegaiodoncfuanarArmis Gümb. (i /./.•//// sttuh hergestellte Ktmc dieser Species
Sily.iiiiüslMl.lv.Vkad.ii.U' inalli. nalurw. CI. XLV Bd. I.AUtli.lKti».
;*7<>
IX. SITZUNG VOM 20. MÄRZ 1862.
Herr Prof. Dr. J. U. Lerch aus Prag übersendet eine Abhand-
lung: „Über Kohlenoxydkalium und die aus demselben darstellbaren
Säuren".
Die kais. Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg über-
mittelt die Concursausschreibung für den „Preis Rklitzki" für Ar-
beiten auf dem Gebiete anatomisch-mikroskopischer Untersuchungen
über die Centraltheile des Nervensystems mit Anwendung auf Physio-
logie und Pathologie.
Die königl. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen sendet
den Prospectus für die Herausgabe der Werke von Karl Friedrich
Gauss.
Zur Ansicht ist aufgestellt ein in der Werkstätte des hiesigen
k. k. polytechnischen Institutes construirtes Reflexionsgoniometer mit
horizontalem Kreise, das auch für Spectralmessungen eingerichtet ist.
Herr Dr. A. Boue legt einige Zusätze zu seinem Katalog der
Nordlichter von Herrn S. Groth vor, und bespricht das neue Werk
des Herrn J. Fournet, betitelt: „Geologie Lyonnaise".
Der Secretär macht weitere Mittheilungen über die Darstellung
im Grossen von Rubidiumchlorid und Cäsiumchlorid aus dem Lithion-
glimmer von Zinnwald (siehe Sitzung vom 17. und 18. October 1861)
und zeigt von ihm dargestelltes Rubidium-Platin-Cyanid.
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin, Monats-
bericht. Januar 1862. Berlin, 1862; So-
Astronomische Nachrichten, Nr. 1352. Altona, 1862; 4°-
Au stria, XIV. Jahrgang, XI. Heft. Wien, 1862; 8°-
Comptes rendus de TAcademii- des sciences, Tome UV, Nr. 7.
Paris, 1862; 4"-
380
Cosmos, XI. Annee, 20e Volume, lle Livraison. Paris, 1862; 8°-
Gewerbe-Verein, nieder-österreichischer, Verhandlungen und
Mittheilungen. Jahrgang 1862, 3. Heft. Wien, 1862; 8°-
Istituto, I. R., Veneto tli scienze, lettere ed arti, Atti. Tomo VI1°,
Serie 3% Disp. 3\ Venezia, 1861 — 62; So-
Sternwarte, k., zu Mailand, Effemeridi astronomiche di Milano per
l'anno 1861 & 1862. Milano, 1860 & 1861 ; 8°— Osservazioni
meteorologiche eseguite nella R. sperola astronomica di Milano
negli anni 1848 al 1859 inclusivi dall' abate Giovanni Capelli.
Milano, 1861; 4°-
Übersichten der Witterung in Österreich und einigen auswärtigen
Stationen im Jahre 1860. Zusammengestellt an der k. k. Central-
Anstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus. Wien, 1861; 4°-
Wiener medicinische Wochenschrift, XII. Jahrgang, Nr. 11. Wien,
1862; 4°-
Zantedeschi, Franc, Nota al rapporto del chimico Dumas intorno
alle scoperte spettroscopiche dei sigg. Bunsen e Kirchhoff
con documenti. (Estr. dal Vol. VII. Serie III, degli Atti del I. R.
Istituto Veneto.) Venezia, 1862; 8°-
381
Berichtigung und Ergänzung meiner Abhandlung über die
Kry stallformen des Epidot,
in dem 34. Bande, Jahrgang 1859, dieser Sitzungsberichte.
Von V. Ritter v. Zepharovich.
(Vorgelegt in der Sitzung vom 20. Jänner 1862.)
(Mit 1 Tafel.)
N. v. Kokscharow's Materialien zur Mineralogie Russlands,
ein Werk gleich hervorragend durch grossartige Anlage und umfas-
sende, sorgfältige krystallographische Arbeit, brachten in ihrem
dritten Bande eine umfangreiche Abhandlung über den Epidot,
welche sich auch mit der Frage über die Unterschiede der Winkel
an Epidot -Krystallen verschiedener Fundorte beschäftigt. Für eine
grössere Anzahl von Localitäten dürften nach v. Kokscharow
die Epidot -Winkel als fast identisch anzunehmen sein, während
bezüglich der Krystalle von Zermatt in der Schweiz die Ent-
scheidung noch offen bliebe, da sich die Messungen, welche ich
im Jahre 1858 an einem, wahrscheinlich von dem genannten Fund-
orte stammenden Krystalle vorgenommen, nur auf ein Individuum
bezögen *).
Die bedeutenden, meist um 10 Minuten schwankenden Diffe-
renzen, welche meine damaligen Messungen mit einem Mitscher-
li einsehen Reflexions-Goniometer im Wiener k. k. polytechnischen
Institute, verglichen mit jenen anderer Forscher, zeigten, waren
allerdings auffallend; ich glaubte aber meine Beobachtungen unver-
ändert iuitlheilen zu sollen und die Winkel-Differenzen in der ver-
i) A. a. 0. Seite 338.
382 v. Z e p h a r o v i c Ii.
änderlichen chemischen Beschaffenheit des Epidot erklärt zu finden.
Einstweilen hatte ich eine andere krystallographische Arbeit mit dem
genannten Instrumente in Wien begonnen und dieselbe in Krakau mit
einem in meinem Besitze befindlichen, ganz vorzüglichen Goniometer
fortgesetzt. Den Grad der Genauigkeit, welcher sich mit meinem
Instrumente erreichen lässt, habe ich durch sorgfältige Prüfung
ermittelt und bei einer früheren Gelegenheit1) darüber einige Worte
eingeschaltet. — Es war nun durch das Resultat der Vergleichung
meiner Messungen gleichnamiger Winkel eines und desselben
Krystalles mit den beiden Instrumenten, zugleich mit obiger Epidot-
frage, unabweislich die Forderung gegeben, den damals untersuchten
Krystall nochmals und zwar mit meinem eigenen Instrumente
vorzunehmen2).
Es folgen hier diese Wiederhol ungs-Messungen (Z) der wich-
tigsten Krystallwinkel mit Angabe der Anzahl von Einzelbestim-
mungen (ra), aus welchen das arithmetische Mittel genommen wurde
und ihrer Gewichte (</)» nach der Güte der Flächenreflexion, auf-
steigend bezeichnet durch a (approximativ) 1, 2, 3 und 4. Zur
Vergleichung wurden jene Werthe (ÜT), welche v. Kok schar ow
in seiner genannten Abhandlung aus den Winkeln der Normalen
der Flächen:
M: T = (101) : (100) = 64° 36' —
T: r = (101) : (101) = 51 42 -
z: z = (111) : (111) = 70 0 30'
berechnet, nebengestellt3).
') Über die Krystallformen des ameisensauren Kupferoxydes u. 8. w. ; diese Sitzungs-
berichte, 43. Band, 1861.
2) Dieser Krystall von Zermatt? welchen mir der Director des Wiener k. k. Mineralien-
Cabinetes Dr. M. Hörnes wiederholt zur Untersuchung anvertraute, ist mit
11828, XL, 95, Hpts. -r- e j in den Cabinets-Katalogen bezeichnet. Sein specifi-
sches Gewicht, bei 1??5 C. = 3-448. — Zwei Krystalle aus dem Zillerthale gaben
ein specifisches Gewicht = 3-395 und 3- 398.
3) Unmittelbar durch Messung erhielt v. Kokscharow für die obigen Winkel die
arithmetischen Mittelwerthe :
M : T = 64 35' 54" durch 18 Bestimmungen an 14 Krystallen,
T :r = Sl 42 9 „11 „ , 8
z : * = 70 1 59 » 8 „ „8
Krystailformen <lfs Rpjdot.
383
Winki'] der Normalen
(I c in i' s s e n
B
'rechne!
Z
n
ff
K
(101) : (301)
29°
49'
—
2
1
29°
53'
41°
(101) : (TOI)
51
44
40'
6
2
51
42
—
(TOI) : (100)
63
43
20
6
2
63
42
—
(210) : (100)
58
27
50
3
3
58
29
22
(210) : (101)
77
4
7
6
3
77
2
42
(111) : (010)
34
59
23
12
4
35
0
15
(111) : (100)
75
43
20
12
1
75
45
21
(111) : (210)
34
11
—
6
3
34
12
56
(111) : (111)
20
1
46
12
4
29
2
42
(111) : (TlT)
69
58
10
6
4
70
0
30
(711) : (301)
29
55
40
3
3
29
55
15
(711) : (TU)
64
54
40
3
2
64
58
48
(111) : (010)
35
7
42
12
4
35
12
34
(TU) : (100)
75
12
46
12
3
75
11
57
(TU) : (101)
69
6
40
6
3
69
3
46
(fll) : (301)
85
8
40
6
3
85
9
50
(111) : (101)
54
50
45
6
3
54
47
26
(TU) : (11T)
70
13
50
6
4
70
25
8
(T21) : (T00)
81
33
35
6
3
81
31
20
(121) : (TU)
15
43
46
6
3
15
46
29
(151) : (151)
16
2
20
3
3
16
4
—
(151) : (121)
11
26
10
3
3
11
24
5
(151) : (111)
27
9
56
6
3
27
10
34
(432) : (210)
23
3
55
12
3
23
4
11
(432) : (Tll)
10
48
55
6
3
10
49
21
Diese mit meinem Reflexionsgoniometer erhaltenen Winkel-
werthe lassen den Zermatter-Krystall nun nicht mehr als Sonderling
erscheinen, und es geben die Abweichungen von den in den Tabellen
meiner ersteren Abhandlung enthaltenen gleichnamigen Angaben
auch den beiläufigen Massstab an die Hand, nach welchen die übrigen
dort genannten Winkel zu verändern wären. Eine neuerliche
Berechnung der Winkel glaubte ich um so weniger vornehmen zu
sollen, als v. Kokscharow in seiner Monographie, auf genauen
Messungen fussend, mit grosser Vollzähligkeit solche mitgetheilt hat.
Aus diesen folgt für die Epidot-Grundgestalt nach Mohs, das Ver-
hältnis der Längen von Hauptaxe, Klino- und Orthodiagonale
a : b : c = 1 : 20639 : 06362
Silzb. der mathem.-naturw. Cl. XLV. Bd. I. Abth. 2*>
384 v- Zepharovich.
und die Neigung von Hauptaxe und Klinodiagonale
C = 89° 26* 39".
Ich war aber diesmal nicht nur in der Lage die früher gemes-
senen Winkel richtig zu stellen, es gelang mir auch jene äusserst
kleinen Flächen zu bestimmen, für welche in meiner vorigen Arbeit
nur im weitesten Sinne der Ort bezeichnet werden konnte. Nebstdem
hatte die vollständigere Entwicklung der Combination des bespro-
chenen Krystalles die abermalige Auffindung von zwei neuen Flächen-
paaren zum Erfolge, so dass die Untersuchung desselben im Ganzen
vier neue Formen lieferte, nämlich die bereits mitgetheilten nega-
tiven Hemipyramiden
{151} und {432}
— 5P5 - 2Py3
und nun die beiden positiven Hemipyramiden
{337} und {521}.
•/iP SP*/,
{337} wurde an der obern Seite des Krystalles an der Combina-
tionsecke von (101), (201), (111) und (111) als wenig gekrümmte,
sehr schmale Fläche in der Zone {(001). (111)} beobachtet.
Geinet
s e n
Berechnet
Winkel der Normalen
z
H
9
z
(337) : (001)
35° 21' —
6
a
35° 22' 27*
(337) : (010)
56 27 50°
6
a
50 23 34
(337) : (100)
—
—
—
80 41 32
(337) : (101)
35 53 20
6
a
36 6 30
(337) : (111)
23 36 10
6
a
23 34 36
(337) : (TU)
33 50 20
3
a
—
(337) : (212)
11 7 —
3
a
—
(337) : (410)
61 25 40
3
a
—
Die Berechnung der Indices dieser Fläche auf Grundlage
Koks charo w'scher Daten und mit Benützung der obigen beiden
ersten approximativen Messungen gab (hkl) = (1; 0-985; 2-30),
wofür mit Rücksicht auf die, bei der Kleinheit der Fläche, ganz unsi-
cheren Messungen, wohl (337) gesetzt werden darf.
kryatallformen des E-pidoi
381)
{521} an der oberen und unteren Seite des Krystalles, ohne
Lupe kaum wahrnehmbar, auftretend, war durch die Lage in den
beiden Zonen {(100) . (121)} und {(101) . (210)} hinreichend
bestimmt.
Winkel der Normalen
Gerne
s s e n
Berechnet
z
//
9
z
(521) : (001)
—
—
76° 13' 25'
(521) : (010)
—
—
39 33 48
(521) : (100)
53 55 20"
12
a
53 57 23
(521) : (121)
44 33 30
6
a
44 31 17
(521) : (101)
61 48 45
12
a
61 47 33
(521) : (210)
15 12 15
12
a
15 15 9
Die übrigen äusserst kleinen Flächen, welche durch approximative
Messungen noch bestimmt wurden, sind die bereits bekannten {212} ,
{812} und {410}.
Gemessen
Winkel der Normalen
Z
n
9
K
(212) : (100)
69°
30'
—
3
a
69° 34' 6"
(212) : (TU)
39
38
50°
4
a
40 2 27
(212) : (301)
44
56
—
1
a
45 7 29
(812) : (100)
33
27
50
6
a
33 27 58
(812) : (212)
36
3
—
3
a
36 6 8
(812) : (111)
44
43
—
3
a
—
(812) : (210)
43
19
—
3
a
—
(410) : (100)
39
18
—
1
a
39 12 1
(410) : (711)
20
34
■ —
3
a
20 30 18
Demnach ist die vollständige Bezeichnung der Combination des
Zermatter Krystalles nach Miller und Naumann:
{100}. {301} . {201} . {101} . {001} . {101}.' {301} . {501}
ooPoc.
SPoo
. 2Poo .
Poo .
0P .
-Poo.
-3POO.
— 5Poo
{410} .
{210}
{010} .
{337} .
{212} .
{1H}.
{812} .
{521|
ooP4 .
ooP2
.(ooPoo).
3AP •
P2 .
P .
4P8 .
5/>s ,
{711}.
{111}
. {432} .
{121} .
{151} .
1P1 .
— P
-2PVS
-(2P2)
-(5/>5).
•ili-
386
v. Z e p h ü x o v i e h.
Durch v. Kokscharow's neueste Arbeit sind die in meiner
früheren Abhandlung mitgetheilten 44 Epidotforinen um weitere 9
bereichert worden;, so dass gegenwärtig bereits, mit den beiden
zuletzt von mir aufgefundenen, 55 verschiedene Gestalten beobachtet
sind. Ist der Überblick bei einer solchen Anzahl schon an und für
sich schwer, so wird er ganz unmöglich, wenn wie es beim Epidot
der Fall ist, von den neueren Beobachtein nicht weniger als 4 ver-
schiedene Grundformen (I — IV in der Tabelle am Schlüsse dieser
Zeilen) angenommen werden. Kokschar ow bezieht sich in seiner
Bezeichnung und seinen trefflichen Krystallbildem auf die von
Marignac gewählte Grundform; doch gibt er mit dankenswerter
Vollständigkeit die Reductionen für die bisher wohl am meisten
übliche Betrachtungsweise nach dem Vorgänge von Mohs1).
Tabellarische Zusammenstellungen in der Art wie ich sie meiner
früheren Schrift zur Übersicht des Beobachteten beigelegt, erleichtern
wohl den Überblick über manche Verhältnisse und die Vergleichung
der verschiedenen Symbolik. Doch reichen auch solche Übersichten
bei flächenreichen Species nicht au« und kommen erst durch graphi-
sche Darstellungen, welche den Zonenverband unmittelbar hervor-
treten lassen sollen, zum völligen, jede fernere Arbeit wesentlich
fördernden Abschluss.
Die folgende Tabelle und die stereographische Projection
(Taf. I) entsprechen dem heutigen Standpunkte unserer Kenntniss
der Epidotformen. In der Colonne Kokscharow sind durch die
den Symbolen beigegebenen Buchstaben die an den russischen
Epbloten erscheinenden Gestalten ersichtlich gemacht, ferner in der
zweiten Colonne durch H und Z 2) die von Hesse nberg und mir auf-
gefundenen Flächen und in der ersten durch Steinchen jene Flächen
bezeichnet, welche dies- und jenseits der Zone |(010).(001)}
auftreten.
l) In «leii mineralogischen Mittheilungen von Dr. G. vom Rath (Poggend. Ann. CXV,
3, 1862), welche ich während der Correctur dieses Aufsatzes vom Verfasser freund-
lichst zugesandt erhielt, werden noch zwei neue Epidotforinen, an Krystallen aus dem
Zillerthale beobachtet, bekannt gemacht: die Hemipyramiden }325j = 3 bPs, 2 und
;14I( = — (4/'4). (i. vom Rath schliesst sich mit Kokscharow der von
Marignac angenommenen Aufstellung an, wornach seine neuen Formen die
Zeichen ">/'~ 5 und (4/*4) erhallen, und giht (auf Taf. IV) eine Linear-l'rojeelion
der wichtigsten Flachen
*) li — (,. vom Rath.
Krystallfor n des Epidol ^{87
fbersicht der um Kpidot bekannten Krvsliilll'ornu'n. (57.)
Bezeichnung nach
Miller
Naumann
Mohs Levy
1824 1838
Brooke und
Miller
1853
Du- I
rejioy
1856
Mari-
en at
1847
Kuk
tcharow
1859
(0
(0
(1) 1 Ol)
(II)
(III) 1
(IV)
(IV)
1. Pinakoide. (3)
{U01{
oP
(0 p-~
a2 |
(0 1102}
*9
Z~
0
2Poa
{100}
oaPoo
(Jf)Pr+c*
Ä*
(;«){100}
M
P
(J0
oP
{010}
( OB Pos)
(P)Fr+ co
01
(6) {010}
P
L
(/>) («/'«,)
2. Prismen. (3)
{210}
OB P%
(0)(p+«>)a
m
(o) {110}
e1
l
00
(P~)
{410}
oo P'\
(A)(P+«>)4
A*
O) 1210}
c%
1%
CA)
C2/'~)
{610}
oaP6
—
—
—
-
00
CVsP«)
3. Orthodomen. (16)
a) Positive Heinidomen. (7
>
{103} *
v3/j~
— .
—
(?) {1»3}
%9
z3
(f)
3Poa
{101}«
p~
Pr
VO--
P
(0 |ooi}
.'/'
T
(D
ooPoo
{503}
5/3Poc
—
—
-
—
—
00
- 3 /'~
{201}»
{301}*
2P«>
3 Pos
■/v+2(>)
2
0*
00 {101}
9%
92
t*
t
00
00
— 2Poo
~Poo
{501} *
5 Pos
—
-
—
-
-
(m>
-1/2P~
{11,0,1}
11 Poe
—
—
—
9°
t%
l/5Poc
h) Negative Hemidomen. (9)
{104}
— y4foo(«i
%P«o
{T03} •
-%Poo
-
-
—
39
"°/2
%p~
{102}
-%P<s>
—
—
-
—
0»)
V3P<x>
{507}
— *;vPoo
-
-
79
*%
7 6 *>~
{T01}*
Poo
(r) + ~
«'
00 |ioi}
T
Z
(r)
Pos
{501} •
- 2Poo
0) 2
—
0) 1502}
%
—
2/sP«3
{301}*
- 3P«=
CO — —
flVs
CO W
Ä»
-1
• 2
(0
l/a P«B
{501}*
— SP«.
-
«Vs
—
/,«
~
l/,Pao
{701}
— 7POO(H)
—
—
—
—
'4/J~
4. Klinodomen. (3)
{013}
(%p«)w
—
-
-
—
!
2 P3
{012}
C1/»*»)
00 P>-\
—
(2/) {112}
—
-
w
2 /'2
{011}
(P«0
00 P>
—
(</) |T22}
e%
^
Ig)
2/'
!) Haidinger, Edinburgh philosophieal Journal, Vol. X, 1824, p. 312.
388
v. Z e p h a ro v i c h. Krystallformen des Epidot.
Bezeichnung nach
Miller
Naumann
Mohs
1S24
i Brooke und
Levy ! Miller
ls3s 1852
Du- 1 Mari-
frenoyl gnae
1856 1 1847
Kukseliaiow
1859
CO
(0
CO
CO 1 (")
(III) (IV)
(IV)
5. Pyramiden. (32)
{115} m
VsP
—
—
—
i"
?y.
—
{113}
VsP
(c) 3P3
{225} (?)
%p
—
—
—
i"
£10
"/■J17/,
{337}
%P (Z>
—
—
—
—
—
{111}*
P
v 2
el
(Oioii}
e1
ilf
0) ~P
{432} •
2P*/3 w
—
—
—
-
- (3P3/8)
{325}
%P% m
—
{323}
P%
-
-
—
—
—
(0 ~^%
{321} *
{212} *
3P% w
P2
fP-2)>
0) ,
e3
00 1<)12|
eVz
iV
-(2P2)
(u) ~ P2
{941} *
9P%
—
—
-
i
r
- (W
{521} *
SP% <z)
y
—
{311}*
3P3
(<0 Y
d%
00IH1}
e%
m
(<Q -P
{412}
2P4
—
-
—
—
—
(«0 — 2P2
{511}*
5P5
—
—
—
—
—
(0-v2p
{711}*
7P7
—
—
—
ek
m%
co-Va*
{812}
4P8
—
-
—
i*
n%
-%P2
{121} #
(2P2) c*)
-
-
—
-
—
(~P2)
{151}*
(SPS) im
(~P5)
{112}
— VsP <">
—
—
-
-
% P2
{TU} *
— P
00 t- 7
i»
0){Tlij
6*
r4
oo p
{432} *
— 2P*/s <Z)
—
—
—
-
—
(*%)
{321}*
- 3P»/,
—
—
—
a3
?
(P2)
{212} *
— P2
-
h%
—
»'/>
V
O) ^2
{521} *
— 5P% an
(■/.«)
{311} *
— 3P3
(x) +
\. J 2
«3
0*01211}
a1
—
»/»P
{511}»
— SPS
(P) 's**
{711}*
— 7P7 («)
VtP
{121} *
-(2P2)
—
—
-
b*
ö2
(2P2)
{141}
— (4P4) («)
-
—
—
-
—
—
{151} *
— (SPS) m
(5P5)
{161}
— (6P6)
-
—
¥
ö
(6P6)
v. Ix epharorvich. Bpidat,
Tall
i
Sitmin»sb.d k .Akail & W. niatfi.nalurw .('1. XLV. Bd.Uftflli862
'
Heller. Beitrag« t.üt näheren Kenntniss der \iacrouren i>S!>
Beiträge zur näheren Kenntniss t/er Macrouren.
Von Prof. Dr. Camil Heller.
(Mit 2 Tafeln.)
In der nachfolgenden Mittheilung erlaube ich mir, eine Reihe
interessanter neuer im hiesigen k. k. zoologischen Museum befindli-
cher Macrouren näher zu beschreiben, die zum grössten Theile von
den österreichischen Reisenden Baron Hügel, Natter er, Ko-
tschy, Ida P feiffer, Doleschal und Daninger in den ver-
schiedenen Erdstrichen gesammeil wurden. Besonders zahlreich ist
unter ihnen die Familie der Cariden vertreten, aus welcher zwanzig
neue Arten aufgeführt werden. Auch ward ich durch die Untersu-
chung mehrerer Originalexemplare in den Stand gesetzt, über einige
bisher ganz zweifelhafte oder unrichtig beschriebene Alten wichtige
Aufschlüsse zu ihrer besseren Bestimmung mittheilen zu können.
Polycheles nov. gen.
Taf. I, Fig. 1—6.
Diese neue Macrourenform ist ausgezeichnet durch den Besitz
von vier Scheerenfusspaaren, wovon das erste die übrigen an Länge
weit übertrifft. Der von oben etwas abgeflachte länglich viereckige
Cephalothorax hat einige Ähnlichkeit mit jenem mancher Crangon-
arten, auch sind die Antennen wie bei diesen fast in horizontaler
Linie neben einander eingefügt; doch ist die Form der Füsse und
Mundwerkzeuge eine ganz verschiedene und berechtigt namentlich
die büschelförmige Gestalt der Kiemen, diese Galtung den Astaciden
einzureihen, von welchen sie ein Übergangsglied zu den Cariden
bilden würde.
Der ziemlich dünnwandige Cephalothorax verschmälert sich
nach vor- und rückwärts nur wenig, der Stirnrand ist fast gerade,
390 Heiler.
von den stärker vorspringenden Seitenecken durch einen dreiecki-
gen Ausschnitt getrennt. Die Seitenränder sind ziemlich scharf und
fein gezähnelt. Die flachgewölbte Oberseite wird durch eine deut-
liche Cervicalfurche in eine fast gleich grosse Vorder- und Hin-
terhälfte getheilt. Seitlich schliesst sie zwischen ihrem nach vorne
sich fortsetzenden Hauptaste und einer zweiten von ihr ausgehenden
und den Seitenrand fast in der Mitte berührenden Querfurche ein
dreieckiges, mit der Spitze nach innen gekehrtes Lateralfeld ein.
Auf der Mitte der Riickenfläche verläuft vom vordem zum hintern
Rande ein niederer, scharfer, mit feinen Zähnchen besetzter Kiel»
ebenso bemerkt man beiderseits dem Rande mehr genähert, einen
zweiten in der Mitte etwas unterbrochenen ebenfalls gezähnelten
Kiel. Dazwischen ist die Oberfläche etwas rauh. Der Hinterrand ist
stark ausgeschweift und oben mit sechs spitzen Zähnchen besetzt.
Die Seitenflächen erscheinen ebenfalls ziemlich rauh und sind mit
ihrem unteren Rande stark einwärts gegen die Basis der Füsse
gekehrt.
Die Augen fehlen fast ganz, nur an der Basis der oberen An-
tennen gewahrt man an der Stelle, wo sich der Stirnrand nach
unten umbiegt, zwei schwarze rundliche Flecken als Rudimente der-
selben. Die Antennen entspringen unter dem Vorderrande und stehen
fast in horizontaler Linie neben einander, nur nach innen decken
sie sich in geringem Grade. Der Stiel der oberen oder inneren An-
tennen ist etwas kürzer als jener der äusseren und ziemlich flachge-
drückt. Von seinen drei Gliedern ist das erste am breitesten und
stärksten, es verlängert sich an der Innenseite in einen spitzen sta-
chelartigen, über das Stielende noch hinausragenden Fortsatz ; auch
an der äusseren mehr abgerundeten Seite ist ein kleiner Stachel
sichtbar. Die beiden folgenden Glieder sind kurz und zwar das dritte
Glied noch etwas kürzer als das zweite, beide an ihrem Vord.er.ende
nach aussen mit einem kleinen Stachel versehen. Die einzelnen
Glieder sowie der innere Fortsatz zeigen starke Behaarung am
Rande. Von den zwei in ihrer ganzen Länge deutlich getrennten
Endborsten ist die innere lang, die äussere kurz, jedoch immerhin
noch einmal so lang als der Stiel, auch ist sie nach innen etwas be-
haart. Die äusseren Antennen, welche neben und etwas unter den
vorigen entspringen, haben einen längeren Stiel mit kurzem aber
breitem fast dreieckigen Basalgliede. Das innere Vorderende des
Beiträge zur näheren Kenntniss der Man-oureu. *,\[) |
letztern ist mit einem spitzen Stachel versehen. Die zwei folgenden
Glieder sind länglich und schmal, das zweite etwas länger als das
dritte. Der nach aussen von dem Basalgliede entspringenden Blatt-
anhang erreicht nicht ganz die Lange des Stieles (die Randwimpern
abgerechnet), er ist schmal lanzettförmig. Stiel and Anhang erschei-
nen am Rande dicht behaart. Die Endborste ist von mittelmässiger
Länge.
Die äusseren Maxillarfüsse (Taf. I, Fig. 2) sind schlank und
reichen nicht ganz his zum Vorderende des unteren Antennenstieles.
Sie bestellen aus sechs Gliedern. Das erste Glied ist kurz und breit,
fast viereckig. Das zweite Glied, das längste von allen, ist schmal
und etwas nach aussen gekrümmt, ihm folgt das etwas kürzere, aber
gerade dritte Glied. Die drei letzten Glieder sind kurz, zusammen-
genommen etwas länger als das dritte; das letzte Glied ist konisch
zugespitzt und mit einer nach innen gekrümmten Erdklaue versehen,
überdies am Innenrande mit einer Reihe von Stacheln besetzt. Auch
sind alle Glieder nach innen mit langen Fiederhaaren bedeckt. Ein
Palpus fehlt. — Der zweite Maxiilarfuss (Taf. I, Fig. 3) ist gleich-
falls schmal, mit kurzem konischen Endgliede und ohne l'alpe. —
Der erste Maxiilarfuss (Taf. I, Fig. 4) zeichnet sich durch seine
Längenentwickelung aus und ragt ;iuch über die anderen Mundtheile
ziemlich hinaus. Im besondern Grade erscheint der Innenlappen
(Endognath) ausgebildet, ihm schliesst sich nach aussen und vorne
ein kleines Mittelläppchen und ganz nach rückwärts ein länglich
dreieckiger Aussenlappen mit dem Palpalanhange an. — An der
äussern Maxille (Fig. 5) ist dagegen der Innenlappen sehr wenig
entwickelt, dagegen der Aussenlappen lang und breit und dicht
bewimpert. — Die Mandihei (Fig. 6) sind an ihrem Kauende
ziemlich breit und am Innen- und Vorderrande mit 15 — 16 stumpf-
spitzigen Zähnen besetzt, nach aussen tragen sie einen drei-
gliederigen Palpus.
Unter den fünf Fusspaaren sind die vier vorderen scheeren-
tragend und nur das letzte mit einer einfachen Klaue am Ende ver-
sehen. Das erste Fusspaar ist sehr lang, es überragt nach vorne die
Endhorsten, so wie rückwärts gelegt auch die Schwanzflosse; zu-
gleich ist es ziemlich schmächtig. Bracbiurn und Carpus sind sehr
flachgedrückt, letzterer um das Doppelte kürzer im Verhältnisse zu
jenen, gegen das Ende hin etwas verdickt und hier mit einem oder
392 Heller.
zwei spitzen Stacheln versehen. Das längliche Handglied ist ziemlich
comprimirt, am obern und untern Rande mit einigen kleinen spitzen
Höckern besetzt. Die Scheerenfinger erscheinen länger als das Hand-
glied, sind dünn und schlank, am innern Rande fein gezähnelt, gegen
das Ende hin etwas klaffend und kreuzen sich an der gekrümmten
Spitze. Die einzelnen Glieder sind fast nackt. Die folgenden Fuss-
paare sind bedeutend kürzer, ihre Glieder mehr cylindrisch, etwas
behaart. Das fünfte Fusspaar endigt mit einem spitzkonischen Klauen-
glied, das viel kürzer ist als das vorhergehende Tarsalglied. Am
Coxalgliede dieser Füsse gewahrt man zwei hervorragende rundliche
Schüppchen und unmittelbar hinter ihnen die männlichen Ge-
schlechtsöffnungen.
Der Hinterleib ist länger als der Cephalothorax, nach hinten all-
mählich verschmälert, oben flacligewölbt, seitlich stark abwärts ge-
krümmt. Längs der Mitte des zweiten, dritten, vierten und fünften
Segmentes erhebt sich ein Kiel, welcher am hintern Ende eines jeden
Gliedes in eine nach vorne gerichtete, hakenförmige Spitze aus-
läuft. Am vierten Gliede ist diese Hervorragung am stärksten ent-
wickelt. Das erste Segment ist fast ganz glatt, nur in der Mitte des
Hinterrandes gewahrt man einen kleinen Höckervorsprung. Am sech-
sten Segmente ragt der Mittelkiel nur noch wenig vor. Die Seiten-
platten des ersten Ringes sind kurz, jene des zweiten dagegen breit,
vorne etwas mehr als hinten vorspringend, nach unten abgerundet;
die folgenden werden allmählich schmäler und kürzer, vorne schief
abgestutzt, nach hinten abgerundet. An der äussern Oberfläche des
dritten, vierten und fünften Seitenplättchens verlauft von oben nach
abwärts in schiefer Richtung eine rauhe Linie. Die mittlere Platte
der Schwanzflosse ist dreieckig, am Hinterende in eine Spitze aus-
laufend, an der Oberseite nach vorne körnig rauh, von der Mitte an
mit zwei erhabenen, gegen die Spitze convergirenden Längslinien
versehen. Die seitlichen haben eine fast gleiche Länge mit den
vorigen so wie auch unter einander, sie sind oval und an den Rän-
dern stark bewimpert.
f*. typhlops n.
Das einzige mir vorliegende Exemplar ist männlichen Geschlech-
tes. Es stammt aus Sicilien, wo es von G rohmann gesammelt
wurde. Der Cephalothorax misst in der Länge 10'", die grösste
Breite bei 6'". Am ersten verlängerten Scheerenfusspaare ist das
Beitrüge xur nähereo Kenntniss il>-i Mncroureu, »$<K»
Brachialglied 7T5 lang, das Carpalglied 3*5, die ganze Scheere
9'", wovon auf das Handglied 4'" kommen. — Das /.weite bedeutend
kürzere Fusspaar ist an der Palma nach aussen und unten mit einer
Längsreihe feiner Stacheln besetzt, die sich auch auf den unbeweg-
lichen Finger fortsetzt. Die Handglieder des dritten und vierten
Fusspaares haben eine mehr prismatische, kantige Form, die Finger
sind dünn.
Palinurus Fab.
f *. Hiigelii n.
Diese Art wurde von Baron Hügel im indischen Ocean gesam-
melt und von dem verstorbenen Director des Hof-Naturaliencabinetes
Herrn Begierungsrathe Kollar, welcher sie als neu erkannte, mit
dem obigen Namen belegt. Sie gehört zu der Abtheilung mit un-
paarem, mittlem Stirnstachel, also zu dem Subgenus Palinurus s.
s tri ct. nach Gray. Durch den fast vollkommen platten und ebenen,
durch Querfurchen nicht unterbrochenen Hinterleib unterscheidet
sie sich von allen bekannten Arten.
Ihr Cephalothorax ist nach vorne etwas verschmälert, auf den
Branchialgegenden massig gewölbt. Der unpaare Stirnstachel ist fast
eben so lang wie die seitlichen Supraorbitalstachel , jedoch etwas
schmäler, ziemlich spitz und fast gerade nach v>rne gerichtet. Die
Bänder der tiefen zwischen Stirn und Supraorbitalstachel liegenden
Ausbuchtung erscheinen ganz glatt, eben so wie diese letztere in
ihrer ganzen Ausdehnung. Diese Supraorbitalstachel bilden mit ihrer
breiten Basis die obere Begrenzung der Augenhöhlen, «eiche tiefe
quere Gruben darstellen, in denen die Augen fast ganz verborgen
sind. Der nach aussen am Vorderrande der Hepaticalgegend gelegene
Antennalstachel ist ebenfalls sehr spitz, jedoch etwas kleiner als der
Supraorbitalstachel, er begrenzt nach aussen die Augenhöhle. —
Der grösste Theil der Oberfläche ist mit grossen, konischen, stark
vortretenden, nach vorne in eine kurze Spitze auslaufenden Stachel-
höckern besetzt, denen sich einige kleine beigesellen. Zwischen
diesen Fortsätzen ist die Oberfläche sonst glatt und unbeharrt. Was
die Vertheilung der grösseren Stachelhöcker auf den einzelnen Ge-
genden betrifft, so bemerkt man auf der Magenge^end unmittelbar
hinter den Supraorbitalstacheln jederseits einen Epigastricalstachel.
394 Heller.
diesen folgen nach hinten zwei Proto- und zwei Metagastricalstachel
so wie zwischen diesen in der Mitte zwei hinter einander liegende
Mesogastricalstachel. Auf der Urogastricalgegend sind die Stachel-
höcker kleiner und zahlreicher, in zwei unregelmässigen Querreihen
angeordnet. Auf der Hepaticalgegend stehen hinter dem Antennal-
stachel noch zwei grössere Stachel hinter einander. Die Stachel-
höcker der Cardiacal- und Branchialgegend sind ziemlieh zahlreich
und von wechselnder Grösse. Von den erwähnten Gegenden durch
eine tiefe Querfurche getrennt, verläuft längs des Hinterrandes
wieder eine Reihe grösserer spitzer solcher Staehelhöcker. —
Das kleine Augensegment wird von dem mittlem Stirnstachel fast
ganz bedeckt. Die oberen Antennenstiele sind stark und dick, kürzer
als die unteren, beiläufig die Mitte des dritten unteren Stielgliedes
erreichend. Ihr erstes Glied ist kurz, die beiden folgenden fast
doppelt länger, nach oben und aussen mit spitzen Stacheln bewaff-
net, dagegen an der Unterseite ziemlich glatt, höchstens am Rande
der Glieder mit einigen kleinen Stacheln besetzt. Die Endborste
erscheint etwas abgeflacht, die Glieder sind kurz, mit einzelnen,
äusserst kurzen, aber steifen Döruchen versehen. — Die unteren
Antennenstiele sind glatt, ihr erstes Glied so lang wie die zwei fol-
genden zusammen, das zweite isl das kürzeste von allen. Am Vor-
derrande der Epistomalplatte bemerkt man drei Zähne, von denen
der mittlere kürzer ist als die seitlichen. — Der Palpus der äusseren
Maxillarfüsse überragt das zweite Glied derselben etwas, sein End-
theil ist deutlich geringelt.
Das erste Fusspaar ist kräftig, das Femoralglied am Ende des
obern Randes sowie am Ende des untern Randes mit einem Stachel
bewehrt. Der Tarsus ist in der ersten Hälfte etwas verdickt, nach
innen und unten mit einem kleinen Höcker versehen, das Klauen-
glied stark, spitzkonisch, leicht gekrümmt, an der Unterseite be-
haart. Die folgenden Fusspaare sind dünner, die einzelnen Glieder,
bis auf einen spitzen Stachel am Ende des obern Randes vom Femo-
ralglied, glatt und unbewehrt.
Die Abdominalsegmente haben im Allgemeinen eine ziemlich
ebene und glatte Oberfläche, höchstens zeigt sie eine grobe Punkti-
rung so wie an der Vorderhälfte eines jeden Segmentes, namentlich
gegen den Seitenrand hin einige sparsam zerstreute, molinsamen-
grosse Höckerchen. Die Seitenhörner sind spitz und ihr hinterer
Beiträge zur näheren Kenntniss der Macr tu. »{!)!)
Riind am zweiten bis sechsten Segment mit mehreren kleinen Zähnen
besetzt. Oberseite der Schwanzflosse spitzstachelig. — Körperfarbe
bräunlichgrün, Füsse am obern Rande des dritten, vierten, fünften
und sechsten Gliedes mit schmaler, »eiber Längslinie, seitlich und
unten »elbgefleekt. Körperlänge =15 Zoll.
Eine andere hieber gehörige, dem P. frontalis M. Edw.
verwandte Art wurde von den Novara- Reisenden auf St. Paul
gesammelt.
Pterocaris nov. gen.
Taf. I, Fig. 7—18.
Während die meisten Cariden in ihrer allgemeinen Körper-
gestalt eine grosse Übereinstimmung zeigen und nur bei den einen
mehr seitlich comprimirt, hei den anderen mehr abgeplattet er-
scheint, so macht diese neue Form eine merkwürdige Ausnahme. Hier
ist die äussere Körpergestalt so auffallend von der gewöhnlichen der
übrigen Cariden verschieden, dass man beim ersten Anblicke ein
Thier aus einer andern Ordnung vor sich zu haben meint Der
Körper erscheint von oben angesehen ganz flach, fast scheiben-
förmig, nach vorne mit einer breiten, nach hinten mit einer schmä-
lern aber tiefem Ausbuchtung in der Mitte versehen. In jener sind
die Augen und Fühler sichtbar, welche letztere weit über den Vor-
derrand des Körpers hinausragen. In dieser liegt der nach unten
und vorne eingeschlagene Hinterleib verborgen. Retrachtet man sich
den Körper von der Unterseite, so bemerkt man, dass hier der
Rumpf seiner ganzen Länge nach in der Mitte frei hervorragt. Die
von diesem in gewöhnlicher Anzahl und Reihenfolge entspringenden
Gliedmassen, dessgleichen die blätterigen Kiemen werden seitlich
nicht bedeckt von Cephalothorax, sondern dieser breitet sich in
horizontaler Richtung beiderseits zu dem erwähnten rundlichen Haupt-
schilde aus, ohne sich nach abwärts zu erstrecken. An der Ober-
fläche ist es (ilzig und rauh und wird durch seitliche tiefe Ein-
schnitte in mehrere hinter einander liegende und sich gegenseitig
deckende Lappen getheilt. — Der erste oder vorderste Lappen ist
schmäler und kürzer "als die beiden folgenden. Er reicht nach hinten
bis gegen das dritte Fusspaar und wird nach oben zum grössten
Theile von der Vorderhälfte des zweiten Lappens bedeckt. Seine
beiden Vorderenden laufen in eine stumpfe Spitze ans und begren-
396 Heller.
zen beiderseits der Stirnrand, welcher in der Mitte ein kurzes drei-
eckiges Rostrurn bildet; die hinteren Endtheile sind mehr abgerun-
det. Der zweite Seitenlappen ist viel länger und breiter, er bedeckt
nach vorne zum grössten Theile den vorigen und verlängert sich mit
seinem abgerundeten Hinterrande bis über die zwei ersten Abdomi-
nalfüsse und endigt nach innen beiläufig über dem fünften Fusspaare
des Thorax, er wird wieder von dem dritten Seitenlappen bedeckt,
so dass nur das vordere Drittel frei sichtbar bleibt. Der Einschnitt
zwischen ihm und dem vordem Lappen ist äusserst tief und steht
sogar mit dem der andern Seite durch eine schmale Querfurche in
der Mitte in unmittelbarer Verbindung. Der dritte Seitenlappen ist
ebenfalls gross, vorne fast so breit wie der vorige, nach hinten
etwas verschmälert. Er bedeckt nach vorne einen grossen Theil des
zweiten Lappens, liegt zu beiden Seiten des Abdomen und ist in der
Mitte tief ausgebuchtet und in dieser Ausbuchtung liegt gewöhnlich
der schmälere Hintertheil des Abdomen nach unten eingeschlagen.
Er besteht aus dem vierten, fünften und sechsten Segmente, sowie
ans der Schwanzflosse. Auch hier bemerkt man zu beiden Seiten der
erwähnten Segmente drei rundliche, von vorne nach hinten an
Grösse abnehmende Läppchen , die von oben meistens vom Hinter-
ende des dritten Lappens bedeckt sind.
Vergleicht man diese einzelnen Abschnitte mit den analogen
Theilen am Cephalothorax und Abdomen der übrigen Crnstaceen, so
müssen die vorderen kleinen Lappen dem Kopftheile (arceau cepha-
lique M. Edw. oder portion anterior Dana), die darauffolgenden
grösseren Lappen dem Schultertheile (arceau scapulaire oder par-
tum posterior}, der sie scheidende tiefe Einschnitt der Cervicalfurche
des Cephalothorax gleich gesetzt werden. Die hinteren Seitenlappen
aber entsprechen den vereinten Seitenplatten der drei ersten Abdo-
minalsegmente, während sie an den drei folgenden deutlich geson-
dert sind.
Die Augen ragen nur wenig über den vordem Stirnrand her-
vor, sie liegen durch den dreieckigen Stirnfortsatz getrennt, in der
Einbuchtung zwischen diesem und dem Vorderende des ersten Seiten-
läppchens. Die inneren Antennen sind gerade unter den Augen ein-
gefügt. Ihr kurzer Stiel besteht aus drei nach vorne behaarten Glie-
dern. Von den beiden vielgliederigen Endborsten ist die innere
kürzer, aber etwas dicker als die äussere. Die einzelnen Glieder
Beiträge aur näheren Kenntnisa der Macrouren. »$97
namentlich die inneren sind am Vorderende mit ziemlich langen Här-
chen wirtelförmig besetzt. Die unteren und äusseren Antennen
entspringen etwas nach aussen von den vorigen und tragen an ihrer
Basis einen Blattanhang von länglich ovaler, vorne abgerundeter
Gestalt. Er ist an den Rändern bewimpert und viel länger als der
cylindrische Stiel. Die aus vielen kurzen Gliedern bestehende End-
borste ist etwas länger als die äussere der oberen Antennen. Ihre
Glieder sind an ihrem Vorderende mit feinen Härchen wirtelig be-
setzt, die kaum die Mitte der Glieder erreichen, während sie an
den Endfäden der obern Antennen länger als die Glieder sind.
Die Mundwerkzeuge verhalten sich ähnlich wie bei den übrigen
Cariden. Die Oberlippe springt stark vor und endet mit einem halb-
mondförmigen Rande. Die äussern Maxillarfüsse (Fig. 9) sind schmal,
länglich. Sie sind aus vier Gliedern zusammengesetzt, hievon ist das
erste sehr kurz und nach aussen in einen spitzen, etwas nach vorne
gewendeten Fortsatz verlängert; das zweite und längste von allen
ist etwas nach aussen gekrümmt, das dritte beträgt beiläufig den
dritten Theil vom vorigen , dagegen ist das letzte stumpf konische
Glied doppelt so lang wie das vorhergehende. Es ist nach innen mit
mehreren in Querreihen stehenden Börstchen besetzt, ebenso sind
die übrigen Glieder ziemlich behaart. Nach aussen findet sich ein
ungegliederter, das Ende des Gliedes etwas überragender und an
der Spitze behaarter Palpalanhang. Der zweite Maxillarfuss (Fig. 10)
zeigt keine besondere Bildung. Am ersten Maxillarfuss (Fig. 11)
erscheint der Innenlappen länglich oval mit verlängertem, ungeglie-
derten Palpalanhang, dagegen wird ein Mittelläppchen vermisst. Die
äussere Maxille (Fig. 12) hat einen breiten ovalen, vorne und hinten
abgerundeten Aussenlappen, einen schmalen fast nackten Mittei- und
einen rundlichen, nach innen gebuchteten Innenlappen. — Die Man-
dibel (Fig. 13) sind zweiästig, der vordere etwas gekrümmte Emi-
ast ist ziemlich stark und am Innenrande mit 4 — 5 feinen Zähnchen
besetzt, der hintere Ast bedeutend schmäler; nach aussen tragen
sie einen zweigliederigen, am Ende bewimperten Palpus.
Die Füsse entspringen zu beiden Seiten des unten stark vor-
springenden Leibes. Man zählt fünf Paare Thorax- und sechs Paare
Bauchfüsse. Erstere stehen ziemlich genähert an ihrer Basis, die
letzteren dagegen mehr nach aufwärts gerückt. — Die Vorderfüsse
(Fig. 14) sind die stärksten von allen, sie überragen nach vorne
398 " e ' i ■ '•
gelegt zwar den Stiel der inneren Antennen , jedoch erreichen sie
nicht das Vorderende der Blattanhänge. Sie endigen mit einer läng-
lichen Scheere , deren Handglied cylimlrisch, nackt und glatt ist
und die stark einwärts gewendeten, am Innenrande fein behaarten
Finger um mehr als das Doppelte an Länge übertrifft. Das zweite
Fusspaar ist äusserst dünn, fadenförmig und länger als das erste
Fusspaar, indem es bis an's Ende der ßlattanhänge hinreicht. Der
Carpus erscheint sehr verlängert, aus vier Gliedern zusammen-
gesetzt, wovon das erste am längsten, das zweite und dritte Glied
aber sehr kurz, das vierte wieder länger ist und beiläufig ein Dritt-
theil des ersten beträgt. Am Ende findet sich eine kleine Scheere,
deren Finger fast so lang wie das Handglied und mit langen Börst-
ehen besetzt siiH. Femoral- und Carpalglied sind nackt. — Die
folgenden Füsspaaie sind wieder etwas stärker, jedoch kürzer als
das zweite Fusspaar. Sie überragen nicht den äussern Rand der
Seitenlappen. Ihr verlängerter Tarsus i-t am untern Rande gegen
das Ende hin mit 2 —3 feinen Börstehen, am Ende des ohern Randes
aber mit einem Büschel kurzer Haare besetzt, die Klaue kurz,
spitzkonisch.
Das Abdomen ragt mit der Schwanzflosse etwas über den Hinter-
land der Körperseheibe hinaus. Die mittlere Platte der Schwanz-
flosse ist viel kürzer als die Seitenplättchen, nach hinten leicht ver-
schmälert und abgerundet, oben mit zwei Dörnchenpaaren besetzt.
1*1. typten n.
Der Körper ist 10 Linien lang und 9 Linien breit, an der Ober-
seite filzig behaart. Das untersuchte Exemplar war ein Weibchen
und wurde von Dr. Dole schal aus Amboina eingesendet.
Virbius, Stimpson.
Unter dieser Gattung werden von Stimpson alle früher mit
Hippolyte vereinigten Arten zusammengefasst, bei denen das Rostrum
nach hinten am Cephalothorax nicht kielartig sich fortsetzt, die einen
dreiglietlerigen Carpus am zweiten Fusspaare besitzen und an den
Mandibeln keinen Palpus nachweisen lassen. Zu dieser Gattung
gehören aus den europäischen Meeren: Verbius varians , V- viridis,
smaragdinus und Prideauaßianus. Ihnen füge ich hier eine neue Art
aus dem adriatischen Meere bei.
Beiträge mv näheren Kenntuisa der Vfacrouren. Ii()il
V. gracilis n.
Taf. I, Fig. 19, SO.
Das Rostrum dieser Art ist ziemlich gerade nach vorne gerichtet
und erreicht mit der Spitze nicht das Ende der Blattanhänge von den
äussern Fühlern. Es ist am obern Rande mit 4 Zähnen besetzt, hier-
von stehen zwei hinter , zwei ober den Augen, zwischen dem letzten
obern Zahne und der einfachen Spitze bleibt ein längerer Zwischen-
raum. Der untere Rand ist hinten leicht ausgeschweift und zeigt
nach vorne hin gewöhnlich zwei, seltener drei kleine Zähnchen, sie
liegen stets vor dem ersten obern Zahne. Die Augen sind von mas-
siger Länge. Das erste Glied des obern Antennenstieles ist länger
als die zwei folgenden Glieder zusammengenommen, der Basalstachel
dieses Gliedes reicht nicht bis zu dessen Vorderende. Von den bei-
den Endfäden ist der dickere neungliederig, er ragt nach vorne
zwar über den Blattanhang der äusseren Antennen hinaus, doch ist
er kürzer als der Stiel. — An den unteren Antennen ist der Stiel
etwas länger als das erste Stielglied der oberen Antennen, der Blatt-
anhang oval, vorne abgerundet.
Der Cephalothorax seitlich ziemlich comprimirt. An der Vor-
derseite gewahrt man zu beiden Seiten des Rüssels einen spitzen
Supraorbitalstachel, ihm folgt nach aussen am Vorderrande, unmittel-
bar unter der zahnartig vorspringenden äussern Augenhöhlenecke
ein kleiner spitzer Antennalstachel. Vom Rande etwas entfernt, nach
unten und hinten von dem vorigen, findet sich auf der Fläche ein
kleiner Hepaticalstachel. Die Seitenecke ist abgerundet.
Die äusseren Maxillarfüsse sind schlank und ragen etwas über
den untern Antennenstiel hinaus, ihr letztes Glied ist nach innen und
an der Spitze mit Stachelborsten besetzt, der Palpus kurz. Die
Mandibel sind zweiästig, der vordere Ast ist dünn, gerade und am
Endrande vierzähnig, der hintere Ast dagegen stark verdeckt und
nach innen gebogen, der Palpus fehlt.
Das erste Fusspaar ist sehr kurz und dick. Das zweite Fusspaar
dünn, um die Länge der Scheere über den untern Antennenstiel
hinausragend, der Carpus dreigliederig; das erste Glied ist das
längste, das zweite das kürzeste. Die Scheere hat fast die Länge der
beiden vorhergehenden Glieder zusammengenommen : das dritte
Fusspaar erreicht unter allen die bedeutendste Länge, da es fast
Sitzb. A matheui -uaturw. Cl. XLV. Rd. I. Abth. 27
400 Heller.
bis an'sEnde der Blattanhänge der äusseren Antennen hinreicht. Die
folgenden nehmen an Länge allmählich ab. Das Tarsalglied ist bei
allen am untern Rande mit einer Reihe feiner Stacheln und das
spitzkonische Klauenglied mit spitzen Dörnchen besetzt, die von
innen nach aussen an Grösse zunehmen.
Das Abdomen stark bucklig gekrümmt, nach hinten verschmäch-
tigt. Die einzelnen Segmente sind glatt, der Hinterrand des dritten
Segments in der Mitte convex vorspringend. Die mittlere Platte der
Schwanzflosse wenig kürzer als die Seitenplättchen, nach hinten
verschmälert und mit sechs kleinen Stacheln besetzt.
Die Körperlänge beträgt 7 Linien.
Alpheus Fab.
A. platyrhynchus n.
Taf. I, Fig. 21—24.
Milne Ed w ards beschreibt in seiner Naturgeschichte der
Krustaceen (2. Bd., S. 352) einen Alpheus aus dem mittelländischen
Meere und hält ihn identisch mit der in Savigny's Werke (Descrip-
tion de TEgypte, Crust. pl. 10, fig. 1) dargestellten Art, für welche
A u d o u i n in der „ Explication des planches de Savigny" p. 274 den
Namen Alpheus Edivardsii aufgestellt hat. Nun wurde bereits von
Dana (Unit. Stat. Explor. Expedit. Crust. p. 542) nachgewiesen,
dass die von Milne Edwards beschriebene mittelländische Art von
jener Savigny's ganz verschieden sei. Auch ich konnte mich an
zahlreichen Exemplaren, welche mir zur Vergleichung zu Gebote
standen, von der vollkommenen Verschiedenheit beider Arten über-
zeugen. Als vorzüglichste, am meisten in die Augen fallende Merk-
male führe ich hier an, dass bei Alpheus Edwardsii aus dem rothen
Meere das Rostrum auch nach hinten zwischen den Augen sich fort-
setzt und hier einen dreieckigen, oben abgerundeten Vorsprung
bildet, während das kleine spitze, unmittelbar vom Stirnrande ent-
springende Rostrum der mittelländischen Art zwischen den Augen
sich nicht fortsetzt, so dass die Stirnfläche hier ganz flach erscheint.
Ferner sind die Supraorbitaldecken bei Alpheus Edwardsii nach
vorne abgerundet und unbewaffnet, bei der andern Art dagegen
jederseits mit einem kleinen Stachel bewehrt. Auch die Vorderfüsse
zeigen bedeutende Abweichungen in ihrer Form. Während man bei
Beiträge zur näheren Kemituiss der Macrouren. 401
der mittelländischen Art an der äussern Fläche unter dem obern
Randeinschnitte zwei stark vorspringende, durch eine Furche von
einander getrennte Längswulste bemerkt, von denen der obere
breitere nach vorne abgestutzt, der untere schmälere aber mit einem
spitzen Zahne endet, so vermisst man diese Vorsprünge bei Alpheus
Edwards» ganz, dagegen zieht sich vom obern Randeinschnitt eine
breite, tiefe Furche unmittelbar unter dem Rande nach hinten und
endet ziemlich plötzlich an der längern Grenzlinie des dreieckigen
Feldchens. — Es erscheint daher eine Trennung dieser zwei ver-
schiedenen Arten nothwendig und indem der von Savigny abgebil-
deten Art aus dem i'othen Meere der ursprüngliche Name Audouin s
„Alpheus Edwardsii" verbleiben muss, erlaube ich mir die mittel-
ländische Art A. platyrhynchus zu benennen. — Diese Art kömmt
auch im adriatischen Meere vor. Sie wurde von Herrn Steindach-
ner in Lissa und Lesina gesammelt.
A, laevimanus n.
Taf. I, Fig. 25-27.
Diese ebenfalls im adriatischen und mittelländischen Meere
vorkommende Art charakterisirt sich durch die länglich eiförmigen,
abgerundeten, an ihrer Oberfläche glatten Handglieder der Vorder-
füsse. Der Cephalothorax ist nach vorne hin ziemlich verschmächtigt,
die Stirn mit einem kleinen spitzen Rostrum versehen, das sich nach
hinten zwischen den Augen kaum kielartig fortsetzt. Die Supraorbi-
taldecken verlängern sich nach vorne ebenfalls in einen spitzen
Stachel, fast von der Länge des Stirnstachels jedoch etwas stärker
und breiter an der Rasis. Sie reichen mit ihrer Spitze bis zur Mitte
des ersten Stielgliedes der oberen Antennen. Die Seitenecke springt
in Form eines stumpfen Zahnes etwas vor. Der obere Antennenstiel
ist zwar kürzer als jener der untern, jedoch bedeutend länger als
der Blattanhang. Das erste Stielglied an den obern Antennen über-
trifft die beiden übrigen an Länge, das dritte ist das kürzeste von
allen, der Basalstachel am ersten Gliede ist ziemlich stark und reicht
bis zu dessen Vorderrande oder selbst noch etwas darüber hinaus.
Die Endborsten sind kurz. Der untere Antennenstiel ist nur wenig
länger als der obere, an der Basis nach vorne und aussen mit zwei
langen spitzen Stacheln besetzt. Der innere von ihnen, fast so lang
wie der ganze Stiel, entspricht dem Basalstachel, der andere etwas
IT
402 Heller.
kürzere dem eigentlichen Blattanhang, an dem der innere häutige
Theil ganz verkümmert ist. Die äusseren Maxillarfüsse reichen bis
zum Vordereride des untern Antennenstiels.
Dys erste Fusspaar ist ziemlich lang und stark, beiderseits
ungleich. Am grossem Scheerfusse ist das Brachialglied dreikantig,
das Carpalglied sehr kurz von vorne nach hinten zusammengedrückt,
nach unten in einen spitzen flachen Zahn verlängert. Die Scheere ist
bei 4'" lang, wovon drei Linien auf das Palmarglied kommen.
Letzteres ist länglich eiförmig, abgerundet, etwas von innen nach
aussen um seine Längsaxe gedreht, an der Oberfläche glatt und
glänzend und am Vorderrande über der Basis des beweglichen Fin-
gers mit einem vorspringenden spitzen Zahne bewehrt. Der unbe-
wegliche Finger ist kurz dreieckig, oben ausgehöhlt, am Ende
stumpf; der bewegliche etwas längere Finger seitlich compress,
oben bogig gekrümmt mit kurzer spitzer Endklaue. Überdies erschei-
nen die Finger leicht behaart. Am kleinem Scheerfuss sind die ein-
zelnen Glieder bedeutend dünner, das Carpalglied verhältnissmässig
länger, obkonisch, die Scheere bei 2'" lang; die Hand walzigrund
und glatt. Die kurzen, an einander schliessenden schmächtigen
Finger sind an der Innenseite mit längeren Haaren in Büschelform
besetzt. — Das zweite Fusspaar ist dünn, aber etwas länger als das
dritte. Der fünfgiiederige Carpus zeigt in Zahlen ausgedrückt folgen-
des Längenverhältniss der einzelnen Glieder: 4-j- 1 -f- i -\- 1 -f- 2.
Die Scheere ist von der Länge der drei letzten Carpalglieder zusam-
mengenommen, die Finger sind ziemlich behaart. Die folgenden
Fusspaare sind ziemlich kurz und dünn, die Femoralglieder am Ende
ihres untern Bandes unbewaffnet, die Tarsalglieder etwas länger als
die Tihialglieder, mit einigen feinen Stacheln am untern Ende, die
Klauenglieder sehr kurz. — Die mittlere Schwanzplatte erreicht
nicht ganz die Länge der seitlichen Flossenblätter, ist oben ziemlich
flach, in der Mitte leicht der Länge nach vertieft und gegen den
Band hin mit zwei Dörnchenpaaren besetzt, sonstwie bei A. ruber
beschaffen. Die Länge beträgt 8 — 9'". — Die im kais. Naturalien-
Cabinete befindlichen Exemplare stammen aus Sicilien, sowie von
Piraoo aus dem adriatischen Meere.
Die von Costa in seiner Fauna del Regriß dl NapoÜ beschrie-
benen und abgebildeten zwei Arten von Crgjiiopht/tahnus, nämlich
veitfricoßus und Costae gehören hieher und bilden wahrscheinlich
Beiträge zw näheren Kenntuisa de ilacrouren 4-U»)
zusammen blos eine einzige Art. Sie stimmen in den wesentlichen
Merkmalen ganz iiberein und die geringen Abweichungen von ein-
ander dürften nur auf Alters oder Geschlechtsverseliiedenheit beru-
hen. Unter den Exemplaren, welche ich untersuchen konnte, gleichen
einige mit Eiern reichlich versehene Weibehen ganz dem C. ventri-
cosns Costa 's, während andere Exemplare von mehr schmächtigem
Habitus mehr mit C. Costme übereinstimmten. Ich glaube daher mit
gutem Grunde jene zwei Arten Oostae in eine einzige Art vereinen
zu können, welche ich nach der charakteristischen Beschaffenheit
der Handglieder Aipheus laevimanus benenne.
Ausser den erwähnten zwei Arten kommen im mittel- und
adriatischen Meere noch zwei andere vor, nämlich A. ruber und
A. dentipes. Man kann diese Arten auf folgende Weise leicht unter-
scheiden und bestimmen.
A. Das Handglied der vorderen Scheerenfüsse erscheint abge-
rundet und glatt, das erste Stielglied der oberen Antennen ist länger
als die zwei folgenden A. lacvhnuniis.
B. Das Handglied der vorderen Scheerenfüsse erscheint kantig,
das zweite Stielglied der oberen Antennen ist das längste.
a) Die Ränder des Handgliedes sind durch keinen Querausschnitt
unterbrochen, die Supraorbitaldecken vorne abgerundet . . .
A. ruber.
b) Die Ränder des Handgliedes sind durch einen Querausschnitt
unterbrochen, die Supraorbitaldecken mit einem kleinen Stachel
vorne besetzt.
a) Das Femoralglied des dritten und vierten Fusspaares am Ende
des untern Randes ohne Zahn, das Stirnrostrum llach, nach
hinten zwischen den Augen nicht kielartig vorspringend . . .
A. p/utyrhj/Hchus.
ß) Das Femoralglied des dritten und vierten Fusspaares mit einem
Zahne am Ende des untern Randes, das Stirnrostrum compress
und nach hinten zwischen den Augen in Form eines kleinen
Kiels sich fortsetzend I dentipes.
Arete Stimpson.
Dieses neue von Stimpson (Proceed. of the Acad. nat. Sciene.
of Philadelphia 1860, p. 32) aufgestellte Geschlecht hat den allge-
meinen Habitus eines Alpheus, jedoch sind die Augen nicht voll-
404 H eile >'.
kommen verborgen, sondern schauen mit der Cornea über den Vorder-
rand des Cephalothorax hervor: das Stirnrostrum erscheint länglich
dreieckig; die Vorderfüsse sind etwas verdickt, beiderseits gleich
entwickelt. Die Art, aufweiche Stimpson die Gattung gründete,
kommt in den chinesischen Gewässern vor und wurde als A. rostralis
beschrieben. Zu dieser Gattung dürfte auch der von mir in den
Sitzungsberichten der Wiener kais. Akademie der Wissenschaften
(44. Band, Jahrgang 1861, S. 274) beschriebene Alpheus monoceros
aus dem rothen Meere zu rechnen sein. Eine dritte neue Art kommt
im adriatischen Meere vor und lasse ich die Beschreibung derselben
hier folgen.
A, Diolectiana n.
Taf. I, Fig. 28—33.
Der Cephalothorax ist ziemlich compress, nach vorne hin leicht
verschmälert, glatt, die Rückenseite von vorn nach hinten gerade.
Das Stirnrostrum spitz, fast gerade nach vorn gerichtet, von oben
angesehen leicht dreikantig. Es erreicht fast das Ende des obern
Antennenstiels, nach hinten setzt es sich in Form eines stumpfen
Kiels eine kurze Strecke auf der Stirnfläche zwischen den Augen
fort. Diese letzteren sind zum grössten Theile unter dem Cephalo-
thorax versteckt und nur die vordere Hälfte der Cornea ragt über
den Rand frei hervor. Dieser Orbitalrand endet nach aussen mit
einem kleinen dreieckigen Zähnchen, unmittelbar vor diesem ent-
springt aber noch ein spitzer, die Cornea etwas überragender Stachel.
Im weitern Verlaufe erscheint der Vorderrand des Cephalothorax
ganz unbewaffnet und geht unter stumpfem Winkel in den Seitenrand
über. Die oberen Antennenstiele sind wenig länger als das Rostrum
und beiläufig so lang wie die Blattanhänge der unteren Antennen.
Unter den einzelnen Gliedern ist das erste das längste, die folgenden
nehmen verhältnissmässig an Länge ab und haben eine cylindrische
Gestalt. Der Basalstachel des ersten Gliedes ist sehr entwickelt, in-
dem er selbst das zweite Stielglied nach vorn hin etwas überragt. Die
beiden Endfäden sind ungleich lang, der äussere kürzere zugleich
verdickt. Der Stiel der unteren Antennen ist etwas kürzer als jener
der oberen, der Blattanhang länglich oval, vorn regelmässig abgerun-
det, der Seitenstachel stark entwickelt und der Vorderrand über-
ragend. — Die äusseren Maxillarfüsse sind ziemlich schlank, etwa
Beiträge zur näheren Kenntnis; dei Maerouren, 405
so lang wie der untere Stiel der Antennen oder ihn nur wenig an
Länge übertreffend. Die zwei letzten Glieder derselben erreichen
zusammen nicht die Länge des zweiten Gliedes, das spitz konische
Endglied ist nach innen mit zahlreichen, in Querreihen stehenden
Horstchen besetzt, überdies sind die einzelnen Glieder an beiden
Plaudern mit Haaren bedeckt. Der Palpus reicht bis zur Mitte des
dritten Gliedes. Die Mandibel sind zweiästig , der obere Ast dicker
und stärker als der untere, nach aussen mit einem zweigliederigen
Palpus versehen.
Die Vorderfüsse sind bedeutend länger als die folgenden, bei-
derseits gleich entwickelt, die einzelnen Glieder nur massig verdickt
und glatt. Die Carpalglieder sind länglich, obkonisch. Die Scheeren
erscheinen sehr verlängert, das Palmarglied fast von gleicher Dicke
wie das Ende des Carpus, walzig und die kleinen, leicht einwärts
gekrümmten Finger um mehr als das Doppelte an Länge übertreffend.
Der unbewegliche Finger ist mit 3 — 4 kleinen Zähnchen am Innenrande
besetzt, während die bewegliche ungezahnt, oben leicht bewimpert
erscheint. Die übrigen Glieder sind ganz nackt. — Das dünne, faden-
förmige zweite Fusspaar überragt nach vorn etwas den Blattanhang der
Antennen. Der Carpus ist fünfgliederig, von den einzelnen Gliedern
das erste das längste, fast eben so lang, wie die vier folgenden zu-
sammen, von denen das zweite und dritte sehr kurz sind, die zwei
folgenden aber an Länge etwas zunehmen. Die Scheere hat fast die
Länge der zwei vorhergehenden Carpalglieder, die dünnen, leicht
comprimirten Finger sind mit einigen Härchen besetzt. Die folgenden
Fussp;iare nehmen vom dritten an allmählich an Länge ab. Die einzelnen
Glieder sind fast ganz nackt, nur am Vorderende des Tibialgliedes
finden sich einige kurze Härchen, der Unterrand des Tarsalgliedes
ist mit 9—10 Stachelbörstchen besetzt, wovon die letzten etwas
länger sind.
Der Hinterleib verschmälert sich nach hinten allmählich, ist
oben abgerundet, der Hinterrand des dritten Segmentes gerade. Die
Seitenplättchen der drei ersten Segmente erscheinen abgerundet,
blos das fünfte ist nach hinten in eine kurze Spitze ausgezogen.
Die Mittelplatte der Schwanzflosse ist viel länger als das sechste
Abdominalsegment, jedoch kürzer als die Seitenplättchen. Sie ist
ziemlich breit und wird gegen das Hinterende etwas schmäler, nach
oben ist sie flach abgerundet, mit zwei Dörneheupaaren besetzt und
406 Heller.
läuft am Hinterende in eine stumpfe Spitze aus, umgeben von zwei
Seitenstacheln, dazwischen bewimpert. Die ganze Körperlänge des
Tbieres beträgt 6 Linien.
Diese interessante Art wurde von Herrn P. Pius Titius in
Pirano gesammelt.
Pelias Roux.
Unter diesen Gattungsnamen werden von Roux (Memoire sur
la Classification des Crustacees de la Tribu des Salicoques pag. 25)
mehrere Alpheusarten Risso's vereint und auf folgende Weise charak-
terisirt: „Deuxieme pairede pattes gueres plus grosse que la premiere,
plusrenflee. Rostrefinimentdente; corps transparent. Tete lisse. Pieds-
mächoires exterieurs alonges. Carpe simplement conforme". Ich hatte
Gelegenheit, im hiesigen zoologischen Museum zwei Arten, die von
Roux selbst bestimmt wurden, näher untersuchen zu können und ich
habe gefunden, dass sie dieselben Merkmale darbieten, welche Dana
(1. c. I, pag. 577) für sein Geschlecht Anchistia als charakteristisch
hervorhebt. Der Körper hat im Allgemeinen den Habitus eines Pa-
lämon, jedoch sind an den obern Antennen blos zwei Endfäden
entwickelt und dieMandibel haben keine Pulpen, die äusseren Maxillar-
füsse erscheinen schlank, die einzelnen Glieder derselben schmal.
— Auch die Gattung Periclimenes, von Costa im Jahre 1836 in seiner
Fauna del Regno di Napoli aufgestellt, dürfte gleichfalls als identisch
bieher zu ziehen sein. Nachdem nun aber die oben citirte Arbeit von
Roux über die Cariden bereits im Jahre 1831 publicirt wurde, so
gebührt ihm jendenfalls die Priorität und wäre demnach künftig hin
diese Gattung mit dem Namen Pelias zu bezeichnen. Die beiden von
Roux bestimmten Arten sind: Pelias seriptus und P. amethysteus.
Sie stammen aus dem mittelländischen Meere und werden von Kisso,
als zu dem Geschlecht Alpheus gehörig, aufgeführt. [Nachdem aber
eine vollkommene Bestimmung nach der von Risso gegebenen kurzen
Beschreibung nicht möglich ist, so will ich diese beiden Arten im
Nachfolgenden näher beschreiben.
f*. seriptus.
Taf. II, Fig. 34.
Diese Art unterscheidet sich von der folgenden hauptsächlich
durch die stärkere Entwicklung und bedeutendere Länge des
Beitrag« i»r näheren Keuntniss rtei Macrouren 407
zweiten Fusspaares. — Das gerade nach vorne gerichtete Rostruin
beginnt mit einem Kiel schon auf der Mitte des Cephalothorax und
reicht fast bis an'sEnde der Blattanhänge der unteren Antennen. Es
ist am ohern Rande mit 8 — 9 Zähnen besetzt, wovon der hinterste
auf der Mitte oder selbst etwas hinter der Mitte des Cephalothorax
steht, der dritte bis vierte Zahn ober den Augen ; die einzelnen Zähnchen
sind ziemlich gleichweit von einander entfernt, der erste obere und
kleinere Zahn ist der Spitze genähert. Der untere Rand ist nach hinten
kaum ausgeschweift, in der vordem Hälfte mit drei spitzen Zähnen
bewaffnet, der erste untere ist von der Spitze eben so weit entfernt
wie von dem zweiten Zahne. — Der Cephalothorax ist seitlich eom-
primirt, vorne und hinten fast gleichbreit, der Vorderrand beider-
seits neben dem Rostrum tief ausgebuchtet für die Augen, an deren
äusseren Seite ein zahnartiges Läppchen vorspringt; ihm folgt
unmittelbar nach hinten ein kleiner spitzer Antennalstachel , von
da an ist aber der Vorderrand bis zur stumpfen Seitenecke ganz
unbewaffnet. Auf der Seitenfläche gewahrt man jedoch, vom
Vorderrande ziemlich entfernt, einen spitzen, ziemlich starken
Hepaticalstachel. —
Die Augen haben eine mittelmässige Länge. Der Stiel der obe-
ren Antennen ist fast so lang wie der ßlattanhang der untern; das
erste Glied länger als die beiden folgenden, verbreitet sich blattförmig
nach aussen und ist hier mit einem kurzen, die Mitte des Gliedes
kaum überragenden ßasalstachel versehen. Jedes der beiden folgen-
den Glieder ist von cylindrischer Form, kurz, alle Glieder nach aus-
sen stark behaart. Von den beiden kurzen Endfäden ist der äussere
etwas dicker. Der Stiel der unteren Antennen ist kürzer als der obere,
erreicht kaum die Hälfte seines ßlattanhanges, welcher nach vorne
deutlich gerundet, nach vorne und innen bewimpert ist. Der vordere
Seitenstachel reicht mit der Spitze bis nahe an's Ende.
Die äusseren Kaufüsse sind schlank, die einzelnen Glieder fast
gleichbreit. Ihr zweites Glied ist das längste von allen , leicht nach
aussen gekrümmt. Das dritte Glied erscheint cylindrisch, gerade und
etwas kürzer als das vorige; das vierte ist konisch zugespitzt, nicht
so lang wie das vorhergehende, im Vereine mit diesem übertrifft
es das zweite Glied bedeutend an Länge. Die einzelnen Glieder
sind behaart. Der Palpus ist beiläufig so lang wie das zweite Glied.
Die Mandibel sind deutlich zweiästig, der vordere Ast stärker, am
408 Heller.
Ende mit 3 spitzen Zähnen besetzt, wovon der mittlere der kleinste
ist. Ein Palpus fehlt.
Das erste Fusspaar ist dünn und reicht nach vorne gelegt mit der
kleinen Scheere bis an's Vorderende der Blattanhänge. Die Finger
erscheinen um ein Drittheil länger als das Handglied. Das bedeu-
tend stärkere, beiderseits gleich entwickelte zweite Fusspaar ragt fast
um die ganze Länge der Scheere über den Blattanhang hinaus. Das
Handglied ist länglichrund, etwas dicker als das vorhergehende
kurze Carpaiglied, bei 1 Linie lang; die Finger etwas länger
(l*4Lin.), spitz, leicht einwärts gekrümmt, mit stumpfem äussern und
zugescharrtem innern Rande. Die folgenden Fusspaare sind schlank,
kaum kürzer als das erste Fusspaar, mit cylindrischen, fast ganz glat-
ten und nackten Gliedern versehen, nur am untern Rande des Tar-
salgliedes finden sich gegen das Ende hin einige feine Börstehen.
Das spitz konische letzte Glied zeigt unter der spitzen Endklaue
eine zweite kleinere.
Der Hinterleib ist stark buckelig gekrümmt, der Hinterrand des
dritten Abdominalsegmentes springt in der Mitte stark nach einwärts
vor, die Hinterhälfte des Abdomens vom dritten Segmente an ist ziem-
lich stark comprimirt. Die Mittelplatte der Schwanzflosse ist sehr
schmal, nach hinten dreieckig zugespitzt und hier mit zwei längeren
beweglichen Stacheln besetzt. Die Seitenplatten sind etwas länger,
oval, am Rande bewimpert. Länge des ganzen Körpers 17 bis
18 Linien.
Wurde auch im adriatischen Meere gefunden.
J*. amethysteus.
Bei dieser Art ist das Rostrum ebenfalls ziemlich gerade nach
vorne gerichtet, nur an der äussersten Spitze etwas nach oben ge-
kehrt, oben mit acht, unten mit drei Zähnchen besetzt. Die zwei hinter-
sten Zähnchen stehen noch am Cephalothorax hinter den Augen, sie
werden von hinten nach vorne alimählich kleiner und sind mit ihrer
scharfen Spitze stark vorwärts geneigt, der letzte obere ist der
Spitze sehr genähert. Das Rostrum erreicht fast das Ende der Blatt-
anhänge an den unteren Antennen. — Der äussere Augenhöhlenwinkel
erscheint zahnartig, stumpf. Der Antennalstachel ist dünn und spitz,
die Seitenecke stumpfwinkelig, der Hepaticalstachel ziemlich stark
und spitz.
Beiträge mr näheren Keuntoisa dci Macrouren. 409
Der obere Antennenstiel erreicht nicht ganz die Länge des
Rostrums und der Blattanhänge. Das erste Stielglied ist länger als die
beiden folgenden zusammen, nach aussen lamellös erweitert, die zwei
folgenden Glieder kurz, cylindrisch. Der untere Antennenstiel ist
etwas kürzer als das erste obere Stielglied, sein Blattanhang erscheint
länglich oval, nach vorne abgerundet, der vordere Seitenstachel etwas
vom Vorderrande abgerückt. Die äusseren Maxillarfüsse sind dünn
und schlank, beiläuGg von der Länge des untern Stiels.
Das erste und zweite Fusspaar sind fast gleich lang, sie reichen bis
an das Vorderende der Blattanhänge, das erste ist dünn, das zweite
etwas verdickt. Am ersten ist die Scheere fast so lang wie der Carpus,
am zweiten ist dagegen der Carpus sehr verkürzt, er ist 3mal kürzer als
das Brachialglied und doppelt kürzer als das Handglied. Letzteres ist
leicht verdickt, länglich, doch nicht ganz so lang als die schlanken,
in der Mitte etwas klaffenden, spitzen Finger. Alle Glieder sind nackt.
— Die drei folgenden Fusspaare sind fast sämmtlich länger als die
zwei vorhergehenden. Sie tragen an dem Unterrande des Tarsalglied s
einige Stachelbörstchen, ihr spitzkonisches Khiuenglied ist mit einer
doppelten Endklaue versehen. — Abdomen und Schwanzflossen ver-
halten sich ganz wie bei voriger Art. Die Körperlänge beträgt
16 Linien.
Vorkommen: Mittelmeer.
f*. migratoriu* n.
Taf. II, Fig. 35.
Diese Art unterscheidet sich von den beiden eben erwähnten
durch die verschiedene Gestalt des Rostrums, durch die Anwesen-
heit eines Branchiostegalstachels am Vorderrande des Cephalothorax
und den gleichzeitigen Mangel eines Hepaticalstachels an der
Seitenfläche.
Der Cephalothorax ist länglich, coinpress, vorne und hinten
leicht verschmächtigt, oben von vorne nach hinten etwas abgerundet,
glatt, am vorderen Seitenrande mit kleinem spitzen Antennal- und
Branchiostegalstachel versehen. Hinter letzterem bemerkt man an
der Seitenfläche eine kurze Nathlinie. Das Rostrum entspringt mit
dreieckiger Basis zwischen den Augen. Es setzt sich am Cephalo-
thorax fast bis zur Mitte desselben mit einem kleinen stumpfen Kiele
fort, an dem sich jedoch erst ganz nach vorne hinter den Augen ein
410 Heller.
Zahn befindet. Die übrigen vier bis fünf Zähnchen sitzen am oberen
Rande des Rostrums selbst und zwar zwei ober den Augen, zwei oder
drei vor denselben. Die Spitze ist einfach, nach vorne und etwas nach
oben gerichtet. Am unteren Rande liegen hinter der Spitze gewöhn-
lich zwei, sehr selten drei kleine Zähnchen. Die Rasis ist nach unten
etwas ausgebuchtet, nach vorne hin in der Mitte ziemlich breit, die
Form des Rostrums im Ganzen lanzettähnlich mit kurzer Spitze. Es ist
stets kürzer als die Rlattanhänge und gleichlang mit den oberen
Antennenstielen. Die Augen erscheinen ziemlich dick und reichen
bis zum letzten Drittheil des oberen Antennenstiels. Das erste Glied
des letzteren ist bedeutend länger als die zwei folgenden zusammen,
mit spitzem bis zur Mitte des Gliedes reichendem Rasalstachel. Von
den beiden Endfäden ist der äussere an der Spitze zweitheilig. Der
untere Antennenstiel besitzt fast die Länge des ersten obern Stiel-
gliedes, sein Basalstachel ist sehr klein, der Blattanhang länglichoval,
vorn schmal abgerundet, der Seitenstachel vom Vorderende bedeu-
tend entfernt. Die äusseren Kaufüsse haben die Länge des unteren
Antennenstiels oder ragen höchstens mit ihrer Endspitze etwas dar-
über hinaus, ihr letztes Glied ist halb so lang wie das vorher-
gehende.
Das erste Fusspaar ist dünn und glatt, reicht nach vorne bis an's
Vorderende der Blattanhänge, das Carpalglied ist etwas länger als
das Rrachialglied und fast dreimal länger wie die kleine Scheere.
Das zweite Fusspaar ist auch schlank, aber etwas stärker und länger
als das vorige, indem es mit der ganzen Scheere über die Blatt-
anhänge hinausragt. Ihr Brachialglied ist etwas kürzer als das
Carpalglied, die Scheere beiläufig so lang wie das Brachialglied, die
Hand etwas dicker als der vorhergehende Carpus, länglich walzen-
förmig, glatt, die Finger bedeutend kürzer, zugespitzt. — Die drei
hinteren Fusspaare sind dünn, grösstentheils nackt, blos das Tarsal-
glied am Unterrande mit' einigen feinen Stacheln besetzt: Dactylus
spitzkonisch, mit einfacher Klaue.
Der Hinterleib ist ziemlich gekrümmt, nach hinten allmählich
verschmälert, der Hinterrand des dritten Segmentes nur massig
vorspringend. Die Mittelplatte der Schwanzflosse ist schmal, länglich
dreieckig, mit seichter Längsfurche in der Mitte und zwei schwach
angedeuteten Seitenleistchen, auf denen zwei Dörnchenpaare stehen.
Auf dem Hinterende ist sie mit drei langen, beweglichen Endstachelu
Beiträge zur näheren Kenntniss der Macrouren. 4 11
besetzt. Die seitlichen Flossenblätter sind etwas länger, oval. — Die
Körperlänge beträft 16 Linien.
Diese Art schliesst sich durch die angedeutete Trennung der
äusseren Endborste in zwei Fäden an den oberen Antennen mehr
den Palämonen an, jedoch unterscheidet sie sich durch den Mangel
eines Palpus an den Maudibeln von diesen. Sie hat viele Ähnlichkeit
in der äusseren Gestalt mit dem von Leach beschriebenen Palaemon
na 'ums und es wäre demnach zu untersuchen , wie die Mandibeln
jener Art sich verhalten. Auch ist es sehr wahrscheinlich, dass
Palaemon antennarius Edw., sowie P. lacustris Mart. mit unserer
Art identisch sind. Die im hiesigen zoologischen Museum befind-
lichen Exemplare , nach welchen diese Art beschrieben wurde,
stammen aus dem adriatischen Meere, aus dem Gardasee und aus
Ägypten.
Caridina M. E d vv.
i . fossarum n.
Hier ist das Rostrum ähnlich wie in der vorigen Art beschaffen,
zeigt dieselben Längenverhältnisse, jedoch ist der obere Rand bis
zur Spitze hin bezahnt, und zwar kommen oben 20 — 25 Zähne,
unten 7 — 9 Zähne vor. Am Vorderrande gewahrt man einen deut-
lichen Antennalstachel. Das zweite Fusspaar ist etwas kürzer als der
obere Antennenstiel, jedoch länger als der untere; ihr Carpalglied
übertrifft das Handglied etwas an Länge, die Finger sind leicht zu-
sammengedrückt, mit Haaren büschelförmig besetzt. Die hinteren
Fusspaare reichen beiläufig bis zur Mitte der Rlattanhäuge hin, ihr
letztes Glied ist kurz, unten mit feinen Stacheln besetzt. — Die
äusseren Kaufüsse sind etwas länger als das zweite Fusspaar, jedoch
ohne das Vorderende der Rlattanhäuge zu erreichen. — Die mittlere
Schwanz-platte ist am Rücken convex abgerundet, kürzer als die
seitlichen Flossenblätter, und mit fünf Dörnchenpaaren besetzt. —
Körperlänge = 1 Zoll.
Wurde in Schiraz von Herrn Dr. Kotschy gesammelt.
C. laevi* n.
Der Cephalothorax dieser Art ist bedeutend compress , das
Rostrum viel kürzer als die Blattanhänge und die oberen Antennen-
412 Heller.
stiele, doch beträchtlich länger als die Augen. Am oberen leicht
convexen Rande ist es bis zur Spitze hin mit 18 — 20 kleinen,
schmalen Zähnchen besetzt, am untern Rande in der grösseren
hinteren Hälfte nackt und nur nach vorne gegen die Spitze mit drei
Zähnchen versehen. Das Vorder ende des Rostrums reicht bis zur
Mitte des zweiten Stielgliedes der oberen Antennen. — Dieser obere
Antennenstiel ist nahe so lang wie der Rlattanhang, von seinen
Gliedern ist das erste ziemlich lang, das zweite wenig kürzer, jedoch
viel länger als das dritte, beide schlank und cylindrisch. Der untere
Antennenstiel erscheint etwas länger als das erste obere Stielglied,
die Blattanhänge sind länglich, vorne schief abgerundet, die seitlichen
Stachel vom Vorderrande abgerückt. Die äusseren Kaufüsse schmal
und schlank überragen den unteren Stiel fast um die Länge der
zwei letzten Glieder, jedoch erreichen sie nicht das Vorderende der
Blattanhänge. Das erste Fusspaar besitzt die Länge des unteren
Stieles, die Finger sind länger als das Handglied, der Carpus
erscheint etwas kürzer als die Scheere. Das zweite Fusspaar reicht
bis aifs Ende des Blattanhanges, seine Finger sind schmächtig,
doppelt länger als das Handglied , der Carpus dagegen ist um ein
Drittheil länger als die ganze Scheere. Die folgenden Fusspaare
sind dünn, ihre beiden Endglieder mit kleinen Stacheln unten
besetzt. Die mittlere Schwanzplatte ist flach abgerundet, nach hinten
wenig verschmälert, kürzer als die seitlichen Flossenblätter und mit
zwei Dörnchenpaaren besetzt. Die Körperlänge = 1 Zoll.
Wurde von Ida Pfeiffer auf Java gesammelt.
C. longirostris.
Mit dieser von M. Edwards (Hist. nat. d. Crust. t. II, p. 363)
beschriebenen Art stimmt vollkommen überein der von Roux im Nil
vorgefundene Pelius niloticus. In einem an Herrn Baron Ferussac
gerichteten Briefe aus Ägypten, welcher in den Annal. d. seien, nat.
tom. 28, p. 72 abgedruckt ist , wird diese Art einfach erwähnt und
auf Taf. 7, Fig. 8 abgebildet.
Beiträge zur niiheren Kenntnisa >ler Mnerouren. 413
Falaemou Fab.
Subgenus LEANDER De sin.
Mj. indicus n.
Diese Art hat einige Ähnlichkeit mit dem L. deb'dis Dana, so-
wie L. longicarpus Stimps. Sie unterscheidet sich von beiden
durch die grössere Anzahl von Zähnen am oberen Rande des
Rostrums, von ersterem überdies noch durch die bedeutendere
Länge des zweiten Fusspaares. Der Cephalothorax ist compress,
vorne und hinten fast gleichbreit, mit spitzem Antennalstachel und
einem etwas vom Vorderrande nach hinten abgerückten kleinen
Hepaticalstachel versehen. Die Seitenecken sind stumpf abgerundet.
Das Rostruin entspringt mit einer kurzen Ciista unmittelbar zwischen
den Augen, es ist anfangs ziemlich gerade nach vorn gerichtet, gegen
dastünde hin nach aufwärts gekrümmt und überragt bedeutend die Blatt-
anhänge der unteren Antennen. Der obere Rand ist über den Augen
leicht convex gekrümmt und hier mit eilf kleinen gleichweit entfern-
ten Zähnchen besetzt, hierauf folgt ein langer freier Zwischenraum
und erst unmittelbar vor der Endspitze bemerkt man noch zwei
kleinere Zähnchen. Der untere Rand erscheint im hinteren Umfange
fast gerade, wenig ausgebuchtet, in den zwei vorderen Dritteln
dagegen mit 1 — 8 von hinten nach vorn kleiner werdenden Zähnen
besetzt. Die Augen sind kurz und dick. Die oberen Antennenstiele
sind bedeutend kürzer als die Blattanhänge der unteren Antennen,
das erste Stielglied länger als die zwei folgenden zusammen. Der
kurze Endfaden ist nur auf kurze Strecke mit dem äusseren ver-
wachsen und erreicht rückwärts gelegt den Vorderrand des Cephalo-
thorax. Die Blattanhänge der unteren Antennen sind länglich, vorn
abgerundet, der Seitenstachel von dem Vorderende ziemlich abgerückt.
Die dünnen und schlanken Kaufüsse ragen fast mit dem ganzen
letzten Gliede über den untern Stiel hinaus und sind blos gegen die
Spitze hin mit, einigen Börstchen besetzt, sonst ziemlich nackt. Das
erste fadenförmige Fusspaar besitzt beiläufig die Länge der Blatt-
anhänge, ihr Carpalglied ist bedeutend länger als die Scheere. Das
zweite ebenfalls dünne Fusspaar ragt dagegen mit der ganzen
Scheere und dem Endtheil des Carpus über das Vorderende der
Blattanhänge hinaus; ihr Carpus ist doppelt länger als die Scheere
414 Heller.
das zylindrische Handglied dagegen nur wenig länger als die Finger.
— Die folgenden Fusspaare sind dünn, fast nackt, selbst am unteren
Rande des Tarsalgliedes nur mit wenigen Börstchen besetzt. Die
mittlere Schwanzplalte ist länglich dreieckig, schmal, nach hinten
zugespitzt und wird von den seitlichen Plättchen etwas überragt.
Körperlänge =-- 20 Linien.
Wurde von Ida Pfeiffer auf Java und Borneo gesammelt.
bubgenus PALAEMON s. Str. Desin.
M*. caementarius.
Diese von Popp ig in Wiegmann's Archiv für Naturgeschichte,
Jahrg. 1836, I, S. 143 beschriebene, aus Brasilien stammende Art
findet sich auch im Wiener Museum in mehreren Exemplaren vor.
Sie stimmt in Körperform und Grösse mit dem P. Gaudichaudi
M. Edw. ganz überein, nur fehlt die Bezahnung am unteren Rande
des Rostrums vollständig.
P. IMattereri u.
Taf. II, Fig. 36, 37.
Der Cephalothorax dieser Art ist nach vorn etwas verschmäch-
tigt, mit breit abgerundeter Rückenfläche. Das Rostrurn entspringt
mit einem Kiel am vorderen Deckel des Cephalothorax und ist mit
der einfachen Spitze gerade nach vorne gerichtet und beiläufig so
lang wie die Blattanhänge der unteren Antennen. Am obern convexen
Rande ist er mit 11 — 12 spitzen Zähnen besetzt, die in gedrängter
ununterbrochener Reihe hinter einander stehen. Der untere Rand
ist nach hinten ausgebucbtet, in der Vorderhälfte dagegen ziemlich
verbreitert und mit 2 — 3 Zähnen bewaffnet. Der obere Antennenstiel
ist kürzer als Blattanhang und Rostrum, der kurze Endfaden wenig
mit dem äussern verschmolzen. Die Blattanhänge sind vorne abgerun-
det, der Seilenstachel dem Vorderende sehr genähert. Die äusseren
Kaufüsse ragen um die Länge ihres letzten Gliedes über den untern
Antennenstiel hinaus. Die dünnen Vorderfüsse sind etwas länger als
der Blattanhang. Das zweite Fusspaar ist ebenfalls sehr verlängert,
jedoch auf beiden Seiten ungleich entwickelt. Das Vorderende ihres
Brachialgliedes erreichtnieht ganz denVorderrand der Blattanhänge. Ihr
Carpalglied ist gegen das Ende hin konisch verdickt, länger als das Bra-
BeilriijM' zur näheren Kenntoiss der Macrouren. 415
chiulglied, aber kürzer als das cylindrische, walzenförmige Handglied.
Die Finger sind dünn, viel kürzer als die Palma und am Innenrande
an der Basis mit kleinen Höckerzähnchen besetzt. Die einzelnen
Glieder sind an ihrer Oberfläche durch kleine spitze Erhabenheiten
rauh. Die Längenverhältnisse der einzelnen Glieder an dem grösseren
Fussesind: Brachialglied 4", Carpus i\'", Palma 6*8"', Dactylus 3"8;
am kleinen Fusse: Brachium 3'", Carpus 4'", Palma 4'74, Dactylus
3'". Von den drei hinteren Fusspaaren ist das dritte das längste,
das letzte reicht vorne bis zur Mitte des Blattanhanges. Die mittlere
Schwanzplatte ist ziemlich breit, hinten mehr abgerundet, mit kleinem,
fast rudimentären Mitteldorn, oben längs der Mitte mit Andeutung
einer Furche. Körper länge 21/s Zoll.
Wurde von Natterer in Brasilien im Rio Negro gefangen.
JP. sundaicus n*
Taf. II, Fig. 38, 39.
Eine kleine Art, demP. equidens Dan. in der Form des Rostrums
verwandt, doch durch die Gestalt des zweiten Fusspaares verschieden,
indem dieses hier viel kürzer und schmächtiger erscheint und die
Länge des Fingers der Länge des Handgliedes fast gleichkömmt. —
Der Cephalothorax ist nach vorne bedeutend verschmächtigt, oben ab-
gerundet. Das Rostrum ist ziemlich gerade nach vorne gerichtet oder au
der Spitze etwas aufwärts gekrümmt, schwertförmig, so lang wie die
Blattanhänge. Am obern fast geraden Rande bemerkt man 10 — 12
Zähne, die schmal, spitz, stark vorwärts geneigt und in ununter-
brochener Reihe bis zur Spitze hinstehen, am untern erweiterten
Rande findet man 4 — 5 Zähne. — Der obere Antennenstiel ist kürzer
als Rostrum und Blattanhang, der kurze Endfaden an der Basis wenig
verwachsen, nach aussen hin gezähnt, beiläufig von der Länge des
Stieles. Der Seitenstachel der vorne abgerundeten Blattanhänge ist
etwas abgerückt. Das erste Fusspaar ragt beiläufig um die Länge der
Scheere über den Blattanhang hinaus. Das zweite Fusspaar ist nur
wenig dicker und länger als das erste. Das gegen sein Ende hin
etwas anschwellende Carpalglied erscheint länger als das cylindrische
Brachialglied, jedoch etwas kürzer als die Scheere, fast doppelt
länger als das Handglied, welches leicht verdeckt, cylindrich ist und
mit den schlanken, dünnen, gut schliessenden Fingern eine gleiche
Länge besetzt. Die folgenden Fusspaare sind dünn und erreichen
SiUb. d. mathein.-uaturw. Cl. XLV. Bd. I. Abth. 28
41 (j Heller.
das Vorderende der Blattanhänge nicht ganz. Der Mitteldorn der
hintern Sehwanzplatte ist ziemlich spitz. Länge 3 Zoll.
Wurde von Ida P f e iffer auf Java gesammelt.
f*. idae 11.
Taf. II, Fig. 40, 41.
Unterscheidet sich von P. asper Stirn p. durch die viel geringere
Anzahl von Zähnen am Rostrum, so wie durch die auffallende Form
und Länge des Carpalgliedes am zweiten Fusspaare. Durch letzteres
Merkmal ist diese Art auch von den verwandten Arten P. ornatus und
P. lanceifrons verschieden. — Der Cephalothorax ist ohen abgerun-
det, nach vorne hin ziemlich verschmälert. Das Rostrum entspringt mit
einem vorspringenden Kiele etwas vor der Mitte des Cephalothorax
und ist ziemlich gerade nach vorn gerichtet. Der obere Rand erscheint
eonvex, durch die Seilenleisten wird das Rostrum in eine obere
grössere und untere kleinere Hälfte getheilt. Am obern Rande stehen
in ununterbrochenerReihe hinter einander 10 — 11 Zähnchen, diezwei
letzten am Cephalothorax hinter den Augen, das erste der Spitze sehr
genähert, so dass diese fast zweitheilig erseheint. Der Unterrand ist
ebenfalls convex, springt jedoch weniger vor als der vordere und ist
in der Vorderhälfte mit 4 — 5 Zähnchen besetzt. — Das im Ganzen
lanzettähnliche Rostrum ist etwas kürzer als der Blattanhang, aber be-
deutend länger als der obere Antennenstiel. Die äussereAugenhöhlen-
ecke ist breit abgerundet, hinter ihr folgt unmittelbar am Vorderrande
des Cephalothorax ein starker spitzer Antennal- und hinter diesem
auf der Seitenfläche ein kleiner Hepaticalstachel. Die seitliche
Nathlinie ist ziemlich deutlich. — Die Oberfläche des Cephalothorax
ist etwas körnig rauh.
Die Augen sind kurz und dick. Am obern Antennenstiele
erseheint das erste Glied länger als die beiden folgenden zusammen.
Der kurze Endfaden ist mit dem äussern wenig verwachsen und ragt
nach vorne etwas über das Vorderende des Brachialgliedes am aus-
gestreckten zweiten Fusspaare, nach hinten gelegt aber bis an die
Basis des Rostrums. Der untere Stiel ist kurz, kaum so lang wie
das erste obere Stielglied. Der Blattanhang ist fast dreimal länger
als breit, das Vorderende schief von aussen abgerundet, der Seiten-
stachel etwas abgerückt. Die äusseren Kaufüsse überragen um die Länge
des vierten Gliedes den untern Stiel. Das erste Fusspaar ist dünn und
Beiträge zur näheren Kenntnis« iler Macrouren. 417
etwas länger als der Blattanhang. Das zweite Fusspaar ist sehr ver-
längert, auf beiden Seiten ungleich entwickelt. Die einzelnen Glieder
sind rundlich walzig, an der Oberfläche durch spitze Körnchen rauh.
Das Carpalglied zeichnet sich vor allen anderen Gliedern durch seine
bedeutende Länge (26 Lin.) aus und ist gegen sein Ende hin etwas
verdickt. Die Scheere ist bedeutend kürzer als der Caipus jedoch
um das Doppelte länger wie das Brachialglied. Das länglich walzen-
förmige Handglied erscheint dünner als das Carpalglied au seinem
Vorderende und beträgt zwei Drittheile der ganzen Scheerenlänge.
Die Finger sind dünn, gerade, an der Spitze leicht gekrümmt, nach
innen mit vorspringendem dünnen Hornrand, ungezähnt und behaart.
Die drei folgenden Fusspaare sind bedeutend kürzer, jedoch
überragen sie immerhin den Blattanhang etwas. Ihr Tarsalglied ist
etwas länger als der Femur, unten mit einigen Stacheln besetzt,
Dactylus spitzkonisch mit lichter Endklaue und längs des obern Ban-
des behaart. Die längliche dreieckige Mittelplatte der Schwanzflosse
ist oben abgerundet, mit zwei seitlichen Dörnchenpaaren bewaffnet
und am Hinterende mit einem Mittel- und zweiSeitendörnchen besetzt,
dazwischen mit zwei beweglichen Stacheln.
Die Länge des Körpers beträgt 4 Zoll.
Wurde von Ida Pfeiffer auf Borneo gesammelt.
M*. vayus n.
Taf. II, Fig. 42, 43.
Diese Art ist in der allgemeinen Körperform dem P. ornatus
ziemlich ähnlich, jedoch unterscheidet sie sich hievon auffallend
durch die Gestalt des zweiten Fusspaares. Bei P. ornatus erscheint
nämlich das Handglied sehr verlängert, fast noch einmal so lang wie
die dünnen, grösstentheils klaffenden Finger. In unserer Art dagegen
haben Handglied und Finger eine fast gleiche Länge, ersteres ist
walzenförmig, die Finger sind schlank, dünn und schliessen fast
vollständig ihrer ganzen Länge nach. Übrigens sind sie beiderseits
ziemlich gleichmässig entwickelt und reichen mit dem grössten
Theile ihres Carpalgliedes über den Blattanhang hinaus. Die Ober-
fläche der einzelnen Glieder ist mit spitzen, kleinen Bauhigkeiten
besetzt. Was die übrigen Fusspaare anbelangt, so ist das erste
Fusspaar nur wenig länger als der Blattanhang, die hinteren verkürzt,
ziemlich dick und rauh.
•28*
418 Heller.
Der Cephalothorax ist glatt, das Rostrum fast so lang wie die
Blattanhänge, es entspringt mit einem Kiel am vordem Drittheil des
Cephalothorax, der obere leicht convexe Rand ist mit 8- -9 gleich-
weit entfernten Zähnen besetzt, der erste Zahn von der Spitze
ziemlich abstehend, am untern Rande findet man drei Zähne. Der
obere Antennenstiel ist stets kürzer als das Rostrum, der kurze End-
faden ist nur wenig an der Basis mit dem äussern verwachsen.
Die Körperlänge beträgt 41/s Zoll.
Wurde von Dr. D oleschal aus Amboina eingesendet.
P, equidens,
Taf. II, Fig. 44.
Die vorliegenden aus Mauritius stammenden Exemplare stimmen
ziemlich vollkommen nach der Gestalt und Bezahnung des Rostrums
mit dem von Dana (1. c. I. p. 591 , Taf. 39, Fig. 2) beschriebenen
und abgebildeten P. equidens überein. Ich will hier nur einiges über
die Form der Scheerenfusspaare beifügen, da den Exemplaren,
welche Dana zur Untersuchung benützte, das zweite Fusspaar
mangelte. Es ist lang, ziemlich gleichmässig beiderseits entwickelt
und reicht mit dem Vorderende des Brachialgliedes bis zur Spitze
der Blattanhänge. Die einzelnen Glieder sind an ihrer Oberfläche mit
kleinen kurzen Stacheln besetzt. Das bei 11 Linien lange Brachialglied
erscheint von cylindrischer Form , das fast gleichlange Carpalglied
nur wenig verdickt am Ende. Das Handglied ist etwas länger (14 Lin.),
walzenförmig, die Finger erscheinen bedeutend kürzer (9 Lin.) als die
Hand, sie sind schlank, schliessen ihrer ganzen Länge nach an ein-
ander, besitzen an der Innenseite an der Basis einige kleine Zähnchen,
in der zweiten Hälfte aber einen kleinen vorspringenden Hornrand.
Der obere Rand des beweglichen Fingers ist mit Stachelbörstcheu
dicht besetzt.
Länge des Thieres == 5 Zoll.
**. amazonicus n.
Taf. II, Fig. 45.
Ist die vicarirende Form von P. Lamarrei. Der Cephalothorax
dieser Art ist nach vorne verschmächtigt, das Rostrum sehr lang, es
überragt bedeutend die Blattanhänge der unteren Antennen, und ist
gegen sein verschmälertes Ende hin stark aufwärts gekrümmt. An
Beiträge /.uv näheren Keoiitniss iler Macrouren. 410
dem obern etwas convexen Rande unmittelbar über den Augen findet
man 7—8 ziemlich starke, gleichweit von einander stehende Zähne,
sodann nach einem längeren Zwischenräume an dem aufwärts ge-
krümmten Theile noch zwei oder drei Zähne, wovon der letzte oder
die beiden letzten der Spitze sehr genähert sind. Der untere Rand
ist nur wenig abwärts erweitert und mit 8 — 9 Zähnen besetzt.
Der obere Antennenstiel ist kürzer als die Rlattanhänge, der kurze
Endfaden nur wenig verwachsen. — Das erste Fusspaar erreicht die
Länge der Rlattanhänge, es ist sehr dünn, das Carpalglied fast drei-
mal länger als die kurze, wenig behaarte Scheere. Das zweite Fuss-
paar ist ebenfalls nur wenig verdickt, beiderseits ziemlich gleich
entwickelt und mit dem letzten Drittheil des Carpalgliedes über den
RIattanhang hinausragend. Das Carpalglied erscheint sehr verlängert,
bedeutend länger als Rrachialglied und Scheere, letztere beide unter
einander fast gleichlang. Das Handglied ist cylindrisch und nur wenig
länger als die dünnen geraden Finger. — Die mittlere Schwanz-
platte ist schmal und läuft nach hinten in einen spitzen Stachel aus.
Die Körperlänge beträgt 4:% Zoll.
Wurde von Natter er im Amazonenstrome gefunden.
f*. brasiliensis n.
Taf. II, Fig. 46.
Diese Art kömmt ebenfalls im Süsswasser vor, sie wurde von
Natterer in einem Rache zu Camaroes in Rrasilien gefunden. Sie
hat einige Ähnlichkeit mit dem von de Saussure beschriebenen
P. consibrinus, doch unterscheidet sie sich von dieser Art durch die
geringere Anzahl von Zähnen am obern Rande des Rostruins, dann
durch die verschiedene Beschaffenheit des zweiten Fusspaaies, indem
hier die Glieder bedeutend dicker erscheinen, ferner das Handglied
viel länger als das Carpalglied ist. Übrigens ist der Cephalothor.ix
nach vorne nur wenig seitlich verschmälert, an der Oberfläche beson-
ders der Rranchialgegenden mit kleinen, körnigen Rauhigkeiten be-
setzt. Das Rostrum ist länger als der obere Antennenstiel, jedoch
kaum so lang wie die Blattanhänge der unteren Antennen. Der obere
Rand des Rostrums ist leicht convex, mit 8 — 10 fast gleich grossen,
genäherten Zähnen besetzt, die Spitze nach vorne und oben gerichtet,
unten dreizähnig. Die Blatfanhänge besitzen einen ziemlich spitzen
vordem Seitenstachel, der dem Endrande genähert ist. Das zweite
420 Heller.
Fusspaar ist ziemlich lang, mit dem Brachialgliede nicht das Vorder-
ende der Blattanhänge erreichend, beiderseits ungleich. Die einzelnen
Glieder sind nicht sehr dick, fast cylindrisch , blos das Carpalglied
gegen sein Ende hin etwas anschwellend. Was die Längenverhält-
nisse der einzelnen Glieder zu einander betrifft, so ist das Carpal-
glied etwas länger als das vorhergehende Brachialglied , die Palma
dagegen wieder bedeutend länger als der Carpus, während die
schlanken, dünnen Finger nur die halbe Länge der Hand erreichen.
Die Oberfläche aller Glieder ist mit kurzen, kleinen Stachelspitzen
dicht besetzt. Das fünfte Fusspaar reicht bis zur Mitte des Blatt-
anhanges. Die Mittelplatte der Schwanzflosse endigt nach hinten
in eine dreieckige Spitze. Körperläuge = 2 Zoll.
JP. Desausuri n.
Taf. II, Fig. 47.
Von P. aztecus unterscheidet sich diese Art durch das fast
nackte zweite Fusspaar, dessen Carpalglied nicht die Blattanhänge über-
ragt und nicht dreimal sondern höchstens doppelt kürzer ist als die
Scheere. Der Cephalothorax ist ziemlich compress, nach vorne etwas
verschmächtigt, das Rostrum stets kürzer als die Blattanhänge, so
lang oder selbst etwas kürzer als der obere Antennenstiel, am obern
convexen Rande mit 13 — 14 kleinen, spitzen, in dichter Reihe auf
einander folgenden Zähnen besetzt, die Spitze fast gerade nach vorne
gewendet. Der untere Rand des Rostrums ist nach hinten ausge-
buchtet, in der vordem Hälfte abwärts erweitert und mit 3 — 4
spitzen Zähnchen bewaffnet. Die Blattanhänge sind nach vorne regel-
mässig abgerundet, der Seitenstachel der Spitze sehr genähert. —
Das dünne erste Fusspaar ragt mit der Scheere über das Vorderende
des Blattanhanges hinaus. Das zweite Fusspaar ist zwar etwas dicker,
jedoch kaum länger als das erste und ist beiderseits ziemlich gleich
entwickelt. Carpus und Brachium sind fast gleich lang (2 Lin.). Die
ganze Scheere misst dagegen 4"'2, wovon l^S auf das cylindiische
Haudglied kommen, so dass es von den schlanken, geraden Fingern
noch etwas an Länge übertroffen wird. Das letzte Fusspaar ragt bis
zur Mitte des Blattanhanges. Die Mittelplatte der Schwanzflosse ist
nach hinten spitz dreieckig. Die Körperlänge beträgt 2 Zoll.
Wurde in Neu-Granada von Natter er gesammelt.
Beitrüge zur näheren Kenntniss der Macrouren. 421
f. javanicus n.
Taf. II, Fis. 48.
Diese Art hat die meiste Verwandtschaft mit P. grandimanus
Dana. Doch ist bei der letztern Art das Wandglied der grössern
Seheere viel mehr verdickt und schon von der Basis an mit Haaren
dicht besetzt, während hier dieses Glied an der Basis fast ganz nackt
bleibt und erst gegen das Ende hin und an den Fingern stärker
behaart erscheint. Das Roslrum entspringt etwas vor der Mitte des
Cepbalothoraxmit einem ziemlich vorspringenden Kiele. An demobern
convexen Rande zählt man zehn, ziemlich gleich weit von einander
entfernte Zahne, wovon die drei hintersten noch am Cephalothoiax
stehen, der erste aber der Spitze sehr genähert ist. Am untern, nach
hinten ausgeschweiften, nach vorne abwärts erweiterten Rande findet
man vier Zäline. Die Form des Rostrums ist im Allgemeinen lanzett-
ähnlich; es ragt nach vorneüber den ohern Antennenstiel etwas hinaus,
ohne jedoch das Ende der Blattanhänge ganz zu erreichen. — Das
erste Fusspaar ist etwas länger als die Blattanhänge. Das zweite Fuss-
paar ist sehr verlängert und stark, ungleich beiderseiis.Das cylindrisebe
Brachialglied ist etwas kürzer als das Carpalglied, letzteres länglich
konisch, beide an ihrer Oberfläche mit kleinen spitzen Stacheln
ringsum besetzt. Der Carpus erscheint fast um die Hälfte kürzer
wie die Seheere und ist fast gleich lang mit dem Handgliede, welches
nach vorne hin ziemlich verdickt und zugleich von oben etwas abge-
plattet ist. Die Finger sind um ein Viertheil kürzer als die Hand.
Letztere ist in der ersten Hälfte blos durch kleine Stachelspitzen
etwas rauh, gegen das Ende hin so wie an den Fingern mit Haaren
dicht besetzt. Die Finger klaffen blos an ihrer Basis etwas und sind
hier am Innenrande mit 4 — 5 stumpfen Zähnen besetzt. Der kürzere
Fuss reicht beiläufig bis zur Mitte des Handgliedes vom vorigen und
zeigt fast dieselben Längenverhältnisse der einzelnen Glieder, nur
ist der Carpus etwas kürzer als das Handglied, welches mit den
Fingern fast gleiche Länge besitzt. Finger dünn, ziemlich klaffend,
die einzelnen Glieder rauh, sparsam behaart. Die folgenden Fuss-
paare von der Länge des Blattanhangs. Die mittlere Schwanzplatte,
viel kürzer als die seitlichen Flossenblätter, ist oben abgerundet
und mit vier Dörnchenpaaren besetzt. Die Körperlänge beträgt 3 Zoll.
Fundort: Java.
422
Helle
P. niloticus.
Unter diesem Namen bezeichnet Roux in dem schon oben
bezeichneten Briefe an Baron Fernssac (Annal. des sciences natur.
Tom. 28, p. 72) einen neuen Palämon aus dem Nil und bildet
diese Art auf Taf. 7, Fig. 2 ab, ohne jedoch eine Beschreibung
beizufügen. Nachdem nun zahlreiche Exemplare dieser Art, von
Daningerim weissen Nil gesammelt, im hiesigen zoologischen
Museum sich vorfinden, so hin ich in denStand gesetzt, eineBeschrei-
bung derselben hier geben zu können.
Der Cephalothorax ist platt, nach vorne ziemlich verschmächtigts
am Vorderrande mit einem spitzen Antennal- und auf der Seitenfläche
mit deutlichem Hepaticalstachel besetzt. Das Rostrum entspringt un-
mittelbar hinter den Augen mit hoher Crista am Cephalothorax, ist so
lang oder wenig länger als der Blattanhang, jedoch viel länger als
der ohere Antennenstiel. Am obern stark convex gebogenen Rande
bemerkt man 9 — 13 kleine, schmale, nach vorne gebogene, spitze
Zähne, unter denen der letzte hinter den Augen, der erste aber von
der Spitze noch ziemlich entfernt steht. Am untern leicht vorge-
wölbten Rande findet man blos zwei, zwischen Haaren versteckte
Zähne. Die Form des Rostrums ist lanzettlich, die Spitze einfach,
vorwärts gerichtet. Die Augen sind kurz und dick. — Der kurze
Endfaden an den oberen Antennen ist zu einem Drittheil mit dem
äussern verwachsen, kurz und erreicht kaum den Vorderrand des
Cephalothorax. — Der untere Antennenstiel besitzt die Länge des ersten
obern Stielgliedes, der Blattanhang ist vorne schief abgerundet, mit
kleinem etwas abgerückten Seitenstachel. Die äusseren Maxillarfüsse
sind dünn. Das erste Fusspaar ist wenig länger als der Blattanhang.
Das zweite Fusspaar erscheint ebenfalls sehr schlank, jedoch etwas stär-
ker als das vorige und auch länger, indem es mit dem Endtheil des
Carpalgliedes und mit der ganzen Scheere über den Vorderrand der
Blattanhänge hinausragt Die einzelnen Glieder sind glatt, fast cylin-
drisch, das Carpalglied am Ende leicht verdeckt. Letzteres ist nur
wenig (Ve) länger als die Scheere. Das Handglied ist länglich und
besitzt mit den geraden, dünnen Fingern fast dieselbe Länge oder
ist unmerklich länger. Die folgenden Fusspaare sind ebenfalls nackt,
das Tarsalglied bedeutend verlängert, unten mit einzelnen Stacheln
versehen; Klauenglied spitzkonisch. Die Mittelplatte der Schwanz-
beitrage zur näheren Renntniss der Macrouren. 4-2 «J
flösse ist kürzer als die seitlichen Flossenblätter, nach hinten stark
verschmälert. Die Körperlänge beträgt bei 2 Zoll.
Penaeus Fab.
f*. membranaceus.
Taf. II, Fig. 49.
Die Beschreibung dieser Art in M ilne Edwards' bist. nat. des
Crust. t. II. p. 4 1 7 weicht von jener R i s s o 's auffallend ab. Letzterer gibt
als Kennzeichen ein verlängertes Rostrum an, während M. Edwards
im Gegentheil hervorhebt , dass das Rostrum dieser Art nicht ein-
mal die Länge der Augen erreicht. Es passt überhaupt die Beschrei-
bung M. Edwards' vielmehr auf eine andere, auch im mittelländischen
Meere vorkommende Art, die sich durch ein kurzes Rostrum und
durch eine ganz eigenthümliche Beschaffenheit der oberen Antennen-
borsten auszeichnet und mit Sole no ccr a Philip pii Lucas identisch ist.
— Ich halte es aus diesem Grunde nicht für überflüssig, sowohl von
dem P. membranaceus als auch von P. foliaceus hier eine genauere
Beschreibung beizufügen, um diese beiden Arten R i s s o's besser von
einander unterscheiden zu können.
Bei P. membranaceus ist das Rostrum ziemlich schmächtig,
bedeutend länger als die Augen, indem es mit der leicht aufwärts
gekrümmten Spitze bis an's Vordeiende der Blattanhänge hinreicht.
Von seinem Hinterende verläuft längs der Mitte des Cephalothorax
bis zum Hinterrande ein ziemlich scharfer Kiel. Am oberen Rande
des Rostrums findet man 7 — 10 kleine spitze Zähne, hiervon steht
der hinterste von den übrigen ziemlich weit abgerückt am Cephalo-
thorax, der eiste ist von der Endspitze ebenfalls ziemlich entfernt.
Der untere Rand ist ganz unbewaffnet, nach hinten behaart, nach
vorne hin nackt. Der Cephalothorax ist compress, nach vorne am
Rande mit einem spitzen gekielten Antennalstachel, hinter ihm auf
der Seitenfläche mit einem Hepaticalstachel, sowie vor diesem in der
Nähe der abgerundeten Seitenecke mit einem Branchiostegalstachel
bewaffnet. Ein kleines Präorbitalzäbnchen ist nur angedeutet. —
Die Augen sind kurz und dick. Der obere Antennenstiel erreicht
fast die Länge des Rostrums. Sein erstes Glied ist so lang, wie die
beiden folgenden Glieder zusammen. Der innere lamellöse Anhang
überragt nicht die Augen. Von den beiden Endfäden ist der innere
Sitzb. d. mathein. -naturw. Cl. XLV. Bd. I. Abth. 29
424 Heller.
länger als der äussere, jener borstenförmig fast von der Länge des
Cephalothorax, dieser anfangs dick und gegen das Ende hin plötz-
lich verdünnt. Der untere Antennenstachel ist nur halb so lang, wie
das erste obere Stielglied. Der Blattanhang erscheint länglich, mit
geradem äusseren und convexem innern Rande, der Vorderrand fast
abgestutzt, der Seitenstachel genähert. Das erste Fusspaar ist kürzer,
als der untere Antennenstiel, das zweite reicht darüber etwas hinaus,
das dritte geht bis zum Vorderende des zweiten oberen Stielgliedes.
Das 4., 5. und 6. Abdominalsegment ist in der Mitte scharf
gekielt. Das sechste Segment ist so lang, wie die Mittelplatte der
Schwanzflosse. Jene läuft nach hinten in eine dreieckige Spitze aus
und ist längs der Mitte gefurcht.
Länge 4*/a Zoll. — Fundort: Mittelmeer.
J*. foliaceus»
Taf. II. Fig. 50.
Diese Art unterscheidet sich von der vorigen hauptsächlich
durch das längere, an der Basis über den Augen ziemlich hohe,
nach vorne hin stark verschmälerte Rostium, das über die Blatt-
anhänge weit hinausragt und auch den Cephalothorax an Länge
übertrifft. Am obern Rande findet man 9 — 10 Zähne, der untere
Rand ist unbewaffnet. Von den oberen Zähnen stehen die 5 — 6 hin-
tersten auf dem convex vorspringenden Rande, der letzte noch am
Cephalothorax, jedoch nicht so weit entfernt von den übrigen, wie
bei der vorigen Art. Die übrigen 3 — 4 Zähne folgen in grösseren
Zwischenräumen nach vorne aufeinander und werden zugleich kleiner.
Der Cephalothorax ist nicht seiner ganzen Länge nach, sondern blos
von der Mitte an stumpf gekielt. Antennal-, Branchiostegal- und Hepa-
ticalstachel verhalten sich wie in voriger Art. — Die oberen Anten-
nenstiele sind bedeutend kürzer als die Blattanhänge der unteren
Antennen, die innere Lamelle länger als die Augen. — Das dritte Fuss-
paar reicht hier bis an's Ende der Blattanhänge. Das 4., 5., 6. Abdo-
minalsegment erscheint längs der Mitte gekielt; die mittlere
Schwanzplatte ist etwas kürzer als die seitlichen Flossenblätter und
geht nach hinten in eine lange scharfe Spitze aus, oben ist sie längs-
gefurcht, seitlich mit zwei Dörnchenpaaren besetzt, ein drittes folgt
nach hinten an der Basis der mittleren Endspitze. Körperlän^e
— 41/- Zoll. Vorkommen im Mittelmeer.
Beitrügt- nur näheren Kenntnis» der Macrouren. 4-25
f*. üroyeri n.
Taf. II, Fig. 81.
Das an der Basis über den Augen etwas vorspringende , nach
vorne hin stark verdünnte, fast pfriemfürmige und aufwärts
gekrümmte Rostrum ist besonders charakteristisch für diese Art. Es
entspringt mit einem aufsteigenden Kiele im vorderen Drittel des
Cephalothorax und ragt mit der einfachen, dünnen Spitze weit über
die Blattanhänge hinaus. Am untern Rande ist es nach hinten stark
ausgeschweift und seiner ganzen Länge nach unbewaffnet. Am obern
Rande ist es nur in der hintern Hälfte an dem convex vorspringen-
den Theile mit 6 Zähnchen besetzt, der letzte etwas abgerundet am
Cephalothorax, in der vordem Hälfte ganz zahnlos. — Der obere
Antennenstiel besitzt die Länge des Blattanhanges der unteren
Antennen, die Lamelle des 1. Stielgliedes ist kürzer als die Augen,
die beiden Endfäden sind etwas länger als der Stiel, der äussere
Faden ist an der Basis verdickt. — Die mittlere Platte der Schwanz-
flosse ist nur wenig länger, als das 6. Abdominalsegment, nach
rückwärts in eine einfache Spitze geendigt, oben mit schwacher
Furche in der Mitte. — Die Körperlänge beträgt 3*/2 Zoll. —
Stammt aus Rio Janeiro und wurde von Kroyer dem hiesigen
Museum übergeben.
Erklärung der Abbildungen.
Tafel I.
Fig. i. Polycheles typhlops. Ein Männchen von der Rückenseite.
„ 2. Äusserer Maxillarfuss desselben.
„ 3. Zweiter .. „
„ 4. Erster
„ 5. Äussere Maxille.
„ 6. Mandibel.
„ 7. Pterocaris typica. Ein Weibchen von der Rückenseite.
„ 8. Dasselbe von der Bauchseite.
„ 9. Äusserer Maxillarfuss.
„ 10. Zweiter „
„ 11. Erster „
„ 12. Äussere Maxille.
426 Heller. Beiträge zur näheren Keniitniss der Macroui en.
Fig. 13. Mandibel.
„ 14. Erstes Fusspaar.
„ 15. Zweites „
„ 16. Drittes „
„ 17. Zweiter Abdominalfuss.
„ 18. Schwanzflosse.
„ 19. Virbius gracilis. Vergrössert.
„ 20. Mandibel dieser Art.
„ 21. Alpheus platyrhynchus. Ansicht von oben.
„ 22. Grössere Scheere am ersten Fusspaar.
„ 23. Zweites Fusspaar.
„ 24. Drittes „
„ 23. Alpheus laevimanus. Ansicht von oben.
„ 26. „ „ Grössere Scheere am ersten Fusspaar.
„ 27. „ „ Zweites Fusspaar.
„ 28. Arete Diocletiana. Ansicht von oben.
„ 29. „ „ Seitenansicht.
„ 30. „ „ Erstes Fusspaar.
» Ol. -■ „ » »
„ 32. „ „ Zweites
„ 33. „ „ Mandibel.
Tafel II.
Fig. 34. Pelias scriptus. Seitenansicht.
„ 35. „ migratorius-
„ 36. Palaemon Nattereri. Rostrum.
37.
„
„ Zweites Fusspaar.
38.
j>
sundaicus. Rostrum.
39.
»
„ Zweites Fusspaar,
40.
„
Idae. Rostrum.
41.
»
„ Zweites Fusspaar.
42.
„
vagus. Rostrum.
43.
„
„ Zweites Fusspaar.
44.
99
equidens. „ „
45.
»
amazonicus.
46.
)»
brasiliensis.
47.
„
Desansuri.
48.
„
javanicus.
49. Penaeus membranaceus.
50. „ foliaceus.
51. „ Kroyeri.
Taf I
mann. Ans der kTcEof-Ti. Staat
Sitzmi£sb.a.k.JÜfaia:\VTmatli.naturw. Cl.XL M.I.AMh. 1862.
neuer Beilage zur nahem Kemfani 3a Mao
Tal' II
-Aus aerttH.if-u Stjat«arucbTei.
Sitzimjjsli.d k Akad.d Vrniathiiaüirw (|. XL Bd.IAlrth.1862.
SITZUNGSBERICHTE
DER
KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.
xlv. band.
ERSTE ABTHEILUNG.
Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik,
Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie.
30
427
X. SITZUNG VOM 3. APRIL 1862.
Das k. k. Staats-Ministerium übermittelt mit Note vom 22. März
I. J., Z. y^-. eine von der oberösterreichischen Landes-Baudirec-
tion zusammengestellte Tabelle, enthaltend die höchsten Wasser-
stände an den vorzüglichsten schiffbaren Flüssen in Oberösterreich
von den Jahren 1572 bis inclusive 1862.
Diese schätzbare Mittheilung wird in die Sitzungsberichte auf-
genommen.
Herr Hofrath W. Haidinger richtet ein Schreiben an den
Generalsecretär in Angelegenheit der Beobachtungen des Herrn
Abbe Richard hinsichtlich des unterirdischen Laufes der Recca.
Das c. M., Herr Prof. Dr. Th. Wert heim in Gratz, übersen-
det eine Abhandlung: „Beiträge zur Kenntniss des Coniins".
Herr Eng. Matzenauer, k. k. Telegraphen -Inspector in
Wien, übermittelt ein versiegeltes Schreiben mit dem Ersuchen um
Aufbewahrung zur Sicherung seiner Priorität.
Herr Prof. C. Ludwig legt eine Mittheilung von Herrn
Eckhard in Giessen vor: „Über Erection des Penis".
Herr Prof. E. Brücke übergibt eine Notiz „über die laryngo-
skopischen Photographien und über das Mikrostereoskop" von dem
c. M., Herrn Prof. Dr. J. Czermak in Prag.
Herr Dr. E. Mach macht eine Mittheilung über die Theorie
der Pulswellenzeichner.
Herr Dr. G. Tschermak legt eine Abhandlung vor „über die
Dichte im Verhältnisse zur Krystallform und chemischen Beschaf-
fenheit".
30»
428
Herr Friedrich Kammer er spricht über Licht-Intensitäts-
Curven auf krummen Flächen.
Herr Prof. Dr. F. C.Schneider überreicht die Analysen
einiger Mineralquellen Österreichs.
An Druckschriften wurden vorgelegt :
Akademie der Wissenschaften, königl. bayer., zu München,
Sitzungsberichte. 1861. II. Heft 2. München, 1861; 8»-
Annalen der Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Friedr.
Wo hier, J. Li eh ig und Herrn. Kopp. N. R. Band XLV,
Heft 2. Leipzig und Heidelberg, 1862; So-
Astronomische Nachrichten, Nr. 1353 — 1354. Altona,
1862; 4°-
Anst ria, XIV. Jahrgang, XII. & XIII. Heft. Wien, 1862; 8<>-
Barrande, Joachim, Defense des colonies II. Jncompatibilite entre
le systeme des plis et la realite des faits materiels. Prague
& Paris, 1862; 8«-
Bern, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus dem
Jahre 1861. Bern, Bellinzona, Chur, Thun; 4<>- & 8°-
Bibliotheque Universelle de Geneve. Archives des sciences
physiques et naturelles. Nouvelle Periode. Tome XIII, No. 49.
Geneve, Lausanne & Neuchatel, 1862; 80-
Bonn, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften für das
Jahr 1861. Bonn; 4«- & 8<>-
Clausius, R., Über die Anwendung des Satzes von der Äquiva-
lenz der Verwandlungen auf die innere Arbeit. (Vorgetragen
in der Züricher Naturf.-Gesellschaft am 27. Jänner 1862.) 8°-
Comptes rendus des seances de TAcadeinie des sciences.
Tome LIV, No. 8 & 9. Paris, 1862; 4"-
Cosmos, XIe Armee, 20e Volume, 12e & 13e Livraison. Paris,
1862; 8«-
Cotta, Bernhard von, und Edm. v. Fellenberg, die Erzlager-
stätten Ungarns und Siebenbürgens. Mit 22 in den Text ein-
gedruckten Holzschnitten. (Separat-Abdruck aus „Gangstudien".
IV. Band.) Freiberg, 1862; So-
Gesellschaft, Deutsche geologische, Zeitschrift. XIII. Band.
2. & 3. Heft. Berlin, 1861; 8<>-
4 20
Gesellschaft, der Wissenschaften, Königl. zu Göttingen, Göttin-
gische gelehrte Anzeigen. I. -- III. Band auf das Jahr 1861.
Göttingen; 8° — Nachrichten von der Georg - Augusts-
Universität. Vom Jahre 1861. No. 1 — 22. Nebst Register.
Göttingen; 8°-
— natu r historische, zu Nürnberg, Abhandlungen. II. Band. Nürn-
berg, 1861 ; 8°-
Grunert, Johann August, Archiv der Mathematik und Physik.
XXXVII. Theil, 4. Heft. Greifswald, 1861; S«
Hippokrates, Zeitschrift für die medicinischen Wissenschaften in
Athen. Redigirt von Dr. Kalliburces. I. Band, 2. Heft. Athen,
1862; 4«-
Kummer, E. E., Zwei neue Beweise der allgemeinen Reciprocitäts-
Gesetze unter den Besten und Nichtigsten der Potenzen, deren
Grad eine Primzahl ist. (Aus den Abhandlungen der k. Akad.
d. Wiss. zu Berlin, 1861.) Berlin, 1862;4<>-
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung, XII. Jahrg. Nr. 9 & 10.
Wien, 1862: kl. 4«-
Lotos. Zeitschrift für Naturwissenschaften, XII. Jahrgang, Februar
& März 1862. Prag; So-
Museum Francisco-Carolinum in Linz, 21. Bericht. Linz, 1861 ; 8°-
Review, The Natural History — : A Quarterly Journal of Biologicae
Science. Nr. 5. January, 1862. London; 8°-
Societe de sciences naturelles de Neuchatel, Memoires. Tome
I — IV. Neuchatel, 1835, 1839, 1845 & 1859; 4«- — Bulletin.
Tome II — V. 1847 ä 1861. Neuchatel; So-
Society, The Chemical — , Quarterly Journal. Vol. XV. 3; Nr. LV.
October, 1861; Vol. XVI, 4, No. LVI. January, 1862.
London; 8°-
— The Royal Geographical — , of London, Proceedings. Vol. VI,
Nr. 1. London, 1862; 8o
Verein, nafurhistorischer, der preuss. Rheinlande und West-
phalens, Verhandlungen. XVIII. Jahrgang, 1. & 2. Hälfte. Bonn,
1861; 8o-
— Siebenbürgischer, Museum — , zu Klausenburg, Jahrbücher,
I. Band. Kolozsvärtt, 1861; 4»-
Wiener medicinische Wochenschrift, XII. Jahrgang. Nr. 12 &13.
Wien. 1862: 4"-
430
Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts- Gesellschaft,
XI. Jahrg. Nr. 11. Gratz, 1862; 4<>-
Zeitschrift des österr. Ingenieur-Vereines, XIV. Jahrgang, I. & II.
Heft. Wien, 1862; 4<>-
— für Chemie und Pharmacie, IV. Jahrgang, Heft 22 — 24. Von
E. Erlenmayer u. G. Lewinstein. Erlangen, 1861; 8°;
V. Jahrgang, 3. & 5. Heft. Von E. Erlenmayer. Heidelberg,
1862; 8o-
Zirkel. Versuch einer Monographie des Bournonit. 4-»>
Versuch einer Monographie des Bournonil.
Von Dr. Ferdinand Zirkel ;his Bonn.
(Mit 7 Tafeln.)
(Vorgelegt in der Sitzung am 13. März 1862.)
Eines derjenigen Mineralien, welche wegen des Reichthums
ihrer Gestalten das Interesse des Forschers im hohen Grade in
Anspruch zu nehmen vermögen, über deren krystallographische
Verhältnisse aber weder eine vergleichende Übersicht der bisher
gewonnenen Resultate, noch neue Untersuchungen angestellt worden
sind, ist der Rournonit. Wenn es daher einerseits nahe lag, die
bisher über die Rournonitkrystalle gemachten und in mehrere Werke
zerstreuten Reobachtungen zu sammeln, und durch eigene Untersu-
chungen unsere Kenntniss dieses Minerals zu erweitern, so schien es
andererseits nicht unangemessen, mit der Darstellung jener Ergeb-
nisse zugleich eine Reschreibung alles dessen zu verbinden, was die
Charakteristik eines Minerals vervollständigt, seiner chemischen Zu-
sammensetzung, seiner physikalischen Verhältnisse, seines Vorkom-
mens u. s. w.
Durch die dankenswerthe Güte des Directors des k. k. Hof-
Mineraliencabinets, Herrn Dr. Moriz Hörnes ward mir die
Erlaubniss zu Theil, das überreiche Material dieser Sammlung
benützen zu dürfen. Insbesondere gedenke ich auch hier des Herrn
Dr. Albrecht Seh rauf, Assistenten am k. k. Hof-Mineralieu-
Cabinet, welcher auf die zuvorkommendste Weise mich unterstützte
und zu grossem Danke verpflichtete.
Der Rournonit wurde zuerst auf der Grube Huel Roys, zu dem
Kirchspiel Endellion in Cornwall gehörend, aufgefunden und Graf
Rournon erstattete darüber am 22. December 1803 der königlichen
Gesellschaft zu London einen Rericht, welcher in den Philosophical
Transactions vom Jahre 1804 (pag. 30) abgedruckt ist; für das
Mineral wird dort von ihm der Name Endellionit in Vorschlag gebracht.
432 Zirkel.
Bournon ist indess nicht, wie man allgemein annimmt, der-
jenige, welcher das Mineral zuerst erwähnt. Philip Rashleigh
von Menabilly in Cornwall gibt in einem Buche „Specimens of bri-
tish minerals, selected from the cabinet of Philip Rashleigh Esq.
F. R. S. etc. Part. I, pag. 34, Plate XIX" die erste Beschreibung und
Abbildung1).
In demselben Jahre 1804 lehrte Charles Hatchett seine
Zusammensetzung kennen und gab ihm zu Ehren Bournon's den
Namen Bournonit. Jameson3) führt das Mineral schon unter der
Bezeichnung „Axifrangible antimony glance or Bournonite" auf.
Thomson beschreibt in seinem System de chimie (1809. tom. VII,
pag. 455) das neuentdeckte Mineral ebenfalls unter dem Namen
Bournonite.
Haüy8) betrachtete merkwürdiger Weise ohne Rücksicht auf
die schon von Bournon mitgetheilten Krystallfiguren den Bourno-
nit als eine blei- und kupferhaltige Varietät des Antimonglanzes
(Antimoine sulfure plombo-cuprifere) ; die Grundformen beider
Mineralien sind zwar einander ziemlich ähnlich, Habitus und Spalt-
barkeit dagegen vollständig von einander abweichend, auch erlauben
die grossen Unterschiede in chemischer Zusammensetzung und spe-
cifischem Gewicht keine Vereinigung.
Werner4) nannte das Mineral Schwarzspiessglanz, Klap-
roth5) und Hausmann6) Spiessglanzbleierz und Bleifahlerz.
Mobs7) gab dem Bournonit den Namen diprismatischer
Dystomglanz, Haidinger denselben und Diprismatic copper
glance8). Breithaupt nannte ihn in seiner Charakteristik des
Mineralsystems (1832, pag. 270) polymorpher Tripelglanz. Der alte
Name Bournonit wurde indessen von v. L. Leonhard, Naumann9)
1) Charles Hatchett in Philos. Transact. 1804. pag. 64.
2) Jameson, System antl Manual, vol. III, pag. 399.
3) Traite de erystallographie, tom. II, 408 and Traite de inineralogie. IV. 295.
4) Ho ff mann H. B. IV, 1. S. iil.
5) Beitrüge zur chemischen Kenutniss der Mineralkörper. 1795 — 1815.
6) Handbuch der Mineralogie. 1813. I. pag. 170, 173.
1) Physiologie (Vol. II). 1839. pag. 531.
*) Handbuch der best. Mineral. 1845. pag. 564 und Treatise on Mineralogy (Edinburgh,
1825). III. 5.
9) Lehrbuch der Mineralogie. 1828. pag. 593.
Versuch i r Monographie des Bournonit. 411)5
Beudant1), Levy2) und anderen Mineralogen, aufrecht erhalten
und ist in der neuern Zeit der allein gebräuchliche geworden»).
Zippe*) benennt ihn neuerdings diprismatischer Endellionit.
Glocker5) bildete dafür den Namen Bournonites dystomus.
Die Kapniker Bergleute kennen ihn unter dem Trivialnamen
Rädelerz wegen seiner, den Speichen eines Bades ähnlichen Zwü-
lingsbildung.
Der erste, welcher das neuentdeckte Mineral einer chemischen
Untersuchung unterwarf, war Charles Hatchett6); er nannte es
in dem am 26. Januar 1804 der königlichen Gesellschaft zu London
vorgelesenen Bericht „Triple sulphuret of lead, antimony and
copper", und fand darin
Schwefel 17
Antimon 24-23
Blei 42-62
Eisen 1-20
Kupfer 12-80
WFsü
Die Differenz rührt, wie aus der weiter unten angeführten
berechneten Zusammensetzung ersichtlich ist, vom Schwefel her;
die übrigen Bestandteile stimmen ungemein gut überein.
Nach Hatchett waren es Klaproth7) und Meissner8),
welche sich mit der Zusammensetzung des Bournonits beschäftigten.
Nach den in neuerer Zeit angestellten Untersuchungen von
H. Böse9), Bromeis10), Zincken11) und Bammelsberg13)
besteht der Bournonit aus Schwefel, Antimon, Kupfer und Blei und
') Tratte elem. de mineral. 1832. II. pag-. 433.
2) Descript. d'une collect.de miuer. f'orine'e |>. M. Heuland. 1838. II. 406.
3) Hausmann llan.lhuch der Mineralogie. 1847. II 170; Phillips Mineralogy hy
Brooke and Miller 1852. 201; Dana, a System of mineralogy 1854. II, 80;
Blum, Lehrbuch der Oryktognosie 1854, pag* 578: Diifrenoy, Traite de .Mine-
ralogie 1856. III. 239. Quenstedt, Handb. der Mineralogie. 1855. pag. 622.
4i l»ie Charakteristik des natui historischen Mineralsystems. Wien. 1859. pag. 213.
5l Renerum et speciernm mineraliuna Synopsis. Haiae, 1847. pag. 32,
6) Philosophical Transactions 1804 pag. 63.
7) Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mineralkörper IV. s3,
8) S c h w e i g ge r - S ei de r« Journal. XXVI. 7i».
9) Poggendorffs Annalen. XV. 573.
">) und ii) Poggendorffs Annalen. LXXVH. 251.
'-) Handbuch der Mineralchemie. 80.
434 Zirkel.
zwar verhallen sieh die Schwefelmengen für Kupfer, Blei und Anti-
mon wie 1:2:3; er enthält demzufolge 1 Atom Antimon, 2 Atome
Kupfer, 2 Atome Blei, 6 Atome Schwefel und ist eine isomorphe
Mischung von zwei Sulphosalzen, von 1 Atom Drittel Schwefelanti-
monkupfer und 2 Atomen Drittel-Schwefela ntimonblei. Seine Formel
ist nach R a m in e 1 s b e rg
€u3Sb -f 2 Pbs Sb oder | /"[ Sb
Naumann schreibt die Formel
pVsb -f 6u* Sb oder (Pb^u) Sb
Letztere, auch von Quenstedt angenommene Schreibweise
gewährt den deutlichsten Überblick.
Dana führt an
(£u -f Pb) + | Sb» oder (3€u + Sb«) + 2 (3Pb -f- Sb»)
Dufrenoy vermuthet in dem Bournonit 3 Atome Blei, 3 Atome
Kupfer, 3 Atome Antimon und 9 Atome Schwefel und schreibt die
Formel Cu + Pb -f Sb.
Der oben angeführten Formel entspricht die Zusammensetzung
Schwefel 19-72
Antimon 24-71
Blei 42-54
Kupfer 13-03
In den zuverlässig erscheinenden neueren Analysen schwankt
der Gehalt an Schwefel von 17-8 bis 20-31
„ Antimon „ 24 -34 „ 29-4
„ Blei ., 38-9 „ 42-88
„ Kupfer „ 12-3 „ 1516
Einen kleinen Eisengehalt wiesen Klaproth, Kerl und
Kuhlmann in den derben Bounioniten von der Grube Alter Segen
bei Clausthal nach. Ein constanter Unterschied in der Zusammen-
setzung an den einzelnen Fundorten lässt sich aus den Analysen
nicht ersehen. Die Zersetzungsproducte des Bournonits sind Anti-
monocher, Malachit und Kupfergrün.
Versuch einer Monographie des Bournonits. 435
Mit der schwankenden chemischen Zusammensetzung ist auch
das specifische Gewicht des Bournonits Variationen unterworfen; im
Allgemeinen beträgt es zwischen 5-70 und 5-86. Nachstehend sind
einige Bestimmungen des specifischen Gewichtes von verschiedenen
Vorkommnissen zusammengestellt.
Meiseberg bei Harzgerode1):
(5-7262 Brom eis,
tafelartig, hellbleigrau < 5-703 Zinken,
(5-779 Üammelsberg.
(5-847 Bromeis,
mit vorherrschender Pyramide, schwärzlich l 5*844 Zinken,
(5-863 Ramme lsberg.
i 5-8013 Brom eis,
5-796 Zinken,
5-726 Rammeisberg,
5-857 Breithaupt*).
Vom Halsbrückener Späth bei Frei-
berg 5-600 Breithaupt*),
Grube Kurprinz bei Freiberg 5-733— 5-752 Breithaupt*),
Wölch bei St. Gertraud in Kärnten 5-828 Kenn gott 3),
Rädelerz von Kapnik 5-820 Breithaupt2).
Cornvall 5-79 )
Alais 5-829 ( ,
Mexico 5-845 ^ufrenoy*)-
Servoz 5-710
Baranco Jaroso in Spanien
aus dem frischen Eisenspath 5 • 839)
„ „ zu Brauneisenstein umgewandel- /Breithaupt5),
ten Eisenspath 5-83l)
4) Poggendorff's Annalen. LXXVII. 252.
2) Vollständige Charakteristik des Mineralsystems. 1832, pag. 270.
3) Mineralogische Notizen. XIV. Folge.
■») Tratte de mineralogie. 1856. III. 232.
5) Breithaupt in H a r t in a n n's Zeitschrift. VI. 67.
436 Zirkel.
An einfachen Krystallen
von Kapnik beobachtete ich 5-766
„ Cornwall „ „ 5-714
am Rädelerz von Kapnik beobachtete ich . 5-809
Die Farbe des Bournonit ist stahlgrau, dunkelbleigrau bis eisen-
schwarz, manchmal erscheint er bunt angelaufen, wo dann auf der
frischen Bruchfläche die Farbe besser hervortritt. Die Härte beträgt
2-5 — 3 und scheint übprall dieselbe zu sein.
Der Bournonit besitzt eine undeutliche Spaltbarkeit parallel der
horizontalen Endfläche a (100) , noch undeutlicher ist sie parallel
den verticalen Endflächen b (010) und c (001). Miller führt
Spuren von Spaltbarkeit an parallel der Prismenflächen o (011) und
n (101).
Vor der Behandlung der krystallographischen Verhältnisse des
Bournonits mögen in Folgendem sämmtliche bis jetzt bekannte Fund-
orte desselben zusammengestellt werden; zugleich sind über das
Vorkommen alle Angaben, welche mir zu Gebote standen, oder
welche ich an den reichlich vertretenen Stücken zu machen Gelegen-
heit hatte, hinzugefügt.
Der Bournonit bricht auf Gängen im krystallinischen Schiefer-
und Übergiingsgebirge hauptsächlich mit Bleiglanz und Zinkblende
aber auch mit Kupferkies, Antimonglanz und Fahlerz, begleitet von
Quarz , Kalkspath , Braunspath und Eisenspath.
England.
Cornvall: Grube Huel Boys im Kirchspiel Endellion, wo der
Bournonit mit Antimonglanz, Kupferkies, Quarz und Schwerspat!) in
solcher Menge bricht, dass er als Kupfererz gewonnen wird.
Nanslow. — St. Merryn bei Padstow. — Grube Budock Vean
und andere in der Umgegend von Falmouth. — Grube Herodsfoot
bei Liskeard. wo er derb und in einfachen Zwillingsgestalten mit
Bleiglanz, Fahlerz, Zinkblende, Jamesonit, Schwerspath, Flussspath
und gehacktem Quarz bricht; bisweilen hoble Bleiglanzkrystalle
iheilweise ausfüllend. Der Bournonit ist in Cornvall an die verbält-
nissmässig spärlichen, nordsüdlichen Bleigänge (cross courses)
gebunden; auf den ostwestlichen Kupfer- und Zinngängen findet sich
fast keine Spur.
Versuch einer Monographie des Bournonit. ^IJT
Devonshire: Beeralstone1). — Cumberland ■).
Irland.
Auf der Bleigrube Cahirglissawn zwischen Gort und Kennare,
Kerry (Greg und Lettsom).
Deutschland«
Meiseberg und Pfaffenberg bei Neudorf auf dem Unterharz in
oft faustgrossen Krystallen mit Antimonglanz, Quarz und Kalkspath.
Wollsberg bei Stollberg auf dem Harz mit Grauspiessglanz, Feder-
erz, Zinkenit und Plagionit. — Buchsegen bei Zellerfeld mit Blei-
glanz und Eisenspath. — Rosenhöfer Zug bei Clausthal; Gruben alter
Segen und braune Lilie mit Rothgültigerz, Blciglanz und Kalkspath.
— Gross- Voigtsberg und Bräunsdorf bei Freiberg in Sachsen,
krystallinische Partien, bisweilen in Schwerspath eingeschlossen.
— Holzappel in Nassau. — Linz am Rhein. — Silberwiese bei Ober-
lahr im Sayn-Altenkirchenschen.
Osterreich 3).
Kärnten. Wölch bei St. Gertraud unweit Wolfsberg im Lavant-
tlial4). — Mähren. Domaschow, derb mit Bleiglanz, Kupferkies und
Quarz. — Korozna (bei Pernstein, Brünner Kreis) derb mit Quarz
und Kalkspath (Kolenati, Mineral. Mährens, 1854). — Böhmen.
Prfbram. Die Krystalle sitzen gewöhnlich auf Eisenspath oder Quarz
in kleinen meist mit Quarz ausgekleideten Ürusenräumen und wurden
früher theilweise für Stephanit gehalten. Reuss5) beobachtete fol-
gende Paragenesen : 1. a derbe Blende; b körniger Bleiglanz;
•) Dieses Vorkommen, welches in mehreren Handbüchern erwähnt wird, ist in dem
für Angabe englischer Fundorte ausgezeichneten „.Manual of the mineralogy of Grea't
ßritain and Ireland by (ireg and Lettsom" nicht mehr aufgeführt.
2) In der I. Handsammlung des k. k. Hof-Mineralien-Cabinets lindet sich (bezeichnet
mit 1819, XVI. 17) von Partsch auf seiner Reise nach England daselbst gekauft,
eine Gruppe von Bournonitkrystallen auf Zinkblende aufsitzend, als deren Fundort
Cumberland angegeben wird. Näheres ist darüber nicht bekannt. Leine andere Quelle
erwähnt dieses Vorkommens.
*) V.R. v. Zepharuvich. .Mineralogisches Lexikon für das Kaiserthum Öster-
reich. 18ö'.t.
*) Ken n g ■ o t t zeigte | Wien. Akail. XIII. 472) , dass die Wolehit genannten Krystalle
meist deutlich erkennbare Bournonit seien.
5) Wien. Akad. Berichte. XXII. 15t.
438 Zirkel.
c krystallisirter Eisenspath; d körniger Bournonit; 2. a derbe Blende;
b körniger Eisenspath; c körniger Bournonit; d körniger Kalkspath;
e Federerz. 3. a derber Bleiglanz; b derber und krystallisirter Quarz;
c krystallisirter Bournonit; d krystallisirter Quarz. — Ungarn.
Neusohl. Felsöbanya1). Kapnik auf Erzgängen im Tracbyt mit Fahl-
erz, Arsenikkies, Kupferkies, Zinkblende und Braunspath; häufig
auf Quarz, der durch Mangan rosenroth gefärbt ist (roth man-
gan 2). — Siebenbürgen. Nagyag und OfFenbänya.
Frankreich*
Grube Cendras bei Alais im Departement du Gard. — Ceilhes
in den Cevennen auf einem Gang in Porphyr. — Cransac im
Departement de l'Aveyron. — Barbecotin der Auvergne. — Pontgibaud
(Puy de Dome). — Servoz bei Chamouni in Savoyen.
Italien.
Brozzo in Piemont.
Spanien.
Baranco Jaroso in der Sierra Almagrera, theils in eingewach-
senen undeutlichen Krystallen, theils in kleinen, derben und einge-
sprengten Partien (Breithaupt).
Mexico.
Guanaxuato mit Fahlerz, Kupferglanz, Malachit und Kalkspath.
Peru.
Potosi 3).
Sibirien.
(Nach Miller.)
Geht man nun zur Betrachtung der speciell kry stallogra-
phischen Verhältnisse über, so ist vor Allem zu erwähnen, dass
schon die ersten Beobachter das Krystallsystem des Bournonit als
') Von diesem sonst nirgendwo erwähnten Fundort rührt das Stück 4881. 1849. XXI.
II. der I. Handsammlung ; die Bournonite sitzen auf Quarz mit krystall. Kupferkies,
davon theilweise bedeckt.
2) Das Porphyr genannte (iestein, in welchem die Gänge in Kapnik, sowie in Felsö-
ha'uya aufsetzen, ist nach v. Richthofen Trachyt und zwar dasjenige Glied,
welches er Grünsteintiachyt nennt. Jahrbuch der geologischen lieichsanstalt, 1860.
2, p. 233 und 243.
3) Von diesem Fundort stammt Nr. 3!>35 der II. Handsammlung, bezeichnet mit 1837,
III, 32.
Versuch einer Monographie i\e* Bournonit. 439
rhombisch erkannten. Als Grundprisma werden fast allgemein die
Flüchen angenommen, welche in den Figuren mit dem Buchstaben
m bezeichnet sind und -eine Säule von 86°20' mit einander bilden.
Nur Gustav Rose betrachtet ein anderes Prisma als Grund-
gestalt. Um die Form des Bournonits mit Arragonit und Weissbleierz
in Beziehung zu bringen, gibt er den Krystallen eine andere Auf-
stellung und wählt ein Prisma aus einer andern Zone (Miller's
k = 023) von 64°44' (nach Miller 65°2') zur Grundform, welche
dadurch nahezu mit der des Arragonits (63°44) und des Weissblei-
erzes (62°47) übereinstimmt. Er geht1) davon aus, dass CuS, PbS
und AgS zu ersetzen im Stande sei; demgemäss vereinfache sich die
Formel des Bournonits in eine solche, welche in Rücksicht der Atom-
zahl mit der des dunkeln Rothgültigerzes vollständig übereinstimme.
Rose zeigt nun, dass Bournonit und Rothgültigerz, welche zwar in
der Zusammensetzung mit einander übereinstimmen, aber eine ganz
abweichende Form besitzen, bei Zugrundelegung seines neugewählten
Grundprismas ihre vollständige Parallele in den heteromorphen
Körpern Kalkspath und Arragonit finden, so zwar, dass sich Bourno-
nit zu Bothgültigerz verhält, wie Arragonit zu Kalkspath.
Da indess, wenn man das nur in den seltensten Fällen auftre-
tende Prisma Rose's als Grundprisma betrachtet, die abgeleiteten
Indices der Flächen als sehr ungefügige Zahlenwerthe sich darstellen,
so habe ich mich zwar seiner Aufstellungsweise angeschlossen, in-
dem diese fast stets mit der Art und Weise übereinstimmt, in welcher
die Krystalle aufgewachsen sind, und das Verhältniss der Axenlängen
berücksichtigt, dagegen in dieser übereinstimmenden vertiefen
Säulenzone ein anderes Prisma und zwar das offenbar am häufigsten
vorkommende als Grundprisma gewählt (o.Oll), dessen Flächen
einen Winkel von 87°26' bilden; dadurch bewegen sich die Indices
in den niedrigsten Zahlen.
In der Wahl der Grundpyramide weichen die einzelnen Mine-
ralogen von einander ab; wir begegnen zwei verschiedenen Grund-
pyramiden: i. Miller, Naumann, Dana, Hausmann nehmen
die Fläche ?/ als Grundpyramide an, welche mit den 3 Endflächen
ab c Winkel von 57°3', 54°33\ 52°40' bildet. In der folgenden
Darstellung habe ich diese Fläche als Grundpyramide gewählt.
l) Poggendo r ff\s *nn»len. 76, 291.
440 Zirkel.
2. Mohs, Haiditiger und Quenstedt nehmen eine andere
Grundpyramide an, welche nur die halbe Axenlänge von c hat
(u, 112); sie bildet mit a, b c Winkel von 67°58', 66°26' 33° 15'.
Für die Axenlängen {a : b : c) finden sich folgende Angaben :
Naumann (Lehrbuch der Mineralogie 1828, p. 593) gibt an
1 :0-938:0-892,
Dana
0-95618: 1 : 10662,
was identisch ist mit 1 : 0-9379 : 0-8968.
Miller und Brooke führen die Winkel
(110) (010) = 43°10'
(101) (001) = 41 54
an, woraus sich das Axenverhältniss ergibt
1 : 0-937969 : 0897149.
Quenstedt gibt an
a:b = V4421 :|/5025
daraus folgt
2-24053 : 2-10245 : 1.
Quenstedt ertheilt der einen Axe nur die halbe Länge; auf
unsere Grundgestalt bezogen verwandelt sich obiges Verhältniss in
1 : 0-9362 : 0-8926.
Sämmtliche Angaben zeigen eine ziemlich nahe Übereinstimmung.
Das annähernde Axenverhältniss, welches Mohs bei Zugrunde-
legung seiner Grundpyramide angibt, ist
1 : 1/1-137 : |/0 226
Dufrenoy drückt das Verhältniss der Prismenseite zur Pris-
menhöhe durch die Zahlen 105 : 47 aus, oder reducirt 1 : 0-8952
und bemerkt, dass das Verhältniss 20 : 13, welches Levy dafür
anführt, zweifelsohne ein irrthümlicher sei.
Genaue Messungen ergaben für Krystalle von Liskeard in
Cornwall
(HO) (010) = 43°15'30°
(101) (001) = 41 57
Daraus ergibt sich für diese Krystalle das Axenverhältniss
1 : 0-94098 : 0-898825
b
Versuch einer Monographie des Bouroonit. 441
Der Bournonit ist durch sein Axenverhältniss ein merkwürdiger
rhombischer Krystall, indem sich das Verhältniss der Parameter der
Gleichung
b = \ ac
nähert. Die Aufstellung der Krystalle geschah so, dass die verticale
Richtung die der grössten Krystallaxe (a), die Richtung von vorne
i« nach hinten die der mittlem (ft), die
Richtung von rechts nach links die der
kleinsten Krystallaxe (c) ist. Bei der
b Bezeichnung der Flächen erhält die End-
fläche der Axe den Buchstaben derselben ;
~c im Allgemeinen sind die Buchstaben
Miller's beibehalten. In den Flächen-
symbolen beziehen sich die Indices der
Reihe nach auf die grösste, mittlere
und kleinste Krystallaxe, so dass also
100 = a, 010 = b, 001 = c.
Bei dieser Bezeichnungsweise der Axen stimmt die Axe a über-
ein mit der Axe c bei Rose, Dana, Miller und Queustedt, die
Axe b mit a bei Quenstedt und b bei Rose, Dana und Miller,
die Axe c endlich mit b bei Quenstedt und a bei Rose Dana
und Miller.
Die Schrift Philip Rasleigh's von Menabilly in Cornwall,
welche zuerst den Bournonit erwähnt, und seine Krystallgestalt ah-
bildet, war mir, ihrer Seltenheit in Deutschland halber, nicht zu-
gänglich. Graf Bournon theilt in den Philosophical Transactions
von 1804 mehrere Abbildungen des von ihm beschriebenen Minerals
mit, aus denen erbellt, dass ihm ungefähr sechs Flächen mit Sicher-
heit bekannt waren, nämlich a (100), b (010), c (001) n (101),
sodann eine Prismenfläche aus der Zone von c nach b, wahrschein-
lich o (011) oder x (012); endlich eine Pyramidenfläche, w(112)
oder y (111).
Alle früher bekannten Flächen sind nach den einzelnen Autoren,
bei denen sie oft mit sehr abweichenden Bezeichnungen aufgeführt
werden, in folgende Tabelle zusammengestellt, welche einesthcils
zur Übersicht, anderntheils zur raschern Orientirung in den ver-
schiedenen mineralogischen Werken dienen soll.
Sitzb. d. mathem.-naturw. Ol. XLV. Bd. I. Abth. 31
442
Zirkel.
Miller
Dana
Naumann
Quenstedt
G. Rose
001 (c)
0
OP (r)
c : oo a : oo 6 (P)
010 (Ä)
il
OB P CO {Je)
a : <x b : <x> c (vT/)
•
ioo o)
ii
co P oo (»
6 oo a : oo c ( T)
.
014 (0
H
•
012 O)
1 «
a : c : co b (</)
a : % b : co c (p)
023 (h)
s »
-
a : b : co c (Y)
011 (o)
1«
P ~ (o)
a : 2c : co b (p~)
a : f 6 : oo c (o)
021 0)
2«
•
a : ± b : co c (i5)
120 0)
i2
a : 2b : co c (V)
\ b : c : <x> a (e)
230 (0
i|
•
•
HO (m)
/
oo p (rf)
a : J : oo e (rf)
-§- b : c : oo a (rf)
430 O)
( 4
•
•
210 (f)
i2
2a : b : oo c (f)
4 { c : * o (f)
ioi oo
ii
/» oo («)
b : 2c : co a (m)
i«:c:
oo b («)
1« 0)
1
a : ft : 2c 0)
112 (u)
i
2
a : b : c (o)
121 0)
22
•
122 (*•)
12
•
314 (r)
}3
•
Versuch einer Monographie des Bournonit.
443
Hausmann
Molis
Hartuiann
Dufrenoy
.4
ir
II
AB'2
Ali'\
Ali' $
D
B'A^
B'A f
B'Ai
IVB 2
B'B\
E
BB' |
BB'2
ü
AB±
AB {
.45 8
P
AE2
AEi
AE±
Pr -j- oo (/•)
P — oo (lc)
Pr -j- oo (s)
Pr(p)
Pr — 1 (o)
Pr -
•1 (e)
Pr
(d)
3
4
Pr
A- +
1 (ß
(P+ «,)»(„)
(P-i)» (y)
(P-l)a
a : eo 6 : ob e (r)
e : oo a : eo 0 (&)
« : c : oo b Q»)
2a : c : <*> 4 (o)
26 : c : oo a (e)
6 : c : oo a (cQ
b : 2c : «» a (f)
2a : b : <s> e (n)
a : {■ b : ± c fr)
a : 6 : c (P)
/^
*'(*)
:;i
444 Zirkel.
Die meisten Flächen, 23 an der Zahl, gibt Hausmann an;
darnach folgen Miller und Dana mit je 19 Flächen. Ausserdem
führt Hausmann noch 2 Flächen an, nämlich AB' 13 aus der Zone
cb (0 1 13) und BA\\ (\\ 0 12) aus der Zone ac. Diese Flächen,
deren Index eine ziemlich ungewöhnliche Form hat, dürften zweifels-
ohne an dem beim Bournonit so häufigen Zvvillingsverwachsungen
zweier oder mehrerer Individuen beobachtet worden sein, und sind
als hypothetische in Folgendem nicht weiter berücksichtigt worden.
Die von Miller und Dana angeführten Flächen hatte ich mit
alleiniger Ausnahme von £(014) sämmtlich zu beobachten Gelegen-
heit. — Bezüglich der Flächenangaben Dufrenoy's ist Folgendes
zu bemerken. Er gibt keine vollständige Aufzählung der Flächen,
welche ihm bekannt sind, sondern er theilt nur die Winkel, welche
einige derselben mit einander machen, mit. Diese Winkeltabelle ist
durch zahlreiche Druckfehler und Ungenauigkeiten entstellt; so sind,
um nur einige Beispiele anzuführen, die Neigungen von g' zu h!
(nach den Figuren 100, 010) und von g zu a' (010, 023), welche
beide 90° betragen, als 142°40' und 160°50' angegeben.
Die Fläche «4 Dufrenoy's, mit c 49°50' bildend, ist ohne
Zweifel dieselbe, welche Hausmann mit B'Ai (054) bezeichnet
(49°20' mit c); ich habe diese Fläche niemals beobachtet.
Es ist ungewiss, ob Dufrenoy's a2 (mit c 15°) mit dem
Mi Herrschen t und dem I) ana'schen I i (014) (mite l3°27')oder
dein Hausmann'schen AB' 1 (027) (mit c 14°45') übereinstimmt;
wahrscheinlich ist das letztere der Fall.
Das ez Dufrenoy's (an Krystallen von Alais 33°35', von
Pontgibaud 33°28' mit c bildend) kommt wohl zweifelsohne mit der
Fläche AB\ Hausmann's (403) (33°13' mit c) überein.
Es ist unklar, welche Fläche Dufrenoy unter e' versteht; er
gibt den Winkel, den sie mit h' (b 010) bildet, als 136°9' =4305l'
an, obschon, da die Fläche jedenfalls der Zone ac angehört, der
Winkel 90° betragen muss.
Ebenso ungewiss ist die Bedeutung von b'; b'b' wird einmal als
153°26', ein anderesmal in derselben Tabelle als 87°30' aufge-
führt; vielleicht ist es y (1 11).
Während der Wetth, den Dufrenoy für Pa angibt (32°30')
es unzweifelhaft macht, dass a die Miller'sche Fläche h (023) ist,
welche mit o32031' bildet, ist der Winkel, den Dufrenoy für h'a
Versuch einer Monographie des Bouruouit. 44. >
(010) (023) angibt (!)6°38), fehlerhaft, da er das Supplement zu
90° (57°30') sein müsste.
Die Anzahl sammtlicher schon bekannter Flächen des Bourno-
uits belauft sich demgemäss auf neunundzwanzig; mir gelang es
ausserdem eilf neue Flächen aufzufinden, nämlich:
Horizontale Prismen: 450 (k))
310 (i) > an einem Krystall von Cornwall.
610 (d))
Vertieales Prisma: . . 031 (o) an einem Krystall von der Silber-
wiese bei Oberlahr.
Pyramiden: 212 (/r) j
211 (p) ( an einem Krystall von Neudorf am
436 (oj) ( Harz.
414 (A) )
221 (a) ) ,
, ,' ( an einem Krystall von der Silber-
311 ( (i\ /
. ._ I wiese bei Oberlahr.
113 (y)J
Bei der Beschreibung der Krystalle sind die Messungen, welche
zum Zwecke der Ermittelung der Symbole angestellt wurden, mitge-
theilt. Dadurch wird die Anzahl der bekannten Flächen auf vierzig
erhöht und der Bournonit tritt in die Beihe der flächenreichsten
Krystalle.
In folgender Tabelle sind sämmtliche, nunmehr bekannte Flächen
des Bournonits zusammengestellt mit denjenigen Symbolen, welche
sie, auf die von mir gewählte Stellung der Axen bezogen, nach der
Bezeichnungsweise von Miller, Naumann, Weiss und Dana
erhalten; in der ersten Columne sind die Buchstaben angegeben,
welche zur Abkürzung bei den Zeichnungen angewandt wurden.
Diejenigen Flächen (Hausmann's), welche ich nicht selbst beob-
achtet habe, sind mit einem Sternchen bezeichnet.
446
Zirkel.
Miller
a 100
* 010
c 001
t 014
ty 027
x 012
h 023
k 034
o 011
a 054
t 075
z 021
5 031
e 120
/ 230
k 450
m HO
«?430
a 320
f 210
i 310
d 610
ß 801
7 302
v 403
n 101
2/ Hl
u 112
7 113
v 121
« 122
s 212
p 211
0 221
p 223
^ 311
r 314
X334
1 414
«436
Naumann
OP
CO P CO
CO P CO
<X> P4
~fl
<x> P2
c*P|
e*P|
~ P
eo Pf
ee P2
ee P3
2 P CO
f P~
P CO
jPco
fpee
iP«o
A p CO
ipee
fpe*
fpeo
P ee
P
2P2
3P3
2P2
2P
P2
P2
4P4
P|
P4
£P2
Weiss
a : co b : co c
co a : b : <x> c
co a : eo 6 : c
co a •■ 46 : c
co a : 7b :2c
co a : 2b : c
co a : 36 : 2c
co a : 46 : 3c
oo a : b : c
co a 46 : 5c
co a : 5b : 7c
co a : b :2c
co a : b : 3c
2a : b : co c
3a : 25 : oo c
5a : 46 : oo c
a : b eo c
3a : 45 : eo c
2a :3b : co c
a : 2b : oo c
: oo c
: oo c
oo 6 : 8c
<x> b : 3c
; oo b : 4c
co 6 : c
a : b : c
2a:2b: c
3a : 36 : c
2a : 6 : 2c
2a : 6 : c
a : 26 : c
a : 26 : 2c
a : 6 : 2c
3a : 36 : 2c
a : 36 : 3c
4a : 126 : 3c
4« : 46 : 3c
a : 46 : c
3a : 46 : 2c
Dana
a :
a :
a :
2a
3a
a
36
66
«4
i2
i2
?3
2*
2 *
» '
II
4 '
1*
4-*
1
22
33
22
2
12
i
12
1|
x
1?
14
3 9
Versuch einer Mouograpliie des Bournouil. 447
In Taf. VII ist eine Übersicht über alle bis jetzt bekannten
Flächen nach ihren Polpunklcn mit ihrem Zonenverbande in der
Neuman n'schen Kugclprojectionsmethode gegeben; die Flächen
sind mit den ihnen entsprechenden Indices versehen.
Es ergibt sich von selbst, dass unter diesen Flächen mit Rück-
sicht auf die Häufigkeit ihres Auftretens ein grosser Unterschied
obwaltet; während einige höchst selten beobachtet werden, fehlen
andere wieder an fast keinem Krystall; als diejenigen Flächen,
welche durchweg am häufigsten die Krystallformen begrenzen, sind
zu bezeichnen: — a (100), b (010), c (001), m (HO), n (101),
o (011), x (012), y (112), u (112).
Es sind also diejenigen Flächen, welche die einfachsten Indices
besitzen.
Die Endflächen der Axen fehlen fast nie; aus der Zone von a
nach b ist m (110) entschieden am häufigsten; wenn noch eine
Fläche neben m auftritt, so ist es meist f (210); diese Zone zeigt
aber unter allen den grössten Flächenreichthum; die später zu
erwähnenden Krystalle von der Silberwiese bei Oberlahr und von der
Grube Herodsfoot bei Liskeard in Cornwall besitzen häufig 5 , bis-
weilen sogar 7 • — 8 Flächen in dieser Zone auf das schönste ausge-
bildet. In der Zone von b nach c sind es meist o (011) und x (012),
welche auftreten, vorwiegend ersteres; mehr als zwei Säiiienflächeu
wurden niemals beobachtet. In der Zone von c nach a erscheint fast
stets nur n (101) allein. Unter den Pyramiden zeigen sich haupt-
sächlich y (111) und u (112) vorzüglich ersteres entwickelt. Im
allgemeinen scheint mit wenigen Ausnahmen festzustehen, dass sich
der grössere Flächenreichthum an den kleineren, oft nur stecknadel-
kopfgrossen Krystallen findet. Krystalle mit mehr als zehn Flächen
gehören schon zu den Seltenheiten; die grösste Anzahl von Flächen,
welche an einem Krystall beobachtet wurden, beläuft sich auf fünf-
zehn; er stammt von Neudorf am Harz.
Die Beobachtungen über die Beschaffenheit der Flächen, oh sie
glänzend, matt, glatt oder gestreift seien, führten auf keine Ergeb-
nisse, denen eine allgemeine Giltigkeit oder Constanz zukommt.
Auffallende Erscheinungen dieser Art sind bei der später folgenden
genauen Beschreibung der einzelnen Stücke angegeben.
Über die Winkelwerthe des Bournonits finden sich bei den ein-
zelnen Autoren zum Theil zahlreiche abweichende Angaben. Diese
448 Zirkel.
Differenzen mögen sowohl in der rauhen oder matten Beschaffenheit
mancher Flächen, welche eine genaue Messung nicht gestatten, als
auch in einer wirklichen Verschiedenheit der Winkel an den ein-
zelnen Fundorten ihren Grund haben. Dass wirklich unter Krystallen
von verschiedenen Fundorten Abweichungen in den Winkeln existiren,
ist eine bei anderen Mineralien mit solcher Sicherheit festgestellte
Thatsache , dass es keineswegs auffallend sein kann, wenn auch bei
dem Bournonit genaue Messungen solche Differenzen ergeben, um so
weniger als die chemische Zusammensetzung ebenfalls an den ein-
zelnen Fundorten nicht unbeträchtlichen Schwankungen unterliegt.
Dufrenoy hat zahlreiche Messungen der Winkel von sechs Fund-
orten ausgeführt und es hat sich herausgestellt, dass sehr wenige
davon überall einen constanten Wertb besitzen. Analoge Abweichun-
gen lassen meine Winkelmessungen erkennen. Interessant würde in
dieser Hinsicht ein Vergleich zwischen der chemischen Zusammen-
setzung und den Besultaten der Winkelmessungen gewesen sein,
allein die von mir gemessenen Kry stalle waren einestheils zu klein,
um zu einer Analyse hinreichendes Material darzubieten, anderntheils
zu schön, um sie derselben zum Opfer zu bringen.
Folgende Messungen sind mit einem, im Besitze des k. k. phy-
sikalischen Instituts befindlichen, ausgezeichneten Oertling'schen
Goniometer ausgeführt, welches mit zwei Fernröhren versehen war.
Die Angaben sind die Mittel aus zahlreichen Repetitionen und Wie-
derholungen. Zu den zu messenden Krystallen wurden nur solche
verwandt, welche vollkommen glatte und spiegelnde Flächen besassen.
Krystall von Kapnik in Siebenbürgen :
(001) (101) = 41°52'
(001) (112) = 39 11
berechnet daraus für (001) (111) = 52°36\
Krystall von Liskeard in Cornwall:
(001) (101) == 41°57'
(100) (HO) = 46 44-30
Ein anderer Krystall ebendaher:
(001) (101) = 42°!'
Versuch einer Monographie des Bournonit. 440
Krystall vori der Silberwiese bei Oberlahr :
(001) (111) = 52°37'
(010) (011) = 46 22
(100) (HO) = 46 48
Ein anderer Krystall ebendaher:
(001) (111) = 52°40\
Die gemessenen Kryslalle stammen aus der Krystall Sammlung
des k. k. Hof-Mineraliencabinefs. Nachstehend sind diejenigen Ab-
weichungen mitgetheilt, welche sich bei den einzelnen Autoren in
der Angabe der Werthe der Hauptwinkel aus jeder Zone (inden. Die
Winkelangaben Miller's, Naumanns und Dana's stimmen voll-
kommen iiberein; ebenso sind die von Mohs, Haidinger, Hart-
mann, Quenstedt und Gust. Rose identisch.
ww,(110)(100) bei Miller 46°50', bei Brei thaup t 46°26\
fand Dufrenoy an Krystall en von Cornwall zu 47°, an solchen
von Kapnik zu 47°10'.
mb, (HO) (010) hei Miller 43°10' fand Dufrenoy an Kry-
stallen von Cornwall zu 43°12'; diese Messung ergänzt sich nicht mit
derjenigen von ma der vorhergehenden cornischen Kiystalle zu 90°.
oc, (011) (001) bei Miller 43°43' gibt Quenstedt (mit
Mohs, Haidinger, Rose) zu 43°34' an. Hausmann führt dafür
42°57' an. Dufrenoy beobachtele für diesen Winkel an cornischen
Krystallen 43°30'.
hc, (023) (001) bei Miller 32°31' fand Dufrenoy an Kry-
stallen von Alais zu 33°30', von der Silberwiese bei Oberlahr zu
33°28', von Pontgebaud zu 33°19'; bei diesen Krystallen muss also
auch oc einen von dem der vorhergehenden Krystalle abweichenden
Werth besitzen.
nc, (101) (001) bei Miller 41°54' hat bei Hausmann den
Werth 41 °7', bei Quenstedt (ebenso bei Rose, Mohs und
Hartmann) 41°4i>'.
na, (101) (100) bei Miller 48°6', bei Breithaupt 48°15',
fand Dufrenoy an Krystallen von Cornwall zu 46°10' eine bedeu-
tende Abweichung; es ist vielleicht ein Druckfehler.
ya, (111) (100) bei Miller 57°3' gibt Mohs zu 57°37" an.
i/6, (111) (010) bei Miller 54°33' hat bei Mohs den Werth
54°38'.
450
k e I.
yc, (111) (001) bei Miller 52°40' führen Rose und Q u eil-
st edt zu 52°3l'an; ersterer macht darauf aufmerksam, dass dieser
Winkel bei Mohs den irrthümlichen Werth von o7°3l' besitzt,
welcher mit den übrigen Winkel.nigaben von Mohs nicht überein-
stimmt.
ua, (112) (100) bei Miller 67°58', ist nach Hausmann
68°24'.
üb, (112) (010) bei Miller 66°26' gibt Hausmann zu
6ܰ54\ Mohs zu 66°31' an. Dufrenoy fand diesen Winkel an
cornischen Krystallen zu 66°.
iic, (112) (001) bei Miller 33°15' hat nach Hausmann
den Werth von 32°33', nach Mohs den von 33°6'. Dufrenoy
beobachtete diesen Winkel an Krystallen von Cornwall zu 33° 12,
an Krystallen von Servoz in Piemont zu 32 58 .
In Folgendem theile ich eine Zusammenstellung von Winkeln
(der Flächennormalen) mit, welche aus den Zonenverhältnissen
berechnet wird. An der Hand dieser Tabelle kann man sich mit
einigen gemessenen Winkeln an den Krystallen leicht zurecht finden.
Als Grundlage der Berechnung sind, um die Differenzen in den ver-
schiedenen Winkelbestimmungen einigermassen auszugleichen, die
Angaben Miller's gewählt, weil diese nahezu das Mittel der ein-
zelnen abweichenden Messungen darstellen. Es folgen zuerst in einer
schematisclien Übersicht die Winkel, welche sämtntliche von mir
beobachtete Flächen mit den Endflächen der Axen, den drei Haupt-
Prismen und der Hauptpyramide bilden; daran schliesst sich die
Angabe anderer Winkel, welche zur weitern Orientirung an den
Krystallen dient.
/ (014)
a (100)
6(010)
,•(001)
«(011)
/«(HO)
//(101)
.'/(Hl)
90°
76°33
13°27
30° 16
79° 14
43°37
43°33
x (012)
90
64 27
25 33
18 10
71 40
47 49
37 7
h (023)
90
57 29
32 31
11 12
63 38
50 7
34 35
0 (011)
90
46 17
43 43
87 26
59 44
43 6
32 57
t (021)
90
27 36
62 24
18 31
49 44
69 50
37 17
ö (031)
90
19 13
70 47
27 4
46 28
75 49
41 39
e (120)
64 52
25 8
90
51 16
18 2
73 31
40 53
l (230)
57 59
32 1
90
53 41
11 9
69 16
38 44
/. (450)
53 7
36 53
90
56 27
(i 17
66 22
37 49
Versuch einer Monographie dea Bournonit.
451
III
(HO)
a (100)
b (010)
e(001)
0 (011)
m (HO)
//(101)
y(Hi)
46°50
43°10
90°
59°44
86°20
62°49
37°20
w
(430)
38 39
51 21
90
64 26
8 11
58 34
38 6
f
(210)
28 4
61 56
90
71 2
18 46
53 54
41 11
i
(310)
19 34
70 26
90
76 37
27 16
51 0
45 2
d
(610)
10 5
79 55
90
83 4
36 45
48 53
49 25
ii
(101)
48 6
90
41 54
57 28
62 49
83 47
35 27
y
(111)
57 3
54 33
52 40
32 57
37 20
35 27
—
ii
(112)
67 58
66 26
33 15
28 16
56 45
29 12
19 25
?
(113)
74 6
73 1
23 36
29 45
66 24
30 7
29 4
?*
(121)
67 26
35 5
64 40
28 53
30 45
54 55
19 28
8
(122)
72 3
48 54
46 34
17 57
45 20
44 16
25
1t
(212)
51 1
70 24
45 29
42 23
47 41
19 36
15 51
P
(211)
37 39
63 3
63 42
52 11
31 55
30 58
19 24
.'/
(221)
50 16
46 3
69 8
43 11
20 52
47 5
16 28
P
(223)
63 11
60 19
41 10
28 54
48 50
30 39
11 30
1
(311)
27 13
71 34
70 42
62 47
32 58
32 53
29 50
r
(314)
56 49
78 47
35 31
43 43
58 6
13 45
24 6
/.
(414)
48 55
79 43
42 53
49 23
54 44
10 17
25 18
O)
(436)
61 39
67 41
37 26
33 15
51 49
62 49
19 1
(001)
(027) =
15 17
(012) (210) =
= 78 42
(001)
(034) =
35 39
(012) (101) =
= 47 49
(001)
(054) =
49 5
(012) (112) =
22 2
(001)
(075) =
53 14
(012) (121) =
: 41 13
(010)
(027) =
74 43
(012) (122) =
26 20
(010)
(034) =
54 21
(012) (314) =
35 5
(010)
(054) =
40 55
(012) (312) =
38 59
(010)
(075) =
36 46
(012) (436) =
28 21
(001)
(801) =
82 4
(120) (014) =
77 51
(001)
(302) =
53 23
(120) (023) =
56 32
(001)
(403) =
50 5
(120) (021) =
36 39
(010)
(801) =
7 56
(120) (230) =
6 53
(010)
(302) ==
36 37
(120) (430) =
25 13
(010)
(403) =
39 55
(120) (210) =
36 48
(100)
(320) =
35 24
(120) (112) =
58 35
(010)
(320) =
54 36
(120) (021) =
25 20
(012)
(014) =
12°6
(120) (022) =
43 26
(012)
(023) =
6 58
(430) (012) =
74 22
(012)
(021) =
36 41
(430) (023) =
67 39
(012)
(120) =
67 1
(430) (021) =
55 24
(012)
(230) =
76 47
(430) (230) =
19 20
(012)
(430) =
74 22
(430) (121) =
35 9
452 Zirkel.
(210) (014) == 83 43 (112) (436) = 6 19
(210) (023) = 73 21 (121) (014) == 52 40
(210) (230) = 29 SS (121) (023) = 36 41
(210) (121) = 43 38 (121) (021) = 22 34
(210) (122) = S4 23 (121) (230) = 26 11
(112) (014) = 24 S9 (121) (122) = 18 6
(112) (023) = 83°33 (121) (221) = 17 10
(112) (021) = 41 59 (122) (014) = 34 35
(112) (230) = S7 27 (122) (023) = 21 4
(112) (314) = 15 27 (122) (230) = 43 53
(112) (221) = 35 32 (314) (014) = 33 11
(112) (223) = 7 55 (314) (023) = 37 43
Mit Berücksichtigung der Ausbildung und Form der Krystalle
lassen sich die vorkommenden Gestalten leicht in drei, ziemlich in
ihrem Aussehen von einander abweichende Gruppen bringen, zwi-
schen denen Milteltypen verhältnissmässig selten sind. Die Verschie-
denheit der Form mit der Verschiedenheit des Fundortes dabei in
irgend eine Beziehung zu bringen, gelingt nicht, indem jeder der-
selben eine grosse Mannigfaltigkeit von Formen der abwechselnden
Gestaltung zeigt. Kaum dass man für einen Fundort denjenigen
Habitus anzugeben vermag, der vorwaltend dort vertreten ist.
Die drei Ausbildungsformen sind :
I. Habitus. Krystalle, deren Umriss einem rectangulären Prisma
gleicht; die Flächen 100, 010, 001 sind ziemlich im Gleichgewicht
und treten scharf hervor. Unter den Bournoniten aus Cornwall und
von der Silberwiese bei Oberlahr ist diese Form eine der gewöhn-
lichsten.
II. Habitus. Der allgemeine Umriss der Krystalle ist der einer
breiten quadratischen Säule mit oktaedrischer Zuspitzung; die End-
fläche a erscheint als kleines Quadrat oder Rechteck, nur selten ver-
schwindet sie ganz; die Flächen m (110) und n (101) sind schein-
bar im Gleichgewicht und sehr ausgedehnt; dessgleichen b (010)
und c (001).
III. Habitus. Krystalle, welche durch Verkürzung der Axe c und
Ausdehnung der Fläche c (001) die Gestalt einer platten aufrecht-
stehenden Tafel besitzen, an der aber stets die Endfläche «(100)
auftritt; die übrigen Flächen, von denen b (010) fast nie fehlt, sind
sehr schmal.
Diesen verschiedenen Ausbildungsweisen der einzelnen Kry-
stalle reihen sich die Zwillingsgestalten, welche besonderes Interesse
Versuch einer Monographie des Bournonit. 4«)»>
erregen und diejenigen Formen an, welche durch regelmässige oder
unregehnässige Verwachsung zahlreicher Individuen hervorgebracht
sind.
Bei vielen der meistens sehr kleinen sehr häufig nur steck-
nadelkopfgross ausgebildeten Krystallen ist es nicht so leicht,
sich augenblicklich über die Aufstellung und Flächenbezeichnuug
klar zu werden; die verschiedenen verticalen und horizontalen Pris-
men sind meistens, die Endflächen häufig sehr im Gleichgewicht,
dazu liefert die Beschaffenheit der Flächen weder durch charakteri-
stische Gestreiftheit, Rauheit noch durch Glätte irgend welche An-
haltspunkte, so dass in den meisten Fällen erst die Messung zahl-
reicher Winkel den gewünschten Aufschluss gibt. Auch diese selbst
muss mit ziemlicher Genauigkeit vor sich gehen, da, wie ein Blick
auf die vorhergehende Tabelle lehrt, manche Winkel der gerade am
häufigsten auftretenden Flächen naheliegende Werthe besitzen, z. B.
(100) (101), (010) (110), (001) (101).
Die vorzüglichsten der von Andern und mir beobachteten Kry-
stall gestalten sind in den angehängten Tafeln dargestellt. Die Zeich-
nungen wurden im k. k. Hof-Mineraliencabinet durch den Litho-
graphen der k. k. Hof- und Staatsdruckerei Herrn Andreas
Obsieger mit ungemeiner Kunstfertigkeit und Sorgfalt nach meinen
Skizzen construirt und lithographirt.
In der nachfolgenden Aufzählung der einzelnen interessanteren
Formen, in welchen der Bournonit erscheint, ist, um eine spätere
Vergleichung oder Controle ausführen zu können, bei den dem Hof-
Mineraliencabinet angehörenden Krystallen Sammlung und Nummer
angegeben, in und unter welcher sie sich dort vorfinden. Hauptsäch-
lich sind die Krystalle von Siebenbürgen, Cornwall, dem Harz und
Oberlahr in sehr zahlreichen und schön ausgebildeten Exemplaren
dort vertreten.
Habitus I.
Fig. I. a (100), b (010), c (001),// (101).
„ 2. a (100), b (010). c (001), n( 101), m (110).
.. 3. «(100), 6 (010), c (001), o (011), m (HO).» (101).
... 4. a (100). b (010). c (001), /'(2J0), m | 110). n (101).
„ '6. a(100), 6(010), c(001),m(110), o (011)
454 Zirkel.
Fig. 6. «(100), 6(010), c (001), /»(HO), l (230), o (011),
a; (012), y (111).
Fig. 1 bildet schon Graf Bournon von cornischen Krystallen
ab. Levy führt sie in seinem Atlas unter Fig. 3 auf.
Fig. 2 findet sich in zahlreichen, 1" grossen zierlichen Kry-
stallen mit gelbrothen Zinkblendekrystallen und stellenweise auf-
sitzenden Schwerspathtafeln auf dem Handstück f| der Hauptsamm-
lung von Kapnik.
Fig. 3 ebenfalls eine Combination von Kapnik istDufrenoy
(Fig. 275) entnommen.
Fig. 4 dessgleichen von Kapnik auf Quarz mit Zinkblende, in
der I. Handsammlung (mit 1828 XL 154 bezeichnet), a (100) sehr
stark glänzend, parallel der Combinationskante mit m (110) fein
gestreift, c (001) etwas drusig. Ganz ähnliche Krystalle finden sich
auf Nr. 3535 a der II. Handsammlung (1851, I. 47).
Fig. 5 und Fig. 6 bildet Dufrenoy (Fig. 281 und 283 ab);
der Fundort ist nicht angegeben.
Fig. 7. «(100), 6(010), £ (001). ?w (110)/' (210), o (011).
„ 8. a (100), 6(010), c (001), m (HO), o (011), n (101).
„ 9. «(100), 6(010), c (001), mi (HO), n (101), #(111).
„ 10. «(100), 6(010), c (001), w (HO), w(101), 2/(Hl),
u (112).
Fig. 7 ein grosser Krystall von Neudorf am Harz, auf dem Hand-
stück || der Hauptsammlung mit Eisenspath auf Quarz sitzend, theil-
weise mit Kupferkies überzogen; durch die Ausdehnung von c (001)
nach der Axe « und die Verkürzung von 6 (010) nach der Axe c
nähert sich diese Form einigermassen dem Habitus III.
Fig. 8 ebenfalls vom Harz herstammend, eine ähnliche Form
theilt Quenstedt von Bräunsdorf bei Freiberg mit.
Fig. 9 ein !" grosser Krystall von Cornwall aus der Krystall-
sammlung; « (100) wie immer glänzend, 6 (010) wenig horizontal
gestreift, c (001) etwas rauh, m (110) ziemlich spiegelnd. Eine
ganz ähnliche Gestalt haben kleine stark glänzende Krystalle von
Nagyag in Siebenbürgen, auf Rothmangan aufsitzend (aus der
I. Handsammlung, bezeichnet mit 1860, XV. 17); dieses interessante
Versuch einer Monographie des Bournonit. 4!).)
Handstück ist mit einer Unzahl von kleinen zierlichen Krystallen
übersäet, welche theils zwei, in ihrem Habitus gänzlich verschiedenen
Ausbildungsformen angehören, theils nach zwei verschiedenen
Gesetzen verwachsene Zwillinge darstellen.
Fig. 10 Krystall von Nagyag aus der Krystallsammlung. Fläche
b (010) horizontal gestreift, a (100) und m (110) glänzend.
Fig. 11. a (100) 6(010), c(001). o (011), n (101), u (112).
„ 12. « (100). 6(010), c(00i),w(110),« (101), o (011),
y (111), u (112).
„ 13. «(100). 6(010), c(00i),m (HO), l (230), o (011),
n (101). i/(lll), u (112).
„ 14. a (100). 6(010), c (001), m (HO), /(230), e (120),
n (101), o (011), y (111), u (112).
„ 15. «(100), 6(010), c (001), w (110), / (230), e (120),
w(101),.t(012), o (011), y(lll), m(112).
Fig. 11, ein Krystall von Kapnik ist Levy (Fig. 7) entnommen,
Fig. 12 findet sich ebenfalls bei Levy (Fig. 9); der Krystall stammt
von Servoz in Piemont. Fig. 13, 14 und 15 sind Krystalle von En-
dellion in Cornvall; sie sind Levy's Atlas (Fig. 10, 11, 12) entlehnt.
Eine der Fig. 15 ganz ähnliche Form gibt Dana.
Fig. 16. «(100), 6(010), c (001), «-(610), i (310),/" (210),
w(430), m(110), A-(450), l (230), e(120), n (101),
o(011).
Ein ausgezeichneter Krystall wahrscheinlich von der Grube
Herodsfoot bei Liskeard, aus der Krystallsammlung, unten und auf
der Rückseite verbrochen; die Zone «6 ist mit grossem Flächen-
reichthum entwickelt; acht horizontale Prismenflächen alle deutlich
ausgebildet und auf das Vollkommenste spiegelnd, treten darin auf,
darunter wurden drei, nämlich k (450), «(310), «'(ölO) an diesem
Exemplar zuerst aufgefunden. Ihre Indices ergeben sich einfach aus
den nachstehenden Winkelmessungen. Von den Prismen sind
m (HO), /"(210) und l (230) vorwiegend entwickelt.
Die Messungsdaten der ganzen Zone 6« sind :
456 Zirke
Gemessen
Berechnet
(010) (120), e
^25°^
liiSP
(010) (230), /
31
32 1
(010) (450), k
37
36 53
(010) (HO), m
43
43 10
(010) (430), w
51
51 21
(010) (210), f
61
61 56
(010) (310), i
70
70 26
(010) (610), d
80
79 55
(010) (100), a
89 y*
90
Fig. 17. a (100), 6(010), c(001), /w(l 10), f(2l0),x (012),
n (101), 2/(11 1 ), u (1 12), «(122), p (223), «? (436),
^ (212), X (414), p (211).
Einer der schönsten Krystalle in der Hauptsammlung unter ff
aufbewahrt; er stammt von Neudorf am Harz, ist bleigrau, unten und
an einer Seitp wenig verbrochen; er ist nach der Axe a 1t" hoch,
nach b 1 f " lang, nach c \\" dick; auf der einen Seite ist er hier
und da mit Eisenspathrhomboedern besetzt. Sämmtliche Flächen sind
gross und deutlich entwickelt; Fläche a (100) ist glänzend. Sehr
gross ist der Reichthum dieses Krystalls an Pyramiden; ausser den
gewöhnlichen y (111) und u (112) treten die seltenen p und s und
sodann die vier Flächen n, A, p und w auf, welche an diesem Kry-
stall zuerst und einzig beobachtet wurden. Die Indices der neuen
Flächen folgen sowohl aus dem Zonenverband als aus den Messungen.
Wegen der Grösse des Krystalls konnten die Flächen nur mit dem
Anlegegoniometer gemessen werden, was bei ihrer grossen Ausdeh-
nung leicht von Statten ging.
pa gemessen 38° berechnet 37 39
py „ 18 „ 19-24
p bestimmt durch die Zone ays. Index 21 1 :
ht gemessen 48 l/s° berechnet 48 '55
Xc ..42 „ 42-53
l bestimmt durch die Zone bynn. Index 414:
na gemessen 52° berechnet 51 1
ny „ 16 V. r, lä-51
nc „ 46*/» * 45-29
Versuch einer Monographie des Bournonit 457
7r bestimmt durch die Zonen byXn und aomx. Index 212.
wrt gemessen 61° berechnet 61°39
mi „ 7'/2 > 6 19
o) bestimmt durch die Zone una. Index 43(3.
Messungsdaten für die seltene Fläche p sind
py gemessen 11 y,0 berechnet 11°30
pc „ 41 i/2 „ 41 10
Habitus II.
Fig. 18. 6(010),r(001),.r(012),w(110), // (101).
„ 19. «(100), 6(010), c (001), m (110), n (101), « (112).
„ 20. a(I00), Ä(010), c(00l).»w(H0),w(10l).o(0ll),
y(lll),«(112).
Fig. 18 durch das Fehlen der Endfläche «(100) merkwürdig,
theilt Presl (Fig. 1649) mit; von Kapnik.
Fig. 19 Krystall von Nagyag in Siebenbürgen (in der I. Hand-
sammlung. 1860. XVI. 17), "§-'" gross, auf Rothmangan aufsitzend;
« als stark spiegelndes Quadrat. *
Fig. 20 von demselben Fundort (aus der Krystallsammlung).
Dieser quadratoktaeder ähnliche Habitus ist namentlich bei den
kleineren Krystallen von Nagyag, Kapnik und Neudorf am Harz sehr
verbreitet; letztere sitzen meistens auf Quarz und werden stellen-
weise von Kalkspath oder dem stets noch Jüngern Braunspath bedeckt.
In der II. Handsammlung befindet sich, bezeichnet mit 1840. VII. 14
ein durch seine Grösse bemerkenswertes Bruchstück eines Krystalls
von diesem Habitus; oben erscheint die vollkommen quadratische
Fläche «, deren Kante eine Länge von 7'" hat; die Flächen m und n,
deren Combinationskante 13" lang ist, sind vollständig im Gleich-
gewicht.
Habitus III.
Fig. 21. «(100),6(010), c(001),«(101),i/(lll).
„ 22. «(100), 6(010), c (001), w(110), #(012), M (112).
„ 23. «(100), 6(010), c(001), o(01l),.r(0l2), w(110).
«(112).
Sitzh. d. matheiii.-natiirw. Cl. XLV. Bd. I. Abth. 30
458 Zirkel.
Fig. 24. « (100), 6(010), e(001), w (110), »(1 Ol), h (023),
2/(111), «(112).
„ 25. a(100), 6(010), e(001), w(101), ™(110), e(120),
„ 26. « (101), Ä (010), c(001), o(011), a-(012),n(101),
w(U0),e(120), »(112).
„ 27. «(100), c (001),™ (HO)./* (023),* (014), w (101),
v (403).
Fig. 21 eine einfache Form aus der Krystallsammlung von
unbekanntem Fundort, wahrscheinlich vom Harz; Flüche b (010)
schwach horizontal gestreift; eigenthümlich ist das gänzliche Fehlen
einer Fläche aus der Zone ab.
Fig. 22 Krystall von Nagyag (I. Handsammlung, 1862.
VIII. 60).
Fig. 23 Krystall von Andreasberg (I. Handsammlung. 1857.
III. 22) auf Quarz aufsitzend, stellenweise mit kleinen Kupferkies-
punkten bedeckt. Die Flächen c, u, x, o sind glänzend, die übrigen
matt.
Fig. 24 ist Dufrenoy (Fig. 276) entnommen.
Fig. 25 Krystall von Andreasberg (Hauptsammlung ff), in der
Axe a f " bmg, in der Axe b I" lang, in der Axe c 2'" dick, mit Eisen-
spath auf Quarz sitzend, hier und da mit Kupferkies bedeckt, mit
ziemlich matten Flächen.
Fig. 26 eine cornische Form , der vorigen sehr ähnlich,
den Krystallabbildungen von Greg und Lettsom entnommen
(pag. 345). * •
Fig. 27 findet sich bei Dufrenoy (Fig. 282). Dufrenoy
bezeichnet öfters die verticalen Prismen mit Buchstaben, welche den
Winkelverhältnissen, die er dafür angibt, zufolge den seltenen Flä-
chen h (023) und t (014) entsprechen. Es liegt wahrscheinlich eine
Verwechslung in der Bezeichnung vor, indem, soweit meine Beob-
achtungen reichen, diese Flächen niemals allein auftreten. In dieser
Figur sind sie beibehalten, in anderen wurden sie durch die gewöhn-
licheren Flächen o(011) oder x (012) ersetzt, wie auch Greg und
Lettsom in ihren von Dufrenoy entlehnten Krystallfiguren stets
diese unwahrscheinlichen Flächen h oder t mit den häufiger auftre-
tenden x oder o vertauschten.
Versuch einer Monographie <les Rournnnit. 41)9
Die Zwillings Verhältnisse des Bonnioiiits erregen sowohl
wegen der Mannigfaltigkeit als der ausserordentlichen Häufigkeit
dor vorkommenden Formen in nicht geringen) Grade das Interesse.
Zwei verschiedene Zwillingsgcsetze lassen sich unterscheiden:
das eine bis jetzt unberücksichtigte bringt nur einfache Gestalten
hervor: die nach dem zweiten vor sich gehende Verwachsung
erzeugt aber mehrere verschiedene Ausbildungsformen, deren Ver-
breitung eben so häufig als ihre Deutung mitunter schwierig ist.
Die einfachste Zwillingsverwachsung ist diejenige, welche nicht
auf einer Durchwachsung, sondern einem blossen Contact, einer
Juxtaposition mehrerer Individuen beruht. Sie kommt hauptsächlich
an Exemplaren von Nagyag und Kapnils; vor; sie besteht darin, dass
die einzelnen Individuen bis zu vier und fünf an der Zahl mit den
Flächen b (010) an einander gewachsen sind, so dass die Flächen c
aller Individuen eine Ebene bilden. Die zusammengewachsenen Indi-
viduen gehören hauptsächlich dem scheinbar quadratoktaedrischen
und dem tafelartigen Habitus an; ebenso wie bei den einzelnen Indi-
viduen, wenn sie tafelartig werden die Axe c es ist, welche die Ver-
kürzung erleidet, erscheinen auch die tafelartigen Zwillinge stets
nach der Richtung der Axe c zusammengedrückt.
Fig. 28 stellt eine solche Zwillingsverwachsung dar; an dem
Exemplare, welches von Nagyag herrührt (I. Handsammlung. 1860.
XVI. 17), findet sich ausser «(100), 6(010), c(001) noch m (HO)
und w(101), so wie an den beiden Grenzindividuen die Pyramiden
y (Hl) und u (112). Die einzelnen Individuen gehören dem
Habitus II an.
Während bei diesen Krystallen die Flächen a (100) in eine
andere Ebene fallen, kommen in Kapnik andere vor, bei welchen von
einem Mittelindividuum aus die zu beiden Seiten verwachsenen Indi-
viduen eine successive Verkürzung der Axe a erfahren haben, wie
Fig. 29 zeigt. Solche Gestalten finden sich auf den Handstücken •§•£
und II der Hauptsammlung.
Schon Graf Bournon beschreibt eine andere Art der Zwil-
lingsverwachsung, von welcher er auch eine Abbildung mittheilt; sie
kommt hauptsächlich in Cornwall vor, findet sich aber auch nicht
selten an Handstücken aus Siebenbürgen. Sie besteht aus einer, den
bekannten rechtwinkligen Staurolithzwillingen ähnlichen Durchwach-
sung zweier Individuen, welche nach der Axe a lang gestreckt
32*
460 Zirkel.
erscheinen. Die Zwillingsfläche ist die Fläche m (110) und da
(HO) (010) = 43°10', (HO) (100) = 46°50' ist, so betragen
die Durchkreuzungswinkel 93°40' und 86°20', weichen also sehr
wenig von einem rechten Winkel ab. Die Flächen c beider Indivi-
duen fallen in eine Ebene zusammen. Die durchwachsenen Krystalle
gehören meistens dem Habitus II an. Manchmal sind von den Zwil-
lingskreuzen nur zwei, scheinbar rechtwinkelige Arme ausgebildet.
Fig. 30 bildet eine der einfachen Zwillingscombinationen aus
Siebenbürgen ab; sie findet sich auf demselben Handstück von
Nagyag, welches auch Zwillinge nach dem vorhergehenden Gesetz
aufwies; ausserdem ist sie z. ß. an Nr. ff- der Hauptsammlung zu
beobachten, wo sie von Rädelerz begleitet wird. Die Krystalle sind
meistens sehr klein, überschreiten kaum die Grösse von 1 — %'".
Fig. 31 stellt einen cornischen Zwilling dar, welcher ausser
a^lOO), 6(010), c(001) nur h (101) aufweist. Bournon gibt
ganz dieselbe Abbildung. In jüngster Zeit hat man auf der Grube
Herodsfoot bei Liskeard in Cornwall neue Anbrüche von bedeutend
grössern, aber nicht immer vollständig entwickelten Zwillingen dieser
Art gemacht. Einer der schönsten dieser prachtvollen, stark spiegeln-
den Krystalle befindet sich in der I. Handsammlung unter 1862. VI. 31.
1) u f r e n o y und L e v y haben auf ihren Zeichnungen die Fläche,
welche bei diesen Zwillingen eine Ebene bildet, mit b (010)
bezeichnet und Levy sagt ausdrücklich, dass bei dem in ganz der-
selben Weise zusammengesetzten Rädelerz die Flächen b der zahl-
reichen sich durchwachsenden Individuen in eine Ebene zusammen-
fallen; daneben führen sie beide die Fläche wjals Zusainmensetzungs-
fläche an, zwei gänzlich unvereinbare Angaben, da m in der Zone ab
liegt. Wäre b die in eine Ebene fallende Fläche, so würde n Zusam-
menvvachsungsfläche sein; allein genaue Messungen führten zu der
Überzeugung, dass m die Zusammenwachsungsfläche ist, und dass
die unter n liegenden Flächen c es sind, welche eine Ebene bilden.
Dem entspricht auch vollständig die Lage der Flächen y (111) und
U (112). Fig. 32 zeigt eine solche Cumbination von Nagyag (I. Hand-
sammlung. 1860. XVI. 17), an welcher letztere beide Flächen auf-
treten. Dufrenoy gibt unrichtig an, dass sich in Kapnik nie ein
einfaches Zwillingskreuz fände.
Interessant ist das Stück || der Hauptsammlung (Fig. 33). In
einer Quarzdruse von Kapnik sitzen neben Blendekrystallen durch-
Versuch einer Monographie lies ßournonit. 4t) 1
einander gewachsene Bournonitzwillinge , von denen nur das eine
Individuum die Endfläche «(100) besitzt, welche hei dem zweiten
fehlt; dafür tritt bei diesem die Flüche n auf, welche das erstere
nicht zeigt; auch gehört das eine Individuum dem Habitus II, das
andere dem Habitus I an.
Einen andern eigentümlichen Fall der Zwillingsverwachsung
zeigt das Handstück ff der Hauptsammlung (Fig. 37) , reich besät
mit einfachen Krysf allen vom Habitus I, gelbrothen Zinkblendekry-
stallen und fast wasserhellen Sclnverspathtäfelchen , welche hier
und da auf den Bournoniten aufsitzen. Mehrere, nur mit den Flächen
a (100), b (010) und c (001) ausgebildete lange Krystalle sind
nach dem ersterwähnten Zwillingsgesetz mit den Flächen b ver-
wachsen, von einem Individuum in der Mitte sich nach den Seiten
zu regelmässig verkürzend ; dieselben werden scheinbar rechtwinklig
nach dem zweiten Zwillingsgesetz von einem horizontal liegenden
Individuum durchsetzt, so dass m, welches zwar nicht auftritt, die
Zusammenwachsungsfliiche ist; c fällt überall in eine Ebene. Die
horizontale Lage dieses Individuums wird durch den Glanz der
Flächen a und die Rauhigkeit von b und c ausser Zweifel gesetzt,
indem die Flächen der verticalen Krystalle dieselben Unterschiede
aufweisen.
Obiges Gesetz der Durchkreuzungszwillinge ruft noch eine
anders aussehende Art von Zwillingsgestalten hervor, welche zu den
allerverbreitetsten gehören und bei denen wegen der eigenthüm-
lichen Winkelverhältnisse die Zwillingsausbildung meistens so ver-
steckt ist, dass man mit einfachen Krystallen zu thun zu haben
glaubt, bis scharfe Winkelmessungen eine haarfeine Zwillingsgrenze
oder ein kaum wahrzunehmender einspringender Winkel über die
Natur des Krystalls aufklären. Wenn nämlich bei den gewöhnlichen
Durchkreuzungszwillingen die Axe a verkürzt wird , so fällt das in
des einen Individuums mit dem m des andern nahezu in eine Ebene;
da der Winkel mb 43° 10' beträgt, so ist der einspringende Winkel
zwischen beiden m nur 3°40', also kaum zu bemerken. Die Fläche b
verschwindet alsdann gänzlich, die Flächen a der beiden Individuen
bilden Winkel von 8ti°20' und 93°40' mit einander; diese Abwei-
chung von 90 kann man mit blossem Auge bei den kleinen Krystal-
len nicht mehr wahrnehmen. Einen auf diese Weise ausgebildeten
Krystall zeigt Fig. 3b; er stammt vom Harz und findet sich in der
462 Zirkel.
Hauptsammlung unter H. Auf« sieht man den einspringenden Winkel
besser, auf c deutet ein feiner Streifen die Zwillingsgrenze an.
Diese Zwillinge sind am Harz überaus häufig, und man hält sie viel-
fach anfangs für einfache Krystalle. Sehr nahe liegt die Vermuthung,
dass viele der von Dufrenoy und Levy als einfach abgebildeten
Krystalle vom Harz und von Pontgibaud solche Zwillinge sind;
Fig. 36 ist ein solcber Krystall (Fig. 5 bei Levy) als Zwilling
bezeichnet; Levy hält die vorderen senkrechten Zuschärfungs-
flächen, welche, wenn man den Krystall als Zwilling auffasst, das n
eines andern Individuums sind, für o. Auf dem Handstück ff- der
Hauptsammlung, ebenfalls vom Harz herstammend, findet sich eine
ganz ähnliche Combination, bei der auch die Fläche a fehlt und die
Fläche m fast ganz verschwindet. Die Zwillingsgrenze ist deutlich
daran zu sehen.
Ein eigenthümlicher Zwillingskrystall ist Fig. 34 (aus der
Krystallsammlung) von der Silberwiese bei Oberlahr, 1"' gross, mit
glänzenden Flächen. Er hat das Ansehen eines einfachen, der dem
Habitus I angehört; genaue Messungen ergeben indess, dass seine
Flächen mehreren Individuen zugleich angehören. Wenn man von
derjenigen Fläche, welche man für b hält, nach der schmalen obern
horizontalen Endfläche misst, so erhält man die Werthe :
Gemessen
Berechnet
28°
28°4 (af)
46 53'
46 SO' (am)
63 3
64 52 (ae)
Daraus geht hervor, dass die vordere verticale Endfläche eben-
falls a ist. Wenn man von der seitlichen verticalen Endfläche
(scheinbar c) nach der horizontalen (a) misst, so ergeben sich die
Winkel :
Gemessen
Berechnet
43°t2
43°10
(bni)
61 53
61 56
(¥)
Diese seitliche verticale Endfläche spielt aber die Rolle von b,
und wo sonst die Zone ac ausgebildet ist, findet sich jetzt die Zone
ab. Die seilliche verticale Endfläche verhält sich aber zur vordem
wie c und b eines einfachen Krystulls, denn man findet zwischen
Versuch einer Monographie des II.hu i. 403
ihnen die verticalen Prismenflächen entwickelt; von der seitlichen
aus ergibt sich:
Gemessen
Berechnet
43°55
43°43
(«0
70 50
70 47
Od)
Die Fläche d (031) wurde an diesem Krystall zuerst aufgefun-
den. Die Zusammenwachsungsverhältnisse dieses Krystalls fiigen sich
nicht den gewöhnlichen Gesetzen; jedenfalls ist keine Verwachsung
nach m oder« dabei im Spiele, da die drei Endflächen vollkommen
senkrecht auf einander stehen.
An dem Krystall ist eine ausgezeichnete und reiche Zone von
Pyramiden entwickelt; wenn man von der einen seitlichen verticalen
Endfläche über m hinüber nach der andern misst, so spiegeln folgende
glänzende Flächen auf das deutlichste ein:
Gemessen
Berechnet
22°40
23°36
V
52 40
52 40
y
69
69 8
9
90 5
90
m
101 4
(68°41)
69 8
9
127 28
(52
13)
52 40
V
145 40
(34
s )
33 15
u
156
(23
45)
23 36
?
179 45 180
Die Flächen <p (113), g (221) sind neu, durch Zonen verband
und Winkelwerthe bestimmt. Auch die an diesem Krystall zuerst
beobachtete Fläche 311 (</)ist durch Zonenverband und die Messung:
Gemessen Berechnet
aq 28 27°13
festgestellt.
In Höhlungen des Handstückes 4880 (der I. Handsammlung.
1834. XVIII. 8), ebenfalls von Oberlahr, sitzen auf Eisenspath
Krystalle, welche ganz ähnliche Verhaltnisse darzubieten scheinen.
Die Pyramidenzone ist an ihnen nicht so reich entwickelt, dagegen
zeigen sie fünf Flächen in der Zone ab.
464 Zirkel.
In der Umgegend von Kapnik findet sich das von den Berg-
leuten so genannte Rädelerz; es wird hervorgebracht durch zahl-
reiche dünne und lange Individuen, welche sich wie Speichen eines
Rades durchkreuzen und zwar ganz nach dem gewöhnlichen Zwil-
lingsgesetz, dass die Flächen c in eine Ebene fallen. Dieser Indivi-
duen sind so viele, dass durch ihre symmetrische Vereinigung eine
runde Scheibe entsteht, welche oft im Durchmeser zollgross
ist (Fig. 38). Die Oberfläche der Platte ist meist rauh, ihr Umriss
gewöhnlich ziemlich verwischt, so dass man nur in seltenen Fällen
die Enden der einzelnen Individuen zu unterscheiden vermag. So
befindet sich in der Krystallsammlung ein Rädelerz von Felsöbänya,
bei welchem man die Fläche n, die nach vorne gekehrt, den Rand
der Platte (a) abstumpft, deutlich erkennen und messen kann; eben-
falls lässt sich das nach innen gekehrte m messen, diejenige Fläche,
welche die Auszackung des Randes hervorruft in dem m des einen
Individuums mit m seines Nachbarindividuuins einen einspringenden
Winkel bildet.
Bei den meisten Rädelerzen ist die Verwachsung eine scheinbar
ganz regellose; man kann aber stets annehmen, dass immer ein
Individuum mit irgend einem andern in dem Verhältniss steht, wie es
die einfachen Durchkreuzungszwillinge zeigen, dass nämlich m die
Zwillingsfläche ist.
Mitunter vermag man an dem Rädelerz eine rohe Kreuzesform
zu erkennen und es scheint, als ob ein durch Grösse ausgezeichnetes
einfaches Zwillingskreuz gewissennassen als Träger der Gestalt
vorhanden sei, an welches sich die anderen Individuen, unter sich
demselben Gesetz gehorchend, herumlegen und die vier scheinbaren
rechten Winkel ausfüllen (Fig. 39).
Dann und wann kommen Gestalten vor, welchen man eine noch
regelmässigere Entstehungsweise zuschreiben zu müssen glaubt; so
z. ß. Fig. 40 (I. Handsammlung. 1854. XII. 5 ein Rädelerz auf Quarz
mit Blende von Kapnik).
Zwei Bündel, deren Individuen etwa nach der Fläche e ver-
wachsen sein dürften, schneiden sich unter Winkeln, welche denen
der gewöhnlichen Durchkreuzungszwillinge nach m gleich zu sein
scheinen. Die Kleinheit des Krystalles verhindert selbst eine nur
annähernde Messung der Neigung der einzelnen Individuen zu
einander.
Versuch einer Monographie «les Bournonit. 46»>
Mit dem Bournonit ist wohl zweifelsohne dasjenige Mineral zu
verbinden, welches Mohs prismatoidischer Dystomglanz, Hai ding er
Wölchit, Breithaupt Antimonkupferglanz genannt hat1)- Dasselbe
findet sieh in derben Massen und äusserst spärlichen und unvollkom-
menen Krystallen an der Wölch bei St. Gertraud im Lavantthal in
Kärnten, zusammen mit Eisenkies, Antimonglanz, Bleiglanz und
Malachit. In seinen physikalischen Eigenschaften stimmt dasselbe
mit seiner schwärzlich bleigrauen Farbe, die an Fahlerz erinnert,
mit seiner Härte 3 und seinem specifischen Gewicht, welche im
Mittel zwischen 5-735 und 5*782 schwankt, vollkommen mit dem
Bournonit überein.
Der Grund, beide Mineralien zu trennen, lag in der chemischen
Untersuchung Sehr Ott er's, welcher in zwei Analysen des Wölchits
fand 2) :
i. ii.
Schwefel 28-602 28-602
Antimon 16-412 16-647
*» Arsenik 8-166 6-036
Kupfer 16-326 17-352
Blei 26 424 29-902
Eisen 1-307 1404
Wasser 2-30? 2-307
99-44 102-250
ohne dass sich aus diesen Besultaten für den Wölchit irgend
eine bestimmte Formel ergibt. Rammeisberg3) hat in neuerer
Zeit dieses Mineral einer wiederholten Untersuchung unterzogen,
bei welcher er niemals im Kolben Schwefelarsensublimat erhielt. Die
quantitative Analyse führte auf eine mit dem Bournonite sehr nahe
übereinstimmende Zusammensetzung; die Abweichung von dessen
Formel ist kaum grösser, als sie auch sonst bei den Bournoniten
1) Mohs, Physiog-rnphie. p. 530. II a i d i n g e r , Handbuch der best. Mineralog.
1835, 5G3. I! r c i I h :i ii p I . Charakteristik d. Min. 270. Prismatic antiuiony glance,
James, System. — Prismatoidal copper glance II a i d i n g e r Treatise , und
Phillip ps Min. 334. Dana II. 82. Dufrenoy III. 357; Hausmann II
173; Naumann, Eiern, der Min. 433. Zippe (Charakteristik des naturhist.
Mineralsystems 1858. 213) nennt es prismatoidischer Endellionit G lock er
(Generum et spec. mineralium Synopsis 1847) nannte es Wölchites niger.
2) Bau m g a r t n e r, Zeitschrift VIII. 284.
3) Hainiii elsberg, Mineralchemie 80. Dorl sind vermuthlich Zeile 4 v. u die
Zahlen für Blei und Kupier verwechselt.
466 Zirkel. Versuch einer Monographie des ßournonit.
vorzukommen pflegt. Die Verwitterung, welche die derben Massen
in hohem Grade angegriffen hat, ist ohne Zweifel die Ursache dieser
Differenzen.
Während so von chemischer Seite nichts einer Vereinigung
des Wölchits mit dem Bournonit im Wege steht, ist auch die Kry-
stallgestalt desselben vollständig mit der des letztern überein-
stimmend. Mobs und Haidinger führen eine Combination an, die
jedoch nie einer Messung unterzogen wurde und ein Bournonit mit
den Flächen a, b, c, m, o zu sein scheint. Ke nngott zeigte (Mine-
ralogische Notizen. XIV. Folge), dass ein f Zoll langer Krystall,
welcher ihm als Wölchit übergeben wurde, Bournonit sei.
Rammeisberg und Kenngott fanden an den von ihnen
untersuchten Exemplaren ein etwas höheres specifisches Gewicht,
vielleicht herbeigeführt durch Verwachsung mit fremden Zersetzungs-
producten; ersteier fand 5-88 — 5-94, letzterer 5-828. Das Hof-
Mineralien -Cabinet besitzt zahlreiche derbe Stücke, welche als
Wölchit bezeichnet sind; die sogar in dieser Sammlung nur spärlich
vertretenen, meist undeutlich entwickelten Krystallgestalten lassen
sich sammt und sonders mit dem Bournonit in Verbindung bringen.
Zirkel. Versuch einer Monographie des Bournonil
Fiff I
Ftff.J
Fig. '/.
Fia ö.
Fig. 5
SitKungsb.d-k. Ikad.d.W. math.nalunr.CI. XIA. li.l. I .\btli IS(iL\
Zirkel. Versuch nun- Monographie des Bournonll
rr.» r ii
/>// /
Fig. 8.
Fig. 9.
Fig. 10.
Fig il
Fig. /'>
Sitz, im 2'stul k Akad «1 VV. mafli.naturvr. Cl. XLV.ßd.I.Abth. 186?.
Zirkel. Versuch einer Monographie des Bournonit. Taf.
/■;,/ /./.
/■;,/ i'i
Fig. /.'/
Feg 10.
Fig. IS
Fig . I) .
Sitaungsb.d.k Akad.d W. in.iiti .naturw. C1XLV. Itd l.Aluli 1862.
Zirkel. Versuch einer Monogropliic de.s Bouriuwii
Fig. IU
Taf, IV
Fia 20
Fig. 23
Fig. 29.
Fig. 2'/
SiUungsb.a.k.Akad.d.W math.naturw Cl.VI.l'. Ii,l [jftth.. 1862
Zirkel. Versuch einer Monographie de.s Bournoiiil. Taf.V.
Fig. ■;:>
Fig. ■>/;
/■;,, u
Fig. 30.
/■'/// . Z9
.Sitauiirfsl) (I k Akad.d.W. ni.iih. naturw Cl.XLV.Bd.l.Ablh.1862
Zirkel. Versuch einer Monographie des Bournoiiil
Tal. Vi
Fi</ 31.
Fig. 33.
Fig. 35.
Fig. 3t
Fig. 36.
SitaungSb.d k Akad.cLW. matli. natimr. Cl. .\ L\'. ßd I .\blh I X (i'.' .
Zirkel. Versuch einer Monographie des Bournonil
Taf. VII.
Via 39
Sil /.nllL.sl, ,1 I. .\l;.,,l <MV null, mihirw. CI X l,V Uli .1 Alilli 186:
467
XL SITZUNG VOM 10. APRIL 1862.
Das c. M., Herr Director M. Hörn es, übersendet im Namen des
Herrn L. Hohenegger, Directors der erzherzoglich Albrecht'schen
Eisenwerke in Schlesien, ein Exemplar der von diesem herausge-
gebenen geognostischen Karte der Nord-Karpathen nebst erläutern-
dem Texte.
Herr Director K. v. Littrow übergibt eine Mittheilung „über
Luftspiegelungen" aus Briefen des HerrnPh. O.W e r d m ü 1 1 e r v. E 1 g g.
Das c. M., Herr Prof. K. Langer, macht eine vorläufige Mit-
theilung: „Zur Anatomie der männlichen Schwellorgane".
Herr Dr. A. Lieben theilt die ersten Resultate einer von ihm
in Gemeinschaft mit Herrn Dr. A. Bauer ausgeführten grösseren
Arbeit „über eine neue Reihe zur Gruppe der Äther gehörigen Ver-
bindungen" mit.
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Astronomische Nachrichten, Nr. 1355. Altona, 1862; 4»-
Austria, XIV. Jahrgang, XIV. Heft. Wien, 1862; 8<>-
Beobachtungen, Magnetische und meteorologische, zu Prag,
XXII. Jahrgang. Vom 1. Januar bis 31. December 1861. Prag,
1862; 4°-
Comptes rendus desseances del'Academiedessciences. TomeLIV.
No. 10 & 11. Paris, 1862; 4<>-
Cosmos, XIe Annee, 20e Volume, 14e Livraison. Paris, 1862; 8°-
Gazette med. d'orient, Ve Annee, No. 12. Constantinople, 1862; 40#
Gesellschaft, naturforschende, in Bern, Mittheilungen aus dem
Jahre 1861. Nr. 469—496. Bern, 1861; 8«-
— naturforschende, in Danzig, Neueste Schriften. VI. Band,
4. Heft. Danzig, 1862; 4<>- — Klinsmann, Ernst Ferd., Clavis
Dilleniana ad hortum Elthamensem. Danzig, 1856; 4°*
468
Gesellschaft, naturforschende, in Emden, 36 — 44. Jahresbericht.
1850 — 58. Emden; 8°- — Kleine Schriften. IV. Die Gewitter
des Jahres 1855. Von M. A. F. Prestel. Emden, 1856; 8°-
Haughton, Samuel, On the Reflexion of polarized Light from the
Surface of transparent Bodies. (From the Philosophical Magazine
for August 1853.) S°- — On some new Laws of Reflexion of
polarized Light. (From the Supplement to the Philosophical
Magazine for December 1854.) S°- — On the solar and lunar
diurnal Tides of the Coasts of Ireland. (Results of a paper read
before the R. Irish Academy, April 24, 1854.) 8°- — On the
Natural Constants of the healthy Urine of Man, and a Theory of
Work founded Thereon. (Read before the Association of the
King and Queen's College of Physicians.) Dublin, 1860; 8°.
— Short Account of Experiments made at Dublin, to deter-
mine the Azimuthai Motion of the Plane of Vibration of a freely
suspended Pendulum. (Extr. from the Proceed. of the R. Irish
Academy, April 1851.) Dublin, 1851; 8°- — Wem and James
Henthorn Todd, The Tides of Dublin Bay and the Rattle
of Clontarf 23rd April, 1014. (Being the Substance of some
Communications made to the R. Irish Academy in May, 1861.)
Dublin, 1861; So-
ll oh en egg er, L., Geognostische Karte der Nord-Karpathen in
Schlesien und den angrenzenden Theilen von Mähren und
Galizien. Ein Blatt in Farbendruck mit erläuterndem Texte.
Gotha, 1861; Folio & 4<>-
Istituto, I. R., Veneto di scienze, lettere ed arti, Atti. Tomo
VIIo, Serie 3% Disp. 4a- Veuezia, 1861—62; So-
Königsberg, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus
dem Jahre 1861. Königsberg; 4» & So-
Lüttich, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus den
Jahren 1860 & 1861. Brüssel & Lüttich; 8o & 4o-
Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt, Jahrgang
1862, Heft III. Gotha; 4o-
Societe Linneenne de Normandie, Memoires. Xle Volume. Paris
& Caen, ls60; 4»- — Bulletin. Ile & III" Vol. Caen & Paris.
1857 & 1858; So-
So c i e t e* geologique de France, Bulletin. 2'' Serie, Tome XIXe, Feuilles
1—12. Paris, 1861 ä 1862; 8"-
469'
Society, The geological — , of Dublin, Journal. Vol IX. Part 1.
Dublin, 1861; 8«-
— The Royal — , of Edinburgh, Transactions. Vol. XXII. Part III.
For the session 1860—1861. Edinburgh, 1861; 4<>- — Pro-
ceedings. Vol. IV. Nr. 53. Session 1860—1861; 8<>-
— The Natural History, — of Montreal, The Canadian Natura-
list & Geologist. Vol. VII, No. 1. Montreal, 1862; 8°-
Tomaschek, Karl, Schiller in seinem Verhältnisse zur Wissen-
schaft. (Von der k. Akademie der Wissenschaften zu Wien
gekrönte Preisschrift.) Wien, 1862; 8°-
Villa, Antonio, e Giov. Battista, Sülle conchiglie terrestri e fluviali
raccolte dal professor Bella rdi nell Oriente e su quelle rac-
colte dal professor Roth in Palestina illustrate dal professore
Mousson. Milano, 1862; So-
Wiener medicinische Wochenschrift, XII. Jahrgang, Nr. 14,
Wien, 1862; 4°-
Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft.
XI. Jahrgang. Nr. 12. Gratz, 1862; 4°-
70
Zur Anatomie der männlichen Schwellorgane.
Vorläufige Mittheilung.
Von dem c. M. Prof. K. Langer.
Die sinnreiche Hypothese Kölliker's, dass die Erection durch
eine Relaxation des musculösen Balkengewebes der Corpora caver-
nosa und der Tunica media der Arterien zu Stande komme , hat
erneuerte Untersuchungen der Schwellorgane veranlasst. In der letzten
Classensitzung hat das wirkliche Mitglied Prof. Ludwig eine Mit-
theilung gemacht , der zu Folge es Eckhard gelungen ist, den
Nerven zu entdecken, dessen Reizung die Erection einleitet. Ich
bin seit einiger Zeit mit der Anatomie der männlichen Schwell-
organe beschäftigt und erlaube mir, in gedrängter Fassung die
bisher sichergestellten Resultate dieser Untersuchung vorläufig mit-
zutheilen, bis ich die mit Abbildungen versehene, ausführlichere
Abhandlung vorzulegen im Stande bin, in welcher ich auch die
Methode der Darstellung näher beschreiben werde.
Bekanntlich ist es noch immer nicht entschieden, wie sich der
Kreislauf in den Schwellorganen abschliesst, ob nämlich das Schwell-
netz als Ersatz des capillaren Gefässnetzes zwischen die Arterien
und Venen eingeschaltet ist, also ein unmittelbarer Übergang aus
den Arterien in das venöse Netz besteht, oder ob neben dem Schwell-
netze, welches dann die volle Bedeutung eines rein venösen Netzes
hätte, ein capillares Gefässnetz vorkommt. In dieser Beziehung
glaube ich Folgendes als ganz zuverlässig angeben zu können.
Das Schwellgewebe der Eichel, in welcher die Verhält-
nisse am leichtesten zugänglich sind, besteht zunächst aus einer
d e n d r i t i s c h e n R a m i f i c a t i o n d e r A r t e r i e n, aus einem groben
venösen Netze, dem eigentlichen Schwellnetze und aus einem
capillaren G e f ä s s n e t z e.
Langer. 471
Die Astfolge der Arterien ist vielfach hin und her gewunden,
die Gefässzweige derselben liegen in den Maschen des venösen
Schwellnetzes, bilden aber selbst kein Netz, sondern übergehen in
ein capillares Netz, welches gleichsam das in den Lücken des
venösen Schwellnetzes befindliche Parenchym vertritt und mit den
Arterienzweigen die Lücken des Schwellnetzes vollkommen ausfüllt.
Aus diesem capillaren Netze entstehen im ganzen Gewebe der
Eichel kurze venöse Wurzelstämmchen, und diese bilden allsogleich
das Schwellnetz. Das Schwellnetz ist ein zwar räumlich ausgebil-
detes, aber insofern geschichtetes Netz, als seine Gefässchen gegen
die Oberfläche der Eichel immer kleiner werden , gegen die Höhle
der Eichel aber immer mehr anwachsen, bis sie schliesslich auf der
Rückenseite der vorderen, in die Eichel eingeschobenen Enden der
Corpora cavernosa penis zu dem Wurzelnetze der Vena dorsalis
penis zusammentreten. In umgekehrtem Verhältnisse zu der Grösse
der Gefässe stehen die Maschen des Schwellnetzes, so dass die
kleinsten Maschen nach Innen, die grössten nach Aussen zu finden
sind. Nach der Grösse der Maschen richtet sich die Ausbildung des
Parenchyms und des capillaren Netzes. Während an der Ober-
fläche das capillare Netz ein continuirliches, dichtes Stratum bildet,
welches sich unmittelbar an das nächst gröbere Stratum des
Schwellnetzes anreiht, sieht man tiefer, je in einer Lücke des
Schwellnetzes eine grössere Gruppe des capillaren Netzes, und ganz
in der Tiefe, entsprechend den schmalen Balken kleine Stränge von
feinen, netzförmig verbundenen Capillarien die groben Gefässe
umspinnen und mit kurzen Stämmchen in sie einmünden.
Durch Injectionen mit verschieden gefärbten Injectionsmassen
ist es mir gelungen, den unmittelbaren Übergang der Arte-
rien und Venen in das Capillarnetz nachzuweisen, indem
sich beide Farbstoffe nicht nur an der Oberfläche, sondern auch in
der Tiefe der Eichel in den feinen Capillarien unmittelbar begeg-
neten. Ein unmittelbarer Übergang aus den Arterien in das venöse
Schwellnetz scheint nicht zu bestehen.
Wie in der Tiefe der Eichel, so wird im Schafte des Corpus
cav. urethrae, im Bulbus und in den Corpora cav. penis der bei
weitem grösste Theil ihrer Masse von dem Schwellnetze gebildet
und das Gewebe ist auf die Trabekeln reducirt. In diesen sind
daher die Arterienramificationen und die Capillarien zu suchen.
472 Zur Anatomie der männlichen Sehwellorgane.
Auch das Schwell netz des Corpus cav. urethrale ist
geschichtet, und zwar der Art, dass die feinsten Netze innen, d. h.
an der Urethralschleimhaut liegen, die groben am äussern Umfange,
so dass die Eichel das nach vorne verdickte, ventralwärts gespal-
tene und dorsalwärts umgeschlagene Ende des Schaftes des Corpus
cav. urethrae darstellt, wodurch die Innenfläche des Rohres nach
Aussen zu liegen kommt.
Jedes Corpus cav. penis bildet dagegen einen Cylinder mit
umgekehrter Schichtung des Schwellnetzes, so dass die gröbsten
Stämme des Schwellnetzes in das Innere, die feinsten Partien des-
selben an die Oberfläche zu liegen kommen.
Wie an der Urethralschleimhaut, so findet man
auch an der Oberfläche des Corpus cav. penis ein fei-
neres Capillarnetz, welches sich unmittelbar an die nächst-
folgende gröbere Schichte des Schwellnetzes anreiht und mit ihm
in Verbindung setzt. In beiden Organen ist es mir gelungen, einer-
seits die Arterien, andererseits die Schwellnetze in das feine ober-
flächliche capillare Netz zu verfolgen und durch Begegnung der
Injectionsmassen den Zusammenhang mit demselben nachzuweisen.
Die grösste Anzahl der Verzweigungen der Arteria profunda penis
geht zur Peripherie, und die im Innern der Corpora cavernosa penis
und an der Oberfläche des Corpus cav. urethrae zwischen den
grossen Stämmen des Schwellnetzes in den Balken capillar verzweig-
ten arteriellen Gefässe verhalten sich ungefähr wie Vasa vasorum,
bilden wie an der inneren Oberfläche der Eichel kleine Venen-
stämmchen, welche als Seitenäste in die grossen Venen einmünden.
Das Schwellnetz der Corpora cavernosa penis ist
daher einwahresVenennetz, und der Kreislaufschliesst
sich hier wie in anderen Organen, zum grössten
Tb eile mit einem wahren Capillarnetz ab; der Unter-
schied dieser Formation liegt eben nur in dem, dass sich auch
die Venenwurzeln vor ihrem Austritte aus den Schwellorganen
zu einem räumlich ausgedehnten Netze zusammenballen. Nebst
diesem durch Capillarien vermittelten besteht noch ein unmittel-
barer Übergang gröberer Arterien -Zweigchen in das
Seh well netz.
Was die Arteriae helicinae anbelangt, so kann ich mit aller
Sicherheit behaupten, dass sie nichts anderes sind als theils voll-
Zur Anatomie der männlichen Schwellorgane. 473
ständig oder unvollständig gefüllte Schlingen, deren Schenkel sich
decken, theils unvollständig injicirte oder angeschnittene und in
das Balkengevvebe zurückgezogene Arterienäste, weil ich durch
Druck mit dem Deckgläschen oder mit Nadeln die Schlingen ent-
falten, oder die Injectionsmasse weiter fortschieben oder ganz zum
Austritte bringen konnte.
Die ausführenden Venen stamme entstehen in der Regel
aus den groben Partien des Schwellnetzes, sie entwickeln sich also an
der inneren Oberfläche der Eiche!, und an der oberen Fläche des Cor-
pus cav. urethrae. Wegen der centralen Lage der grossen Venen
des Corpus cav. penis entstehen die Venae profundae penis im
Innern und treten an der Wurzel, überhaupt an der hinteren Partie
der unteren Fläche der Schwellkörper durch die oberfläch-
lichen Lagen des Schwellnetzes heraus. Neben diesem
besteht noch ein zweites System von Venae efferentes, und zwar an
der Dorsalseite des Penis, welches sich in die Vena dorsalis penis
entleert und nicht im Innern des Penis, sondern in den oberfläch-
lichen aus feineren Ge fassen bestehenden Lagen des
Schwellnetzes wurzelt.
An dem Schwell netze der Urethra kann man füglich
zwei Antheäle unterscheiden; der innere, in den submucösen
Lagen befindliche ist durch längs angeordnete Gefässe und Maschen
charakterisirt, und obwohl mit dem peripherischen in unmittelbarem
Zusammenhange, doch leicht von ihm zu sondern. Der bis nahe zur
Mitte der Urethralänge gespaltene Bulbus ist nur ein Erzeugniss des
peripherischen Theiles und von diesem dadurch abweichend, dass
sich wieder die grössten Venen im Innern desselben befinden. Im
Bulbus schliesst der peripherische Theil ab und nur der innere, der
Submucosa angehörige Antheil ist es, welcher die Pars membra-
nacea und prostat ica urethrae begleitet und mit den Blasenvenen
in Verbindung tritt.
Es bestehen nicht nur venöse Anastomosen der Corpora
cav. penis mit dem der Urethra, sondern auch arterielle, indem
die Arteria profunda penis paarige Rami perforantes von Strecke
zu Strecke absendet, welche von oben in das Corpus cav. urethrae
eintreten.
Kölliker hat zu Gunsten seiner Hypothese über die Erection
behauptet, dass gar keine Apparate bestehen, welche den Rück-
Sitzb. der mathem.-naturw. Cl. XLV. Bd. I. Abth. 33
4T4 Langer. Zur Anatomie der männlichen Schwellorgane.
fluss des Blutes aus dem Penis h e mm en könnten. Da aber die
Erection gewiss weder ausschliesslich durch vermehrten Zufluss
oder gehemmten Abfluss, sondern nur durch ein Missverhältniss
zwischen Zufluss und Abfluss des Blutes zu Stande kommt, so können
unbeschadet der neuen Versuche solche Apparate bestehen. Von
der Betheiligung der ausser den Venenwandungen vorkommenden
Muskeln abgesehen, glaube ich auf zwei in dieser Hinsicht wirk-
same Umstände aufmerksam machen zu können. Es ist dies erstens
der Durchtritt der dem Systeme der Vena profunda angehörigen
Ve n a e effe rentes d e s P e n i s durch die oberflächlichen
Lagen des Schwellnetzes, welche, wenn das Blut in dem
Netze angestaut ist, gewiss den Bückfluss des Blutes durch Zusammen-
drücken der ausführenden Venen hemmen können. In dieser Anord-
nung ist es theilweise begründet, warum durch Injectiondes Schwell-
netzes nur selten und immer nur stückweise die Vena profunda
penis gefüllt werden kann.
Die oberflächlich entstehenden, in die Vena dorsalis penis über-
gehenden Venen übernehmen dann den Abfluss des Blutes, bis das
Schwellnetz wieder so weit entleert ist, um die Venae profundae
wegsam zu machen.
Ein zweites ist die eigenthümliche, schon von Santorini
beobachtete Trabecul arbil düng i n den Venen des Plexus
S antorini. Die innere Oberfläche der Venen des ganzen Plexus,
so weit dieser Venen von den äusseren Geschlechtstheilen aufnimmt,
sieht bei beiden Geschlechtern ungefähr wie ein aufgeschnittenes
Corpus eavernosum, oder wie die innere Fläche einer Amphibien-
lunge aus, und wie aus der mikroskopischen Untersuchung hervor-
geht, bestehen diese Trabekeln durchaus aus musculösen Faser-
zellen. Üass zwischen dieser und der Musculatur der Schwellorgane,
wenn die Hypothese der Relaxation richtig ist, ein antagonistisches
Verhältniss bestehen müsse, ist mehr als wahrscheinlich.
475
XII. SITZUNG VOM 24. APRIL 1862.
Der Secretär theilt mit, dass die Familie des verstorbenen
Banquier, Herrn Ig. L. Lieb en gewillt ist, von der in seinem Testa-
mente dem allgemeinen Besten gewidmeten ansehnlichen Summe den
Betrag von sechstausend Gulden zur Gründung eines Preises
zu bestimmen, und dass dieselbe bereits um die Erlaubniss hiezu
bei der k. k. Stalthaiterei eingeschritten ist.
Dieser Preis soll im Betrage von 900 fl. alle 3 Jahre alternirend
einmal dem Autor der vorzüglichsten Arbeit im Gebiete der Physik
mit Inbegriff der physiologischen Physik und das nächste Mal dem
Autor der vorzüglichsten Arbeit im Gebiete der Chemie mit Inbegriff
der physiologischen Chemie von der k. Akademie der Wissenschaften
zuerkannt werden.
Der Präsident der Academie des sciences zu Paris, HerrElie de
Beanmont, dankt mit Schreiben vom 25. November v. J. für die
diesem Institute übermittelten akademischen Druckschriften.
Herr. Prof. Dr. Friedr. Rochleder in Prag übersendet eine
Abhandlung: „Untersuchung der reifen Samen der Rosskastanie
(Aesculus Hippocastanum}" .
Herr Prof. Dr. C. Ludwig spricht über die Lymphgefässe des
Hodens und ihr Verhältniss zur Samenbereitung.
Die betreffenden Untersuchungen wurden von ihm gemein-
schaftlich mit dem k. k. Oberarzte, Herrn Dr. W. Tomsa, ausgeführt.
Prof. Schrotte r zeigt einen Kirchhoffschen Spectralapparat
mit 7 Prismen, welcher in der Werkstätte des k. k. polyt. Institutes
verfertigt wurde. Die Prismen und die Objective hat HerrPlössl
geliefert, sie lassen nichts zu wünschen übrig. Der mechanische
Theil des Apparates wurde von Herrn Starke jun. mit allen nöthigen
Correctionen meisterhaft ausgeführt.
33*
476
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Astronomische Nachrichten, Nr. 1356. Altona, 1862; 4°-
Austria, XIV. Jahrgang, XV. & XVI. Heft. Wien, 1862; 8°-
Bau zeitung, Allgemeine, XXVII. Jahrgang, 2. & 3. Heft nebst
Atlas. Wien, 1862; 4«- & Fol.
Comptes rendus des seances del'Academiedes sciences, TomeLIV,
No. 12 & 13. Paris, 1862; 4<>-
Cos mos, XIe Anuee, 20e Volume, 15° & 16e Livraison. Paris,
1862; 8°-
Cybulz, Ignaz, Handbuch der Terrain-Forrnenlehre mit einem An-
hange über Elementar-TJnterricht im Terrain-Zeichnen. Mit 146
in den Text eingedruckten Holzschnitten. Wien, 1862; 8°-
Denkschrift über die Verhältnisse der österreichischen Mittel-
schulen. Der vom Abgeordnetenhause des h. Reichsrathes
ernannten ständigen Commission für Unterricht und Wissen-
schaft überreicht vom Vereine „Die Mittelschule". Wien,
1862; 8o-
Gesellschaft der Wissenschaften, königl. böhmische, Abhand-
lungen. V. Folge, XI. Band. Von den Jahren 1860—1861.
Mit 4 lith. Tafeln. Prag, 1861; 4<> — Sitzungsberichte, Jahr-
gang 1861, Juli— December. Prag, 1861; 8<>-
Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer, heraus-
gegeben vonG. F. Walz und F. L. Win ekler. Band XVII. Heft
2. Heidelberg, 1862; So-
Keller, Antonio, L'Ailanto ed il Bombyx Cynthia. Padova, 1862; 80-
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung, XII. Jahrgang, Nr. 11 & 12.
Wien, 1862; Kl. 4<>-
Regel, E., Tentamen Florae Ussuriensis oder Versuch einer Flora
des Ussuri- Gebietes. Nach den von Herrn B. Maack ge-
sammelten Pflanzen bearbeitet. Mit 12 Tafeln. (Mein, de TAcad.
Imp. des sc. de St. Petersbourg, VIIe serie. T. IV, No. 4.)
St. Petersburg, 1861; 40- — Reisen in den Süden von Ost-
Sibirien ausgeführt in den J. 1855 — 1859 durch G. Radde.
Botanisehe Abtheilung. Nachträge zur Flora der Gebiete des
russischen Beiches östlich vom Altai bis Kamtschatka und Sitka,.
nach den von G. B a d d e. S t u b e n d o r f f, S e n s i n o ff, Bieder
und anderen gesammelten Pflanzen bearbeitet von E. Regel.
Band I. Moskau, 1861; 8°-
477
Schlagintweit, Robert von, Über die Höhen Verhältnisse In-
diens und Hochasiens. (Sitzungsber. d. k. bayer. Akad. d. Wiss.
zu München, math.-physik. Ciasse, ddo. 12. December 1861.)
München, 1862; 8<>-
Tilscher, Franz, Die Lehre der geometrischen Beleuchtungs-
Constructionen und deren Anwendung auf das technische
Zeichnen. Mit einem Atlas von 13 lith. Tafeln und einem Farben-
drucke. Wien, 1862; 8° & Fol.
Viquesnel, A., Notice sur la vie et sur les travaux de M. le
Docteur Verrollot. (Lue ä la Societe meteorologique de
France, seance du 24 Dec. 1861.) So-
Wiener medizinische Wochenschrift, XII. Jahrgang, Nr. 15 & 16-
Wien, 1862; 4o-
Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellsehaft,
XI. Jahrg. Nr. 13. Gratz, 1862; 4*-
SITZUNGSBERICHTE
DER
KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
MATHEMATISCH -NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE.
xlv. um.
ERSTE ABTHEILUNG.
Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik,
Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie.
479
XIII. SITZUNG VOM 8. MAI 1862.
Das hohe k. k. Staats-Ministerium übermittelt, mit Note vom
25. April 1. J., Z. ^'97, A. U., d;is Druckwerk: „Die Lehre der geo-
metrischen Beleuchtungs-Constructionen und deren Anwendung auf
das technische Zeichnen" von Franz Tilscher, Hauptmann im k. k.
Genie-Stabe, mit dem Ersuchen, dasselbe in Betreff des wissenschaft-
lichen Werthes und der didaktischen Eignung einer Prüfung zu
unterziehen.
Herr ß. Günsberg, Assistent der Chemie und suppl. Prof. der
chemischen Technologie an der k. k. technischen Akademie zu Lem-
berg, übersendet eine vorläufige Notiz „über das Verhalten von
Gummi gegen Eiweisskörper".
Von Herrn Prof. V. Bitter v. Zepharovich ist eine Abhand-
lung eingelangt über „die Krystallformen des unterschwefligsauren
Kalkes".
Herr Dr. K. M. Diesing übergibt die „Beschreibung von zwei
neuen Arten der Gattung Aulastomum aus warmen Quellen Ungarns".
Herr Prof. E. Brücke überreiebt eine Abhandlung: „Über die
sogenannte Molecularbewegung in thierischen Zellen, insonderheit in
den Speichelkörperchen".
Herr Prof. R. Kner legt eine Abhandlung vor, betitelt: „Klei-
nere Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Österreichs".
Herr Dr. A. ßoue spricht über eine geographische Karte der
Herzegowina von Herrn de Beaumont, Präsidenten der geographi-
schen Gesellschaft zu Genf.
Herr Dr. M. Rosen thal, Secundararzt im hiesigen allgemeinen
Krankenhause, überreicht eine Abhandlung: „Untersuchungen über
Resorption und Absorption der Jodmittel".
Herr Dr. Alex. Rollett, Assistent am physiologischen Institute
der Wiener Universität, übergibt eine Abhandlung: „Versuche und
Beobachtungen am Blut".
480
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Accademia delle scienze dell' Istituto di Bologna, Memorie. Tokio X.
Fase. 2—4; TomoXI. Fase. 1—2. Bologna, 1860& 1861 ; 4°- —
Rendiconto delle sessioni. Anno 1859— 1860&1860— 1861 ;8°-
— I. R., di scienze, lettere ed arti in Padova, Rivista periodica dei
lavori. Vol. VII, No. 15 & 16; Vol. VIII, No. 17 & 18;
Vol. IX, No. 19 & 20. Padova, 1858—1861; 8°-
Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin,
Monatsbericht. Februar und März, 1862. Berlin; 8°-
— Kaiserl. Leopold. -Carol. Deutsche, der Naturforscher, Verhand-
lungen. XXIX. Band. Mit 28 Tafeln. Jena, 1862; 4°-
Annales des mines, 5e Serie, Tome XX. 6e Livraison de 1861.
Paris; 8°-
Astronomische Nachrichten, No. 1357 & 1358. Altona, 1862; 4°-
Au Stria, XIV. Jahrgang, XVII. & XVIII. Heft. Wien, 1862; 8°-
Comptes rendus des seances de TAcademie des sciences,
Tome LIV, No. 3, 4 & 14. Paris, 1862; 4<>-
Cos mos, XIe Annee, 20e Volume, 17e & 18e Livraison. Paris,
1862; 8°-
Gewerbe- Verein, nieder-österreichischer, Verhandlungen und
Mittheilungen. Jahrgang 1862, 4. Heft. Wien; 8°-
Societe Batave de philosophie experimentale de Rotterdam, Pro-
gramme 1861. Questions 105 — 130. 8°-
Viertel Jahresschrift für wissenschaftliche Veterinärkunde.
XVII. Band, 2. Heft. Wien, 1862; 8°-
Wiener medizinische Wochenschrift, XII. Jahrgang, No. 17 & 18.
Wien, 1862; 4<>-
Wochen -Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts- Gesellschaft,
XI. Jahrgang, No. 14. Gratz, 1862; 4<>-
481
Beschreibung von zwei neuen Arten der Gattung Aulastomum
aus warmen Quellen Ungarns.
Von dem w. M. Dr. fi. M. D i e s i n g.
Durch die besondere Gefälligkeit des Hrn. Prof. Dr. A. S c h m i d I
in Ofen erhielt ich im November v. J. zwei Gläschen mit Egeln aus
warmen Quellen in Ungarn, in Begleitung eines Schreibens, welchem
die im speciellen Theil dieser Mittheilung angeführten näheren Um-
stände des Vorkommens entnommen sind. Dass Egel in Thermen
sich finden, ist meines Wissens bis jetzt noch nicht bekannt gewor-
den und jedenfalls von besonderem Interesse. Dieser Fund erweckte
sogleich in mir den Wunsch, zu erfahren, ob nicht auch in den war-
men Quellen von Baden bei Wien und Vöslau Egelwürmer sich vor-
finden; nach einer gefälligen mündlichen Mittheilung des Stadt- und
Badearztes zu Baden, Hrn. Dr. Habel, wurden solche aber niemals
in den dortigen Schwefel wässern angetroffen; hinsichtlich der Quel-
len zu Vöslau konnte ich bisher keinen näheren Aufschluss erhalten
und es wäre gewiss recht verdienstlich, hierüber Nachforschungen
anzustellen.
Die von Professor Seh midi eingesendeten Thiere erwiesen
sich bei vorgenommener Untersuchung als zwei noch unbeschriebene
Arten der Gattung Aulastomum, von welcher bisher nur eine in
Mitteleuropa und Nordasien t) in Wassergräben, Teichen, mitunter
auch auf feuchter Erde lebende, und eine zweite von Grube als
Aulacostomum costaricense in den Annulatis Oerstedianis-) S. 10
publicirte amerikanische Art bekannt war3).
i) Gerstfeldt: in Mein. Sav. Etrang-. Acad. St. Petersb. VIII. (1859). 266.
2) Naturhist. Foren. Vidensk. Meddelelser 1858.
3) Durch das Bekanntwerden der hier besprochenen neuen Arten wird eine Modifikation
des Charakters der Gattung- Aulastomum in manchen Punkten noth wendig; insbeson-
4öä D i e s i n g.
Mein geehrter Freund, Herr Prof. Wedl, hatte die besondere
Gefälligkeit, die beiden erwähnten neuen Species einer sorgfältigen
Nachuntersuchung zu unterziehen und manche genauere Beobach-
tungen beizufügen, welche hier benützt wurden, wofür ich ihm mei-
nen wärmsten Dank abstatte.
Das eine Fiäschchen enthält Egel aus den warmen Quellen von
Toplitza-Karand bei Boros Sebes im Arader Comitat. Das Wasser
hat 21 "2 B., ist vollkommen klar, mit etwas alkalinischem Nach-
geschmäcke. Die Leute holen es als Trinkwasser, daran es im Dorfe
fehlt, kühlen es in den Kellern ab, und befinden sich ganz wohl
dabei; es wirkt nicht im geringsten auflösend. Es sind zwei Quellen
gleicher Temperatur, etwa zwei Klafter auseinander, in einer etwas
sumpfigen Wiese entspringend, f;tst im ebenen Lande, am südwest-
lichen Fusse des Kodru- Gebirges (Pless). In diesem Wasser finden
sich ziemlich häufig Egel. Der Körper derselben ist beinahe cylin-
drisch, mit 90 — 96 glatten Bingen, nach vorne schwach halsförmig
verschmäclitigl, graubraun, unterhalb etwas blasser. Die Zähne der
drei Maxillen .sind stumpf, ähnlich wie bei der folgenden Art. Zwi-
schen je zwei Maxillen liegen vier Ösophogeaifalten. Die an der
Bückenseite der Oberlippe befindlichen, durch Compression darstell-
baren zehn Augen sind folgendermassen gestellt: das erste Paar mit
den näher an einander gerückten Augen ist das vorderste; die fünf
Beihen der Augenpaare durch Linien verbunden geben den Umriss
eines Hufeisens. Der Saugnapf zeigt eine kreisrunde Öffnung. Der
Penis befindet sich zwischen dem 20. und 21. Leibesringe; die Ent-
fernung zwischen den beiden GeschlechtsölTnungen beträgt zehn
Binge. Im Übrigen stimmt diese Art mit der folgenden überein.
Dr. Schmidl fügt folgende Bemerkung bei. Er hatte kein
Glas bei sich, nahm daher das Thermometer aus dem Futteral, ver-
wahrte es in seiner Bocktasche und zwei Thiere in dem messinge-
nen Futteral. Zu Hause fand er statt 2 Exemplaren deren 6, — es
hatte seiner Ansicht nach in dem Thermometerbehälter eine Ent-
bindung stattgefunden ')• ^'e «Jungen, selbst von 4'" Länge und
(ieis liegen die Geschlechtsöffnungen hei A. tjulo und .1. costaricense zwischen dein
24. ii. '>:>. und 29. ii. 30., hei A. Wedli zwischen dem 23. u. 24 und 2S. u. 211..
bei A. Schmidli zwischen dem 20. u. 21. und 30. u. 31. Leihesringe.
• ) Diese Beobachtung bedarf um so mehr weiterer Bestätigung, als die am besten
gekannte Art A. gulo eierlegend ist und einen Cocon bildet; vielleicht Hesse sich die
Beschreibung' von zwei neuen Arten der Gattung Aulastomum etc. 4oo
1 '/a'" Breite, zeigten übrigens schon den Saugnapf: die übrigen drei
massen 6'", 8'" und 1" 10"' in der Länge. Ich habe diese Art mit
dem Namen des Entdeckers belegt.
Anlastouinm Schuüdli.
Corpus subcylindricum, annulis 90 — 96, antrorsum partim
in colli speciem attenuatum, cinereo-brunneum, subtus pallidius.
Maxillae dentibus obtusis instrtictae. Ocelli in formam fern' equini
dispositi. Acetabulum apertura circulari. Penis inter annulum 20.
et 21.; apertura genitalis feminea inter annulum 30. et 31. Longit.
specim. spiritu vini servati 2" 6 — 9'", latit. i/a", diamet. acetab.
ultra 2'".
Aulastomum Schmidli Diesing: Icon. zoogr. Ferdinandi I. Imperatoris.
Habitaculum. In fontibus calidis 21 2 R. prope Toplitza
Karand in Comitatu Aradensi (Seh midi).
Das andere Fläschchen enthält 9 Stücke Egel aus dem Thermal-
wasser von Ofen. Eine der Hauptquellen dieser 5 Thermalgruppen
ist jene, welche mit einer Temperatur von 20° R. und bedeutender
Mächtigkeit aus der Berglehne hervorbricht, und einen Teich füllt,
welcher im vorigen Jahre zu einem Schwimmbassin hergerichtet
wurde. Es ist derselbe Teich, der durch das Vorkommen der
schönen Nymphaea {N. thermalis W. K.) bekannt wurde, welche
seiner Zeit durch Kitaibel aus den Grosswardeiner Thermen hier-
her verpflanzt wurde und sonst nur noch im Nil vorkommen soll. In
diesem Schwimmbassin finden sich zeitweilig Egel, die im Teiche
ziemlich häufig sind; man hat aber kein Beispiel, dass sie sich an
einem Badenden angesaugt hätten.
Der Körper dieser Art ist fast lanzettförmig, halbrund, mit un-
gefähr 90 glatten Ringen, vorne halsartig verschmächtigt, oberhalb
schwärzlich olivengrün, unterhalb graugelb. Der Kopf ist mit dem
Körper gleichlaufend, der Mund ist schief endständig mit halbellipti-
scher Ober- und fast fehlender Unterlippe und drei halbkreisförmi-
gen inneren Kinnladen. Jede der drei Maxillen ist mit zwei Reihen
von in einem Kreisbogen stehenden Zähnen (12 — 14 in einer Reihe)
versehen. Die Zähne sind stumpf, ähnlich den Mahlzähnen, und wer-
Thatsnclie so erklären, dass die .hingen an der Unterseite ihres Mntterthieres Schulz
suchend, sich mittelst des Saugnapfes anhefteten und sich der Beobachtung ent-
zogen, ähnlich wie dies hei C/epsinr der Fall ist.
484 Diesing. Besehreibung' von zwei neuen Arten d. Gattung Aulastomum etc.
den gegen beide Enden zu kleiner. Zwischen je zwei Maxillen liegen
der Länge nach vier Ösophogealfalten. An der Rückenseite der
Oberlippe sind bei auffallendem Lichte 10 Augen als graue, etwas
vorragende Körnchen in folgender Anreihurig zu erkennen: 4 in der
ersten, 4 in der zweiten und 2 in der dritten Reihe, welche letztere
dem hintersten Augenpaare entspricht. Bei durchgehendem Lichte
lassen sich die Augen wegen starken Pigmenfgehaltes der Haut mit-
telst Compression der Oberlippe nicht wahrnehmen, jedoch mittelst
Präparation als schwarze , scharf contourirte Flecken constatiren.
Der Saugnapf zeigt meist eine dreieckige Öffnung. Der glatte Penis
tritt zwischen dem 23. und 24. Ringe, 3/4"' weit, aus der quer-
geschlitzten männlichen Geschlechtsöffnung hervor. Die quergestellte
zweilippige weihliche Geschlechtsöffnung befindet sich zwischen dem
28. und 29. Ringe *). Dieser Art habe ich den Namen meines Freun-
des Dr. Karl Wedl beigelegt, mit dem ich in Gesellschaft unseres
gemeinschaftlichen Freundes Dr. Benedict Kopezky so manchen
lehrreichen und heiteren Abend verlebte und noch zu verleben hoffe.
Anlastomuni Wedli.
Corpus sublanceolatum, annulis circa 90, antrorsum in coli
speciem attenuatum, supra convexiusculum nigro-olivaceum, subtus
planum cinereo-flavum. Mawillae dentium obtusorum seriebus semi-
eircularibus duabus instructae, dentibus in unaquaque serie 12 — 14.
Ocelli cinerei in series tres dispositi, quarum prima et secunda
ocellis 4, tertia simulque posterior ocellis 2 formata. Acetabulum
saepissime apertura subtriangulari. Penis inter annulum 23. et 24.;
apertura genitalis feminea inter annulum 28. et 29. Longit. 9"' —
ly,", latit. 2—4'", diamet. acetabuli 1*/,— 2'" et ultra.
Aulastomum Wedli Diesing ; Icon. zoogr. Ferdinandi I. Imperatoris.
Habitaculum. In balneario publico fontis thermalis 20° R.
Budae (Seh midi).
t) Die genauen Angaben über die Zähnelung der Kinnladen sowie über die Lage, Zahl
und Beschaffenheit der Augen beider Arien verdanke ich der Güte des Herrn
Prof. Wedl.
Kner. Kleinere Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Österreichs. 485
Kleinere Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische
Österreichs.
Von dem w. M. Dr. Rudolf Kner.
(Mit % Tafeln.)
Der Grobkalk des Leithagebirges, wenngleich der Erhaltung
fossiler Überreste von Fischen im Ganzen nicht eben günstig, erweist
sich doch von besonderem Interesse durch den auffallenden Reich-
thum an zweifellosen Stachelflossern. Schon in Graf Münster's
Beiträgen zur Petrefactenkunde (7. Heft) sind deren, freilich bis-
weilen falsch gedeutet, enthalten. In J. H e ckeTs zweiter Abhandlung
seiner wichtigen „Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Öster-
reichs" (XI. Bd. der Denkschriften der kais. Akademie der Wissen-
schaften 1856) gehören aber sämmtliche aus den genannten Schich-
tengebilden angeführten Arten zu Cuvier's Stachelflossern, indem
daselbst 1 Percoid (Lates Partschii), 1 Cataphract (Ctenopoma
JemelkaJ und 2 Labroiden (Labriis Agassizü und porvulus) be-
schrieben und abgebildet werden. Hiezu noch gezählt die in den
„Neuen Beiträgen von He ekel (von mir beendet) im 19. Bande der
Denkschriften 1861 vorgeführten drei Arten (Serranus pentacan-
thus, Trigla infausta und Scorpaena prior), so ergibt sich, dass
mit Ausnahme der in der citirten Abhandlung des Grafen Münster
enthaltenen oft unverlässlich bestimmten einzelnen Theile (Zähne
u. dgl.) die Mehrzahl aller aus jenen Schichten bekannten Gattungen
Acanthopteiygier sind. Und auch mein kleinerer Beitrag, den ich
hiemit zu übergeben die Ehre habe, umfasst abermals drei ver-
schiedene Gattungen von Stachelflossern, deren jede einer andern
Familie Cuvier's angehört, die sämmtlich für den Leithakalk neue
486 * » e '•
Vorkommnisse sind, und von denen meines Wissens eine vielleicht
bisher noch nirgends aufgefunden wurde. Das Auftreten der letztern
dürfte aber namentlich desshalb von grösserer Bedeutung sein, weil
es einen neuen Beleg für die schon mehrfach ausgesprochene Ansicht
zu liefern scheint, dass das Alter des Leithakalkes etwas höher
anzuschlagen sei, als jenes der übrigen das miocäne Wiener Becken
ausfüllenden Schichten und dass namentlich seine Fischfauna noch
mehr dem Charakter der indischen als europäischen Meere der
Gegenwart entspricht, wie dies auch schon das Auftreten von Lates
andeutet.
Dieser Anhaltspunkt erleichtert dann auch nicht nur die
Bestimmbarkeit der Gattung, welcher die erste der hier abzuhan-
delnden Arten zuzuweisen ist, sondern berechtigt überdies zu dem
Schlüsse, dass die beiden von Heckel in der erwähnten Abhandlung
beschriebenen und auf Taf. 15 in Fig. 2 — 5 abgebildeten Labroiden
nicht füglich der Gattung Labrus angehört haben können. — Was
zunächst den Labrus Agassizü Heck, oder den Notaeus Agassizii
Münst. anbelangt, so mahnt schon der erste Blick auf das in Fig. 3
dargestellte Exemplar, welches dem Grafen Münster vorlag, an
einen der Gatlung Julis zugehörigen Labroiden, und wenn auch das
in Fig. 2 dargestellte grössere Exemplar mehr zerquetscht und die
Rumpfhöhle dadurch beträchtlicher erscheint, so bin ich doch gleich-
falls geneigt, beide für gleichartig zu halten, wenigstens lässt sich
das Gegentheil nicht beweisen. Für einen echten Labrus kann ich
jedoch die in Rede stehende Art aus folgenden Gründen nicht halten.
Erstlich weisen die fossilen Einschlüsse des Leithakalkes, wie schon
erwähnt, auf- eine jedenfalls subtropische Fauna, namentlich die
indische mit Einschluss des rothen Meeres, hin und in dieser ist
derzeit nach den Ausweisen von Bleeker's des umfassendsten
Kenners der indischen Fischfauna (s. dessen Enumeratio specierum
piscium Archipelagi indici, Batavia 1859) die Gattung Labrus
durch keine Art vertreten, während dagegen Julis -Arten unter den
Labroiden in überwiegender Anzahl vorkommen. Der Bezahnung
der Kieferstücke zufolge, so weit sie erkennbar ist, entsprechen die
M ü n st er-Heckel'schen Exemplare allerdings einem Labrus, doch
eben so gut auch einem Julis, unter denen nicht wenige gleichfalls
in Mitte des Zwischen- und Unterkiefers verlängerte schwach ge-
krümmte Fangzähne tragen.
Kleinere Beitrüge zur Kenntnis« der fossilen Fische Österreichs. 487
Auch die Form und Bezahnung des untern Sehlundknochens,
dessen Umriss in Fig. 4 auf Taf. 15 nur theilweise gegeben ist,
nöthigt nicht in diesem Fische eine Labrus- Art anzuerkennen, denn
sowohl bei Labrus wie bei Julis finden sich nebst rundlichen auch
spitze Zähne am untern Schlundknochen vor, an den obern hingegen
letztere nur bei Julis; und an dem von He ekel beschriebenen
Exemplare gewahrt man nebst den am untern Schlundknochen fest-
sitzenden noch einige lose spitze Zähne, die wahrscheinlich den
oberen angehörten und eine ähnliche Form zeigen wie z. B. bei
Julis Sebae. — Was endlich den Verlauf der Seitenlinie betrifft, so
gibt Heckel sie entschieden als nicht unterbrochen an, und dies
Merkmal würde allerdings zu Gunsten der Gattung Labrus sprechen
(denn an einen Cossyphus lässt sich schon nach der Form der Schlund-
knochenzähne nicht denken), doch konnte ich bei genauer Ansicht
jenes Exemplares mich keineswegs mit Sicherheit von diesem Um-
stände überzeugen, da gerade an jener Stelle, wo die Seitenlinie
abbrechen soll, der Erhaltungszustand des Exemplares minder gut
ist und ein scharfes Erkennen nicht gestattet. — Fasst man nun alle
erwähnten Verhältnisse zusammen und erwägt man, dass nur die
Wahl zwischen den beiden Gattungen Labrus und Julis bleiben kann,
so glaube ich, namentlich auf den zuerst erwähnten Grund gestützt,
mich für die letztgenannte Gattung um so mehr aussprechen zu dürfen,
als anderseits kein zwingender Grund vorliegt, sich für die erstere zu
entscheiden. Es wäre demnach, wenn meine Anschauung die richtige
ist, Heckel's Benennung der Art in Julis Agassizii oder vielleicht
besser in Julis Münsteri umzuändern.
Was hingegen den Labrus parmäus Heck, anbelangt, so
genügt ein flüchtiger Blick auf Fig^ö der Taf. 15, um zu erkennen,
dass man es überhaupt hier mit keinem Labroiden zu thun habe, und
Heckel selbst spricht sich mit Becht hierüber nur zweifelhaft aus.
Meines Erachtens dürfte es aber gerathener sein, vorerst diese Art
wenigstens aus dem Verzeichnisse fossiler Labroiden gänzlich zu
streichen.
Diese Bemerkungen hielt ich für nöthig, der nun folgenden
Beschreibung eines von der Münster-Heckel'schen Art verschie-
denen Labroiden vorauszuschicken, den ich als eine Julis -Art eben-
falls richtig zu deuten glaube. Ich erhielt ihn durch die Güte des
Herrn Abbe Sigismund Bubic, dem das Museum der Universität
Sitzb. der inathem.-naturw. Ol. XLV. Bd. I. Abth. 34
488 K n e r.
bereits mehrere schöne Funde aus den Steinbrüchen von Margarethen
verdankt und dem zu Ehren ich die nachstehende Artbenennung
vorzuschlagen mir erlaube.
1. Julis Sigismondi, m.
Fig\ 1 , in nat Gr.
Obschon der Erhaltungszustand dieses bisher einzigen Exem-
plares namentlich in Betreff des Kopfes sehr viel zu wünschen lässt,
so berechtigen die vorhandenen Überreste doch mit voller Sicherheit
zu folgenden Schlüssen. Der bei a sichtbare untere Schlundknochen
konnte nur einem Labroiden angehört haben und zwar seiner Form
und Bezahnung nach entweder jener Gruppe, die theils rundliche,
theils spitze Pharyngeal -Zahne besitzt, oder jener mit blos spitzen
Zähnen. Letzteres ist jedoch nur bei den Gattungen Ctenolubrus,
Acantholabrus, Coricus und Lubroides der Fall und von diesen
schliessen alle übrigen Merkmale unsern Fisch um so mehr aus, als
mit Ausnahme von Lubroides Bleek. keine derselben dem indischen
Ocean eigen ist. Von der erstgenannten Gruppe, welcher demnach
unser Fisch angehört haben muss, bleiben aber nur die Gattungen
Xirichthys, Labrus und Julis über, da er von den übrigen durch
Totalgestalt, Flossenhildung, Beschuppung u. s. w. sich abscheidet.
Gegen Xirichthys (oder Novucula)' sprechen die Schuppenabdrücke,
die ersichtlich zu geringe Kopfhöhe und jedes fehlende Anzeichen
einer steil abfallenden Stirn. Es bleibt somit nur die Wahl zwischen
den beiden anderen Gattungen, die aber nicht schwierig sein dürfte,
wenn man folgende Punkte in's Auge fasst. — Gegen die Deutung
als Labrus spricht der schon früher hervorgehobene Mangel des Vor-
kommens dieser Gattung im rothen und indischen Meere, ferners die
trotz des schlecht erhaltenen Kopfes doch zweifellos kurzen Kiefer,
die schwachen Stachelstrahlen der Rückenflosse und die entschieden
unterbrochene Seitenlinie. Alle diese Verhältnisse sprechen aber
gerade zu Gunsten der Gattung Julis im weiteren Sinne. Nicht mög-
lich erscheint es dagegen näher angeben zu wollen, mit welcher
von den zahlreichen Arten dieser in mehrere Subgenera zu trennen-
den grossen Gattung die fragliche Art zunächst mag verwandt
gewesen sein, da insbesondere Kopf und Schwanzflosse zu kümmer-
lich erhalten sind und die Gegenplatte, welche hierüber wohl Auf-
klärung geben könnte, leider fehlt.
Kleinere Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Österreichs. 489
Die Totalgestalt ist ziemlich gestreckt und die Länge beträgt
ohne Caudidflosse bei G W. Zoll. Sie verhält sich unter der Annahme,
dass der stark zerdrückte Kopf nicht bedeutend vorgeschoben wurde,
von der Gegend der Kieferränder bis zu Ende der Caudalplatten des
letzten Wirbels gerechnet, zur grössten Höhe über den Brust- und
Bauchflossen nahezu wie 4:1. Die Kopflänge dürfte gleichfalls bei-
läufig J/4 der Körperlänge (ohne Caudale) betragen haben; die
kleinste Höhe an der Basis der Schwanzflosse ist l2/3mal in der
grössten enthalten. — Von jenen Knochen , die dem Kopfe und
respiratorischen Apparate angehörten, sind nur folgende erkennbar.
Zunächst bei a das untere Os phaiyngeum, welches mit seiner obern
zahntragenden Fläche im Gesteine festsitzt, so dass nur an dem
dünnen und langen Stiele ein Paar spitzer Zähne seitlich sichtbar ist;
einige lose liegen hinter der Zahnplatte. Bei b gewahrt man das
Vorderende des rechten Unterkieferastes mit zwei verlängerten Fans-
Zähnen und zwar liegt selbes dem rechten ersten Bogen des Zungen-
beines auf, an dem in noch ziemlich natürlicher Lage 5 Kiemenstrahlen
festsitzen. Den Baum zwischen den unteren Schlundknochen und der
Brustflosse nehmen zerdrückte und verworrene Stücke der Kiemen-
deckeln und des Schultergürtels ein. Die übrigen Knochen der
Schädelkapsel und des Gesichtes fehlen beinahe gänzlich und sind
wenigstens in den einzelnen Fragmenten nicht sicher bestimmbar.
An der längs halber Körperhöhe verlaufenden Wirbelsäule sind
24 — 25 längliche ziemlich schlanke Wirbel und eben so viele obere
Dornfortsätze deutlich erhalten; nur die Körper der 2 — 3 vorderen,
an das Hinterhaupt grenzenden fehlen an dieser Platte fast gänzlich.
Von den vorhandenen sind 7— 8 Bauch-, die übrigen 16— 17 Schwanz-
wirbel. Die an den letzten sich anlehnenden Caudalplatten, welche
zur Stütze der Flossenstrahlen dienen, stellen fast rechtwinkelige
Dreiecke dar. Die Zahl der Rippen lässt sich nicht genau angeben,
doch waren deren wohl 9—10 vorhanden. Die Rückenflosse beginnt
weit vorne, fast senkrecht über der Kiemenspalte und reichte bis
gegen den Dornfortsatz des fünft letzten Caudalwirbels zurück; nur
die ersten 7 Strahlen sind als ungegliederte stachelähnliche zu
erkennen, alle aber dünn und die vorderen niederer als die hinteren.
Schon der achte ist deutlich gegliedert und getheilt und zwar sind die
letzteren mehrfach gabiig gespalten und kommen an Länge der hal-
ben grössten Körperhöhe nahezu gleich. Die Anale beginnt unter
34*
490 K » • '■
dem Anfange des gegliederten Theiles der Rückenflosse und wird
von 11 — 12 erkennbaren Strahlenträgern gestützt, von denen der
erste am längsten und stärksten ist. Bereits ihr 3. und 4. Strahl war
ein getheilter Gliederstrahl, der die vorhergehenden stacheligen an
Länge bedeutend übertraf. Die kleinen etwas hinter dem Beginne
der Dorsale sitzenden Brustflossen und die etwas weiter rückwärts
liegenden, ebenfalls kleinen Ventralen sind zwar nur theihveise
erhalten, aber in ziemlich unverrückter Lage und entsprechen in
ihren Verhältnissen ganz gut jenen der Gattung Julis überhaupt. Am
wenigsten conservirt ist die Caudale und nur soviel zu entnehmen,
dass sie abgerundet und keineswegs halbmondförmig eingeschnitten
war.
Die Schuppen haben sich wie bei Heckel's Lahr. Agassizii
zwar nicht im Umrisse aber um so schärfer im Abdrucke der Radien
an ihrer festsitzenden Hälfte erhalten. Sie waren bedeutend grösser
als an jenem und reihen sich den grosssehuppigen Arten an, wie
deren Indien viele aufzuweisen hat, denen sich unsere fossile Art auch
durch die Stellung und Zahl der Hauptradien ihres Fächers, die 6 — 7
beträgt, anreiht. Die grössten und mit den stärksten Radien versehe-
nen Schuppen nahmen die Seiten des Rumpfes über den Brustflossen
ein. — Der Seitencanal verlauft nahe dem Rücken, mit ihm parallel
bis zu Ende der Dorsale und scheint dann unterbrochen (nicht blos
rasch abwärts biegend) gewesen zu sein und keine Nebenröhrchen
ausgesendet zu haben.
Paliniphemus ») anceps, n. g.
Fi». 2, in nat. Gr.
Das hier abgebildete Unicum stammt von derselben Localität
wie das vorige und ich gelangte ebenfalls durch die Güte des Herrn
Abbe Bubic in dessen Besitz. Sein Erhaltungszustand ist zwar leider
auch nicht sehr befriedigend, doch scheint die Bestimmung als neue
Gattung mit ziemlicher Sicherheit möglich. Um aber hierüber völlig
im Klaren zu sein, müssten mehrere wesentliche Theile besser
erhalten sein und mindestens fest stehen, ob der Kopf durch mecha-
nischen Druck in die platte Dreieckform gepresst wurde, oder ob
diese die natürliche war. Unter der letztern, allerdings wahrschein-
i) Von tto(> luVfjU'j; widersprechend.
Kleine Beitrüge zur Kenntniss der fossilen Fische Österreichs. 49 1
lieberen Annahme bleiben aber dann nicht viele Gattungen lebender
Fische übrig, denen diese fossile Art angehört oder zunächst gestan-
den haben kann.
Unter den sogenannten Knochenfischen, von denen allein die
Rede sein kann, finden sieh in der Ordnung der Weich- oder Glieder-
flosser nur in der grossen Gruppe der Siluroiden ähnliche Formen
vor, doch schliessen sowohl die noch weit zurück am Schwänze
sichtbaren gegliederten Strahlen einer daselbst vorhanden gewese-
nen Rücken- und Afterflosse, wie auch die deutlichen Schuppenab-
drücke sogleich jeden Gedanken an einen Fisch jener Gruppe aus.
Eben so wenig kann von der Familie der Pediculateu die Rede sein.
Unter den Stachelflossern im Sinne Cuviers sind hingegen mehrere
Gattungen etwas genauer zu prüfen und zwar insbesondere folgende.
Aus der Familie der Gobioiden : Callionymus und Platyptera.
Von erst genannter Gattung schliesst sich aber unser Fisch aus :
durch die Grösse der Mundspalte, die langen Kieferäste, den vor-
ragenden Unterkiefer, die scharfen Leisten an den Deckknochen des
Oberkopfes und die deutlich sichtbaren Schuppen; auch würde sich
von einem Callionymus bei dieser Lage des Kopfes die Rewaffnung
der Deckelstücke ohne Zweifel kenntlich erhalten haben. Platyptera
hingegen unterscheidet sich von ihm durch kleinen Mund, zwei
wenig strahlige Rückenflossen, die nahe hinter einander stehen und
den ganzen Schwanz flossenfrei lassen, indem auch die kurze Anale
unter der zweiten Dorsale angebracht ist. Ausser diesen bleiben aber
höchstens noch 3 Gattungen aus der Familie Ca taphracti über, die
einer Vergleichung unterzogen werden können, nämlich Agonus
(Aspidophorus), Bembras und Platycephalus. Der Gedanke an die
beiden ersteren muss jedoch sogleich fallen gelassen werden, da sich
sowohl von einem Agonus die eckigen Hautschilder ohne Zweifel im
Abdruck erhalten hätten, wie auch von Bembras der Umriss der
vielen Dornen und Spitzen des Kopfpanzers; bei Agonus kommt
noch überdies zu erwägen, dass diese Gattung derzeit der kälteren
Zone angehört und in den wärmeren Meeren der östlichen Erdhälfte
gänzlich fehlt, während doch die übrigen Vorkommnisse im Leitha-
kalke durchwegs auf solche hinweisen. — Was dagegen die Gattung
Platycephalus betrifft, so regt sich beim Anblick des breiten flachen
und dreieckigen Kopfes mit den scheitelständigen Augen und vor-
stehendem Unterkiefer, ferner der langgestreckten spindelförmigen
492 K n e r.
Gestalt, der stark entwickelten paarigen Flossen und der abgestutzten
Caudale unwillkürlich die Vermuthung, man habe es hier zum ersten
Male mit einem fossilen Vertreter dieser vom rothen Meere bis in die
Südsee zahlreich vertretenen Gattung zu thun. Doch erweist auch
sie sich alsbald als unrichtig, wenn man folgende Punkte in Erwä-
gung zieht. Vor Allem widerspricht dieser Annahme die Kleinheit
und Anzahl der Wirbel. Bei Platycephalus sind die Wirbelkörper
zwar auch länger als hoch aber ungleich grösser und stärker, daher
ihre Zahl seihst bei den langgestreckten Arten bedeutend geringer ist
als bei unserm fossilen Fische; sie beträgt bei jenen (die skeletlieh
bekannt sind) 27 — 28 , während sie bei diesem auf 40 steigt.
Namentlich nehmen auch bei Platycephalus die letzten Caudalwirbel
ungleich weniger an Grösse ab, und die Dornfortsätze und Flossen-
träger sind durchaus viel stärker, als dies hier der Fall ist. Ferner
scheint der Bau der zweiten Dorsale und der Anale abweichend gewesen
zu sein. Bei Platycephalus ist bekanntlich deren Basis lang, die
einzelnen Strahlen stehen von einander ziemlich weit ab und sind
kräftig, da sie sich mehrmals gabiig theilen, und an die Flösschen
der Scomberoiden hiedurch mahnen.
Hier jedoch scheint eine zweite Dorsale von kurzer Basis nahe
dem Caudalende der ebenfalls kurzen Anale gegenüber gestanden zu
sein und die Strahlen beider Flossen dünn, einander genähert und von
ähnlicher Form gewesen zu sein, wie bei jenen Scombriden, die der
falschen Flossen ermangeln. — In allen diesen Punkten, in welchen
unser Fisch von Platycephalus so wesentlich abweicht, dass der Gedanke
an einen solchen füglich nicht festgehalten werden kann, zeigt sich
dagegen eine merkwürdige Übereinstimmung mit den Arten der fos-
silen Gattung PalimphyesAg., insbesondere jenen, welche Agassiz
als Pal, longus auf Taf. 19 und Pal. latus auf Taf. 28 abbildet und
die er den Scomberoiden beizählt. In der gestreckten Gestalt, der
Form, Grösse und Zahl der Wirbel, der Bildung der Flossen, nament-
lich den stark entwickelten paarigen und der weit rückwärts über
der Anale stehenden zweiten Dorsale herrscht beinahe völlige Überein-
stimmung, und bezüglich der abgestutzten Schwanzflosse gilt dies
von Pal. longus insbesondere. Dagegen weichen sämmtliehe Abbil-
dungen dieser Gattung in Betreff der Kopfform völlig von unserm
Fische ab, wobei freilich hervorzuheben ist, dass bei allen jenen
Exemplaren der Kopf nur in der Seitenansicht vorliegt und überdies
Kleine Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Österreichs. 403
durchwegs schlecht conservirt ist. Über die natürliche Kopfform von
Palimphyes lässt sich dem gemäss eben so wenig etwas sicheres
sagen, wie über die Form des Kopfes unseres Fisches, wenn dieser
seitlich zusammengedrückt im Gesteine läge. Im Übrigen ist aber die
Beschreibung von Agassiz zu kurz und zu wenig genau und der
Gattungscharakter so schwankend, dass auch hieraus kein überzeu-
gendes Urfheil zu schöpfen ist. Über Bezahnung, etwaige Beschup-
pung u. s. w. fehlen alle Angaben und da unser Fisch deutliche
Schuppenabdrücke zeigt, so wird es um so unwahrscheinlicher, dass
er der Gattung Palimphyes beizuzählen, und dass er überhaupt ein
Scomberoid gewesen sei, obwohl letzteres auch von der Agassi z'schen
Gattung keineswegs feststeht. Hervorzuheben ist hingegen noch das
Vorkommen von Palimphyes in den Schichten von Glaris, die Bronn
an die Grenze der tertiären stellt und sie als „vielleicht eocäne*
bezeichnet; während vom Leithakalke gleichfalls schon im Eingange
bemerkt wurde, dass er etwas älter als die übrigen miocänen Schich-
ten des Wiener Beckens zu sein scheine, eine Ansicht; zu der sich
auch mein geehrter Freund Dr. Hörnes hinneigt1). Fasst man
nun alles bisher Gesagte zusammen, so stellt sich heraus, dass unser
fragliche Fisch nach dem Erhaltungszustande, in dem das bisher
einzige Exemplar vorliegt, füglich weder mit einer lebenden, noch
einer der blos nach fossilen Besten benannten Gattungen völlig
übereinstimme, und dass die Familie, der er einzureihen sei, vorerst
gar nicht mit Sicherheit sich angeben lasse. Um durch eine etwa
falsche Einreibung Verwirrung zu vermeiden, scheint es daher räth-
licher, einstweilen einen neuen Gattungsnamen vorzuschlagen, bis
vielleicht neuere glückliche Funde eine genauere Kenntniss und eine
schärfere Bestimmung der verwandtschaftlichen Verhältnisse ermög-
lichen werden.
Beschreibung.
Die Totallänge beträgt bei 8"; Kopf und Vorderrumpf scheinen
in natürlicher Lage im Gesteine eingeschlossen zu sein, so dass
ersterer mit seiner Oberseite dem Beschauer zugekehrt ist. Nimmt
l) Nach Herrn v. Boue's mündlicher Mittheilung findet sich der sogenannte Leithakalk
auch in Thracien vor, und der bekannte französische Geognost Viquesnel
erklärt denselben geradezu als eocän.
494 K u e r.
man an, dass der Umriss des Kopfes durch erlittenen Druck nur
wenig breiter wurde (und diese Voraussetzung dürfte richtig sein),
so war dann die Länge des Kopfes seiner Breite zwischen den Deckel-
stücken nahezu gleich und betrug beiläufig i/a der Gesammtlänge. —
Die nach aufwärts gerichteten Augen standen in halber Kopfeslänge
und von einander mehr als 1 Diameter entfernt. Die Mundspalte war
offenbar weit und der Unterkiefer scheint etwas vor dem Zwischen-
kiefer vorgeragt zu haben. Von Bezahnung ist nichts sichtbar, mit
Ausnahme eines kleinen krummen Spitzzahnes, der frei zwischen den
Kieferstücken der linken Seite liegt. Die Deckelstücke dürften dünn
und ziemlich glatt gewesen sein, wenigstens gewahrt man nirgends
stärkere Dornen oder Spitzen; sowohl ihr Erhaltungszustand wie
jener der übrigen Kopfknochen gestattet übrigens keine sichere
Erkenntniss der einzelnen Stücke und ihrer Umrisse. — Von der
Wirbelsäule sind im Abdrucke 40 Wirbel deutlich erkennbar, die
wie schon bemerkt durch ihre Schwäche und Zahl zunächst an Palim-
phyes mahnen (bei welchem ihre Zahl auch 38 — 39 beträgt). Die
vorderen Wirbelkörper sind bedeutend länger als hoch und nehmen
gegen das Schwanzende allmählich an Grösse ab, so dass der letzte
auch der kleinste ist. Vom zehnten (Bücken-) Wirbel angefangen ist
die Wirbelsäule winklig gebrochen und der Fisch derart verscho-
ben, dass vom fünfzehnten Wirbel an derselbe seitlich zu liegen kam, wie
sich aus dem Abdrucke des Schwanzendes zweifellos ergibt; indem
nicht blos die verticale Schwanflosse ihrer ganzen Höhe nach sicht-
bar ist, sondern auch die oberen und unteren Dornfortsätze der Wirbel.
In Folge dessen kamen auch die Strahlen der Bückenflossen, so weit
sie sich erhalten haben, auf die rechte Seite des Kopfendes zu liegen
und die Anale auf die linke. — Die Zahl der Caudalwirbel dürfte
mindestens 20 betragen haben, doch ist der Anfang der Anale nicht
sicher zu erkennen. Die vorderen Brustwirbel waren rippentragend,
doch sind von diesen rechts nur zwei links eine fragmentarischerhalten.
Die nur am Schwänze vorhandenen Dornfortsätze sind so zart und
derart gestellt wie bei Platymphyes; am letzten Wirbel zeigt sich
keine Spur plattenförmiger Ausbreitungen, wie sie so häutig (wie
z. B. auch bei Platycephalus) zu Stützen von Caudaistrahlen die-
nen. — Von den paarigen Flossen ist die linke Brustflosse am besten
conservirt; ihr I. ungegliederter Strahl ist. der kürzeste und betrug
wohl nur >/4der Länge des folgenden ersten gegliederten, der sich bis
Kleine Beitrüge zur Keiintniss der fossilen Fische Österreichs. 495
zum 12. — 13. Wirbel zurück erstreckt zu haben scheint; ausserdem
kann man noch 15 — 16 dünne und allmählich kürzer werdende und
am Ende gabiig getheilte Gliederstrahlen zählen. Die rechterseits
der Wirbelsäule liegenden Strahlenfragmente scheinen der rechten
Bauchflosse angehört zu haben. Die erste Dorsale dürfte über dem fünften
oder sechsten Wirbel begonnen haben und trug ziemlich niedere und
dünne stachelähnliche Strahlen, von denen nur 4 — 5 theilweise sich
erhielten; über dem Iß. — 17. Wirbel gewahrt man bereits gegliederte
Slrahlen; es lässt sich aber weder die Zahl aller Dorsalstrahlen noch
die Ausdehnung der Flossen daselbst und der Umstand ermitteln, ob
zwei getrennte oder nur eine contiuuirliche Dorsale vorhanden waren.
Die unter dem Ende der Rückenflosse sitzende Anale dürfte etwas
weiter am Schwanzstiele zurückgereicht haben als jene. Die Caudale
war fast senkrecht abgestutzt und bestand aus wahrscheinlich 17
Slrahlen (ohne die kurzen Stützstrahlen). Die Länge ihrer End-
oder Hauptstrahlen mass beiläufig */, der Totallänge.
Der ganze Fisch war mit sehr kleinen, in schiefen Reihen
gelagerten Schuppen, auch am Oberkopfe bedeckt, die jedoch nur
einen so undeutlichen Abdruck hinterliessen, dass ihre Structur nicht
erkennbar und selbst nicht sicher anzugeben ist, ob sie ctenoid waren.
3. Pagrus priscns, m.
Fig. 3, in nat. Gr.
Bei oberflächlicher Ansicht des hier abgebildeten, allerdings
ansehnlich grossen Fragmentes dürfte der Versuch gewagt erschei-
nen die Gattung angeben zu wollen, welcher dieser Fisch angehört
habe, denn es fehlt nicht nur der Kopf sammt Voiderrumpf, sondern
auch die ganze unterhalb der Wirbelsäule gelegene Hälfte des Fisches.
Gleichwohl erscheint bei nur etwas näherer Betrachtung die Bestim-
mung der Familie völlig sicher und selbst bezüglich der Gattungen
bleibt eine Auswahl nur zwischen wenigen über, wie sich aus fol-
genden Betrachtungen ergeben wird. Der deutliche Abdruck der
Dorsalstacheln lässt sogleich einen Stachelflosser und zwar mit hetera-
canther Flossenbildung erkennen. Die Beschuppung aber einen cte-
noiden Fisch. Schon durch diese Merkmale allein bleiben zahlreiche
Gattungen und ganze Familien ausser dem Bereich näherer Ver-
gleichung. Fasst man aber die Flossenbildung, die Beschuppung,
den Verlauf und die Beschaffenheit der Seitenlinie und die Bildung
496 K » e r.
der Wirbelsäule, die Form und Länge der Dornfortsätze und der
Flossenträger (Stützen) näher in's Auge, so dürfte kaum zweifelhaft
erscheinen, dass man es im vorliegenden Falle mit einem Fische aus
der Cuvier'schen Familie der Sparoiden zu thun habe.
Die continuirliche Rückenflosse verhält sich völlig wie bei den
heteracanthen Gattungen dieser Familie, und die Ausdehnung des
stacheligen Theiles der Flosse überwiegt weit jene des gliederstrah-
ligen und sowohl die Zahlenverhältnisse der beiderlei Flossenstrah-
len, wie insbesondere die Länge und Form der stark compressen
Stacheln mahnt geradezu an gewisse lebende Arten der Gattungen
Pagrus, Chrysophrys und Bentex und nicht minder auch die Gestalt
und Gliederung der Caudale. Das Gleiche gilt auch von den Wirbel-
körpern, den fast geraden und langen Dornfortsätzen, den zwischen
ihnen sich einschiebenden Flossenträgern und namentlich den Platten
des letzten Schwanzwirbels , die als Stützen der sich anlegenden
Caudalstrahlen dienen und nach hinten eben so geradlinig abgestutzt
sind, wie dies bei den genannten Gattungen auch der Fall ist. Dess-
gleichen verlauft die stark ausgeprägte eben nicht verzweigte und
continuirliche Seitenlinie ganz wie bei den erwähnten Sparoiden. —
Wenn es sich aber nun um die Auswahl zwischen den erwähnten
Gattungen handelt, so dürften folgende Erwägungen die Entscheidung
zu Gunsten der Gattung Pagrus bedingen. Ähnlich verlängerte und
compresse Dorsalstrahlen kommen zwar sowohl bei Arten der Gat-
tung Chrysophrys wie Pagrus vor und auch ähnliche Schuppenform,
doch steigt das Rückenprofil bei unserm Exemplare nach vorne viel
zu wenig an, um dem eines Chrysophrys nahe zu kommen und
verhält sich vielmehr so wie bei Dentex und Pagrus. Es bleibt
demnach nur die Wahl zwischen den beiden letzteren Gattungen
und hier dürfte zunächst die Schuppenstructur den Ausschlag geben.
Bei den untersuchten Arten von Dentex besteht der Fächer des fest-
sitzenden Schuppenendes aus einer bedeutend grösseren Zahl von
überdies schwächeren Radien als bei Pagrus (und Chrysophrys),
woselbst sie nur durchwegs 7 — 9 beträgt; endlich sind die Schup-
pen am freien Rande trotz ihrer Grösse so schwach ctenoid, wie
dies auch bei den eben so grossen Schuppen mancher Pagrus - Arten
der Fall ist, namentlich von Pagrus spinifer oder longifilis dem
überhaupt unser Fisch am nächsten verwandt gewesen sein mag.
Ich glaube demnach trotz des so fragmenlären Zustandes unseres
Kleiner« Beiträge zur Kenntniss der fossilen Fische Österreichs. 4-9 T
Fisches doch mit ziemlicher Sicherheit denselben der Gattung Pagrus
zuweisen zu dürfen.
Beschreibung.
Die Totallänge des vorliegenden Fragmentes beträgt bis zum
Saume der Caudale 13", die grösste Höhe vom oberen Runde der
Wirbelsäule bis zum Rücken profile 21/2", die kleinste am vorletzten
Caudalwirbel aber nur i/z"> die Länge der mittleren Caudalstrahlen
vom Ende der Schwanzplatte gerechnet ist ö^uial in der Gesammt-
länge enthalten, der längste oder Hauptstrahl des oberen Caudal-
lappeus misst */4 der vorhandenen Körperlänge, d. h. nur bis zur
Basis der Schwanzflosse gerechnet und kommt der Länge der vier
vordem der erhaltenen Wirbeln zusammen gleich, deren jeder T"
lang ist, daher auch die 1" T" hohen Dornfortsätze dieser Wirbel
eben so weit von einander abstehen. Die Zahl der theilweise erhal-
tenen Wirbeln mit Einschluss des letzten caudalen beträgt 16; nur
am Schwanzstiele werden die Wirbel allmählich kleiner, ihre Dorn-
fortsätze um die Hälfte kürzer und die drei letzten neigen sich stark
nach rückwärts, die Wirbelkörper zeigen genau die zwei seitlichen
Längsleisten und die zwischen den Dornfortsätzen sich erhebende
kurze Spitze, wie das Skelet lebender Sparoiden und ingleichen stim-
men die Flossenträger mit diesen überein und hei jenen, die unter
den längeren Stacheln stehen, zeigt sich die knöcherne Platte, in
welche jeder derselben sich nach hinten fortsetzt, ganz deutlich im
Abdrucke und verhält sich in Grösse und Umriss ebenfalls wie bei
den nahestehenden lebenden Sparoiden. Von der Rückenflosse haben
sich 10 Stacheln erhalten, von denen der zweite und dritte sichtbare
21/2" lang sind. Nicht blos durch die Form ihres Abdruckes geben
sie sich als deutlich heteracanth kund, sondern auch durch ihre
alternirende Lagerung. Hält man die Ansicht von der nahen Ver-
wandtschaft dieser fossilen Art mit Pagrus spinifer fest, so dürfte
dann vor den vorhandenen nur noch ein Paar zugegen gewesen sein ;
ob die längsten der Stacheln nicht in dünne biegsame Fäden wie
bei longifilis ausliefen, lässt sich um so weniger entscheiden, als die
derben Stachelspitzen ohnehin bis an den Rand des Gesteines rei-
chen; der vorletzte Stachel ist um 8/3 kürzer als der längste, und
der letzte und kürzeste mit den folgenden Gliederstrahlen nahezu
gleich lang. Die Zahl der letzteren ist nicht genau anzugeben, betrug
498 Kner. Kleine Beiträge zur Kenntoiss der fossilen Fische Österreichs.
jedoch kaum mehr als zehn (so wie bei Pagrus longifilis) ; Strah-
lenträger sind jedoch nur neun erkennbar.
Die Länge des flossenfreien Schwanzstückes beträgt etwas
weniger als */4 der erhaltenen Körperlänge. Vor dem Hauptstrahle
des oberen Caudallappens stehen 6 — 1 an Länge zunehmende Pseudo-
oder Stützstrahlen. Die eigentlichen Caudalstrahlen lassen sich nicht
wohl zählen, da ihre erste Gabeltheilung gleich nahe der Basis
beginnt und sich bis gegen den Saum mehrfach wiederholt. Die
Gliederung der Strahlen ist wie bei den lebenden Sparoiden von
halber Strahlenlänge an äusserst dicht (zahlreich) und abgestuft
oder wellenförmig. — Die Seitenlinie verläuft nahezu in halber
Höhe zwischen dem Rückenprofile und der Wirbelsäule; über ihr
liegen unterhalb des stacheligen Theiles der Dorsale vier, ober ihr
3 — 4 Schuppenreihen. Die Radien des Fächers am festsitzenden
Ende sind äusserst scharf abgedruckt, das freie dünnere Ende ist
bei vielen ebenfalls so wohlerhalten, dass man noch mittelst der
Loupe daran die Structur ctenoider Schuppen deutlich wahrnimmt,
wie auch die äusserst feinen Zähnchen am Rande. Zwischen den
grösseren Schuppen, deren längerer Durchmesser */a" beträgt,
liegen hie und da viel kleinere zerstreut; ein Fall, der auch bei
lebenden Fischen, sowohl Stachel- als Weichflossern (bei Sebastes,
Scicena, einigen Characinen u. s. w.) vorkommt und mit den Wachs-
thumsgesetzen der Schuppen in Zusammenhang steht.
Das bisher einzige Exemplar stammt ebenfalls aus den Steinbrü-
chen hei Margarethen jedoch aus den sandreicheren Schichten, daher
Ansehen und Färbung des Gesteines wie auch des Fisches selbst von
den vorigen abweichen. Es befindet sich in der Sammlung des kais.
Hof-Mineralien-C;ibinetes und war sonderbarer Weise bisher mit der
Etiquette Nasens bezeichnet.
Kn'r. /iiir Ivenninif» der fossilen Fische Oeslcrrriflü
F,9/l
S.i/,iiml.;.i, ,1 i A1ca4 d W matli iwturw l'l M.l' Bi I AtiH, isi,.'
Knrr. Kur Krnnln.l« der fossilen Fische Oeslcrreiehs
M'afll
SteunäVi* Ak,„l LI „,„.1, ,»i.r, Cl M,V 11-1 l »flu 1862
Zepharovich. Die Krystallformen des unterschwefligsauren Kalkes. 49»)
Die Krystallformen des unterschwefligsauren Kalkes
CaO, S80a + 6 aq.
Von V. Ritter v. Zepharovich.
(Mit 3 Tafeln.)
Meine früheren Studien über die Krysfalle des essig-salpeter-
sauren Strontian und des ameisensauren Kupferoxyd-Strontian —
welche das Ergebniss hatten, dass dieselben dem anorthischen oder
klinorhomboidischen Systeme angehören, dies aber, wie auch in den
bezüglichen Mittheilungen *) erwähnt, bei der nicht bedeutenden
Abweichung des Winkels zweier Pinakoide von 90 Grad, zum Unter-
schiede vom diklinorhomhischen Systeme, erst aus einer grösseren
Reihe sorgfältiger Messungen folge — veranlassten in mir den
Wunsch die goniometrische Untersuchung des Salzes, an welchem
Mit scherlich das diklinorhombische System zuerst beobachtet, zu
wiederholen. Die Autforderung hierzu lag um so näher, als jene Mes-
sungen, vergleicht man die Jahreszahlen der betreffenden Publica-
tionen3), der für genaue Arbeit so wesentlichen Vervollständigung
des Wollaston'schen Goniometers, ebenfalls durch Mitscher lieh,
vorausgegangen. Dazu kam noch das Resultat der stauroskopischen Prü-
fung sehr schöner Krystalle des unterschwefligsauren Kalkes, welches
Kobell zu dem Ausspruch führte: „Es ist nach diesem Verhalten —
dass diese Krystalle in allen Stellungen die Drehwinkel-Verhältnisse
des kiinorhombischen Systemes zeigen — kaum mehr zu bezweifeln,
dass die Krystallisation des unterschwefligsauren Kalkes weder ein
eigenes System bilde, noch mit partieller Ausbildung klinorhombisch
sei, sundern dass sie dem klinorhomboidischen Systeme angehöre und
der Winkel a : b nur annähernd ein rechter sein könne" 3).
i) Diese Sitzungsberichte, Bd. XLI, S. 516, 1860 und Bd. XLIII. 1861, 21. März.
2) E. Mitscherlich über eine neue Classe von Krystallformen, P o g g. Ann. d. Ph.
u. Ch. ; 8. Bd. 1826. — Derselbe über ein Goniometer, Abhandl. der k. Akad. d.
Wissenseh. zu Berlin 1843, S. 189: „Das Goniometer, wovon icb hier eine Beschrei-
bung gebe, ist von mir seit 16 Jahren zur Messung von Krystallen angewandt worden.
3) Gelehrte Anzeigen der kön. baieriselten Akad. d. Wiss. 18ö6, Bd. 43, S. 22.
1)00 v. Z e |> li a r o v i e li.
Das reichhaltige und ausgezeichnete Materiale, welches ich den
Messungen mit meinem eigenen vorzüglichen Reflexions-Goniometer
unterziehen konnte, verdanke ich der Güte des Herrn Professors
Dr. J. Gottlieb in Graz, eben so die nachfolgenden Zeilen über
Darstellung und Zusammensetzung des Salzes:
„Zur Darstellung des unterschwefligsauren Kalkes wurde die
Einwirkung der schwefligen Säure auf die durch Kochen von Kalk-
hydrat mit Schwefel gewonnene Lösung von fünffach Schwefelcalcitim
und unterscbwefligsaurem Kalk benutzt. Die vom Schwefel abfiltrirte
Flüssigkeit setzte beim langsamen Verdunsten in massig beheiztem
Räume merkliche Mengen Gyps ab. Sie winde desshalb wiederholt
filtrirt. Um die Zersetzung beim Abdunsten hintanzuhalten, veran-
lasste ich endlich die Bildung von Krystallen des Salzes durch Zusatz
von, etwa */s des Volums, 80°/0 Weingeist, wobei sich die Flüssig-
keit trübte, bald aber wieder klar wurde und gleichzeitig theils
grosse Nadeln, theils kleinere wohl ausgebildete Krystalle abschied.
Eine Partie dieser Krystalle wurde zur Herstellung einer ganz
gesättigten wässerigen Lösung verwendet, die bei 5 — 6 Grad
allmählich grosse, wasserhelle Krystalle lieferte. — Um bezüglich des
mittelst Weingeist hergestellten Salzes jeden Zweifel über die Iden-
tität mit dem von Hers che 1 untersuchten zu beseitigen, wurde eine
Bestimmung des Kalk- und Wassergehaltes vorgenommen. 1-1935
Grm. des lufttrockenen Salzes hinterliessen 0*6238 Grm. schwe-
felsauren Kalk. Da die gewöhnliche Methode der Bestimmung des
Wassers durch Erwärmen, wegen der möglichen Bildung flüchtiger
Producte aus der unterschwefligen Säure nicht passend schien, so
Hess ich selbe durch einen meiner Schüler, Herrn F. Koch, in der
Weise ausführen, dass das Salz mit chromsaurem Bleioxyd in einer
Verbrennungsröhre, mit vorgelegtem Chlorcalciumrohr, erhitzt wurde.
1-030 Grm. Salz gaben dabei 0-429 Grm. Wasser. Die unter-
schweflige Säure ergab sich aus dem Verlust. Die mitgetheilten Daten
stimmen sehr genau mit der Formel des unterschwefligsauren Kalkes:
CaO, S202 -f- 6 aq., Herschel1), wie aus folgender Vergleichung
Sich ergibt: Berechnet Gefunden
CaO = 28 . '. 21 • 54 . .Hm^T
S202= 48 . . 36D3 . . 36-93
6HO = 54 . . 41-53 . . 41-31
130 100-00 100-00"
*) Annales de chimie et de uliysic|ue, vol. XIV, p. 335.
Die Krystallformeu des unterschwefligsauren Kalkes. «)01
Die aus mit Weingeist versetzter und rein wässeriger Lösung
erhaltenen Krystalle erwiesen sich bezüglich ihres Habitus und der
Winkelwerthe als identisch. Im Ganzen wurden 34 Krystalle unter-
sucht, von denen viele auf ihren Flächen sehr scharf das Fadenkreuz
des Beleuchtungs-Fernrohres reflectirten, und an denselben 72 ver-
schiedene Winkel mittelst 591 theils einfachen, theils Repetitions-
Messungen bestimmt.
Als Resultate meiner Arbeit ergeben sich:
1. Der unterschwefligsaure Kalk von obigeu Zusammensetzung
und nach der beschriebenen Weise dargestellt, krystallisirt im klino-
rhomboidischen (anorthischen) Systeme.
2. Im Vergleiche zu den Messungen Mitscherlich's zeigen
sich bedeutendere Differenzen in den Winkelgrössen als sich durch
die neuere Vervollkommnung des Reflexions-Goniometers erklären
lassen , und ist auch der Habitus der beiderlei Krystalle ein ganz
verschiedener.
3. Die Abweichungen der Winkel an den von Mitscher lieh
untersuchten Krystallen lassen — nachdem dieselben bezüglich ihrer
Lage und Grösse eine Gesetzmässigkeit aufweisen — vermuthen,
dass dieselben sich unter von den obigen verschiedenen Umständen
gebildet hatten oder nicht genau nach der Herschefschen Formel
zusammengesetzt waren.
Sämmtliche Flächen, welche Mitscher lieh an seinen Kry-
stallen aufgefunden *), habe ich mit Ausnahme einer, d oder—, eben-
falls beobachtet. Es sind die folgenden, in der Bezeichnung nach
Miller: {001} . {100} . {010} . {110} . {110} . {101}
Naumann: oP .ooPoo.ooPöö. ooP/ . oo',P. foo
Mitscherlich: P . a! . b . 1F~ 7~"jr* . f
Rammeisberg2): c . b . a . p . p" . q
{102} .{TOI}. {011}. {011}. {012} .{111} .{111} . {111} .{112}
V8/P'ob.'P/c>b.'i>'öö.<Plöö.V8iP#öö. P' . P, . ,P . V»,P.
e c . i . g h l . k . n . m
q/s . q' . r . r . r'/a . o . o" . o . o'/..
i) Vergl. Taf. III, Fig. ä in P o g g. Ann. v. .T. 1826, 8. RA.
2) Handbuch der krystallographischen Chemie 185S, 1. Bd., S. 64.
502 v. Zepharovic h.
Auf Taf. I sind diese Flächen nach stenographischer Methode
projicirt und nur jene Zonen ausgezogen, für welche wirkliche Beob-
achtungen vorliegen. Es wurde die von Mitscherlich gewählte
Aufstellung der Krystalle beibehalten, so dass die beiden Pinakoide,
welche annähernd den Winkel von 90 einschliessen, in die ver-
ticale Zone fallen.
Folgende Verhältnisse sind bezeichnend für die klinorhomboi-
dische Krystallreihe des unterschwefligsauren Kalkes:
1. Winkel der Pinakoide:
(l07o17'17"
Brachypinakoid und Basisfläche, {100} : {001} = l
Q A MO Q
Makropinakoid und Basisfläche, {010} : {001} = \
( 98 o 51
89 47 40
90 12 20
Makro- und Brachypinakoid, {010} : {100} =
2. Winkel des von den Polen der 3 Pinakoide (100), (010)
und (001) eingeschlossenen sphärischen Dreieckes. Winkel bei:
A = 81° 25' SO'
B = 107 29 37
C = 87 14 12
3. Winkel der Axen in dem Octanten der rechten obern
Viertelspyramide:
Brachydiagonale und Hauptaxe, yz = 98 34' 10°
Makrodiagonale und Hauptaxe, xz = 72 30 23
Makro- und Brachydiagonale, xy = 92 45 48
4. Längen der Makro- und Brachydiagonale und der Hauptaxe
a : b : c = 1 • 000 : 0 ■ 7828 : 1 ■ 5170.
Der Habitus der Krystalle wird bedingt durch die vorwaltende
Entwicklung der Flächen der horizontalen Längszone, namentlich
des Brachypinakoides {100} (b) und des Hemidontas {101} (</),
während die übrigen Flächen minder ausgedehnt sind; es erscheinen
die letzteren als vorderer und rückseitiger Abschluss liegender Säulen,
welche mehr oder weniger nach der Richtung der Brachydiagonale
gestreckt und zugleich nach der Makrodiagonale gedrückt sind.
Äusserst selten erlangt das basische und dann zugleich auch das
Die Krystallformen des unterschweflig'sauren Kalkes. 503
Makropinakoid, {001} (c) und {010} (a), eine bedeutendere Aus-
dehnung und habe ich diesen Fall nur an den grösseren Krystallen
aus rein wässeriger Lösung beobachtet. An den kleineren, aus alko-
holischer Lösung spiegelt meist die schmale c-Fläche trefflich, dafür
aber ist die «-Fläche ihrer Kleinheit wegen zur Messung ganz
untauglich. Dieser Umstand verhindert auch die so wünschenswerte
genaue Bestimmung des massgebenden Winkels von a zu b und zu
den beiden Flächen p und p" des verticalen Prisma; von den 45
Messungen dieser Winkel konnten nur 18 als etwas mehr Vertrauen
verdienende in Rechnung gebracht werden. Eben dasselbe gilt auch
von dem Winkel a : c Dafür aber gibt die Messung von p und p"
zu den benachbarten b und b' verlässliche Resultate und es liegen
für die Bestimmung von
p : b = {110} : {100} = 50°49' 0'
p" : b' = {110} : {100} =51 3 20
59 Messungen vor, von welchen 46 mit ihren Gewichten für die
Berechnung obiger Mittelwerthe benutzt wurden. Der erstere Win-
kel aus dem zweiten berechnet ergibt sich mit 50°48'34". Es hat
also die directe Messung der obigen beiden Winkel eine Differenz
von über 14 Minuten nachgewiesen, wozu auch ein minder vorzüg-
liches Instrument als das meine, bei guten Krystallen, hinreichen
würde. Mitscherlich gibt diese nach seinen übrigen Bestimmungen
gleichen Winkel in der Tabelle seiner Abhandlung nicht an; dafür
stimmt sein gemessener Winkel MM' = pp" = 78°10', mit meinem
Werthe 78 8 '6° fast überein, wie dies mit der Verschiedenheit
unserer Bestimmungen der Neigung von a : b wohl vereinbar ist.
Der durch obige beiden Winkel hinreichend erwiesene klino-
rhomboidische Charakter der Krystalle ist auch in allen Fällen durch
das Auftreten der beiden krystallographisch verschiedenen Flächen
p und p"' ausgeprägt; während die eine vortrefflich spiegelt und
weiter ausgedehnt ist, erscheint die andere matt, meist zu einer
schmalen Leiste reducirt oder auch ganz verdrängt.
So an den einfachsten Combinationen, in welchen die durch die
Flächen cqb gebildeten horizontalen Säulen, nur durch eine Fläche,
die rechte oder linke des Prisma geschlossen sind; ähnlich Fig. 6,
Taf. III. Zuweilen zeigen sich die Säulen an dem freien Ende durch
6 Flächen zugespitzt, unter denen ebenfalls nur einzelne Prismen-
Sitzb. d. mathem.-naturw. Cl. XLV. Bd. I. Abth. 35
504 v. Zepliarovic h.
flächen vorkommen, wie in Fig. 5, Taf. II dargestellt. Ein ideales
Bild aller von mir am unterschwefligsauren Kalk nachgewiesenen
Flächen in Combination, gibt die Horizontal-Projection Fig. 1, Taf. II
mit dem natürlichen Verhältnisse der Nebenaxen.
a : b = W : aa = 1 : 0 783
und mit Rücksicht ihres gewöhnlichen Grössenverhältnisses die per-
spectivische Zeichnung Fig. 2. ■ — Die übrigen Fig. 3 — 10 der
Taf. II und III sind nach der Natur entworfen, und es beziehen sich
die Fig. 3 — 6 auf Krystalle aus mit Weingeist versetzter und
Fig. 7 — 10 auf Krystalle aus rein wässeriger Lösung erhalten. Die
einzelnen Flächen wurden nach dem Vorgange von Rammeis berg
bezeichnet.
Eine eigenthümliche hemimorphe Gestaltung frei gebildeter
grosser Krystalle bringen die Fig. 8 — 10 zur Ansicht. In Fig. 9 sind
c, c und r ausnahmsweise stark entwickelt, und bedingen nebst den
ebenfalls unverhältnissmässig ausgedehnten q und b' die Hauptform.
Bei anderen Individuen erscheint das basische Pinakoid nur mit einer
Fläche, wie in Fig. 8, oder es treten an dem einen Ende die Flächen
r, q, r und b' zu einer Spitze zusammen, während an dem andern
die domatische Kante zwischen b und q, abgestumpft durch c, vor-
handen ist (Fig. 10).
Der Berechnung der Winkel der Flächen-Normalen wurden die
folgenden aus einer grösseren Anzahl (Z) gut übereinstimmender
Messungen erhaltenen Mittelwerthe zu Grunde gelegt.
z
(001) : (101) = 68°53'19' 24
(100) : (101) = 38 23 58 31
(001) : (011) = 35 27 0 15
(001) : (HO) = 72 41 50 13
(T00) : (TlO) = 51 3 20 22
105
Die nachstehende Tabelle gibt eine Übersicht sämmtlicher
gemessener und berechneter Winkelwerthe in einer bei einer
früheren Gelegenheit i) bereits besprochenen Anordnung.
») l'l>er die Kryslallformen des ameiseiisnuren Knpferoxydes u. s. w. , diese Sitzungs-
berichte, Bd. XLHI. 1801, S. 4 des Separat-Abdruckes.
Die Krystallformen des unterschwefligsauren Kalkes.
505
Winkel der Normalen
G e in
essen
— iß
Der Fläe
1 1 i' I'IT ll II 1 1
Gewichtsmittel
z
Grenzwerthe
si
010 : 100
ab
89°47'40"
89°50'40°
3
89°44'— 89°57'
7
010 : 100
ab'
90 12 20
-
1
90°7'
6
001 : 010
ca
81 53 9
81 53 30
4
81°43'— 82° 3'
5
001 : 010
ca
98 6 51
98 7 18
5
97 59 — 98 19
6
001 : 100
cb
107 17 17
107 6 20
2
107 6 —107 7
2
001 : 100
cV
72 42 43
72 44
29
72 37 — 72 49
34
110 :010
pa
38°59' 6"
38°49'30°
6
38°35'— 38°58'
16
110 : 010
pa
141 0 54
—
—
—
—
110 : 100
pb
50 48 34
50 49
24
50 45 — 50 57
30
HO : 100
pb'
129 11 26
—
—
— .
—
HO : 001
pc
94 26 38
94 27 42
2
94 24 — 94 32
4
HO : 001
pc
85 33 22
85 28 20
3
85 22 — 85 32
3
110 : 010
p" ' a
39 9 0
39 12 8
8
39 0 — 39 26
16
110 : 010
p"'a'
140 51 0
—
—
—
—
T10 : TOO
p"b!
—
51 3 20
22
51 0 — 51 7
29
HO : 100
p"'b
128 56 40
—
—
—
—
110 : 001
p'"c
—
72 41 50
13
72 36 — 72 49
13
110 : 001
p'"c
107 18 10
107 9 20
2
107 6 —107 11
2
HO : HO
PP'"
78 8 6
78 5 58
13
78 2 — 78 10
19
HO : HO
PP'
101 51 54
—
—
-
—
101 : 010
qa
84°31'40°
—
1
84°37'15"
i
101 : 010
qa'
95 28 20
—
1
95 22 45
1
101 : 100
qb
—
38°23'58"
31
38°21'— 38°29'
46
101 : TOO
ab'
141 36 2
141 36 9
4
141 35 —141 37
5
101 : 001
qc
—
68 53 19
24
68 50 — 68 57
37
101 : OOT
q£
111 6 41
111 3 0
2
HO 56 -111 10
2
101 : HO
qp
55 27 40
55 26 15
4
55 22 — 55 45
4
101 : HO
gp"
124 32 20
—
—
—
-
101 : HO
qp"
114 52 30
—
—
—
—
101 : HO
qp'
65 7 30
65 9 3
7
65 5 — 65 18
7
102 : 010
q/*a
82°11' 5°
102 : OTO
q/,a'
97 48 55
—
—
—
—
102 : 100
q/zb
64 36 8
—
—
—
—
102 : TOO
q/s!>'
115 23 52
—
—
—
—
102 : 001
q/z<-
42 41 10
42°44' 0"
9
42°35'— 42°52'
16
102 : OOT
q/zQ
137 18 50
—
—
—
—
102 : 101
ikq
26 12 10
26 16 25
8
26 4 — 26 31
8
35"
506
v. /. e |i li ;i r i) v i e h.
Der Flächen
Gerechnet
Gen
essen
— 9
Gewichtsmittel
z
Grenzwerthe
101 : 010
q'a
86°10'33°
_
_
_
TOI : OTO
q'a'
93 49 27
—
—
—
—
101 : TOO
q'b'
27 57 41
27°52'23°
8
27°43'— 27°59'
12
TOI : 100
q'b
152 2 19
—
—
—
—
TOI : 001
q'c
44 45 2
44 46 56
11
44 40 — 44 55
16
101 : OOT
<]'£
135 14 58
—
—
—
—
101 : 110
i'p'"
52 26 40
—
—
—
—
101 : 1T0
q'p'
127 33 20
—
—
—
—
TOI : HO
q'p
120 15 51
—
—
—
—
TOI : TTO
q'p"
59 44 9
—
—
—
—
TOI : 101
q'q
113 38 22
—
1
U3°40'
1
TOI : TOT
q'q
66 21 38
—
—
—
—
TOi : 102
q'qJz
87 26 12
—
1
87°23'30"
1
TOI : TOS
q'qk
92 33 48
—
—
—
—
011 : 010
r a
26°26' 9°
26°22'40"
4
26°21'— 26°25'
9
011 : OlO
ra'
153 33 51
—
—
—
—
011 : 100
rb
97 30 20
—
—
—
—
011 : 100
rb'
82 29 40
82 25 48
3
82 17 - 82 48
5
011 : 001
r c
—
55 27 0
15
55 21 — 55 33
20
011 : OOT
rc
124 33 0
—
—
—
—
011 : HO
rp
52 16 39
—
—
—
—
011 :T10
rp'"
38 50 20
38 39 18
6
38 31 — 38 46
6
011 : 101
rq
76 2 10
76 8 54
21
76 4 — 76 17
21
011 :T0T
rq
103 57 50
—
—
—
—
011 : TOI
rq
67 59 12
—
—
—
—
011 : 10T
rq'
112 0 48
—
—
—
-
01T : 010
r'a'
30° 4'16°
29°54' 0'
7
29°30'— 30°20'
7
01T : OTO
r'a'
149 55 44
—
—
—
—
01T : 100
r'b
81 7 7
—
—
—
—
01T : 100
r'b'
98 52 53
—
—
—
—
OlT : OOT
L''c
68 2 35
68 5 45
4
68 3 — 68 9
5
OlT : 001
r'c
111 57 25
—
—
—
—
OlT: 110
r'p
39 50 16
39 50 20
6
39 39 — 39 59
7
OlT : T10
r'p'"
54 50 4
—
—
—
—
OlT : TOT
rq
84 42 4
—
1
84°48'
1
OlT: 101
r'q
95 17 56
—
—
—
—
OlT : luT
r'q'
72 43 16
—
—
—
—
OlT : TOI
r'q'
107 16 44
—
—
—
—
OlT : 011
r'r
56 30 25
—
1
56°25'
1 1
Die Krystallformen des unterschwefligsauren Kalkes.
507
Gern
essen
•1 |>
Der Klär
hen
Gerechnet
_ 3
Gewiclitsmittel
z
Grenzwerthe
— SS
012 : 010
r'/a a
51°33'2r
—
1
51°31'
1
012 : 100
Wzi
76 11 58
—
1
76 21
1
012 : 100
rVz_b'
103 48 2
—
—
—
—
012 : 001
r'/»c
46 30 30
46°33'30°
8
46°22' — 46°39'
11
012 : 001
r'/zc
133 29 30
—
—
—
—
012 : TOT
r'/zq
77 34 7
—
1
77°31
1
012: 101
r'/2q
102 25 53
—
—
—
—
012 : 101
r'/z q'
59 1 49
—
—
—
_
012 : TOI
r'/z q'
120 58 11
—
—
—
—
012" : 01T
r'/2 r'
21 32 5
21 33 30
5
21°32'— 21°37'
8
012: 011
r'/zr
77 59 30
—
1
77°58
1
111 : 010
oa
37°27'48°
37031'16°
2
37°23'- 37°35'
5
111 : 100
ob
61 12 58
61 17 48
3
61 5 — 61 26
5
111 : T00
ob'
118 47 2
—
—
—
—
111 : 001
oc
71 5 54
71 6 17
4
71 2 — 71 11
5
111 : 00T
oc
108 54 6
—
—
—
—
111 : HO
op
23 20 44
23 22 0
4
23 16 — 23 29
5
111 :TTO
op"
156 39 16
—
—
—
—
111 : 101
oq
47 3 52
47 7 0
16
47 4 — 47 12
22
111 :TOT
oq
132 56 8
—
—
—
111 :T01
oq'
101 18 2
—
—
—
111 : 10T
oq'
78 41 58
—
—
—
—
111 :011
or
36 17 22
36 18 0
2
36 16 — 36 20
5
11T: 010
o"a
49°50'50°
—
111 : 100
o"b
47 13 7
47°15'20"
4
46°55'— 47°19'
5
11T : 100
o"b'
132 46 53
—
—
—
HT : OOT
o"c
03 32 56
63 31 0
5
63 20 — 63 38
5
HT : 001
o"c
116 27 4
—
—
—
—
HT: HO
o"p
22 0 26
21 59 0
3
21 58 - 22 0{
6
HT : TOT
o"q
111 56 54
—
—
—
HT: 101
°"q
68 3 6
—
—
—
HT: 101
o"q'
43 58 37
—
—
—
.
HT :T01
°"q'
136 1 23
—
—
—
111 : 011
o"r'
33 54 0
33 54 45
2
33 39 — 33 58
5
111 : 012
2"r%
34 22 47
—
—
—
HT: 111
o"o
45 21 10
45 21 20
3
44 58 — 45 42
3
TlT : 010
g'a
41°55'53"
41°52'10"
3
41°50'— 4l°56'
4
TlT : 100
q'V
58 27 27
58 24 30
5
58 15 - 58 39
5
TlT : 100
o'b
121 32 33
—
—
—
—
508
v. Z e p li a r o v i c h.
Der Flächen
Gerechnet
G e in
essen
6- £
«3J
Gewichtsmittel
z
Grenzwerthe
IlT : 00T
o'c
82°4i'B8"
1
82°46'
1
TlT : 001
o'c
97 18 2
—
—
—
—
HI : 110
o'p'"
24 36 12
24°35'45"
4
24°28'— 24°44'
6
11 T : TOT
o'q
53 32 27
53 32 27
8
53 26 — 53 49
10
111: 101
o'i
126 27 33
—
—
—
—
TIT : lOT
2'q'
109 27 13
—
—
—
—
TIT : TOI
o'q
70 32 47
—
—
—
—
TlT : OlT
(/)■'
40 25 26
40 21 0
5
40 9 — 40 23
5
TIT: 012
o'r'/z
49 46 3
—
—
—
—
TlT: IlT
q'o"
74 19 26
—
-
—
—
TlT: 111
00
79 23 41
79 17 50
3
79 16 — 79 20
4
Tlä : 010
o 2 a
o3°15'll'
—
—
—
Tl2 : TOO
°'/z °'
69 50 42
—
1
69°49i'
1
Tl2 : 100
~ö%b
HO 9 18
—
—
_
—
112 : OOT
°'/z c
60 24 1
60° 25' 53'
6
60°23'— 60°30'
7
Tl2 : 001
o'/z c'
119 35 59
—
—
—
—
112 : T10
o% p'"
46 54 9
46 52 26
4
46 46 — 46 54
5
T12 : HO
o'/z P
75 41 35
—
1
75°42'
1
T12 : TOT
o'k q
48 50 45
48 48 33
4
48 44 — 48 50
5
T12 : 101
oj_q
131 9 15
—
—
—
—
T12 : 102
o'/z g'a
44 33 44
—
—
—
—
T12 : 102
o'/z q/z
135 26 16
—
—
—
—
112" : 111
o'/z ?
35 51 19
35 49 40
3
35 48 — 35 52^
5
112 : 012
o'/z r'/a
33 57 20
—
1
33°54i'
1
T12 : TlT
o'/z -
22 17 57
22 19 40
2
22 18 — 22 23
4
Die Krystalle sind vollkommen
Pinakoide {001} (c).
spaltbar nach dem basischen
Um das oben bei den Resultaten meiner Arbeit unter 2. und 3.
Erwähnte zu begründen, gebe ich hier zunächst eine Vergleichung
der Winkelgrössen nach den Messungen Mit sc her lieh's (zum
Theil mit Benützung der Angaben in Ra mmel sberg's krystallo-
graphischer Chemie) und meinen eigenen Restimmungen.
Kry stallsystem Axenverhältniss
M diklinorhombisch . . . a : b : c => 1-0000 : 0*7849 : 1 -5331)1)
Z klinorhomboidisch . . . a : b : c = 1-0000 : 0-7828 : 1-5170.
') Ramnielsberg 1. c. In den Winkel-Angaben daselbst finden sich einige Fehler.
Es soll heisseil: p : p'" an a = 101°5O'; p : ]>' an b = 78°10'; b' : e = 10?°2';
c : p'1 = 94°'/; c : p'" = 10?°1?'; q' : c = i:}4°ö3'. Auch in M i t sc h e r li e h's
Abhandlung isl zu verbessern: /' : « = 38°0'; P ; c= 134°:>a1 4'; <■ : «' = 2?0;)!1. 4'.
Die Krystallformen des unlerschwefligsauren Kalke:
509
Winkel
der Flachen
Mitsei
erlieh
Ze,
harov
eh
Differenz
a b
90°
0'
90°
12'
20"
12f
a c
98
21
98
6
51
14
b'c
107
2
107
17
17
15|
pp'
78
10
78
8
6
2
pa 1
p'"a )
140
55
141
140
0
51
54
0
6
4
pb
p'b (
129
5
129
128
11
56
26
40
p" c
94
9
94
26
38
17f
p'"c
107
17
107
18
10
H
qc
110
58
111
6
41
H
qb'
38
0
38
23
58
24
q/zc
137
i
137
18
50
181
q/zb
64
H
64
36
8
33f
q'c
134
53i
135
14
58
21|
g'b
27
Sil
27
57
41
H
rc
124
321
124
33
0
z
3
ra'
26
U|
26
26
9
141
r'c
11 J
32f
111
57
25
24!
r'a
29
53f
30
4
16
10!
r'A c
133
7
133
29
30
221
r'/a a
51
28
51
33
21
H
o c
109
20-l
108
54
6
26f
op"
23
29|
23
20
44
8|
o"c
llä
31
116
27
4
56
o" p
21
22
22
0
26
38|
o'c
97
5|
97
18
2
13i
op'"
24
22|
24
36
12
13!
0, 2 C
119
H
119
35
59
301
o'/zp"
46
3U
46
54
9
22!
Nach den Zeichnungen, welche Mitscher lieh von den Kry-
stallen des unterschwefligsauren Kalkes entworfen ') , hatten diesel-
ben eine wesentlich durch die ausgedehnten Flächen der verticalen
Zone, insbesondere von M (//') und M(p >'") und der Basisfläche P(c)
bedingte prismatische Gestalt, an denen zum weiteren Unterschiede
von den hier behandelten noch eine Fläche d oder q'/s erscheint.
i) L. c. Taf. III, Fig. 3 — ä.
510
v. Zepharovich.
Über die Bestimmung der für das diklinorhombische System
bezeichnenden Winkel sagt Mitscher lieh *) nur Folgendes: „Durch
Messung fand ich b zu a = 90 . Bei den verschiedenen Krystallen
fand nur eine Differenz von 2 — 3' Statt, eine bedeutendere Ver-
schiedenheit zeigte sich gleichfalls nicht zwischen der Neigung von
M zu a (p" : b) und M' zu a (//" : &'); nach dem Mittel mehrerer
Messungen betrug die Neigung von M zu M' 78°10' u. s. f." —
Daraus ergibt sich wohl, dass Mitscher lieh gute Krystalle zur
Untersuchung hatte und mehrere Messungen desselben Winkels
anstellte; auch übersteigen die Differenzen in den schliesslichen
Winkelwerthen der von ihm und mir geprüften Krystalle in den
meisten Fällen, wie sich aus der vorgehenden Übersicht zeigt, den
Grad, den man einem nicht ganz vollkommenen Instrumente zur Last
legen könnte.
Betrachtet man aber diese
Differenzen in den Neigungen der
Hauptkrystallflächen , bezüglich
ihrer Vertheilung und Grösse,
wozu die nebenstehende Skizze
dienen soll, so zeigt sich von c
aus gegen p" und p ' Gleichheit
(wenigstens annähernd, derUnter-
schied in den Winkeln beträgt nur
+ 1') und beiderseits von dieser
Bichtung die Verschiedenheit in gleichem Sinne — diametral gegen
dieselbe, von c gegen p" und p die grösste Abweichung von + 17'38",
von c gegen b' und a aber dazwischen liegende und fast gleiche
Differenzen, im Mittel von 14'43". In der verticalen Zone sind die
Winkel von p zu p'" und demnach auch an p zu p' beinahe über-
einstimmend, dagegen jene von a zu b und a zu b' um 12'20"
abweichend.
Diese Verhältnisse sind jedenfalls bemerkenswert!) und dürften
meine früher ausgesprochene Vermuthung rechtfertigen, falls man
nicht überhaupt das Vorkommen von Krystallen in dem — als Specia-
lität des klinorhomboidischen wohl denkbaren — diklinorhombischen
Systeme bezweifeln oder die Möglichkeit von Fehlern in der bezeich-
• ts'if
11 '20*
+15 Vi"
») L. c. Seile 428.
Zepharovick. Die KrystaJlformen des unlerscbwefligsaureii Kalkes. Tot'. !•
jj°4l-
iO>
SP' 9
Siteun^l».a.leAkftä.a-.^;m«eh.Tutttor.Cl.XLV.Bl.LAbtli.l862.
Zepharovich. Die KrystaJlFormen des unterschwefügsauren Kalkes. Lif.ll.
Fnj /
Fig. 1.
Pars .1 k.k.tCof.u. Sta^tsinickerei.
Sit£iinösk(l.k.Alaid.l.AV.niatli.7ia1urw.('l.XIiA;B(l.T.ATitli.l8(i-2.
Zepharovich. Die Krvstallformen des unterschwefligsaureii Kalkes. T«f.
III.
r. U Eth . j-r -. -M- r. «,
Aicsd.i.JcKof.-u:. SfcaÄtslruckerei
Sitamgsb. ä.k.Akad.i.¥:niafli. natura. Cl.XLV.BeL LÄbtfc. 1862.
Die Krystallformen des unterschwefligsauren Kalke«. 51
neten Grösse bei Mitscherl ich's Messungen zugeben wollte. Der
Nachweis der Umstände aber, unter welchen sich das von Mit-
scherl ich behandelte Salz gebildet hatte, muss — nachdem über
diese so wie darüber, ob dasselbe genau der Hers che l'schen Formel
entsprach, in der Abhandlung vom Jahre 1826 keine Angaben ent-
halten sind und diese wünschenswerthen Daten wohl auch heute
kaum mehr zu erheben sein dürften — ferneren Untersuchungen
vorbehalten bleiben.
512
XIV. SITZUNG VOM 15. MAI 1862.
Der Herr Präsident der Akademie Freiherr v. Baumgar tner
theilt folgende an ihn gelangte Zuschrift des k. k. Statthalters in
Nieder-Ös (erreich mit:
Wien, am 10. Mai 1862.
Euere Excellenz !
„Der am 12. März d. J. verstorbene k. k. priv. Grosshändler Ignaz
L. Lieben hat in seinem Testamente ddo. 6. März 1862 für das all-
gemeine Beste eine Summe von 10.000 fl. bestimmt und die nähere Ver-
fügung darüber seiner Frau Elise Lieben und seinen Kindern anheim
gestellt."
„Laut einer Anzeige der genannten Witwe und ihrer Kinder beab-
sichtigen nun dieselben von dieser Summe der kaiserlichen Akademie
der Wissenschaften 6000 fl. verlosbare 5proc. Bankpfandbriefe zu
dem Ende zu übergeben, dass die Zinsen hievon jedes dritte Jahr als
Preise verwendet werden, und zwar nach Verlauf der ersten drei Jahre
für die ausgezeichnetste Arbeit im Gebiete der Physik mit Inbegriff
insbesondere der physiologischen Physik, und nach weiteren drei Jahren
dem Autor der ausgezeichnetsten, während der letzten sechs Jahre ver-
öffentlichten Arbeit im Gebiete der Chemie mit Inbegriff insbesondere
der physiologischen Chemie und so in dieser Weise alternirend dem
jeweilig ausgezeichnetsten Forscher im Gebiete einer dieser beiden
Wissenschaften."
„Es gereicht mir zum besonderen Vergnügen, Euer Excellenz von
dieser für die Wissenschaft erfreulichen Widmung in die Kenntniss zu
setzen."
„Indem unter Einem die genannte Witwe angewiesen wird, die
bezüglichen Bankpfandhriefe sammt den nach dem Courswerthe des
Ankaufstages vom Todestage des Erblassers laufenden 4perc. Zinsen
unter Bekanntgabe der nähern Details über die beabsichtigte Widmung
unmittelbar der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu über-
senden, habe ich die Ehre Euere Excellenz zu ersuchen, die Einleitung
treffen zu wollen , dass die Bankpfandhriefe nach Überkommung der-
513
selben der Vinculirung „für die kaiserliche Akademie der Wissen-
schaften iwe. der J. L. Lieben'schen Stiftung" zugeführt und sofort
auf Grund der Widmung im Einvernehmen mit der mehrerwähnten
Witwe und ihren Kindern der Stiftbrief-Entwurf verfasst und zur Geneh-
migung an die k. k. n. ö. Statthalterei als Stiftungsbehörde geleitet
werde."
„Genehmigen Euer Excellenz den Ausdruck der tiefsten Ver-
ehrung, mit welcher ich zu verharren die Ehre habe"
Euerer Excellenz
gehorsamster Diener
Halbhoher m. p."
Der Herr Präsident liest ferner nachstehende an das Präsidium
der k. Akademie der Wissenschaften gerichtete Zuschrift der
Ignaz L. Lieben'schen Erben :
,, Hohes Präsidium!
Mein am 12. März 1862 verstorbener Gatte Herr Ignaz L. Lie-
ben hat in seinem Testamente ddo. 6. März 1862 folgende Bestim-
mungen getroffen: „Für das allgemeine Beste bestimme ich die Summe
von 10.000 fl. ö. W. und stelle die nähere Verfügung darüber meiner
Frau und meinen Kindern anheim".
Mit den Intentionen meines verewigten Gatten, der den Werth des
wissenschaftlichen Fortschrittes für das allgemeine Beste klar erkannte,
wohl vertraut, glauben ich und meine Kinder nur in seinem Geiste zu
handeln, indem wir hiemit eine Summe von 6000 fl. ö. W. in Sperc.
verlosbaren Pfandbriefen der k. k. priv. österr. Nationalbank der
mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der kaiserl. Akademie der
Wissenschaften mit folgenden Bestimmungen widmen :
1. Es sollen alle drei Jahre die innerhalb dieses Zeitraumes auf-
gelaufenen Zinsen der Pfandbriefe zu einem Preise verwendet werden,
der am Tage der feierlichen Sitzung ertheilt werden soll.
2. Dieser Preis soll nach den ersten drei Jahren (vom 13. März
1862 als dem Todestage meines Gatten gerechnet) dem Autor der
innerhalb dieser Zeit veröffentlichten ausgezeichnetsten Arbeiten im
Gebiete der Physik mit Inbegriff der physiologischen Physik, nach wei-
teren drei Jahren dem Autor der ausgezeichnetsten, während der letzten
sechs Jahre veröffentlichten Arbeiten im Gebiete der Chemie mit Inbegriff
514
der physiologischen Chemie ertheilt werden, und in dieser Weise alter-
nirend dem jeweilig1 ausgezeichnetsten Forscher im Gebiete einer dieser
beiden Wissenschaften zu Theil werden.
Hierbei sollen aber insbesondere solche Arbeiten berücksichtigt
werden, welche durch neue Entdeckungen die Wissenschaft bereichern
oder in einer Reihe bereits bekannter Thatsachen die gesetzmässigen
Beziehungen aufhellen, während Compilationen und solche Arbeiten,
die blos dem Fleisse ihren Ursprung verdanken , nur ausnahmsweise
einen Anspruch auf den Preis begründen sollen.
3. Die Zuerkennung des Preises soll durch eine zu diesem Zwecke
jedesmal von der kaiserl. Akademie zu ernennende Commission, deren
Wahl zwei Monate vor der feierlichen Sitzung mittelst nicht unter-
schriebener Stimmzettel zu geschehen hat, erfolgen.
4. Es sollen bei der Preisertheilung nur solche Werke in Betracht
gezogen werden, deren Verfasser ein geborener oder naturalisirter
Österreicher ist, mögen diese Werke wo immer veröffentlicht oder als
Manuscript der kaiserlichen Akademie übergeben worden sein.
Wirklichen Mitgliedern der kaiserlichen Akademie darf der Preis
nicht ertheilt werden.
5. Der Preiscommission bleibt es vorbehalten , nach Umständen,
wenn keine der Bestimmung sub 2 vollkommen entsprechende Arbeit
vorliegt, den Preis entweder gar nicht zu ertheilen, oder denselben an
mehrere Verfasser einzelner werthvoller Arbeiten zu vertheilen.
6. Wenn die Pfandbriefe verlost werden sollten, bleibt der kais.
Akademie die Fructificirung des eingehenden Betrages anheimgestellt,
jedoch haben selbstverstanden für die Zinsen des neu angelegten Capitals
die vorstehenden Bestimmungen zu gelten.
Nachdem die k. k. n. ö. Statthalterei als Stiftungsbehörde bereits
diese unsere Widmung durch Erlass ddo. 10. Mai 1862, Zahl 19787
genehmigt hat , ersuchen wir die erwähnte Summe pr. 6000 fl. in
Sperc. verlosbaren Pfandbriefen der Nationalbank gegen gehörige
Quittung zu erheben oder uns anzuweisen, an wen dieselben aus-
zufolgen seien.
Elise Lieben m/p. , Leopold Lieben %., Dr. Adolph Lieben '"/,,.,
Richard Lieben m/lK, Helene Lieben "'/,,., Ida Lieben'"/,,.
Herr Hofrath W. Haidinger übergibt folgende zwei Abhand-
lungen :
515
1. „Der Meteorsteinfall im Gorukpur-District in Ober -Bengalen
am 12. Mai 1861."
2. „Das Eisen von Kurrukpur nicht meteorischen Ursprungs."
Herr Dr. E. Mach überreicht eine Abhandlung „über die
Molecularwirkung der Flüssigkeiten".
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Astronomische Nachrichten, Nr. 1339. Altona, 1862; 4<>-
Austria, XIV. Jahrgang, XIX. Heft, Wien, 1862; 8°-
Canestrini, Giov., Sopra una nuova specie di Tetrapturus, con
I tavola (Estr. call' Arch. per la Zool. t. 1, f. 2°-, 31 Dicemb.
1861); 8°-
Comptesrendusdes seancesde l'Academie des sciences,Tom.LIV,
No. 15. Paris, 1862; 4<>-
Cos mos, XIe Annee, 20e Volume, 19e Livraison. Paris, 1861; 8°-
Haidinger, W. , The Imperial and Royal Geological Institute of
the Austrian Empire. London International Exhibition 1862.
Vienna, 1862; 8<>-
Hippokrates, Zeitschrift für die medicinischen Wissenschaften
in Athen. I. Band, 3. Heft. Athen, 1862; 4«-
Land- und forstwirtschaftliche Zeitung, XII. Jahrgang. Nr. 14.
Wien, 1862; kl. 4<>-
Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt, Jahr-
gang 1862. IV. Heft. Gotha; 4<>-
Ramorino, Giovanni, Sopra tre piccoli Chironectes trovati nel golfo
di Genova (Estr. dall' Arch. per la Zool. t. 1, f. 2<>-, 31 Dicemb.
1861); 8o-
Reise der österreichischen Fregatte Novara um die Erde in den
Jahren 1857, 1858, 1859. Beschreibender Theil. III. Band. Mit
II Karten, IX. Beilagen und 81 Holzschnitten. Wien, 1862; 8<"
Schwarz, Eduard, Novara-Expedilion. Anthropology. A System
of Anthropometrical Investigations as a Means for the differen-
tial Diagnosis of human Races. Some general Results of the
Measurements the Instruments required. Vienna, 1862; 4°-
Wien, Universität, Öffentliche Vorlesungen im Sommer-Semester
1862. Wien, 1862; 4°-
Wiener medicinische Wochenschrift, XII. Jahrgang Nr. 19. Wien,
1862; 4°-
516
XV. SITZUNG VOM 22. MAI 1862.
Herr Hofrath W. Haidinger macht folgende Mittheilungen:
1. Stannern. Ein zweiter Meteorstein, durch seine Rinde genau in
seiner kosmischen Bahn orientirt.
2. Aus einem Schreiben des k. k. Bergmeisters Herrn Reissach er
in Böckstein.
3. Das Rieseuhirsch-Skelet aus der k. k. geologischen Reichs-
anstalt in den zoologischen Garten übertragen.
4. Bericht über die Ausstellung der k. k. geologischen Reichsanstalt
in London und über den Beginn der diesjährigen geologischen
Aufnahmen in der Monarchie.
Herr Prof. C. Ludwig übergibt eine Abhandlung: „Über den
Blutstrom in der Leber, insbesondere den in der Leberarterie" von
Herrn Dr. Wladimir Betz aus Kiew.
Das c. M., Herr Dr. J. Stefan, überreicht eine Abhandlung:
„Über die Bewegung flüssiger Körper".
An Druckschriften wurden vorgelegt:
Astronomische Nachrichten, Nr. 1360. Altona, 1862; 4°-
Austria, XIV. Jahrgang, XX. Heft. Wien, 1862; 8°-
Comptes rendus des seancesde l'Academiedes sciences,TomeL!V.
Nr. 16. Paris, 1862; 4<>-
Cosmos, XP Annee, 20e Volume, 20e Livraison. Paris, 1862; 8«-
Gazette medicale d'Orient, VP Annee, Nr. 1. Constantinople,
1862; 4o-
Gewerbe- Ver ein , nieder-österreichischer, Verhandlungen und
Mittheilungen. Jahrgang 1862, V. Heft. Wien; 8°-
517
Istituto, I. R., Veneto di scienze, lettere ed arti, Atti. Tomo VIP,
Serie 3% Disp. 4\ Venezia, 1861—62; So-
Land- und forstwirthschaftliche Zeitung, XII. Jahrgang, Nr. 13 & 15.
Wien, 1862; kl. 4<>-
Verein für siebenbürgische Landeskunde, Archiv. N. F. V. Band,
I. Heft. — Jahresbericht 1860—61. Hermannstadt, 1861; So-
Wiener medicinische Wochenschrift, XII. Jahrgang, Nr. 20. Wien,
1862; 4o-
Wochen -Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft,
XL Jahrgang, Nr. 15. Gratz, 1862; 4<"
Zeitschrift für Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Emil
Erlenmayer. V. Jahrgang, 9. Heft, Heidelberg, 1862; 8°-
Date Due
0£C 2 3 \981
Kl